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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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18. Jahrgang

Nummer 124.

Sonnabend, 26. Mai 1928

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.

Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Slsaß-Giidtirols schwerer Leidensweg.

Armes Elsaß!

Der Gerechte muß au ch dort viel leiden.

Das Urteil gegen das Elsaß ist in Rolmar gefallen und reißt damit aufs neue die Wun­den auf, die fick zwischen zwei Völkern zu schlie­ßen begannen. Tenn hier wandern nicht nur die vier Autonomisten in der Märtyrerkrone ins Gefängnis und müssen dann auf fünf Jahre landflüchtig Haus, Hof, Weib und Kind vor welschen Späheraugen verlast:», sondern hier stand Deutschland als Anstifter vor den Schran­ken eines französischen Kriegsgerichts und gegen das deutsche Volk richtet sich der Urteilsspruch, den unsere elsässischen Volks» und Leidensgenos­sen längst Sor dem Pariser Staatsanwalt er- toartet und... als fulminannten Rechtsbruch bezeichnet hatten. Das Verhör der AngeNagten war so langatmig und langweilig, daß wir streckenweise aus seine Wiedergabe verzichteten. Und was waren unter den Belastungszeugen für sonderbare Gestalten? Der Zeuge Riehl hat in eignen Unkunden von den Franzosen als sitt­lich gesunkener und unrettbar verlorener Nation gesprochen, »verseucht bis aufs Mark", von »französischem Lumpengesindel", um stärkere Ausdrücke zu unterschlagen. In einem anderen Briefe rühmt sich dieser Held, der heute im Dienste der französischen Verwaltung steht, »in der deutschen Armee gedient zu haben und wegen treuer und gewissenhafter Pflichterfüllung zum Leutnant befördert worden zu sein." Ein anderer Belastungszeuge, der Straßburger Po­lizist Becker, berichtete Einzelheiten über Bilder Albrecht DürerS, Holzschnitte des Meisters, die der Angeklagte Solveen in seinen Kalendern wiedergab. Äuf die Anfrage der Verteidigung ging dieser saubere Spitzel gründlich auf den Leim und bemerkte, daß er ÄlbrechtDürer nicht verhaften konnte, well er »in Ber­lin" ist. Auch ein Kulturphänomen der »grande Nation"!

In Pariser Regierungskreisen erregte daS Erscheinen des elsässischen Senator- und AD- b^s Müller ungeheueres Aufsehen. Dieser el­sässische Senator wurde nämlich vor dem Col­marer Gerichtshof zu einem geradezu glänzen­den Verteidiger der autonomiftischen Bewegung im allgemeinen und der »Zukunft" im besonde­ren. Er sprach von dem Erwachen des elsässt- schen Gewissens, sodaß der Pariser »Temps" behauptete, die elsässisch-lothringischen Regiona- listen pflegen den Reichsland-Gedanken und lehnen grundsätzlich fette Verschmelzung mit Frankreich ab. Nun, die vor Gericht verlesenen Urkunden. Briefe, Broschüren ufi». der Ange­klagten ließen an diesen Behauptungen fern wahres Wort. Allerdings wirkt sich der verstärk­te regionalist tsche und paritkulartsttsche Zug in der Politik der elsässischen Vollspartei schon heute im Colmarer Prozeß recht anschaulich aus. In der Partei selber werden die »Fran- zösltnge". wie die Pariser Regierungspresse nttt Schmerzen feststellt, svstemalisch an die Wand gedrückt.Abbs Müller weiß sehr wohl, wie und waruln die Herren Wetterlen und Delsor vor einiger Zeit ans dem Senat hincmSgesagt wurden, dem gleichen Senat, in dem er selber heute sitzt." Eine beachtliche politische Feststel­lung? Tas politische Schicksal WetterleS war verdient. Sein Schicksal gleicht dem aller Lan­desverräter.

