Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Mittwoch, 23. Mai 1928.
D>« »afkltt »leneftea Nachrtchv Der Hbonntmenigprete beträgt i»8 Hau«. In der SeschäftSftell« m«f»lkHt(6 -iustelluna-aebübr. etneefanbtt Veiiräg« kann btt R
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Das Ausland lobt die deutschen Wähler.
Die Sozialdemokraten an der Reihe. Die goldene Kuppel,
wße Koalition unter Otto Braun? — Wie fick Vie Deutfilmationalen träte« — Sulfite Takt« $>ie Reugebackenen ziehen in den Reichstag.
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jetzt scharf auf die deutsche FinanAage achten.
Große Koalition unter Otto Braun? — Wie sich Vie Deutsch» atonalen trösten. — Falsche Taktik im Reichstag. — Absplitterung der Landwirte und Unzufriedenen.
hineinschlittern, eine Tatsache, deren Tragweite heute noch nicht zu übersehen ist. Sekbstver. stündlich werden auch die Koalitionsmöglichkei- ten au-f Grund der Wahlergebnisse schon eingehend kalkuliert. Wie wird die kommende Re- gierung auSsehens Die Erstellung der Weimarer Koalition, bestehend auS den Sozialdemokraten, dem Zentrum und den Demokraten ist nur möglich unter Einschluß der Bauernpar- teilet und der bayerischen Volkspartei. Diese rein theoretische Möglichkeit wird den Partei- taktikern bei den bevorstehenden Verhandlungen einen nicht unwillkommenen Trumpf in die Hand liefern. Im Vordergrund steht die Bildung einer ReichSregieruna der Großen Koalition, die von der Deutschen Volks- Partei bis zur Sozialdemokratie reicht. Sie zu erstellen ist indessen, wir werden eS erleben . . . wie allgemein erkannt und anerkannt wird, keine einfache Sache,
Die gleiche Anzahl von Mandaten wie die Zentrumspartei und die Deutsche Volkspartei, nämlich 7, haben die Demokraten verloren. Auch diese Republikanerpartei wird wie alle übrigen in eine gründliche Prüfung und eine Reform ihres Parteiapparates u. ihrer führenden Köpfe eintreten müssen, wenn sie aus dem Rückschlag die richtigen Lehren ziehen will. Trotz ihrer Mißerfolge in einigen Landtagswahlen und Kommunalwahlen der letzten Zeit hat die Wirt- schastspartet ihre Stimmen und Mandate erheblich vermehren können. Sie zieht in den Reichstag mit eigenerFraktionsstSrke und 23 Abgeord- neten ein. Ihr Erfolg ist umso unbestrittener, als die Wirtschaftspartet von allen anderen Regierungsparteien und ^Oppositionsparteien des letzten Reichstages im Wahlkampfe energisch befehdet wurde. Ob die Wirtschaftspartet durch Anschluß der Deutsch-Hannoveraner, und Bau- ernpartei ^Bayerischer Bauernbund) im Reichstag verstärkt werden und wiederum als wirtschaftliche Vereinigung auftreten wird, bleibt obzuwarten. Die Bauarngruppen haben wider Erwarten gut abgeschnitten. Der Bayerische Bauernbund erhöhte über Bayern hinaus seine Mandate auf acht. Den Deutschnationalen nahestehend ist der Landbund, der drei Sitze eroberte das sächsische Landvolk mit zwei Mandaten und die Christlich Nationale Bauernpartei, die eS
wenn eS größer ist, mindestens mit drei an« ' deren Kollegen zu teilen hat. Und diese größeren Zimmer werden ihm sehr klein Vorkommen, selbst wenn er auS noch so bescheidenen . Verhältnissen stammt. Mer noch weit schlimmer . Ist die
Platzstag« im Sitzungssaal.
