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Kasseler Neueste Nachrichtm

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 195.

Einzelpreis: Wochentag» 10 Pfennig.

Sonnabend, 18. August 1928.

Einzelpreis: Sonntag» 20 Pfennig.

18. Jahrgang

©trefemann geht doch nach Paris.

Die große Lücke.

Was dem Kriegsächtungspakt fehlt.

Der Kriegsächtungsvertrag, wie er jetzt im Wortlaut vorliegt, und tote er in wenigen Ta­gen in Paris feierlichst unterzeichnet werden soll, hat den großen Zweck, nicht nur einen Krieg selbst unmöglich zu machen, sondern auch alle Gefahren zu bannen, die irgendwo kriegerische Komplikationen bedingen könnten. Bis ßetzt ha­ben sich zu Partnern dieses Vertrages nur ei­nige der wichtigsten Großmächte gefunden. Die weitaus größte Zahl der Nationen steht dem Gedanken deS Paktes wohl sympathisch gegen­über, aber zu einer Unterzeichnung der Bestim­mungen ist fle noch nicht ausgefordert worden, wenn auch wohl beabsichtigt sein dürfte, nach der feierlichen Demonstration in Paris, zur Un­terschriftsleistung einzuladen. DaS besagt im­merhin, daß, solange noch nicht alle Nationen der Welt den Vergünstigungen und Pfltchtauf- gaben des Kellogg'schen Vertragswerkes unter­worfen sind, der praktische Wert und Zweck des Paktes nur relativ anzusehen find.

Wie schon gesagt, soll es Hauptaufgabe deS Paktes sein, auch die Gefahren zu mindern, die das Ausbrechen eines Krieges wahrscheinlich machen könnten. Nimmt nun der Wortlaut des Kellogg-Paktes, bcffer gesagt, die Auswahl seiner sich jetzt in Paris zusammenfindenden Unter­zeichner Rücksicht auf diese Gefahren? Wenn es in Europa einen bedenklichen Gefahrenherd im Hinblick auf kommende Kriege gibt, so ist dieser im Augenblick im polnisch-litauischen Konflikt zu suchen. Wenn auch rein äußerlich betrachtet, diese Auseinandersetzung zwischen Warschau und Kowno lediglich eine Angelegenheit dieser beiden Nationen ist, so wird man doch nicht ab­streiten können, daß die Auswirkungen einer Verschärfung dieses Streitfalles oder einer Ei­nigung über die strittige Wilnasrage höchst vita­le Interessen der Nationen berühren, die Polen oder Litauen benachbart find. So hat Deutsch­land ein höchst vitales Interesse daran, daß der status quo in Litauen gewahrt bleibt. Dieses Interesse Deutschlands an der litauischen Selb­ständigkeit ist durch zwei der lebenswichtigsten Fragen des Reiches bedingt. Die eine Frage heißt Ostpreußen, die andere findet sich in unse­ren Handelsbeziehungen zu Rußland zusam­men. Der englische und der amerikanische Part- ner des Krieasächtungspakte» haben ihre Zu- stimmung zu dem Vertrage von gewissen Vor­aussetzungen abhängig gemacht, die sich auf die Wahrung ganz bestimmter Interessengebiete die­ser beiden Länder beziehen. England will feine Interessensphäre in Aegypten geschützt sehen. Die Vereinigten Staaten von Amerika wollen thre Interessen am Panamakanal gewahrt wis­sen. Mit dem gleichen Recht, das sich diese beiden Nationen sür die Sicherung gewisser Jn- leressengebtete Herausnahmen, hätte auch Deutsch­land das Recht für stch in Anspruch nehmen kön­nen, sein eigenes spezielles Interessengebiet im Osten gewahrt zu sehen. Das Reich hat auf eine solche Forderung verzichtet, offenbar in der Er­kenntnis, daß solche Vorbehaltsklauseln den tat­sächlichen Wert de» Kriegsächtungspaktes be­einträchtigen müssen. Das moralische Gewicht, das in dieser deutschen Selbstbescheidung liegt, müsse es jetzt verlangen, daß die Partner des Kellogpaktes bei der Erweiterung de» Wir­kungsbereiches deS Vertrages durch Heranzie­hung anderer Nationen diese vitalen deutsche Interessen im Osten berücksichtigen. Dieses deutsche Interesse verdient hier insofern eine er­höhte Beachtung der Partner des Kellogg-Pak­tes, als es sich auch eindämmend gegen Gefah­ren wendet, die kriegerische Komplikationen aus­lösen könnten. Wenn Rußland und Litauen in den Ausgaben- und Pflichtenbereich des Kellogg- Paktes eingereiht find, ist auch die litauifche Selbständigkeit unter den Schutz der Vertrags­bestimmungen gestellt. Woraus man zu erse­hen hat, daß der Kellogg-Pakt auf die kriegeri­schen Gefahren in Europa nur bann Rücksicht nimmt, wenn er die Staaten im Osten, die alle an diesen Gefahren mittelbar ober unmittelbar beteiligt sind, in seine Bestimmungen einschließt.

