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Kasseler Neueste Nachrichten

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Kasseler Abendzeitung

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Nummer 139.

Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Donnerstag, 14. Znni 1928.

Einzelpreis: SonntagS 20 Pfennig.

18. Jahrgang

Hannover schießt den Naketenwagen ab.

Wenn er'S schafft.

f Was uns Kanzler Müller verspricht.

Der nach seinem Wahlkreis benannte, mit der Regierungsbildung beauftragte Reichskanzler Müller-Franken, ist weder als Politiker, noch in dem Amt, zu dem er ausersehen ist, ein neuer Mann. Dem Zentralvorstand seiner Partei und dem Reichstag gehört er seit langen Jahren als einer der führenden Kopse an. Kurz vor Kriegsausbruch hatte ihm die Sozialdemokra­tie nach Paris entsandt, um dort bei der franz. Sozialdemokratie den Ausbruch des Welt­brandes zu verhüten. Die Ermordung von Jaures machte bekanntlich diesen Versuch illuso­risch, von dem es ohnehin zweifelhaft war, ob er hätte gelingen können. Nach Beendigung des Krieges spielte Hermann Müller als Mitglied der Nationalversammlung durch seine genaue Kenntnis der Arbeiterorganisation und der Volkspsyche, die er sich in seiner gewerkschaftlichen Tätigkeit erworben hatte und durch die kühle Be­urteilung der verworrenen Lage eine immer grö­ßere Rolle. Er hat auch in den Schicksalstagen von Weimar für die Annahme des Friedens- Vertrages geredet, um Deutschland vor einer Katastrophe zubewahren. Er wurde als Wort­führer dieser Richtung alsAußenminister in das damals gebildete zweite Kabinett der Republik unter seinem Parteigenossen Bauer entsandt und vollzog mit dem Zentrumsminister Dr. Bell jenen schmerzlichen Opfergang nach Ver­sailles zur Unterzeichnung des Friedens., was ihm die Rechte nicht verzeihen kann. Ueber- immefchi" die kühle Geste, mit der dieser noch junge Arbeiterführer damals den ihm überreichtenhistorischen" Federhalter zu­rückwies um die Unterschrift mit seinem eigenen zu vollziehen.

Der rasche Wechsel der Reichskabinette in den ersten Jahren führte im Frühjahr 1920, nachdem das Kabinett Bauer infolge des Kapp- Putsches zurückgetreten war, zu einer kurzen Reichskanzler schast Hermann Mül­lers, die mit dem Ergebnis der Juniwahlen nach kaum vier Monaten zu Ende ging. Seit­her ist Hermann Müller an der Führung der Reichspolitik als Minister aktiv nicht mehr be­teiligt gewesen, hat aber als erster Vorsitzcnb r der Partei, die mit einer kurzen Unterbrechung immer die stärkste Fraktion im Reichstag bil­dete, auf die Gestaltung der Politik einen sehr großen inneren Einfluß ausgeübi. Und man muß ihm zubilligen, daß dieser Einfluß sowohl in Partei, als auch in den Verhandlun­gen mit Regierung und anderen Parteien im­mer ein mäßigender, aus die Erreichung möglicher Staatsziele gerichteter gewesen ist Unter seine Parteiführung fiel die Wiederver­einigung der alten sozialistischen Mehrheus- partei mit den Unabhängigen, die zur lang­samen Anpassung des radikalen F lu­ge l s an die neuen Aufgaben geführt, welche der Arbeiterpartei in der von ihr mitgeschasse- nen RepubTik als positiver Staatspar­tei erwachsen; die politische Entwicklung, wel­che Männer wie Breitscheidt, Dittmann, Cries- pien u. a. in den letzten Jahren genommen ha­ben, sind das sichtbare Zeichen seiner geduldigen und nüchternen Parteiführung, welche agitato­rische Zwecke immer in Hintergrund zu stellen bereit ist, wenn es gilt, Positive staatliche Ziele zu verfolgen. Die seit der Nationalversamm­lung von der Sozialdemokratie eingehaltene Li­nie der Zusammenarbeit mit bürgerlichen Parteien im demokratisch-parlamentarischen Staat die Zurückstellung des rein sozialistischen Klassenprogramms ist zu einem wesentlichen Teil das Verdienst des Mannes, dem jetzt der alte Marschall des Kaiserreiches als Reichspräsident die Führung der Reichspolitik in die Hände gelegt hat.

