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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 116.

Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Donnerstag, 17. Mat 1928.

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.

18. Jahrgang

Kriegsächtungspakt oder nicht?

Heimat der Seele.

Wohin wir ewig wandern.

Von

Sie schwimmen über dem Nordpol.

Die Italia über unerforschtem Land. Eiskrusten und Gegenwind behindern den Flug.

Arthur Brausewetter.

In einer der wundervollen Kapellen der St. Marienkirche steht man heute noch, längst verges­sen, eine aus Holz geschnitzte Christuspuppe, un­gefähr in Menschengrötze. Sie bietet dem Ken­ner und Forscher nicht geringes Interesse, denn sie stammt bereits aus dem 15. Jahrhundert und diente einem eigentümlichen kultischen Gebrauche. Am ersten Ostertage nämlich ward sie am Hoch­altar in ein Grab gelegt, aus dem sie sich infol­ge sehr einfacher mechanischer Vorrichtung er­hob. Am Himmelfahrtstage gar ward sie mit einigen Seilen in die Höhe gehoben und dort eine ganze Weile schwebend gehalten. Auf diese Weise sollte der festlichen Gemeinde die Himmel­fahrt Jesu Christi sinnenfällig und handgreiflich klar gemacht werden.

Unsere Zeit ist geistiger und verinnerlichter geworden. Wir suchen das Unvergängliche nicht mehr im Vergänglichen, das Ewige nicht mehr im blöden Spiel der Sinne, suchen den Lebendi­gen nicht mehr bei den Toten. So ist uns auch Himmelfahrt ein Fest der Verinnerlichung. Es weist uns das Ziel jenes Suchens und jener Sehnsucht, die immer in uns ist und vielleicht unseres Lebens bestes Teil ist.

In einem Briefe des Apostels Paulus wird einmal der Leib des Menschen mit einer jener Hütten vergliche», wie sie das Wandervolk der Nomaden aufbaute und wieder abbrach, weil es nirgends eine Heimat hatte, sondern rast- und ziellos über die weite Erde dahtnpilgerte. Es gibt Zeiten in unserem Leben, wo auch wir uns Heimat- und zwecklos auf dieser Erde fühlen. Vielleicht liegt etwas Gutes in dieser Empfin­dung ,denn sie hindert uns, unser Denken, Tun und Trachten zu ausschließlich an diese Welt der Erscheinungen und der Vergänglichkeit zu hängen.

Aber es ^ie>. zugleich auch etwas Traurig­stimmendes in ihr, wie es natürlich für den ist, der sich heimatlos fühlt und eines bestimmten äWeckes für sein Sein nicht bewußt. Das ist das rotze und Schöne des Himmelfahrtsfestes, datz es uns über diese Traurigkeit Hinweghelfen und den Zweck und das Ziel unserer Wanderung und unseres Tuns zeigen will. Himmelfahrt ist das Fest der Heimat. Es zeigt uns den Weg zu ihr und die Freude in ihr.

Der Weg zu ihr ist oft beschwerlich. Er geht durch Mühe, Kampf und Hitze. Was wir mit einem Schlagwort der ZeitEntwicklung" nen­nen, ist nichts anderes als dieser Weg zur Hei­mat, zur eigentlichen Bestimmung und Erfüllung unseres Wesens und unserer Wanderung. Wie Leben und Tod die beiden treibenden Kräfte auf diesem Wege sind, so find sie es auch für unser geistiges Werden. Gewiß, in dem täglichen Stirb und Werde" liegt viel Kampf und Leid enthalten, zugleich aber die ganze Fülle und der ganze Reichtum des Lebens. Denn nur der Strebende und Werdende lebt, der an­dere vegetiert. Der Strebende und Werdenoe ist auf dem Wege zur Heimat, mag er ihn auch durch Irrtum und Schuld führen. Ihm aller» öffnet sich der Himmel, der den Fertigen und Satten verschloflen bleibt, an ihm nimmt die Liebe von oben teil, ihm begegnet die selige Him­melsschar mit herzlichem Willkommen. Gnade und Streben, das sind die beiden Pole, zwischen denen der Weg zur Heimat hinführt. Das Le­ben ernst auffassen, aber zugleich tapfer und fro­hen Mutes, sein Suchen und Streben in gesunde Bahnen leiten, auch hei Mißerfolgen nicht ermü­den, Irren und falsches Streben nur als unent­behrlichen Umweg zum Ziele betrachten, das Schild rein und heiter den Sinn dann kommt man immer vorwärts und heimwärts, auch wenn der Weg mal schwer und dornig ist.

