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Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

18. Iahrqang

Mittwoch. 3. Oktober <°28.

Einzelpreis- «nnnttnSO Pfennig.

Nummer z34

Einzelpreis- Wochentags 1° Pfennig

Die Raffelei 'Jleueften 'Jlacbncäten «rWnen wocheniliL 'echsmal nuilrnttua». Der Äbvnnemenisvreis benagt für den illoruit 8.90 * bet tretet ."tuttellutto in» vau» >n dei tSiicbattefteUe ibgebolt i ~ J Durch d'e Si>i> monatlich 2.20 Jl ansichlteiUtch .-iuftenunawbübt i^etnfpred>e> 951 und 952 Mt unverlanat einaeianbte tieiträge kann die Redaktion eine yeriniroortnng odet Gewdnr ttt feinem Falle übernehmen Rückkohlungen des BezogSgelbeS oder Slttfvrüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger fltefening ift ausae 'chloaen - Pofticheckkonto ksranffuf n M Rnmm't sttst (Vtnielnnmmet in 4 Zonnraosnummer zf *

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König Alfons entläßt feinen Diktator?

Haltet ein!

So fördert man die Bolksbefriedung nicht

ZerLeppelm dreht iwerFrankfmt um

Wegen schlechten WelterS verläuft Dir «a-iferoure n"^''tlich

Die Stadt der Feste.

Herbsttage im Guirlanden-Madrtd. Bon

In letzter Zeit vergeht fast keine Sonntag, ohne daß es bei irgend welchen Auimärschen der großen Verbände zu Zusammenstößen kä­me. Berichte über bluitge Schlägereien gehören leider zur ständigen Einrichtung der Mamags- blätter. wobei die Opfer bald in den Reihen des Stahlhelms, bald in den Rechen des Reichsbanners, bald in den Reihen der Kom­munistischen Rot-Frontkämpfer zu suchen stnd Auch am letzten Sonntag gerieten die Geister wieder bei einer Kundgebung in Berlin und Roifronikämpser und Reichsbannerieuie in Geesthacht bei Hamburg aneinander Hatte »s in Berlin noch bei blutigen Köpfen sein Be­wenden. so verlies der Zwischensall in Geest­hacht wesentlich ungünstiger er zwang die Be­hörden dazu, die Gemei.ndewahlen abzubre­chen. Man wird nicht sagen können, daß solche Erscheinungen sonderlich erfreulicher Natur wä­ren. aber doch ist man offenbar nirgends ge­willt. aus diesen traurigen Ergebnissen Folge­rungen zu ziehen und für eine innenpolitisch: Befriedung einzutreten Ein Teil der in den Verbänden organisterten Kreise ist ofsenbar mehr für eine Politik des Schlagrings und des Revolvers, als eine Politik, die mit geistigen Argumenten kämpft. Es scheint ausgeschlossen, daß die Führer ihre Leute derart sest in der Gewalt haben, daß Ausschreitungen wirklich vermissen werden können und es erscheini des­halb umso nötiger, sich einmal die Frage vor­zulegen. ob diese blutigen Sonntage nicht wirk­lich verhindert werden können und ob eS tat­sächlich erforderlich ist, daß man immer wieder Sturm säen muß. um Haß ,u ernten.

