Kasseler Neueste NaWtm
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Mittwoch, 6. Juni 1928
18. Jahrgang
Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig
Nummer 132. Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig
D't Hadelet Neuesten »Mricbttn erscheinen wöchentlich sechsmal aochminaaS Der ÄbvnnementLvrels beträgt für bett Monat 8.20 X bei kreier Zustellung tna Hau» in der <Ses-däii»si«Ue abgedolt i.~ X. Durch die Post monatlich 2.20 X auoschliestl'ch 3ufleUitng1-«ebübi. ^ernlorelder 851 und 852 Äür unoerlangl e ngeianbre ötiträge kann bte 2fekift*on ein« Verantwortung oder Aewäbr in ke'nem iSalle übernehmen :>!ück,ablung d«S verug-aelde» ober gnfvrllche wegen e^waigei nicht ordnungsmäßiger Oiekerung ist auSgelchlosten — PofNlbkckkonw drank'iin o M Nummer «SW Einzelnummer 10 A TonntagSnitmmer 20 A
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Müsski'-Gevei'lng Kanzlei' und Minister?
Bogel Strauß.
Verschntelzung der lieberale» Parteien? — Die große Koalition noch immer Favorit.
Ms erste der Geschlagenen vom 20. Mai haben sich die führenden Köpfe der Zentrumspartei eingehend und mit aller nur wünschenswerten Gründlichkeit, über die Ursachen und Gründe unterhalten, die zu den bekannten Stimmenverlusten führten. Man begnügte sich damit aber nicht, sondern beschloß dieser Erscheinung völlig auf den Grund zu gehen, sie eingehendst zu studieren und auf einen Parteitag freimütig zu erörtern. Im liberalen Lager hat man sich zu einem derartigen Entschluß noch nicht aufgerasft. In der Deutschen Vollspartei ist es ganz still geworden und die Wirtschaftspartei ruht auf ihren Lorbeeren aus. Im demokratischen Lager tastet man unsicher und unruhig nach neuen politischen Wegen. Zunächst kamen Anregungen über die Zweckmäßigkeit der liberalen Vereinigung, des Zusam- men-schluffes der Deutschen Vollspartei und der Demokraten und der sofortigen Herstellung einer Arbeitsgemeinschaft beider Parteien im Reichstag und in den Länderparlamenten. Auch einige großen liberalen Zeitungen, die der Deutschen Vollspartei nahestehen, beteiligten sich an dieser Aussprache und setzten sich lebhaft für eine Annäherung und Verschmelzung der liberalen Gruppen und Parteien ein. Die demokratische Großstadtpreffe fand an diesen Auseinandersetzungen wenig Gefallen.
Ms dann zu Pfingsten der demokratische Preffekönig Berlins, Theodor Wolff, die Idee einer großen republikanischen Partei zur Erörterung stellte, entbrannte sogleich hierüber eine gründliche Aussprache. Sie ist gegenwärtig noch mitten im Flusse. Mit Recht wird ihr darum besondere Beachtung geschenkt, weil diese republikanische Partei zunächst einmal ihren Boden durch eine gründliche Klärung der Ideen in der Oefentlichkeit vorbereiten will. Sodann pflegte allseits lebhaft bemerkt zu werden, daß angeregt wurde, Männer von dem Formate Dr. Stresemann und Dr. Wirths sollten in dieser großen republikani- schen Partei führend zusammenarbeiten. Schließlich wurden die näheren Erläuterungen zu diesem Vorschläge in der Oeffentlichkeit lebhaft vermerkt, die in den letzten Tagen im Berliner De- mokratenorgan erschienen. Hellmuth v. Ger- lach ist von diesem Vorschlag auf Grund seiner eigenen Erfahrungen mit Parteigründungen nicht sonderlich erbaut. Er weist darauf hin, daß bei den Maiwahlen des JahreS 1924 schon einmal der Versuch der Gründung einer republikanischen Partei gemacht wurde, aber kläglich Schiffbruch litt.Alle diese Dinge lassen sich hören und in aller Oeffentlichkeit erörtern. Ungleich zweckmäßiger wäre es indessen, wenn man sich im liberalen Lager entschließen könnte, die tieferen Gründe der Stimmenverluste vom 20. Mai mit dem nun einmal erforderlichen Freimut öffentlich zu besprechen. Wie die liberale Partei England infolge ihrer Zusammenarbeit mit den Konservativen zur Bedeutungslosigkeit verurteilt wurde, so wollen jetzt führende Demokraten die Schuld am Parteiverfall darin erblicken, daß der Trennungsstrich nach links nicht scharf genug gezogen worden sei, wie ihn z. B. der Hamburger Bürgermeister Petersen für notwendig hielt. Jedenfalls klaffen die Ziele und Programme der Antipoden in Volks- und Demokratischer Partei noch so weit auseinander, daß sie wohl noch ernstere Wahllehren werde» hinnehmen müssen, ehe die schüchternen Liebesbezeugungen der Hellsichtigen sich zum festen Bündnis werden verdichten können.