Der neue Reichskanzler entspricht freilich alten, mehr oder minder foflillen Ueberlicfe- rungen nicht. Er ist weder Beamter noch Aka­demiker. Von Haus aus Kaufmann, hat er sich schon in frühen Jahren ausschließlich der Parteiarbeit gewidmet und in ihr ein« sicher ergiebige Vorschule zu politischer Führung er­worben. Daß ihm die Arbeiten seiner Partei den Blick für die beschränkte Geltung von Par­teianschauungen und für die Wirksamkeit ande­rer als der von ihm vertretenen Volkskräfte nicht geraubt hat, ist nach seiner ganzen Hal­tung und Vergangenheit anzunehmen. Daß er nationale Empfindungen unb unmögliche Zu­mutungen, die an sie gestellt werden, voll zu würdigen weiß, zeigte u. a. seine Haltung als Außenminister, als er den letzten Versuch der Entente, den unsinnigen Ausliefe­rungsparagraphen des Versailler Ver­trages zu vollziehen, schroff zurückwies. Seine genaue Kenntnis nicht nur der interna­tionalen Arbeiterbewegung, sondern auch inter-

Regierungsabschluß erst Freitag.

Mit der Volkspartei noch nicht im Reinen. Arbeitsminister Brauns bleibt. Auch Koch Reinhold Minister?

(Siehe auch Informationen auf der 2. Seite.»

Berlin, 13. Juni. (Eigener Informations­dienst.) Nachdem Demokraten, Zentrum und Bayrische Volkspartei sich bereit erklärt haben, mit den Sozialdemokraten die neue Regierung zu bilden, steht nunmehr nur noch die Entschei­dung der Deutschen Volkspartei aus. Es ist jedoch nicht daran zu zweifeln, daß heute Vor­mittag ein zustimmender Beschluß ge­faßt werden wird. Nur wird nach wie vor an­genommen, daß diese Beteiligung davon ab­hängig gemacht werden soll, daß die

Deutsche Volkspartei auch in Preußen an der Regierungs-Koalition beteiligt werden wird. Vielleicht wird noch heute die erste intersraktionelle Sitzung der künftigen Re­gierungsparteien stattfinden, falls nicht noch andere Schwierigkeiten dazwischen treten. Ob dabei ein in einzelnen Punkten sestgelegteS Re­gierungsprogramm aufgestellt werden wird, ist zweifelhaft. Die Verhandlungen dürften sich darauf beschränken, daß den Bedenken der Deutschen Volkspartei in wirtschaftlicher Hinsicht, den Bedenken des Zentrums in kul­turpolitischer Hinsicht und den Bedenken der Bayerischen Volkspartei in der Frage des Einheitsstaates möglichst Rechnung ge­tragen wird. Geklärt ist nunmehr, daß a"her Reichswehrminister Dr. Grüner auch Arbeitsminister Dr. Brauns auf seinem Posten verbleibt. Dies wird dahin gedeutet, daß das Reichsinnenministerium nun doch noch der Sozialdemokratie zufallen wird. Im übrigen sind alle Personalfragen noch gänzlich ungeklärt. Der Demokrat Koch wird jetzt auch als Kandi- dat für den Posten des Reichsjustizministers ge­nannt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß auch der frühere Finanzminister

Reinhold noch einen Ministerposten erhält. Hermann Müller hat mit dem preußi­schen Ministerpräsidenten Braun, wie verlautet, die Beteiligung der Volkspartei bereits be­sprochen. Jedenfalls ist nicht damit zu rechnen, daß die Koalitionsbildung vor Freitag ab­geschlossen sein wird.