Dann erfährt man auch die Freude, die in der Heimat beschlossen liegt. Unser Leben sollte im letzten Grunde nichts anderes sein als ein Heimkommen. Dann wird es zugleich eine un­ausgesetzte Himmelfahrt sein voller Licht und Sonnenschein." Ich habe neulich zwei Wunder gesehen", schrieb Luther an den kurfürstlichen Kanzler, Dr. Brück. Das erste, da ich zum Fenster hinaussah, die Sterne am Himmel und das ganze schöne Gewölbe Gottes und sah doch nirgends keine Pfeiler, da der Meister solche Gewölbe ge­setzt hatte, dennoch fiel der Himmel nicht ein und steht auch solch Gewölbe nicht fest... Das an­dere: ich sah auch große, dicke Wolken über uns schweben... und sah doch keinen Boden, darauf sie ruhten oder fußten, noch keine Kufe .darin Re gefaßt wären, noch fielen sie nicht auf UNS.

So offenbaren Welt und Himmel immer ihren geheimen Sinn und wer nicht müde wird, dar­auf zu achten und andächtigen Herzens zu war-

Rom, 16. Mat. General Nobile sandte nach dem gestrigen Aufstieg der Italia um 9 Uhr abends folgenden Funkspruch. Seit einigen Stunden fliegen wir über einer . »erforschten Zone zwis .: Spitzbergen und dem Franz-Jo seph-Land, 150 bis 200 Meter unter dem Rebe!. Der Sichtkreis reicht etwa zehn Meilen weit. Ge fienminb von etwa dreißig Stundenkilometern etzt die Geschwindigkeit unserer Fahrt auf unge­fähr fünfzig Kilometer herab. Infolge des Ne­bels hat sich am Luftschiff eine dicke Eiskruste von bemerkenswerter Schwere gebildet. Im übrigen alles in Ordnung. Bisher haben wir keitze Spur von Land wahrgenommen. Das Packeis ist fester als am Nordkap und scheint für eine Begehung günstiger.

* * *

Noch immer kein Land.

Was sie aus dem Nordpolschiff sehen.

Rom, 16 Mai (Eigener Drahtbericht). Ein neuer Funkspruch General Nobiles besagt: Um

10 Uhr 30 Minuten Abends beschloß ich, den Kurs nach Norden zunehmen um tiefer in das unerforschte Gebiet vorzudringcn. Wir erreich­ten dann einen Punkt unter 82 Grad nördlicher Breite und 28 Grad 30 Minuten östlicher Länge. Von dort wendeten wir uns nach der Alfred Harmsworth Insel. Um 2 Uhr 30 kam diese, der Iran, Josef Gruppe benachbarte Insel in Sicht. Wir haben mäßigen Gegenwind. Die Sicht hat sich bedeutend verbessert Wir haben keine An­zeichen von Land gefunden.

*

Rom, 16. Mai. General Nobile funkte gestern abend: Wir fahren seit 1% Uhr über Packeis. Seit Stunden sind wir immerwährend in Nebel eingehüllt und sind infolgedessen tiefer ge­gangen, sodaß wir jetzt 15 Meter über dem Spie­gel des zugefrorencn Meeres fliegen. Die Sich- I tigkeit wechselt zwischen zwei und fünfzehn Kilo­meter. Es bietet sich uns ein prachtvolles Schau- I spiel dar. An Bord ist alles wohl.

