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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 137.

Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Dienstag, 12. Juni 1928.

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.

18. Jahrgang

Die Ministeeposten Weeden verteilt.

Am 13. Zuni.

Wenn der Reichstag sich wieder füllt.

Die Eröffnung des Landtages brachte wi­derliche Szenen, vor denen sich auch der Reichs- tag hoffentlich bekreuzigen wird. Unser im parlamentarischen Leben ausgewachseiier Mit­arbeiter läßt uns weit vom Schuß in der Pro­vinz lebende Beobachter durch ein Guckloch in die buntbewegte Geschäftigkeit der ReichStagS- vertreter, die sich am 13. Juni zum ersten Mal versammeln, einen Blick Wersen: Schon frühzeitig entwickelt sich am Nebeneingang ein bewegtes Leben und Treiben von Autos, Schu- vos und Kinoleuten. Die Reichsämter und zahlreiche ander« hob« Behörden mobilisieren für die Eröffnung sämtliche Prachtstück« ihres ständig anwachsenden Autoparks. Die in schwarz gehaltenen, aber sehr eleganten und schnittigen Wagen meist deutscher Fabriken rollen volloe- St mit Beamten an, die sich freuen, daß nun

:der die Zeit losgeht, in der man mit gutem Grunde die Enge der Amtsräume und die stete Erreichbarkeit für die hohen und höchsten Vor­gesetzten und andere unangenehme Zeitgenossen Wit der Weite der Wandelhallen des Reichsta­ges vertauschen kann, der so zahlreiche Mög­lichkeit bietet, unerreichbar und dennoch dienst­lich irgendwo unterzutauchen.

Das Reichswehrministerium bringt mit grauen Autos und den wieder bunter gewordenen Uni­formen Abwechselung in das Bild. Masienhaft erscheinen auch braune, blaue und rote Wagen mit Vertretern der Industrie und deS Handels, die als Abgeordnete oder alS Zuschauer dabei sein wollen. Bei der meist jugendlich gekleideten Damenwelt überwiegt die Jugend merklich, weil man" in Berlin heutzutage wenigstens einmal im Reichstag gewesen sein mutz. Längst nicht alle Volksvertreter fahren im Auw vor. Die nur wenige Schritte vom Reichstag entfernte elektrische Straßenbahn bringt doch immer noch die meisten Reichstagsabgeordneten heran, die am Eröffnungstage häufig in Begleitung ihrer gesamten Familie durch die Menschenmas- fett drängen. Solche Familiengruppen werden von den Rinoleuten, die mit einer Batterie von mindestens zwei Dutzend Kurbelkästen und Photographenapparaten ständig schutzbereit da- steheu, gern unter Feuer genommen. Zu Hun­derten schwellen dann die Trupps von Besuchern an, die der Hausinspekwr in gewissen Zwischen­räumen durch die Haupträume des Reichstags führt. Aber auch die Abgeordneten und Regierungsbeamten nutzen den Eröffnungstag mit besonderer Vorliebe zur Führung von Verwandten und Freunden durch den Reichstag, der ja heute von den Besuchern Berlins schon in die Zahlder Museen ein­gereiht wird, die man auf keinen Fall auslassen darf. In der Tat kann man ja den Reichstag auch als historisches Museum, als Museum der Parlamentsgeschicht« werten, was ausnahms- weise keine bösartige Anspielung auf mumi­fizierte Parteiprogramme und Per­sönlichkeiten fein soll. Niemals vergißt zum Bei- fpiel ein Abgeordneter, seinen Freunden di« Kugelspuren aus der Zeit der Kämpfe um das Betriebsrätegesetz zu zeigen. Zwei Ein­schüsse sind in den Holz- und Bronzeteilen bei gewaltigen Portals heute noch zu sehen.