Im Zusammenhang mit diesen Erwägungen ist es einmal ganz interessant, sich auseinander­zulegen, warum die ostpreußische Frage in stärkster Mitleidenschaft zum litauisch-polnischen Konflikt steht. Würde es den polnischen Heiß- spornen gelingen, den .weißen Adler" bis an die Küste Litauens vorzutragen, so wäre die pol­nische Umklammerung Ostpreußens vollkommen geworden. Da ein Verlust der litauischen Selbständigkeit auch die Barriere vollkommen macht, die Rußlands Handelsweg mit Deutsch­land und dem westlichen Europa versperrt, also auch hier der kriegSschwangere litauisch-polni­sche Konflikt in fremde Interessen überspringt, so liegt es auch nur im Interesse des großen Sin-

Keine Verbeugung vor Frankreich

... sondern ein Akt politischer Klugheit gegenüber Amerika, sagen StresemannS Parteifreunde

Berlin, 17. August. (Drahtbericht.) Unter der UeberfchriftStresemann reist nach Pari»" schreibt heute die Nationalliberale Korrespon­denz: Wir haben die Einladung zur Unterzeich­nung des Kclloggpaktes aus guten Gründe« sei­nerzeit angenommen. Der deutsche ReichSautzen- Minister kann nun der feierlichen Unterzeichnung nicht fern bleiben, weil sie zufällig in der Haupt­stadt Frankreichs erfolgt. StresemannS Reise nach Pari» ,mtt der ja wohl nun gerechnet wer­den mutz, bedeutet nicht eine Verbeugung vor Frankreich und »och weniger eine Preisgabe der Würde Deutschlands, sonder« «nr einen Akt po­litischer Klugheit gegenüber den Vereinigten Staaten. Die deutsche Forderung bleibt: Abbau und Abbruch der Besatzung, die einen Zustand schaffe, durch den daS Schicksal grotzer europäi­scher Völker täglich, ja stündlich in die Hände beliebiger, unverantwortlicher, unreifer Menschen gegeben fei. Auch wir dürfen nicht übersehen, daß es nicht immer Märtyrer aus tiefer deutscher Not sind, die die Zwischenfälle schaffen und datz es gar oft genug um Menschliches geht. Das deutsche Volk müsse heute reif genug sein, um diese Reise unter den ausschlaggebenden Ge­sichtspunkten des KelloggpakteS zu betrachten.

Lsllogg als Vermittler.

Ei« Schiedsgerichtsvertrag für Aegypten.