Obwohl die Gerichtsverhandlungen den völ- ligen Zusammenbruch der Anklage brachten, er­dreistet sich der Pariser »Temps". Verdächtigun- aen auszusprechen über Organisationen und bereit Finanzierung ans deutschem Boden zur Unterstützung der autonomistischen Bewegung, die nicht unwidersprochen hingenommen werden können. Wirft das französische Regierungsorgan nun doch einmal Fragen auf, dann hätte es an erster Stelle sich selber fragen müssen, ob der- artige Organifationen auch tatsächlich nachweis­bar vorhanden sind. Bloße Verdächtigungen sind im Zeitalter von Locarno eine sehr üble Po­litische Taktik. Der ganze Kolmarer Pro- zeß sah von Anfang bis zum Schluß wie ein Vexierbild aus, unter dem die Fraae stand: Wo ist das Komplott gegen die Sicherheit des französischen Staates? So sehr man auch suchen und forschen mochte, so fand man doch nichts als vielleicht einen kleinen Embrvo, aber nirgends eine klar umriffene ober auch nut eini­germaßen erkenntliche Gestalt eines Komplotts gegen die Sicherheit Frankreichs. Die Anflcwe- rede des Staatsanwalts Fachot zeigte die ganze Schwäche und die vollkommene Halt­losigkeit der Anklage, auf der sich dieser Prozeß aufbaute. Aber die Gegner der Auto­nomie behaupten, daß es für daS Elsaß, für Frankreich, für Europa, für den Weltfrieden eine Schädigung und eine Gefahr wäre, Elsaß-

ASffer in der MSrtyrerttone.

Gefängnis und Verbannung für die Autona mistenführer. Scharfe Ablehnung in Berlin. Tiefes Bedauern selbst an der Seine. Ein Mißklang im Verständigungskonzert.

Kolmar, 25. Mai. (Privattelegramm.) Im Autonomistenprozeß wurden die Angeklagten Ricklin, Roffs, Schall und Fatzhauer zu je einem Jahre Gefängnis und fünf Jahren Aufenthalts verbot für bestimmte Gegenden Frankreichs so­wie zur Tragung der Kosten verurteilt.

*

Auch Tirol Mn nicht zusammen.

Wien, 25. Mai. Eine gemeinsame Erklärung des Tiroler Landtags gegen den Vorfall im Ge­neralkonsulat bezeichneten die Sozialdemokraten als unnötig. Da der Landtag nur eine Kund­gebung aller Parteien veranstalten wollte, unter­blieb dieselbe. Der italienische Generalkonsul toll wegen der Genugtuung vorher in Rom an­gefragt haben. Der junge Mann, der die Fahne henintergeriffen hat, ist der Student Herbert Kaiser. DaS Bundeskanzleramt ließ in der ita­lienischen Gesandtschaft, das Bedauern aus­drücken.

Das Volk lehnt sich auf.

Kolmar jubelt den Verteidigern zu.

Paris, 25. Mai. (Eigene Drahtmeldung) Gestern abend hat bereits in Kolmar eine Pro­testkundgebung gegen das Urteil stattgefunden, an der über tausend Personen teilgenommen hätten. Die Verteidiger der Angeklagten wur­den mit losendem Beifall begrüßt und nach der Versammlung von der jubelnden Menge heim­begleitet.

* *

Tumulte im Gerichtssaal.

Dem Pariser Verteidiger fließen die Tränen.

Kolmar, 25. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Als der Spruch der Geschworenen mitgeteilt wird, entsteht im Saal ein unbeschreiblicher Tu­mult. Es bilden sich zwei Lager. Die einen rufen:Es lebe Frankreich", die anderen:ES lebe das Elsaß". Verwünschungen gehen hin und her. Um ein Weniges wäre es zu Hand­greiflichkeiten gekommen. Der Staatsanwalt er­klärte, er wolle zeigen, daß die französische Justiz auch großmütig ist und forderte eine ge­mäßigte Anwendung des Gesetzes. Rechtsanwalt Feillet, vom Publikum begrüßt, ruft weinend aus:Richten Sie Frankreich nicht nach diesem Urteil". Das Gericht zieht sich zu­rück. Die AngeNagten umarmen einander. Es entstehen

neue Tumultszenen im Publikum.

