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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hesfische Abendzeitung I ______________________________________________________________________________________________________________________________________

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Nummer 201. Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig. Sonnabend, 25. August 1928. Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.

18. Jahrgang

NeformvorWäge des WeltparlamentS.

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Weltwirtschaft

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In unseren Beziehungen zu der ersten Groß­macht der Welt, zu Amerika, heißt es, sich vor falschem Optimismus und Illusionen hüten. So erfreulich die stimmungsmäßtge Besserung den beiderseitigen Beziehungen zu registriere., ist, so vorsichtig muß der Politiker sein, solche Allgemeinheiten in die Rechnung zugunsten prak- tisch konkreter Einzelheiten einzustellen. Natür- ich wird die amerikanische Stimme in den Re- mrationsverhandlungen der Jahre 1929 und 1930 schwer ins Gewicht fallen, aber immer wie­der werden wir die Vielseitigkeit der Beziehun­gen Amerikas zu Europa als durchaus nicht im­mer im deutschen Interesse gelegen empfinden und im Wesentlichen auf uns selber angewiesen sein.

von dem lebhaften Wunsch erfüllt ist, daß jede Maßregel getroffen wird, von der man hoffen kann, daß sie daS Unglück eines neuen großen Krieges beschwören wird. Ich glaube, bi" Pakt einen Meilenstein auf dem Weg der kisation darstellt, daß er in ethischer Beziehung einen großen Schritt nach vorwärts bedeutet und daß er tatsächlich ein Vertrag ist, auf dessen Be­stehen die Völker von fetzt ab Rücksicht nehmen müssen, ehe sie sich auf einen Krieg einlaflen.

in England die jahrhundertelang in Brauch be­findlichen Begriffe von Recht und Besitz ihren Wert behalten!

Unsere Stellung zu England ist augenblick­lich nicht sehr rosig. Weltpolitische Ueberlegun- gen und Ereignisse haben es mit sich gebracht, daß die Haltung der konservativen englischen Regierung Deutschland gegenüber immer re­gungsloser, um nicht zu sagen kühler, geworden ist. Vor etwa einem Jahre erzählte ein im Aus­wärtigen Amt in London aus und eingehender bekannter Journalist Jedem, der es hören wollte, daß es für Deutschland höchste Zeit wäre, mit England gemeinsam in die antirussische Front einzurücken. Täten wir das nicht, dann würden wir nach spätestens zwei Jahren nicht das aller­geringste mehr für eine solche Neuorientierung erhallen und völlig isoliert sein. Es ist nicht ohne Reiz, heute festzustellen, daß es zwar völlig un­gewiß gewesen wäre, ob wir vor einem Jahre

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Die wichtigsten Punkte im Resolutions-Entwurf der Interparlamentarischen Union.

Nordstbirien für Europa.

Hier wie dort liegen die Verhältnisse im Prin- jtU völlig gleich, wenn auch die politischen Be­dingungen leider ganz anders sind. Trotzdem ist man sich allerseits völlig einig, daß eine Er- chlietzung auch des nördlichen Sibirien für die Weltwirtschaft und besonders für Deutschland von ganz gewaltiger Bedeutung sein würde. Es ist interessant, daß auch das Programm der ^Jn- wrnatwnalen Gesellschaft zur Erforschung der Arktis mit Luftfahrzeugen e. V." die Erschließung der Nordkuste Sibiriens vermittels Erkenntnis der Eisverhältnisse im Polarmeer als wün­schenswertes Ziel herausstellt.

Gerade das übervölkerte Deutschland hat allen Grund, die Probleme, die Erfolge und die Erfahrungen der kanadischen Siedlung mit Rücksicht auf spätere Arbeiten in Nordstbirien aufmerksam zu beobachten und zu studieren. Es ist bereits vielfach ausgesprochen worden, daß die tropischen Gebiete für Besiedlung durch Ange- hörige der weißen Rasse kaum in Betracht kom- Meist wird es sich dort nur um imperia- ftsttsche Expansion einer militärisch überlegenen Oberschicht mit Handelsinteressen handeln. Auch der Plantagenbau ändert an diesen grundlegen­den Verhältnissen nichts. Rein biologisch be­trachtet, sind die farbigen Rassen in äquatorialen

ments und der Regierung von den großen Wirtschaftsorganisationen, die nur zu oft auf die Entscheidungen der Regierungen und Par­lamente einwirken.

