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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 193. ehtgelyteiS: Wochentags 10 Pfennig Donnerstag, 16. August 1928. Einzelpreis: Sonntags so Pfennig. 18. Jahrgang

Zn-len auf -em Wege zvr SelWn-igkeit.

Riesige Oellager in Flammen.

Eine Brmrdkatnftrophe bei Prag. Jetzt schon geht der Schaden in die Millionen.

Ein Verkauftes Volk.

Die Ratifizierung der NettunoBertrüge.

In Abwesenheit jeglicher Opposttton, d. -. nicht nur der kroatischen demokratischen Bauern­partei, sondern auch der serbischen, die nach einer Protesterklärung dagegen, daß in Abwesenheit der Kroaten über deren LebenStntereflen ver­handelt würde, den Sitzungssaal der Skuptschtna verließ, find im Belgrader Parlament die be­rüchtigten Konventionen von Netiuno wider­spruchslos ratifiziert worden. Der Widerstand, den die Kroaten von Ansang an der Ratifizie­rung der Verträge entgegensetzten, war die Ver­anlassung zu der grauenvollen Bluttat, die der kroatischen Bauernpartei ihre heften Männer ge­kostet hat. Allein die Spannung, die durch di« Rettuno-Berträge im innerpolttischen Leben SüdflawienS hervorgerufen worden ist, datiert schon um Jahre zurück. Ihr Ursprung ist eigent­lich auf das Jahr 1924 zurückzuführen ,in dem mit dem Abkommen von Rom am 24. Januar 1924 Südslawien seine Beziehungen zu Italien bereinigte, nachdem die im Jahre 1921 zwischen Italien und Südslawien geschlossenen Verträge von Rapallo und St. Margherita bereits die Entscheidung über Dalmatien und die Dalma­tien vorgelagerten Inseln gebracht hatte. Rach dem Rom-Vertrag wurde noch im Jahre 1924 ein Handelsvertrag zwischen beiden Staaten ab­geschlossen, der im Sommer 1926 ratifiziert w"rde, sozusagen die Ausführungsbestimmungen zu att diesen Verträgen find die Konventionen von Rettuno, die das Ergebnis von Konferen­zen waren, die im Oktober 1924 in Venedig be­gannen und am 20. Juli 1925 in der Villa Ret- tuno bei Rom zu Ende geführt wurden. Sie umfassen nicht toy?iger als 31 Vereinbarungen über Einzelheiten des Vertrages mit Italien über Fiume, des Vertrages von Rom und end­lich über unklar gebliebene Punkte des Friedens­vertrages.

Die Dauer der Beratungen läßt schon erken­nen, daß eine Unzahl von Streitpunkten zwischen Italien und Südslawien zu erledigen waren. Das ist denn auch tatsächlich der Fall gewesen und man kann nicht sagen, daß die südslawischen Unterhändler ihre Position zu behaupten gewußt haben, wobei allerdings zu bedenken ist, daß sie bei zäherem Widerstand gegen die italienischen

Prag, 15. August. (Drahtbericht.) Aus bis­her noch unbekannter Ursache brach am Stratz- nttzer Rangierbahnhof in dem Oellager der Dombrowa-Gesellschast rin Brand aus, der rasch um sich griff und binnen weniger Minuten auch das Oellager und die Spiritusvorräte der Va- cuum-Oel-Kompagnie und der Trading Oil- Compagnie erfaßte. Sofort heicheigeeilte Feuer­wehr aus Prag und Umgebung, sowie eine starke Militär-Abteilung waren unter großen An­strengungen bemüht, die zu Tausenden aufgefta- peltrn Benzinsäffer im Sicherheit zu bringen. Hierbei wurden zahlreiche Feuerwehrleute und Soldaten verletzt. Wiederholt erfolgten große Explosionen und drei in der Nähe befindliche Naphtha-Zisterneu mit je 56 Waggon Inhalt ge­rieten in unmittelbare Gefahr. Gegen Mitter­nacht dauerte der Brand noch an. Der Schaden wird auf viele Millionen Mark geschätzt. Unter dem Publikum, das sich auf einer nahegelegenen

