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Kasseler Neueste Nachrichten

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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

100

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Nummer 134.

Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Freitag, 8. Zurrt 1928.

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.

18. Jahrgang

Der Kabinettchanöek wird schwierig.

Antifaswiftenrache in Berlin / Domen-Weilflug über den Ozean.

Politik und Theater.

Zusammenbruch der Piscatorbühne.

Der Zusammenbruch der bekannten Berliner Piscatorbühne, deren Prozeß mit dem Hause Doorn wegen Verunglimpfung in dem Stück Rasputin", seinerzeit zugleich mit anderen künstlerischen Experimenten großes Aufsehen er­regten, veranlaßt unseren Berliner Mitarbeiter zu folgenden interessanten Gedankengängen: Piscator und seine Freunde haben anläßlich sei­ner Trennung von der Volksbühne seinerzeit so viel von der Notwendigkeit des politischen Thea­ters gesprochen, haben dieses politische Theater in solcher Weise als dringendstes Erfordernis der Welt, bte von den Brettern dargestellt wird, bezeichnet, daß die Idee des Ganzen unmöglich die Krisis verschuldet haben darf, die jetzt über die Piscatorbühne hereingebrochen ist oder viel­mehr offenkundig wurde. So sucht man nach anderen Sündcnböcken und findet sie leicht bei der Steuerbehörde, die wieder einmal gründlich gesagt bekommt, welch zerstörisches Element sie sei. Die Eingeweihten wissen genug anderer Momente, aber sie be­schränken sich auf ein wissendes Auguren­lächeln und hüten sich, ihre Wissenschaft aus­zukramen. Die anderen können nur ahnen, auf welche Weise Piscator die Hilfsbereitschaft sei- rt" Gönner erschöpft hat Immerhin könnten auch sie sich der e n o r m e n Z a h l e n erinnern, die anläßlich möhrerer ReuinszenierunMn der Piscatorbühne als Kosten der Einrichtung ge­nannt wurden, Gelder, die in keinem Verhältnis zu den wirklich erreichten Effekten standen, die für Dinge ausgegeben wurden, die eigentlich nur deswegen interessant wurden, weil sie so erstaun­lich vtel Geld gekostet hatten. So flüstert man z. B., daß des biederen Schweift berühmt gewordene- laufendes Band auch für den zehn­ten Teil der dafür aufgewandten Summe hätte hergestellt werden können. Aber das sind schließ­lich alles technische Einzelfragen, deren Kostspie­ligkeit sich hätte überwinden lassen müssen, wenn dieses politische Theater wirklich auf die Dauer die Zauberkraft entfaltet hätte, die ihm anfangs prophezeit wurde.

Wie stand es in Wirklichkeit mit der Werbe­kraft des politischen Theaters, daS Piscator mit seiner Bühne zu repräsentieren gedachte? Man bat oft genug gelesen, welch blendende Gesell- schäft mindestens int Parkett und dem ersten Rang der Piscatorbühne zu sehen war, dieser Bühne, die die Bekämpfung und Ausrot­tung eben dieser Gesellschaft auf ihr Banner geschrieben hatte. Mer die Gesellschaft tat den polftischen Theatermännern nicht den Gefallen, in sich zu gehen oder sich vor der Rache deS Proletariats zu fürchten sie amüsierte sich vielmehr königlich über die tollen Geschichten, ja einzelne der prominentesten ihrer Vertreter spen­deten Piscator enorme Summen, damit er seine Ideen ungehemmt durch finanzielle Be­denken zur Geltung bringen konnte. PiScator war natürlich klug genug, um die innere Brüchigkeit dieses Zustandes zu erkennen. Er redete sich darauf hinaus, daß man eben auch bereit sein müsse, um der Ide« willen opporto- nistilche Politik zu machen, ja er rechnete sickS als Verdienst an, für seine Zwecke Gelder von eben der Gesellschaft zu nehmen, die er von der Bühne herab zu vernichten angeblich trachtete. Er war nicht klug genug, sich rechtzeitig einzuge­steben, daß im Glanz der Dekolletees, im Duft mondäner Parfüms, im Schimmer untadeliger Frack« und Smokinghemden die Weltrevolution nicht gut gedeihen kann, daß sie in solcher At­mosphäre notwetwig zu einer kümmerlichen Sa­lonpflanze degenerieren muß kurz und gut, daß der Radikalismus von der Art, wie er ihn vertrat, am allerwenigsten Kom­promisse vertrage. Er hätte sich entsinnen sollen, daß vor vierzig Jahren ein junger fran­zösischer Schauspieler namens Antoine sein ra- dftales Theatre Libre in Paris in einer bes­seren Scheune das Licht der Welt erblicken ließ und daß von dieser Scheune aus, wo er und feine Freunde nichts weiter taten, als obne jede Rücksicht auf Ruhm und Gewinn mit In­brunst Theater zu machen, der Glanz einer neuen Theaterepoche über ganz Europa heraufstieg. Allerdings handelte es sich hier auch um nichts anderes als Kunst, während es sich bei Piscawr um eine Zwitteridee handelt, die weder heiß noch kalt, weder Fisch noch Fleisch, weder reine Kunst, noch wahre Politik ist. Vielleicht müßte diese Probe aufs Exempel notwendig erst einmal gemacht werden, um zu erkennen, dass sich Politik eben nur mit den Mitteln der Politik, Theater aber aus die Dauer nur mit teilten Kunstmitteln machen