i Man darf gespannt sein, ob man sie alle im Sitzungssaal unterbringen kann. Der Raum ist Jahrzehnte hindurch schon von den 399 ReichstagSabaeordneten der Frie- denSzeit genügend ausgefüllt gewesen, für die er gedacht war. Jede Neuwahl hat aber eine er« hevliche Vermehrung der Mandatsziffern gebracht. Die schmalen Nebengänge im Halbrund deS VollsttzungSsaaleS sind deshalb schon seit langem durch neue Plätze zugebaut worden. Mele müssen sich schon mit Ecksofas begnügen unter Verzicht auf ein eigenes Pult im Sitzungssaal, wie ihn die besser davon gekommenen Kollegen besitzen. So hat man sich schon bei 493 Abgeordneten behelfen müssen. Bei der diesmaligen Wahl ist diese Ziffer wenig verändert worden. Der ReichStagSdirektor bleibt in Nöten, richtige Plätze kann er im Sitzungssaal beim besten Willen nicht mehr beschaffen. Vermutlich wird der deutsche Reichstag ebenso wie di« Parlamente in Frankreich und England zu Stehplätze übergehen müssen.
Der Kamps um den Platz wird sich für den Parlamentarier aus nach dieser Wahl im ReichStagSrestaurant, beim Barbier und erst recht in den vier verfügbaren Badewannen sehr lebhaft gestalten und selbst, wenn er im Turn- saal den Ruderapvarat oder gar den Kamelsattel besteigen will, wird er sich ein wenig anstel- len müssen! Rur bei einer Gelegenheit ist dem Varlamentarier auch in Zukunst ein beauemer Platz sicher beim Eisenbahnfähren. Die Neuge- wählten brennen immer darauf, grade die Freifahrtkarte recht frühzeitig
in der Hand zu haben. Am gleichen Tage, an dem der Reichsanzeiger die Namen der Erwählten verkündet, bringt der Briefträger auch das Einschreiben mit ihrer Freifahrtkarte, durch die der Parlamentarier zum Reisenden erster Klasse wird. — Er bezieht aber auch sofort seine Aufwandsentschädigung, di« nunmebr aus den Vierten Teil eines M i n iste r aeh altes angewachsen ist, weshalb böse Menschen
monarchistischen Gedanken loSgesagt und dem republikanischen Gedanken zugewandt habe. Auch das Arbeiterblatt steht in den Wahlen ei» Zeichen für bie Festigkeit der Republik.
Paris ist zufrieden.
Aber jetzt wird die Rheinland-Räumung akut.
Paris, 22. Mai. (Gig. Drahthericht). Di- Blätter sprechen sich befriedigt über den Sieg der Linksparteien bei den Reichstagswahlen aus, da sie Vari» eine Gewähr für die L o - a r - no-Politik erblicken. Auffällig sei vor allem die Niederlage der Deutschnationalen, besonders in den monarchistischen Wahlkreisen. Andererseits wiesen die starken Gewinne der Sozialdemokratie auf eine tiefgreifende Aenderung der öffentlichen Meinung In Deutschland hin. Der Temps-Korrespondent in Berlin nennt als Reichskanzler
Hermann Müller, Severing oder Braun. Auffallend sei vor allem der sozialistische Fortschritt in der Hochburg des Monarchismus, In Bayern. Heber die kommunistischen Erfolge Werve man in Moskan jubeln und darin eine R e v a n ch - für die Niederlage der französischen Kommunisten erblicken. Stresemann nnd die
Locarno-Politik behanpten als Sieger daS Schlachtfeld. Ei» Blatt fürchtet, daß man der neuen links orientierten Regierung die Räu-
Hehler Leumund aus Paris.
Die Rechtsparteien trauern dem Wahlsieg der deutschen Linksparteien nach. @te verdächtigen , land weiter.
Revision des politischen Apparates wird sich nicht umgehen lassen. Der 20. Mat sei nur ein Beweis gegen die bisherige Taktik der Rechten im Reichstag, .ircht^Lst»gegen den nationalen Gedanken.
Nichts Verheimlichen!
Das klare BUd der Reichstagswahlen.
