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2. Beilage

Kasseler Neueste Nachrichten

Dienstag, 31. Juli 1928.

Fir-

tauscndmal das Leben einsetzen

Minen zu deckem

F. D.

machte gesenkte Blicke daraus. Bei der eigenen

bracht haben, hat er, mehr als einmal, Wuck Malweise von Mar aber, der Fleischteile immer gehabt Er Ft emer, der »nmer wr^er Glück jfc^ $art transparent malte, schlugen die hat. Sern Schicksal ift unerhört schwierig darunter stärker getönten offenen Augen bald ober .. durch. Und hieraus entstand die vielen so ver-

ich bin nicht besorgt um tyn. blüssende Wunderwirkung: wer lange auf die

Malweise von Max aber, der Fleischteile immer

blüsfende Wunderwirkung: wer lange auf die

wir,

hier analysiert hatte.

Amundsens Handschrift.

Wer M Mer alles

löwerte unierrftlsti«, will. lieft die Kaffeier Neuesten NaHrlMen

Die lebenoen Loristue-Augen.

Dem „Mystiker" Gabriel Max sei es einst ge­lungen, lebende Christus-Augen zu malen, be­haupten manche Kunsthändler, wenn sie seinen berühmten Ehristuskopf in den Schaufenstern ausstellen. Aber Gabriel Max, der ernste Künst­ler, hatte diesen Reklameeffekt so ganz und gar nicht beabsichtigt gehabt. Er hatte diesen Ehri­stuskopf einst für einen befreundeten Pfarrer gemalt, der jedoch Anstoß daran nahm, daß die Augen aufgeschlagen waren. So übermalte Max denn die aufgeschlagenen Augen, und

Beinen des Hundes, der Schutzmarke der ma, befindet.

Menschen zu sehen, der durch edlere Einflüsse, zu denen auch die Beschäftigung mit der Musik gehört, zur Selbstbestimmung^ und -bewahrung gebracht werden soll. Ob es aber mehrere Ge­fangenenkapellen von einer so eigenartigen Zu­sammensetzung gibt, wie gerade die oben er­wähnte, das darf wohl füglich bezweifelt werden Von den Mitgliedern dieses Orchesters, die alle ohne Ausnahme ihre Taten mit lebensläng­licher Verbannung büßen müflen. ist der Kapell­meister ein dreifacher Raubmörder, der früher dem Orchester der Großen Oper in Paris ange­hörte. Der Bläser der ersten Trompete ist ein

liche Konzerte veranstaltet, und die Zuhörer sind ganz begeistert von ihren Leistungen. Es ist aber doch wohl ein Glück zu nennen, daß die­ses Orchester nicht der Zeitmode entsprechend aus Gastspielreisen in die Städte des Konti­nents gehen kann. Man würde sich des Grau­ens beim Anblick dieser Musiker Wohl kaum er­wehren können, und wenn sie auch die lustialten Tänze und die sanftesten Melodien spielten.

sens Schicksal die ganze zivilisierte Welt. Noch immer steht die anteilnehmende Menschheit vor Fragen — vor Fragen, die vielleicht nicht der Menschenverstand, sondern erst die Zeit wird be­antworten können. Lebt Amundsen oder ist der Forscher den Schrecken der Arktis zum Opfer gefallen? Raphael Schermann, der weltbe­rühmte Psychographologe, vor dessen Auge aus der Schrift des Menschen sein ganzes Schicksal ersteht, ist vielleicht als Einziger imstande, diese Frage zu beantworten. Vielleicht ... Ich habe mich mit einer Schriftprobe Amundsens an Schermann gewendet. Die Schwierigkeit lag nur darin, daß der Psychographologe nicht wissen

gesenkten Lider steht, kann glauben sdenn der Augapfel scheint durch), Christus öffne plötzlich die Augen.