läßt. Anscheinend hat die Sucht, der Welt eine neue Sensation zu gehen, Piscators Erkennt­nisfähigkeit getrübt. So ist ein großer Aufwand, der richtig verwendet eine gewaltige Wir­kung hätte erzielen können, schmählich vertan, denn von dem, was mit ihm geschaffen wurde, wird nichts bleiben, weder in der Geschichte des Theaters, noch in der der Politik, außer einigen vergänglichen Einzelleistungen und einigen po- litisch-progagandistischen Kuriositäten.

Ist dies der Verlauf des Versuches, ein poli­tisches Theater in der zugespitztesten Form zu schaffen, so ist der große Gedanke der Volks­bühne, der ja schließlich auch in Gedanken poli­tischer Herkunft wurzelt, gegenwärtig in einer Situation, die der Piscators nicht allzu unähn­lich ist. Aus der Volksbühne, die ehemals an der Spitze der deutschen Theaterkultur stand und von der die bedeutendsten Entwicklungen der letz­ten dreißig Jahre abzuleiten sind, ist ein Kon­sumverein geworden, dessen Funktionen durch jedes gleichgültige, kaufmännisch geschickt geleitete Theater, ebenso gut erfüllt werden könnte. Wie es dahin kam, versucht Herbert Jhering in einer StreitschriftDer Volksbühnenve.rat" zu zeigen, einem Pamphlet das eine gewisse Aehnlichkeit mit Paul Schlenthers von fünfundvierzig Jah­ren erschienener kühner Streitschrift gegen den Zirkus Hülsen" hat. Die Tatsache, daß dieses neue Pamphlet fast keinerlei Beachtung findet, während vor fünsundv'er'zig Jahren kie Ankla­gen gegen Kaiser Wilhelms Hoilheai.-r-Jnlen- danten die Wirkung eines mächtigen Alarmrufes hatten, ist nicht auf die Bedeutungslosigkeit der Schrift Eherings zurückzuführen, sondern leider auf die Indifferenz der Welt von heute Kunstfragen gegenüber. Etwas anderes wäre es wenn eine solche Schrift geg... irgend eine Sportbehörde gerichtet wäre. Das würde eine Sensation geben! Und hi: liegt wohl auch die letzte Erklärung für die Theaterkrisen der letzten Zeit, unter denen die Krisis des politischen Thea­ters nur ein dem Wesen nach, nach dem Umfang nach besonderes Ereignis darstellt.

Es wird schwer hatten.

Im Ringen um ein Kabinett.