Oslo, 15. August. (Drahtmeldung.) Profes­sor Samoilowitsch, der von Stavanger hier ein­getroffen ist, erzählte Pressevertretern: Als Zappt aufgefunden wurde, war er wohlauf, aber sehr erstaunt, denKrassin" zu sehen, da Zappt infolge des schlechten Wetters nicht wußte, daß derKrassin" in der Nähe war. Samoilowitsch hofft, daß derStaffln" am Sonnabend ausge- beffert sei und sofort Kurs nach dem nördlichen Spitzbergen nehmen wird. Es wird eine Ba­sis für die italienischen und russischen Flugzeuge in der Hinlopen-Stratze am Kap Leigh Smith oder an einem andern vorteilhaften Platz an­gelegt werden. Wenn die Erkundigungsflüge erfolglos sind, wird derKraffin" seine Suche zwischen Spitzbergen und Franz-Josephsland fortsetzen, aber er kann die Nachforschungen nicht

Anhöhe gegenüber dem Brandplatze angesam­melt hatte ,brach, als ein Oeltank explodierte und die Feuergarbe die Richtung aus den Berghaag nahm ,eine Panik aus.

Großfeuer im Mpendorf.

PariZ, 15. August. (Drahtbericht.) In Auril- lac im Kanton Murat wurden 14 Häuser einer Ortschaft durch Feuer vernichtet. Eine Fmu von 77 Jahren sei in den Flammen umgekommen.

Lwvif Opfer etner Explosion.

Hammond (Indiana), 15. August. (Draht­bericht.) In einer Fabrik für medizinische Ap­parate ereignete sich eine Explosion, bei der we­nigstens 12 Personen ihr Leben einbüßten. Durch die Explosion entstand ein Brand, der es zunächst unmöglich machte, die Leichen zu bergen

länger als biS Ende September betreiben. Amundsen," erklärte Samoilowitsch,hatte im­mer seine eigenen Pläne gehabt und es ist mög­lich, daß er direkt nach der Aleffandri-Gruppc geflogen ist, da er wußte, daß bte anderen sich mit der Rettung der Nobile-Gruppe befaßten. Nach meiner Meinung müssen wir Amundsen im Osten von Spitzbergen suchen. Was die Grup­pe Alessandri anbetrifft, so ist es möglich, daß es ihr gelang, mit dem Luftschiff herunterzugehen und auf das Eis zu springen und daß die Ex­plosion, die von der Nobile-Gruppe beobachtet wurde, sich erst später ereignete." Samoilowitsch fügte hinzu, daß Nobile die Erlaubnis erhalten habe, an der neuenKrassin"-Expedition teilzu­nehmen, aber Nobile sei nach Italien gereist und habe nichts mehr von sich hören lassen.

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Ei« neue Expedition des russischen EisbrechersKrassin". Nobile, der zur Teilnahme eingeladen wurde, hüllt stch in S-bweigen.

Forderungen jederzeit der schlimmsten Ueber- raschungen hätten gewärtig sein müssen. Man braucht dabei nur an den für Italien glücklichen Ausgang des im ersten Augenblick geradezu phantastisch anmutenden Handstreichs des Dich­terhauptmanns D'Annunzio auf Fiume zu er­innern.

Es dauerte rund zwei Jahre, btS die süd­slawische Oeffentlichkeit von dem genauen In­halt der Konventionen erfuhr. Dann allerdings brach der Sturm los. In Laibach, Agram und Spalato, den Hauptorten des kroatisch-dalmati­nischen Gebietes brachen Unruhen aus, bei de­nen nur starke Militäraufgebote die italienischen Konsulate schützen konnten, fast alle politischen und wirtschaltlichen Organisationen beschworen die Nationalversammlung, die Konvention abzu­lehnen, es kam zu einer ArtMarsch auf Bel­grad", dessen mögliche Folgen glücklicherweise noch dadurch abgebogen wurden, daß der König selbst die Parole ausgab:Dalmatiner, hütet mir unser Meer!"