Nach Verkündung des Urteils dauern die An­sammlungen auf der Straße fort Man singt Lieder, bringt Hochrufe auf Autonomisteu- sührer aus usw. Wie man hört, wird gegen das Urteil Einspruch im KassationSvee- fahren erhoben werden. *

Das Elsaß als Opfer.

Tiefe Mißstimmung und Trauer. Rur die Poinraristen find zufrieden.

Kolmar, 25. Mai. (Privattelegramm.) Deutsch geschriebene Zeitungen erklären: DaS Unglaub­

liche ist Tatsache geworden. Elsässische Geschwo­rene haben es in unbegreiflicher Verblendung fertiggebracht, vier führende Persönlichkeiten schuldig zu sprechen. Der französischen Sache im Elsaß ist durch dieses schnöde Urteil un­berechenbarer Schaden zugefügt wor­den. Wird das Urteil kassiert, dann erleben wir einen neuen Komplottprozeß in vermehrter und verbesserter Auflage in Straßburg. Ein un­glaublicher Druck ist auf die Geschworenen aus- geübt worden. Eins der

traurigsten Kapitel der elsässsischen Geschichte

hat seinen Abschluß gefunden. Die bestehenden Schwierigkeiten können nur durch viel Ruhe und Frieden gelöst werden. Fran­zösisch geschriebene Blätter rühmen die Milde des Urteils und schreiben: Wir wünschen sehnlichst, daß daS Elsaß nicht in zwei feindliche Lager, wie gestern die Menge im SchwurgerichtSsaal, zerrissen wurde. Die Lage ist gegenwärtige schwieriger denn je Um sie wieder herzustellen, mutz die Regierung aus die Mithilfe und den guten Willen aller Bür­ger des Elsaß zählen können. Die am meisten an diesem schändlichen Unternehmen (!) schul­digen Personen waren nicht unter den in Hast befindlichen. Die Angelegenheit ist übrigens noch nicht beendet. Zwei Verurteilte sind Ab- geornete. Es wird Sache der Kammer sein, zu erklären, was mit diesen beiden Abgeordneten zu geschehen hat. Ein Blatt spricht von dem Werk der Gerechtigkeit und die Erfüllung einer französischen Pflicht. Ein einziges Blatt be­fürchtet jetzt eine Verschlimmerung der Miß­stimmung und ein Anwachsen der Volks­agitation.

* * *

Das Urteil trifft sie felbft.

Wie sich Paris daS Elsaß entfremdet.

Berlin, 25. Mai. (Durch Funkspruch.) Zur Verurteilung der vier Elsässer Autonomisten schreibt ein Zentrumsblatt: Kein Urteil hat je Frankreichs Prestige größeren Schaden zugefügt als das in Kolmar. Gerade weil uns an einem friedlichen Verhältnis zu Frankreich liegt, ver­urteilen wir Maßnahmen, die, wie diese das deutsch-französische Einvernehmen stören müllen. Ein Volksparteiblatt urteilt, daß keine der An­klagen bewiesen werden konnte. Aber wenn die AngeNagten freigesprochen worden wären, wäre die Pariser Regierung Poincarss bis auf die Knochen mit ihrer Autonomistenverfolgung bla­miert gewesen, und das mußte unter allen Um­ständen vermieden werden. Die französische Po­litik hat eS trefflich verstanden, sich fchon jetzt das elsaß-lothringische Volk gründlich zu ent­fremden. Rechtsblätter heben den Raren Be­weis hervor, daß keine deutsche Unterstützung hinter der französischen Autonomistenbewegung stehe. DaS Urteil sei eine Verurteilung Frank reichS. DaS Urteil bestätige, daß Frankreichs Ziel die Vernichtung jedes Eigenlebens ist. Die Börsenzeitung spricht von dem Wahnwitz von Kolmar.

