Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 115.
Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.
Mittwoch, 16. Mai 1928.
Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.
18. Jahrgang
Llebmaschenöe Schicksalswende in China
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Räumt Tschangtsottn Veking? ES reicht noch nicht.
Die Südchlnesen schon heute in Tiensin. — Rückzug nach der Mandschurei? Preußen will webt für die Landwirtschaft tn».
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London, 16. Mat. Nach den jüngsten Meldun- Bewohner Von Tientfin arsorat i# Die nu. langsriftige Kredite ftati knrzsriftiger Personal»
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'n der Nähe gelegenes Dorf meterhoch. Vierzehn Häuser find zerstört worden. Tiefe Erdspalten
In Tientsin ist es sichrer.
Gesandtschaften und Europäer verlassen Peking
andere Richtung zu leiten. Es ist aber nicht ficher, datz dies zur Eindämmung des Brandes führen wird. Heule ist man mit dem Fällen der Waldbaume, die sich in der Nähe deS Brandes befinden, beschäftigt. Hunderte von Sandsäcken werden in die brennenden Bohrtürme geworfen, um das Reuet zu löschen, jedoch bis jetzt ohne d^"e Dörfer find bereits geräumt «orten. Aalte Maßnahmen waren bisher umsonst.
Tientsin und Peking, das Los der Mandschure, antwortung dieser Frage häng, ganz entschei» harrt der Entsechidung. Die Gegensätze zw,- send von der Stellungnahme ab die Waschen China und Japan sind vollkommen Ist shington in dem gesamten Streitkompler hier eme friedliche Lösung möglich? Die Be- einzunehmen gedenkt.
* * *
Die Folgen sind schwer.
Mitteleuropa und Bayern bleiben liegen.
wieder hundert Tote?
Die Erdbeüengeißel über Japan.
Newyork, 15. Mai. Rach einem bisher nicht bestätigten Funkspruch hat sich in der Gegend von Mishifutamo in Japan ein schweres Erd-
London, 16. Mai. Nach den jüngsten Meldungen aus Peking setzen die Südchinesen ihren Vormarsch auf Tientsin beschleunigt fort. Mau rechnet damit, datz sie die Stadt noch heute erreichen. Marschall Tsangtsolin lietz sämtliche Armee-Depots nach der Mandschurei ab- trausportiereu. Es soll die Frage der vollständigen Zurückziehung aller nordchinesischen Armeeabteilungen nach der Mandschurei erörtert worden sein.
London, 16. Mai. Wie aus Batavia gemeldet! wirt ,erfolgte auf Java ein Vulkanausbruch, der von einem heftigen Erdstoß begleitet wurde. Aus zwei Kratern schoflen hohe Feuer-, Rauch- und Aschewolken in die Luft. Aschesteine wurden weit in die Umgebung geschleudert und bedeckten ein '» der Nähe gelegenes Dorf meterhoch. Vierzehn
Bewohner von Tientsin gesorgt ist. Die Ge- sandtschaften und Europäer werden nach Tient- stn übersiedeln. Eine Verteidigung der Ge- sandtschaften in Peking würde ein zu großes Rrstko bedeuten.
gib, JSefing preis
Peking, 15 Mai (Kabeltelegramm.) Alles scheint auf eine bevorstehende Abreise Tschang- sclins aus Peking hinzuweisen. Die Nord» truppen räumen die südwestlich von Pe- king gelegene Stadt Paotidgfu Geschütze und Munition werden nach der Manschurei verladen.
weltpolitische Lage geschaffen werten. Das chinesische Problem in seiner ganzen Welt, politischen Tragweite erscheint am östlichen Horizonte. Der Rückzug Tschang Tsolins und der Vormarsch der Sndchinesen macht es am Tagt! des Einzugs der Nankinger Regierung in Peking zu einer brennenden Frage. Summenvro- bleme treten in die Erscheinung. Was wird aus den ungleieben Verträgen, was aus den besetzten Häfen, was aus den alten Konzessionen, Was werden die einzelnen Großmächte tun? Was Großbritannien, was die bereinigten Staaten, was Japan? Werden sie sich aus ein einheitliches Programm bei den herrschenden Jntereflengegensätzen überhaupi einigen können?
Am brennendsten ist das Verhältnis der siegreichen Nationalisten Chinas zu den Japanern, die ihnen in letzter Stunde in die Arme fielen Die Zukunft von Schantung, das Schicksal von
Für Filcher nichts zu schwer. Ein Gruß aus fernsten Fernen. — Wie er sich durch Tibet durchschlägt.
