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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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August 1928. Einzelpreis: Sonntags AI Pfennig 18. Jahrgang

Sie Kroaten an den Reichstagspräsidenten.

dieses JahreS im Anschluß an die Orientalisten­

sekretär SeUoffg wird am Donnerstag beim Be- tagung in Oxford auf Einladung des franzöfi- treten europäischen Bodens vom Bürgermeister schen ÜnterrichiLministers Herriot Paris einen

Besuch abstatten. Dr. Becker soll an der

Aus

Toten bei

gen nordwestlich von Weihsien in Schantung

werden unter der Voraussetzi solche allgemein anerkannte Kult

Kabelverkehr nach den wichtigsten deutschen Ab-> Nachricht von dem Flugzeug Hassels vor. Der satzgebieten kontrolliert, wenn auch neuartige stellvertretende Staatssekretär Castle ersuchte die

satzgebieten kontrolliert, wenn auch neuartige Chiffreverfahren einige Sicherheit gegen Verrat

Engländer den schärfsten Spionageangriffen ausgesetzt sind. Die Amerikaner begnügen sich nicht nur mit glänzenden Vertragsangeboten an tüchtige Ingenieure und Vorarbeiter mehrerer wichtiger Industriezweige, sondern versuchen im­mer wieder auch durch Bestechungen die Kennt­nis von Geheimakten über wichtige Fabrika- tionsvorgänge zu erhalten. Die englische Indu­striespionage arbeitet ähnlich, wird aber noch be­sonders unbequem durch die offensichtliche Brü­chigkeit des amtlichen Telegrapbengeheimnifles. Es ist kein Vorteil für uns, daß England den

von Le Havre begrüßt, der ihm einen goldenen Füllfederhalter überreichen wird, dessen Schaft

zwischen Taianfu bis nach der Grenze von Kiangs» auf einer Strecke von etwa 50 Kilometer Breite und 170 Kilometer Länge.

. ------------------Iturform wirklich

vorhanden ist. Ist fle das aber wirklich? Ist eine besondere Form des Lebensstiles unserem Volke eigen, die alle Merkmale deutscher Gei- stigkeit umfaßt, kurz, gibt es überhaupt die »deutsche Persönlichkeit?" Die Antwort mutz leider lauten: Nein! Eine solche von allen Schichten unsers Volkes getragene Kulturform hat es zwar in verschiedenartigster Ausprägung bis etwa in den Anfang des vorigen Jahrhun­derts hinein gegeben. Heute aber besteht sie nicht mehr. Es ließe sich an vielen Beispielen zeigen, daß der deutsche Kulturkreis nicht mehr oder noch nicht, wie man nun sagen will in der Lage ist, Persönlichkeiten zu erzeugen, die sich als Trager der formalen Gesamtkultur unseres Volkes darstellen. Die Hoffnung, die manche eine Zeitlang auf die Entstehung einer neuen Kultur,

Regierungen von Kanada, Neufundland und Dänemark um Beistand zur Auffindung der ver­mißten Flieger.

Peking, 21. August. (Funkspruch.) Fast alle Einwohner von 64 Dörfern in einem Umkreis von 30 Kilometern nordwestlich von Tungliao in der Mandschurei sind der Lungenpest zum

atische Bolk zu vertreten, es hat nicht unsere Er­mächtigung, an dem internationalen Kongreß teilzunehmen. Wir begrüßen die Vertreter der zivilisierten Völker, die an der Berliner Konfe­renz teilnehmen und hoffen, daß die Konferenz gegen den unerhörten Anschlag auf den Parla­mentarismus der am 20. Juni durch das Al­tentat aus unsere Führer in der Skuptschina er­folgte, Stellung nehmen wird.