Das Volk hat gesprochen. Die Zahlen liegen jetzt nackt vor uns. Die Deutschnationalen mit vier Reichsministern haben die schwerste Niederlage erlitten. Von 111 Mandaten rettete die Partei 73. Nur noch 15 Prozent der Reichstagsabgeordneten gehört heute der Deutschnatio- 'nalen Vollspartei an. Mer auch die anderen Regierungsparteien fanden keine Gnade in den Augen deS Volles. DaS Zentrum verlor sieben Mandate, die Deutsche Volkspartet gleichfalls sieben und die bayr. VolkSpartet von ihren 19 Sitzen drei, sodaß sie mit sechzehn Mann, gerade noch in FraktionSstärke — 15 sind mindestens erforderlich — in den Reichstag zu- rückkehrt. Auffallend und völlig unerwartet ist der Stimmenrückgang und Mandatsverlust der Deutschen Volkspartei. Er wurde am wenigsten von der Partei Dr. Stresemanns. Allein alle Berechnungen und Hoffnungen auf Zuwachs aus dem deutschnationalen Lager schlugen fehl. Es wird Ausoabe der volls- parteilichen Parteileitung sein müssen, den Gründen dieses Mißerfolges nachzugehen. Das Zentrum erlebte am Sonntag eine Niederlage, wie sie in der Geschichte der Zentrumspartei einzig dasteht. Die imh verwandte Bayerische Volks- Partei ist in diesen Strudel mithininetnge- zogen worden. Ganz offenkundig ist der Mißerfolg des Zentrums in Baden, wo die Kalt- stellung Dr. Wirths durch die Parteileitung die Zentrumsfraktion ein Mandat kostete. Geradezu auffallend ist der Rückgang der Zentrnms- stimmen im Rheinland und Westfalen. In Düs- feldorf-Ost, dem Wahllreise des ReichAanzlers Dr. Marx, ist jetzt die k o m m u n i st i s ch e Partei st ä r k e r als die Z e n t r u m s p a r t e i geworden. Frühere Arbeiterzentrumswähler liefen offenbar in Scharen nicht nur zur Sozialdemokratischen Partei über, sondern schlankweg in das kommunistische Lager hinein.
nen, daß die ganzen Organisationen im Bürger, mm offenbar bewußt Wahlsabota trieben hätten und erklärt: Namentlich ... Vertretung der landwirtschaftlichen LebenSin- tereffen ergibt sich aus diesem Wahlausgang ein überaus düsteres Bild. ES ist zu befürchten, daß die verheißungsvollen Anfänge einer zielklaren und festen Agrarpolitik, die der letzte Reichstag endlich gebracht hat, nicht weitergeführt, womöglich noch zunichte gemacht werden. Vielleicht wird deshalb der einzige Ausweg darin liegen, in Kürze einen neuen Appell an die Wähler zu richten. Hinsichtlich der Koalition heißt es: Wir glauben nicht, daß das Zentrum sich an eine Lage gewöhnen wird, die es ganz abhängig macht von den sozialdemokratischen Machtgelüsten. ES wird zweifellos auf Grund des Mandatsrückganges in Preußen besonders seine dortige Politik einer Revision unterziehen müssen. Die Verluste der Deutschndtionalen seien auch nicht durch die teiltoe'ife starke Wahlenthaltung zu beschönigen, die uns ein stiller Protest gegen die wenig befriedigende Art sei, in der die Deutschnationalen Politik machen zu können glaubten. Eine
auf zehn Mandate brachte. Diese rechtsgerichteten Bauerngruppen umfassen somit fünfzehn Mandate haben also eigene FraktionSstärke falls sie sich entfchliehen sollten, im Reichstag als eigene Gruppe aufzutreten.