Tatsächlich war klar ersichtlich, daß die Kon­ventionen von Rettuno nicht nur die Südslawi­schen Interessen in der Adria vollkommen Preis­gaben, sondern der italienischen Wirtschafts- Offensive gegen Dalmatien und Kroatien in geradezu verhängnisvoller Weise den Weg ebne­ten. In erster Linie war es die merkwürdige Ausnahme-Stellung, die man im schroffsten Ge­gensatz zu den richtig verstandenen Interessen Kroatiens, Dalmatiens und bamit ganz Süd- slaviens den Italienern hinsichtlich der Möglich­keit des Landerwerbes, des Aufbaues eigener Industrien und des Importes eigener Arbeits­kräfte konzedierte, die die wirtschaftlich« Lage der ohnedies notleidenden Kroaten und Dalma­tiner soweit verschlimmerte, daß sie zu Tausen­den auswandern mußten. Der italienischen In­dustrie (Zementindustrie) und Technik (Ausbau von Wasserkräften) wurden Rechte eingeräumt, die das Stammes- und Staatsbewußtsein der Kroaten außerordentlich verletzen mußten. Hin­sichtlich ihrer Rechte betressend Landerwerb wur­den die Italiener sogar den in Kroatien ansässi­gen Südslawen vorgeordnet, indem sie von dem Gesetz über Enteignung des Großgrundbesitzes zwecks Schaffung von Siedlungsmöglichkeiten ausgenommen wurden. Man kann sich ohne weiteres vorstellen, daß, wenn nun die Verträge von Rettuno in Kraft treten, die Lage zwischen Kroaten und Südslaweu noch weiter verschärft werden wird.

Ergebnis des indischen Kongresses.

Die lange erwartete Verfaffungsdenkfchrist veröffentlicht. Weitgehende Selbstverwaltung.

London, 15. August. (Drahtbericht.) Die auf-stehen. Weiter wird die Ernennung eines Zen- 'etanlaffung des Arbeitsausschusses des indi ltral-Gouverneurs vorgeschlagen, dem Vetorecht

scheu Kongresses ix Kalkutta einberufene

gnng aller indischen Parteien hat soeben die lang I und Luftstreitkräfte liegen so«. Der B-llzugsrat erwartete Denkschrift über eine neue indische, von ganz Indien soll aus dem Ministerpräfiden- Berfassung veröffentlicht. Ein Memorandum I len und sechs weiteren Mitgliedern bestehen. Den empfiehlt eine Deklaration der grundlegenden I Provinzen ist Selbstverwaltung zuzugestehen. Rechte. Ter gesetzgebende Apparat soll aus ei-1 Weiter empfiehlt die Denkschrift die Schaffung nem Senat und einem Repräsentantenhaus be-'eines Obersten Gerichtshofes über ganz Indien.

Schweres Unwetter in Sberboyern

Zahlreiche Ortschaften durch Hagel und Sturm stark beschädigt.

München, 15. August. (Drahtbericht.) Ein I düngen nach Tallahaffee find teilweise unter« Unwetter hat im bäuerischen Oberlande brachen.

besonders in der Gegend von Holzkirchen, starke Verwüstungen angerichtet. Der Hagelschlag war so stark, daß die ganze Landschaft ein winter­liches Bild zeigte. Der Gebäudeschaden ift be­trächtlich. Die meister Tclefonlcitungcn wurden zerstört. Stark gelitten hat mch die Gegend um Ditramszell. In der Ortschaft Sachsenkamm wurde die Hälfte öfter Dächer vom Siurm be­schädigt. Auf dem Friedhof wurden sogar Grab­steine umgeworfen. Die elektrische Ueberlandlei- tung ist vielfach beschädigt. Die Ernte ist weit­hin, so weit sie nicht eingebracht war, vernichtet. Auch im Kochelgebiet ist großer Schaden ange­richtet worden.