Agram, 21. August. (Drahtbericht.) Das Präsidium der kroatischen Bauernpartei hat an de» Präsidenten des Deutschen Reichstags, Paul Löbe, anläßlich der am Mittwoch beginnenden internationalen Konferenz der interparlamen­tarischen Union in Berlin ein Telegramm ge­schickt, in dem eS heißt: DaS Belgrader Parla­ment hat nicht das Recht, Kroatien und das kro-

etwa vom Proletariat her, hegten, hat sich nicht erfüllt, weil auch die »pro- letarische Form" noch nicht gefunden ist. Daher müssen wir uns zu der Erkenntnis bequemen: wo eS eine formale Persönlichkeit nicht gibt, vermag auch die Schule mit noch so lebhaften Unterrichtsbemühungen sie nicht zu erzeugen. Der »deutsche Mensch" als Träger der Gesamt- kultur unseres Volkes existiert nicht. Me Be- mühungen, ihn zu erzeugen, sind bisher vergeb­lich gewesen und werden auf lange Sicht ver­geblich bleiben müssen. Die Richtigkeit dieser Behauptung ergibt sich auS der einfachen Be­obachtung des Lebens. Wenn die Schule nun fortgesetzt mit dem besten Willen in der Rich­tung einer von vielen aber beileibe nicht von allen! gebilligten sittlichen Form arbeitet, irgendwo müßte doch dann einmal etwas davon sichtbar werden. Aber davon ist nichts zu spüren. Man betrachte- die Menschen, die von der Mei­nung de» Tages geschaukelt bald »Pazifisten», bald .Realpolitiker" sind. Man sehe die Fana­tiker des völkischen, monarchistischen, sozialisti-

PariS, 21. August. Drahtbericht. Staats»

* *

Genf urr- Sie Rhsinlandfrage

Die Antwort auf den deutschenFühler".

London, 21. August. (Drahtbericht.) lieber den deutschen Fühler in der Rheinlandfrage weiß derDaily Telegraph", daß es sich hierbei um eine Anfrage handelte, die nicht unbedingt einer Antwort bedurft hätte. Deutschland habe die Al sicht geäußert, die Rheinlandfrage in Genf aufzuwerfen. Die nicht offizielle britische Ant­wort habe daraus hingewiesen, daß eine Bera­tung der Rheinlandrage in Genf nicht angebracht und störend fei, besonders im Hinblick auf die Abwesenheit Chamberlains. Das Blatt schließt damit, daß Frankreich und Belgien offenbar noch immer einen Preis für die Räumung verlangen wove, den Deutschland niemals zahlen könne.

nachweislich gegen bedeutende deutsche Unter­nehmungen vorgekommen ist, überhaupt in Rech­nung stellen muß. Ueber die französische Indu­striespionage haben wir ja erst dieser Tage Nä­heres erfahren. Breit angelegt ist auch die In­dustriespionage der Sowjets, wenn sie infolge der beschränkten technischen Möglichkeiten in Rußland auch noch nicht schädlich wirkt. F. L.

VerscholleneGzeanflieger.

Schiffe auf der Suche im hohen Norden.

Washington, 21. August. (Drahtbericht.) Der Kommandant des Küstenwachdienstes hat dem KutterMarion", der sich in der Nähe von Kap Chidley in Labrador auf hoher ®ee befindet, Weisung erteilt, nach dem Flugzeug HasselS zu suchen. BiS heute morgen lag in Newyork keine

Sorbonne, der Pariser Universität, einen Vor­trag halten. In einer Unterredung mit dem Ber­liner Vertreter des Oeuvre trat Dr. Becker für einc immer engere Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland ein, wozu ein inten­siverer Schüler- und Studentenaustausch sehr beitragen könne. Den Anschluß Oesterreichs an Deutschland sieht der Minister als eine reine Formalität an, die einmal vollzogen, einen seit langem schon bestehenden Zustand der Einheit gesetzlich regeln würde. Diese Formalität werde in nichts die deutsch-französische Verständigung bedrohen. Frankreich könne und müsse nach wie vor zu Deutschland Vertrauen haben.

Well fiel fier iMWMMWii Union.

Die Kroaten erkennen die Belgrader Vertreter auf dem Berliner Kongreß nicht an.

