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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessssche Abendzeitung

18. Jahrgang

Donnerstag, 31. Mai 1928.

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.

Nummer 127

Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Vie sich Spanien mausert / Mator-Mkklrikt?

werden kann.

austrägt als das Leben der Völker.

sein, ob auch die

posten abgelehnt, nähme geneigter Stadtetat ist von nur nach starken

Diesmal dürste er zur Ueber- sein. Sein letzter Kölner den Kölner Stadtverordneten Abänderungen angenommen

lich erschwert, besteht die Absicht, auf dem LandwegeeineHilfsexpedition aus­zurüsten. Ein aus zehn Hunden bestehendes Ge­spann soll von erfahrenen Leuten geführt wer­den. Gleichzeitig besteht die Absicht, eine weitere Expedition unter Führung beS alten Polar­forschers Soerdrup auszurüsten.

St. Sebastian stattfindet, von den Regierungsge­schäften zurücktreten. Er schlägt als seinen Nachfolger dem König den gegenwärtigen Ar­beitsminister vor. Dieser würde zunächst ein Uebergangskabinett leiten, das der Rückkehr der konstitutivnellenRegierungals Bor-

Das Eheglück geht vor. Diktator-Rücktritt. Ein neues Spanien. Paris, SO. Mai. Rach Meldung aus Madrid (schon gestern in den Kasseler Neuesten Nachrich- tven angedeutet, die Red.) wird Primo de Rivera

rungsform einleben müssen.

Jugend ihre Gesetze anders reise Alter, so ist es auch ui

Man darf nun gespannt

Ueberflüssiger Stolz.

Die Faschisten habe« Norwegen nicht nötig.

Oslo, 30. Mai. Die italienische Regierung ließ die norwegische Regierung bitten, von einer Hilssexpedition abzusehen, da sie s e l b st dies­bezügliche Maßnahmen erwäge. Diese uner­wartete Antwort wird von der norwegischen Preffe als eine Kränkung angesehen.

OSlo, 30. Mai. (Durch Funkspruch.) Weder dieEita di Milano", noch irgend eine Radio­station haben ein Lebenszeichen von dem Luft­schiff auffangen können.

Parteibürokratie den Zeiger der Zeit zu deuten versteht und ihrerseits \3) nicht dem widersetzt, was im Werden begriffen ist. Es wird natür­lich schwer halten, die nötigen Entschlüsse zu fas­sen und die Selbstbeherrschung aufzubringen, unter Umständen eine Parteiexistenz zu vernich­ten, um den großen Zuge der Entwicklung nicht zu stören. Ueberlebtes kann man nie halten. Man sollte sich daher, nach dem bekannten Wort darauf einstellen, es zu stoßen. Es hat natür­lich wenig Sinn, diese Lehren auf die eine oder andere bestimmte Partei zu exemplifizieren. Es geht um das große Ganze und wenn dieses Große und Ganze gefährdet werden soll, so mutz man sich mit den großen Linien befasien und darf nicht an Symptomen herumkurieren. Hof­fentlich vollzieht sich der Umschichtungsprozetz in einer Form, die dem deutschen Volke zum Nutzen ist. Die Vogel-Strauß-Politik hat gegenwärtig keinen Zweck mehr. Dadurch, daß man den Kopf in den Sind steckt, hemmt man das nicht mehr, was sich elementar zu vollziehen begvnnen hat.

bereitung dienen soll

Wie verlautet, beabsichtigt Primo de Rivera, einen 2jährigen Erholungsurlaub zu nehmen.

Sm unheimliches Modevad

Paris, 30. Mai. (Eigene Drahtmeldung. > In einer Villa im Seebad Touquet am Aermel- kaual, wo erst vor kurzem eine Engländerin er mordet wurde, ist ein schwerer Einbruch verübt worden. Hierbei wurden einem Industriellen Schmuckgegenstände im Werte von 600 000 Fran­ken gestohlen.

Schärfe genommen, wie er sich besonders dort abspielt, wo die Völker sich erst in diese Regie- Gerade wie die

Ai-Patrouillen suchen die Italia.

