Kasseler Neueste Nachrichten
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Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
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18. Jahrgang
Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.
Freitag, 27» April 1928
Nummer 99.
Einzelpreis: Wochentags 16 Pfennig.
Auch Deutschland schwört dem Krieg ab.
Deutschland bahnt die Gasse. =irme«wm!
pfeifen
Borbehaltlose Zustimmung zum «ntikriegSpakt. — Die Locarnohüter machen Schwierigkeiten.
Gerade der Locarnover-
■n.
Ein Riesenprozetz auS bewegten Tagen.
Unter anderem wird ihm zur Last gelegt, den
Sowno, 26. April. In Somferopol begann der Riesenprozetz gegen den früheren Vorsitzenden deS Zentralvoüzugsausschuffrs Ibragimow
Nur mit vereinten Uraften.
Sonst bleiben wir ohnmächtig. — Das war den HUlerleuten zuviel.
früheren Teilnehmer an dem Kampfe gegen die gegenrevolutionären Truppen erdrosselt zu habe«, da dieser von der Zugehörigkeit Ibragimows zu einer Räuberbande gewußt hat, die sich während seiner Amtstätigkeit als Vorsitzender derKrim in den Bergen verborgen hielt
London, 26. April. (Eig. Drahtbericht.) Ein diplomatischer Korrespondent will wiffen, daß die deutsch« Antwort auf die amerikanischen zaktvorschläge schon muh 48 Stunden abgesandt werden können und daß man keine Klauet« tn dem amerikanischen Vorschlag hätte entdecken können, di« dem Bölkerbundsstatut, den Neutralitäts- und Locarnoverträg-n zuwi- liefe«. I« den ersten Punkten stimme England zu. Bezüglich der Locarnoverträge könne es aber doch sein, daß zwischen der Stellung der Garanten England und Italien und
den Garantierte« Deutschland, Frankreich und Belgien ein Unterschied bestünde.
Der »weite 2Do61gang wird scharf.
Paris, 26. April. (Eig. Drahtbericht.) Nach dem amtlichen Wahlprüfungs-ErgebniS wurden im 1. Wahlgang 187 Sitze besetzt, sodaß in 425 Fällen ein zweiter Wahlgang ftattzufinden hat. Die 187 Gewählten verteilen sich wie folgt: Kommunisten 0, Sozialisten 15, Sozialrepublikaner (Painleve) 6, Radikale 21, Rechtsradikale (Loucheur) 15, Linksrepublikaner 43, Rechtsrepublikaner (Marin) 78, Rechtsstehende 9.
Wer den Weltfrieden bricht.
Lord Grey weist Frankreichs Jntriguen zurück. — Freie Hand für jede Macht gegenüber dem Friedensbrecher.
Die Bremen Im Todesschatten Bennetts.
Washington, 26. April. (Durch Funkspruch.) Das amerikanische Marine^iepartement gibt be- kannt, datz der gestern doch verstorbene Flieger Nennet in Arlingtoa mit den höchste« Ehren begrabe« werden soll ,die einem Rordpolflieger ;u- tell werden können. Di« Feierlichkeiten für den Empfang der „Bremen" werden bis nach der Beisetzung BennetS verschoben. — Räder und Achsel deS Untergestells der Bremen find erneuert worden. Der Abflug erscheint zur Zeit! noch zweifelhaft.
Untere Flieger al« größte Bmertkaheiden.
Washington, 26. April. (Durch Funkspruch.) Ja beiden Häusern des Sonarefles wurde ein Gesetzentwurf eingebracht, das de« Präsidenten
London, 26. April. Im Bölkerbundsausschutz des Parlaments bezeichnete Lord Grey u. a. Amerikas Friedensvorschläge als durchaus ehr- ich und nicht im geringsten dem Völkerbund kindlich. Man könnte nur den Wunsch haben, ie sofort zu unterzeichnen. Weshalb besteht dann rgend welches Zögern? Vermutlich deshalb,wen alle Mächte erst wissen wollen, waS sie darunter verstehen sollen. Solche zur Wahrung der Sicherheit dienenden Besorgnisse bewegen auch die französische Regierung. Ich glaube jedoch, datz die französischen Vorschläge die Schwierigkeiten in einer etwas extremen Gestalt darlegen, und es erscheint mir, datz den Möglichkeiten, die sie in Aussicht nehmen, im Voraus begegnet werden könnte, ohne eine lange Reihe von Vorbehalten. Fraglich erscheint mir vor allem, was gegenüber irgend einer Macht geschehen soll chie den von ihr unterzeichneten Vertrag bricht.
