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Kasseler Neuesten Nachrichten
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Nr. 126. — 18. Jahrgang.
Staffel« Neueste Nachrichten
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Die gewalttätigen Verbrecher sind bezüglich ihrer Briefe überhaupt nicht auf eine einheitliche Basis zu bringen. Wir finden hier die blutgierigsten Dokumente neben fei poetischen Ergüssen. Di« schriftlichen ntsse der Mörder Großmann, Haarmann, des Obendovf, der ein junges Mädchen zerstückelte und Fleisch von der Leiche aß, und des Lustmörders Dittrich sind in ihrer Art hochwichtige Dokument«, aus denen wir wertvolle Schlüße ziehen können.
sinnigen Sestäud-
To fällt uns in den Briefen der jugendlichen und frühreifen Verbrecher dre ohnmächtige Wut und der Trieb nach Rache auf, der st« erfüllt, bedenkliche Symptom« für die bevorstehende Auslösung »»gebändigter Triebhandlungen. Der männliche Verbrecher schreibt Drohungen, die auSzuführen eine gr " geistige Kraft benötigen
Die Notwendigkeit kriminalistischer und kri- minalpsychokogischer Ausbildung der Juristen, insbesondere der Strafrichter und Staatsanwälte ist schon oft beleuchtet worden. Der neu« Strafgqetzentwurf, der entsprechend den Grundsätzen der Soziologi«, auf das Individuum abgestellt ist, erhebt diese Notwendigkeit zur dringenden Forderung. Denn das Individuum verlangt danach, erforscht u. verstanden zu werden. Ein nicht unwichtiger Teil dieser kriminalpsychologischen Studien soll das der Verbrecherbrief« fein. Gelegentlich meiner kriminalistischen Studie» fand ich oft in Akten berühmter Kapitalverbrechen Briefe von Verbrechern, die mir wertvoll zu sein schienen und die trotzdem unbeachtet geblieben sind.
Alles ‘chon bogeweien.
Wie die Römerinnen Toilette machten.
Das alte Rom war bekanntlich weit vorge- Iwrrtten in äußerer Kultur. Denn hocheut- totdelte Pflege der Aeußeren ist Kultur, gleich einer vernünftigen Mode, während jede Heber. Werbung, wie das auch in Rom der Fall war, Entartung führt. Sine Betrachtung solcher römischen Dame an ihrem Putztisch laßt auch
Rückschluß auf ihren Lebensinhalt zu und gewährt ein Bild, das sich den Vorstellungen von ettifügt^ ^beherrschenden Stadt ergänzend Die meisten römischen Damen begaben sich, sobald sie da» Bett verlassen hatten, in die Bader; zwar begnügten sich manche damit, nur die Füße zu waschen, viele dagegen ließen sich di« Haut mit Bimstein sanft abreihen, um sie glatter und weicher zu machen, und pflegten den Körper mit teuren, wohlriechenden Salben. In einen Ueberwurf gehüllt, der einem Schlafrock glich, setzten sie sich dann an den Putztisch, an dem mehrere Sklavinnen sie bedienten. Jede davon hatte ihr bestimmtes Amt; die eine pflegte das Haar, ein« andere parfümierte ei, die dritte steckte die Locken, und eine vierte gab die nötigen Anordnungen und Ratschläge. Der Frisuraufbau war nämlich eine sehr wichtige Angelegenheit, die Mode wechselte zwar häufig, verlangte aber im allgemeinen einen hohen Kopf, putz von vielen Locken und Rollen, die den gan. »en Kopf förmlich überhäuften. Jede Locke wurde gesteckt, und da das eigne Haar oft nicht ausreichte, so benutzte man viel falsches. Vor allem war auch das blonde Haar der Germanin sehr beliebt; daher färbte man sich vielfach das Haar mit Safran, um ein recht hohes Goldgelb vorzutäuschen, ober bleichte es stundenlang mit Seifen und Laugen an der Sonne. Di« Gebrauchskämme, deren man sich bediente, waren aus Buchsbaum, die Zierkämme aus Elfenbein, die Nadeln von Gold und Silber. Man kannte auch eine Art Brenneisen — große Nadeln, die in glühender Asche heißgemacht wurden. Die ganze Frisur Wurde endlich mit Keinen golldnen Stetten und Ringen geschmückt und mit purpurnen und Weißen, um Steinen besetzten Bändern gebunden. Der eigentlich« Kopfschmuck der römischen Damen, die Mirra oder Mitra, aus der später die Bischofsmütze entstand, wurde mit der Zeit nur noch von zweifelhaften Frauen getragen.