In den letzten Tagen hat der nun leider doch von Kassel scheidende Verkehrsdirektor Dr. Schu­mann, Direktor des Statistischen Amtes der Stadt Kassel, seine offiziellen Abschiedsbesuche abgestaltet. Heute befindet er sich bereits aus dem Wege nach seiner neuen Wirkungsstätte, der Hauptstadt des sächsischen Landes, dem mächtig aufstrebenden Dresden. Zu der dortigen Wahl als Direktor des Statistischen Amtes sind Dr. Schumann von den ersten Kapazitäten auf dem Gebiete der Statistik Beglückwünschungen zuteil geworden, die geradezu als schmeichelhaft be­zeichnet werden müssen. Auch namhafte Kom­munalpolitiker haben Dr. Schumann ihren Glückwunsch übermittelte Lebhaftes Bedauern äußerte unter anderem der Verkehrsverband für das Oberweserbergland in Einheit mit dem All­gemeinen Verkehrsverband für Hessen und Wal­deck, dessen allzeit umsichtiger und warmherziger Geschäftsführer und Fürsprecher Dr. Schumann gewesen ist. Einen herben Verlust erleidet selbst­verständlich auch der Kasseler Verkehrsverein, dem Dr. Schumann ebenfalls die Seele gewesen. Unter all diesen und vielen anderen hier nicht zu berührenden Umständen ist es auf das tiefste zu bedauern, daß die leitenden Persönlich­keiten der Stadt Kassel keine geeigneten Wege fanden, eine Persönlichkeit, wie sie Dr., Schu­mann nun eben darstellt, wenigstens für die nächsten Jahre zu erhalten. Gerade jetzt, da sich die Einsicht Bahn bricht, daß nur der Frem­denverkehr es sein kann, der das schwer um sein Bestehen ringende Kassel einigermaßen über Wasser hält. Es hat nicht sein sollen. Dr. Schu- amnn ist gegangen. Nun erhebt sich die Forde­rung, ihm einen Nachfolger zu geben, der auf dem Verkehrsgebiet bereits genügende Erfah­rungen hinter sich hat, selbst auf die Gefahr hin,

Buntes Allerlei.

ein tiramü.enicD«<tiai.

Der Tod Löwensteins, so schreibt ein Pariser Blatt, setzt nur die Reihe von dramatischen Todesjaüen fort, oie m feiner Familie vorge- tommen sino. So wohnte einer ieiner Onkel, Siegfried Löwenstein, einmal der Truppenschau am 14. Juli bei, und um besser zu sehen, hatte er sich auf oas Trittbrett seines Wagens gestellt — da gingen die Pferde durch, als plötzlich eine vorübermarschierende Militärkapelle zu spielen begann, er wurde völlig zerschmettert u. fand den Tod. Einer seiner Söhne versuchte sich selbst das Leben zu nehmen, als er 20 Jah­re alt war; seine Mutter wurde bei der Nach­richt von seiner Tat wahnsinnig. Ein anderer Sohn starb bei der Rückkehr aus Amerika au# hohem Meer. Eine seiner Töchter, Marguerite oie Frau des Grafen Dupin, der in Rio de Je- neiro ermordet wurde, tötete sich selbst über seiner Leiche. Ihre Schwester heiratete eine« holländischen Kaufmann, der eines Tages spur- . los verschwand, bis man nach zwei Jahren seine Leiche in der Marne fand.

Noch immer bewegt die Sorge um Amund-lden Kopf gehen läßt. Seine Entschlüsse führt . ------... - --- ~ -1 er aus, auch wenn er

Der Too warnt

Diese eigenartige Warnungslaterne haben ame­rikanische Städte an Bahnübergängen ange­bracht. Die Laterne ist rot erleuchtet und aus mattem Aluminium angefertigt.

Vatermörder, der Klarinettist, ein früherer Gast­wirt, besaß eine Zuhälterkneipe und ermordete und bestahl 6 seiner Gäste. Der Pdsaunenblä- fer ermordete seine Frau und zerstückelte die Leiche in viele kleine Teile, die er nach und nach in die Seine versenkte, und der Pauker erdros­selte einen Gerichtsvollzieher, der ihn pfänden sollte. Der Trommler endlich erschlug seinen die Miet« eimordernden Hauswirt mit einem Ham­mer. Diese kleine Blütenlese der Eigenschaften der Mitglieder dieses eigenartigen Orchesters möge genügen.