Die Sozialdemokratische Partei ist mit 9,1 Millionen Stimmen und 152 Mandaten weitaus die stärkste aller Parteien geworden. Sie ist mehr als doppelt so stark wie die zweitstärkste Partei, die der Deutschnationa- len, die nur rund 4.4 Millionen Stimmen auf sich vereinigen konnte. Mit 31,1 Prozent der Mandate verfügt die S P. D. im neuen Reichstag über rund ein Drittel der Abgeord- netensttze, womit sie zur Führung der Reichsgeschäfte berufen ist. Selbst Pariser Blät- ter nennen als künftig« Kanzler schon Müllet Braun und Severing und es bleibt abzuwarten, wen die Partei als würdigsten u. fähigsten Vertreter repräsentieren wird. Der kommunistischen Partei hat der Bruderkampf im eigenen Lager wenig geschadet. Konnten die Jünger Moskaus auch nicht eine Stimmen- und Mandatszahl erringen, die ihren Erfolgen bei den Maiwahlen 1924 gleichkommt, so haben fte doch gegen 1924 neun Mandate gewonnen, so daß sie 54 Mann hoch In den neuen Reichstag einziehen. Sie werden dem Parlament und Regierenden schwer zu schassen machen, umso mehr als eS ihnen nicht auf eine solide parlamentarische Arbeit ankommt, sondern ihre ideologischen Zielsetzungen wett ab von b«x Gesundheit und
Nach den Neuwahlen kann man immer Leute beobachten, die nicht in den Reichstag hin« einfmven. Der Neuling, der gestützt, auf das »Vertrauen der Wähler", seinen Einzug in den Reichstag halten will, muß annehmen, daß die gewaltigen Prunkportale mit den gewaltigen Auffahrten zu einer solchen Begebenheit für die Parlamentarier geöffnet sein werden. In der PrariS ist es aber ganz anders? Mitglieder deS Reichstags, Reichsrats, und der Reicbsregie- rung betreten das Gebäude durch den südlick>en. dem Brandenburger Tor am nächsten liegenden Eingang 2*, so heißt es in dem Wegweiser für Abgeordnete, mit seinen 35 Lebensregeln für Parlamentarier Sie unterrichten den Abgeordneten über: Eisenbahn. Theater. Kasse. Lesesaal, Speisesaal, Arbeitszimmer, Turnsaal, Barbier, Bademeister, Krankenschwester und andere nette Einrichtungen des Hauses. Aber mancher Reugebackene kann sich nicht vorstellen, daß er sich seitwärts in das
ReichstagSqebäude htneinschleichen und dabei eine sehr enge und schon etwas wacklige Drehtür vor sich herschieben muß. Hat sich der Neuling nach dieser Türe dennoch zurecht gefunden, dann steht er überrascht vor einer sehr breiten Freitreppe mit überlebensgroßen Brsn- zeflandbildern, den im Dämmerlicht des kleinen PorraumS Beinahe unheimlich wirkenden Erzgestalten deutscher Kaiser. Mer hier greift auch schon ein Mann in der blauroten Uniform der RetckiStagSdiener ein und wenn der bte AuS- weiSkarte der Neulinge geprüft und in Ordnung gefimden hat, dann gleitet er gewissermaßen von Hand zu Hand nach der Kleiderablage, dem Sitzungssaal und nach seinem eigenen Zimmer. Eigenes Zimmer ist heilte noch ein wenig viel gesagt, ein ganzes Haus, ein ganzes Hotel mit eigenen Zimmern für jeden Reichstagsabgeordneten soll ja erst gebaut werden:denn deiReichs- tag ist seit langem viel zu klein geworden Heute muß der Abgeordnete sich schon da- mit begnügen, daß er Jein* Zimmer, wenn eS zu den flehten gehört, mindestens mit einem,
Di« Sozialdemokraten werden in bet Lage sein, den Gang bet brutschen Politik um mehr als ein oder zwei Grade nach links abzulenken, was nichts Aufregendes habe. Das wichtigste Merkmal fei das Dnhinschwtnden der Anhängerschaft der Hohenzollern und man habe den Eindruck, daß Deutschland fich endgültig von dem
schrtft »Reichskanzler Otto Braun* auch darauf hin, daß noch geringfügige Aenbe- rungen im Zahlenbilde der Parteien relativ bedeutenden Einfluß auf die Abschätzung der politische» Möglichkeiten deS neuen Reichstages mit sich bringen können. Dem parlamentarischen System entspreche eS aus alle Fälle, wenn nun mngchntd ein Vertreter der stärksten Partei, der Sozialdemokratie mit der Regierungsbildung betraut wird. Die Sozialdemokratie solle doch einmal zeigen, was sie an wirklicher Arbeit zu leisten vermag. Möge doch nunmehr ein Kabinett unter ihrer Führung beweisen, daß ihre schrankenlosen Versprechungen von ihr durchgeführt werden. Ein RechtS- blatt schreibt ohne Beschönigung, daß die
Verluste der Deutschnationalen größer find, als auch die voraussehen konnten, die mit Verlusten rechneten und sie sind keineswegs ganz unverschuldet. Die Deutschnationalen hätten das gefährliche Experiment des Eintritts in eine schwer vorbelastete Regierung teurer bezahlen müssen, alS die Gegner des Experiments eS voraussagten. Man unternahm mit unzulänglichen Mitteln den Versuch zur Bereinigung einer ungeheuren Konkursmasse. Man trägt etzi die Kosten. DaS Blatt kann sich schwer vor-
Berlin, 22. Mai. (Funkdienst). Dem Wahl- stellen, daß dieser Reichstag eines natürlichen ausfall entsprechend rechnen die Blätter über-jTodes sterben sollte, Andere Rechtsblätter mei- einstimmend mit dem Zustandekommen der gro»*- — *--k *-> ........