Ueber die Regterungsaussichten selbst ist zu sagen, daß noch immer die Bildung der sogenannten großen Koalition im Vordergrund steht, sodaß man ihre Chancen, wenn man sie nach englischer Sitte in die Proportion einer Wette kleiden wollte, etwa mit 90:10 zu bewerten wären Da die anderen für die Koalition in Betracht kommenden Parteien ihr« Führersitzun- gen erst auf diese bezw. nächste Woche einberufen haben, so ist also vorläufig eine weitere Klärung des noch unsicheren politischen Bildes nicht zu erwarten. Von entscheidender Bedeutung ist natürlich vor allem die Haltung der Deutschen Volksvartei, in der der Wille zur großen Koalition, verkörpert durch die Person ihres ersten Vorsitzenden Dr. Stresemann, und die Abneigung einer formellen Bindung an die Sozialdemokratie sich ungefähr die Wage halten. Der Kampf dieser beiden Gruppen, von dem man in der Oeffentlichkeit weüig spürt, ist vermutlich unter der Oberfläche um so heftiger. Nicht ohne Einfluß auf die schließliche Entscheidung der Partei dürfte auch die Hamburger Stahlhelm-Botschaft sein, deren außenpolitischen
Lhinaö Golöatknkaiser tot?
Das Schicksal schreitet schnell. — Den Ver letzungen beim Zugattentat schon erlegen.
London, 5. Juni. (Eigene Drahtmeldung) Wie aus Peking gemeldet wird, ist Tschangtsolin, der » erste Kriegsherr der Mandschurei, seinen Vertetznngen erlegen, di« «r bei dem gestrigen Attentat auf den Zug bei seiner Flucht von PeRng nach Mulden erlitt.
eine ziemlich schwere Äo: zahl Gendarmen wurde,
zahl Gendarmen wurde getötet oder verwundet, hen. die ganze Stadt zu besetzen, wenn die japan- Zahlreiche Personen aus dem Gefolge u. a. der s feidliche Haltung der Bevölkerung weiter anhält.
Unruhen gegen Japan?