Der EröffnungSwg gehört zu den Dollsit. zungen, denn niemand möchte ja zu bett Laien gezahlt werden, bei derem Namensaufruf lein frisches und klaresJ&ier* bekundet, daß der Neu- oder Wiedergewählt« auch tatsächlich er­schienen ist. Das kräftige Läutewerk des Hau­ses ruft sie rechtzeitig in daS Parkett und die Besucher aus di« Tribünen. Dort müssen die meisten Zuschauer und Zuschauerinnen aller­dings recht lange Hälse machen, um von den Vorgängen im Hause etwas mitzuerleben. Al­terspräsident ist auch diesmal wie­der der Abgeordnete Bock, der alS SechSund- siebenzlgjähriger schon die Weimarer National­versammlung in gleicher Eigenschaft eröffnete. Er ist aus dem Sckmhmacherhandwerk hervorge- gangen und vertritt Thüringen. Der schwarze Anzug wird nur von den Kommunisten abge- lehnt. Den Rekord hält immer noch der Abge­ordnete Eppstein, der seinen Einzug in den Reichstag mit kurzhoslgern Wanderanziw und pechschwarzem Blusenhemd hält und bei seinem Namenaufruf bann stürmische Heiterkeit entfesselte, bie auch auf bie stets Pein- lich korrekt auftretenden. von der Diplomaten- tribüne zuschauenden Vertreter der Sowjet- nnion ansteckend wirkt«. Die Kommunisten stt- zen unmittelbar unter den Bänken der Län- dervertreter. Von da auS mag der bahrische Gesandte Dr. Preger den schwarzen Eppstein besonders erstaunt angesehen haben.

Hermann Müller sucht ein Kabinett.

Beauftragung durch bett Reichspräsidenten am Dienstag. Anlauf zur Großen Koali­tion. Weimarer Richtung bleibt Notanker. Kochs Wink für Preußen.

Berlin, 11. Juni. Zur Regierungsbildung schreibt ein Sozialistenblatt: Der Reichspräsident habe Hermann Müller seine Absicht mitgeteilt, ihn am Dienstag nach der Demission des Kabi- nettS Marx mit der Bildung einer neuen Regie­rung zu beauftragen. Müller wird versuchen, eine Regierung der großen Koalition zustande zu bringen, wofür zwei Umstände fprechen. 1. Ist eine breite sichere Mehrheit einet knappen und unsicheren vorzuziehen, 2. aber haben gerade die beiden volksparteilichen Minister (Curtius-Stre- fcmann) des alten Kabinetts der sozialistischen Opposition am allerwenigsten Gelegenheit zu Angriffen gegeben. Falls die große Koalition scheitert, so bleibt die Weimarer Koalition, etwa durch die Bayer. Volkspartei oder die Deutsche Bauernpartei verstärkt, die weitaus ausfichts- vollste Kombination.

Berlin, 11. Juni. (Eigener Jnformations- bien.) Die sozialdemokratische Fraktion wird heute mittag das zukünftige Regierungspro­gramm der S. P. D. besprechen. Die S. P. D. scheint im Gegensatz zum Zentrum der Ansicht zu sein, daß der Wille der für die große Koali­tion in Frage kommenden Parteien ausreichend fei und daß eine besondere Formulierung deL Regierungsprogramms im Einzelnen nicht er­forderlich ift. Das Zentrum selbst hat sich noch

nicht geäußert. Die deutsche Bolkspartei wird am Mittwoch zusammentreten. Sie dürste sich, ebenso wie das Zentrum, zur

Bildung der Großen Koalition bereit erklären. Das Gleiche gilt von den Demokraten. Wie verlautet, beabsichtigt die S. P. D. den Reichskanzlerposten (Müller), Jnnenministerpo- steu (Severing) sowie den ReichSfinanzminister- posten (Hilserding) in Anspruch zu nehmen. Weiter wird das Neichsarbeitsministerium oder daS Justizministerium von ihr gefordert werden. ReichsarbeitSminister Brauns (Ztr.) soll zum Rücktritt entschlossen fein. Daß Finanz­minister Köhler auf seinem Posten verbleibt, ist unwahrscheinlich, da eine Einigung zwischen den Sozialdemokraten, die Herrn Hilserding Vorschlägen und den Demokraten, die für diesen Posten Reinhold in Empfehlung bringen, schwer möglich erscheint. Die Bolkspartei würde auch im neuen Kabinett wohl mit Sicherheit

Dr. Strefemann als Außenminister und als Wirtschaftsminister Dr. CurtiuS behalten.

