Einzelbild herunterladen
 

Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 232

Sonntag, 30. September 1928.

18. Jahrgang

iPcAeninoN 10 Pfrnntq

tFfnxriitr,.«- ennnfnqe A> Pfennig.

I

(

Mancher alte Meister mußte Gang in di« Fabrik antreten

Vom Streik zur Staatskrise

Bombenwürfe im australischen Hafen.

Wie aber will man zum moralischen General- sturm gegen die Bastionen von Versailles antre­ten, wenn nicht auch der letzte deutsche Arm sich stützend hinter die Unterhändler schiebt?. Wie will man die eiserne Einheitsfront des Gen steS vorwärtstragen, wenn s

Montag eingestellt worden. Die Bürger wurden aufgefordert, sich als Freiwillige zum Po­lizeidienst zu melden.

südaustralische ttäbtnefi EWnoete eine "nötig- nale Krise. Die Arbeit ist zunächst bis zum

3e«reiene< Schweigen wegen ver Fivnennou

Paris, 29. September An amtlichen Stellen schweigt man sich über Amerikas Antwortnote zum Flottenkompromitz aus. Heute wird mit Unterstützung von Marinesachverständigen das Dokument geprüft. ES ist klar, so bemerkt ein amtliches Organ, daß London-Paris sich werden verständigen müssen. Die französische Antwort wird also nicht vor Ablauf einiger Zeit über­mittelt werden. Die Note beendige jedoch die Diskussion in keiner Weise.

Aufs Trockene gesetzt.

Amerika läßt London-Paris zappeln.

Rewdork, 29. September. (Durch Funkfpruch.) Zur gestern in London und Rewpork überreich ten amerikanischen Rote wird betont, daß sie keine Antwort vorauSfetze. Andere amtliche Steife halten weitere Verhandlungen nickt für ausgc schloffen. Den nächsten Schritt müßten nun die Alliierten unternehmen. Sie müßten den ame- rikauischr« Wünschen entoeaenkoinmen. bevor

Beziehungen der undsatz der gegen,eitigen unvorcingenomenein Presseinformation zur Gel­tung komme. Um das beiderseitige Vertrauen

Amerika sich entschließe, an weiteren Seeab- rüstungsbesprechungen teilzunehmen. Die Vcr- handlungsgrundlage sei der letzte Vorschlag Paul Boncours. Auf jeden Fall müsse aber den ame­rikanischen Bedürfnissen volle Rechnung getragen werden. England und Frankreich be­finden sich jetzt in der Verteidigung.

Warschau, 29. September. Außenminister Zaleski sucht in einer Erklärung den von ihm gegen die deutsche Presse erhobenen Vorwurf ten­denziöser Berichterstattung über Polen zu be­gründen. So hätten gewisse deutsche Blätter u. a. bei der Wiedergabe seiner Genfer Rede sich Veränderungen des Inhalts zuschulden kommen lassen, um eine Rechtfertigung für diese tenden­ziösen Kommentare zu haben. Auch objektive Blätter hätten begonnen, über polnische Angele­genheiten anders als früher zu berichten. So sei u. a. seine Reise nach Rom ebenso wie die Erkrankung Pilsudskis falsch dargestellt und als '>nlaff/ariSbge- von Huzuwahr und Rentner, bei L. Sfsiför. Spohrstraße.'^.^nd W

Der Zug im Schlamm.

Wüstes Herbstwetter. Ueberschwemmte Dörfer und Strecken im Westen.

Paris, 29. September. (Eigener Drahtbericht. > In fast allen Gegenden Frankreichs traten heftige Gewitter und Rrgenfälle ein. Der Darc ist aus feinen Ufern getreten und hat ein Dorf teilweise unter Wasser gesetzt. Bei St. Clement riß der angeschwollene Gebirgsbach einen Teil der Straße weg, verstopfte das Eisenbahntunnel und überschwemmte den Bahnkörper mit über hun­dert Kubikmeter Geröll. Die Lokomotive eines Güterzuges und der Gepäckwagen versanken in Schlamm und Geröll. Der Verkehr ist für meh­rere Tage unterbunden. Schäden werden auch aus anderen Orten gemeldet.