Was nmchtBriand Strefemann front?

Wilde Gerücht« von TyPhuSbazille« im Wasser oder i» Speisen. Der Herd in Genf?

)a oder nein

Sttesemann geht es beffrr.

Berlin, 16. Mai. (Privat-Jnformation.) Wie aus der Umgebung Dr. Stresemanns verlautet, hat der Patient die Nacht gut verbracht. Die letzte Untersuchung durch die Aerzte am heutigen Vormittag hat ergeben, daß Temperatur und Puls normal und daß vor allem in der Funk- tionder Nieren im Vergleich zu gestern eine ge­wisse Besserung eingetreten ist. Dementsprechend hat sich auch die Stimmung des Patienten ge­bessert.

rechtigt zu der Annahme, daß dir Krankheit auf eine gemeinsame Quelle zurückzusühren sei, etwa daß das in Genf von den beiden Staats­männern getrunkene Wasser nicht einwandfrei gewesen sei, oder, daß es den.Anarchisten ge­lungen wäre, in die für die Außenminister be­stimmten Speisen Bazillen zu mifd)ctt, um die beiden Staatsmänner, die einen ausschlag­gebenden Einfluß aus die internationale Lage ausüben, aus dem Wege zu schaffen. (Die Du­plizität der Fälle ist doch wirklich nicht so un­gewöhnlich, daß man «gleich zu den phantastisch­sten Kombinationen greifen muß. D. Red.)

man es als verdächtig, daß Briand Strefemann und auch mehrere andere Persönlichkeiten gleich­zeitig an Para-Typhus erkrankt seien. Das be-

Allerlei kuriosen Gerüchte» zufolge betrachtet! gen wird, damit er weiter das europäische Frie- 'denswcrk konsolidieren kann.

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Gute Besserung r

Frankreichs Interesse für Strefemann.

Paris, 16. Mai. In fast sämtlichen Kreisen Frankreichs wünscht man eine baldige Wieder­genesung des Außenministers Strefemann. Ein Blatt stellt die Verbundenheit Briand- Stresemann selbst bis in die Krankheit fest und wünscht die Fortsetzung der Analogie auch für die Genesung. In »Frankreich, so heißt eS, wo jedermann Strefemann als Loearnobegrün- der und als einen Verteidiger der französisch- deutschen Annäherung kennt, werden die Pha­sen der Krankheit mit Interesse verfolgt. Man hofft, daß die robuste Konstitution des Mini­sters schließlich über die ernste Erkrankung obste-

Wie stellt sich England zur Kriegsächtung?

London, 16. Mai. Nachdem das Oberhaus am Dienstag Abend den Antrag Lord Readings, der die englische Regierung ersucht, dem Kellogg- schen Antikriegspakt zuzustimmen, ange­nommen hat, wird mit der Ueberreichung der englischen Antwort in Washington noch in die­ser Woche gerechnet.

211KD Japan macht Winkelzüge

Paris, 16. Mai. (Eig. Drabtbertcht.) Wir aus Tokio verlautet, wird die japanische Ant­wort aus den Kelloggschen Vorschlag dem ame­rikanischen Botschafter demnächst ausgehändigi werden. Wie in gut unterrichteten Kreisen ver­lautet, wird Japan den Vorschlag annehmen, jedoch einige Abänderungen zur Erwägung stellen.

Wie es in den Tiefen gärt.

Schwere Erdbeben in den Tropen. Bor neu en Katastrophen.

London, 16. Mai. (Eig. Drahtbericht.) Dir Stadt Guayaquil in Ecuador wurde von einem heftigen Erdbeben heimgesucht. Zahlreiche Häu- srr stürzten ein. Menschenverlufte sind noch nicht bekannt."

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London, 16. Mai. (Eig. Drahtbericht.) In Tiflis verursachten mehrere Erdstöße erhebli­chen Sachschaden. Nähere Einzelheiten liegen

noch nicht vor. Mit weiteren Beben ist im gan­zen Mittelmeergebiet zu rechnen.