Die Frage der übrigen Ministerien ist noch un­geklärt. Das Verbleiben des Reichswehrmini­sters ©tönet aus feinem Posten gilt als sicher. Uebertafchungen find aber jederzeit möglich.

VerzweiflungSstunden im D-3ug.

Die ersten Schilderungen der Katastrophe sind auf der ersten Beilage abgedruckt.

Was ein Nebetlebeudet der Siegelsdorfer Katastrophe erzählt. Eindrücke irr Siegelsdorf.

Nürnberg, 11. Juni. (Privattelegrarmn.) Bon einem Augenzeugen der furchtbaren Eifenbahn- katastrophe bei S i e g e l s d o r s im Regierungs­bezirk Nürnberg mit 22 Toten (siehe auch De­peschen L Beilage) wird uns Folgendes mitge­teilt: Ich befand sich in einem der vorderen drei Wagen. Kutz nach der Station Siegelsdotf be­merkte man im Wagen ein Schwanken, das sich immer mehr und mehr verstärkte. Dann erfolgte ein mächtiger Stoß und ein Krachen und bann ein furchtbares Gefchtei: das Unglück wat geschehen! In demselben Augenblick er­loschen fämtliche Lichter im Wagen. Sofort quoll heißer Dampf von der unter dem Wagen liegen­den' Maschine empor. Unaufhörlich hallten die Rufe: Dampf abstellen, sonst gehen wir kaput: der

Dampf ist unser Verderben.

Nur dem Umstand, daß ich im Augenblick der Katastrophe im Seitengang stand, war es zuzuschreiben, daß auch mich der Dampf nicht verbrühte. Der ausströmende Dampf war das Gefährlichste. Die meisten der Verletz- ten sind verbrüht worden. Bald spürte ich, vatz ich kein Glied gebrochen hatte, daß vielmehr nur das Blut vom Gesicht herabrieselte, das stark zerschunden war. Einer, der bei mir im Kupee gesessen hatte, stieg dann durch das Fenster ins Freie; die anderen folgten. Zehn Minuten gingen wir Über Trümmer, um wieder festen Boden unter den Füßen zu be­kommen. Andere Unverletzte machten sich sofort an daS RettungSwerk.

Bilder -es Grauens.

Zwischen den Trümmern des D-Zuges.

Nürnberg, 11. Juni. An bet Unfall stelle bei Siegelsdotf bietet sich ein grauenhaftes Bild. An der fünf Meier Hohen Böschung ift das Erd­reich wie von Granaten ausgewühll. Zuunterst liegt bie Lokomotive. Sie hat sich von dem Zug losgerissen, aus den Kops gestellt und um sich gedreht und liegt nun in bet Richtung nach Nürnberg, wähtenb bet Zug tatsächlich in Rich­tung Würzburg gefahren wurde. Der Tender ift ebenfalls demoliert und scheinbar über die Maschine geschleudert. Rauch und Koh­len aus der Maschine liegen aus den zertrüm­merten Wagen. Diese mußten bei der Rettung teilweise zersägt und zerschweißt werden, um die noch Lebenden hetausznholen. Die Un- gwcksstelle wird von Tausenden von Menschen besucht, bie immer neu Nachrichten wissen wol­len; dazwischen bie Feuerwehr und bie Satti» tätsautos. Herzzerreißende Szenen müssen sich während des Unfalls abgespielt haben.

Die Reifenden lagen meist im Schlaf alS unter ohrenbetäubenden Krachen das Un­glück geschah. In daS Stöhnen und Schreien der verletzten mischten sich die Angstschrei« bet Untersetzten. Hiersuchte eine Mutter ihr Kind dort die Frau ihren Mann. Der Heizer, der

noch rechtzeitig abspringen konnte, saß aus einer Wiese und schrie ununterbrochen: Ich will i.l mehr wissen, ich will nichts mehr wissen!

* * *

Szenen -er Verzweiflung.

Wie man bie Siegelsdorfet Opfer rettet.

