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Kasseler Neueste Nachrichten

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Nr. 79.

Acht»hnter Jahrgang.

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beteiligt bleibt. -

Mit Ausnahme der Kommunisten stimmen alle Parteien diesem Beschlufle zu. Zu dem Be­richt (1926) des LandesausschufleS über die Er­gebnisse der

Verwaltung des Bezirksverbandes führt Professor S a u tt e r (Soz.) als Bericht­erstatter aus. daß im Ganzen erfreuliche Arbeit in aufsteigender Linie geleistet worden sei. Ge­sagt werden müffe aber, daß ein wichtiger Zweig der Verwaltung,

das .Hochbauamt nicht jene Ausgestaltung besitze, die notwendig sei, um innerhalb eines Jahres gegen hundert Bauaufgaben verschiedener Art mit einem Auf­wande von zwei Missionen Mark geschickt und sparsam durchzuführen. Im allgemeinen seien die Anstalten aus alter Zeit überkommen und genügten den heutigen Ansprüchen und gestei- gerten Verwendungszwecken keineswegs mehr.

Ausstellung eines Gesamtbauprojektes, die Möglichkeit der jeweiligen Erweiterung zeigend, dann aber gründliche Vorbereitung der einzelnen Bauprojekte würden gute und billige Bauausführungen gewährleisten. Verwaltung und Kommunallandtag seien in gleicher Weise verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, daß die Anstalten und Baulichkeiten zu Vorbildern pri­vater Tätigkeit würden, das aber verlange eine gründliche Aenderung der bisherigen Systems. Die vierte öffentliche Sitzung fand Sonnabend früh statt, über die an anderer Stelle berichtet wird. -rl.

In der gestrigen dritten öffentlichen Sitzung des 57. Kommunallandtages werden wieder eine Reihe Vorlagen verabschiedet. Bei dem Voran­schlag für die Verwaltungskosten des Landes­leihhauses zu Kassel bringt Professor S a u 11 e i (Soz.) als Berichterstatter den Wunsch zum Aus­druck, daß die Verwaltung sich wegen anderwei­tiger Unterbringung dieser Anstalt mit dem Ma- Sliftrat in Verbindung setzen möchte. Die Stadt ei in der Lage moderne Büroräume und hygie­nisch einwandfreie Magazine zur Verfügung zu stellen. Landrat Thöne (Soz.) als Berichter­statter für die Vorlage des Landesausschusses an den Kommunallandtag wegen

Neuregelung der Bezüge der Beamten stellt diese als eine der wichtigsten Vorlagen hin, fordere diese doch eine Erhöhung von 568 000 Jt. Diese Summe müßte jetzt alljährlich in den or­dentlichen Etat übernommen werden. Gemein­sam hätten Landes-. Aeltesten- und ein Unter­ausschuß an dieser Vorlage gearbeitet und er empfehle ihre Annahme. Nachdem als zweiter Berichterstatter Dr. W i e ch e n s (Ztr.) ebenfalls die Annahme empfohlen hat, wird diese mit allen gegen die Stimmen der Kommunisten verabschie­det. Zu dem Bericht über den

Geschäftsbetrieb der Landeskreditkasse für das Jahr 1927 führt Prof. Sautter (Soz.) als Berichterstatter aus, daß die Verwaltungs­kosten gegen das Jahr 1924 um hundert Prozent gestiegen sei. Durch das Verschwinden der Auf- wertungsabteilung würden sich diese aber wieder wesentltch verringern. Das Gebäude entspreche keineswegs dem eines Bankhauses. Hoffentlich würden die in dieser Beziehung vorgebrachten Wünsche endlich erfüllt. Uebergehend zu dem Ge­schäftsbericht bedauert der Berichterstatter, daß die mündlichen Erläuterungen der Verwaltung hierzu nicht schriftlich niedergelegt worden seien. Das Wissenswerte würde also so die Oeffentlich- keit nie erfahren. Die oft verlangte innere Um­stellung sei in den ersten Grundlagen verwirk­licht. Der Gewinn der Anstalt fei immerhin bei einem Vortrag von 34 000 Mark aus dem Vor­jahre mit 117 000 Mark gering. Der Ruf der Anstalt als

vorsichtig arbeitendes Pfandbriefinstitut habe sich weiterhin gefestigt. Giro- und Bankab- teilung bedürften entschieden größeren Tempera­ments. Freiherr von Hammerstein (Hess. Arb. Gem.) spricht zu der Vorlage betreffend Beteiligung des Hessischen Bezirksverbandes an der Notstandskreditaktion für die Landwirtschaft und führt aus:

Die deutsche Landwirtschaft, die bereits in den letzten Jahren durch Unwetterschäden schwer ge­litten hat, befindet sich zurzeit in einer schweren Krise. Der landwirtschaftliche Betrieb ist unren­tabel geworden Schleunige Abhilfe ist dringend geboten, wenn nicht wieder gutzumachende Schä­den vermieden werden sollen. Selbsthilfe allein kann bei dieser Sachlage nichts helfen. Es muß vielmehr Hilfe von außen, von Reich, Ländern und anderen Verbänden hinzukommen, wenn nicht für die Landwirtschaft und damit auch für die gesamte Bevölkerung schwere Nachteile en'ste- hensollen. In erster Linie werden wirtschafts­politische Maßregeln dazu beitragen können und müssen, die Landwirtschaft wieder rentabel zu macken. Als eine im Vergleich hierzu minder bedeutende, aber doch immerhin noch wertvolle Maßregel erscheint sie sogenannte Umschuldung, d. h. die Umwandlung der kurzfristigen und meist hochverzinslichen landwirtschaftlichen Schulden in langfristige Hvpothekenschulden. Der hohe Zinsfuß belastet die Betriebe stark; die Sorge, wie der kurzfristige Kredit gedeckt werden soll, lähmt die Schaffensfreudigkeit; die kurzfri­stigen Kredite gereichen dem Landwirt vielfach zum Unheil. Da der Gesamtplan der durchzu-

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treffen, insbesondere auch die für etwaige un- 1 gedeckte Verwaltungskosten erforderlichen Mit­tel zur Verfügung zu stellen und zwar innerhalb | einer durch die Höbe der Gesamtanleihe und den ; Anteil des Hessischen Bezirksverbandes bestimm­ten Grenze. Diese Maßnahmen gliedern sich 1 nach drei Richtungen:

1. Die Ueberrrahme der nach der Satzung der 1 Landeskredtte notwendigen Bürgschaft für die zu gewährenden, über die erststellige Beleihungs- qrenze hinausgehenden Beleihungen.

2. Die Beteiligung bei der Aufnahme einer geminfamen Ausländsanleihe durch Ueber- nahme einer entsprechenden Schuldverpflichtung oder Bürgschaft.

3. Die Mitwirkung an einer von Reichs Land und Bezirksverband zu gründenden Organisa- tion, die die Aufgabe hat, die Landeskreditkasse für die aus der Kreditgewährung entstehenden Verluste schadlos zu halten und damit sogleich den Bezirksverband gegen die Inanspruchnahme aus der zu 1 zu übernehmenden Bürgschaft zu schützen.

Demgemäß beantrage der LandeSauSschutz: Der Kommunallandtag wolle folgende Beschlüsse fassen:

1. Den Landesausschuß zu ermächtigen, bei der Gewährung von Krediten durch die Landes­kreditkasse an Landwirte innerhalb des Regie­rungsbezirks Kassel Bürgschaft zu übernehmen, soweit die Kredite die für erststellige hypotheka­rische Beleihung einzuhaltenden BeleihungS- grenzen überschreiten, und zwar bis zur Ge­samthöhe von fünf Millionen Goldmark;

2 den Landesausschuß zu ermächtigen, zur Gewähruna von Umschuldungskrediten an Land- wirte bis zur Gefamthöhe von fünf Millionen Goldmark der Landeskreditkasse die Aufnahme einer Anleihe durch Uebernahme einer auf in­ländische oder ausländische Währung lautenden Bürgschaft in Höhe des Anleihebetrages zu er­leichtern;