Tokio, 5. Juni. Nach dem Ttschangtsolin- Attentat hat die antijapanische Agitation auch in der Mandschurei starke Zunahme erfahren Tschangtsolins Freunde nahmen an, daß das Attentat ans Japaner zurückzuführen ist. Die Javaner in Mukden find in der Konzession zu sammengetricben worden, da man chinesischen Ansschreitnngen gegen die Japaner befürchtet. Die japanischen Truppen haben auch das zwischen dem Konsulats-Viertel und der japanischen Konzession gelegene Stadtgebiet besetzt und dro-
Schneller als gedacht hat den gelben Sol- datenkaifer, dessen romantische Abenteuerlaufbahn wir hier erst in der letzten Sonntagsnummer schilderten, sein Verhängnis erreicht. Die Bomben auf seinen Salonzug, mit dem er nach Mukden entfloh, waren gut gezielt. Ein Splitter traf das Diktatorhaupt, dem schon ein paar Stunden später der letzte Atemzug entfuhr. In Kürze wird sich die Hauptstadt des Landes in den Händen der nationalen Bewegung befinden. Das bisherige System zweier chinesischer Regierungen, von denen Die eine in Peking von dem Völkerbund in Genf anerkannt wurde und bei ihm vertreten war, die national« Regierung in Nanking dagegen für ihn nicht bestand, kommt damit in Wegfall China dürfte damit nach außen hin seine
nationale Einheit wieder hergestellt haben. Die Frage, die jetzt von den siegreichen Generälen der nationalen Bewegung beantwortet werden muß, ist die, ob sie unter sich einig sind, die erkämpfte Einheit des chinesischen Reiches gewährleisten und eine Regierung einzusetzen gewillt sind, die über das erforderliche Ansehen im ganzen Reich verfügt. Nicht minder kritisch und bedenklich stimmt das Vorgehen der Japaner ans chinesischem Boden. Die Besetzung der Provinz Schantung, die Befestigungsanlagen der Japaner in Tsingtau und die militärischen Vorbereitungen, die sie in Peking trafen sind gefährliche llnternehmungen, die zu ungeheuren politischen Komplikationen führen können
Auf -er Todesbrücke.
Bvim Zugattentat schwer verletzt. — Sein Gouverneur tot.
London, 5. Juni. In der Mandschurei wurde die kurz vor Mukden gelegene Eisenbahnbrücke durch eine Höllenmaschine in die Luft gesprengt, i« dem Moment, als der Zug mit Tschantsolin passierte. Bier Wagen wur- den zertrümmert. Der Marschall selbst erlitt
japanische Militärattache« wurden z. T. schwer verletzt. Der Salonwagen Tschangtsolins wurde vollständig zerstört. Die Leibwache eröffnete sofort das Feuer nach allen Richtungen, und es wurden einige japanische Streckenwärter verletzt. Diese erwiderte» das Feuer, das etwa 40 Minuten dauerte. Man befürchtet Unruhen gegen Japan.
Tokio, 5. Juni. Nach einer Meldung aus Mukden ist Gouverneur Matschungscheng seinen bei dem Bombenanschlag aus Tschangtsolins Zug erlittenen Verletzungen erlegen. Die Rach richt seines Todes wird aber geheim gehalten, damit di« Moral der Truppen in Heilungkiang nicht gefährdet wird. Marschall Tschangtsolins Befinden ist ernst.
London, 5. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Die erste amtliche Bestätigung des Bombenanschlags gegen Tschangtsolin besagt, daß chinesische Soldaten in Zivil kurz vor der Einfahrt in Mukden Bomben auf den Sonderzng warfen. Die Bomben sprengten den elften der zweiundzwanzig Salonwagen in die Luft und setzten die nächsten vier in Feuer, die völlig ausbrannten. Nach dem Attentat wurde ein Anzahl verdächtiger Personen verhaftet und zwei von ihnen wurden erschossen. Auch mehrere höhere Beamte in Mukden sollen verhaftet worden sein. Nach japanischen Ansicht sind die Bomben russischer Herkunft.
* *
Mukden stark erregt.
Das Haus der 500
Neue und alte Gesichter im Reichstag.
tigeu und di« Parteiveteranen. Das Sitten« «ablreckt, unter besten Herrschaft sich die Mandate wie eine ewige Krankbeit fvrterben, bat wieder einmal über bett Willen der Nation gesiegt und das grobe Revirement in der deutsche« Volksvertretung verbiudert. Ein Blatt lLtzt die neuen Prominente» Revue passiere«.