* * *

Noch alles in -er Schwebe.

Die Volkspartei als Zünglein an der Wage.

Berlin, 13. Juni. Zu dem feierlichen Hoch­amt im St. Hedwigsdom zu Berlin, das Abg. Pfarrer Ulktzka (Ztr.) zelebrierte, waren die katholischen Abgeordneten und Minister vollzäh­

lig erschienen. Man sah u. a. die Reichskanzler Dr. Marx, Dr. Wirth sowie die Minister Dr. Brauns und Stegerwald. Abgeord­neter Müller-Franken wartet zunächst das Er­gebnis der Deutschen Volkspartei ab. Alsdann erwartet man neue Besprechungen zwischen Müller und Dr. Scholz, der nachmittags seiner Fraktion Bericht erstatten wird. Erst nach dieser Fühlungnahme dürfte Müller-Franken weitere Verhandlungen mit dem Zentrum haben.

Der nächste Weltrekord.

Rach dem Rakctenwagen . .. das Flugzeug.

Frankfurt, 13. Juni. Die Weltrekordversuche des auf den Schienen laufenden Raketenwagens sollen schon in der kommenden Woche im Eisen­bahndirektionsbezirk Hannover stattfinden. Fritz von Opel und Ingenieur Sanders sind bereits, zur Besichtigung der Strecke nach Han­nover abaereist. Der Wagen ist nahezu fertig­gestellt. Er enthält wie der auf der Arvus vor- geführte Wagen Tragflächen zur Anpres- sungauf den Boden. Versuche mit Trag- fläckzen-Modellen, die in der Rhön vorgenom­men worden sind, haben die Ueberzeugung ge­bracht, daß sich alle bisher erzielten G e - schwindigkeiten überbieten lassen «färben. Die Versuche in Hannover biene,; hauptsächlich den Leitzungsmessungen stärkerer Raketenaggregate. Bei günstigen Re­sultaten werden die Versuche mit einem Flug­zeug fortgesetzt. Neber den Flugzcugtyp ist noch nichts entschieden.

Schicksalsjahr 1928.

Auch Amerika verlangt die Endsumme.

Newyork, 13. Juni. Ein Blatt schreibt, der Bericht Parker Gilberts bezeuge erneut die Not­wendigkeit, die Endsumme der deutschen Schuld festzusetzen. Bei einer Herabsetzung der Repa­rationsschuld auf einen bestimmten Betrag der Obligationsschuld wurde ein doppelter Zweck erreicht werden: 1. ermögliche die Feststellung der deutschen Verpflichtungen die Auflegung entsprechender Schuldverschreibungen am inter­nationalen Anleihemarkt, 2. verwandele sich eine von einer Regierung einer anderen geschuldeten Summe in eine normale Staatsschuld. Daher sei zu erwarten, daß PoincarL sich nach der Finanzreform mit dem Reparations­problem befassen werde, umsomehr, als auch B r i a n d eine endgültige Lösung noch in die­sem Jahre gewünscht hat.

Nobile in höchster Not.

Wo sie jetzt treiben. Noch keine Aussicht

Kopenhagen, 13. Juni. (Funkdienst.) Der italienische Flieger Maddelena will versuchen, Nobile Schlitten ustd anderes Rettungsma­terial zu überbringen. Er wird heute den Flug nach Spitzbergen fortsetzen und hofft, am Frei­tag vormittag in Kingsbay einzutrefsen. No­bile soll sich in der äußersten Rot befinden. Sieben seiner Begleiter sind verschollen.

Kingsbay, 13. Juni. (Funkspruch.) Nach de« letzten Mitteilungen treibt Nobile immer mehr der Küste des Rordostlandes zu und ist der I n - sei F o y n näher gekommen, die indessen kaum zu erreichen ist, da sie von einem breiten Strei­fen des offenen Meeres umgeben ist. Nobile funkte als neue Lage einige Kilometer nord­westlicher als vor zwei Tagen. Larsen und Holm konnten mit der Hobby noch keinen eis­freien Wasserspiegel für den Start zu Rekog- noszierungsflügen finden. Die Braganza ist un­weit der Mvffcl Bay immer noch im Eis blockiert.