3 den Landesausschuß zu ermächtigen, sich zusammen mit Reich und Staat an einer die Kredite sichernden Organisation zu beteiligen, im übrigen aber von der ihm erteilten Ermäch­tigung zur Uebernahme der Bürgschaft für Landwirtschaftliche UmschuldungSkredite nur un­ter der Voraussetzung Gebrauch machen, daß der Hessische BezirkSverband infolge Eintretens an­derer öffentlicher Verbände an dem auf Grund der Bürgschaftsübernahme etwa aufzubringen­den Leistungen mit nicht mehr als einem Drittel

Das Reich der Mode.

Ein Stratzenkleid.

Dieses einfache Kleid ist aus Crepe de Ehin» imprimee, an der einen Seite mit kleinen Fal­len verziert, und an der rechten Seite laufen die Volants des RockeS in lose Draperien auS. Die Biesen, die dem Rocke, dem viereckigen HalSauS- chnitt und den Aermeln entlang laufen, sind eine Schattierung dunkler, als die Farbe ist, die in der Seide vorkommt. H.

Steife der ®6ntttmuRer: Kleider. Mäntel und ffottümt 75 Pfennig; Röcke, Blusen. Kindttfacheu! M) Pfennig: Kleinigkeiten. Babvfacken 80 Pfennig. Die Schnittmuster können am Schalter der Geschäft»« stelle, Kölnischeftrabe 5. gegen Entrichtung de» Be­trage» abaetzolt werden. Lieferzeit acht Tage. Zuseu« düng durch die Poft erfolgt nur gegen Nachnahme. H.

Ein weiterer beachtlicher Leichenfund wurde führenden Kreditaktion bis in alle Einzelheiten vor Jahren im Seemoor bet Damendorf ge- noch nicht feststeht, wird der zu fassende Beschluß macht Auch diese Leiche wies Schuhe an den des Kommunallandtages sich darauf beschränken Füßen auf wie alle bisher gefundenen Moor- müssen, den Sandesausschutz zu ermächtigen, die reichen, 54 an der Zahl. Die heutigen Bewoh- zur Durchführung erforderlichen Maßnahmen zu

Stellung, mit übereinandergeschlagenen Fußen, die rechte Hand über dem Nacken, die linke am >alfe aufgefunden. Um Arme und Hals war ein auS Elchen- und Birkenzweigen gedrehtes Seil gewunden, wie solche beim Buschbinden gebraucht werden Anscheinend waren auch die Beine zusammengebunden gewesen. Die Leiche war männlichen Geschlechts. Außer drei etwa 20 Pfund schweren Feldsteinen und den zusammengedrehten Ruten konnte bei der Lei­che nichts entdeckt werden Wie lange der Mensch da unten gelegen haben mag» dafür gibt das Moor nur einen blassen Anhalt. Wie bekannt, bleibt beim Torfstechen stets eine Bank stehen, um das Wasser auS der in Anstich genommene« Stelle zurückzuhakte». Daß inj den Kuhlen nach hundert und abermals hun­dert Jahren sich wieder Torf bildet; ist auch bekannt. In solch einer wohl tausend und mehr Jahre alten Schicht sand man die Leiche, die damals dem Museum in Berlin Überwiesen wurde.

2. Beilage

Sonntag, 1. April 1928.

ner der Marschge-enden wollen wisse«, dass ihre vorfahren damit einem Kultus bienten, da Sumpf und Moor den Göttern geweihte, bevorzugte Orte waren. Im Hingstmoor bei Brammer wurde eine nackt, Leiche in knieender

Die große Dürre.

Schreckenszeiten in Afrika.