Rütnbreg, 11. April. (Privattelegramm.) Die Eisenbahner arbeiten mit Rieseneifer an der Unfallstelle in SäegdSborf, weil man noch immer Tote unter ben Trümmern vermutet. Vermißt wird noch ein Lokomotivführer-Prakti­kant, der auf der Unglücksmaschine mitgefahren ist. Aus einem Wagenabteil drangen jammer, liche Hilfe- und Angstrufe. Sofort machten sich auch hier die Mannschaften an das Rettungs­werk. Eisenteile mußten mit Sauerstoffgeblä­sen zerschweißt und zermeißelt werden, aber es war sasi ausgeschlossen, an die Eingeschloffenen heranzukommen. Es handele sich um ein junges Mädchen im Alter von 19 Jahren und einen 65jährigen Werkmeister. Nach endlosen Mühen und beständiger Tätigkeit hatte man schließlich die eine Wand beS Wagens durchgeschweißt. Aber den Einschloffenen wurde der Ausweg durch 5 Tote versperrt. Ein Anzahl dieser To­ten mutzte erst zerstückelt herausgenommen werden.

Das Mädchen war einer Ohnmacht nahe, da auch die von dem Schweitzapparat entstehende Hitze die Eingeschloffenen stark mitnahm. Das Mädchen mutzte narkotifiert werden. Endlich wurde es herauSgeschafst und im Anschluß daran erschien der Njährige Mann in der Oessnung. Sein Erstes war, daß er die Ret­ter bat:Gebt mir ein Glas Sier." Eine Frau mit einem Kinde, die lange Zeit vermißt war, wurde unter de» Trümmern

lebend und unverletzt hrevorgezogen.

Der Schlafwagen wurde nicht beschädigt. Es wird erzählt, daß eine Anzahl der Schlafwa- gen-Reisenden von dem Unglück garnichts wahr­genommen haben, bis die HUfremse ertönten. Die Berwundeten und Toten weisen zum Teil Quetschungen auf. Di« meisten haben durch den ausströmenden Dampf Schaden erlitten., Sie wurden buchstäblich verbrüht. Ein Arzt hatte, als man ihn tot auffand

noch die Zigarre in der Hand, während fein Freund sich retten konnte. Der Führerstand ist zertrümmert, der Regler ragt noch aus den Trümmern heraus, das Waffer- ftandglas ist zerschlagen, das Dach zersplittert usw. Der Todeswagen, der die meisten der Opfer barg, liegt noch auf dem Kessel. Da- zwischen sieht man Geväcknetzstücke, abgerissene Trettbrettchen, Heizungsschläuche u. a. m. und an den Decken der demolierten Wagen Blut- spritzer. Die Ursache deS Unglücks ist noch dun­kel. Die meisten Schwerverletzten dürfen im Krankenhause von niemand besucht werden, da fast alle einen Rervenchock davongetragen haben.

Wer geht voran?

Zusammenschluß auch der drei Hansastädte?

Bon W. O. Rose, Mitglied der Hamburger Bürgerschaft. Der »en alle« Einstchtlgeu erstrebte Einbeiiö- ftaat katttt nicht mit einem Federstrich geschaffen werden. Aber wie die zwangläufige Wirt- fchaftsentwickluag auch die in ihren Ubersee- Jnterefsea gleichgearteten freien Hansastädte »nm Zusarntnenschlnb treibt, gebt ans den sol- geudeu Betrachtungen eines Hamburger Stadt- vaterS klar hervor.

Im Laufe der Zeiten haben sich trotz der viel­fach gleich gelagerten Interessen doch manche wirtschaftliche, hie und da auch politifche Gegen­sätze zwischen ben drei Hansestädten gezeigt. Aitch die wirtschaftliche Konkurrenz, zum minde­sten zwischen Hamburg und Bremen, hat nicht selten zu Entfremdungen zwischen ben beiden Städten geführt, Im Kriege haben besonders Hamburg und Bremen gelitten. Die Staatsum­wälzung von 1918 brachte für alle drei Hanse­städte schwere Zeiten, vorübergehend sogar ben roten Terror. Die brei Stabstaaten sind reichs­treu bis aus bie Knochen. Sie flnb natürlich fö­deralistisch eingestellt, lehnen aber aus rein wirt­schaftlichen Erwägungen ein Aufgehen in Preu­ßen mit aller Entschiedenheit ab. In ben Han­sestädte steht man der weiteren Entwicklung der Vereinheitlichung des Reiches ziemlich skeptisch gegenüber, ba nun einmal bie Stunbe zum Handeln verpaßt ist. Geblieben aber ist die Jd->- eines gewissen

ZusammenschluffeS der drei Hansestädte.