3R>B0iatftee Attentat

Nom, 21. August. (Drahtbericht.) In einer Gemeinde bei Bari wurde während der Nacht vor dem Hause eines reichen Gutsbesitzers und früheren Mitgliedes der faschistischen Vereini­gung von Brindisi eine Bombe zur Explosion ge­bracht. Sämtliche Fensterscheiben des Hauses und aller umliegenden Wohnungen wurden zerstört. Menschenleben find nicht zu beklagen.

«fine topur gefunden

Newyork, 21. August. (Drahtbericht.) Die Ueberseeslieger Hassel und Kramer werden ver­loren gegeben, da von den sämtlichen Schiften, die sich im fraglichen Gebiet befanden, gefunkt worden ist, daß fle keine Spur von den Fliegern gefunden haben.

Die Pest wütet in der Mandschurei

Zahlreiche Dörfer entvölkert. Ueber fchwemmung und Heuschreckenplage.

ein Ornament von Olivenzweigen zeigt, die das Wappen von Le Havre und das amerikanische Sternenbanner umschließen. Es sind folgende Worte eingraviert:Die Stadt Le Havre dem großen Förderer deS Friedens, Staatssekretär Kellogg. August 1928." Aus den Wunsch deS Bürgermeisters soll der Kricgsverzichtspakt von den Vertretern der beteiligten Nationen mit die­sem Füllfederhalter unterzeichnet werden. Das Programm für den Aufenthalt Kelloggs in Paris ist fertiggestellt. Der Freitag Abend bleibt Besprechungen Kelloggs mit den diploma­tischen Vertretern Amerikas Vorbehalten. Sonn­abend gibt der amerikanische Botschafter zu Ehren Kelloggs ein großes Essen, zu dem das gesamte diplomatische Korps und die Beamten des pariser Außenministeriums eingeladen sind. Am Sonntag Abend wird die amerikanische Botschaft zu Ehren der Delegierten der vierzehn Mächte, die den Kriegsverzichtspakt unterschrei­ben werden, ein Bankett geben, an dem auch Reichsanßenminister Dr. Stresemann und seine Frau teilnehmen. Montag Abend wird Außen­minister Briand zu Ehren Kelloggs und der an­deren Delegierten im Quai d'Orsay ein Bankett geben, an dem auch Ministerpräsident Poincark teilnimmt. Am Mittwoch wird dann Kellogg in Begleitung des irischen Staatspräsidenten Cosgave nach Irland reifen.

Becker hat Vertrauen

. . . zu feinen friedliebenden Pariser Freunden.

Paris, 21. August. (Drahtbericht.) Der preu- jische Unterrichtsminister Dr. Becker wird Ende

sprechen, meinen sie bestimmt nicht das, was man landläufig mit dem Worte verbindet. Dem Staate und allen den Mächten, die hinter ihm stehen, ist gerade mit dem Menschen, der sich im Gefühle innerer Freiheit die Maßstäbe für fein Handeln felber bildet, ganz und gar nicht ge­dient. Es muß alfo im Persönlichkeitsbegrisfe noch etwas anderes enthalten fein, was denn mich zum Ausdruck kommt in Prägungen wie: Sittliche, christliche, nationale, pflichtbewußte, staatstreue Perfönlichkeit. Voraussetzung aller dieser Prägungen ist. daß das Leben dieser so gekennzeichneten Menschen im Rahmen einer Form ablaufe, deren Dasein durch die Gesamt­kultur einer Zeit bedingt ist. Die Frage ist also: Kann die Schule eine Bildung vermitteln, die den Menschen befähigt, seine Willensentschei­dungen an allgemein gesicherten Maßstäben zu messen? Die Frage muß ganz allgemein bejaht ' jung, daß eine

Der deutsche Mensch.

Kan« die SchulePersönlichkeiten" bilden?

Von Siudiendireklor H. Berbig.

