Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 226.
Sonntag, 23. September 1928
Einzelpreis? iPoifirnfnaS 10 Pfennig
Einrelpi-eiS: Sonntags A> Pfennig.
18. Jahrgang
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Lloyd George zeugt für unser gutes Recht.
Soll Sesterreich zu Grunde gehen? ! Wenn die Versuchung naht.
Der 7. Oktober alS Schicksalstag. 200 000 Arbeiter marschieren gegen die Hrimwehren auf.
Wenn Polen anbandrln will
und eine
aggressiver Gelüste Polens.
West-Palmbeach, 22. September. (Funkdienst.) f den Typhusimpfungen soweit wie möglich auch r ftftTMlfrtW ko«* X»»*t;** «... * . .
Dr. Clawson der ärztliche Rote Kreuz-Leiter im
im Hinterlande der Sturmzone vorgeuommeu,
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fierten Zone aus französischem Gebiet zustimmen wollte, könnte man eine sog. Feststel- lungs- und Ausgleichskommisflon ernst nehmen.
Sanrfeld schon am persischen Sols.
Konstantinopel. 22. September. (Funkdienst.) Wie aus Teheran gemeldet wird landete die „Europa" mit Freiherrn von Hünefeld an Bord gestern am Persischen Golf. Hünefeld seht heute keinen Flug nach Karachi fort.
Wien, 22 September (Privatteiegramm.) Die Wiener Arbeiterzeitung legt unter der Ueberschrtft: „Am 7. Oktober nach Wiener-Reustadt!" die Bemühungen der Partei dar, die Aufmärsche der einzelnen Selbstschutzverbänd- nicht nur für den 7. Oktober, sondern auch für ein ganzes Jahr im ganzen Oesterreich zu verbieten. Da die Negierung aber abgelehnt habe, werden di« Arbeiter als Gegendemonstration gegen den Heimatschutibund am 7. Oktober einen «rbeitertag veranstalten, wie Oesterreich noch keinen gesehen habe. Es feien ave Vorkehrungen getroffen, damit die proletarische
Disziplin eingehalten werde. Denkt an Italien« Wir werden es nicht soweit kommen lasten wir werden den Fa schismus in Oesterreich nicht groß werden lasten. Der Republikanische Schutzbund habe bei den Bundeswahlen 17 Sonder- züge bestellt und verhandle wegen eines weiteren Transports von 60000 Arbeitern. Die Teilnehmerzahl an der Arbeiterkundgebung wird auf 200 000 geschätzt. In einem kommunistischen Flugblatt werden die Eisenbahner aufgefordert keine Heimwehrleute zu befördern. Der nieder- österreichische Landeshauptmann verhandelt weiter, um die Ruhe und Ordnung am 7. Oto- ber sicherzustellen.
Der Geist ist stärker.
Unsere Besten zeigen uns den Weg.
Will uns auch in den Schatten- und Leidens- talern politischer Bußfahrien kaum ein Sonnenstrahl unsere Dornendulderkrone umflechten, keine goldene Glucksitraße uns hinaufheben ins Gletschergrfunkel ewiger Freiheit . . . Umso machtvoller regen sich dafür die ungebrochenen Schwingen deutschen Erfinder-, Forscher- und Schöpfergeistes überhaupt, tragen bewunderte Geistestaten das Friedensevangelium der Arbeit über die uns umlagernden steinernen Meere der Mißgunst, Gewalt und des Mißtrauens hinaus tn alle Welt. Und wenn Eckeners silberglänzender Riesenvogel einem Fingerdruck gehorchend über Städte, Fluren, Gebirge hinwegdonnert. wenn der Luft-D-Zug der Zukunft demnächst zum zweitenmal fernste Weltmeerküsten anlaufen wird, dann werden ringsum auf dem Erdball die wahren Gläubigen und Diener am Bolls- und Menschheitswohl sich mit feuchten Wimpern die Hände schütteln: dann wird der Aluminiumleib des Luftriesen in der Räumungswagschale schwerer wiegen als alle Milliarden-Obligationen und Diplomatenfräcke; dann werden die Jubelrufe und Ehrendiners der Dollarmetropolen für unsere unvergleichlichen Luftsegler, dann werden die stolzen Daten der Bremen- und Zeppelin-Ozeanluftrekorde nicht nur drüben die deutsche Sache beflügeln. Auch die Herzen. Muskeln und Nerven des verzagtesten deutschen Bruders und alle Fäuste und , Hirne in Fabriken, Kontoren und Bauernstuben , werden sich mit neuen Energien laden. Und mit j überlegenen friedlichen Kräften, nicht unwürdig unserer größeren Zeitgenossen, wollen wir dann mit dem allein uns eigenen, zähen Aufbauwillen den kaum erst untermauerten Reichsneubau höher, stabiler, wohnlicher und vollendeter auftürmen.