cheitsfront des Gei- . sich schon jetzt oie äußersten Flügel links und rechts lockern und schweren innenpolitischen Zwist den Kerntrup­pen und Führern als Sprengminen vor die Beine werfen? Gerade Unsicherheit und Unfrie­den deutscher Partei-Quertreibereien hat ja die Briand-Poincars-Klique als stärksten Faktor in ihre Rechnung gestellt. Und wenn auch das Panzerkreuzerverbot der Kommunisten vom Volksbegehren zum Volksentscheid nur als wü­ster Treppenwitz der Zeit wohl das Doppelte an Millionen verschlingen wird, was der Kreuzer selbst kostet, ohne Parlamente oder Kabinette ins Wanken zu bringen (denn welcher Verstän­dige wollte die sinnlose Posse der £ ünger Mos­kaus mitmachen, die ihren Schutzpatronen die furchtbarsten Mordwaffen in phanta ,cyer Fülle zubilligen, während sie die Heimat der letzten äußeren und inneren Wehr berauben wollen: Schwerer zu Buch schlägt schon das Stahlhelm- Volksbegehren der VerfaffungSreform, das ern­stere Auseinandersetzungen auf der Rechten brin­gen dürfte und immerhin starke Keile zwischen die Bürgerparteier überhaupt zu treiben geeig­net ist. Diese Parteischmerzen könnten jedoch die Schlagkraft nach außen niemals so katastrophal

politischer Millionenkrach.

StaaUich« Rettung der Dänenbank?

Kopenhagen, 29 September. (Eig. Drahtbe. richt.) In der Sitzung der konservativen Frak­tion wurde ein Ächter-AuSschuß gebildet, der mit der Regierung über eine gemeinsame Lö­sung der Privatbank-Krise verhandeln soll. Der Ministerpräsident hat fick vorläufig geweigert, mit diesem Ausschuß in nähere Verbindung zu treten. Der Gesamteindruck geht dahin, daß die Privatbank-Angelegenheit jetzt eine

starke politische Rote

erhalten hat. In einigen Regierungsparteien stellt man sich auf den Standpunkt, daß der Staat sich in dieser Angelegnheit einem Risiko nicht aussetzen dürfe, d. h. also keinerlei Garantien gewähren dürfe. Konservative Kreise halten aber eine Mitwirkung des Staates für unbedingt wünschenswert, um schwere Er­schütterungen deS Wirtschaftslebens zu vermei­den. Eine Rekonstruktign der Bank müsse biS spätestens Montag durchgeführt werden (Siche auch MeldungenAus aller Welf.)

gerwagn ,en, aus Raketenauto- und noch segens­volleren Erfinder-Geistesblitzen, der Völkerfriede goldener und schmerzloser erblühen wird, als itT* den Schlangenbeschwörerkünsten der Ge fer Gauklerzunft. ,,

Am i. Oktooer kann der in toet..' Kreisei > der Kolk--r-r Nev""1" lie Noch ist ja nicht alle Hoffnung geschw daß ein paar gescheite Köpfe in der Wilbelm- straße nun allmählich einen Stollen durch den St. Gotthard der Dawes- und Besatzungsfron treiben werden, den uns Vormund Briand allrr-

zu erhalten, habe er beschlossen, diese Angelegen­heiten aufzurollen. >

*

Herr Zaleski macht zum zweitenmal eine traurige Figur. Die Objektivität der deutschen Presse ist über alle Kritik erhaben und beiden Völkern wäre besser gedient, wenn der Eiferer erst einmal die falschen Wechsler aus den e i g e- nen Pressetempeln vertreiben wollte.

Riesenstreik unvermeidlich.

50 000 Werftarbeiter ab Montag im Ausstand.

Hamburg, 29. September. (Privat - Tele­gramm.) Da der Schiedsspruch für die See- schifswerften vom Reichsarbeitsminister noch nicht für verbindlich erklärt worden ist und die Lohnverhandlungen aus einem toten Punkt angekommen find, fordern die für die Werft­arbeiter zuständigen Gewerkschaften zur Ar­beitseinstellung am Montag den L Ok­tober auf. Der Streik aus sämtlichen deutschen Seewerften scheint demnach unvermeidlich zu fein. Sollte der Streik vollständig durchgr- führt «erden, so werden Montag sünszigtau- send Werftarbeiter im AuSstand stehen.

i- >nkaß/arsSrge°- vdn Hu'vwabr-un- Rentner- (SaTS?««? ». das autv-zalue«,. «y«

, ..»J bei L. MMr. Spohrstraße.'^^'nd tvÄÄ bA '-»eretnsletter, Jutzendstlretärj

? öe'priJit?tn D-Oberetjster schließt: Es " liNielm- heißester Wunsch,rahlt 'jn den deutsch po',-: Heu

Unglaublich verroht.

