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3ewirfwe, I. eyrfl 1928.

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von Oesterreich geadelten BethmannS, und die 1816 geadelten, sechs Jahre später zu Freiherren gemachten Rothschilds. Beide Familien gehörten nicht zum Frankfurter Patriziat. Die Frankfur­ter Rothschilds sind inzwischen auSgestorben.

Name und Freiherrntitel der Rothschilds sind indessen aus den Gatten und die Kinder ihrer zweiten Tochter Minna übergegangen Während diese schon 1903 starb, lebt ihr Wit­wer. Freiherr Maximilian von Goldschmidt- Rothschild noch heute beinahe sünfundachtzig- jährig in Frankfurt. Die erste Hamburger Pa­trizierfamilie. die die stolze Aversion gegen das Wörtchen .von" mifgab, waren die Schröders, von denen zwei Angehörige den Adel annah­men. 1873 bezw. 1910 erhielten die Donners ihr Bankhaus Konrad Hinrich Donner besteht seit 1797 die preußische Adels- bezw. Frei- herrnkrone 1910 wurde auch der Chef des Ham­burger Bankhauses. Joh. Berenberg, Goßler u. Co., Freiherr John von Berenberg-Goßler, der schon 1889 nobilitiert worden war, preußischer Freiherr. Dem Beispiel der Schröder, Donner und Berenberg-Goßler folgten in

in Frankfurt die Metzler und GruneliuS, die nm 1900 herum geadelt wurden. Von alten Kölner Bankierfamilien wurden die Deich­manns und die Steins von Wilhelm dem Zwei­ten nobilitiert. Die geistige und materielle Um­stellung des alten deutschen Adels hat übrigens auch eine Anzahl ihrer Angehörigen in leitende Stellungen unseres Bankwesens geführt. Wir finden unter ihnen einen Prinzen Reuß, einen Grafen Henckel und Mitglieder der uradligen Familien Arnim, Flotow, Hanftetn, Holtzbrinck, Metzsch, Planitz, Voß und Westernhagen.

Hurra, Me Reiter!

Sattelsiege vor dem Reichspräsidenten. Leibesübung ist Bürgerpflicht.

Berlin, 31. März. Der Reichspräsident wurde gestern auf dem Reitturnier im Berliner Sport­palast mit stürmischem Beifall empfangen. Hurra- und Hochrufe, Händeklatschen erschallten und pflanzten sich durch die Halle fort, als er allen sichtbar wurde. In der Großen Olympiade- Dreffur-Prüfung blieb Caracalla unter Major Bürkner Sieger. Die Sprtngmanöver der Reichs wehr lVielseitigkeitsprüfung im Jagdspringen u. Dressur) brachten Major Neumann, dem Lei­ter der Olympiade-Ausbildungskurse einen gro­ßen Erfolg. Auch nach der vierfachen hohen Schule und Galoppreiterei der berittenen Schutz­polizei äußerte sich der Reichspräsident sehr be­friedigt. Leibesübung ist Bürgerpflicht daran bitte ich sestzuhaltcn, waren seine Ab­schiedsworte.

Resultat gleich Aull.

Die Völkerbunds-Wirtschaftler prüfen ...

Genf, 31. März. In der heute beendeten Tagung des Wirtschaftsausschusses des Völker­bundes, an der auch Staatssekretär Dr. Tren- delcnburg teilnahm, spielte die Vereinheitli­chung der Tarifsysteme in den verschiedenen Ländern und die Bereitschaft der Länder, eine Herabsetzung der Tarife vorzuneymen, eine Rolle. Weiter wurde untersucht, ob sich gewisse Schwierigkeiten aus der Anwendung der Meistbegünstigungsklauei, die Tarifherubsed- zungen hindernd im Wege stehen, beseitigen lassen. Da ein die Meistbegünstigung gewäh­render Staat automatisch Tarifheräbsetzungen allen meistbegünstigten Staaten ge­währen muß, hat man untersucht, ob nicht ge­wisse Ausnahmen von dem Recht der Meistbe­günstigung anerkannt werden sollen.

Varmat in zweiter Instanz?