Berlin, 7. Juni. Der Kölner Beschluß der Sozialdemokraten (siehe auch 2. Seite) hat noch keine Entscheidung gefällt. Die Schwierig­keiten werden erst bei den Verhandlungen mit den bürgerlichen Parteien beginnen. Das Zen­trum soll mit einem einzigen Sih abgespeist wer­den und noch dazu mit dem unbedeutenden des Verkehrsministers. Aber auch den Demokraten und der deutschen Volkspartei (wenn eS zur Großen Koalition kommt), gesteht man nur ju einen Sitz zu. Das neue Kabinett würde dann ganz links gerichtet fein.

Strafantrag für öle 2$armat-2Ifftfforen.

Berlin, 7. Juni. Im DiSziPltnar-Bcrsah- ren gegen die Assessoren Kußmann-Casparii und Landgerichtsrat Peltzer wegen Dienstverftöße bei Behandlung des Barmatfalles beantragte der Oberstaatsanwalt gegen den Landgerichts­rat Peltzer einen Verweis, gegen Staatsan- waltSaffeffor Dr. Caspari Mark 200 Geld­strafe und gegen Kußmann Dienstentlas­sung.

erhört Votncars das Elsaß r

Paris, 7. Juni. Die Vorstellungen der elsäs­sischen Delegation scheinen auf Poineartz doch einen gewissen Eindruck gemacht zu haben. Er ließ fofort eine Konferenz einberufen, in der der Beschluß gefaßt wurde, diese Angelegenheit im heutigen Ministerrat zu prüfen.

rNussolini-Racks in Berlin.

Antifaschisten werfen die Botschaftersenper ein.

Berlin, 7. Juni Gestern abend wurden in der italienischen Botschaft von unbekannten Per­sonen, die in einem Auto vorfuhren, fünf Fen­sterscheiben eingeworfen. Es wurde sofort Po lizeifchutz für Botschaft und Konsulat gestellt.

Berlin, 7. Juni. Wie sich herausstellte, saßen in dem Privatauto sechs bis sieben junge Män­ner von südländischem Typus. Die Insassen sprangen aus dem Auto heraus und warfen die mitgebrachten Steine gegen die Fenster des Bot­schaftsgebäudes, woraus das Auto davonfuhr. Nach der Bekundung eines Passanten soll sich auch eine Gruppe von fremdländischen Fußgän­gern, sämtlich mit grünen Hemden beklei­det, an den Steinwürfen beteiligt haben.

Em 'Bergeituna crt der Kommunisten.

Ein Kommunistenblatt überschreibt den Be­richt über den Anschlag auf die italienische Bot­

schaft:Die Fenster der Mussolini-Botschaft zum Protest zertrümmert!" Das Organ, das den Anschlag mit den Zuchthausstrafen für italie­nische kommunistische Führer in Zusammenhang bringt, berichtet, daß man nach der Tat am Bo­den Flugzettel mit einem AufrufNieder mit Mussolini" und der Aufforderung fand, sich am Freitag an der Amnestiekundgebung im Sport­palast zu beteiligen.

Elsässer als Spione bestraft

Paris, 7. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Heute Vormittag wurde das Urteil gegen die der Spionage Beschuldigten Baumann und Köhler, die im Kalmarer Prozeß freigesprochen worden waren, gefällt. Das Urteil lautet auf acht Monate Gefängnis, 300 Franken Geldstrafe und fünf Jahre Aufenthaltsverbot. Außerdem wurden ihnen die bürgerlichen Ehrenrechte für fünf Jahre aberkannt.

welche kommt zuerst hinüber

Franen-Rennen über den Ozean.

Newyork, 7. Juni. Miß Mabel Holl hoftt, noch heute zum Flug nach Europa aufsteigen zu können, um mit ihrerColumbia" das Ozean­flugzeug der Miß Earhart zu schlagen.

Levme schon nach Jtvm untetweger

Newyork, 7. Juni. Ledine ist um 4 Uhr früh mit Miß Madel Boll in seinem Flugzeug Columbia aufgeftiegen. Er gab keine Auskunft über das Ziel des Fluges. Es wird jedoch an­genommen, daß er beabsichtigt, Rom zu erreichen.

Die letzte Flug-Etappe.

Amerikas Flieger steuern Australien an.