Vom Hilfsschisf im höchsten Norden ausgesetzt. Was werden die kühnen Retter finden?

Äug der Seit.

Das Zwei-Parteiensystem drängt sich aus.

Zettgrwätze Wahllchren.

Wir haben an dieser Stelle schon bei Aus­wertung der letzten Wahlergebnisse auf die Krisis im Parteileben hingewiesen und der Sehnsucht der Massen Ausdruck gegeben, auf neuen Wegen zu neuen Zielen zu gelangen, die ja auch über eine Million Wähler zu den Splitterparteien hinübergedrängr hat. Von verschiedenen Seiten hat die darüber einsetzende Diskussion dies Pro­blem jetzt aufgegriffen und die Behauptung wäre falsch, daß letzten Endes ledig­lich eine Ausdeutung schlechter Wahlerfolge diese Aussprache heraufbeschworen hat. Die deutschen Wähler haben in ihrer Gesamtheit bekundet, daß das deutsche Partetwesen sich tanzen- trieren möge. Sie haben sich mehr und mehr von den kleinen Parteien abgekehrt und sind zu den großen Parteien übergegangen. Daran än­dert auch die Tatsache nichts, daß eine Reihe von Wählern unter den kleinen Parteien etwas ta­stend herumsuchten. Der Schaden, der diesen Parteien erwuchs ist dadurch nicht verhindert worden. Im Grunde sagt uns diese Strömung im deutschen Volke nichts anderes, als daß die wirre Zeit nach dem Kriege jetzt endgültig liqui­diert zu werden scheint und daß das deutsche Volk allmählich zu verstehen lernt, wie allein eine bessere Auswertung des Regierungssystems, das uns die Revolution gebracht hat, ermöglicht werden kann.

Verschiedene Parteien sind heute, nachdem sie, rein theoretisch gesprochen, ihre Mission erfüllt haben, von neuen Parteien so gut wie abgetöst worden. Auch diese Neugründungen sind nicht des Rätsels Lösung, die Zukunft wird den gro­ßen Parteien gehören, die gewissermaßen die Träger des Staatsgedankens nach der einen oder anderen Richtung hin sind. Mehr oder weniger kann diese ganze Umschichtung nur dahin führen, daß so etwas ähnliches wie das in anderen par­lamentarisch regierten Staaten entstandene .Schaukelsystem auch bei uns sich heraus­bilden. Dieses System besteht bekanntlich darin, daß zwei große Richtungen, eine mehr links und eine mehr rechts eingestellte, sich in der Regie­rung teilen, indem abwechselnd die eine am Ruder sitzt und die andere als Oppositionspartei jeden Tag vor der Notwendigkeit stehen kann, selbst das Rude in die Hand zu nehmen und den Beweis ablegen zu müssen, ob man nicht nur mit Worten es besser zu machen versteht. Dieses starke Verantwortungsbewußtsein, das sich darin ausdrückt, hat dem politischen Kampfe die

Unter dem Negierungs-Alp

Mehr Staatsbewusstsein bei den Verantwortlichen! Echte Micheleien. Wie muss die Grosse Koalition aussehen? -- Berlin als Vorbild für die Länder.

ßen Koalition nicht besonders erwünscht erschei­nen. Sie ist aber nicht in der Lage, allein oder mit Hilfe der Kommunisten eine Reichsregierung zu erstellen, sondern aus die großen bürgerlichen Parteien der Mitte angewiesen, wenn sie die Führung im neuen Reichskabinett überneh­men will. Diese haben daher bei der Regie­rungsbildung ein entscheidendes Wort mitzusprechen. Die Wählerschaft wird also schon in den nächsten Tagen prüfen können, wo das Verantwortlichkeitsbewußtsein sitzt und wo die politischen Drückeberger sich befinden. Die Fra­ge ist keineswegs gleichgültig, denn von der aktiven Mitwirkung sämtlicher Parteien der Mitte hängt die Ausarbeitung der Richtlinien für das kommende Reichskabinett ab. Und trotz allen Abscheus vor den berüchtigtenRicht­linien":

ins Leben tritt. Für unser politisches Innen­leben wäre damit'viel gewonnen. Mit den Rei­bereien zwischen Preußen, und dem Reiche einer­seits und Bayern und dem Reiche andererseits könnte dann schnell und gründlich Schluß ge­macht werden. Auch würde der heitzumstrittene ! Finanzausgleich wesentlich vereinfacht werden.