Wir danken für einen neuen Weltrekord-Prozeß

Berlin, 31. März. Die während des Bar- mat-Prozesses gehegte Befürchtung, daß alle diese ungeheure Arbeit noch einmal in der 2. Instanz geleistet werden müsse, hat sich, wie

Das Leben ist teuer genug

Der gesamte Reichstag gegen die Tariferhöhung der Reichsbahn. Bis auf den Schlußstrich fertig. Heute Nachmittag Auflösung.

Berlin, 31. März. Im Reichstag wurde ge­stern zunächst das Gesetz gegen den Waffenhan­del nach China sowie das Rentenbantgesetz an­genommen mit dem 1. April als Termin für daS Inkrafttreten des ganzen N o t Pro­gramms

Bei der Amnestiedebatte ging es wieder recht lebhaft zu. Die Ausführungen der Parteiredner wurden von den Freunden mit Beifallsklat­schen, von den Gegnern mit Pfuirufen begleitet. Immerhin beschränkten sich die feindlichen Lager auf den Austausch von Unhöflichkeitsbezeugun­gen, zuTätlichkeitenkameszumGlück nicht mehr. Abg. Landsberg (Soz.) er­klärte, eine Amnestie der Fememörder würde ei­nen Freibrief für die Ermordung von Proleta­riern gewähren Die Demokraten interpellierten den.Reichsjustizminister Hergt, wie er es ver­antworten könne, daß seine Fraktion in Ein­heitsfront mit den Kommunisten einen Antrag einbringe, der die Staatsautorität gefährdet. Hergt antwortete, als Minister sei er

keineswegs die Puppe seiner Partei.

Er entscheide im Kabinett nach eigener Ueber- zeugung Er kenne zwar die Volksstimmnng. die einen Strich unter alles machen wolle, was in der Vergangenheit aus den Irrungen und Wirrungen früherer Jahre entstanden sei. Nach Ablehnung eines Kompromisses wurde dann in der Schlußabstimmung die ganze Vorlage mit 226 Stimmen gegen 140 Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten bei neun Enthaltungen abgelehnt.

In der Justizdebatte erregten die Schlußworte des Abg. v. F r e v i a g - Loringhoven, daß Dr. Kahl lVp.) die Schonung mißbrauche, die ihm wegen seines Alters gewährt werde st ü r m i - sche Entrüstungskundgebungen der Mehrheit und wurden vom Präsidenten Löhe mit einem Ordnungsruf gerügt.

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Die Reichsbahn ist gewarnt.

Einheitsfront gegen die Verteuerung.

Nach der Erledigung des Justizetats wandten sich beim Verkehrsetat alle Parteien energisch ge­gen die geplante Reichsbahn-Tariferhöhung. Auch Reichsvcrkehrsminister Dr. Koch erklärte, er werde nicht die Zustimmung der Reichsre­gierung zu einer Tariferhöhung befürworten, denn die finanzielle Entwicklung der Reichsbahn ei in diesem Jahre günstiger als im vorigen.

Einstimmig angenommen wurden Ent­schließungen ,die sich gegen eine Tarif­erhöhung wendeten.

Als ohne Debatte auch die übrigen Etats und das Haushaltsgefetz erledigt waren, wurde in der namentlichen Schlußabstimmung der Etat ür 1928, mit dem Notprogramm mit 200 gegen 170 Stimmen bei vier Enthaltungen angenom­men. Gegen den Etat stimmten Sozialdemokra­ten, Demokraten, Wirtschaftspartei, Kommuni- ten und Nationalsozialisten. Nach Annahme auch der Tabaksteuer-Novelle war das ganze Arbeits- Programm des Reichstages bis auf den Vertrag mit Griechenland erledigt. Wegen Widerspruchs der Nationalsozialisten und der Völkischen muß dessen dritte Lesung noch am Sonnabend nach mittag stattfinden, wonach dann der Reichskanz ler die A u f l ö s u n g des Reichstages verkünden wird.

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Das kleinere Rebel.

Ein Finale und ein Scherz.