Berlin. 15. Mai. Aus Leh im nördlichsten Indien, unweit der tibetischen Grenze, wird endlich von dem totgesagten deutschen Asien- und Sudpol-Forscher Dr. Wilhelm Filchner mitgeteilt, daß er nach unsäglichen Muhen und Entbehrungen, im März mit zwei Begleitern diesen Ort erreicht hat. Leider kam Filchner, der sich nur sehr notdürftig ausrüsten konnte, mit erfrorenen Füßen und einer gebrochenen Hand an Er hoffte, südwärts nach Kaschmir hinein zu finden. Trotz vieler Hemmungen durch die mißtrauischen und abergläubischen Tibeter, die zunächst durch Gerüchte von der Annäherung eines großen bewaffneten E r- >editions-Korps beunruhigt waren, konnte der deutsche Forscher, dank seiner zähen Energie. seine wissenschaftlichen Aufgaben ierdmagnetlsche und astronomische Messungen owie Aufnahmen unbekannter Teile von Tibet) restlos durchführen? Die zweieinviertel,ährige EtpeditiPt Filchners — von Russisch-Asien durch die Wüste Gobi nach China und von dort durch Tibet nach Indien—bedeutet einen großen Erfolg mit geringsten Kosten.
Berlin, 15. Mai. Dr. Stresemann ist schon leit einiger Zeit magenleidend und hat, wie die Blätter berichten, seit drei Tagen keine Nahrung zu sich zu nehmen vermocht, was eine Schwächung des ganzen Organismus zur Folge «hatte. Gestern abend konnte er wieder etwas Nahrung vertragen. Unmittelbare Lebensgefahr besteht nicht. Selbst im günstigsten Falle wird der Heilungsprozetz mehrere Wochen in Anspruch nehmen, während welcher der Pa
durch die Armeen SüdchinaS zu rechnen. Das f» Mifletdestschaft
aan?n/»e Laae ^An^^ü^ den "<8 e n peratursteigerung begreiflich. Der Minister
f ? wird wenigstens 14 Tage das Bett hüten
hn PT hn? «nrfi »in muffen. Der Besuch des tschechischen Außen-
in d^nb"ion^nik!H^i^ntckz!>n"°^/nNik^^^^er Ministers Dr. Bene sch in Berlin kommt da» mparünh rno f mit in Fortfall. Dies wirt in der Tschechoslo-
ß tn mn» h»Waki allgemein bedauert werden, da man von
to(-rhi>bUn?h hi» fOhAinJnfrfil öet Aussprache, die Bereinigung dringlicher
NaEng Was 1er VöKrbuub ^ulün^rtenkt außenpolitischer Fragen erwartete, die auf einen wenn die Regierung in Nanking mit jener in --------------------—
Peking identisch ist, soll vorerst ihm über lassen bleiben.
. । Wie sich herausstellte, leidet Außenminister .."„Jf*; $r. Stresemann an einer Magenvergiftung und an schwerer Grippe. Er hatte am Freitag Mit. Beschlüssen des .Tigers 'ber Är°ndschu?ei'- vor ^ o?7r?/au?ein^ angingen, wie Londoner Blätter vermuten. I Äeisckveröittunc, ,»,oa die* eine ^tör»oo °d» $fdianationn 6 in111 b;e61 manbf»uteC Magenfunktionen verursachte und auch aus den
t IDarm übergrifs. Eine Nierenaffektion
w."we K-rne-n IInfolgedessen wurde auch das Herz
gezogen. So tst eine Tem- begreiflich. Der Minister
ein löblicher Wortwechsel
München, 16. Mai. (Privattelegramm.) Heute nach wurde bei einer Schlägerei, die sich aus.einem Wortwechsel mit einer Dirne entwickelte, der einunddreitzig Jahre alte Metzger «ttenberger durch einen Messerstich in die Brust getötet. Der Täter ist bis jetzt unbekannt.