Die Aussichten aus eine befriedigende Lösung dieser Frage sind allerdings recht gering. Die verstärkte politische Aktivität, die der Stahl­helm in lcketzter Zeit entwickelt, führt viel­mehr naturgemäß dazu, daß auch das Reichs­banner wieder stärker in die Erscheinung tritt, da keiner das Feld dem Gegner überlasten will So ist denn auch auf der Reichsbannertagung in Hannover wieder der Kampfgeist schärfer in Erscheinung getreten, von Innenminister Seve- ring mit vielleicht nicht allzu diplomatischen Re­dewendungen besonders angefacht. Wir stehen heute, wie sich aus mancherlei Kundgebungen ohne weiteres erkennen läckßt, vor der Tatsache daß die Verbände sich gegenseitig in eine gr - steigerte Tätigkeit hineinhetzen uno daß feder Verband mehr denn te von der Not­wendigkeit seines Bestehens überzeugt ist Wenn man sich vergegenwärtigt, daß es bereits eine Zeit gab. in der man von den Verbänden nur verhältnismäßig wenig hörte, und in der einige Aussicht zu bestehen schien, daß sowohl Stahl­helm wie Reichsbanner eines Tages als über­wunden betrachtet werden könnten, so wird man nicht gerade sagen können, daß die Ent­wicklung einen erfreulichen Verlauf genommen hat Mit polizeilichen Maßnahmen ist gegen ave diese Dinge außerordentlich schwer anzukom­men. man kann zunächst nur immer wieder an die Vernunft der politischen Führer appellieren Was Deutschland heute nottut, daS sind nicht Aufmärsche und Kundgebungen, sondern daS ist eine ruhige Entwicklung Diese ruhige Entwicklung braucht die deutsche Wirt­schaft ,um Wiederaufbau, aber auch die deutsche Außenpolitik braucht ein ruhiges und von in- nenpolitischer Verhetzung frei gehaltener Deutschland.

Gerade wenn man der Ansicht ist. daß un­sere Außenpolitik oft allzu nachgiebig war und wenn man den deuischen Staatsmännern für die unmittelbar bevorstehenden Verhandlungen über die RrvarationS- und die RäumunaSfrage das Rückgrat stärken will, so kann ein solches Ziel am wenigsten daurck erreicht werden, daß man gleicht zeitig die innere Front in- Wanken bringt. Man kann nur hoffen und wünschen, daß die verantwortlichen Stellen möglichst schnell zu der Einsicht kommen, wie gefährlich die heute befolgte Politik der Aufmärsche und Kundgebungen ift zunächst aber wird man fest stellen muffen. **a7; die Aussichten für eine fort- schreitende innenpolitische Befriedigung alles andere denn sonderlich günstig sind. Ist doch das von den Kommunisten einaeleitrte Panzerkreu- zervolksbegebren und daS vom Stahlhelm be­reit? anaekündigte Volksbegehren gegen die Ver- sastung. gegen daS sich ietzt auch Rechtsblätier wenden, die dem Stahlhelm sonst stets Svmva- tbien entaegenaebracht haben, nur geeignet die politischen Leidenschaften aufzustacheln und Un­ruhe -u schaffen, während dem Reiche nicht- nötiger wäre, als eine ruhiae Entwicklung und eine innenpolitische Befriedigung.

Friedrichshafen, 2. Oktober lSonderbericht.) DerGras Zeppelin" wird hinter Berlin etwa über Stettin und Kotberg, dann die Ostseeküste entlang noch heute nach Königsberg fahren, wo Dr Eckener nachmittags gegen sechs Uhr eintreffen will Dir Fahrt geht dann weiter die Ostsee hinauf, sodaß derGras Zeppelin" noch beim

letzten Licht des TageS in Stockholm eintrifft Ter weitere Kurs verläuft Dann so, daß das Schiff im Lause der Rächt über Kopenhagen erscheint und dann, nachdem es den übrigen Teil der Nacht über der Ostsee verbracht hat, vielleicht gegen Morgen­grauen über Sralsund heruntersährt und zwar in gerader Linie nach Schlesien und namentlich Breslau. In Den frühen Nachmit tagsstunden wird längere Zeit über Sachsen ge­kreuzt und dann Die Rückfahrt im scharfen Nord- oft SüdwestkurS auf Friedrichshafen angetreten, damit die Halle noch vor Einbruch der Dunkel­heit erreicht werden kann.

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Luftschiff marsch!

Mit 70 Passagieren nach Berlin unterwegs.

Friedrichshafen, 2. Oktober (Sonderbeiicht.) Bei der heu'igcn großen Probe zur c ahn liegt über Dem See unD den Bergen noch herbstliches Dämmerlicht. Friedrichshafen ift lebendig Autos rasen durch Die StaDt zur Werst. Arbeiter strömen hinaus. Alles scheint heutx ein bißchen nervös. An Borv befinden sich unter den Gästen auch Frau und Sohn des Ab­geordneten v. Kardorff. Mit Besatzung nehmen etwa

70 Personen an der Fahrt teil.

Beim Auswiegen zeigt sich daß daS Schiss noch etwas zu schwer ist. Eine Bordluke öffnet ich, und unter dem Gelächter der Umstehenden lekommt einer von Den Haltemannschaften eine kalteDusche, daß er naß ist wie ein PuDel. Ein KornmauDo Luftschiff marsch! und langsam gleitet es aus Der Halle hinaus Wenige Minuten später beginnen Die Propeller zu rat­tern, langsam unD sicher hebt sich Der silberne Riese in die Luft und verschwindet langsam gegen Norden Den Blicken Gegen Mittag wird Gras Zeppelin in Berlin sei«.