Tagtäglich werden von dieser Kapelle öffent-

burfte, wessen Schrift ihm da zur Prüfung überreicht wird, um so.alle Kombinativnsmög- lichkeiten von vornherein auszuschließen. Pro­fessor Dr. Breitfuß, ein in Berlin lebender sehr bekannter arktischer Forscher, der mit Amund­sen in jahrzehntealter Freundschaft verbunden ist, besitzt ein Bild des Verschollenen mit einer

Professor Dr. Breitfuß fragte ihn nun ein paar Detailfragen: „Wie alt ist er?“ Scher­mann erwiderte: „Als er diese Zeilen schrieb — etwa vierzig." Tatsächlich war Amundsen da- mals 39 Jahre alt gewesen. „Mittlerweile ist er ober noch frischer geworden," fuhr Scher­mann fort. „Seine Haut ist wie Leder gegerbt. Nur, daß er Runzeln und Fältchen im Gesicht hat." „Was für ein Landsmann ist er?" fragte Professor Dr. Breitfuß. „Europäer, Amenka- ner?" „Nordländer ist er jedenfalls," erklärte Schermann. „Ein Wikinger. Er hätte nicht Geschäftsmann werden sollen, Pilot oder Berg­steiger oder vielleicht sogar noch mehr — das wäre wohl das Richtige gewesen! Nun erst teilten wir Schermann mit, wessen Schrift er

Die billigste Mahlzeit.

Wie die Amerikanerin sich jung hält.

Diät, der unbedingt notwendig befundenen Schlankheit wegen, bedeutet für die junge Ame­rikanerin alles. Sie weiß, oaß sie nur, wenn sie schlank und beweglich ist, geistig energisch und agil bleiben kann, daß sie als Frau drüben int beruflichen Leben nur dann wirklichen Erfolg haben kann, wenn sie schlank und hübsch ist. Eine unschöne dicke Frau wird man nicht einmal zum Handschuhverkaufen anstellen, so stark ist der Sinn des naiven Amerikaners für Aesthetik aus­gebildet.

Aber die Amerikanerin läßt sich nicht nur von dieser rein praktischen Erkenntnis leiten, sondern sie ist „prinzipiell" schlank und hübsch, weil man es fein soll; und sie lebt asketisch und medizinisch diät — weil es im „Magazin" geschrieben stcht oder weil es der Arzt oder irgendeine Annonce empfiehlt. Die armen Flapper, die kleinen La­denmädchen wissen ganz genau, wieviel Kalo­rien und welches Quantum Vitamine jede Speise enthält und wieviel Kalorien eine Frau täglich essen darf, um nicht zu dick zu werden. Selbst die billige und ausgezeichnete „Jeecream" verschmähen sie, weil sie in ständiger Angst leben, zu stark zu werden. Sie trinken ein Glas Milch und essen grünen Salat, weil das nahrhaft ist und nicht zu dick macht.

Bei „Childs", den kleinen populären Restau­rants in Newyork, ist auf der Speisekarte jedes Gericht mit der Zahl der Kalorien und der Vitamin« versehen — sodaß also jedes Büro- fräulein streng wissenschaftlich nach Kalorien und Vitaminen ihren Lunch bestellt. Hat sie gar kein Geld, so nimmt sie nur ein Glas Milch und schüttet das eisenhältige Pulver, das man dort gratis bekommt und das sehr nahrhaft fein soll, hinein, um ihren Konsum an notwendigen Vita-

eigenhändigen Widmung.' Dieses Bild haben " \ Professor Dr, Breitfuß und ich, mit Pa- Pier umwickelt, so zwar, daß nur eine Zeile vom Text der Widmung sichtbar blieb, während die Unterschrift und die Photographie selber voll­ständig verdeckt waren. Dann wendeten wir uns unter Vorspiegelung des folgenden,