©Iretffieöer an öer blauen Donau
, ?^'en, 15. Mai. Das Generalsekretariat der alpinen Montangesellschaft gibt bekannt, daß sich am gestrigen Tage die-Streiklage im Hüttenberg- gcbiet nicht geändert hat. u
Chinas ist gegenwärtig Japan, beffen RegierungiDie Petroleumfelder ein Feuermeer sich seit dem geschlossenen Einmarsch in Schau- Verzweifelte Löschversuche in Rumänien — Ge räumte Dörfer — Vorläukia alle« «mtnn# tung in völliges Stillschweigen hüllt. Darüber 1R mni „,,a «onausta alles umsonst,
sind die Regierungen Washingtons und Lon I .. “ ?“6 einet ^""ernung z ' ' " ~ ’
dons in gleicher Weise beunruhigt. Tschang ^5" "w'-zig Kilometer kann man die riesigen Tsolin protestierte wiederholt gegen die japa- brennender Bohrtürme sehen. Der
Nischen Pläne in Tientsin, gegen die Anlegung ^°ben. der durch den Brand im Petroleum- eines großen Flughafens und die daraus ent- ^et verursacht wird, betragt über hundert stehende fortgesetzte Bedrohung der chinesischen Millionen Ley. Die ganze Gegend ist vom Hauptstadt Peking. Die Verwicklungen der «euer bedroht. Achtzehn Bohrtürme find vrnich- Südchinesen mit den Großmächten drohen setz: “t worden. Drei Arbeiter sind dabei untS Le- auch auf Tientsin und Peking überzuspringen gekommen. Man ist z. Zt. mit dem Bau ei* Waren sie bisher aber lokaler Natur, so wird |ne® Tunnels beschäftigt, um das Erdöl in eine in dem Uebergreifen der Bewegung auf die Hauptstadt des Landes in der Tat eine neue
Berlin, 15. Mat. Preußen ist, nach Mittet« hingen in der Presse bereit, bei Einrichtung der Treuhand stellen als Gesellschaften mit beschrankter Haftung bei der Verschuldungs- aklion für die Landwirtschaft ein Drittel des Geschäftskapitals zu übernehmen, falls das gesamte Geschäftskapital auf nicht mehr als 21000 Rm. bemessen und die Einzahlung des Geschäftskapitals auf die gesetzlich zulässige Min. destgrenze beschränkt wird. Preußen wird zu einem Drittel, die Treuhandstellen zu Erfüllung der ihnen in den Richtlinien zugewiesenen Au^ gaben leistungsfähig erhalten. Preußen will diese Verpflichtungen bis zum Gesamtbeträge der ersten Rate einer Ausländsanleihe bet Landesbankenzentrale von etwa 100 Millionen Rm. übernehmen, fall der erste Anleiheteil voll auf Preußen fallen sollte. Es seien jedoch noch umfassende Hilfsmaßnahmen nötig. Ein Weg dazu wäre, daß an die Stelle der jetzigen kurzfristigen Personalkredite mit hoher Zinsbelastung
langfristige Kredite mit günstigeren ZinSbedin* gütigen
gesetzt werten. Das ist dadurch möglich, daß die kurzfristigen Schulden der Preußischen Zen- tralgenossenschaftstalle und der übrigen Landwirtschaftlichen Personalkreditinftitute bei ihren größeren Geldgebern, namentlich bet Reichsregierung und der Rentenbank-Krebitan. stalt, in langfristige Verbindlichkeiten umge- wandelt werten. Eine solche Maßnahme ließe sich allein z. B. durch die Preußenkasse und die ihr angeschlossenen Genossenschaftsorgani- lattonen, durchführen. Ferner würde diese Maßnahme schon mit Rücksicht auf die in Be- tracht kommenden Beträge — zunächst 100 Mil- Honen Rm. gegenüber mindestens 300 Millionen Rm. einem weit größerem Kreise von Landwir. ten zugute kommen.
Truppenmaffen an seinem Grabe vorbeigezogen. Die siegreichen Armeen Südchi- s wälzen sich trotz der Zwischenfälle in Tsin-
S SSMM SSI-“—“ «ÄSäws Generalissimus Tschiang Kaishek den Vor- marsch allein. Jetzt kämpft er im Dreiverband mit Feng Yu-Hsiang, dem Herrn ber Provinz Honan und mit dem Gouverneur der Provinz Schansi. Schon der Aufmarsch der Truppen dieser drei Generäle legte sich in weitem Halbkreis um die Provinzen Chili und Schanmng, die von Tschang T s o-l i n. dem Herrn der Mandschurei und dem Beherrscher der Hauptstadt, Peking, gehalten wurden Zwar verstellten die Japaner Tschiang Kaischek bei Tsinanfu den Weg. Aber die Truppen Feng Nu- hsiangs machten eine Rechtsschwenkung ans Tientsin zu, so daß je- stündlich das Erscheinen der nationalen Ä .-en Südchinas vor Tientsin erwartet wird Tie siegreichen Armeen der Verbündeten Tschiang Kai-sheks stehen unmittelbar vor Peking.