Schreüensszenen bei der Verhaftung.

Er schießt Kriminalisten und Verfolger nieder.

Freital (Sachsen), 25. Mai. Als die Krimi- nolpoli«» den Lijährigen Arbeiter Patzig, der einem Lehrling Lohntüten geraubt haben sollte, zu stellen versuchte, kam eS im Hofe der Firma Wohlrab zu einer sehr heftigen Auseinander­setzung. Plötzlich zog Patzig eine Pistole und schoß auf den Sriminalwachtmeister Schreiter, al« dieser das Büro betrat. Schreiter wurde durch Bauch-, Brust- und Armschutz schwer »er- letzt. Dann schätz Patzig auf einen in der Nähe stehenden Lehrling und einen Polier, die er erheblich verletzte, vor dem Baumeister Wohl­rab, der ihn auf einem Motorrad verfolgte, flüchtete er auf ein benachbartes Grundstück,

woraus sich der Geschäftsführer Lohse an der Verfolgung beteiligte. Patzig feuerte aus einem Verschlag auf seine Verfolger Ünd erschoß Wohlrab. Lohse schlug mit einem Brett auf Patzig ein, Patzig schotz durch das Brett, ohne Lohse zu treffen und floh weiter. Mehrere Po­lizeibeamte stellten Patzig auf dem Lutherfried­hof in Freital, wo er hinter einem Komposthau­fen sich versteckte und auf feine Verfolger feu­erte. Plötzlich brach Pakig anscheinend getrof­fen zusammen. Ob er sich selbst erschossen hat, ober ob er von einem Beamten getroffen wurde, steht noch nicht fest. Er und auch Schreiter dürf­ten kaum mit dem Leben davonkommen.

Lothringen »autonom" zu machen, es al« etwas Besonderes zu ertzcflten und sein Aufgesogen­werden vom Franzosentum zu verhindern. DaS Ziel der Äutononriften ist es in der Tat, die Eigenart elsässischen und lothringischen Lebens auch im Rahmen Frankreichs zu erhalten: sie glauben, daß Frankreich keinerlei Schaden hätte, wenn seine »wiedergefundenen Provinzen" ihr überliefertes Wesen gesund erhalten und weiter­

entwickeln Mit dem Wahlzettel in der Hand hatte das Elsaß sich bei den Kammerwahlen gegen Paris für ein freieres Regime entschie­den. In Paris blieb man taub und blind. Poin- carsS »Kürassierstiefel" glaubt die Aufsässigen mit despotischen Methoden kleinzukriegen. Er tzssrd sich täuschen: denn Märtyrer sind noch immer eine Drachensaat gewesen, die diejenigen verschlingt, die sie säen.

Teure Helmut...

Grenzlanddeutsche auf der Wacht. Ge­löbnisse an der Ruhr. Wie sah eS da­mals aus? Ohne Ostpreußen kein Deutschland. Wer kennt den Ostmärker?

Essen, 23. Mai. Auf der Tagung deS deutschen Schutzbundes führte Frau Ministerialrat We­ber u. a. 'aus: Nach dem Weltkrieg sei in der weiblichen Jugend Mer Schichten ein stärkeres Suchen und Neuentdecken der Heimat, eine Wau- dersehnsucht nach allen Gegenden Deutschlands. Das stärkste Moment liege h der Erkenntnis der Not und in dem Willen der Umgestaltung der Heimat. Die Frau wolle aus neuer Erkenntnis von dem Werte der Landwirtschaft auf dem Lande bleiben und dort mitschaffen, sie wolle

auf das Land zurückkehren.

