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Nr. 154.

Achtzehnter Jahrgang.

Kasseler Neueste Rachrichteu

2. Beilage.

Sonntag, 1. Zuli 1928.

Ein Namenloser.

Die 20 000 Verwandten eines Jrrenhausinsafsen.

Der unbekannte Soldat, der Krieger ohne Na­men, der unter dem Triumphbogen in Paris als Mahnzeichen des Völkerkrieges tn seinem steinernen Grabe ruht, hat seit einiger Zett einen lebenden Bruder in Frankreich; einen zweiten unbekannten Soldaten, der lebend begraben ist, Wohl nicht unter dem Arc de Triomphe, sondern unter den Mauern des Irrenhauses von Rodez. In der Landesirrenanstalt fristet sein Leben ein Mann, dem die furchtbaren Erlebnisse in den Schützengräben Erinnerung und Verstand an alles Vergangene geraubt haben. Er kann sich nicht seines Namens entsinnen, er vermag nicht seinen Geburtsort zu nennen, er erkennt nieman- den, der ihm entgegentritt. Es ist der Soldat Mangin, der an der deutsch-französischen Front einen Kopfschuß erlitt, monatelang zwischen Tod und Leben geschwebt und seither als lebender Leichnam in Kranken- und Irrenhäusern dahin- vegetierü

Man nennt ihn Mangin, weil ein Kriegs­kamerad tn ihm den verschollenen Kaufmanns­sohn Mangin erkannt zu haben glaubte. Weder Angehörige noch Freunde Mangins, der aller­dings auch in den Sturmtruppen gedient hat, vermochten jedoch in ihm den Verschollenen zu erkennen. Dann meldeten sich ehemalige Sol­daten, drei an der Zahl, die in einer jeden Zweifel ausschlietzenden Weise angeben konnten, daß Mangin unweit von Verdun gefallen war. Damit war festgestellt, daß Mangin nicht Mangin ist. Der Name blieb, da man ihm keinen ande­ren geben konnte.

Wie der unbekannte Soldat, der unter dem Triumphbogen begraben liegt, ein Svmbol der Hoffnung geworden, so ist auch Mangin der Ge­genstand liebevoller Sorge, Befürchtung und Hoffnung von lausend und abertausenden Fami­lien, Väter und Mütter, die ihre Söhne in dem mörderischen Kriege verloren, öhne die Sicher­heit von deren Heldentod erlangen zu können, hegen irgendwie die Hoffnung, daß ihr Sohn vielleicht doch mit Mangin identisch sei. Ge­schwister, die dem Bruder nachtrauern, Gattin­nen, die der Krieg ihrer Männer beraubt hat, sie hoffen alle, daß der Unbekannte in der Irrenan­stalt zu Rodez mit dem so spurlos Verschwunde­nen identisch sein könnte. Ein besonders tragi­scher Umstand gibt nun diesen Hoffnungen im­mer neue Nahrung. Der Kopfschuß hat nämlich die Gestchtszüge des Unglücklichen derart defor­miert, daß er kaum mehr erkennbar ist.

In der Heilanstalt, wo er gepflegt wird, sind im Laufe der letzten Jahre ungefähr zwanzigtau­send Briefe eingelauzen, deren Schreiber, Ange­hörige unglücklicher Kriegsopfer, alle der Ver­mutung Ausdruck verliehen, daß Mangin lhr Verwandter sei. Mehr als 12 000 Personen, Väter, Mütter Brüder, Gattinnen, hatten sich persönlich nach Rodez begeben, um durch den Augenschein sich von der Wahrheit zu überzeu­gen. Entmutigt verließen sie alle die Irrenan­stalt und doch nicht ohne ein Fünkchen der Hoff­nung, denn kein Mensch auf Erden kann es sicher wissen, wer Mangin sei. Am allerwenigsten er selber, von dem die besten Irrenärzte Frank­reichs festgestellt hatten, daß sein geistiger Zu­stand, insbesondere sein Gedächtnisschwund keine Hoffnung auf eine Besserung offen lasse.

Die schöne Angela.

Ein Romandichter vor dem Richter.