Ueber 6cm Luftriesen.

Auf Dem Ulmer Münster. Ganz Nürn­berg jubelt.

Ulm, 2. Oktober (Privattelegramm.) Durch Böllerschüsse wurde in den kleinen Städten Oberschwabens das Herannaben des LustschisseS angekündigt. Kurz vor acht Uhr konnte man aus dem Ulmer Münster bereits sein Nahen be-

WienS Arbeiter wollen Die Straßen blockieren.

Neu

Wien, 2. Oktober. DaS gestern erlassene Ber. bot deS für Den 7. Oktober angemelDetcn sozial­demokratischen ArbeitertageS. das auch den Re­publikanischen Schutzbund Aufmarsch betrifft, löste namentlich bei Den Arbeitern große Er­regung aus Die Sozialdemokraten ertlären, daß sie keinesfalls zulassen werden,daß am Sonntag nur der Heimwehr-Ausmarsch ftatt- findet Sie würden Dann Die Straßen mit 100 000 Unorganisierten füllen, um Den Heim­wehraufmarsch unmöglich zu machen. Die Arbeiter von Wiener Neustadt wollen sich sogar schon am Sonnabend aus Die Straßen begeben, um eine An

Blockade gegen Den Heimwehr-Busmarsch durchzuführen Am Mittwoch wird in einer gro. ßen Versammlung Der Republikanische Schutz­bund Beschlüsse fassen Ueber die SicherheitS- Vorkehrungen der Regierung ist noch nichts be­kannt Dagegen weiß man. daß die Garnison von Wiener Neustadt heute auS der Stadt ab- ziehen und durch Wiener Militär er- fetzt werden wird In Wiener Neustadt trifft man bereits Vorkehrungen, um die Frauen und Sinder nach auswärts z« bringen.

Hindenburg zahlt aus.

DaS GebunstaaSaefchenk für Die Aermsten.

Berlin, 2. Oktober. (Funkspruch.) Die dem Reichspräsidenten anläßlich seines 80. GeburtS-

merfen, das um 7 Uhr y ht- Stadt Ulm über- flog In Den alten Strafen. Ulme drängte sich Grofe uno Klein und jubel" »em Luftschiff zu DaS Schiss flog fc tw>i daß die Leute. Die ans Dem 172 Meuter hohen Münstertrum Ran­nen, von oben auf das 8 u11 schiss herab­sahen Nach einer Schleis- verschwand es in Richtung aus Nürnberg Dort drängte sick ote Bevölkerung vor den Zeitungen zusammen die Nachrichten über Den Start und den Flug '"ei­nen Die ganze Stadt ift unterwegs und in den engen Straßen sieht man überall Fahnen zu Hindenburgs GeburtS'ag und zum Zeppelin- flug Kurz nach 9 Mr näherte sich das Luftschiff her Innenstadt in einer Höhe von ungefähr 250 Meter in langsamer Fahrt ES ist 9 Uhr 10 Oberbit rci erm e t ster Dr Luvpe läßt sunkentele- arapbisch Grüße an Dr Eckner übermitteln 2wei Flugzeuge begleiteten denGraf Zeppelin- über Nürnberg der bald darauf nach Bapreuth und Hof weitersteuerte.

Yon den Fluozeugen auS konnten die Fahr -äste deSGrafen Zeppelin' sehr gut beoba» *et werden Zwischen den beiden Fluazeuaep -tnd demGrasen Zepvelin' fand eine B e g r ü '-uns durch Zuwinken statt.

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3ur TMNagSzen Ober Tftchassendutg.

