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Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

2.-

Sonrit rg, 15. Juli 1928

Mt 3.20 jt bet freier stustellung Durch die Pott monatlich 2.20 jf 051 »ub 052 ftttr unoertongt

Die Satteln Renette» «achrichten erschetue» wScheaüich sechsmal nachmMa,».

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auSfchliettlich stuttellnng»«ebüdr. Rernfpredxft L-. etngefanbt« Beiträge kann &te Redaktion eine Berantwonuna ober tSewäbr tn keinem blatte übernebmen Rttckeabluna M NttugdaelbeS oött InfprOifie wegen etro<rt#n nicht orönnnaSmStzfaer Liefern»« itt auSgefchlotten. Votttcheckkonro Frankfurt e. M Nnmmn «Ml Eineelnnmmn 10 J LonnkagSmimmer 20 4

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Polen Litauen wieder verkracht.

Stille Wocllen.

WaS bringen sie auS den Ferien heim?

Wer kann eS den Volkstribunen verdenken, dass sie nicht schnell genug den Parlaments­schwitzkästen, den sengenden Asphalt-, Stein- und Benzinwüsten des Wasserkopfs Berlin entfliehen konnten, zumal die teure bessere Hälfte mit Kind und Kegel schon ungeduldig des Diäten- und Freifahrtscheinbewaffneten in irgend einem stil­len oder lauten Glückswinkel harrte. Dieser Druck auf die sehr materiellen Nervenzellen der Parteiidealisten hat schon manchem Gesetz zur raschen, schmerzlosen Geburt Verholfen. Dieser Drang in die Ferne, diese menschlich-allzumensch­liche Rücksicht auf das eigene despotische Ich hat auch diesmal an der Wiege der Lohnsteuer- und Amnesttekompromisse Gevatter ge­standen, mit denen allerdings die noch sehr lose und kühle Wahlverwandtschaft der RegierungS- getster die Feuerprobe für ihre Aktionsfähigkeit und Schwungkraft bestanden hat. Der Segen der Lohnsteuersenkung, eine lang - versprochenes Wahlgeschenk an die breiten Mallen, wird viel­leicht der trotz der ArbettS-Hochsaison bedenklich abstnkenden Konjunktur einen stärkeren Antrieb geben, der heillos bletchsüchtigen Produktion fri­sches Blut zuführen und so Arbeit und Kapital in gleichem Matze beflügeln. Leider ist für den Einzelnen vorläufig dabei nichts mehr herauSge- sprungen als ein kühler Schoppen oder eine Molle wie der Berliner Volkswitz sagt und der Mann auS dem Volle wird für den kargen Happen noch drastischere Ausdrücke haben. Den sehr viel schwierigeren Teil des. RechenexempelS, die grotze Steuerreform, hat man sich jedoch für den Herbst »erspart, ebenso wie man sich einstweilen mit einem lächelnden und einem nassen Auge an dem Sprengpulver des 11. August vorbeigedrückt hat, das der Gewissensehe wider Willen in den Ta­gen des Blätterfalls und der Traubenlese noch manche HerzenSpetn und häuslichen Stürme ver­schaffen wird.

Aber vorerst hat doch wenigstens der weise und grossmütige Amnestieerlatz wie ein erquicken­der Windstoss und heller Fanfarenklang die noch immer zwischen Parteien und Ständen lagernde Misstrauens- und Hatzatmosphäre gereinigt und zum Sammeln geblasen. Und wenn die Rechts­radikalen auch nicht gleich ihre Femehetligen im Triumph heimführen, wenn die Kommunisten auch erst nach einem halben Jahre ihren Heros Hölz mit Hosiannah, Weihrauch und Myrrhen auf Strassen und Plätzen ausstellen können, so ist doch der Verhetzung und Märtyrersircht auf bet- den Seiten das gärende Drachengitt genommen, wenn selbst das blutigste Mordkonto der Verblen­deten mit 7% Jahren Gefängnis im Höchstfälle beglichen ist. Ausgeräumt sind aber mit dem Straferlass für hunderte von rechts- und links­radikalen Aufrührern und Putschisten zugleich die letzten Brand- und Eiterherde, die au» wir­ren Krisen- und Rückfallzeilen immer noch am Volksmark frassen, ausgetrocknrt die Sümpfe und Ftebertümpel, aus denen Nebel- und Bazil­lenschwärme noch immer zu nachtdunkler Stunde den heiligen Schlaf vom Werkeltag erschöpfter Bürger überfielen.