Man ist sich auch darüber klar, daß von heute auf morgen die drei Hansestädte nicht zu der Form eines Landes kommen, aber eine Art Ver­waltungsgemeinschaft scheint erreichbar. Allge­mein gelten Hamburg, Bremen und Lübeck als reiche Städte. Die großen Vermögen der Pri­vatpersonen, der Kaufmannschaft und der Schiff­fahrt sind aber in ben Kriegs- unb Inflations­zeiten fast durchweg zusammengeschmolzen. Auch in staatlicher Hinsicht können alle drei Hanse­städte nicht als »reich" angesprochen werden. Schon seit drei Jahren weist der Staatsetat der brei Plätze eine Unterbilanz auf, wenn auch im letzten Jahr bas »Minus" etwas gerin­ger geworben ist. Die finanzpolitische Lage ber freien Städte ist nur deshalb nicht gefährdet, weil sie dank ber Tatkraft ihres Handels einen erheblichen Kredit, auch Im Ausland, genießen. Man muß auf Mittel unb Wege sinnen, die Staatseinnahmen zu erhöhen, aber vor allem bie Staatsausgaben zu m i n b e r n. Unb auf ber anberen Seite mehren sich bie Ausgaben für bie Häfen. Hier kann nicht gespart werben, denn Amsterdam unb Rotterdam suchen mit allen Mitteln, die beiden großen deutschen Häfen, Hamburg unb Bremen, zu überflügeln. Sehr hohe Geldsummen werden in die Häfen gesteckt. Selbst ber beste Kenner bes Etats wirb die Summen nicht herausfinden, die von Staats­wegen aufgewanbt werben. Diese »verschleierte" Finanztaktik rechtfertigt sich aus Grünben, bie hier nicht näher erörtert werben können. In ben Fragen ber Verwaltungsgemeinschaft ist sich Hamburg unb Bremen bisher kaum näher ge­kommen. Ja, bie Konkurrenz scheint stärker zu sein als baS Gefühl für gentehtfante große Auf­gaben. Hier wirb erst etwas erreicht werben können, wenn zwischen bem Norbbeutschen Lloyb unb ber Hamburg-Amerika-Li­nie gewisse Vereinbarungen getroffen werben. Lübeck ist nach einer gewissen Kriegskonjunktur in einen leichten Dörnröschenschlaf gefallen, ob­wohl bie »Norbische Gesellschaft" für ben Lübek- ker Hafen als Umschlagsplatz im Güteraustausch zwischen den OstseelSndern und Deutschland vie­les getan hat. Mag Lübeck auch ber »Brücken­kopf der Ostsee" sein, die Hamburger Schiffahrt ist trotzdem recht stark an ber Ostfeefahrt inter­essiert. Für so manche Oftfeereeberei ist Ham­burg ber Heimathafen. Sicherlich blicken B r e- men unb Hamburg nach Ueberfee, unb doch haben beide Interessen im Ostseegebiet.

Hamburg hat seit Jahren den besten norbbeut­schen Flughafen, ben es stänbig vergrößert. Ihm fehlt aber ein Seeflughafen, unb Hamburg ist klug genug, zu wissen, daß eines Tages der Schiffahrt eine Konkurrenz in ber Luftfahrt er­wächst. Darum hat eS im Bunde mit Lübeck und mit Unterstützung des Reiches einen

Seeflughafen bei Travemünde geschaffen, ber beiben Hansestädten zugute kommt. In nicht allzu ferner Zeit wirb eine SchnellbahnHamburg mit Lübeck ber« binben, vielleicht als Vorstufe einer Schnellver­bindung zwischen allen drei Hansestäbten. Aber auch auf bem Gebiete ber reinen Verwalmng ist bie Zusammenarbeit zwischen Hamburg unb«