Lima (Peru), 16. Mai. (Funkdienst). Cha chapoyas, die Hauptstadt des Departement- Amazonas, ist teilweise durch ein Erdbeben zer­stört worden, auf das ein Wolkenbruch folgte. Drei Personen wurden getötet. Die Türme einer Kirche stürzten ein. Die Einwohner flüch- teten in die Umgebung.

ten, der wird amfarbigen Abglanz" das Leben haben und genießen. Dem wird der farbige Ab­glanz aber zugleich das Herz öffnen für eine Welt, die wir mit diesen Augen nicht sehen, mit diesen Händen nicht fassen können und die doch die eigentlich wirkliche erst ist.

Christus hat uns die Pforten dieser Welt ge­öffnet, indem er dahin zurückkehrte, von wo er ausgegangen war :zum Vater im Himmel. Auf Erden hatte er bereits einReich Gottes" ge­gründet, um, die an ihn glaubten, schon hier zu Bürgern des Himmels zu machen. Nun führte er sie nach Kampf und Last des Daseins durch Tod und Vergehen in seine Heimat ein. So wandern auch wir heimwärts. Eine Losung möge uns auf dieser Heimwanderung erfüllen und stärken :Mit den Füßen fest auf der Erde. Aber Haupt und Herz himmelwärts gerichtet. Dann werden wir beides sein: Bürger des Reiches Gottes auf Erden und Wanderer zur ewigen Hei­

mat. Dann wird mit uns wandern und wallen die große Freude .wird uns froh und stark zur Erfüllung unserer Pflichten, zum Tragen des uns Verordneten machen, wird uns entflammen zur Liebe zu denen ,die mit uns wandern und wallen, zur Geduld mit ihren Schwächen, zum Stützen und Helfen eines des anderen, zur selbst­losen Mitarbeit an der ernsten Sache unseres blu­tenden Vaterlandes, zum Aufblick aus aller Last und allem Leid zu einem Himmel, der über uns geöffnet ist und aus dem d'e große gebende und vergebende Liebe uns grüßt. So laßt uns im Geist und in der Wahrheit Himmelfahrt feiern, uns in allem, was wir tun und leiden, der Gnade befehlen, deren Preis Porzia im Kauf­mann von Venedig so schön besingt:

Die Art der Gnade weiß von keinem Zwang, Sie träufelt ie des Himmels milder Regen Zur Erde unter ihr; zwiefach gesegnet;

Sie segnet den, der gibt, und den, der nimmt.

Auf einer Linie.

Von Dr. Hermann Pachnicke, M. d. R. Der WEkampk auf dem Höbcvnuft. Die Parteien gleichen sich wie ein Ei dem ander«. Was fte verschweige« und vergesse«. Der

Wühler fall sprechen.

Der arme Wähler! Als Reichsangehöriger sieht er sich einunddreißig Parteien, als Preuße neunundzwänzig Parteien gegenüber, und auch in den übrigen Ländern ist die Zahl der Par­teien, die um seine Seele oder doch um seine Stimme werben, stark gewachsen. Wie werden die neu in die Wahlberechtigung eingetretenen Jahrgänge von 19041908 stimmen, wie die 14,4 Millionen Arbeitnehmer, von denen im Jahre 1924 nur 7,8 Millionen der Sozialdemokratie ihre Stimme gaben, wie die Einwohner der Orte mit weniger als 2000 Seelen, die 35,6 Prozent der Bevölkerung ausmachen? Jede Voraussage wäre eine Verwegenheit^ Die Entscheidung fällt dem einzelnen um so schwerer, als die Wahlaufrufe, von prinzipiellen Meinungsverschiedenheiten ab­gesehen, pratiisch vielfach

auf das gleiche hinauslausen.