Werden die Sachwalter der Volkswohlfahrt die sonst keinem Sterblichen gewährte beschauliche Dreimonatsmusse zur Sammlung, Einkehr und Wegbereitung für neue Grosstaten zu nützen wissen? Werden sie den Pfahlbau der .Ferien- kabinettS" rechtzeitig so fest untermauern, dass er Severings Vierjahre-Kabinett mit der grossen Verwaltung»- und Reichsreform un mit allen anderen großen Aufbauzielen wird tragen kön­nen? Die 33 Grad im Schatten und die Back­ofenglut des Amnestie- und Steuergebäcks haben Zentrum and Vollspartei zwar weidlich schwitzen gemacht. Trotzdem haben ihre sehr reservierten Vertreter vorläufig einen eisigen Rordpolrtng um sich gelegt, um sich den Prei» einer späteren Koalttton möglichst teuer bezahlen **t lassen. Aber mit Vertagen und Vertuschen kann man auf die Dauer ein sich mühsam und ver­zweifelt aufraffendes Volk nicht wieder auf die Beine bringen. Weltweite Fragen drängen draussen und drinnen zur Lösung, wir haben auf ihre Brennpunkte oft deutlich genug mit Fingern gewiesen. Wir möchten die Kurpfuscherei nach den Wahlen nicht noch einmal beim Regie-Um­bau im Herbst erleben. Und wenn jetzt wieder jede grosse Regterungsaktion für Wochen und Monate Uegen bleibt, so erwarten wir an Schreibpult, Ladenttsch und Amboßgeschmiede- ten doch zuversichtlich, dass e? in de» Köpfen der fünfhundert Nirwana-Glücklichen beim Wieder­sehen im kühlen November klarer und ttelsicherer auSsteht alS beim siedeheißen Abschied in der Julimitte. Wir wollen im Herbst einen ent­schlossenen, schlagkräftigen Swßtrupp an der

Der Krassin rettet öle Letzten.

Auch Amundsen bei der Ballongrupp«? Retter lebten von Hundefleisch.

Oslo, 14. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Der Standort der Jtalia-Ballongruppe ist wohl fest- gestellt (siehe auch Berichte 2. Beilage D. Red.), die Bergung der Schiffbrüchigen wird jedoch erst erfolgen, nachdem der Eisbrecher Krassin seinen Kohlenvorrat ergänzt hat. In Spitzbergen hofft man, daß sich auch Amundsen und seine Begleiter bei der Ballongruppe befinden. Wie weiter aus Spitzbergen gemeldet wird, soll es dem russischen Flieger

Tschuchonowski gelungen sein, sich aus eigener Kraft zu retten,

er soll sich bereits an Bord desKrassin" befin­den. Dir Bergung SorasundfeineSBe» g leit er s erfolgte durch schwedische Flieger nach Anleitung desKrassin". Die Flieger lan­deten bei derFraajm" in einer Wasserspalte und brachte die beiden Hundeschlittenführer zur Quest". Diese haben sich in den letzten vierzehn Tagen von dem Fleisch der von ihnen

getöteten Hunde genährt, da sie keinerlei andere Nahrungsmittel mehr besaßen. DerKrassin" meldet, daß Komman­dant Mariano Fieber hat und an großer Erschöpfung leidet. Kommandant Zappi geht es besser. Leutnant Viglieri, Professor Behounek,

Vor dem Aufbruch des Eisbrechers. Die Der Russenslieger et» ganzer Kerl.

Ingenieur Trojani und der Funker-Unteroffi­zier Biagi find wohlauf. Der Techniker Ceveioni hat einen BruchdeslinkeuBei- neS erlitten.