»Das Haus der schönen Angela" betitelte sich ein Roman, den die ungarische Tageszeitung »Reggel" vor einiger Zeit veröffentlichte. Ver­fasser dieses Romans wär der ungarische Schriftsteller Michael Tamas, seines Zeichens außerdem noch Architekt. Michael Tamas hätte diesen Roman besser nicht schreiben sollen; denn als er fertig abgedruckt war, hielt der Dichter ein gerichtliches Schreiben in Händen, daß er sich wegen mehrfacher Ehrenbeleidigung vor dem Gericht zu verantworten habe. In dem Ro- man nämlich schildert Tamas das Haus einer schönen, sehr reizvollen Frau, die sich an der Seite ihres Mannes eines Pfarrers er­heblich langtoeilte und ein kleines Abenteuer mit einem Architekten einging, der eines Tages in ihr Haus geschneit war. Es wurden aller­hand verfängliche Situationen geschildert, zarte Liebesszenen, verschleierte Geständnisse; und der Roman wurde begierig verschlungen, besaß er doch den pikanten Bergeschmack, aus dem Leben gegriffen zu sein. Aus dem Leben der schönen Frau Angela, der Gattin des reformier­ten Seelsorgers Stephan Györke in dem Orte Denregujfalu, in deren Hause der Architekt Ta­mas einige Zeit verbracht hatte.

Nachdem der Roman in der Zeitung zu Ende gegangen war, sirengte der Herr Pfarrer Kla­ge gegen den Dichter wegen Ehrenbeleidigung an. Bei der Verhandlung vor dem Gericht der karpathischen Stadt Beregszasz führte der ange­klagte Dichter aus: »Ich habe in dem Roman etwas geschildert, was mit den Privatpersonen der Anklage garnichts zu tun hat. Wie kommt die Gattin des bochwürdigen Herrn dazu, an­zunehmen, daß sie mit der schönen Angela mei­nes Romans identisch ist? Ich bin ein reali­stischer Schriftsteller, das ist wahr; in dem Ro­man wird die Liebe einer Frau zu ihrem Ge­liebten so geschildert, wie sie in Wirklichkeit ist; aber wo steht mit einem einzigen Wort geschrie­ben. daß sich dieseLiebe und ihre Geheimnisse auf die Frau des Pfarrers bezogen?

Die Verhandlung spitzte sich dramatisch zu, als Frau Angela als Zeugin vernommen wur­de. Sie ist eine, sehr schöne Person, diese Pfar­rersfrau, und man kann es verstehen, daß sie auch anderen Männern gut gefällt. »Der Ro­man," sagt sie, sprühende Haflesblicke auf den Angeklagten richtend, »ist nichts anderes als ein Racheakt dieses Herrn, der sich um mich 6e» mühte und mir mit allen Mitteln der Vcrsüh- rungSkunst den Hof gemacht har. Weil ich ihn nicht erhörte, wurde er wütend, setzte sich hin und schrieb einen Roman, in dem ich als etite zweite Kleopatra figurierte.

Die Zeugenverhöre ergaben, daß der Roman

DaS Feuermeer des Erdinner« wird bezwungen Gigantisch« Kraftwerke.

unter dem ungeheuren Druck der vulkanischen Kräfte. Jahrtausende »ang wurde daS Tal als Vorhof der Hölle bezeichne: gefürchtet und gemieden; heute herrsch: dort das regste Leben und Treibe«. Kraftstationen erheben sich, Dhnamos schwirren, ein Gewirr von Röhren­leitungen bedeckt das Tal, und Starkstromlei- tungen kreuzen sich hoch in der Lust. Ein unter, nehmender italienischer Finanzmann hat den Mut besessen, die aus d-m Erdinnern hervor­brausenden Dampfftröm- zu lassen und zu fried, lieber Arbeit zu zwingen. Die Arbeit 'st erst zum kleinsten Teil geleistet; aber bereits heute versorgt der natürliche Dampf die gesamte Um­gegend mit Kraft, und zwar zu i'nem denkbar niedrigen Preise. Und unermüdlich wird wei- tergeböhrt; fast täglich werden neue Dampfquel­len erschlossen. Auch