Das bedrohte Florida.

Rewhork, 15. August. (Funkspruch.) Der Or­kan, der an der Küste von Florida vor einigen Tagen großen Schaden anrichtete, bewegt sich nunmehr nach dem Inneren des Landes. Die Stadt Tallahassee wurdx von einer Windhose erfaßt, die eine Geschwindigkeit von 50 Meilen pro Stunde erreichte und von starkem Regen be­gleitet war. Telefonmasten wurden uiederge- tiffen und die Verbindungen in einem Umkreis von 30 Meilen gestört. Die Stärk« des Windes, der stch langsam nach dem Westen und Norden bewegt, nimmt noch zu. Di« Eisenbahnverbin-

Bulgarren räumt auf.

Scharfes Borgetzen gegen die Mazedonier.

Sofia, 15. August (Drahtbericht.) Die Re- rung hat neun Ma^dvnier wegen unbefugten affentragens verhaften lassen. Diese Maßnah­me ist das erste Ergebnis des gestrigen Mini­sterrates. Man erwartet eine planmäßige Säu- berungsaklion unter den in Sofia wohnenden Mazedoniern, wonach alle Mazedonier, die die Notwendigkeit ihres Aufenthaltes in Sofia nicht nachweisen können, in der Provinz gefan­gen gesetzt werden sollen.

Sngttfch-ftonrS.tfche Lausche

Parts, 15. August. (Drahtbericht.) Die Gesandten Englands und Frankreichs haben der bulgarischen Regierung eine Rote überrei­chen lassen, in der auf die Notwendigkeit hinge­wiesen wird, energische Maßnahmen gegen die mazedonischen Revolutionäre zu ergreifen, die durch ihre Tätigkeit den Frieden der benachbar­ten Rationen bedrohten. Dieser Schritt geht auf die Initiative Englands zurück, das von Italien die Zusage erhielt, nicht zu intervenieren, da di« italienische Regierung die mazedonische Fra­ge als eine rein innerpol,tische bulgarische An­gelegenheit ansehe.

Um das große Los.

In fünf Sekunden Millionär.

Dl« Maschine kann den Menschen ferner noch «icht ans schalten. Roch zweimal .ante alte Seit bei der «toatötotterie. Eine B-lkstüm.

Uchkeit, die int Last geworden ist.

AuS authentischer Quelle erfahren wir, daß wider Erwarten die soeben eingeleitete Haupt­ziehung der Staatslotterie nicht die letzte nach der bisherigen Uebung sein wird. Die Maschi­ne, die ursprünglich schon bei der vor kurzem eingeleiteten Hauptziehung in Tätigkeit treten sollte, ist auch jetzt noch nicht soweit durchkon­struiert, daß sie den gestellten Anforderungen an völlige Verläßlichkeit genügt. Es wird mit ihr immer noch experimentiert. Sie ist aber wenig- stenS soweit gefördert, daß fie vermutlich noch biS zum Herbst- in Auftrag gegeben werden kann. Da ihre Bauzeit mindestens fünf biS sechs Monate beanspruchen wird, und da die erste fertige Maschine dann auch noch durch­geprüft werden muß, konnten die Verantwort­lichen Stellen auf die Anfrage eines unserer Mitarbeiter jetzt schon mit Sicherheit erklären, daß die Ziehungsmaschine auch bei der nächsten Ziehung der Staatslotterie noch nicht verwen­det werden kann. Vielleicht müssen sogar noch zwei Ziehungen nach dem System derguten alten Zeit" vorgenommen werden. Dann aller­dings wird die Preußische Lotterieverwaltung