London, 17. August. (Drahtbericht.) Staats­sekretär Kellogg hat der ägyptischen Gesandt­

schaft den Entwurf zu einem SchiedsgerichtSver- trag überreichen lassen. Dieser Schritt KelloggS hat in London Ueberraschung ausgelüst, da man nicht erwartete, datz er sobald erfolgen werde. Man sucht ihn damit z« erklären, datz Kellogg die englisch-ägyptischen Streitfragen noch vor feiner Abreise nach Europa ordnen und Eng­land vor vollendete Tatsachen stellen wolle. Amerikanischerseits begrüßt man diesen Schritt und glaubt, daß der Abschluß des Vertrages keine Schwierigkeiten mit England bringen wer­de. In London ist man nicht f» optimistisch.

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(Singer Ministerrat in Vari«.

Paris, 17. August. (Drahtbericht.) Entgegen dem bisherigen Plane würben die Mitglieder deS Kabinetts benachrichtigt, daß am 23. August ein Ministerrat stattfindet und die Anwesenheit eines Jeden unerläßlich fei. Der Matin schließt daraus, datz die plötzliche Einberufung des Mi- nifterrat» mit der Unterzeichnung des Kellogg­pakteS und dem Zusammentritt deS Völker­bundsrates in engstem Zusammenhang steht.

fteltoßs reift ob.

Newyork, 17. August. (Drahtbericht.) Staats­sekretär Kellogg reist am heutigen Freitag auf dem französischenJsle de France" nach Europa ab. Gleichzeitig begibt sich der amerikanische Botschafter auf seinen Posten «ach London.

Italien protestiert in Belgrad.

....gegen italienfeindliche Kundgebungen in Dalmatien. Die Folge« der Neitunoverträge.

Dpalato (Dalmatien), 17. August. (Drahtbe- richt.) Während stch der italienische Konsul gestern abend mit dem Vizekonsul und einigen Italienern im Marinecafe befand, veranstaltete eine Gruppe Studenten und andere junge Leute Kundgebungen gegen Italien, wobei sie feind­liche Rufe auSstietzen. Es wurden auch zwei Stühle geschleudert, von denen einer den Tisch der Italiener traf und den Konsul am linken Arm leicht verletzte. Die Polizei schritt ein und vertrieb bte Manifestanten. Darauf verließen ble Italiener baS Cas« unb begaben sich zu einem Auto, das in einiger (Entfernung trotz der An­wesenheit von Polizei von den Manifestanten umringt, die wiederum feindliche Rufe auS­stietzen und die Italiener zu schlagen versuchten. Während des ganzen Abends dauerten diese Kundgebungen an und machten daS Eingreifen von Polizeikräften notwendig. ES soll dabei zahlreiche Verwundete gegeben haben, auch soll ein Gendarm geschossen haben.

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Was Stallen verlangt

Rom, 17. August. (Drahtbericht.) In der vom italienischen Gesandten in Belgrad über­

reichten Protestnote wegen der Ausschreitungen gegen den italienischen Konsul von Spalata wird verlangt, datz stch die Lokalbehürden beim Kon­sul entschuldigen, datz die Schuldigen und die Behörden bestraft werden, die unzureichende Vorkehrungen ergriffen, um bie Unverletzlichkeit beS italienischen Konsulat» zu schützen. Die Vor­gänge seien um so bedenklicher, al» bie Kund­gebungen nachgewiesenermatzen geplant Waren unb bie bavon verständigten Behörden nichts unternommen hatten, um sie zu verhindern. Der Gesandte Galli erklärte außerdem, et behalte sich vor, weitere Genugtuung zu fordern, die die italienische Regierung für angebracht halte.

Albanien wirb Königreich.

Rom, 17. August. (Drahtbericht.) Die alba- Nische gesetzgebende Versammlung wird Ende deS Monat» zusammentreten, um sich mit der Wahl Achmed ZoghulS zum König zu befassen. Die Ausrufung zum König sei wahrscheinlich. Alba- nien hat bereits feine Fühler bei den Mächten ausgestreckt, auf die im allgemeinen zufrieden­stellende Antworte« eingegangen fein sollen.

China kommt nicht zur Ruhe.

Kriegserklärung der äußeren Mongolei an den Staat Largo.