Ein LiebeSpärchen erstickt die Tante. Um ein paar vergnügte Tage.

Saalfeld, 29. September. (Privat - Tele­gramm.) Der neunzehn Jahre alte Schlosser Klötzer war mit seiner achtzehn Jahre alten Braut nach Wallendorf gekommen, um von fei­nen dort lebenden Tanten Geld zu ver- langen. Er traf jedoch nur die eine von ihnen, eine fünfundsechzig Jahr« alte Frau, an, und fiel, als fie ihm daS verlangte Geld nicht gab, über fie her und erstickte sie mit einem Kissen. Dann versuchte er, fich mit einem Messer die Schlagadern an Armen und Hals zu öffnen. Durch den Alarm der Braut eilte die Polizei Hinz« und nahm den Täter und seine Braut fest. Sie wollten fich mit dem Gelhe nach München begeben und dort einige vergnügte Tage verleben. Tann wollten fie fich wegen Krankheit gemeinsam das L e b e n nehmen.

Mancher alte Meister mußte den schweren Gang in di« Fabrik antreten oder fick damit begnügen, .Finken*, das sind die herzigen Kinderschuhchen, di« man au8 Lederabrällen

Sidney, 29. September. (Durch Funkspruch. > Die Streiklage in Australien hat sich wesentlich verschärft. In Melbourne wurden die Häuser von zwei Dockarbeitern mit Bomben beworfen, während das eine Hau^s vollkommen zerstört - ----- ----- ine^,» t.^.rrt,it ek,a

absehbarer Schaden erwächst. Gerade der 2. Ok­tober läßt beim 81. Wiegenfest unseres Reichspräsidenten, dessen lautere Staatsgesin­nung heute von rechts noch links kein Deutscher und weiterhin über den Erdball auch kein Frem­der anzutasten wagt, wieder den Herzenswunsch der Besten unter den Volksgenossen in uns auf­brennen, daß unter di-sem würdigsten Patriae- den möchten, in dem es wenigstens unsere Kinder heit und zum großen Freiheitsbau gelegt wer­den möchte, ui dem es wenigstens unsere Kinder einmal leichter haben sollen.

Zeder kehre vor eigener Türe.

Zaleski macht die deutsche Presse schlecht.

anietgenr) rette: Einheimische GelchättSanzeigen die mm-Zette 10 4. auswärtige Gelchäftsan,eigen die mm Seile 10 4 framilienanaeigen die mm-Zeile 10 4. Kleine Anzeigen aus Raffel das Wort 6 i. auswärtige Kleine Anzeigen die mm- Zeile 10 4. Reklamen die mm-3eile 98 4. Offertgebühr 95 4 (bei Zustellung 85 4>. Rechnungsbeträge innerhalb> Tagen zahlbar ftür die Richtigkeit aller durch ftentf»re(6ei; aufgegebenen Anzeigen sowie für Aufnabmedaten und Platze kann nicht garantiert werden, ftür Anzeigen mit besonders schwierigem Satz 100 Proxnt Aufschlag Druckerei: S4Iac6t6offtr. 28/80. Geschäftsstelle: Köln ®tr. 5.

Die Kasseler Neuesten Nachrichten erfche'uen wöchentlich sechsmal nachmittags. Der Abonnementsvrets beträgt für den Monat 2.20 * bei freier Zustellung Heschäitssteüe abgeholt 2 - M Durch die tzok- monatlich 2.20 Jl ^i!»>/.E«»-1.u»«llungsgebüdr ffernlorecher »51 und 952. »ür unverlangt -Beiträge kann die Redaktion eine Vertutwortung ober Gewähr in übernehmen Rücktabluugen des Beiugsgeldes oder Ansprüche wegen .1 orbnttag«mSfiiger Lieferung ist ausge'chlosten. - Postscheckkonto Srankfun a M. Nummer fSW Efnielnummer 10 4 TonntagSnummer 20 4

Tropentumulte wegen Frauen

Brasiliens Kavallerie gegen Faschisteustudenten.