> über ein Wunderwerk verfügen, das nicht nur die Ziehungen besorgt, sondern noch weit mehr leistet. Die Maschine wird Nummern- und Gewinnlose ziehen, ihre Tätig­keit in jedem Augenblick sehen lassen, die Gr- gebniffe der Ziehung fein säuberlich aufschrei­ben und außerdem die Gewinnliste nach den fortlaufenden Nummern nebst den darauf ent­fallenden Gewinnen geordnet in Form einer druckfertigen Mater herausbringen. Bis zu diesem Augenblick ist die menschliche Hand und die menMiche Einwirkung gänzlich ausgeschal­tet bis auf den einen Hebeldruck, der di« Ma­schine zur Arbeit auffordert und den anderen, der sie wieder zur Ruhe bringt durch Ausschal- hing des elektrischen Stromes. Sie wird nicht schneller arbeiten als der Ausschuß von sechs Beamten, von denen gegenwärtig je drei unter der Aufsicht der anderen drei die eigentliche Ziehung der Nummern- und Gewinnlose vor- nehmen, obwohl fie das könnte. Die Staatslot­terie hat aber gerade bei der Hauptziehung, die sich jetzt schon über sechs Wochen erstreckt, allen Anlaß zum Eilen mit Weile; denn sie will während der Zeit, in der die Zehntausender und Hunderttausender aus dem Gewinnrade hervorgezogen werden, noch möglichst tüchtig verkaufen. AuS der Erfahrung heraus, daß di« Kauflust der Massen erlahmt, wenn das Große Los über

eine halbe Millionen Reichsmark gezogen worden ist, hat sie ja noch die ebenso hohe Groß« Prämie geschaffen, die erst am letz- len Gewinntage fällig werden kann; denn sie gehört zu dem ersten Tausender oder mehr, der am letzten Tage gezogen wird. Wenn man di« Ziehungsmaschine erst anstelle der beiden Rie- senräder im Hause an der Markgrafenstraße Ecke Jägerstraße aufgestellt hat, wird man die Arbeitsleistung der Maschine vielleicht künstlich in die Länge ziehen. Die Arbeit der Menschen braucht man heute nicht zu strecken. Die unge­zählten Hunderte von Menschen, die stch Tag für Tag in dem Ziehungssaale zusammendrän- gen, die vielen Tausende, die ihn im Verlauf« der Hauptziehung in der schwachen Hoffnung aufsuchen, dabei zu fein, wenn gerade das eigene Los gezogen wird, staunen immer wie­der über die ungewöhnliche Schnelligkeit, mit der hier die Gewinne fallen. Allerdings arbei­ten die Menschen mit einer maschinenmäßigen Einförmigkeit. Sie haben ein Ziel, das sie un- bedingt erreichen müssen. Sie sollen in zehn Minuten durchschnittlich hundert Gewinne und die dazu gehörigen Losnummern ziehen. Der ganze Ziehungsatt für die einzelne Nummer ist in vier und sogar drei Sekunden erledigt. Auch ein anständiger Gewinn, und sei es die halbe Million, nimmt höchstens fünf Sekunden Zeit tn Anspruch; er wirkt aber dochzeitraubend", weil der Vorsitzende Nummern und die daraus entfallenden Gewinne von 300 Mark und mehr nochmals wiederholt. Damit werden sechs bis leben Sekundenvergeudet". Jede solche Mit­teilung stört zwar nicht die zahlreichen Zuhörer, die durch die Langweiligkeit der Ziehungsvor­gänge in festen Schlaf gelullt worden sind, in ihren Träumen vom Großen Los, nötigt aber die Vertreter der Zeitungsnachrichtenbüros, die in zwei Reihen an riesengroßen Tafeln ihre Eintragungen machen, zum Aufhorcken. Aber auch solche Aufmunterungen von 300 und 500 Mark kommen so selten, daß zuweilen sogar