Hunde und 3tiefen-8iehr«6tr unterwegs.

Kingsbay, 13. Juni. Ein Dampfer Iras mit zehnHunden und dem holländischen Hunde­

auf Rettung. Fieberhafte Vorbereitungen.

führer van Dangen hier ein. Die Braganza, die morgen früh in Kingsbay erwartet wird, wird mit Betriebsstoff und Hunden zurückfahren.

Moskau, 13. Juni. Der Eisbrecher Malygin ist mit einem Flugzeug an Bord aus Archan- gelks nach Spitzbergen abgegangen, wohin am 14. d. M. auch der größte Eisbrecher der Welt auslaufen wird.

Werden sie Robile vaid erreichen r

Oslo, 13. Juni. Der Dampfer ,Lobby" ist zu dem Versuche, das Nordkap von Spitzbergen zu erreichen, abgcgangen. Die Eisbedingungen haben sich gebessert und man hegt daher be- gründete Hoffnung, daß der Dampfer weit ge­nug nach Norden vordringen kann. Riiser Lar­sen hat einen Erkundungsslug unternom­men, über dessen Ergebnis noch nichts bekannt ist.

Der Jtetter aus stauen naht

Kopenhagen, 13. Juni. Das italienische Was­serflugzeug Savoia 55, das zur Rettung der Mannschaft der Italia bestimmt ist, traf gestern cwend hier ein.

nationaler Poliftk und Persönlichkeiten an sich wird ihm auch in der Leitung der Reichsge- schäft« zu statten kommen und die künftige Füh­rung der Außenpolitik im Rahmen ihrer be­kannten Prinzipien unter Stresemanns regu­lierender Sachkenntnis wesentlich erleichtern. Die Wahl des Reichspräsidenten ist gewiß aus keine faszinierende, geniale Pier geistig über­legene Persönlickckeit gefallen, aber auf einen Mann mit praktische« Kenntnissen

der Politik, des staatlichen Lebens und de: Strömungen int Volke, die nach Ausgleich uird Versöhnung ringen. Wir wollen hoffen, daß sich Deutschlands Ausstieg zum mindesten im gleichen, wenn nicht schnellerem Tempo voll­zieht, wenn nun an die Spitze der Reichspolitik neben den Reichspräsidenten, der seinen Weg vom alten in das neue DeutMand gefunden hat, ein Mann tritt, der ganz neu-deutschen Geblütes ist.

Der Unglücksrabe.

Erfinder Ganswindt heute 72 Jahre. 1 Bekanntlich bat der verstorbene Sriegsmlnister ».Stein schon vor zwölf Jahren anf ein Ent« fchadignnasgefnch des Erfinders Hermann Ganswtudt um Millionen für feine ungerecht« Unterdrückung höchsteigenbändig die Worte ge­schrieben:Lebt denn dieser Unglücksrabe im« mer noch?" und ihm dann dieses historische Schriftstück znrückgeschickt. Aber wie der noch lebt, zetgeu folg. Eindrücke, die ein Jugend-- ftennb .be: einem Besuch des heute Swetunb« siebzigjährigen empfing.

Als ich ihn nach fünfzig Jahren Auslands- dienst zum ersten mal wiedersah, spielte er mit unglaublicher Jugendfrische und mit noch fast demselben Aussehen und mit demselben auto- didaktischen Talent, das ich schon vor einem halben Jahrhundert so oft bei ihm bewundert hatte, seine wundervoll Dorgetragenen Klavier­stücke wie einst als Schüler, sodaß ich vor Er­staunen darüber spontan zu dem Ausruf mich gezwungen fühlte:Diese 50 Jahre sind ja rein ausgelöscht!", so spurlos sind die furchtba­ren Kämpfe und entsetzlichen S hicksale seiner Erfinderiragödie an ihm vorübergegangen! Lei­der ja nicht an einem Teil seiner ausgeze-ch- neten Familienangehörigen. Zu meiner großen Freude habe ich jetzt gesehen, daß in letzter Zeit >'?cht nur t:cle ernfk Zc iu "re i. sondern auch die Buchliteratur angefangen haben, thr bishe­riges Totschweigen nach "einer früheren falschen Beurteilung auszugeben. Haben doch sogar ihm bisher feindliche Autoren, wie ui) aus einem Artikel der .Luftfahrt" vom 22. April ISBt »Raketenstatt für Segelflugzeuge- gesehen habe, sich gezwungen gesehen, seinen