WürzburZ, 2. Oktober (Privattelegrammi ^as LuftschiffGraf Zeppelin' passierte um >1 Pb. v-m Osten kom-nend Wür,h,irg

Aschaffenburg, 2 Oktober. (Privattelegramm.) Nachdem derGraf Zeppelin' bei Bamberg eine scharfe Wendung nach Westen gemacht und Würzburg passiert hatte, passierte er in in rascher Fahrt Marktbeidenfekd am Main mit KurS auf Aschaffenburg.

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Heute nicht nach Berlin.

Eckener muß wegen der Wetterlage abdrehen

Berlin, 2 Oktober (Durch Funkspruch) Na» aen letzten Meldungen wird daS Luftschiff .Gras Zepelin" entgegen den bisherigen Erwar­tungen nicht über Berlin fliegen. Die Wetter aqe in Norddeutschland hat anscheinend Dr ^ckener bewogen, den bisherigen Kur» na» Norden nicht weiter zu steuern.

Lieber gronnun na® Amsterdam

Berlin, 2. Oktober. (Durch Funkspruch > Wegen des schlechten Wetter» in Norddeutschland wird derGras Zeppelin" vermutlich nicht nach Berlin kommen. Eine spätere Mitteilung der Flugleitung besagt:Wir nehmen den Weg von Frankfurt in der Richtung Amsterdam nacht» über Nordsee und England, Mittwoch über Helgoland und Hamburg nach Berlin. Eine endgültige Entscheidung über diesen wahrschein lichen KurS wird später erfolgen." für drn 7. Sktober

Frauen, und Kinderflucht au» Wiener Habt

ages vom deutschen Volke dargebrachte Hinden burgspende hat satzungSgemätz zum heutigen Tage weitere 425000 Mark in Beträgen von durchschnittlich zweihundert Mark an besonders schwer betroffene, von Der KriegsbeichäDigtenfür

orge auSgewäblte Kriegsopfer auSgefchüttet Insgesamt hat dir Stiftung bisher rund 1,8 Millionen Jt an Kriegsbeschädigte, Hinterblie bene und Veteranen auSgezahlt.

Der Diktator in Ungnade.

Spaniens König sucht sich einen andern.

London, 2. Oktober. (Eigener Drahtbericht.) Rach einer Meldung von Der französisch-spani­schen Grenze soll nach Der Rückkehr des Königs Alfons nach Spanien eine merkliche Spannung zu Dem Diktator eingetreten fein, die, wie man vermutet, mit dem Ausscheiden Prim, de ReveraS enden werde. Der König soll einen Erlaß abgelehnt haben, der eine Reihe verha tungen einschließlich Ausweisungen gegen solche Persönlichkeiten vorsieht, die gegen Primo de Revera in Wort und Schrift feindliche Erklä­rungen abgegeben haben. Da außerdem inner­halb der Armee die Primo De Revera feind- lichen Elemente im Anwachsen begriffen seien, rechne man mit der Ersetzung de» Diktators durch eine andere nnd zwar militärische Persönkichkei t

E. von Jnv* rn-Sternberg.

De» Sauber ber fpanlfche» Diktatur-Ressben», beten Fröhlichkeit und Glanz beute freilich durch die Schallen der furchtbaren Theater» kalaftrophe etwas gedämpft ift, läßt nnier flöt« reloondeul an uns oorübergleiten. wenn er schreibt)

kaum ein anderes Volk Dürfte seine Haupt­stadt so lieben wie die Spanier. September und Oktober stnd die Festmonate In Madrid, Feste, die in diesem Iubtläumssahr ber Dikta, tut mit besonderem Prunk gefeiert werden. Alle öffentlichen Gebäude, ja ganze Stratzenzüge, ieuchten in den spanischen Nationalfarben, Rotz Geld, Rot. Fahnen. Wimpel, Balkontücher, Rosetten, Guirlanden alles trägt denselben bunten Schmuck Auch viele Straßenbahnen und Fuhrwerke zeigen kleine Fähnchen unD Bänder Nationale Paradezüge durchschreite« die Straßen, halten vor dem Präsidentschaftspa« last und brechen in sudelnde Vivaruse aus. ES olgen Bankette. Illuminationen, und es prasselt Reden hernieder, ohne die in Spanien kein Fest denkbar ist Im September beginnt Die Saifo« in Madrid. Der Hos siedelt wieder auS der Sommerfrische in die Hauptstadt Über. Die rei­chen Madrider, deren Paläste durch drei Mo­nate leerstanden, beginnen heimzukehren, und wieder gleitet die endlose Reihe eleganter Pri­vatautos über Den Kors" Der Madrider