Sao Kaolo, 29. Sept. Seitdem am vergan­genen Montag das Büro einer italienischen fa­schistischen Zeitung geschlossen worden ist, dir einen Artikel gegen die Frauen von Brasilien veröffentlicht hatte, haben täglich Versammlun­gen von Studenten siatgefunden, die die öffent- liche Ruhe der Stadt bedrohten. Der Polizei­chef ließ androhrn, daß er von der Gewalt Ge­brauch machen würde, sobald fich die Demon­strationen wiederholten. Gestern kam es zu Zu­sammenstößen, sodaß ein Kavallerieregiment eingesetzt werden mutzte, um di« Demonstranten zu vertreiben. Zweihundert Verhaftungen wur. den vorgenommen. Di« Haltung der Polizei wird stark kritifiert, aber die Stadt ist ruhig ge­worden.

gnädigst in Genf zugestand. Allerdings sollte man bet der selbst vertragsmäßig nicht mehr ällzufernen Räumung der zweiten Zone auch ohne neue Milliardentribute es unter keinen Umständen zulassen, daß, etwa, genau wie bei der Freigabe Kölns, die ganze Besatzungspest sich einfach in die dritte Zone zurück- w ä l z t, um dort die seelischen und materiellen Qualen ins Unerträgliche zu steigern. Nicht eine Reitpeitsche mehr darf vor den trotz- verbissenen Duldermienen der am längsten lei­denden Bezirke herumfuchteln. Diesem schon jetzt in allerlei verdächtigen Truppenverschiebungcn sich verratenden Generalstrick muß man beizei­ten durch unzweideutige Kautelen das! Handwerk legen.

verfertigt, herzustellen, oder gar nur Flickarbei. ten auSzufLhren. Der ein« oder andere hat sich als »BpllsiArfter* auf die Herstellung koketter Brvkarschuhe spezialisiert. Wer läßt sich denn beute noch Schuhe nach Maß anfertiqen? ES sind nur sehr wenige, sehr penible Menschen, die gleichfalls auf ihre Art der guten Altväter, leit ange'wtn (oder empfindliche Füße haben). Während Air in einer solchen still gewordenen Meisterstube plaudern, ziehen

drei Bremer Stadtmustkanten fechtend durch di« Gassen b«8 Städtchens. Ihr« vev» ichollene Musik paßt zu unseren Gesprächen, Diese drei windumwehten Dandermusikanten, wetterhart«, alte Knaben, die ruhelos übet di« Landstraßen ziehen und die Eintönigkeit ver- 'chlafener Bällchen vertreiben helfen, sind auch nicht von dieser Zeit, in der die Spreckmaschin« und der Rundfunk das große Wort haben. Ein Sprung nur hinüber in die große Schuhfabrik mit ihren sausenden Transmissionen. Eine einzige Schuhwerkieuamaschine macht Hunderte von Schuhmacherhänden überflüssig. Sie packt mit ihren Zangen das Oberleder, zieht eS straff

Die ^ahn frei!

Das Bolksw^» steht über dem Parteihader.

Jn den Tagen, da wir wie Schemen durch oie qualmenden Nebelschlünde geistern, jeder Schritt und Rus lautlos in weißgrauem Dunst und Brei verhallt, wo die Blätter jäh zu Blut und Rost erstarren und ihr bunter Todesteppich sich dichter und dichter unter unsere Füße breitet, in diesem früher und früher verdämmernden Traumlicht flammender Asternbeete und sternen­kühler Vollmondmärchen, lassen sich alle vom Vergänglichkeitsweh überschatteten Seelen umso freudetrunkener hoch- und mitreißen in die stol­zen Siegesflüge unseres stählernen Luftriesen, der nach der gestrigen glückhaften Alpenfahrt noch hinüber in den Orient stoßen und dann fernen Weltenküsten entgegendonnern will. Ver­haltenen Atems lauschen wir den Funkbotschaften aus den Luftkabinen, die alle geschauten Wunder der Welt rnd des Menschengeistes preisen. Und wie ein leiser Trost will uu8 die Zuversicht be­schleichen, daß aus diesem unschätzbaren Zu- kunftssamm, us Zeppelin- und anderen Flie-

Ministerfeldzug gegen die presse.

Dor dem Rlksenftretk an der Waffe» kanle /Wie übersteht Dänemark den Millionenkrach?

Hausaltar der Arbeit.