. Das Gesetz über die Preutzenkasse wurde in einer Kompromißfassung verabschiedet, die eine Kapitalerhöhung um 130 Millionen vor­

sieht und den Genossenschaften dadurch entgegen­kommt, daß der engere und der weitere Ausschuß der Preutzenkasse in der, bisherigen Zusammen­setzung bestehen bleiben. Die Rechtsparteien stimmten dem Kompromitz nur zu, weil es das kleinereUebelsei und weil man der Land­wirtschaft durch die vorgesehene Kapitalerhöhung helfen wolle. Herrn Kleppers Tätigkeit würde aber scharf beobachtet werden. Mit großer Er­regung und unter schärfstem Mißtrauen wandten sich die Deutschnationalen gegen den Abbau des Sachbearbeiters Ministerialrat Erythropel. Im übrigen verlief diese letzte Sitzung bemerkens­wert ruhig. Nur die Kommunisten sorgten noch für einen Scherz, indem sie an auffallenden Stel­len rote Plakate mit der Ausschrift »Wählt Kommunisten" anhefteten I

Der Lan-tag ruht in Frie-en. Letzte Ausräumungsarbeiten. Ein Kompromiß bei der Preußenkaffe.

Der Landtag erledigte gestern den ganzen noch verbliebenen Arbeitsstosf und beschloß dann einstimmig, sich selbst zum 19. Mai aufzulösen. Damit war das Ende der Legislatur- verlobe erreicht, denn eine Sitzung dürste nicht mehr ftattlinde».

DaS Haus billigte neben einer großen Anzahl kleiner Vorlagen u. a. das Meliorations-Gesetz und das Gesetz, wonach die Gemeindewahlen bis zum 31. Dezember 1928 durchzuführen sind, zu­nächst den Schlußbericht des Feme-Untersu- chungsausschusses. Suttner (Soz.) bemerkte dabei treffend, daß Ergebnisse von welterschüt­ternder Bedeutung nicht erzielt seien. Die ge­wünschte Wiederherabsetzung der ministeriellen Aufwandsentschädigung wurde abgelehnt. Ge­gen die Regierungsparteien wurde ein Ent­schließungsantrag angenommen, der erreichen will, daß die

ländlichen Zwangsversteigerungen vom

1. August biS 1. Dezember jeden Jahres verboten werden. Beim Jnstizetat wurden die Einnah­men aus »Kosten und Geldstrafen" auf 175 Mil- lionen erhöht. Auch wurde die Stelle eines Strafanstalts-Rabbiners neu ge- schaffen. Ablehnung sanden die Anträge auf Amnestierung der politischen Gefange­nen einschl. der sogenannten Fememörder. Beim Kultus-Etat wurden Anträge auf Errich­tung konfessioneller pädagogischer Akademien (u. a. in Köln) abgelehnt.

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15 Millionen für srenzlanb und Unwetter

Der Haushaltsausschuß stellte fest, daß die neitey Beihilfen für Grenzlands- und Unwetter- schäden auf die vom Finanzminister als höchste Grenze des Tragbaren bezeichnete Summe von fünfzehn Millionen Reichsmark zu begrenzen ist. Diese wird so verteilt, daß neuneinhalb Millionen als Ostfonds, zweieinhalb Millionen als Westfcnds und drei Millionen als besondere Beihilfe wegen der Unwetterkatastrophen ver­wendet werden sollen. Die Verordnung über die Gewährung von Beihilfen aus dem Härte­fonds des Kriegsschädenschlußge- s e tz e s(Härtefonds-Richtlinien) ist inkrast ge­treten.

Die Slltfotfaitften in der Wavlfront

Berlin, 30. März. Bei einer Kundgebung der olfen Sozialdemokratischen Partei behandelte u. a. der ehemalige Vorsitzende und Oberpräsident von Ostpreußen, AugustWinnig und Ernst R i ck i f ch, der Hauptschriftleiter des Volksstaates die Aufgaben der Partei. Die Sitzung verlief ohne Zwischenfall.

nicht verkannt werden darf, durch die Mild« des gestrigen Urteils stark verrinergt. Die Entscheidung darüber, ob der Prozeß noch ein­mal aufgerollt wird, hängt in erster Lime' von der Haltung der Staatsanwaltschaft ab. Maßgebend wird die Stellungnahme deS preutzischen Justizmignisteriums zu der «rage sein, ob die Anklagevertreter sich bei diesem Ur­teil beruhigen sollen oder nicht. Wie verlautet, besteht an zuständiger Stelle wenig Neigung, diesen Riesenprozeß mit seinen ungeheuren Kosten noch einmal aufzuziehen, wobei berück­sichtigt werden muß, daß die bisherigen Ko­st e n nur zu einem verhältnismäßig geringen Teil von den Verurteilten, zum weitaus größe­ren Teil aber von der Staatskasse ge­tragen werden.