da sie nur so in der Lage ist, mitzusprechen und mitzuentscheiden. Staatspolitisches Ziel ist dem­gemäß eine große Koalition im Reiche, die sich zusammensetzt aus Sozialdemokraten, Zentrum, Deutsche VoUspartei, Demokraten, Wirtschafts­partei und Bayr. Volkspartei. Der Sozialdemo­kratie mag eine derartige Ausgestaltung der gro-i 5

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Ohne Aktionsprogramm "ht es nicht.

Ist im Reiche einmal eine Einigung erzielt, dann dürfte es nicht schwer fallen, aus ihr die naheliegenden Folgerungen für die Länder, vor­nehmlich für Preußen zu ziehen, zumal die Rücksichtnahme aus Preußen von vornherein die Verhandlungen zwecks Bildung einer Regie­rungskoalition im Reiche wesentlich beeinflußte. Auch in Preußen ist die große Koalition, wie wir sie oben näher schilderten, am Platze. Dabei soll nicht verkannt werden, daß hier besondere Schwierigkeiten zu überwinden sind. Rein staatspolitische Erwägungen lassen es als über­aus wünschenswert erscheinen, daß auch bei den Regierungsbildungen in Bayern und Oldenburg dieser Sachlage Rechnung ge­tragen und eine möglichst

umfassende Gleichartigkeit der Regierungen

Kingsbay, 30. Mai. (Funktelegramm.) Der wieder zurückgekehrte Hilfsdampfer Cita di Mi­lano stieß bei der Roten Bucht, bei einer nördli­chen Breite von 79 Grad 55 Min. auf eine un­überwindliche Eisstrecke, die zur Umkehr zwang. Bei der Rückkehr wurde gegenüber der Dänenin­sel, an der Küste von Spitzbergen eine aus vier Alpinen bestehende Skipatrouille, unter Führung eines Ortskundigen auf die Suche nach dem ver­missten Luftschiff ausgeschickt. Die Patrouille ist für einen längeren Marsch ausgerüstet und wird sich vorläufig durch die Jagd ernähren. (Siehe auch Bilder und Text auf der Innenseite der heutigen Ausgabe der Kasseler Neuesten Nach­richten. Die Redaktion.)

* * * Ob sie nicht zu spat kommen?

Zwei Hilfs-Expeditionen umchen sich fertig.

Oslo, 30. Mai. (Funktelegramm.i In Spitz­bergen, wo noch immer starker Schneesturm herrscht, der alle Hilfsmassnahmen ausserordeni-

Wer wird's?

In der Galerie der Winisterkandidate«.

Die bereits angedenteten Prognose« über bte bevorstehende Regiernngsbildnng ergänzen wir beute durch bte recht unterbaltsumen nab charak­teristisch«« Ausblicke eines Eiugeweibteu. die einige her neue« und alten Minifterkanbibate« immerhin scharf beleuchten.