in den amerikanischen Rocky MountainS, in der Nähe des Pikes Peak, beginnt .«an be­reits den dort ausströmenden Dampf für in­dustrielle Zwecke zu erfassen. Auch dort sind die Arbeiten erst im primitiven AnfangSstadium. Aber angesichts der geringen Kosten, die die Ausbeutung verursacht, besteht kein Zweifel, daß die Dampsexplotierung bald den allergrößten Umfang erreichen und die Felsengebirgsland- schast sich in einen lebhaften Jndustriebezirk ver­wandeln wird. NeuerdiugS ist

ein Projekt allergrößten Umfanges ausgetaucht. Im Herzen Alaskas, fern von aller Zivilisation, »The Valley os 10 000 smokes," das Tal der zehntausend Dämpfe. In einer düst, ren Landschaft, die an Dantes Inferno gemahnt, quillt genug Dampf aus dem Erdinnern her­vor, um einen Jndustriebezirk vom Umfange des Ruhrgebietes mit Kraft zu versorgen. Die­ses Höllental soll nun der Technik dienstbar ge­macht werden, und es mag nicht mehr lange dauern, bis sich in die Einöde Alaskas Indu­strie-Städte riesigen Umfanges erheben, und dieses unbeachtete, ferne Polarland, daS auf der geplanten Luftschifsahrtsroute über den Rord- vol liegt, wird vielleicht einmal zu einem H.rn- dels- und Verkehrszentrum der Welt empor- fteigen. E. Popper.

Ein Gewirr von Röhrenleitungen bedeckt bas Tal.

T-ieses Höllental soll nun der Technik dienstbar gemacht werden.

Das wichtigste und schwierigste Problem, das der Menschheit aus ihrem Wege zur Weiterent­wicklung entgegentritt, ist die Frage der Krast- beschafsung. Je billiger, je größer die Kraft- quellen sind, die einem Volke zur Versüguug stehen, desto mehr hebt sich der allgemeine Wohl­stand und desto mehr macht die Handarbeit der Maschine Platz und gibt der Geistesarbeit Raum Heute sind Kohle und Oel unsere hauptsächlichen Kraftquellen. Was wird nun sein, wenn diese Kraftquellen versiegen? Die Ment^heit arbeite: fieberhaft an der Lösung dieses

Man studiert die Möglichkeit der Ausnutzung der SonnenwSrme; man sucht sich die im Ra­dium verborgenen, ungeheuren Kräfte dienstbar zu machen. Elektrizität soll durch Einfangen h<r »agierenden Ströme aus den oberen Luftschich­ten geholt werden; und neuerdings ist es die Zertrümmerung der Awme, von derem Gelingen man sich ungeahnte Kraftmengen verspricht.

Gibt eS denn keine Möglichkeit, sich die bisher ungezähmten Raturgewalten rasch und rnülptio dienstbar zu machen?

Wenige Kilometer unter unseren ^iißen tobt ein ungeheures, rasendes Feuermeer. Zur Weißglut erhitzte Lavamassen brodeln und bre­chen von Zeit zu Zeit zerstörend aus den Vul­kanen hervor; riesige Mengen von Waiierd.iMp, wallen unter ungeheurem Druck in natürlichen Ketteln. An vielen Orten, in «'-"^emnd, :n Maska, in Island, in den Vereinigten Start' a überall wo sich vulkanische Tätigkeit bemerk iar macht, trennt nur eine dünne Kruste die Oberwelt von der tobenden Hölle. Auf SÄrttt und Tritt spritzen, von furchtbarem Druck ge« trieben, Dampf strahlen in die Luft Geiser erheben sich Hunderte von Meiern in die Höhx und der Bode» zittert und bebt unter dem Wüten der unterirdischen Gewalten. Hier ist Kraft, Kraft in unerschöpflichen Men­gen, von dem Gewicht, dem Druck unseres Pla­neten selbst erzeugt, fertig für Zylinder und Turbine. Und wirklich, man hat bereits be­gonnen, diese Kraft der Menschheit dienstbar zu machen. ~

DaS Tal von Larderello in Toskana ist einer jener unheimlichen Orte, an denen die unter­irdischen Gewalten ans Tageslicht treten.