* Dank ist dlsitg

Moskau, 14. Juli. Der italienische Botschaf­ter Cerruti sprach heute dem stellv. Volkskom­missar Karachan den Dank für die Rettung der Malmgren- und Biglieri-Gruppe auS. Der BotsckMfter ersuchte auch den Jnncnkommiffar Unschlitt, dem russischen Hilfsausschuß den wärmsten Dank Italiens zu übermitteln, und rühmte den Opfermut des Fliegers Tschuch- nowski so wie des Kommandos und der Mann­schaft des Eisbrechers Krassin.

Der Konsul ais Ttobdr-Opler.

Prag, 14. Juli. (Eigene Drahtmeldung. > Der italienische Konsul in Mähr. Ostrau, Dadone wurde nach der Türkei versetzt. Er hatte an den Brünner Tagesboten" in einem offenen Brief wegen dessen Stellung gegen Nobile der Fei g- heit und Lausbüberei bezeichnet. Die scharfe Sprache der mährischen Presse, die eine Abberufung binnen vterundzwanzig Stun­den forderte, scheint gewirkt zu haben.

MnaW feine Heere auf.

Statt zwei Millionen eine halbe. Demobilisierung auf der ganzen Linie. Die Generale können auswandern.

London, 14. Juni. (Eigener Drahtberichte Die vier führenden chinesischen Generäle, die in Peking eine Zusammenkunft hatten, haben die Herabsetzung der Armcestärke von rund zwei Millionen Mann auf 500 000 Mann beschlossen. Ferner soll eine Rational Gendarmerie in Stär­ke von 200 000 Mann geschaffen werden. Ent- offene Soldaten werden in Arbeiter-Gruppen ingeteilt und de« Zivilleben zugeführt. Die TitelGeneralissimus" wird abgeschafft. Die Okneröle, die einen höheren Rang habe» als KorpsKommandanten, werden eingeladen, auf Kosten der Regierung China zu verlassen.

* * *

Höher als alle Vertrage ...steht China dir Freiheit. Revision sotort.

London, 14. Juli. Rach zuverlässigen Nach­richten aus Schanghai wird der nationalistische Außenminister den Vertretern von vierundzwan­zig Ländern eine Note übe reichen, in der eine sofortige Revision aller Verträge mit China ohne Rücksicht darauf, ob sie bereits abgelaufen find oder nicht, gefordert wird.

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England deckt Japan in der Mandschurei

London, 14. Juli. Chamberlain antworte­te 'm Unterhaus, die britische Regierung erken­ne nicht an, daß Japan in der Mandschurei be- sondere Interessen habe, abgesehen von jenen, auf die cs kraft etwaiger Verträge Anspruch

erheben könne und abgesehen von bereits frü­her festgelegten Jntereffen(l)Eine andere Groß­macht habe bezüglich der Politik der offenen Tür in China noch nicht geäußert, daß sie be­sondere Interessen Japans in der Mandschurei nicht anerkenne.

Die fremden Kriegofchlffe aberstsiffig.

London, 14. Juli. (Eigene Drahtmeldung.i Nach einer Meldung aus Schanghai hat die Nanking-Regierung von den Großmächten die Zurückziehung der Kriegsschiffe auf dem Jangtse gefordert, da die militärischen Operationen ein­gestellt seien. Es wird hinzugefügt, daß ihre An­wesenheit sich mit dem internationalen Rechte nicht vereinbaren lasse.

Seeräuber in Uniform.

Mißglückter Ueberfall auf Zahlmeister und Kassenschrank deS Franzosenkreuzers.

Paris, 14. Juli. (Eigene Drahtmelbung.i Nach einer Meldung auS Schanghai drangen in der Nacht zwei Matrosen an Bord de» französi­schen KreuzersMichelet" in die Kabine des Z a h l m e i st e r s ein. Sie schlugen den Zahl- meister mit einem Schraubenschlüssel nieder und versuchten ihn zu erdrosseln. Dann versuchten Sie den Kaffenschrank zu erbrechen. Eia Offizier, der durch den Lärm geweckt wurde, veranlaßte die Festnahme der beiden Räuber.