daß er höher besoldet werden müßte, als dies anscheinend zunächst im Plane des Mägifttats erwogen wird. Wir haben einen Stadttat Weber gehabt, wir hatten als dessen Nachfolger dessen talentvollsten „Scholaren", es geht nicht an, daß wir nun irgendein „unbeschriebenes Matt" mit der Aufgabe betrauen, Dr. Schu­manns Werk in Kassel fortzusetzen und zur Vollendung zu bringen. Der letzte und vielleicht der netteste Akt im Abschiedschaufpiel Dr. Schu­manns spielte gestern mittag unter den hohen Bäumen des Stadtparks. Hier waren die Ver- treter der Kasseler Presse aller Schattierungen anwesend und manche Erinnerungen wurden er­weckt an gemeinsame Erlebnisse an oftmals ge­meinsame Kampffront, anfangend in der Zeit, da Dr. Schumann die Lebensmittelkartenzentrale der Kriegszeit derart reformierte, daß er sogar vom Staatssekretär für Ernährung mit der Kon­trolle anderer Städte beauftragt wurde, weiter­spinnend bis zu den großen Veranstaltungen der letzten Jahre, die den Namen Dr. Schumann als Förderer des Verkehrs im wahrsten Sinne des Wortes populär gestalteten. Unter den Anwesen­den bemerkte man auch eine Persönlichkeit, die im Dienst« der Reichsbahn Hand in Hand mit dem jetzt Scheidenden an einer Hebung des Fremdenverkehrs in Kassel hervorragenden An­teil hat . . . Dr. Blänkner. „ Es ist sicher eine Seltenheit, daß ein Magistratsbeamter in solch' enger Verbindung mit der Presse gestanden hat, dtß eS sogar zu einer gemeinsamen Abschieds­feier gekommen ist. Das dies der Fall ist, stellt vielleicht das wertvollste Aktivum für Dr. Schu­mann war. dem wir bereits in der Sonntags­ausgabe herzliche Abschiedsworte widmeten. Heute seien .„Ade und auf Medersehen" wieder­holt! R. H.

Nr. 179

Achtzehnter Jahrgang.

muß. Was er unternimmt, ist gründlich durch­dacht — aber manchmal reißt ihn seine Phan­tasie doch zu den tollsten Wagestücken hin. Er war im Leben schon mehrfach in Situationen, die so verzweifelt schienen, daß ein anderer sich eine Kugel durch den Kops geschossen hätte. Er dagegen hat mit Anspannung einer unvorstell­baren Energie durchgebalten und sich immer wieder gerettet. Er werd sich immer wieder retten.' Er hat feinen Magen so trainiert, daß er mit dem Allerwenigsten zu leben vermag. E hat die Lunge eines Eisbären. Gerade in sol­chen Augenblicken, in denen seine Unterneh­mungen ihn an den Rand des Abgrundes ge-

Mann in keinerlei Geschäfte einzulassen — er ist das Gegenttil von einem Geschäftsmann! Freundschaftlich können Sie sich in jeder Weise auf ihn verlassen. Ich würde ihm meine Brief­tasche übergeben, ohne den Inhalt zuerst nach­zuprüfen. Er ist eine edle und goldtreue See­le. Aber in die Experimente, in oie er sich ent­läßt, würde ich mich keinesfalls enttaRnt! Und Sie auch nicht! Der Mann, dessen Schritt mir vorliegt, ist ein ruhiger und geistig hochstehen­der Mensch. Seiner Natur nach kein Geschäfts­mann, sondern ein wissenschaftlicher Grübler,

höben und in dem Sträfling weniger einen mann, sondern ein wissenschaftlicher Grübler, schlechten, als einen kranken bezw. verwahrlosten der sich immer wieder dieselben Dinge durch

Hellseher und Nordpolforscher

Der berühmt^ Pfychographologe Schermann deutet die Handschrift und boS Schicksal Amundsens.

Von Reni Kraus.

Singende Austern.

Bei drahttosen Unterwasserversuchen an der Küste von Nord-Carolina wurden empfindliche Störungen wahrgenommen. Es stellte sich her­aus, daß sie auf eine Art summendes Geräusch der Austern zurückzuführen waren, die keine Rücksicht nahmen auf die Versuche. Allerdings dürfte dieser „Gesang der Austern" nur von den empfindlichen Radioapparaten wahrzunehmen sein; das menschliche Gehör wird nichts da­von vernehmen.

wußten Sie -as?

Allerlei aus dem Schatzkästlein des Wissens.

Der Zuckerverbrauch Deutschlands ist tm

Stehen begriffen. Er beträgt gegenwärtig un­gefähr 20 Kilogramm pro Kopf und Jahr, während er vor 20 Jahren nur 12,5 Kilogramm betrug.