3. Reichere Ausstattung der parlamentarischen Einrichtungen mit sachlichen Unterlagen und, wenn nötig, Zuziehung von Sachverständigen für bestimmte dem Parlament vorgelegte Fragen (Internationaler Austausch parlamentarischer und verwaltungstechnischer Schriftstücke; Bil- düng von beratenden Behörden bei den Parla- menteit; Anhören von Sachverständigen in Parlamentarischen Ausschüssen; Schaffung von Auskunftsstellen für die Parlamente).

4. Notwendigkeit der Mitwirkung einer ihrer Aufgabe bewußten und aufgeklärten Volksmei­nung. Diefe Mitarbeit kann zum Beispiel durch folgende Maßnahmen gewonnen werden: Schaf­fung eines Jnformationsorgans, das unpartei­ische Nachrichten vermittelt und zur öffentlichen Diskussion Gelegenheit bietet; öffentliche Aner­kennung der parlamentarischen Opposition durch Besoldung ihres Führers aus öffentlichen Mit­teln (kanadisches System); Einführung der Bolksinitiative und des Referendums (schwei­zerisches und deutsches System); Einrichtung vonPublic Hearings" in den Parlamentsaus­schüssen (System von Massachusetts).

5. Notwendigkeit der Entlastung des Parla­ments durch Übertragung gewisser Befugnisse an. lokale Behörden oder nationale Organisa­tionen, die neben dem Parlament funktionie­ren (wie dieTrade Boards" in England).

6. Technische Verbesserung des parlamenta­rischen Verfahrens, um die schwerfällige Be­schlußfassung zu beschleunigen und eine bessere Ausarbeitung der Gesetzestexte zu ermöglichen; Einsetzung von ständigen parlamentarischen Ausschüssen, die im allgemeinen der Einteilung der Ministerien entsprechen müßten; Einsetzung eines allgemeinen ständigen Gesetzgebungsans- schuffes (serbisch-kroatisch-slovenisches System); Einschränkung des Abänderungsrechts im Par­lament.

Fernbleiben von Genf bedeutet nach allgemeiner politischer Annahme die abermalige Vertagung aller Räumungsbesprechungen. Stresemann wird allerdings während der Dauer der Genfer Ta­gung in ständiger Verbindung mit dem Leiter der deutschen Delegation, Staatssekretär von Schubert, stehen, sodaß ein jederzeitiges Eingrei­fen des Außenministers gesichert ist.

Da«ewige Unterpfand",

Paris, 24. August. (Drahtbericht.) Die Blät­ter besprechen die Beschlüsse des gestrigen Mi- nrsterrates.Petit Parisien" schreibt: Selbst­verständlich dürfen die Vertreter der fünfzehn unterzeichnenden Mächte am Montag kein ande­res Problem erörtern als den AntUriegspakt selbst. Aber es scheint schwierig, wenn nicht so­gar unmöglich, die Staatsmänner daran zu hin- dern, vor oder nach der Unterzeichnungszeremo- nte über Fragen zu sprechen, deren Lösung in erster Linie die öffentliche Meinung ihrer Län­der interessiert. Die Besetzung des Rheinlandes bildet ein Unterpfand, das nicht ohne eine kom­pensatorische Garantie hinsichtlich des Dawes­planes hergegeben werden kann, lleberdies ist die französische Regierung stets der Ansicht ge­wesen, daß das Besetzungsproblem nicht ein aus­schließlich französisches, sondern ein interalli­iertes ist.

Relloggs Ankunft.

Lobreden auf den KriegsSchtungs-Pakt.