Moskaus Rote Armee steht bereit. — Hände weg von der Ukraine! Mit Deutschland auf gutem Fuß.
Lloyd George ist ehrlich.
Der Zeuge von Versailles für Räumung.
Wien, 22. September. (Privattelegramm.) Ein Blatt veröffentlicht Ausführungen Lloyd Georges, in denen dieser Deutschlands Rän- mungsrechte anerkennt, indem er ausführt: Die Erfüllung eines geheiligten Versprechens der Alliierten darf nicht von der Zahlung einer Summe Geldes abhängen. Aber Frank- reich verlange nicht nur Bargeld, wofür eS das Rheinland räume: es habe jetzt durch Briand
Berttattensinann und «errötet. — Englands Weift er Wen. — Tenslifche SSerbemetboben. - Ervrellerbanden. — Wie ste uns am Rbein de- lauer«.
Heute bilden meist die diplomatischen Ser* tremngen, welche die einzelnen Staaten in andern Ländern unterhalten, den Mittelpunkt des wirtschaftlichen, politischen und mi* lttärischen Spionagewesens. Die Attaches und Konsuls verfügen über sestbe^thlle Agenten, die ihrerseits wieder mit den eigent- lichen Spionen in Verbindung stehen. So ist jedes Land mit einem Netz von Nachrichtenzuträ- gern aller Nattonalitäten überzogen. Die eiqent. lichen Spione sind entweder besonders geeig- nete Offiziere des Generalstabes, zuverläs- Nge Ingenieure und vertrauenswürdige Kaufleute oder aber bezahlte Landesverräter. AuS der Vorkriegszeit sind uns zwei typische Fälle dieser beiden Arten von Spionagetätigkeit bekannt. Als Schulbeispiel für den spionierenden Vertrauensmann gilt der
dauernde internationale Knechtschaft für Deutschland bedeuten würde. Wenn Frank- reich einer Kommission zustimmen sollte, in der das neutrale Element vorherrsche und wenn es auch der Schaffung einer militari-
da die Ueberschwemmungeu und die Hitze die Ausbreitung von Epidemien begünstigen.
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DlleereetraeO&ien un Hervftorkan.
Moskau, 22. September. (Eigene Drahtmeldung.) Ein heftiger Sturm wütete in der Jenjs- seibucht. Zwei Dampfer und vier Leichter find gestrandet, etwa hundert Fischerboote kenterten. Der Sturm hat mehrere Todesopfer gefordert. Rettungsschiffe sind auSgesandt.
Wird uns diese unerbittlich-eherne Friedenslehre nicht täglich fester, eindringlicher ins Herz gehämmert durch den beispiellosen Opfer- und trotzigen Bekennermut unserer Stammesbrüder auf oder jenseits der Grenzwachtposten? Hat nicht das wackere Häuflein der Südtirol-Seel- forger, in deren stiller Pfarrhaushut jetzt allein noch deutscher Gruß und Mutterlaut erklingen darf, fernes Kinderleid zu unserem eigenen gemacht? Ist nicht der mannhaft-aufrechte Trost des Reichspräsidenten an das noch tiefer verelendete, umbrandete Oberschlesien, ist nicht der Funke des EinheitsbewußtseinS und der Volksverbundenheit Millionen Deutscher aufrüttelnd durch's Mark geschlagen? Wer will es dem höchsten Staatslenker verwehren, das in der gesamten Volksseele schlummernde brennende Weh vor aller Welt auszuströmen, das unter der Ungerechtigkeit eines unverwischbaren Abstim- »nungssiegcs aufbegehrt und unter den Sama- riterhänden seines unvergeßlichen Schützers sich aufzurichten müht! Sicherlich hatte auch diesmal der polnische Brummbär ebensowenig wie die blökende Pariser Chauvinistenherde und ebensowenig wie bei der Kriegsschuldlüge-Abwehr des Reichspräsidenten am Tannenbergdenkmal geschwiegen, wenn . . . man nicht den Handelsvertrag mit dem bösen Nachbarn so bitter nötig, und wenn Briand, dem Zaleski soeben in Paris sein Her, ausschüttet, nicht doch die Genfer Küraflierstiefel PoincarkS für eine Weile beiseite gestellt hätte.