Amerika müßte eigentlich ganz folgerichtig zustimmen, daß eine solche Macht nicht länger zu den Vorteilen und dem Schutz, die der Vertrag gewährt, berechtigt sein soll, mit anderen Wor-
bezüglich aller Verletzungen deS Locarnovertra- ges oder der Bölkerbundssatzung. Ich glaube, datz dieser Zweck erreicht werden könnte nicht durch irgend einen besonderen Vorbehalt, sondern durch Einfügung eines Artikels in dieser Hin sicht in den amerikanischen Entwurf oder sogar durch einen einsachen Notenaustausch. Grey schlotz: Ich will nur noch sagen, datz es undenkbar erscheint, daß diese sehr wohltuende amerikanische Initiative durch eine Weigerung zurückgewiesen werden sollte. Es erscheint undenkbar, datz die grotze Gelegenheit, die sich bietet, um den WeltfriedenSmacher zu machen, fruchtlos bleibt.
ermächtigen soll, der Besatzung der „Sternen" die höchste Auszeichnung sür Flugleiftungen, das „grotze Fliegerkreuz" zu verleihen, die nur für Flieger bestimmt ist, die dem amerikanischen Heer angehören.
Deut schlanb sbeste Gvhne.
Regensburg, 26. April. ReichStagSPrästdent Sorte erhielt auf einer Wahlversammlung fol- gendes Telegramm aus Greenly Island: Seien Sie versichert, Herr Präsident, datz es daS heiße- ste Bemühen jedes einzelnen von uns bleiben wird, den Interessen der über alles geliebten Heinmt zu dienen, in dem Gedanke«, datz Dienst am eigenen Volke, Dienst a« der MnisiUeit bedeutet. Prof. Junkers geniale Erfindung wird dem völlernäherbringenden Weltflugverkehr neue Kraft zuführe«.
Blllgariens schwarzer Tag.
Sofia, 26. April. (Eigene Drahtmeldung.) Amtlich wurde die Zahl der bei der Erdbeben Katastrophe in Bulgarien getöteten Personen auf 103, die der Verletzten auf 700 beziffert. Die Zahl der Obdachlosen beträgt 200 000.
JRuffotint als <2röhrten- -amariter.
Rom, 26 April. (Eigener Drahtbericht Mussolini hat ein Kriegsschiff und zwei Torpe- dobootzerstörer nach Korinth entsandt, um der vom Erdbeben heimgesuchten Bevölkerung Hilfe zu bringen. (S. a. Bericht 1. Beilage, 4. Spalte. T. Red )
Zu den ersten Tumulten kam es bei Strese- manns Ausführungen über die Außenpolitik. Biele seiner Kritiker übersehen die Tatsache, daß Deutschland den größten Krieg der Welige- schichte verloren hat. Der Ruhrkamps habe immerhin der ganzen Welt bewiesen, wie salsch die Behauptung ist, daß das Rheinland nicht deutsch bleiben wolle. Aber er mußte abgebrochen werden, wekl wir unS an ihm finanziell verblutet und nichts weiter erreicht hätten. Erst von diesemZeitpunkt an habe die Stabilisierung derWährung in Angriff genommen werden können. Bei Behandlung des Dawesplanes stellte Slresemann fest, daß er niemals wie Hitler behauptet habe, in finem Briefe an Briand sich bereit erklärt habe, die deutsche Souveränität
Ae „Bremen" kommt nicht mehr hoch
Start und Landung auf dem getauten EiS nicht mehr möglich.
Teurere Kohle?
Ruhrindustrie u. Reichsbahn auf falschem Wege. ;
Der große englische Grubenarbeiterstreik hat bekanntlich unserer eigenen Kohlenindustrie nicht . nur einen großen Teil der während des Krieges ' verloren gegangenen Absatzgebiete wieder verschafft, sondern ihr auch noch neue Verbrauchs- ' landet dazugeworben. Diese glückliche Zeit ist nun aber längst vorüber und die englische Konkurrenz macht sich aus dem internationalen Markt empfindlich bemerkbar, was darauf zurückzufuh- ren ist, daß die englischen Kohlenindustriellen ihre Produkte teilweise — und zwar auf Kosten ihrer Arbeiter, zu Schleuderpreisen an- bieten. Diese billige englische Kohle hat sich auch besonders indendeutschenHasenstädten an der Nordsee, ziemlich starken Eingang verschafft. Die Folge davon ist, datz sich die deutsche Kohlenindustrie aus der Offensive in die Defensive begeben mußte und jetzt einen bartnäk- ktgen Kampf um die Absatzgebiete führen mutz. Dieser scharfe Konkurrenzkampf zwingt unsere Kohlenindustrie zu den schärfsten Ralto- nalisierungSmatznahme«, um eine gleichwertige und gleichbillige Kohle liefern zu können. Aber dieser RationalisierungSprozeß, der in der übri- gen deutschen Wirtschaft glücklicherweise schon zum großen Teile vollzogen ist, begegnet im Kohlenbergbau außerordentlichen Schwierigkeiten, sodaß er biS heute noch nicht durchgeführt werden tonnte. Diese Situation belastet natur- gemäß die Lage der Zechenbesitzer wie auch die der Grubenarbeiter tn gleicher Weise. Denn die paritätisch zusammengesetzte Gutachter^kommts- ftoti (Schmalenbach) war sich darüber einig, daß von großer Verdienstmöglichkett im Ruhrbergbau schon gar nicht mehr die Rede sein könne.