Spitze der arbeit»- und frieden-willigen Massen in Reich und Preuße« sehn. Zum Experimentie­ren ist jetzt Zeit genug. Dann aber laßt uns

Taten sehen! f. r.

Kein Weg hinüber.

Polen-Litauen vollkommen getrennt.

Warschau, 14. Juli. (Etg. Drahöbericht.) Es gilt als sicher, daß auch die polnisch-litauischen Berkehrs-Berhaiwlungen ergebnislos verlaufen Die litauische Forderung, daß sich der Per- ivnen-, Güter- und Poftverkehr zwischen dem Wilnaer Land und Litauen über Ostpreußen bezw. Lettland abwickele, stößt auf entschiedenen polnischen Widerstand. DaS Schloßprotokoll über diese Warschauer Verhandlungen wird vielleicht noch heute unterzeichnet werden. Dann wird die litauisch« Kommiffion nach Kowno zu- rückkehrrn.

Das Flugzeug... in der Luppe Furchtbar« Urberraschung in der Gartenlaube.

Paris, 14. Juli. In einem Vorort von Lhar- treS stürzte rin Militärflugzeug ab. Der eine Flügel durchschlug das Dach einer Garten­laube, tn der eine Familie beim Mittagessen saß. Während dir Besatzung deS Flugzeuges

glimpflich davonkau., wurde der in der Laube sitzende Mann getötet und seine Frau und Toch­ter schwer verletzt.

Lin harter Bissen.

London-PariS bequemen sich zum Kriegsverbot.

London, 14. Juli. Amtlich wird mitgeteilt, daß die englische Antwort aus die letzte Note KrlloggS im großen und ganzen fertiggestellt, je­doch noch nicht vom Kabinett gurgeheißen wor­den sei. Der Entwurf wird nach Prüfung durch die Dominien der amerikanischen Regierung zu­gestellt und veröffentlicht werden. Die franzö­sische Antwort soll nur einen Paragraphen ent- halten, der von der Aenderung der Präambel Notiz nehmen wird.

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Sooftdge mit Berlin zufrieden.

Newyork, 14. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Präsident Coolidg« gab seiner Genugtuung dar- über Ausdruck, daß die deutsche Antwort aui den Antikriegspakt so rasch erfolgt und in so sympa­thischer Form abgefatzt ist. Der Präsident erblickt hierin, sowie in der französischen Zusage einen ermutigenden Fortschritt, der ihn in seinem Be­streben, den Vertrag baldmöglichst bcm Senat vorzulegen unterstützen werd«.

Freut Euch, Bl lnde!

Beliere Aussichten nach Amerikas Muster, j

Empfindlich gegen Mitleid. - Sie Rn» nicht Menschen zweiter Klaffe. Begabten-Ansles« und Erichliebuna neuer Bernie. Blind« ' Rechtsanwälte, Richter, Senatoren. Jahres­einkommen bis in 50 000 Dollar. Wann führt man die Wohltaten anch bei nnS ein?

| Das Schicksal der Blinden hat uns immer b« sonders schwer bedrücken wollen und greift un- namentlich tn der schönen Jahreszeit stark anS Herz. Und doch leiden die Blinden seelisch unter dem zu stark in Worten betonten Mitleid. Man kann namentlich auch von Kriegsblinden immer wieder hören, daß sie durch Bedauernsbekundun- gen sich auf da» s chwerste getroffen füh- len und in einen Zustand der Nervosität geraten, die ihnen zuweilen als Eigensinn ausgelegt wird. Wir würden unser Unglück viel besser tragen, ja beinahe vergessen, wenn mau un» selbst nicht immer zum Ausdruck bringen würde: Du bist blind, also ein Mens ch zwetter Klassel Ich helfe Dir zwar, ich tue eS gern, aber ich bin Dir als Sehender weit überlegen!" hörte ich von einem Kriegsbeschädigten, der alS Zwanzigjähri­ger sein Augenlicht verloren hat und der sehr darunter leidet, daß er mit mechanischen Arbeiten beschäftigt wird. Amerikas Erfahrungen, das auf diesem Gebiete am weitesten vorgedrunge« ist, sollen jetzt auch den deutschen Blinden zu« gänzlich gemacht werden. Gute Vorarbeit lei­stete die Kriegsblindenschule, die mit öffentlichen Mitteln unterstützt und seit einiger Zeit auch den Nichtkriegsbeschädigten Blinden zugänglich ge- macht wird und deren Leiterin uns über Studienrei'-» dnrH Tn-rmta folgendes Einschließlich der