englische Generalleutnant Baden-Powell, der jahrelang in den meisten europäischen Städten berumreiste. Er berichtet selbst in sei- nem Buche: »Meine Abenteuer als Spion" sehr interessant, wie er als .Botaniker", als .Künstler", als harmloser »Tourist« und unter zahlreichen anderen Verkleidungen sehr erfolgreich tätig war. Die Anwerbung von Spionen erfolgt oft auf geradezu teuflische Weise. Ab- getehen von solchen, die sich ireiwillio zur Leo" fugung stellen, aber in den meisten Fällen we- "'ö^auchbar find, zeigt sich der gegnerisch« Nachrichtendienst bestrebt, gut informierte Quellen mit List oder mit Gewalt zur Mitarbeit zu bringen. In der Berufssprache bezeichnet man diese bewahrte Methode als .Chantage" (Er- pressung) Dies Verfahren ist ebenso geschickt man sucht Offiziere, Ingenieure oder höhere Beamte als literarische Mitarbeiter an einem Fachblatt, das meist in neutralem Ausland seinen Sitz hat. Schreiben sie über Dinge, die unter Umständen als wichtig und im x$ntereffe der Landesverteidigung als geheim betrachtet werden können, so hat die Reda'tion
.neutralen Zeitung", hinter der in Wirk- lichkett der gegnerische Nachrichtendienst steht, hnrr;^, bte Möglichkeit, zu drohen und den un- vorsichtigen Mitarbeiter zur direkten , S^ftmagEtigkeit zu zwingen.
falls er nicht Gefahr laufen will, seinen Berus zu verlieren. Oder man spürt auch das Vor- leben des ,u Gewinnenden aus. Forscht nach etwaigen Vergehen oder krankhaften Veranla. gungen. um dadurch das Opfer fest in die Hand ""derer oft angewandtes Mittel ist folgendes: Der Nachrichtendienst er- kündet systematisch die Lebensweise, besonders die wirtschaftliche Lage der betreffenden Per- ton. die wichtige Kennmiffe besitztt Der Agent gEL“* 1Ä” selbst ein. verleitet den Offizier, Soldaten oder Beamten zu Verschwendungen, zum Glücksspiel und zu Ausschweifun- gen. und springt dann im letzten Augenblick vor der Katastrophe — natürlich nur gegen eine entsprechende Gegenleistung — mit einem Dar- I.e’ey als Helfer in der Rot ein. Wer erst einmal eine Nachricht aus der Hand gegeben bat, ob freiwillig oder unfreiwillig, ob bewußt ??er mtbewußt. ist verloren. Zusammenkünfte werden durch Zeugen beobachtet oder gar photographiert und ,u weiteren Erpressungen ^utzt. Ist der Spion nickt mehr Willens ober ÄÄ?8 90 ar8eiten- s° muß er ständig
daß er „hochgeht".
In vielen Fällen haben Regierungen ihre eigenen Spione preisgegeben, eine Tatsache, die jedem davor warnen sollte. Sind wichtige Rach, richten weder durch Spionieren noch durch Verrat zu erfahren, so schreckt der Agent auch vor W"” V^brechen nicht zurück. Geheimakten, wichtige Patente usw. werden durch Diebstahl oder Raub erbeutet. Vor dem Kriege war in TeutfdManb besonders die französische und ruft jw* Spionage gut durchgebildet. Intensiv arbeitet der Nachrichtendienst der Entente-Staaten. ber durch die interalliierte Kontrollkommis. ston bis vor kurzem geradezu rechtlich anerkannt war . . . Jetzt bilden bie Be- wtzungsstadie im Rheinland wie Mains. Koblenz, Ludwigshafen und Speyer di« Mittel- puEe einer auSge^hnten französischen Spio- nagetattgkeit. die dem deutschen Vaterland« 'cküveren Schaden zufügt. Die genaue Beobach, tung verdächtiger Gebäude, die meist auch alS
AnwerbebüroS für die Fremdenlegion dienen, sollte — noch mehr als bisher — ein« den Hauptaufgaben unseres Spionageabweh r dien ste S bilden. Besonders «führ, ltch ist die ^Industrie-Spionage", die von den Franzosen besonders im besetzten Gei
Freiwild für Faschisten.
Neue Märtyrer in Südtirol.
Innsbruck, 22. September. (Privattelegr.) In Bozen wurde der ehemalige Sekretär der -iroler Volkspartei Michael Melfertheiner und eine Frau Berta Kößler verhaftet weil ste angeblich Briefe über bte Verhältnisse in 3öbtiroI über die Grenze geschmuggelt hatten. Beide stellten das energisch in Abrede. Im Haufe Frau Köstlers war seinerzeit das Parteisekretariat untergebracht. Ferner wurde wurde der frühere Gemeinbebeamte Schlanders verhaftet. Er hatte sich geweigert, an der Boze. ner Stegesdenkmalfeier als ehemaliger österrei- chischer Offizier teilzunehmen. Trotz gültigen Paffes wurde er am Brenner, ohne Angabe von Gründen verhaftet.