In den langwierigen Lohnkämpfen zeigten sich beide Parteien nicht geneigt, von ihren Ansichten herunter zu gehen. Und so kam ein Schiedsspruch zustande, der die Arbeitszeitregelung im Großen und Ganzen so beließ, wie sie vorher waren, der aber in den Lohnfragen den Arbeitnehmern gewisse, wenn auch nicht bedeutende Zugeständnisse machte. Dieser Schiedsspruch ist nun trotz des Protestes der beide« Parteien vom Reichsarbeitsminister für verbindlich erhärt worden und zwar deshalb, weil er den Ausbruch eines Riefenarbeitskampfes, an dem mehrere hunderttausend Arbeiter beteiligt worden wären, verhindern soll. Die Antwort der Kohlenzechen war dann die Ankündigung eines Antrages für eine neue Kohlenpreiser- Höhung. Aber gerade diese Kohlenpreiserhöhung, deren Ankündigung man bereits erwarten konnte, ist für die deutsche Wirtschaft ganz besonders von außerordentlich großer Tragweite Da nämlich die Kohlenpreise in den Gebieten, wo die englische Konkurrenz mit ihrer billigen Kohle auf dem Markt ist, nicht erhöht werden können Jofern man nicht überhaupt den dortigen Absatz verlieren möchte, so mutz die Kohlenpreiserhöhung lediglich auf die deutschen Abnehmerkreise abgewälzt werden, die wegen der teueren Frachtkosten keine englische Kohle beziehen können. Und zwar muß sie auch noch so hoch bemessen sein, daß sie die Kosten der billigeren Kohle für das Ausland mitträgt Wenn sie also zur Durchführung gelangt werden wir also mit einer neuen Teuerungswelle rechnen müssen, wenn diese auch keinen sehr großen Umfang an» nehmen dürfte. Die Entscheidung hierüber hat der Reichswirtschaftsminister und von ihm wird es Abhängen, ob er die neue Teuerung zuläßt. 2egt er fein Veto ein ,so werden die Zechen gezwungen, alle diejenigen Betriebe stillzulegSd, deren unrentabler Betrieb eine Weilerführung unter den gegenwärtigen Preisverhältnissen «ich' gestatten würde. Auch in diesem Falle wären die Folgen autzerordentlich ungünstig, da die Folge davon eine beträchtliche Zunahme der Arbeitslose« fein werde.
te«, datz die Teilhaber am Vertrage von allen Beschränkungen und Berpslichtungen des Bertra- ges gegenüber der Macht, die ihn bricht, befreit sein -ollen. Wenn Nationen, die Teilhaber am amerikanischen Vorschlag werden, freie Hand erhalten bezügl. ihrer Aktionen gegenüber jedem Land, das diesen Vertrag bricht,so werden sie ipse facto
freie Hand erhallen
Murray Bay, 26. April. Die letzte« Meldungen scheinen zu bestätigen, datz die Besatzung der „Bremen" zu dem Flug von Greenly Island «ach Murray Bay die „Bremen" nicht benutzen, sonder« sich des Ford-Flugzeugs bedienen werde, das die Ersatzteile auf die Insel gebracht hat Es würde nämlich sehr schwer fein, das Flugzeug von dem an der Oberfläche getauten Eis hochzubringen, ebenso wie die Eis- verhältniffe für eine Landung der „Sternen" nicht günstig sind. Wan« die Bremenbesatzung tatsächlich die Insel verlassen wird, steht immer noch nicht fest.
Was morsch ist, mutz sterben.
Aber Strefemann tastet die Länder nicht an.