An Hunderten von Stellen zischen Dompi- strahlen aus dem Felsen und der Boden bebt

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durchzuführen vermag.

H. S.

tenflugzeuges, das von der Lust überhaupt un­abhängig sein sollte. Aber die Verwirklichung dieser grandiosen Idee ist noch sehr fern und wenn auch Raketenflüge in absehbarer Zeit ge­lingen werden, so ist doch die Weiterentwicklung dieses neuen Verkehrsmittels noch an eine lange Zeitspanne gebunden. Es ist also naheliegend, daß man vorerst versucht, den »alten", hochent­wickelten Aeroplan auch für Dauerflüge in gro­ßen Höhen brauchbar zu machen.

Diese Absicht verfolgen die Junkerswerke. Sie haben einen neuen Motor konstruiert, der ein eigenes Sauerstosfgebläse enthält, so daß seine Arbeiten unabhängig von der Luftdichte vor sich geht. Er leistet normal 550 PS. In einer Höhe von 7500 Metern wird er immer noch 500 PS.

leisten können. Um nun auch den Propellern in der verdünnten Luft die entsprechende Wirksam- keit zu verschafsen, werden diese so konstruiert, daß ihre Flügel verstellbar sind. In höheren Luftschichten werden die Flügel einen größeren Neigungswinkel gegen die Trehungsebenr be­kommen, so daß sie auch von der verdünnten Luft das genügende »Quantum" fassen können. End­lich werden die Kabinen und der Pilotenstand luftdicht verkapselt, so daß im Inneren dieser Räume normaler Luftdruck herrscht.

Tas erste, mit diesen Neuerungen ausgestat- tcte Flugzeug soll schon im Herbst die Probe­flüge aufnehmen. Es wird vier Motoren ent­halten und mit einer Gesamtleistung von über 2000 PS. bis zu 50 Perfouen aufnehmen kön­nen. In der äußeren Form ähnelt es bereu8 dem Zukunftstyp des Aeroplans, dem sogenann­ten fliegenden Flügel. Tas Profil der Trag­flächen wird so stark fein, daß ein Teil der Ka­binen in das Innere derselben verlegt werden kann. Dadurch werden günsttgere ärodynamifchi Verhältnisse erzielt. Ta der Luftwiderstand :n großen Höhen gering ist. erhofft man, mit Vie­ser Höhenflugmaschine auch beträchtliche Ge- fchwindigkeiten erzielen zu können und endlich einen Apparat konstruiert zu haben, der regel­mäßige Langstreckenpflüge mit großer Sicherheit

stehende Umwälzungen im Bau von Flugzeugen durch die Presse gegangen. Wir werden im Nach­stehenden versuchen, die in Frage stehenden Pro­bleme dem Laien näher zu bringen. Seitdem es

einen planmäßigen Luftverkehr gibt, hat man erst die Schwierigkeiten erkannt, die diesem durch die Unbilden der Witterung entstehen. So lange man nicht zu bestimmten Stunden fliegen mußte, sondern gemächlich die Besserung des Wetters abwarten konnte, hatte das Schlechtwetter nicht die gleiche Bedeutung wie heute, da die Ver­kehrsmaschinen fliegen müssen, bei Sonnenschein, wie bei Nebel und Gewitter. Durch Vergröße­rung der Maschinen und Erhöhung ihrer Lei­stungsfähigkeit, durch entsprechende Ausbildung der Piloten konnte immerhin eine gewisse Be­triebssicherheit erzielt werden, aber nur auf kur­ze« Strecken. Auf langen Strecken blieb das Wetter «ach wie vor der ausschlaggebende Fak­tor, das hat die Aera der Ozeanflüge zur ge­nüge erwiesen. Da dem Wetter mit der Technik nicht beizukommen war, mutzte versucht werden, das Wetter zu umgehen. Einer kleinen Nebel- bank kann man ausweichen, nicht aber einem rie­senhaften Nebelmeer, das ganze Länder und Meere bedeckt. Hier gibt eS nur einen Ausweg; man mutz darüber Hinwegsliegen. In einer Höhe von 7000 Metern spielen die Witterungsverhält- ntfse nur noch eine geringe Rolle. In dieser und noch größeren Höhen bereitet das Wetter an sich dem Piloten keine Schwierigkeiten. Aber es ent­stand die Frage ob und wie man in diesen Höhen fliegen könnte.