London, 17. August. (Drahtbericht.) Der Korrespondent derMorning Post" in Charbin meldet :Die äußere Dowjet-Mongolei hat dem Staat Barga den Krieg erklärt. Ein von Urga. der Hauptstadt der Sowjetmongolei gesandtes Ultimatum ,in dem ein Wiederzusammenschlutz verlangt wurde, ist vom Herrscher von Barga, dem Fürsten Guifu, abgelehnt worden. Eine starke Abteilung mongolischer Kavallerie, die von Russen ausgebUdet wurde, hat bereits die Grenze überschritten. Die Chinesen sandten in Eile Truppen in der Richtung auf Hatlar. Automo­bile find für militärische Zwecke mit Beschlag

belegt worden. Die chinesische Ostbahn und ja­panische Bergbau- und Holzintereflen sind stark in Mitleidenschaft gezogen. Mongolische rote Kavallerie hat die Stationen Unur und Barim an der chinesischen Ostbahn besetzt und die Strecke zerstört. Die telegraphische Verbindung ist un- terbrochen. Transsibirische Expreßzüge sind in Charbin angehalten worden.Morning Post" bemerkt dazu, diese Bedrohung Bargas werde möglicherweise eine Wirkung auf die anschlie­ßende Mandschurei und somit indirekt auf Japan ausüben, welches wichtige Interessen in dieser Provinz habe.

neS im Kellogg-Pakt, also im Interesse der Kriegsächtung, wenn Rußland in den Wirkungs­bereich deS Vertrage» einbezogen wird.

Ein Schachzug Litauens.

Um die Sei Handlungen mit Polen in Genf-

Warschau, 17. August. (Drahtbericht i Litauen hat den polnischen Vorschlag, in Gens am 30. August die Verhandlungen aufzunehmen,

ablehnend beantwortet. WoldemaraS erklärt, die wichtigen Arbeiten der polnisch-litauischen Tagung könnten In Genf nicht erledigt werden, weil die Aufmerksamkeit der Teilnehmer durch die VÜlkerbundtagunss abgelenkt werde. In Warschau ist diese Antwort mit großem Unwil­len ausgenommen worden. Die Blätter richten heftige Angriffe gegen WoldemaraS: Polen müsse auf der nächsten Tagung des Völkerbundes mit Hinweis aus Litauens Verschleppungstaktik, sofortige Erledigung der Angelegenheit fordern..

Los der Aähringer

Der letzte Herzog imMusterländle".

Staat6»mwäUa«g. Heut«, nach dem Hei«, gang des wrobderzogs Sriedrich II. von Be­be«, sind es nur «sch dreizehn. Ihr Senior ift bet iechsuudsiebzigjährige Oldenburger Großherzog, der jiingfte ift bet siebeanudzwau- zigjahrige Herzog »ou Anhalt, bet »och mie« fes-sfä für ihn auf beu Thron «errichtete. Dreizehn tft eine ominöj« Seil. Wer ahergläubifch ist, wird sich frage«, wer ift der dreizehnte, bet «achtle2 ...