Aus der Einweihungsfeier der Prefla sah man sie zusammensitzen, die preußischen Mini­ster Schmidt, Grzesinski und Braun, alle drei vom gleichen Typus, breit, kräftig mit dem Stiernacken, den alle kräftigen Männer haben, die den ganzxn Tag am Schreibtisch sitzen und sich keine Bewegung machen. Sie sehen sich auch insofern ähnlich, als alle drei große Schädel, prägnante Nasen und dicke schwarze Augen­brauen haben. Ganz anders Adenauer, Kon­rad I., der ungekrönte König nicht nur Kölns und der Rheinprovinz, sondern auch von Preu­ßen, dessen Staatsrat er präsidiert. Er ist trotz seiner fünfzig Jahre schlank und fit, wie der Engländer sagt. Freilich wirkt sein Kops we­gen seines kleinen Umfange- und seiner runden Form, vor allem aber durch eine zu kleine Nase unbedeutend. Doch wenn man ihn näher beob­achtet, sieht man, welch merkwürdige Augen er hat, chinesisch geformte blaugraue Schlitzaugen mit dem buddhistischen Ausdruck stärkster inne- rer Sicherheit und Harmonie. Und nun weiß man, warum Adenauer aus kommunalpoliti­schem und organisatorischem Gebiete soviel lei­ten kann. Da sitzen sie nebeneinander, die bei­den Favoriten für oen Reichskanzlerposten,

Otto Braun und Konrad Adenauer.

Gelegentlich früherer Kabinettskrisen oder Neu­bildungen hat Adenauer den Reichskanzler-

£os vom rveltkriegshatz!

Wie Coolidge dafür plädiert.

Washington, 30. Mai. Präsident Coolidge wird seine Rede zum Gedanktag an die Gefalle­nen nicht am Grabe des unbekannten Soldaten sondern auf dem Schlachtort von 1863 Gettys- burg halten. Durch die Verlegung des OrteS für seine Rede will Coolidge nicht mehr an die Sriegstaten des Weltkrieges erinnern, sondern für eine baldige möglichst sichere Garantierung des Weltfriedens plädieren.

Die »adelet «eueften WadirWen erf»einen ro6»entit» iechSwal nachmittags. Der Abonnementßvreis beträgt tot den Monat 2.20 jt bei freier SnfteOnne ins HauS. tn bet SelchäitSItelle abgebolt 2 - * Durch bte Poft monatlich 2.20 Jl ausichliebltch ZuftellunaSaebüdt. fternfprtdxt 951 nnb 952 unverlangt e:nae>anbte Beiträge kann bte Redaktion ein« Verantwortung ober Gewähr in keinem frade übernehmen Rückzahlung be» vemgsaelbe» obe* «nlvrüche wegen etwaiger nicht otonungSmähtger Lieferung ift auSaetoloden. Postscheckkonto Frankfurt a M Nummer 88*1 Einzelnummer 10 A SonntaeCnnmmer 20 A

Was fällt den Franzosen ein!

Gewerkschaftsprotest gc n eie Sünder am Rhein. Sie ruinieren den Arbeiter.

Berlin, 30. Mai. (Eigener Informations­dienst.) Die neugewählten Volksverantwort­lichen werden hoffentlich die Schadenfreude und das Gespött der Unzuftiedenen vom 20. Mai und des Auslands durchkreuzen, die schon für die nächste Zukunft mit neuen Wahlen rechnen. Bekanntlich bleibt uns kaum eine andere Lösung als die Große Koalition übrig, unter der man ein Zusammenziebcn der Parteien von der Deutschen Volkspartei bis zur Sozialdemokratie verstand. Die Bayerische Volkspariei pslex e da­bei allerdings ihre eigenen Wege zu gehen. Auch die Wirtschaftspartei, die bisher jede verant­wortliche Mitarbeit im Reiche und in Preußen ablehnte, war nicht dabei. Kann das so weiter­gehen? Wir möchten diese Frage verneinen. Im neuen Reichstag verfügt die Sozialdemokratie allein über 152 Mandate. Das Zentrum besitzt 61, die Volkspartei 45, die Demokraten 25 und die Bayrische Volkspartei 17 Mandate. Würde die Bayrische Volkspartei sich an der großen Koalition nicht beteiligen, so stünden den 152 sozialdemokratischen Abgeordneten in der Koa­lition nur 131 Abgeordnete der genannten Par­teien gegenüber. Die Sozialdemokraten würden also im Reichstag und im Kabinett über die Mehrheit verfügen. Dieses Verhältnis würde sich zu Gunsten der Mittelparteien sofort ver­schieben, wenn die 23 Abgeordneten der Wirt­schaftspartei sich entschlössen, in die Koa­litionsgemeinschaft einzutreten. Die Wirt­schaftspariei gehört zu den Siegern vom 20. Mai. Sie hat daher berechtigten Anspruch auf Mitregierung. Sie hat überdies ihren Wählern gegenüber die