Selten genug, daß hie und da ein neuer Kopf auftaucht. Einer von dem die ältest. Theba- ner fragen, wer er eigentlich ist. Denn auch die neuen Männer sind durchweg alterprobte Politiker. Da ist Herr Hermes, der rheinische Bauerndoktor. Vor seinem Debüt im Reichstag hat er schon so ziemlich alle Stationen int Leben des Politikers durchgemacht. Er war Reichser- uährungsminister und Reichsfinanzminister, er war Führer der Landlagsfraktion, Delegierter des Reiches bei den schwierigsten Handelsvertragsverhandlungen, Vertrauensmann der rheinischen Bauernschaft, er war sogar in einen Prozeß verwickelt, aus dem er übrigens glänzend rehabilitiert hervorging, kurz und gut, er hat die niederen und die höheren Weihen des Volksvertreters alle empfangen. Das schlaue und immer sehr zufriedene Lächeln, das in seinem Gesicht eingraviert steht, ist in allen deutschen Gauen berühmt. Keiner weiß, was sich
hinter diesem Lächeln verbirgt.
.,A biflerl a Liab und a bifferl a Treu und a ' bisserl, a Falschheit is a dabei", sang der Wiener Volksliedersänger. Der andere neue Mann im Zentrum ist genau das Gegenteil vom rheinischen Weltkind, das Hermes heißt. Weltabgewandt und beinahe faustisch, der Gottsucher unter den Diätenempfängern, wird dieser Dr. Sonnenschein sein. Möglich, daß dieser neue Mann nicht ganz in das Milieu hinein, passen wird, in das er gewählt wurde. Aber wir würden uns freuen, wenn unter fünfhundert — man kann auch sagen: Köpfen nur einer ist, in dem ein Herz schlägt. Und wer da meint, das Herz sei kein parlamentarischer Gebrauchs» gegenstand und die Routine sei viel wichtiger, mag sich darüber freuen, daß auch Reichsfinanzminister Köhler, der bisher kein Mandat hatte, nunmehr ins hohe Haus einzieht. Uehri- gens zieht auch der Amtsvorgänger des Herrn Köhler in den Reichstag ein. Der Bonvivant der deutschen Politik, Dr. Peter Reinhold, der einmal der jüngste Minister Deutschlands gewesen sein dürfte, und noch früher der jüngste Zeitungsverleger und überhaupt
Wo sie öle Italia suchen.
Flieger Holm mit Begleitung nach der Amfterdaminsel unterwegs.
KingSbay, 5. Juni. Die „Hobby" ift mit einem Wasserflugzeug, Leutnant Holm, vier' Italienern,Hunde» und deren Führern an Bord nach der Mosselbay via Amsterdaminsel ausgelaufen. Das Schiff ist mit einer Radioanlage versehen. Es wird voraussichtlich Donnerstag oder Freitag zurückkehren. Man glaubt, daß es möglich sein wird, das Wrack der Italia" vom Flugzeug aus zu sehen, da es lange nicht mehr geschneit hat. Das Hilfsschiff „Eita de Milano" fendet all« halbe Stunde Funksprüche aus, die Nobile, fall« er noch über einen Empfänger verfügen sollte, über alle Hilssmaßnahmen unterrichten können. Die Stimmung der Italiener ist sehr gedrückt, doch geben sie die Hoffnung auf eine Errettung der Italia-Mannschaft noch kei
neswegs auf. Drei Robbenjäger wurden an Land gesetzt, die die Halbinsel Reufriesland durchsuchen sollen.»
Amun-sen macht den Schluß.
Wenn kein anderer Nobile findet.
Mailand, 5. Juni. Wie ein Blatt auS OSlo erfährt wird die Expedition Amundfen erst ausbrechen, wenn die ersten Recognozierungsflüge mit Holm und Larsen di« Notwendigkeit erweisen, die Nachforschungen auf das Rordostland und daS Franz-Josephsland auszudehnen. Außerdem bereitet der bekannte Geograph Major Jfachsen eine Expedition vor.
Bemerkungen Stresemanns Organ als eine .anmaßlicke Kritik" zurückweist. Man geht wohl nicht fehl, wenn man hinter diesen deutlichen Worten den Einfluß des Außenministers Stresemann selbst vermutet, dem die unliebsame Einmischung des Stahlhelms in seine von der überwiegenden Mehrheit des Volkes gebilligte Führung der Außenpolitik den Kampf gegen die der großen Koalitton widerstrebenden Elemente in seiner Partei so wesentlich erleichtert.