Die Fragen der landwirtfcha'tlichen Produk- tionsst tgernng, der Siedlungen und alle B'l- dungssrag.n der F jen und Mädchen, die Vor­aussetzung für dieses Schaffen seien, ständen im Vordergrund der landwirtschaftlichen Frauen­organisation und ihrer Programme. In den Grenzgebieten sei besonders ein Ringen um die deutsche Sprache, auch um Wohnung und die notwen^.gsten Grundlagen des L 'eens. In den besetzten Gebieten werde der Kampf zum bewuß­ten Kampf um das deutsche geistige und sittliche Gut. Oberbürgermeister Tr. Bracht fetzte sich für eine wirkliche Versöhnung der europäischen Völker ein und schilderte den schwer en Lei­densweg, den die Stadt Essen und ihre Ein­wohner während d;s Ruhrkampfes hätten gehen müssen. Die Bevölkerung habe sich während deS passiven Widerstandes mustergültig verhalten trotz der Herrschaft der französischen Reitpeitsche. Die gewaltsame Ausweisung der staatlichen Po­lizei durch die Franzosen habe dem Gesindel die Herrschaft über die Straße verschafft. Die Be­völkerung sei der Besatzung wehrlos ausgelie­fert gewesen. Das Privateigentum fei nicht be­achtet worden. In aller Erinnerung fei noch die

Erschießung der elf Kruppschen Arbeiter am Karsonnabend durch ein französisches Mili­tärkommando. Außerdem seien im Laufe der Besatzung noch weitere 13 Essener Bürger fran­zösischen Kugeln zum Opfer gefallen. Der Ab­wehrkampf sei abgebrochen, aber doch nicht verloren worden. Die Ruhrbesetzung sei für die Franzosen alles andere als ein Geschäft gewesen. Der Reichspräsident habe in Ellen ge­äußert, daß die Zukunft dem Deutschen gehö­ren werde, wenn alle Deutschen wie die Brüder am Rhein und Ruhr sich in den großen Fragen der Nation als eines Blutes Brüder und eines Volkes Söhne in Opfermut und Treue bekennen.

Frhr. v. G a y l-Königsberg führte weiter aus: Die als Wall gegen Mongolen, Tartaren, Rus­sen usw. in Ostpreußen errichtete Führerschaft sei durch das Friedensdiktat von V e r s a i l l e S nur mit einem Schein deS Rechts zer- rissen. Neber diese neuen Lücken hinweg strahlten aber noch heute deutsche Kultur und Wirtschaft ihre Wirkungen biS an die Grenzen Asiens aus. Auch für das deutsche National­gefühl habe der deutsche Osten Großer geleistet, denn auf östlichem Boden zuerst sei ein

festes gemeinsames Volksgefühl entstanden. Vom Ordensstaat Preußen und von Kant sei die ganze Stellung des deutschen Bür­gers zum Staat gewollt ober ungewollt beeinflußt worden. Harter Grenzkampf unter kargen Lebensbedingungen habe allerdings im Osten eine Härte erzeugt, die in glückliche- ren Gegenden dem Deutschen nicht gegeben war. In der Vereinigung östlicher Härte mit den lie­benswerten Eigenschaften anderer deutscher Volksteile müsse man die Zukunftsein, stellung der deutschen Seele suchen und finden. Dauernder Verlust deS Haupt- stückes deS deutschen OstenS würde bedeuten: Verlust der Brücken zum Osten, Aufhören de» deutschen Einflusses nach Osten,

Freigabe der Ostsee-Geltung, Zusammendrängung des deutschen Volke» auf engsten Raum im Herzen Europa», Unmöglich- feit der Wiederherstellung unserer Weltgeltung, Preisgabe des Deutschtums außerhalb der Reichsgrenzen, Versiegen der Menschenquelle, Verlust der Kornkammer und eines bedeuten- den inneren Marktes, beschleunigte Verstädte- rung des deutschen Volles. Nach Westen und Süden wie auch nach Norden sei daS Deutsche Voll ohne Raum für immer abgerie. gelt, nur nach Osten könne es friedlich feine kulturelle» und wirtschaftlichen Betätigung». Möglichkeiten erweitern.

Varteidandei um Mlnistersibe

Berlin, 25. Mai. Laut Pressenotiz stößt die Betreuung Brauns mit dem Kanzleramt auf