Die Weinttinker Europas sind in den beiden romanischen Ländern Frankreich und Italien zu Haus«. Der Weinverbrauch pro Kopf und Jahr in Frankreich bez. Italien beträgt 144 bzw 128 Liter. Demgegenüber wiesen die gro- ßen germanischen Länder Deutschland und England die winzigen Verbrauchszahlen 7 bzw. 4 auf. In seinem ganzen Leben trinkt der Durchschnittsengländer nicht soviel Wein als der Durchschnittsfranzose in einem Jahre.

Der Salzverbrauch Deutschlands beträgt tm Jahr durchschnittlich 2.7 Millionen Kilo oder auf den Kopf der Behölkerung umgerechnet 31,4 Kilo.

£ ***

Das Baus im Hund

Natürlich ist Amerika die Heimat dieses sonder­baren Hauses das ein Jmbißrestaurant sich er­bauen ließ, und dessen Tür sich zwischen den

3er MW Des Wer MeWrelM

Uebcran herzliche Kundgebungen für den Scheidenden.

absichtlich irreführenden Tatbestandes, an Schermann: Professor Breitfuß erklärte, der Mann, von dessen Schrift hier eine Zeile zu sehen sei, wolle mit ihm, Breitfuß, in Geschäfts­verbindung treten, und er selber fühle sich ver­anlaßt, Schermanns Rat einzuholen, bevor er sich in eine derartige Geschäftsverbindung ein- lasse. Schermann ließ sich von Professor Dr. Breitfuß den Fall vortragen und ersuchte ihn dann, ein paar Worte niederzuschreiben. Nach einem kurzen vergleichenden Blick auf die beiden Schriftproben und nachdem er erfahren hatte, daß die des „unbekannten Geschäftspartners" schon vor 14Jahren geschrieben war,erklärte er: „Geschäftsverbindung? Kommt garnicht in

Frage! Sie stehen miteinander in sehr inniger Verbindung — aber keineswegs in geschäftlicher Ich kann Ihnen auch nur raten, sich mit dem

Gs war einmal.

Ein Festessen für ein paar Groschen.

Die Preise auf Reisen bilden bei der augen­blicklichen wirtschaftlichen Lage leider das schwierigste Kapitel. In früheren Jahrhunder­ten waren die Wirtshauspreise festgelegt, und nicht bloß Brauer, Bäcker und Schlächter muß­ten sich nach der städtischen oder landesherr­lichen Taxe richten, auch für die Besitzer von Herbergen, Gasthöfen und Garküchen bestanden diese Taxen, die streng befolgt werden mußten.

Teuer reiste man früher nicht, das geht aus einem Erlaß hervor, der im Jahre 1623 für die kursächsischen Lande erging. Darin hieß es: „In Wirtshäusern und Gasthöfen soll von denen vom Adel und anderen vornehmen Leuten für eine Mahlzeit von 4—5 guten Gängen nebst Butter, Käse und einheimischem Bier, solange als das Tischtuch lieget, 4—5 Groschen bezahlt werden. Was außerhalb dem Biere getrunken wird, muß besonders gezahlt werden. — Kör­ner und Fuhrleute zahlen 3 Groschen, dem Ge­sinde sollen die Wirte ohne Vorbewußtsein ihres Herrn vom Getränk nichts verabfolgen, bei Verlust der Bezahlung."

Außerordentlich billig waren die Garküchen, und alle Proteste der Garküche nützten nichts. Der Erlaß sagte aus: „Eine Suppe mit einem halb Pfund Rindfleisch kostet 1 Groschen, item, ein« Bratwurst, die eine halbe Elle lang sein muß". Man kann sich vorstellen, daß die Gar­küchen bei dem ungeheuren Eßbedürfnis der damaligen Zeit einen erheblichen Zuspruch hatten. -

Ein unheimliches Orchester.

Die Verbrecherkapelle von Rumea.

In Numea, der Hauptstadt der ftanzösifchen Strafkolonie Neukaledonien, hat sich seit kurzem eine Musikkapelle gebildet, die in ihrer Zusam­menstellung wohl einzigartig sein Dürfte, denn sie besteht ausschließlich aus Schwerverbrechern. Zwar gibt es ja auch anderwärts Sträflings­kapellen und Gefangenenchöre; ist man doch na­mentlich in England und Amerika schon feit langem dazu überaegangen, den Strafvollzug in Humaner und pädagogischer Weise zu Hand-