Namen als ersten Bahnbrecher

zu nennen. Ich selbst habe bereits in meinen Erinnerungen der groß:, Verdienste meines alten Leben Mitschülers gedacht, dessen Fähig­keiten ganz besonders in der Machemat'.k und Physik sowohl Lehrer tote Mitschiftr schon auf dem Kyntnasium in Lyck, wo er alsPräses" unseres Sängerkränzchens eine große Rolle spielte, bewunderten, und dessen makelloser Charakter für uns alle über jeden Zweifel er­haben ist. Auf meine Frage, wie es ihm jetzt gehe, erwiderte er mir in seiner kraftvollen ru­higen Gelassenheit, mit welcher er ; B. auch am 18. März 1920, wo in Schöneberg 17 Offiziere totgeschlagen wurden, sogar tausend Revolu­tionsstürmer bändigte, als sie die Herausgabe des in seine Villa geflüchteten Majors Hiepe zwecks Lhnchung von ihm forderten, seine Silla stürmten und sie mit Handgranaten in die Luft Zu sprengen drohten, indem et dem Major in seiner Zivilkleidung zur Flucht verhalf: schwebe schon wieder einmal zwischen Himmel und Hölle. Der Himmel winkt mir aus folgende Weise: am 11. Mai d. I. schrieb ich an eine sehr große Gesellschaft, ich hätte

wieder eine neue Idee

bei deren Verwertung die Gesellschaft jährlich viele Millionen extra verdiene,t könnte, wenn sie mir 10 Prozent von der Bruttoeinnahme ab­gäbe und Stillschweigen über die Idee ver- ipreche. Am 6. Juni erhielt ich dann eine Ant­wort, in welcher weder die Neuheit der Idee noch die Aussichten auf die großen Entnahmen bestritten werden, aber mit dem Ersuchen, in dem Betriebe zu prüfen, ob nicht durch die An­wendung derselben Gefahrenmomente entstehen. Diese Prüfung hat nun ergeben, daß durch eine einfache Konstruktion, die ich angab. jedes Ge- fahrenmomenl ausgeschaltet werde. Bekomm« ich nun aus diesem Geschäft jährlich meine ca. 1 Million Einnahmen, dann bin ich im sieben­ten Himmel. Indessen jetzt heißt es noch ab­warten. Gleichzeitig droht mir aber die Höller Da ich neben dem Unterhalt meiner noch zu­hause lebenden 10 Personen, darunter 7 Schul­kinder, in der letzten Zeit nicht noch die Miet« bezahlen konnte, hat mich der Hauswirt auf So­fortige Exmissionohne Ersatzraumgewährung« verklagt! Denn wider Erwarten konnte ich noch nicht meine wundervolle Erfindung eines

Segelbootes ohne Segel ausbeuten, welches ohne Motor wie ein Mo­torboot im Winde fährt, weil ich trotz eines für mich günstigen Beschlusses des R-^-laaes von der Regierung noch nicht die Geldmittel dazu bekommen habe." Ich habe diese Angaben an der Land der betreffenden Schriftstücke als onrchaus wahr festgestellt. Ganswindt ist auch der eigentliche Erfinder der besten Systeme beg Lenklustschifses, des Flugzeuges und des Raketenweltraumfahrzeu« ges, wie auch gediegene Fachleute mir bestä-t tigt haben. Muß da nicht das ganze deutsch« Volk wie ein Mann aufstehen und ein energti