Rus Politik und wirtschaft

Wenn der junge Bismarck heiratet. Bei der Hochzeit des Fürsten Bismarck am 18. April in Berlin, wird auch der Reichspräsident anwesend fein. Fürst Bismarck verläßt seinen Posten bei der Stockholmer Gesandtschaft.

Geistliche dürfen in die Krankenhäuser. Ent­gegen dem Verbot des Neuköllner Stadtrat- Schminke, daß Geistliche in den Krankenhäusern Neuköllns die Seelsorge bei den Kranken aus­übten hat der Oberpräsident jetzt entschieden, datz evangelische und katholische Geistliche die Kran­kenhäuser ungehindert betreten dürfen, um ihre seelsorgerischen Pflichten zu erfüllen. Zwang dürfe auf die Kranken nicht ausgeübt werden.

Ein Ehrentag für das Zentrum. An der Zen­trumsfeier zum 25jährigen Jubiläum des Land­tags-Präsidenten Dr. Felix Porsch, nahmen u. a. Nuntius Pacelli und eine Reihe anderer Ehren­gäste u. a. das preußische Kabinett, teil. Finanz­minister Dr. Höpker-Aschoff feierte insbe­sondere den unermüdlichen Arbeitseifer des Ju­bilars.

Osterempfana für Graf Luckner. Der heim­kehrende Graf Luckner wird zwischen dem 5. und 15. April auf der Weser erwartet, wo man einen großen Empfang vorbereitet Luckner wird vom Bremer Senat tu einem Ehreyttunk im Rathaus abgeholt werden, um dann einen Vortrag zu halten.

Neues aus Mel.

Die Halle -er Hausfrau.

Eine Sonderschau derGrünen Maiwoche".

Der Verband ländlicher Hausfrauenverein« und der Kasseler Hausfrauenverein haben zahl­reiche Anregungen aus ihren Mitgliederkreisen erhalten, die Ausstellungsmgölichkeiten auf der Grünen Maiwoche" nicht vorübergehen zu las­sen. In einerHalle der Hausfrau" werden große Kasseler und auswärtige Firmen eine hauswirtschaftliche Ausstellung veranstalten zu der bereits sehr zahlreiche Anmeldungen vorlie­gen. Wir werden über die Entwicklung dieser Abteilung derGrünen Maiwoche demnächst ausführlich berichten können.

In -en Ruhestan-.

Ein verdienter Schulmann.

Der Leiter des städtischen Lyzeums mit Stu­dien-Anstalt, Oberstudien-Direktor Pros. Kratsch scheidet mit Schluß des laufenden Schuljahres infolge Erreichung der Altersgrenze aus den; Schuldienst. Aus diesem Anlaß sprachen Ober­bürgermeister Dr. Stad ler und Stadtoberschul­rat Boese ihm den Dank der Stadt aus für gelei­stete wertvolle Arbeit. Das Provinzialschulkol- legiunt hatte den Dank der Staatsregierung schriftlich zum Ausdruck gebracht. Unter der Lei- tung des Professors Kratsch hat sich das Lyzeum mit Studien-Anstalt aus kleinen Anfängen zu einer großen Doppelanstalt entwickelt. Er über- nahm die Leitung der ursprünglich von dem VereinFrauenbildung Frauenstudium" ins

Gonntagsgedankkn.

Nicht so überempfindlich!