Großherzog Friedrich II. von Baven war ein Fürst, bet, als et regierte, wenig hervortrat utto sich immer streng an die Bestimmungen der Badischen Verfassung hielt. Seinem ganzen Wese» nach mehr Soldat als Staatsmann wirk­te er vielleicht als Regent farbloser als er wirk­lich wat. Dazu kam, datz er eigentlich immer im Schatten seiner großen Eltern gestanden hatte. Sein Vater Friedrich I. von Baden ist zweifellos einer der klügsten dentfchen Fürsten gewesen. Zweimal hat er bei außerordemlich bedeutsamen Ereignissen mitgewirkt, bei oer Einigung Deutschlands unb beim Abgang Bis. marcks. Ist er doch als Schwiegersohn Wilhelms I. m den Wochen vor der Katserproklamation 1871 der Verbindungsoffizier zwischen ihm und den süddeutschen Fürsten gewesen. Er war es daher, der am 18. Januar 1871 tm großen Spie- gclsaale des Schlosses von Versailles das Hoch auf »Kaiser Wilhelm" ausbrachte, nur Kaiser Wilhelm An den deutschen Kaiser hatte sich der alte Herr noch nicht gewöhnt. Auch in den erste« Monaten des Jahres 1890 war der Ba­dische Großherzog politisch viel tätig. Unter dem Einfluß von Waloersee, Miquel unb Hinz- Peter war er zu der Ueberzengung gekommen, daß Bismarck zu alt unb zu autokratisch getobt, den war, um noch weiter de» jungen Kaiser» Kanzler bleiben zu können. Er hat dann kräf­tig mitgeholfen, ihn zu beseitigen. Nicht toe. Niger bedeutend als Friedrich I. war feine Gat­tin Luise, Wilhelm I. einzige Tochter. Sie hat die Wohlfahrtspflege ihres Landes vorbildlich organisiert, und so war es eine selbstverständli- che Pflicht, daß ihr die republikanische Staats­regierung in Karlsruhe, als fle 1923 starb, einen Kran, mit der Inschrift

Der Wohltäterin deS Lande»" auf den Sarg legte. Ueberfchattet von diese« Eltern wuchs Friedrich II Badens letzter Fürst auf, überschattet von ihnen lebte er als Erb- großherzog, einflußlos und ohne Macht. Kein Wunder, daß er sich am wohlsten in seinem mi­litärischen Berns fühlte, und nie die schönen 7 Jahre vergaß, bie et von 1897 bis 1904 in Kob- lenz verbrachte, restlos glücklich als kommandie- render General. Dann wollte ihn sein immer älter werdender Vater als kommandierender General nach Karlsruhe haben. DaS aber der- stieß gegen die Prinzipien des Militärkabinetts. Ein Thronfolger follte nicht die eigene« Trup­pen des Landes befehligen. So nahm denn der damalige Erbgroßherzog, bet mit Leib und See- le Soldat wat, bitteren Hetzens den Abschied, um bann bis zu seinem Regierungsantritt 1907 in Karlsruhe ein

untätige» Leben als Erbgroßherzog zu führen. Denn trotz aller guten Absichten, ihn an den Regierungsgeschaften zu beteiligen, ließ ihn der Vater an nichts heran. Weise uns mil­de regierte er, Großherzog geworden, das ,Mu> sterländl«", doch kümmerte er sich im Gegen satz zu feinem Vater nicht um Berliner Politik. Nur einmal mußte er auch hier entscheidend mi(Wir­ten, daS war als ihn der Kaiser am 30. Septem, bet 1918 auf oer Rückreise von Spa nach Berlin von Köln au» telephonisch anrief, und ihn bat, die Ernennung deS badischen Thronfolgers, des Prinzen Max zum deutschen Reichskanzler zu genehmigen.Mutz e» ausgerechnet Mar sein? Ist denn kein anderer da?" Mit diesen Worten der Resignation gab der Großherzog als Ches deS Hauses seine Zustimmung. Einige Woche« später mußte er abdanken.

Niemand Im Lande hatte etwa» gegen ihn. Als er daher am 22. November 1918 den end- gültigen Thronverzicht unterzeichnet hatte, ge. dachte die neue basische Regierung einschlietz. lich ihrer Vertreter ans der S. P. D. und der U. S. P. D. in warmer Anerkennung und Dank­barkeit seiner Verdienste um da» Land. Trotz­dem ist auch ihm die Bitternis der Flucht nicht erspart gebliebep. Am Abend des 11. Novern- Bet wurde auf das Karlsruher Schloß geschossen Man zäblte über sechzig Einschläge. Da beschloß der Gtoßberzog mit seiner alten Mütter, seiner Gattin und seiner einzigen Schwester, bet auf Be­tuch in ihrer Vaterstadt weilenden Königin von Schweden, zu fliehen. Während eine Rotte vorn