Bei der großen Bedeutung, die bi« Römerin ihrer Verschönerung beilegte, ließ sie nicht einen Augenblick den Spiegel aus den Augen, um da« Werk der Sklavinnen zu überwachen und nebenbei ein wirksames Minenspiel einzusiudieren. Oft legte di« Eitelkeit die eigne Häßlichkeit den armen Ankleiderinnen als deren Verbrechen zur Last, und alte Schriftsteller schildern die Toilette mancher dieser Damen so furchtbar wie das Tri- bunal der Tyrannen Siziliens. UebrigenS kannte man schon damals bi« Kunst, falsche Zähne einzusetzen. Das Kleid der Damen glich, außer daß es Aermel hatte, der Tunika der Männer; man trug drei solcher Tuniken mit
Daß häufig durch Briefe der Schwerverbrecher ihre Taten »erraten werden, ist eine alte Weisheit. So schrieb der Mörder des Geldverleihers Liesegang, dem es gelungen war, nach der Tat ins Ausland zu flüchten, einige Wochen später an den bearbeitenden Kommissar folgenden Brief: »Zunächst einen schönen Gruß! Bin wohl geborgen, ich bin nämlich in der Fremdenlegion. Ich bin mir ja jetzt sicher, da kann ich ruhig schreiben. Es ist schade, daß ick auS dem schönen Deutschland weg mußte, aber ich mußte eben, denn auf Mord gibt es allerhand Knast. Ich hab« zunächst meinen Namen gewechselt und dann marsch in die Legion. Damit Sie mich nicht mehr zu suchen brauchen, schreibe ich meine Adresse. Hier kriegt Ihr mich doch nicht. Ich hab« mich auf fünf Jtchr« verpflichtet. Schade um die hohe Belohnung, die Ihr für mich ausgesetzt habt. Ich bin nun chon verschiedene Monat« hier. Gefällt mir tadellos, besser wie in Soaueburg. Totschlägen wollt« ich eigentlich nicht, ober Helf er sich. Es war eben passiert. Di« Belohnung gcht jetzt löten. Die besten Grüße an Ihre Herren Kollegen. Ihr P. Lun«--ja, wenn Ihr den
richtigen Namen wüßtet".
Den richtigen Namen, Peter Liesegang, wußte man aber schon, durch den Brief erfuhr man nun auch seinen Aufenthalt. Liesegang wurde auf Ersuchen der Deutschen Botschaft in Paris ausgeliefert und vor das Schwurgericht gestellt. __________Syndikus Lothar Philipp-Berlin.
ihre Handfchrifat meisterhaft verstellt und auch an sich selbst Schmähbriefe schreibt, um den Verdacht von sich abzulenken. Stets sind solche Fälle durch sachverständige Untersuchung aufzuklaren.
Uebrigens werden sehr oft auch hochgestellte Personen, z. B. der Reichspräsident, Gerichts- borfieense und Minister bearbeitet: der Reichswehrminister erhielt im Jahr« 1924 drei anonyme Brief«, dir die schwersten Anklagen gegen Angestellte des Reichswehrministeriums enthielten. MS Täter kamen gegen 750 Beamte und Angestellte in Verdacht. Nach elfmonatiger Tätigkeit gelang es mir, gemeinsam mit dem Schriftsachverständigen Görtheim, den Täter zu überführen. Selber enden solche Affären, die ursprünglich als mehr oder weniger harmloser »Ulk* besannen, oft sehr tragisch.
wußten Sie das schon?
AuS dem Schutzkästlein des Wissens.
Der von August dem Starken erbaut« Dresdner »Zwinger* ist der Schauplatz der glänzendsten Sportspiel« und Festzüge im Barock und Rokoko gewesen. Roch sind in den Museen von Dresden eine Reihe der herrlichen federgeschmückten Prunkgeschirr« der Pferde als Erinnerung daran erhalten.
Die erste Blindenanstalt entstand 1784 in Paris durch Valentin Hauy, der auch Begründer eines Systems d«S Blindenunterrichts war.
3?n Lowfort, einem engt. Dorf in Essex, das 800 Einwohner hat, sind die Posten der ©teuer» nehmers, Küsters, Postmeisters und Briefträgers mit Frauen besetzt.
®ie amerikanischen Indianer essen mit vor- i«ve Heuschrecken und Grillen. Die Weißen An- teMer sind ihnen in dieser Geschmacksrichtung doch hat man die Heuschrecken für industriell« Zwecke zu verwerten gewußt.
Diebe schreiben weit weniger alS Betrüger. Das kommt daher, daß der Betrüger gebildeter als der Dieb ist. In dem Moment, da der Dieb auf ein höheres geistige- Niveau gerät, geht er infolge einer logisch psychisch-kriminellen Entwicklung in das Lager der Betrüger über. Der Briefwechsel der verbrecherischen Siebe ist voll der widerlichsten Momente. Besonders treten unS hier die Briefe der Kuppler in ihrer ganzen Ruchlosigkeit"entgegen. Bei den anonymen Briefen geraten wir in das Gebiet der unbegrenzten Möglichkeiten. Was hier geleistet wird ist einer besseren Sache würdig. Meist sind es Sauen, die solche Briefe schreiben, und ich
ne aus meiner Praxis Fälle, wo durch solche Briefschreibereien Selbstmorde, Familien,wi- stigkeiteu, selbst Morde entstanden sind. D'e in den meisten Fällen hysterische Täterin versteht es gut, ihre Täterschaft zu verbergen, indem fiel
ernt Verbrecher Briefe schreiben
Moderne Hilfsmittel bei der Aufklärung von Verbrechen.