Plymouth, 24. August. (Drahtbericht.) Staats- sekretär Kellogg und der kanadische Premier­minister Mackenzi« King find aus der Reise nach Paris zur Unterzeichnung des KriegsSchtungs- Paktes hier eingetroffen. Auf dem offiziellen Empfang, der ihnen zu Ehren veranstaltet wurde, erklärte StaatSfekretär Kellogg: Der Pakt ist nicht das Werk eines Mannes oder eines Vol­kes, sondern das Werk vieler Völker und vieler

Berlin, 24. August. (Drahtbericht.) Heute morgen wurde die politische Aussprache Über den Bericht des Generalsekretärs der Interpar­lamentarischen Union beendet. Nun steht die gegenwärtige Entwicklung des parlamentari­schen Systems" zur Debatte. Für die Ausspra­che hierüber sind der heutige Nachmittag und der Sonnabend Vormittag in Aussicht genom­men. Dieses Problem ist von verschiedenen aus­ländischen Parlamentariern schon in Veröffent­lichungen der Interparlamentarischen Union be­handelt worden. Einen zusammenfassenden Bericht, der als Grundlage für die Debatte die­nen soll, legte der frühere deutsche Reichskanzler Dr. Wirth vor. (Von uns bereits in unserer Sonntagsausgabe an Leitartikel-Stelle veröf­fentlicht. Die Red.). Im Anschluß an diesen Bericht referierte Dr. Wirth im Namen der Kommission für organisatorische und politische Fragen über einen Resolutions-Entwurf, in dem die Landesgruppen eingeladen werden, ihre Parlamente zu veranlassen, das nationale und politifche Leben im Lichte der Verhandlungen der Interparlamentarischen Union und der Erfah­rungen anderer Länder zu studieren und zu dis­kutieren. Die Konferenz lädt die Gruppen ein, ihren Parlamenten unter Umständen Vorschläge in diesem Sinne zu machen. Die Konferenz lenkt die Aufmerksamkeit der Gruppen beson­ders auf folgende Punkte:

1. Erfordernis einer größeren Stabilität von Regierung und Parlament. Die Stabilität kann erreicht werden entweder durch die Wahl der Regierungsmitglieder für eine bestimmte Dauer (Vereinigte Staaten von Amerika. Schweiz) oder durch Aufstellung eines Wahlsystems, das geeig­net ist, die Zerbröckelung der Parteien zu ver­hindern und zu klaren Mehrheitsbildungeu zu führen, in welchen die Mehrzahl der Meinungen der Wählerschaft Ausdruck findet; ein solches Wahlsystem sollte indessen auch der Minderheit eine Vertretung gewährleisten.

2. Sicherung der Unabhängigkeit deS Paria-

Nüchterne Bilanz!

Wo stehen wir in der Außenpolitik?

Von

Staatssekretär Frhr. v. Rheinbabeu, M. d. R.

Als ich vor etlichen Jahren in einem Lon­doner Theater der Ausführung eines damals viel gespielten Gesellschaftsstückes beiwohnte, erregte es jedesmal stürmische Heiterkeit, wenn der grundsätzlich zu spät kommende und daneben sitzende unglückliche Liebhaber den Satz wieder­holte:I hear the music, but there iS no tune" zu deutsch: Ich höre die Musik, aber eS ist keine Melodie darin". An diesen Satz muß ,ch denken, wenn ich nun unmittelbar vor der Reise des deutschen Außenministers nach Paris zur Unterzeichnung des Kellogg-PakteS, vor einer neuen Völkerbundversammlung in Gens, wäh­rend der JahreStagnng der interparlamentari­schen Union und nach unzähligen rührseligen Dankettveranstaltungen in dem ausstellungS- srohen Köln von Deutschlands Beziehungen zu anderen Mächten und überhaupt von seiner außenpolitischen Zukunft reden höre oder in den Zeitungen lese. Im ganzen auch hier eine Fülle vonMusik" aber keine wirkliche Melodie darin! ES liegt nahe, angesichts solcher Vor­gänge sich einmal die Frage vorzulegen, waS wir inmitten der heute so beliebten Vielgeschäf- tigkeit inbezug auf die Erreichung nächster und dringendster außenpolitischen Ziele praktisch er­reicht haben und welches ihr deutscher Sinn ist. Wo stehen wir?