Suva, 7. Juni. Das Flugzeug Southern Cross ist gelandet. Es hatte eine Zeitlang über Suva kreisen müssen, da die Flutzeit eine frü­here Landung verhindert hatte.

Honolulu, 7. Juni. Die hiesige Radiosta­tion hat Signale aufgefangen, die vermuten lassen, daß die Southern Groß in Raselai zum Weiterflug nach Australien wieder aufgestiegen ist.

Sidney, 7. Juni. Die Regierung van Ren- südwales hat beschlossen, den Fliegern King- färb Smith und Ulm die Summe von 2500 eng­lische Pfund auszuzahlen, um ihnen die Kosten ihres transpazifistischen Fluges mit der Sou­thern Groß zu ersetzen.

Strafgericht Über Schwarze.

England fordert Blut um Blut.

Tusagi, 7. Juni (Salomo Insel). In dem Prozeß gegen die Eingeborenen, die der Teil­nahme an der im letzten Jahre verfolgten Er­mordung des englischen Kommissars Bell und von 16 Matrosen angeklagt sind, wurde heute daS Urteil gesprochen. Sieben der An» geklagten wurden zum Tode, drei zu lebens­länglicher Serkerstrase verurteilt. 13 andere erhielten Gefängnisstrafen von 1020 Jahren, während 50 frenigefprochen wurden

Tschangtsolin im Sterben.

Familie und Aerzte geben ihn auf

Tokio, 7. Juni. Rach den jüngsten Meldun. gen ist Marschall Tschangtsolin noch nicht tot, aber fein Zustand verschlechtert sich von Stunde zu Stunde. Seine Famflie ist bereits an sei­nem Sterbelager versammelt. Der Mar. chall wird von chinesischen und japanischen Aerz- ten behandelt.

Winter im Rosenrnon-.

Ganz Ostpreußen eingeschneit.

Berlin, 7. Juni. (Durch Funkspruch.) Starke Schneefälle find im ganzen Revier der Rominte- ner Heide zu verzeichnen. Die Wiesen, Bäume und Sträucher erwecken den Eindruck einer win­terlichen Landschaft. Es ist ein eigenartiges Schauspiel im Sommermonat Juni die im Len zesschmuck prangende Natur unter dichter Schnee­decke lagern zu sehen. Aus den verschiedensten Orten Ostpreußens werden Schneefälle berichtet.

Sie ertrinken im Regen.

Amerikanische Dörfer unter Wasser.

Newyork, 7. Juni. Aus den Staaten Alha- bama, Mississippi und Louisiana werden nach fünftägigem Regenfall ausgedehnte lieber- schwcmmungen gemeldet. Ganze Dörfer stehen unter Wasser Hunderte von Einwohnern muß, ten ihre Häuser verlassen. Sechs Personen sind ettrunkcn Tie Ernteschäden sind groß. Bier Eisenbahnlinien sind gesperrt.

Varis des Ostens.

Schanghai: die leichtsinnigste Stadt der Welt. Der bramnüto abrollende Cblueleukilm lenkt beute wieder aller Augeu «ach de« Ferne« Lite«. Aber wäbrend über Peking die Stnri- welleu des Bürgerkrieges binweggebcu, verstnkt Schanghai schon wieder i« Taumel der Ge- uüffe wie die folgende» Momeutbilber »eigen.

Schanghai hat im Osten den Ruf, die leicht­sinnigste Stadt der Welt zu sein. Diese Reputa­tion verdankt es der Tatsache, daß es Wohl sonst in keiner Stadt zwischen der Abenddämmerung und dem Morgengrauen so viel Gelegenheiten zu Vergnügungen gibt, von denen die meisten in vorgerückter Nachtstunde zu Exzessen ausarten. Alle die verschiedenen Nationalitäten, die auf diesem äußersten Vorposten des britischen Weli- reiches im Osten zusammenströmen, die Englän­der, Schotten, Iren, Australier, Kanadier, Ame­rikaner, Franzosen, Japaner, Italiener, Portu­giesen, Russen, Mongolen, Chinesen werden, wenn die Nacht hereinbricht, von einer wahren Vergnügungswut erfaßt und stürzen sich beden­kenlos in den Strom des Amüsements, das sie von üppigen Banketten zu rauschenden Ball- festen, in Spielsäle und zuletzt in