So versprechen alle eine sparsame Wirtschaft, reden vonstrengster Sparsamkeit", von einer Begrenzung der Gesamtsteuerlast nach der Sei- stungsfähigkeit der Wirtschaft usw. Die Rechts­parteien erstreben eine Minderung des schwer auf dem Volke lastenden Steuerdrucks, eine Verein­fachung der Steuergesetzgebung und eine gerech­tere Verteilung der Steuerlasten. Die Sozialde­mokraten erklären: Wollt ihr eine sparsame Fi­nanzpolitik, so wählt uns! Die Demokraten ver­sprechen eine energische Drosselung der Ausgabe- und Einnahmeseite der Etats, verbunden mit umfangreicher Verfassungs- und Verwaltungs­reform, Abbau der Objekt- und Ertragssteuer durch ihre Angleichung an Einkommen- und Ver­mögenssteuer. Ein nachdenklicher Wähler dürfte fragen: Warum wurden diese guten Vorsätze nicht schon früher ausgeführt? Es waren doch immer die Parteien, die, wenn es sich um ihre Wählerschichten handelte, über die Etatsforderun­gen der Regierung weit hinausgtngen und Zu­sätze machten, die das Gleichgewicht des Haus- balts stark gefährdeten.

Ebenso einmütig wird der Mittelstand umworben. Die Erhaltung und Förderung eines freien, verantwortungsbewußten, selbst­ständigen Mittelstandes ist uns wesentlichste Aufgabe als Grundlage stetiger Entwick­lung des Staats- und Gesellschastslebens und als Mittel zum Aufstieg tüchttger Elemente, so heißt es in allen möglichen Parteiausrufen. Daß alle größeren Parteien die Landwirtschaft, die ein starkes Kontingent der Stimme» stellt, erwähnen, ist selbstverständlich. Tie Deutschna­tionalen wollenRettung" der Landwirtschaft, die Sozialdemokraten Hebung der bürgerlichen Kaufkraft itnb stabile Preise für Agrarproduk­te. die Demokratie eine entschlossene Bauernpo­litik und eine energische Siedlungspolitik. Die Deutsche Volkspartei bezeichnet eine gesunde Landwirtschaft als stärkste Stütze des Staates und die Erhaltung eines kaufkräftigen Bauern­standes als wirtschaftliche und nationale Pflicht Die gleiche Uebereinstimmung in Worte» findet sich hinsichtlich der sozialen Gesetzgebung, der Kleinrentner, der Berufsbe­amten und vor allem der Außenpolitik, soweit es sich um die

Befreiung der Rheinland«, die Rückgabe des Saargebietes und die Neuge­staltung der Reporattonsderpflichtungen han­delt. Auch nach der negativen Seite ergibt sich eine auffallende Aehnlichkeit: Keine der ge­nannten Parteien v»»tangt die Reform deS Wahlrechts, keine ist )u auch während des letz­ten Gesetzgebungsabfchnitts an die Lösung dieser LebenSftage ernsthaft berangetreten Und doch liegt hier der Haupthebel zur Bes­serung unserer politischen Verhältnisse, zur Wiederherstellung deS Rech's der Wählerschaft und zur Bekämpfung der inS Unerträgliche ge­diehenen Varteizersplitlerung Ein­zelne Parteiredner haben hcrvorgehotben, datz die Wahlkreise von einer Persönlichkeit erobert werden müßten, was ja doch nur durch eine Reform des Wahlrechts möglich sei Andere haben nicht einmal dies für nötig gebalten, und so wird man auch in der neuen LtgtSlaturperi« ode eine wirkliche Reform des Wahlrechts kaum erwarten dürfen, wenn sich nich« in der Wäh­lerschaft selbst eine stärkere Strömung da­für bildet. Die eigentlichen Unterschiede treten erst hervor, sobald ihr Verhalten gegenüber der Staatsreform zur Sprache kommt. Hier stoßen natürlich die

Weltanschauungen schroff aufeinander, ohne daß sich etwa eine Partei völlig von bet