Der Streit »m de« PerwMichkeitsbeariff. I Gibt e« ri*n,f<6e PerfbMichteit"? I Fanatiker Richt«««». I Gibt es noch unverrückbare ftttliche Matzftabe? / Jedes Lager bat feine eigene

Ethik.

Der Persönlichkeitsbegriff, den wir als fest­liegend empfinden, ist das Ergebnis einer Ent­wicklung, die die Sache mehr und mehr zu ei­ner Seltenheit werden ließ. Grob gesprochen: Wir reden von Persönlichkeit eigentlich erst, seit es keine mehr gibt! Das Wort ist eine Bildung der klassischen Zeit. Die Verwirrung, die heute ganz allgemein in der Anwendung und Deu­tung des Wortes zu beobachten ist, geht merk­würdigerweise nicht von der Philosophie, son­dern von der Pädagogik aus. Angesichts dieser Verwirrung erscheint es kaum noch möglich, zu einer einheitlichen Deutung des Wortes zu ge­langen. Eine Persönlichkeit ist, landläufig ge- sehen: der Mensch vollendeter, ungebrochener Eigenart der Mensch, dessen Wesen in sich ge­schlossen, harmonisch abgerundet ist der Mensch, dessen zielsicherer Wille, dessen Zielstre- bigkeit als Ausdruck gesammelter Energie und Selbstkenntnis in die Erscheinung tritt, der Mensch, der bewußt ober unbewußt einen star­ken Einfluß auf andere aus übt, der seine Le­benssphäre beherrscht, und was der Deutun- gen mehr sind. Es scheint nach alledem, als ob das Wesen der Persönlichkeit darin bestimmt wäre, das, esvoraussetzungslos" fei. Der Mensch also, der sich nicht beeinflussen läßt von Vorgefundenem, der sein Leben nach inneren Gesetzen orientiert, der aus der Kraft seines Wesens selbständig Kultur erzeugt und vermit­telt, ist eine Persönlichkeit. Wenn nun unsere Schulgesetze und Verordnungen von

Erziehung zur Persönlichkeit

Spionage-Klieg.

Deutschland von allen Seiten angegriffen.

Zahlreiche Vorgänge der letzten Jahre, von denen die meisten nicht wie kürzlich der Spio­nageangriff französischer Industrieller auf die I- G. Farbenindustrie in der Oefsentlichkeit be­kannt geworden sind oder aber sofort mit Still­schweigen zugedeckt wurden, haben erkennen , lassen, daß innerhalb der internationalen Indu­strie ein erbitterter Spionagekrieg int Gange ist. Eine leitende Persönlichkeit eines deutschen Weltunternehmens, die einer unserer Mitarbei­ter um möglichst tatsachenreiche Darlegungen über diesen Vorgang bat, machte im Verlauf einer längeren Unterredung die nachfolgenden Bemerkungen:

Es Ware töricht, von der Tatsache eines scharfen Jndustriekrieges ablenken zu wollen oder zu bestreiten, daß er mit den unangenehm­sten und verwerflichsten Mitteln geführt wird und vor der raffiniertesten Spionage nicht zu­rückscheut. Mancher deutsche Unternehmer würde darüber gern bittere Klagen in die Oeffentl- lichkeit hinausschleudern. Unglücklicherweise wer­den aber die meisten Jndustriespione von den besten Kundenländern Deutschlands ausgeschickt. Es ist natürlich unmöglich, daß irgend ein Un­ternehmer, der ja nicht kämpfen, sondern ver­kaufen will, mit der Anklage austritt: Die oder jene Jndustriekommission dieses oder jenes ausländischen Staates hat heute bei mir ver-

An Bankett nach dem andern.

Wie man in Paris den Kelloggpakt feiert. Der goldene Füllfederhalter des Friedens.