Du hast Tage, an denen du dich beim Er­wachen nach ungestört durchschlafener Nacht, munter wie ein Fisch im Wasser fühlst, mit einem Lied auf den Lippen oder in Gedanken, dein Tagewerk beginnst und in einem Hebet» maß erhöhter Daseinslust die ganze Welt um­armen könntest. Und du hast Tage, die sich einer unruhigen, von Träumen zerrissenen Nacht an- fchließen, an denen vom. Erwachen an, sich dir alles feindlich entgegenzustellen undquer" zu gehen scheint. War der Gruß, der dir von den liebsten Menschen gezollt wurde, so herzlich, wie bisher? Zeigten dir Bekannte oder Freunde aus deinem Berufswege ober bei deinen Besor­gungen nicht recht unfreundliche Mienen, ober hüllten sich gar in Zurückhaltung oder Abwehr? Unb waren deine Kollegen und Kolleginnen an btefem Tage nicht samt und sonders hinterhäl­tig, ungefällig, ja direkt voll stiller Feindschaft in ihrem Verhalten zu dir? Du sahst freilich bald ein, daß du int Unrecht warst, als du deine gewandelte Gesinnung bei deiner Umgebung seststelltest, ebenso wie die Hausfrau, die in ihrer Familie wie bei ihren Nachbarinnen die gleiche Erfahrung machte, an jenen Tagen, die jedem von uns einmal beschieden sind.

Wie nun aber, wenn du zu jenen überemp­findlichen Menschen gehörst, die immer, ohne Ausnahme, sich falfch verstanden wähnen, leicht verletzt und gekränkt, zum heimlichen Schrecken und Stein des Anstoßes ihrer Umgebung »er­ben? Muß es dir nicht einleuchten, daß du als ein Glied jener Sckar unglücklich veranlagter Menschen, immer einsamer und darum immer verhitterter werden mußt, weil sich nach und nach dieser beklagenswerten Eigenschaft wegen, schließlich guck deine treuesten Freunde von dir abwenden? Kannst du dir nickt vorstellen, daß sie dich um ihrer selbst willen meiden müssen, weil es ihnen ihre Selbstachtung verbietet, stän­dig von dir, dem übelnehmenden. leicht gereiz­ten und überemvsindlichen Menschen, mit Miß trauen beobachtet zu werden?

Wenn auch du leider eine allzuweiche,

darum leicht verletzbare Frucht am Baume der Menschheit bist, bann gib bir alle nur erbeut» bare Mühe, deine Mimosenhaftigkeit zu be­kämpfen und abzulegen und anstelle des Sei- denhäutchens, das dein Inneres umhüllt, dir nach und nach eineRhinozeroshaut" zuzule­gen. So schwer das auch anfangs erscheint, kannst du es doch erreichen, wenn du dich ge­waltsam mit Gleichmut wappnest, dich nichts mehr, wie bisher, selbst zu wichtig nimmst und zu hören lernst, ohne zu hören. E. Th.

Zwölstausen-.

Anstellungsgastspiel im Kasseler Staatstheater.

In Franks SchauspielZwölftausend" ga­stierte gestern Fräulein Hiltrup vom Stadt­theater Nordhausen als Gräfin Spangenberg aus Anstellung für die scheidende Hertha Ul« riet: Als Salondame etwas reifer als die Kas­seler Vertreterin der Rolle, schauspielerisch offen­sichtlich von einer gewissen provinziellen Voll­endung, als künstlerische Persönlichkeit keine unbedingte Bereicherung des etwas jugend- armen weiblichen Teils unseres Ensembles. Frl. Hiltrup (die Frau des Jntendenten Hu­ber von Nordhaufen) zeichnet die Gräfin Span­genberg mit reizvollen Strichen und etwas rei­cheren Einfällen als wir die Rolle schon kennen, aber ihr Spiel bleibt äußerlich, dringt über den Glanz der Worte nicht vor bis zu einer Menschlichkeit, die in unserem Gedächtnis haftet die Erlebnis wird. G. M. B.

Herr Maier in Backnang.

Eine Anekdote von Wilhelm Schüssen.

Tschingkiang liegt in China, bas Städtchen Backnang aber im Swabenlande. Darüber sind sich alle Wissenden einig.

Aber jenes Schulbüblein. das einst chine­sische Städte aufzählen sollte, vergaß sich vor lauter Eifer und vielleicht auch durch den Klang der Worte verführt und deklamierte also: Kan­ton. Jünjang, Ranjang, Rankang, Backnang. Tschinkiang!

Man lachte es damals nicht schlecht aus.