Bei einzelnen Rekordleistungen wurden der­artige Höhen erzielt. Aber das waren Ausnahme­fälle. Praktisch hatten sie keinen Wert. Abge­sehen davon, daß der menschliche Organismus den geringen Luftdruck auf die Dauer uichr ver­trägt hier ist durch Verkapselung der Kabinen und Führerstände Abhilfe zu schaffen auch der Motor, der ja auf den Sauerstoff für die Ver­brennung angewiesen ist, und der Propeller, des­sen Flügel sich durch die Lust schrauben müssen, haben die dünne Luft nicht vertragen. So ka-

Der fliegende Flügel.

DaS neue Junkers'sche Höhenflugzeug. - Kann der Motor in dünnerer Luft arbeiten?

überall als Schlüsselroman ausgenommen wor­den fei. Man habe in der ganzen Stadt ge­wußt, daß eS sich nur um die Frau des PsarrerS von Beregujfalu handeln konnte, um so mehr, als Tamas einer Zeugin gegenüber erklärt ha­be, er werde sich um die kleinliche Sensations­gier der Leute nicht kümmern und einen Schlüs­selroman schreiben, der unbedingt erscheinen werde. Das Gericht verurteilte den allzu rea­listischen Dichter zu einer hohen Geldstrafe. Herr Tamas wird sich in Zukunft wohl hüten, seine Romanstofse dem wirklichen Leben zu ent­nehmen und wird seinem Realismus straffere Zügel anlegen müssen; so viel dürfte er als Ar­chitekt nicht verdienen können, was er als reali­stischer Dichter zu zahlen hat. St. F.

Rätsel -er Natur.

Wie die Bienen sich zurecht finde«.

Die erstaunlichen Fähigkeiten und Sinnes- empfindungen der Bienen sind in letzter Zeit mannigfach unterfucht und klargestellt worden. Aber über ihren Orientierungssinn, der doch für die ganze Auffassung ihrer Tätigkeit so wichtig ist, sind erst jetzt wichtige Ergebnisse durch Dr. Ernst Wolf gewonnen worden. Er stellte einen Bienenstock aus einer völlig öden Fläche auf. Die Bienen verschafften sich rasch Kenntnis von der Lage ihres Stocks, war sich darin zeigte, daß sich die heimkehrenden Bienen dort stauten, sobald der Stock von seinem nor­malen Platz in irgend einer Richtung verschoben wurde. Die Bienen mußten also, da sie anschei­nend von einem Futterplatz außerhalb der Oed- fläche nach Hause tarnen, ihre Flugrichtung nach etwas entfernter liegenden Merkzeichen einstel­len, da in der nächsten Umgebung keine deutli­chen Marken vorhanden waren. Nun hat man bei Ameisen festgestellt, daß sie ihre Bahnen nach dem einfallenden Licht der Sonne richteten.

Um zu erkennen, ob die Bienen sich auf die gleiche Weise orientieren, wurde 150 Meter südlich vom Stock eine Futterstelle errichtet, und dadurch ergab sich eine bestimmte Flugrichtung vom Stock zu einem gewissen Punkt, deren Sage jum Licht festgelegi wurde. Westlich, östlich und nördlich vom Stock wurden drei weitere Punkte gewählt, die ebenfalls je 150 Meter vom Stock entfernt waren. Die Bienen wurden an der Futterstelle eingefangen und gezeichnet; bann ließ man sie von den verschiedenen Punk­ten aus fliegen, wobei die Flugdauer jedes ein­zelnen Tieres genau registriert war.