. . _ .trüget, ToWlag.
Veröffentlichung in der Presse etc. Bei alledem atmen die Briefe doch eine gewiss« Würde und Sachlichkeit. Im Gegensatz dazu ist bet Brief der weiblichen Jugendlichen vorwiegend gefühlsbetont mit meistens unflätigem und nur auf das Sexuelle gerichtetem Inhalt, dessen Obszönität sich niemals wiedergeben läßt. Gewisse Rückschlüsse erlauben auch die in den Drohbriefen Jugendlicher enthaltenen Drohungen und Unterschriften, z. B. „Wir sind zu zehn, und zehn Dolchstiche erhältst Du in die Leber 1“ ober »Der Dolch ist bereit, ich suche eine Scheide, und diese wird Dein Bauch fein*. Unterschriften wie „Set Tiger«, Revolver!", .Die blutig« Hand!*, .Der Bund bei Rache!*, „Dein Dir tief ergebener Henker!" u. a. lassen erkennen, daß diese Briefe durch die Lektüre von Schund- unb Schauerromanen beeinflußt worden sind.
""" Mittwoch, 30. Mai 1928. immer tieferem Halsausschnitt übereinander Der zierliche ausgeschnittene Schuh auS feinem Leder oder Geflecht war oft über und über mit Edelsteinen geschmückt, weiß oder von Gold und Purpur, ja der Luxus ging so weit, daß man massiv goldne Sohlen trug; ein feiertet griech-i, scher Schuh war jedoch am elegantesten. Um größer zu erscheinen, fegte man auch dicke Korksohlen unter. B, K.
Sein Blut geopfert.
Undank ist der Welt Lohn.
Der Sohn eines Budapester Schuhmacher? erkrankte und die Aerzte sahen die einzige Ret- trung in einer sofortigen Bluttransfusion. In Budapest ist da- System der Bluttransfusion noch nicht so gut organisiert wie in anderen Städten, wo eS schon Berufsverbände der Blutspender gibt Der Baler wandte sich daher an feinen Lehrling, der ein kräftiger Bursch war, und bat ihn, sich für die Operation zur Verfügung zu stellen. Der Junge sagte zu.
Die Transfusion wurde vorgenommen und gelang. Der Sohn de- Schuhmacher- wurde in verhältnismäßig kurzer Zeit wieder gesund. Aber die Kräfte des Lehrlings waren wohl doch zu sehr in Anspruch genommen worden. Er wurde immer elender und mußte schließlich ein Spital aufsuchen. Nun wandte sich der Vater des Lehrlings an den Schuhmacher und bat ihn, er möge wenigstens die Spitalkosten für seinen Sohn bezahlen, der doch sein Blut für die Gesundheit des kleinen M. geopfert hatte. Ader der Schuhmacher lehnt« ab. Derlei sei nicht verabredet worden.
Es kam zur gerichtlichen Verhandlung des Streitfalls, und der Schuhmacher wurde zur Zahlung von 250 Fengö verurteilt. — Dieses Urteil entspricht sicherlich jedem gerechten und menschlichen Empfinden. Aber es ist das erste in feiner Art. Noch vor gar nicht langer Zeit hat ein Budapester Gericht eine ähnliche Klage abgewiesen, mit der Begründung, daß eine Entschädigung vorher nicht abgemacht gewesen fei.
Kassel, Oberste Gasse 48 / NebeeVerkaufsstelle Borken (Hessen) Leiter: Heinrich Gerieft Eigene Reparaturwerkstatt.
Voraussetzung: Sie beabsichtigen ein h och wertiges Marken- 6/ rad su erwerben, wollen aber keinen allen hohen Präs bezahlen. K
Behauptung: Nur ein Mifa-Rad entspricht beiden Forderungen.
2 Mifa-Rlder stad hochwertige Markenräder. Dafür bürgt der
'■* ■*’**■«• n Name des seit 1906 bestehende» Werkes. Die Preise der Mifa-Häder sind aussergewöhnlich billig. Daa ist die Folge der Ausschaltung des Zwischenhandels und da» Ergebnis des Verkaufs direkt vom Werk durch IN Mifa-Fabrik -Verkauf- i stellen. Wochenraten von 2^0 BM an genügen bereits zum / Kauf das in unzähligen Rennen erprobten Mifa-Markenrades, /
Mifa ■ Hader für Wochenraten von 2,50 RM an [ i MIFA-FABRIK. VERKAUMTELLB
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