Opfer gefallen. Man fürchtet, daß die Seuche sich Newyork, 21. August. (Funkspruch.) noch weiter ausbreiten wird. Ueberfchwemmun- Haiti wird gemeldet, daß die Zahl der To: gen nordwestlich von Weihsien in Schantung, dem jüngst gemeldeten Orkan zweihundert über« ha^n ebenfalls zahlreiche Opfer gefordert. Un-I steigt. In den Tellen des Landes, mit denen die gezählte Häuser wurden zerstört. Die in diesem Verbindungen augenblicklich unterbrochen find, Jahr besonders stark auftretende Heuschrecken- fallen sich noch zahlreiche Tote befinden. Hun- plaqe vernichtete die junge Saat in der Gegend Iderte von Häufern find zerstört worden.

von schwebenden Auftragsverhandlungen und den dabei gestellten Preisen bieten. Es bleibt eine unangenehme Tatsache, daß man den Ver­rat von Telegraphengeheimnissen, der in England

sucht, mit Hilfe der niedlichen kleinen photogra­phischen Kameras, deren scharfes Auge aus einem unscheinbaren Knopflochschlitz herauslu­gen kann, in die Herstellungsgeheimnisse meines Unternehmens einzudringen! So wird es ge­macht! Wer sagen darf mans nicht, selbst dann nicht, wenn der kundige Leiter einer Besicht!- gung den geheim aber fleißig operierenden Pho­tographen auf frischer Tat erwischen konnte.

Ich könnte Jndustrieunternehmungen nam­haft machen, die gar nicht so sehr bestürzt sind, wenn sie kommiffionsmäßig unter die Lupe ge­nommen werden. Photographische Platten sind sehr empfindlich. Man kann mit ihnen unbe­merkt nicht nur sehr interessante, wertvolle Auf­nahmen machen, man kann diese Aufnahmen aber auch ebenso unbemerkt wieder völlig ent­werten. Dafür eignen sich besonders die von den Photographen mit Recht so gefürchteten Ra­dioemanationen. Man kann heute schon recht offen darüber sprechen, daß die Herren, die die Gastfreundschaft eines Unternehmens schnöde mißbrauchten, bei der Entwicklung ihrer Platten zu Hause oft sehr lange Gesichter gemacht haben werden, weil sie nicht nur liebenswürdig an die Fabrikationsvorgänge herangebracht, sonoern mit der gleichen Liebenswürdigkeit auch mit Ra­diumstrahlen durchleuchtet wurden. Es muß sich schon sehr umhergesprochen haben, daß man in Deutschland photographische Kriegslisten zu durchschauen und zu durchkreuzen versteht. Freu­digen Herzens trifft felbstverständlich keine deut­sche Unternehmung solche Abwehrmatznahmen. Sie sind bittere Notwendigkeiten, die obendrein oft genug mindestens zur Verzögerung erwarte­ter und zugesagter Aufträge geführt haben.

Wenn Sie darauf Hinweisen, daß nach diesen Darlegungen die Industriespionage von indu­striell selbst leistungsfähigen Ländern getrieben werden müsse, mit denen Deutschland aus- : nahmelos schwerwiegende wirtschaftliche Verträ­ge abgeschlossen habe, und fragen, ob es deshalb keine Einwirkungsmöglic^eiten gegen die Jndu- striefpionage über die Regierungen gebe, so muß ' ich leider negativ antworten. Der Jndustrievor- sprung eines Landes wie Deuftchland auf le- 1 benSwichtigen Gebieten wird immer auf der an­deren Seite als nationale Schwäche empfunden werden, die mit allen Mitteln ausgeglichen - werden muß. Daraus ergibt sich schon die Re- , gierungspraxiS einer weitgehenden Deckung der , Industriespionage. Sie werden genau so bereit» j willig in Schutz genommen wie die politischen , Geheimagenten.

ES kann von Nutze« sei, einen möglichst gro­ßen Personenkreis gegen sich harmlos gebärden- , de oder mit eindeutigen Zumutungen austre- , tenbe Fragesteller vorsichtig zu machen. Des­halb scheue ich auch vor bem Hinweis nicht zu- ; rück, daß wir seitens der Amerikaner und der i