Die Zahlenverhältnisse bei dem Rückflug so­wie die genaue Beobachtung des Fluges er­wiesen, daß die Bienen von jedem Punk: aus so abflogen, wie sie von der Futterstelle hätten fliegen müssen, um zum Stock zu gelangen. Die Bienen mußten sich also nach einem Fixpunkt richten, der weit außerhalb des Versuchsgelän- des lag, und tatsächlich erwies sich als dieser Fixpunkt die Sonne. Wurden nämlich die Bienen an der Futterstelle für eine Stunde im Dunkeln gehalten, so schlugen sie beim Abflug eine um 15 Grad nach rechts verdrehte Rich­tung' ein, was genau dem Weiterwandern der Sonne in der Zwischenzeit entsprach.

Kleine Rundschau.

Drei Löwen nick vrei Schüssen

Ein sehr erfolgreiches erstes Abenteuer mit Löwen hat ein Geologe namens Bar Soelen bestanden, der die Oelfelder zu Jnhaminga in Portugiesisch-Ostafrika untersuchte Der Geo­loge, der stocktaub ist und einen elektrischen Hör­apparat trägt, war auf der Jagd nach einem Warzenschwein, das er verwundet hat'e und vaz in den dichten Urwald geflüchtet war Seine eingeborenen Begleiter berichten ihm von dem Gebrüll eines Löwen, iit dessen "lauen das Tier geraten war. Van Soelen hörte nur ein unbestimmtes Geräusch und verstand auch nicht recht, was ihm die Boys zuschrieen. Er drang also in das Dickicht ein, obwohl er nur noch vier Lkugeln hatte, und sah sich auf einmal drei Löwen gegenüber Er schoß dreimal und traf alle drei Löwen. Als ihm bann die Boys meldeten, daß der eine Löwe noch röchelte, gab er ihm mit dem vierten Schuß den Tod Es ist jedenfalls ein erstaunliches Jagdglück, wenn jemand, der dazu noch stocktaub ist, auf seiner ersten Löwenjagd, mit drei Schüssen gleich drei Könige der Tiere erlegt.

Die B bei tn Sortießungen.

Die »Parker New Era", eine amerikanische Zeitschrift, die Fragen des Ackerbaues de- handelt und besonders von Farmern gelesen wird, hat jetzt eine eigenartige Veröffeni beendet, die sie als wöchentliches Beiblatt jeder Rmmer beigab. Dieser in Fortseyungen erschei- nenbe .Unterhaltungsteil" brachte feinen span- nenben Roman, sondern die ehrwürbige Schrift der Welt, die Bibel. Der erste Herausgeber der Zeitschrift, Charles Hackeite, ein sehr frommer Mann, der über die geringe Ken-^is Der c aen Schrift bekümmert war, beschloß, feinen Le­sern allwöchentlich ein Stück aus der Bibel vor- zusetzen, und so ist denn das Alte und das Neue Testament als Beilage tn Fortsetzun­gen erschienen und zwar hat es genau 22 Jahre und acht Monate gedauert, bis die Bibel den Lesern des Blattes in ihrer ganzen Vollständ g- feit vorgesetzt war.

VoUzeimkioer für Berliner Banken.

Angesichts der dauernd steigenden Gefähr­dung von Eigentum und Leben durch ein mit allen Hilfsmitteln der modernen Technik arbei­tendes Verbrechertum ist es begrüßenswert, daß auch ständig neue Abwehrmaßnahmen eingeführt werden. Im Laufe der letzten Jahre ist bereits durch ' enges Zusammenarbeiten bet Behör­den mit der Industrie ein Schutzdienft geschaffen worden, durch den elektr. Sicherungsanlagen an die Ueberfallkommando der Polizei angefchlos- sen werden. Eine wertvolle Anlage dieser Art. Die die .Poltzeirus G m. b H", eine Tochter­gesellschaft der Siemens u Halske A G berge, stellt bat, ist jetzt für das Gebäude der Bank des Berliner Kassenvereins und der Mitteldeut- scheu Kreditbank geschaffen worden Tiefe An- lagen funktionieren so. daß unerwünschte Ein- hrine inae unfreiwillig elektrische Kontakte aus. lösen, die das nächste Ueberialliemmvbo sofort alarmieren.