Opiumhöhlen treibt, wo sie früh morgens

mit schwerem Kopf erwachen. In der Bubbling Wallstreet steht ein Haus, das einem vornehmen Bankgebäude gleicht. Es ist das Ziel vieler Leute, die gut soupiert und dem Champagner- oder Weiugenutz schon reichlich zugesprochen haben. Läutet man an der geschlossenen Pforte, so öff­net ein junger freundlich lächelnder Chinese, der den Gast eintreten läßt. Er fragt, ob man Mit­glied sei. Bejaht man, muß man das Stichwort nennen und erst bann wird man wirklich einge­lassen. Aber in die Räume des Vergnügens ge­langt man noch lange nicht. Man steigt in einen Lift und fährt drei Stockwerke hoch, bann geht man burch ein Labyrinth von Gängen und Zim­mern unb mutz am Ende bes Weges bie eigent­liche Prüfung bestehen. ES wirb bie Identität des Gastes genau festgestellt und erst, wenn diese Frage vollkommen bereinigt ist, wird der Weg in eine Reihe von Sälen freigegeben, in denen mit grünem Tuch überzogene Spieltische stehen. An den Tischen sitzen Ausländer, gewöhnlich Ameri­kaner und Frauen amerikanischer Seeoffiziere, die mit ihrem Schiff auf dem Jangtse stationiert sind. Die Damen sind von der Direktion eingela­den und erhalten unentgeltlich ein feines Diner, das sie aber in wenigen Stunden am Spieltisch zehnfach und hundertfach bezahlen. Chinesische Boys laufen herum und bieten kühle Getränke und Sandwiches an; man darf sich von diesen Sachen nehmen, soviel man will, ja, wenn man Lust hat, bekommt man gratis ein Souper. Hat man sein ganzes Geld verloren, so stellt die Di­rektion ein Automobil zur Heimkehr zur Verfü­gung. Das alles kann sie leisten, denn an ihren Roulettetischen wird die Bank nie gesprengt; alle verlieren^ aber bie Bank gewinnt immer. Selbst­verständlich kann man auch Darlehen wie bei einer wirklichen Bank haben. Besonders die Frauen amerikanischer Seeoffiziere machen von dieser Einrichtung reichlich Gebrauch. Mehrere tausend Dollar werken da mitunter auf einmal verliehen. Es geschieht nicht selten, daß eine von der Spielleidenschaft erfaßte Amerikanerin auf diese Weise die Gage ihres auf dem Jangtse be­findlichen Ehemannes auf mehrere

Monate hinaus verpfändet,

in der Hoffnung, bis zur Rückkehr des Gatten alles zurückgewonnen zu haben, eine Hoffnung, bie sich nie erfüllt. Derartige Vergnügungsstät­ten existieren in ber leichtsinnigsten Stabt des Ostens etwa zwei Dutzend. Und ringsherum ind Kaffeehäuser, Tanzlokale, Klubs und ähn­liche Etablissements in großer Menge, eines ne­ben dem anderen, und sie alle stehen die ganze Nacht bis zum Morgen offen. Im Carlton ober im Palais de Danse findet man hübsche Russin­nen zu Hunderten. Sie sitzen in Gruppen an Tischen und lassen sich für ein bis zwei englische Schilling zum Tanz engagieren. Unter ihnen trifft man auch ab und zu Frauen aus aristokra­tischen Kreisen ober aus Jntelligenzfamilien, bie ein anstänbiges Leben führen unb mit ihrem Hei­nen Einkommen ihren Mann, bem sie Gelb in ein fernes Land nachschicken, erhalten. Den Ab- chluß einer nächtlichen Bummelei bildet sehr oft der Besuch einer Opiumhöhle im Chinesenviertel Tschapei. Auch dort muß man seine Identität Nachweisen, bann wirb man durch bunkle feuchte Gänge unb über Höfe geführt, bis man in einem Raum lanbet, in bem an ben Wänben entlang