ßen Koalition unter Führung der Sozialdemokratie. Gin RechtSblatt weist mit der liehet»
Paris, 22. Mai. Zum Wahlausgang schrieb der Sozialist Leon Blum: Die Dache des Friedens und der deutsch-französischen Annäherung ist gewonnen. Das Gewerkschaftsblatt fagt: Künftig ist Platz für eine gesunde Politik der Annäherung. Die rechtssteAnden Blätter find trotz ihrer Freude hinsichtlich der möglichen Folgen skeptisch. Di« deutschen Wahlen zeigen, daß die Sozialdemokraten ernstlich ans ihrem linken Flügel vom Kommunismus angefreffen find. Ein Blatt schreibt: Nichts wäre gefährlicher, als die jetzige Orientierung als eine Verstärkung der Friebensverträge anzufehen. Der etzt gewählte Reichstag gleiche dem von 1920, »er die gesamte Campagne für die
Vernichtung bet Friebensverträge unb für bie Verdrängung bet Republik geführt hat. Deutschland fchwankt zwischen bet Unzn- riebenfjeit bet Rechten unb bet Unzufriedenheit der Linken, unzufrieden ist es immer(!) Die Grundgedanken der bentfchen Politik würden weiter militaristisch, bürokratisch und alldeutsch bleiben (!) Ein Blatt warnt vor Illusionen, man dürfe ni$t vergessen, daß die deutschen Sozialdemokraten 1914 wie ein Mann in den „frisch-fröhlichen Krieg" gezogen seien (?) Ganz nach Englands Wunsch. Locarno bleibt und die Monarchie ist tot.
London, 22. Mai. Die Londoner Motgen- preffe sieht tn dem Wahlergebnis den Beweis, daß der republikanische Gedanke im deutschen Botte fest« Wur der kommnni
Bedeutung beigemessen. Die friedliche Gesinnung fei auf bie Außenpolitik Dr. Stresemanns zurückzusühren. gebe Stimmgabe, bie nicht ben Kommunisten ober ben Nationalisten gewährt würbe, bebentet ein
Vertrauensvotum für den deutschen Außenminister.
dem Fortschritt unserer Wirtschaft und Gesell- schäft liegen.
Obwohl über zwei Millionen neue Wähler aufmarschierten, ist die Zahl der ReichstagSab- geordneten von 489 hinter den 493 Mitgliedern deS Reichstages der letzten ReichStaaswahl um vier zurückgeblieben. Selbst in dem Fall, in dem man die verloren gegangene» Stimmen der Splitterparteien mitzWt. scheint die Wahlbeteiligung in diesem Jahre doch geringer gewesen zu fein, als vor vier Jahren. Diefe Tatsache fällt bei dem Verlust, den die Mittelparteien erlitten haben, besonders schwer ins Gewicht. Es war so eine Art Flucht a u i dem bürgerlichen Lager, was wir erlebten, eine Flucht aus den Mittelparteien zum Radikalismus hin. Die Tendenzen sind noch nicht völlig klar, aber «r scheint nicht auSge- chloflen, daß wir unter Aushöhlung bet »utie langsam in ety Zwei-Parörtensyst^m