In der Rheinland frage scheint eS nicht ohne . jede ^uSsicht zu sein, daß wir als Gegenstück zu der widerrechtlich um ein volles Jahr verlänger­ten Besatzungszeit der Kölner Zone unter ge­wissen Voraussetzungen diesmal eine leichte Ver­kürzung der Besatzungsdauer der sogenannten zweiten Rheinlandzone erhalten könnten. Der Grund für die entsprechende Verhandlungsbe­reitschaft liegt darin, daß man ans der anderen Seite mit der übrig bleibenden großen dritten Zone ein wichtiges und besonderes Geschäft mit Deutschland abschließen will und dafür eine ge­wisse stimmungsmäßige Vorbereitung der deut­schen öffentlichen Meinung gebraucht.

Die Antarktis fcheidet für eine Besiedlung von vornherein aus. Der Riesenkontinent deS fernen Südens ist unbewohnt und wird es stets bleiben müssen. Eine gewaltige Eiskappe bedeckt alles Land und ringsherum branden die packeiserfüll­ten Wogen des füdlichen Weltmeeres. Anders in der Arktis, wo große Festlandmaffen das Nordpolarmeer umgürten. Rund drei Millio­nen Quadratmeter, also eine Fläche weit grö­ßer als die Vereinigten Staaten, sind nach An­sicht deS englifchen Geographen Dr. Rudmofe- Brown durchaus geeignet, Menschen der Weißen Rasse als Wirtschaftsraum mit auskömmlichem Lebensunterhalt und unter erträglichen Be­dingungen zu dienen. Hauptsächlich kommen

Alaska, Nordkanada und Nordstbirien in Betracht. Heute wohnen dort nur Naturvöl­ker, deren Zahl man insgesamt aus etwa 40 000 schätzt. Ihre Wirtschaftsführung gründet sich hauptsächlich auf Viehhaltung und Jagd. Auch der weiße Siedler wird sich auf Viehzucht und Jagd stützen müssen. Renntier und MoschuS- ochse müßten gezüchtet und gehegt werden. Fisch­fang an den Küsten, Wal- und Robbenfang auf den Meeren, Pelztierjagd und Zucht kommen als Erwerbszweige auch weiterhin in Betracht. Si­cherlich werden daneben hier und da die Boden­schätze nutzbar gemacht werden können. Schon heute schätzt man allein In Nordkanada die Zahl der dort lebenden Karibous (amerikanisches Renntier) auf rund 50 Millionen Stück. Diese Zahl würde sich aber sicher noch vervielfachen lassen, ohne daß eS an Weidegründen mangelte. Die unabsehbaren Tundren NordkanadaS wer- den vielleicht einmal für die Fleischversorgung ufto. der Menschheit eine ähnliche Bedeutung er­langen, wie sie heute etwa die Prärien und Pam- paS Südamerikas besitzen. ES ist eine in Deutsch­land wenig bemerkte Tatsache, daß der Expan- sionSdrang der amerikanischen Siedler schon seit einem Jahrhundert eher nach dem Norden alS nach dem Westen Kanadas geht. Stetig werden im Norden neue Flächen unter den Pflug ge- nommen und auf diese Weise die Grenzen des GetreldebaueS so weit nach Norden hinaufge- trieben, wie man eS früher kaum für möglich hwlt. Durch züchterifche Maßnahmen wurden für diese Siedler schnell reisende und sehr wider­standsfähige Kornarten bereitgestellt. Der Ak- kerbau selbst blieb nicht ohne Einwirkung aus das Klima, da mit seinem Vordringen die vielfach versumpften Urwälder immer weiter zurückge- brängt wurden. Jrn Einzelnen wechfeln natur« uch auch die Verhältnisse in Nordkanada je nach den herrfchenden klimatifchen Fakwren, wobei wie in Europa (Golfstrom), besonders die Tem- leraturverhältnisse der benachbarten MeereSteile starke mittelbare Wirkungen auSüben. Was für die Amerikaner Nordkanada ist, bedeutet

Kolonien der Zukunft.

Ist eine Besiedlung der Polargebiete möglich?

Von Dr. 0. Liskowiky.