Aber nur noch an sehr wenigen Altären wird der Dienst verrichtet. In den meisten Schuh­macherwerkstätten ist ewiger Feierabend eingekehrt. Peinlich aufgeräumt, der Werk­zeugtisch wie mit einem Leichentuch zugedeckt, ruht die Oberwerkstatt. Die industrielle Ent­wicklung ist über den einzelnen wie über daS gesamte Schuhmacherhandwerk hinweggegangen. Hans Sachfens biederes Handwerk stirbt. Noch ist das alte Geschlecht nicht verschwun- den, das jene Zeit eines blühenden Handwerks erlebt hat. Man erkennt sie sofort, diese Ve­teranen. Vierzig oder fünfzig Jahre Schuhma­cherei, das grabt den gleichen Zug in di« Ge­sichter. Die kleine Blechbrille vor den lebens- klugen Augen, der kräftige, von dünnem Silber- haar bedeckte Schädel, eine Rüstigkeit und ein -äher Arbeitswille bis ins biblische Alter. Es sind die letzten eines uralten Standes, und um die Letzten ist immer

etwas Ehrwürdiges und Verklärtes.

zermürben, wie vielleicht die Fehlschläge der jetzt fälliaen koalitiot smäßigen Bindung deS Reichs­kabinetts, von denen ja auch daS Schicksal der Prentzenregierung abhängt.

Anscheinend ist bisb.r noch ,o gut wie nichts getan und beftebt üvcr^nupt wenig Lust, diesen Tragbalken in daS wacklige Reichsgerüst der Grotzet Koalition einzuziehen, den bekanntlich Severing schon für ier Jahre gepachtet hat und an dem ja auch ein preußischer Ministersessel für die Volkspartei .11. Und bot> sollte man daS so hoffnungsvoll im Maienlenz erblühte zarte, aber noch ofthp ftagwürdige RegierungS- ?ewächL nicht an einem zufälligen, srühwinier- ichen Rachtfr st eingehen lassen ur der Liebes­ehe die versprochene legitime Wethe geben, damit aus ihrem Zerfall nicht der BefreiungS- aktion und d ftlkswohlfahrt im Ganzen un-

Verlassene Altäre.

Maschine gegen Mensch.

In der Schuhmacherwerkstatt der Babuschcn.

Bon

Hans riatonek.

Wie et« Handwerk stirbt. Hammer ttttl tote ruh«. Ehrwürdige Zeuge« der Hans SachS- f<6c« Kunst. Den ..Brennern" geht es ähn­lich. Die Fabrik bietet alles.

t Die große Mode der B a b u s ch e n hat einst i ein heller Schwabe aus Algier mitgebracht, wo i er als Sultanssklave aus der Gefangenschaft i entwichen war. Das Wort ist türkischen Ur- . sprungs, wie die Sache selbst. Es ist eine Art , Pantoffel, in Sachsen .Latschen" genannt. Mei- : fter Johann Meier ließ sich in Groitzsch

(Sachsen) nieder und verfertigt« Babuschen Es muß damals ein großer Modeartikel gewesen sein, denn die Babuschenerzeugung nahm stän­dig zu. Johann Meier ist somit der Begründer der Groitzscher Schuhmachergeneration, der geistige Vater deS dortigen Gewerbes geworden Und fortan heißt Groitzsch bis aus den

heutigen Tag Babuschen-Groitzsch.

Die strebsamen Schuhmacher von Groitzsch blie­ben aber beim Babusche dwerk nicht sieben.

Toa ohne <**-m<'fionen.

Schuhma erkstatt, u. oer ±.«. ne. früh morgens bis spgt abends klopfte un» hämmert«. Und eine sechsköpsige Familie konnte sich ganze 3.60 Mark in harter Arbeit verdienen. Das ergibt pro Kopf einer Schuh- machersamitie einen Stundenlohn von 4 Psg. Wie war man aber auch hinter dem Verdienst her. Ein Meister wollte einst den Postomnibus einholen, weil seine Frau einige Paar ver­gessen hatte. Der Vorsprung war aber zu groß. Er läuft und läuft, und da er nun einmal 'M Trabe ist, marschiert er weiter mit dem grünen Schurzfell, barhaupt, an den Füßen Latschen, und Latschen in den Händen, bis er atemlos in der Leipziger Südvorstadt ankommt. Ein Ma­rathon-Laus der Arbeit über 16 Kilometer! Di« Kundschaft aber hat ihre Babuschen rechtzeitig erhalten. Die junge Generation ist t nd u st r i a- lifiert, die alte noch ganz handwerklich- zünftig. Fast in }<bei_. Wohnung steht di« .Pritsche*, ein erhöhtes Podest mit dreibeini­gen Schemeln und dem Werkzeugkasten: der