Das Dorf im Aschenregen.
Bulkan-AuSbruch auf Java. - Unter meterhohem Aschenschutt. - Flucht der Eingeborenen
Die Würfel rollen.
Peking vor dem Fall. — Tschangtsolin verläßt Ehtna — Am Ende des Bürgerkrieges? — Die
Weltmächte vor schweren Entscheidungen.
Vor fünfundzwanzig Jahrhunderten zog der große chinesische Religionsstifter C o n fuci- u s durch die Provinz Schantung, um die Mandarine und das Volt zu seinen Lehren zu bekehren. Im Turm von Chufu sollen die sterbli- chen Ueberrefte des Mannes ruhen, ber mit Laotse zusammen zu den großen religiösen Reformatoren des chinesischen Volkes gehört. Seine Friedensprebigten verhallten im Winde. Wiederum sind in diesen Tagen gewaltige!
<■ , „- y.Yl/ , ’ _;—■— beben ereignet, bei dem etwa hundert Personen
haben sich gebildet. Die Bevölkerung ist geflüchtet »mS Leben gekommen sein sollen.
Die letzte Erklärung Tschang Tsolins, die tient äußerster Schontmg bedarf. Der Außenbezweckte, dem Kriege der Generäle auf chine- Minister wird sich mehrere Monate der Erho- sischem Boden ein Ende zu machen, erregte un- '""" -------
ter den Chinamächten eine ungeheuere Bestürzung. Sein Protest gegen die Besetzung Schan- tungs durch die Japaner in Tokio, ber wiederholt wurde, ließ keinen Zweifel mehr darüber aufkornmen, daß bie nationale Einheitsfront aller Chinesen im Entstehen begriffe“ war. Ob geheime Verhandlungen zwischen Tschang Tsolin und Tschiang Kai-shek dieser Beschlüssen des „Tigers der Mandschurei- vorangingen. wie Londoner Blätter vermuten.
engeren Wirtschaftszusammenschluß Mitteleuropas hinzielten. Auch seine bayrische Wahl-Ofsen- sive füllt jetzt fort, womit auch die Neubelebung und Wiedererstehung des bayrischen Liberalismus zunichte geworden ist.
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Lenefchs DersuNkvaNon» an der Themse.
London, 15. Mai. (Eigener Drahtbericht). Zum Besuch des tschechischen Außenministers Benesch verlautet, daß England die Regelung der Schwierigkeiten in Zentral- und Südeuropa, insbesondere sofern sie das Wirtschaftsleben betreffen würde, wohlwollend gegenüberstehe; Garantien für die Erhaltung des gegenwärtigen Zustandes der Nachfolgestaates Oesterreich-Ungarns könnten jedoch nicht übernommen werden. Benesch beabstchtigt nämlich, mit Ungarn zu einer Art Locarnoabkommen zu gelangen. Benesch.hat in London auch mit deutschen Kreisen Fühlung genommen.
©trefemann muß ausscheiden.
Schwere Magenerkrankung, aber ohne Lebensgefahr. — Wieder mehrere Monate Erholung notwendig.
Die Reichsbahn räumt auf.
Hohe Beamte unter Anflage.
Berlin, 15. Mai. Im Ermittlungsverfahren gegen verschiedene Beamte der Reichsbahn wegen Unregelmäßigkeiten bei bet Vergebung von Aufträgen tourte jetzt gegen ben Reichs- bahnoberrat Schulze Anklage wegen passiver Bestechung erhoben. Er soll von ber Firma Reisen in Köln mehrfach Geldgeschenke angenommen haben, nachdem er diese Firma zu Lieferungen herangezogen hatte. Auch das Ermitt- litngsverfahren gegen den Reichsbahndirektor Neumann wird demnächst abgeschlossen. Bei weiteren Beamten konnte nicht festgestellt werden, daß sie außer Lizenzgebühren noch andere Zuwendungen erhalten ^aben. Weitere Ermitt- lungen sind aber noch im Gange.
9*it>errut Im Femeprozetz
Stettin, 15. Mai. Im Femeprozeß gegen Oberleutnant a D. Schul,. Feldwebel a. D. Klapproth und Leutnant a. D. Hayn wegen Mordversuchs an dem früheren Feldwebel Gae- dicke war Klapproth in Landsberg nur wegen Körperverletzung zu einem Jahr Gefängnis verurteilt und die beiden anderen kreigespro-