Korso steht vielleicht einzig

in ber Welt da er bietet ein Bild von Reich­tum und Geschmack und Farbenpracht, wie e8 andere Städte kaum aufweisen können. Da» Gewühl ans den Hauptstraßen spottet jeder Be- chreibnng. denn ber Spanier flieht nicht da» Gedränge, es macht ihm Freude, sich mitten hin- einzumengen. Ueber die Puerta bei Sol fluten bisweilen gleichzeitig mehr als zweitausend Menschen. Die elektrischen Straßenbahnen stau­en sich, und die berittenen Schutzleute und Poli- leibeamten in schmucken Uniformen treten an, um den Verkehr zu regeln Mit einer Geste, als ob sie einen Marschallstab in ber Hand hielten, bringen sie Die Automobile zum Stehen. Die Fußgänger zwar pflegen nur wenig auf Die Ver- kehrsvorschriften zu achten. Dort nämlich, wo eS verboten ist. geht der Spanier am liebsten, und die AufschriftVerboten' schreckt nur we­nige ab. Da» Zentrum Madrids und be8 Ver­kehr». die Puerto bei Sol. (Sonnentor), ist kei­neswegs ein Tor sondern ein unschöner, baum­loser Platz aber eS hat Dort einst das Osttor der sarazenischen Stadt aeftanben, vor bem sich die Mauren, wenn bie Sonne aufging, sam­melten. um nach Mekka hin zu beten. Die elek­trischen Straßenbahnen müssen oft eine Viertel- tunbe warten, ehe fte bie Puerto bei Sol passie­ren können Bewundernswert ist dabei bie Ge- bulb des Publikums, bas sich nicht etwa wie anberswo über bie Verzögerung aufregt und chtmpft. sondern ruhig Zeitungen liest oder noch häufiger durch bie Spiegelfenster be» Wa­gen- bas Treiben auf ber Strafee betrach etz Ein Bewei» bafür. bafe Eile haben plebejisch wirft. Wer schnell von ber Stelle kommen will, mag ein Auto nehmen, ba» in Mabrib sehr billig ist. ober bie Untergrunbbabn benutzen, bie den ganzen Platz unterhöhlt Aus den Stufen, die in allen Richtungen in die Unterwelt hinab« führen, sitzen Kinder und verkaufen eifrig Lot­terielose, auf die man mehr al» hunderttausend Pesetas gewinnen kann Und wer

spielt in Spanien nicht Lotterie!

Man kann sich Spanien ebensowenig ohneLotterie wie ohne Sonne und Stiergefechte vorstellen. Im September und Im Oktober pflegen bie Provinzler in die Hauptstadt zu strömen und Hotels und Pensionen bis auf den letzten Platz zu füllen. Sie fchreiten langsam, alles bewun­dernd. Im Straßengewühl dahin, beschauen bie Auslagen ber Schaufenster, besetzen stundenlang bie Kaffee» unb können sich an ben abendlichen Illuminationen nicht satt sehen, Wenn ganz Madrid Im Flammenmeer elektrischer bunter Lampen glüht. Den Provinzlern zu Ehren pflegt auch alljährlich, verbunden mit bem Stierkam- i'fe, ein ritterliches Turnier statt,ufinden, da» diesmal unblutiger al» sonst auSsallen Dürfte, da auf Befehl Primo be Riveras die Pferde bet Picadores mit Panzern versehen sein werben, fobafe sie nicht, wie ba» sonst zu geschehen pflegte, vom Stier aufgespießt und auf die Hör­ner genommen werben können. Die echten Ziierkampfbegeisterten beflogen sich über birst Maßnahme aber sehr viel unnötige Grausam­keit wirb daburch vermieden. Da» nerbenauf- regende Spiel mit der Capa, mit dem rote« Tr. he, unb mit ber Banderilla», stammt aus bet