München, 26. April. Außenminister Strese- mann hatte zur Länderreform auS- geführt: Wenn man mir de« Wunsch nachsagt, die Eigenstaatlichkeit Bayercns zu zerschlagen, so würde ich mir nicht gerade eine Kandidatur in Bayern ausgesucht haben. Eines muß dabei von vornherein ausgeschlossen sei«: Datz irgendwo i« Deutschland ein Zweifel am R'slchsgedanken bestände. Drei Fragen drängen sich d>rbei auf: Tas Verhältnis von Reich und Preuße«, die Verhältnisse der Kleinstaaten im Reiche und das Verhältnis des Reiches zu lebensfähigen San- der« Wir müssen versuchen, Reich und Preußen in engere Verbindung zu bringen. Ein Gegeneinander lähmt die Reichs- geschäste in außerordentlichem Maße Er habe bereits als Reichskanzler dahin zu wirken versucht. Darüber hcnans stechen in dem Perhalt. niS deS Reiches und des größten deutschen Bim- desstaates große Möglichkeiten in Bezug auf die Verwaltunas Vereinfachung, die tn Ersparnismatznahmen und tn der Beseitigung überflüssiger Arbeit ausmünden können. Dem
Aufgehen nicht lebensfähiger Lander in größere Länder sollte kein Hindernis entgegen- gestellt werden. Der Einheitsstaat kann nur auf voller Freiwilligkeit zustande kommen. Jeder andere Weg ist ungangbar, lieber all diese Fragen soll die Länderkonferenz beraten. Er habe sich wiederholt gegen die Vernichtung der bayerischen Selbstständigkeit ausgesprochen, die Fortentwicklung der Reichsverfaffung ist durch ihre« eigene« Wortlaut gegeben. Im übrigen ist sie das Dach, unter dem wir leben. Deshalb arbeiten wir in unserer Partei am republikanische« Deutschland. Gegenüber der Lebensnot und dem Existenzkampf des deutsche« Volkes gibt eS keine Staatsformfragen.
Gin moderner RSuderhauptmonn. lTruppen preisge^e ~
trag war der erste Schritt zu dem Ziel der Verhinderung einer dauernden Festsetzung Frankreichs am Rhein und brachte die Garantie Englands. Auch fei durch ihn die Freiheit der Zivilluftfahrt, die Freigabe des veuischen Eigentums und die Investierung privater Anleihen der deutsche« Wirtschaft ermöglicht worden. Wen« 1923 die Politik der N a •
Vergeblich sind bisher auch die Warnungen aus allen Kreisen der Wirtschaft und Politik an die Reichsbahn verhallt, die durchaus auf einer Gütertariferhöhung zu bestehen Meint Zwar haben auch die verantworüichen Regie- rungshäupter sofort gegen die VerteuerunaS- volitir Stellung genommen und sie alS gerade- zu verhängnisvoll für alle Produzenten- und Verbraucherkreise abgelehnt. Aber die deutsche Reichsbahn ist unter den fremden Vögten la souverän und darf selbst der deutschen Volls- bertretung, wie sie will, kühn auf der Rase tanzen. Wenn sich die deutsche« Vertreter tm in- ternationalen Verwaltungsrat nicht vielleicht eines besseren besinnen, und diesen neuen Leidenskelch an den verarmte« Massen vorüber- geben lassen, die selbstverständlich ebenso wie die Wirtschaft selbst daraus nur mit höheren Forderungen antworten könnte.
München, 26. April. In der Überfüllten Stresemannversammlung hatten sich gestern abend auch zahlreiche Nationalsozialisten einge- sunde«. Es gelang auch Dr. Streskmann, etwa Wi Stunde« zu sprechen und seine Gedanken trotz mehrfacher Unterbrechung durch Trillerpfeife« durchzusetzen. Bei innerpolitischen Ausführungen stimmten die Nationalsozialisten demonstrativ störend da« Deutschlandlied, das Hitlerlied und die Wacht am Rhein an und brach- ten Hochrufe auf Hitler aus, die mit Hochrufe« auf den Außenminister erwidert wurden. Der Leiter mutzte die Versammlung schlietzen und tellte fest, datz eS nicht möglich gewesen sei, dem deutschen Außenminister in München Gehör zu verschaffen. Dr. Stresemann hatte bedauert, datz den Gegnern
auch das Deutschlandlied nicht heilig genug sei, um nicht von ihnen als StörungSmit- tel gebraucht zu werden. Dem Minister wurden erneute Ovationen dargebracht, während die Hit- leranhänger das Hitlerlied weftersangen. Polizei räumte schlietzlich den Saal. Der Minister reiste nach Berlin zurück.