2700 Menschen, die als Kriegsteilnehmer

ihr Augenlicht verloren haben, gibt eS in Deutsch­land 36 000 Blinde. ES ist einleuchtend, daß in­nerhalb eines so großen Personenkreises die Be­gabungsunterschiede außergewöhnlich sind. Di« Einrichtung von Blindenbüchereien und Bltn- denzeitungen reicht aber nicht auS, dieser Tat­sache gerecht zu werden. Denn auch der Blind« will nicht nur unterhalten sein, sondern sucht den Beruf, der ihm Befriedigung und Aufstiegsmög­lichkeiten gewährt. Diesem Wunsch stehen aber in Deutschland noch naheliegende, aber unberech­tigte Vorurteile gegenüber. Man betrachtet aber tn Amerika Blindheit schon nicht mehr al» maß­geblich, für die Nichtbeschäfttgung eines Men­schen. Man haut dem Blinden eine

genau so hohe LeistungSsähigkrit

zu, wie dem Sehenden. In den Anstalten für Blinde werden diese für den Umgang in der Welt der Sehenden umfassend ausgebildet. Sie lernen auch Hauswirtschaft, Handarbeit, Um­gangsformen, Musik und viele andere grundle­gende Ding«, die es ihnen ermöglichen, nach ihrer Schulzeit beispielsweise auch di« Fachschule der Sehenden zu besuchen. Die Blinden werden in Sonderklassen mit der Punktschrift und der Schreibmaschine vertraut gemacht und nach die­ser technischen Sondervorbrreitung an dem allgemeinen Unterricht der Sehenden beteiligt, ausdrücklich mit der Absicht, nicht nur die Blin­den zeitlebens an die Boll sichtigen und ihr« Art zu gewöhnen, sondern auch von Jugend auf di« Geringschätzung der Fähigkeiten der Blinde» durch die Vollsichtigen herabzumindern. Di« ty­pischen Blindenberufe, tote Stühleflechten und ähnliches, werden überhaupt nur schwachen und kränklichen Blinden gelehrt. <88 gibt Blinden­webereien für Teppiche, Kleiderstoffe und Decken, die infolge eines guten Absatzes in Warenhäu­sern und Konfektionsfirmen den Blinden schon ganz andere Erwerbsmöglichkeiten bieten. Ma« ha: die Blinden so selbständig gemacht, daß st« sogar in zahlreiche Sportarten, wie Rudern, zu tüchtigen Leistungen kommen und auch eigen« Sportplätze ausnutzen können. Die 27000 Blinden Amerikas stellen deshalb Anwärter zu allen überhaupt vorkommenden Berufen. ES gibt

drei blinde Senatoren,

die ihre Staaten im Kongreß von Washington vertreten. Blinde Haupirichter und gewöhnlich« Richter sind massenhaft tätig, desgleichen blind« Rechtsanwälte. Als Maschinenschreiber, Tele­phonisten, Drucker, Fabrikarbeiter, Hausange­stellte, Händler und Verkäufer trifft man Blinde überall in Amerika alS garnicht außergewöhnlich« Erscheinungen. In den amerikanischen Lebens­versicherungen arbeiten rund 150 blinde Agenten mit einem Jahreseinkommen von 2000 6t» 50 000 Dollar. In Rewyork gibt «S auch 125 besonder»

geschulte blinde Zeitungsverkäufer.

Mit Vorträgen für deutsche HilfSeinrichtuumu für Blinde fand ich überall in Amerika besmÄre Aufmerksamkeit und man wird drüben auch »inige wertvoll«, deutsche Ersahrungeg nutzes