Di« N-rbpolarläuber liegen bet weißen Raffe sozusagen »ot bet Tnr. Je stärket stch bet m e 11- e«Iitif»e und tasseuvolitische Ge­gensatz tn ben Tropen bemerkbar macht, je Loher bet bevölkerungspolitische Druck bet gemäßigten Zone anwächst, um so ntebt wenben die koloutiatoris» regsamen Völker ihr Augen­merk ben benachbarten Säubern bet Polarzone in, bie längst nicht mehr atü die nnfrndiibaren Eiswüsten gelten, für bie man Re jahrhunderte­lang hielt. Ein verlockender Gebanke. biefe nu-

Reiz, heute festzustellen, daß es zwar völlig un­gewiß gewefen wäre, ob wir vor einem Jahre von England wirklich etwas für die Aufgabe der Rapallo-Linie" erhalten hätten bezw. hätten er­halten können. Aber der zweite Teil jener jour­nalistischen Prophezeiungen, nämlich ein zuneh­mendes Desinteressement Englands an Deutsch­land zeigt jedenfalls deutliche Spuren der Wirk­lichkeit. Der englifch-amerikanifche Gegenfatz hat feitdem eher zu als abgenommen. Die eng» lisch-rufstfche Gegnerschaft ist unverändert. Die Sorgen beS Weltreiches etwa in Ostasien unb auf bem Wege dorthin sind vermehrt. Die Son« kurrenzfurcht gegenüber Deutschland treibt ihre alten Blüten. Gleichzeittg hat im selben Maße, als von Deutschland aus ein enges politisches und wirtschaftliches Znfammengehen mit Frank­reich propagiert wurde, der englifche Wunfch neue Nahrung erhalten, die Verwirklichung eines folchen weitgefaßten Zieles zu hintertreiben. Die neueste enge Betonung der englisch-franzö­sischen Freundschaft erstrebt im gleichen Maße Rückendeckung gegen Amerika, Einengung Ita­liens und Sicherheit bezüglich eines gemeinsa­men im wesentlichen ablehnenden Verhältnisses zu Rußland. Das ohnmächtige und tn seiner Mehrheit tn allgemeinem »Verständigungs- gerebe" ohne neuen Machtwillen sich ergehende Deutschland spielt in diesen großangelegten Kom­binationen keine Rolle. Eins muß jedoch ein­mal in der Richtung auf England klipp und klar misgefprochen werden: In ihrer Kurzsichtigkett und in ihrem Hochmut verkennen weiteste Kreise in England, welchen dauernden aufreibenden Kampf das deutsche Voll und die deutsche Wirt­schaft als Vorposten gegen den Bolschewismus bisher mit Erfolg geführt haben unb daß es im wesentlichen diesem erfolgreichen Niederringen von Staat, Besitz unb Ordnung unterminieren« ben Kräften zu danken ist, wenn heute auch noch

So kann auch diesmal eine kurze außenpoli­tische Bilanz für Deutschland nichts anderes er­geben, als den kategorischen Imperativ zum Ab­warten im Sinne zähen Weiterarbeitens auf der bisherigen Linie. Der Weltkrieg hat tn Wahr­heit nicht 1918, fonbern erst um bie Jahreswende 1923 zu 1924 aufgehört. Wir haben alfo erst fett wenig mehr als 4 JahrenAußenpolittk" tret» ben können. Noch immer regiert draußen in der Welt auch unter neuen Formen und unter menschhettSbeglückenden Phrasen die blanke Macht und Deutschland ist noch aus lange hinaus kein Machtstaat im alten Sinne. Ich halte we­nig von Untereten über eine nun angeblich neu gefestigteEntente zwischen Frankreich unb Eng­land". Was daran wirklich neu ist, ist die sicht­bare Tatsache, daß die Welt in Bewegung ist und gerade die sogenannten FriedenSverttäge zum großen Teile an dieser Bewegung schuld sind. Der deutsche Fakwr in der Gesamtpolitik ist wieder stark genug geworden, um auf bie Dauer nicht übergangen werden zu können.

Stresemanns Absage.

Von Schubert ist unser Vertreter in Genf. . Berlin, 24. August. (Drahtbericht.) Die neue ärztliche Untersuchung Dr. Stresemanns hat er­geben, daß die als Folgewirkung seiner Er­krankung und der daraus folgenden Karlsbader Kur vorhandene Schwäche nur durch einen neuen mehrwöchigen Erholungsurlaub behoben werden kann, der den Minister von allen Arbei­ten fernhält. Stresemanns Anwesenheit in Genf wird damit enbgültig abgesagt. Stresemanns

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