Die weilen Provinzen von Südafrika sind in den letzten vier Monaten von einer der furchtbarsten Trockenheitsperioden heimgesucht worden, die bisher je in der südafrikanischen Geschichte vorgekommen sind. Ein Bild dieser Schreckenszeit entwirft ein Farmer in einem Londoner Blatt: »Jeder lange Tag schmachtet unter einer brennenden glühenden Sonne, kaum eine Wolke am Himmel, das Land eine trockene Wüste, das Vieh hinsterbend, weil kaum noch ein grüner Grashalm auf dem wie zu Perga- ment gedorrten »Veldt* zu finden ist. Nur im Schatten eines großen Felsbiocks haben sich vielleicht noch einige Pflänzchen gehalten, die be­dürfnislos genug sind, um auch mit dem ge­ringsten Nasse auszukommen.

Tag auf Tag, Woche auf Woche zieht die Sonne erbarmungslos ihren blendenden Weg an dem stahlblau leuchtenden Himmel entlang, und die Farmer blicken vergebens nach den ent­fernten Gebirgen, deren Umrisse In der heiß flimmernden Lust aufleuchten, um dort jene so inbrünstig ersehnten weißen Wolken zu erblicken, die den Regen bringen sollen. Nichts, nichts erhebt sich am Horizont. Nur dann und wann gegen Abend verdunkelt sich der Himmel; einige Wolken steigen hastig empor, und für ein paar Minuten blüht Hoffnung auf in den gemarter­ten Herzen. Kommt endlich, endlich der Regen? Ein dumpfer Donner grollt über die stille Fläche, ein paar große Tropfen fallen schwer herab, um sofort von dem heißen Staub aufgesogen zu werden. Das ist alles. Die Wolken sind ver­schwunden. Die Hoffnung erloschen.

Brett und sauber liegt ein GutshauS zwischen dem niedrigen vertrockneten Gebüsch, aus dem ein betäubender Eukalyptusgernch strömt. Die Luft ist trocken und heiß; sie stickt in den Nüstern mit jedem Atemzug, den man tut. In der schattigen Veranda sitzt der Farmer mit offenem Hemde und in Khaki-Beinkleidern und erwartet die Kühlung des Abends. Aus seiner Pfeife steigen die blauen Wolken langsam und schwerfällig in die Luft. Fliegen sammeln sich auf seinen Armen und seinem Halse; er streift sie von Zeit zu Zett ab, die Augen fest gebannt von dem gelblichen Staubnebel, der hinter einem Ochsenwagen hängt, der mühselig den Weg ent­lang schleicht. Afrika hat ihn Lebensweisheit gelehrt; er weiß zu dulden und zu warten. »Morgen ist wieder ein Tag," sagt das Sprich­wort. Morgen wird es regnen, und wenn nicht morgen, dann kommt wieder ein Morgen mit neuer Hoffnung. So sieht er geduldig seine Ernten vertrocknen, sein Vieh hinsterben und das Wasser in seinem Brunnen immer tiefer und tiefer sinken.

Die Leiche im Mooe.

Grausige Spuren alter Bolksjustiz.

Eine Meldung über das Auffinden einer Moorleiche in der Gegend von Dithnrarscheu in Schleswig-Holstein weckt das Interesse an den bisherigen Funden dieser Art, da sie einen interessanten, aber auch zugleich schauerlichen Aufschluß über die Methoden Der Volksjustiz un Altertum vermitteln

Die erste Moorleiche wurde s. Zt im Meer- huser Moor, in der Nähe des einstigen Klosters Bernuthsfeld, aufgesunden Bauern fanden beim Torfstechen das Skelett einer Frau. An dem Skelett sand man Kleidungsstücke, die gut konserviert waren. Die Leiche trug Schuhe an den Füßen, ein Kleid von starkem, gemustertem Gewebe und ein künstlich geknotetes Halstuch Wie war diese Leiche ins Moor gekommen? Geologen schätzen ihr Alter auf 1500 bis 1600 Jahre Man schloß aus der Sage, der Klei­dung und der Tatsache, daß fast alle später ge­fundenen Moorleichen Frauen waren, daß sie Opfer der damaligen Volksjustiz waren, wonach Frauen, die Ehebruch oder andere Verbrechen begangen hatten, lebendig im Moor vergraben wurden.

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Aus dem Kommunallandtag.

Neuregelung der Beamtenbezüge / Die Landeskreditkasse / Hilfe für die Landwittschaft.