Pflicht, an verantwortlicher Stelle mit­zuarbeiten,

Berlin, 30. Mai. Der Gewerkschaftsausschuß am Tage seiner Hochzeit, die am 15. August in hat sich dem Kabinett gegenüber erregt über den ~*

Einspruch der französischen Besatzungbehörden gegen die Erwetterungsbauten des Bahnhofs Rüsselsheim geäußert. Durch diesen Einspruch werbe die Unsicherheit der Industrie im besetzten Gebiet wieder aufs neue wachgerufen und damit eine Schädigung der Industrie mit den vielen Tausenden von Arbeitern herbeigeführt. Das Ministerium wird um Schritte ersucht, dass der Bau des Bahnhofs ungehindert weitergeführt

worden und diese sind gerade von der stärksten Partei des Stadtparlaments, dem Zentrum, der Partei Adenauers, durchgesetzt worden. Zehn Tage später. Die Wahlresultate sind bekannt. Prognostiker, Propheten marschieren auf. Die S. P. D. ist seit 1924 staats- und realpolitischer geworden. Sie wird sich diesmal nicht mehr von der Regierung ausschließen. Kandidaten für den höchsten Posten im Reich sind der Preu- ßische Ministerpräsident Otto Braun und der frühere preußische Innenminister Severing. Beides Männer von starker Willenskraft, Ge- schick und Können. Braun hat die größere Ener­gie, Severing den feineren Kops. Das gleicht sich aus, aber in einem ist Braun eine Pferde­länge voraus, er genießt das freundschaftliche Wohlwollen des Reichspräsiden­ten, der ihn vor allem als Menschen schätzt. Beide haben sich aus dem Gebiete der Jagdpas­sion gefunden als Jagd na chbarn am Wer­bellinsee und in Hubertusstock kennen und schätzen gelernt. Aber wird die S. P. D. Otto Braun als Ministerpräsident in Preußen ent­behren wollen? Wird sie und die große Koa­lition die Vereinigung des Reichskanzlerpostens mit dem Posten des preußischen Ministerpräsi­denten für zweckmäßig halten? Als bürger­licher Kanzler hat zweifellos Adenauer die meisten Chancen. Er würde als Vertreter der zweitgrößten Partei der Koalition in Betracht kommen, falls die S. P. D. den Kanzlerposten nicht haben will. Man weiß, daß er klug, ge­schickt und energisch ist. Der Volkspartei wer- den die bisherigen Kabinettsvertreter, der Außenminister Stresemann und der Reichs- wirtschastsminister Curtius, der wegen seiner sreihändlerischen Einstellung große Sympathien bei der Linken genießt, gewiß belassen werden. Freilich wird Herr

Stresemann mindestens sechs Monate ausspannen

müssen. Solange aber kann dies zurzeit wich­tigste Portefeuille im Reiche nicht verwaist blei­ben. Man spricht davon, daß Hermes, der schon einmal mehrere Jahre hintereinander als Ernährungs- und Finanzminister im Reichs­kabinett saß, das Auswärtige Amt als Reichs­minister ohne Portefeuille bis zur Genesung Strefemanns leiten würde. Seine verhängnis­volle Rolle in der Inflation hat man vergessen, sein großes Sprachtalent, seine Erfolge aus der internationalen Wirtschaftskonferenz in Genf und seine als Leiter der deutsch-polnischen Han­delsvertragsverhandlungen bewiesene Geschick­lichkeit werden von seinen Parteifreunden ge­rade jetzt immer wieder plakatiert. Auch Reichsarbeitsminister Brauns dürste bleiben. Seit 1920 als Reichsminister amtierend, ist er der Doyen des Reichsministeriums und trägt mit Recht den SpitznamenHeinrich der Wert­beständige". Ebenso wird das Reichspostmini-