Trotzdem ist das BüAein später zur Post ge­kommen, wenn es auch nicht gerade Reichspost­meister geworden ift

Als jemand diese alte, wahrhaftige Begeben­heit jüngst in Gesellschaft wieder erzählte, wirkte sie wie neu.

Da erzählt« ich denn, mit geheimer Abbitte beim seligen Peter Hebel, eine noch viel be­kanntere Geschichte, um ebenfalls mein Scherf­lein zur Hebung der Gemütlichkeit beizutragen: Da sandte nämlich 'einmal vor . Jahren ein Vater aus einem kleinen Ort bet Bremen an seinen Sohn, der in eben jenem Backnang als Volontär in einer Lederfabrik amtierte, einen Bries, der u. a. auch einen Fünfzigmarkschein enthielt.

Da keine Danksagung eintraf, fragte der Vater nach etlichen Wochen beim Sohn an, ob er denn leinen Fünfzigmarkschein nicht erhalten habe. Nein, er habe nichts erhalten, weder einen Brief noch Gelb, schrieb ber Sohn zurück. Also war ber* Brief samt Fünfzigmattfchein leider p->rwren gegangen. Man follte half nie­mals Geld in einem bloßen Bries versenden, das ist eine alte Erfahrung, und man sollte auch niemals bloß schreiben: An Herrn Maier, Backnang.

Aber man foCte auch niemand voreilig ein Unrecht nachsagen, auch der Post nicht, selbst wenn zwischenhinein einmal nicht alles sogleich aufs Tüpfelchen klappt. Unterdessen lief näm- lich der Brief samt Fünfzigmarkschein mit ord­nungsgemäßer Geschwindigkeit seinem Bestim­mungsort entgegen, zuerst mit dem Zug, bann zu Schiff nach China in der Richtung Kanton, Peitang, Rankang usw. Und nach einigen Mo­naten lief er ebenso ordnungsgemäß von dort wieder zurück. Er trug nun aber einen amt­lichen Vermerk der chinesischen Behörden, nämlich den: Backnang liege nicht in China, sondern an ber Mur in Württemberg. Auch ber Fünfzigmarkschein war noch barin.

Woraus man ersieht, daß man auch in China einen hübschen Witz mit Behagen zu ge­nießen weiß, und daß man dort gar nicht so rückständig ist, wie manche Leute in ihren vier

Wänden daheim es immer noch zu behaupten pflegen.

Humoristische Ecke.

Kindliche Mßbegierbe.

Sag mal, Papa, warum konnten die König« schon mit 14 Jahren die Krone aufsetzen, wäh­rend es ihnen verboten war, vor dem 18. Jahr zu heiraten?"

Das beweist mein Junge, daß es viel leich­ter ist, ein Königreich zu regieren als eine Frau!*

Ans Profession.

Spaziergänger zu einem Bettler:Haben Sie denn keinen Beruf, daß sie von der Stta- ßenbettelet leben müssen?"

Bettler:Oh, bitte sehr, ich bettle ja au8 Profession!"

Genau befolgt

Arzt:Sind Ihre Magenbeschwerden jetzt besser? Folgten Sie auch meinem Rat und tranken eine Stunde vor dem Frühstück heißes Wasser?"

Patient:Jawohl, Herr Doktor, aber länger als zehn Minuten konnte ich es nicht aushalten."

Deutscher Wal-.

Von Heinrich Leh.

Mit deines Dome- arünumwölbten Räumen Stehst du, ein Atmender, im großen Schweigen Und bist der Hort von schattenbunklen Träumen Du siehst die Sonne und die Sterne steigen Und Wolkenflug ob deinen Wipfeln schweben, Die sich im Spiel ber sanften Winde neigen. Du birgst im Dämmer vielgestaltig Leben Und bist von Leben kraftvoll selbst burckglüht; Du schaffst unenblich mit dem dunklen Weben. Der Schöpfung, die aus deinem Schoß erblüht. Du bist der Riefe allvergangener Zeit, Die starke Burg, dahin die Sehnsucht flieht. Des fernetrunkenen Wandrers treu Geleit.

Von deines Wachstums herber Kraft oeschwellt Ragst du ins Licht, ein Wall ber Ewigkeit, An dem der Jahr« Flutgebraus zerschellt.

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