Auch in der Sozialdemokratie ringen rechter und linker Flügel heftig um das Uebergewichi. Wenn aber schon heute der Führer der links eingestellten sächs. Sozialdemokratie, Flerßner, anerkennt, daß die große Koalition der Politischen Lage entspreche und daß «ine vorübergehende Regierung mit den Bürgerlichen von den hinter der Sozialdemokratie stehenden Massen als zweckmäßig angesehen werde, so ist es wohl kaum zweifelhaft, daß der Kölner Beschluß den Vorstand ermächtigen wird, wenn auch mit gewissen Voraussetzungen in Ver
handlungen über die groß« Koalition einzu- treten.
* * *
Der Entscheidung nahe.
Müller-Severing werden vorgeschlagen-
Berlin, 5. Juni. (Funktelegramm.) Nach den Beratungen deS sozialdemokratischen Par- tri-Ausschusses, der morgen in Köln zufammcn- tritt, wirb der B. Z. zufolge Hermann Müller-Franken vorauSfichtlich am Frei- tag dem Reichspräsidenten Über die Emschei- dnng seiner Par.ei-Jnstanz Bericht erstatten. Das Blatt will wissen, daß eine Betrauung des Abg Müller-Franken etS Reichskanzler kaum mehr in Frage gefteHt und daß Severins für das Amt des Reichsinnenministers in Aussickfl genommen ist.
7teUft«tao«er0ffnuno am 13 Sunt.
Berkin, 5. Juni. (Funkdienst.) Der neue Reichstag wurde zum Mittwoch, den 13. Juni, nachmittags 3 Uhr, einberufen.
unser politisches Wunderkind.
Er ist sehr gescheit und sehr gut angezogen und nicht viel weiter links gerichtet, als es unbedingt zum guten Ton gehört, und hat alle seine Wahlversprechungen, Steuerermäßigungen und ähnliche Gottesgaben mehr schon zwei Jahre vor seiner Wahl, eben zur Zeit seiner Minister- schast, eingelöst. Begreiflich, daß der deutsche Steuerzahler Herrn Dr. Reinhold als eine neue Hoffnung begrüßt. Wenn der erst wieder Reichsfinanzminister sein wird! ... Obwohl er in den Reihen der eigenen Fraktion mit einem sehr ernsthaften Konkurrenten zu rechnen haben wird. Mit Georg Bernhard» dem neugebackenen Vertreter des Geistes von Potsdam und nebenbei schärfsten Geiste, einem derer, die heute in Deutschland Weltgeschichte machen. Auch einer, der als Hausherr ins Reichsfinanz- mmisterium passen würde. Und wenn irgendein Kulturministerium zu vergeben sein wird, siebt ein sehr ernst zu nehmender Kandidat ebenfalls unter den neuen Männern der deutsch- demokratischen Partei zur Verfügung: Dr. Willy H e l l p a ch, ehemals Staatspräsident von Baden, derzeit Idealist und philosophischer
Forscher, Arzt und Soziologe,
Polyhistor der Polifik. Abwarten, ob er sich in den rot ausgeschlagenen Wandelhallen des Wal- lot-Baues so besonders wohlfühlen Wirb. Hier- her gehören vielleicht etwas robustere Männer. Der „tolle Mullah" wird hier Gelegenheit haben, sich auszutoben: Seine Erzellenz der General v. Lettow-Vordeck, der die Aufgabe haben wird, hier mit den Sözen fertig zu werden, wie er sich vor ein paar Jahren mit Hereros und Askaris und nebenbei noch mit dem bißchen britischen Weltreich herumschlug. Auch damals stand er mit einer Handvoll Männer gegen eine ganze Welt. Heute, im Reichstag, dem er nun angehört, sind die Mehrheitsverhältnisse ähnlich verteilt. Ob et sich u.ib die Seinen her- ausschlagen wird? Fraglich, ob der „tolle Mullah" auf Schützenhilfe zu beiden Flanken rechnen kann, obwohl rechts und links, ebenfalls unter den neuen Männern, alte Kampfgefährten