Dänemark« Layien andern nicht«.
Kopenhagen, 22 September. Rach den däni- chen Landsting-Wahlen, verfügen Konservative und Liberale zusammen über vierzig Sitze gegenüber 36 der Opposition (früher 43 gegen 33). :er deutsche Kandidat, Bürgermeister Iakobsen- Sonderburg konnte nicht die nötigen Stimmen mür ein Mandat zusammenbringen.
Vielleicht bricht bie drohende Faust der So w- fetzaren dem blinden Polenstolz etwas eher da» Rückgrat, dem jetzt auch der rote Moskauer Krieasminister wegen der Gelüste auf die Ukraine energisch auf die Finger klopft. Mög- lich, daß wir uns im Oktober rascher über bie Paß- und Niederlassungschikanen einigen, mit denen bisher Polen jeden nachbarlichen Waren- austausch nnterband. Denn wenn wir auch nicht aufhören werden, auf friedliche Abänderung und Wiedergutmachtmg d«S schreienden Korri- dorunrechtS kraft des Versailler Vertrages zu pochen, so ließe sich doch einstweilen eine Interessengemeinschaft Herstellen, bie beiden Böl- fern die Absatzmärkte schafft, auf die sie der Ra- tur und Lage nach angewiesen sind. Wir wollen gern unsere hochwertigen Jndustrieprodutte gegen Polens überschüssige Agrar-Erzeugnisse ein- lauschen, wenn nur bie politischen Gehässigkeiten endlich auS dem Spiel bleiben würden. Erst muß einmal der slawische Rationaldünkel zu der Einsicht kommen, baß eine blühende Wirtschaft unb leidlich gutgestellte und gebildete Bürger- unb Arbeitermassen wichtiger sind als geldver- schlingende Kavallerie-, Tank- unb Fliegerschwadronen, dann werden wir unS auch über Handel Wandel nnv über die zerschnittenen Le- benSadern der Grenzprovinzen ruhig und sachlich unterhalten und verständigen können. F. R.
DaS Vorhandensein einer sogen, ukranischen Regierung auf polnischen Boden, die unzweifelhaft von der polnischen Staatskasse unterstützt wird, sei ein Zeugnis dafür, daß man sich ist Polen nicht nur Hoffnungen hingibt, sondern auch diese Hossnungen zu verwirklichen suche. In den' Beziehungen zu Deutschland sei eine Besserung eingetreten. Die Sowjetregierung habe durch ihren Beitritt zum Kelloggpakt Friedenswillen deutlich bekundet. Wenn auch der Pakt einen
Krieg nicht abzuwenden vermöge, so schränke er doch die Möglichkeit einer offenen Vorbereitung eines Krieges und von Angriffen ein. Im gewiffen Grade sei der Pakt eine moralische Verpflichtung der Regierung gegenüber den breiten Massen. Die Sowjetregierung sei zum Rüsten gezwungen, da sie keine Gewähr da» für habe, daß ste nicht angegriffen werde. Die rot« Armee verfüge über eine technische Aus ruftung, die derjenigen der nächsten Nachbarn nicht nachftehe.
a»^^^>M, 22. September. (Eig. Drahtberichi) den Vorschlag einer fremden Kontrolle
schweren Konflikte mit Polen nur durch Mos- “6er 6aS Jahr 1935 hinaus erstrecken lauer Entgegenkommen beigelegt wurden Da " ' ein polnischer Wojewode eine Lostrennung osu Gebieten der Sowjetukraine unter dem Protektorat Polens verlangt habe, betonte Woroschilow, die Sowjetukraine sei bereits seit jeher das 1 am meisten bevorzugte Objekt l
Orkangebiet, hat die Zahl der bei dem Unwetter ums Leben gekommenen auf 1385 angegeben. Die Verluste an Toten in der gesamten Sturm - zone werden sich auf 2500 belaufen. Wegen der großen Zahl ber Leichen war es notwendig, viele aus »üstenkuttern auf das M«er hinauszubringen und sie hort zu versenken. Die zahlreichen Leichen und Tierkadaver machen die Lage im Sturmgebiet unerträglich. ES wer-
2500 Tote in der Gturmwliste ®ne grausige Tornado-Ernte. — DaS Meer alS Friedhof. — Schutzimpfungen gegen Seuchengefahr.