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Kasseler Neueste Nachrichten

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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Nummer 77. AmlttcheS Organ der Stadl Kaffel Freitag,. März 1928» Amtliches Organ der Stadt Kassel 18. Jahrgang

Sin kalter Strahl für Strefemann.

Deutsche in Händen von Polen-Nowvies / Varis wettert gegen Mussolini.

Sn der

etterecke.

eturmfifliialc am Balkan.

Von Dr. Paul Rohrbach.

Die beiden größten Balkanstaaten sind heute Jugoslawien und Rumänien. Jenes besindet sich in einer latenten Konsliktslage mit Italien; dieses steckt in einer schweren inneren Krisis, bei der die unzufriedene Partei schon bis zur un- verhüllten Revolutionsdrohung vorge­schritten ist. Die Gerüchte über den angeblich bevorstehenden Abbruch der Beziehungen zwischen Italien und Jugoslawien verbinden sich mit der Behauptung, Italien beabsichtige, die Zollunion mit Albanien zu erklären. Das wäre natürlich ein Schritt weiter zur Annexion, denn die albanische Wirtschaft ist so unentwickelt, daß die Ucbernahme der Zollverwaltung durch Italien gleichbedeutend mit der finanziellen Selbstauslieferung der albanischen Regierung wäre. Militärisch haben die Italiener sowieso schon die Hand im Lande. Es würde sich also in der Tat um eine Art Kriegserklärung an Jugoslawien handeln, wenn auch nicht mit der Waffe, so doch mit dem Mittel schärfster politi­scher Jntereflenverletzung. Man muß diese Pläne in Verbindung bringen mit der steigen­den Unzufriedenheit in Italien. Die Wirtschaftslage hat sich ausgesprochen ber«' schlechter«; hinter den Gerüchten über blutige Unruhen steckt offenbar Wahres, und der Fa­schismus denkt an daS alte Rezept gegen inner- politisches Mißvergnügen: außenpolitische Er­folge, und wenn man sie aus Albanien holen müßtet

In Jugoslawien traut man sich zu, mit einem italienischen Angriff fertig zu werden, wenn es sein muß auch allein Jedenfalls verdient die jugoslawische Sache die überwiegende Sympa­thie; denn im Grunde hat Wbanicn auf der Balkanhalbinsel nichts zu suchen, und sein Bestreben, den jugoslawischen Staat im Adriati­schen Meer einzusperren, geht gegen die Lebens­interessen eines jungen, starken und auf die Zu­kunft vertrauenden Volks. Bei alledem ist es nicht wahrscheinlich, daß die übrigen Mächte den Ausbruch des Krieges zulassen werden: unter anderem auch schon deshalb nicht, weil die syste­matische Bewaffnung Ungarns durch Italien daruf deutet, daß der Brand, wenn er überhaupt ausbricht, sich noch weiter ausbreiten würde. Ein stark beunruhigendes Moment blei­ben dabei die nicht mehr zu verheimlichenden Röte des Faschismus, die, wenn sie sich noch weiter steigern, eines Tages Mussolini selbst zu einem verzweifelten Hasardspiel her­ausfordern können.

In Rumänien stehen die Dinge direkt auf der Schneide des Messers, Hai doch der Führer der Opposition, Maniu, bei einer Riesenkund­gebung erklärt:Ich glaube, daß von diesem Augenblick angefangen die Regierung als gestürzt betrachtet werden kann. Der Tote muß begraben werden!" Bei der inneren Krisis in Rumänien gilt es für die herrfchende liberale Partei einfach, die Macht zu behalten. Die Opposition dagegen, die sogenannten Natio- nalzaranisten verlangen Reformen in der Verwaltung und in der Wirtschaft, vor allen Dingen zuaunsten der Bauernschaft. Ihre Parole heißtEhrlichkeit" eine schwierige Sache in einem Lande, wo der Richter erster Instanz zwar ein Monatsgehalt von hundert Mark bezieht, mit der Begründung, der Richter­stand müsse allerdings unabhängig sein: der Ver­waltungsbeamte vom entsprechenden Rang aber nur sechzig Mark, weil es für selbstverständlich gilt, daß er sich auf seinem Postengesund macht" und dann dem Nächsten den Platz räumt.

Die Einberufung des Bauern-Kongresses nach Karlsburg ist die Ankündigung der Bereit- schäft zur Revolution wenn die Regierung nicht freiwillig zurücktritt oder der Regent- schasisrat sie nickt entläßt undfreie" Wahlen, das heißt solche ohne Diebstahl der Stimmzettel­urnen und ohne Bajonette, ausschreibt. Karls­burg liegt nicht in Altrumänien, sondern in Sie­benbürgen. Es ist die Stadt, wo nach dem Zu­sammenbruch Oesterreich-Ungarns die fiebert* bürgiscken Rumänen den Anschluß an das Kö­nigreich proklamierten und gleichzeitig die be­rühmte Ertlärung über die Rechte der Minder­heiten erließen, von der nachher die liberalen Machthaber jeden einzelnen Satz mit Füßen ge­treten haben Die siebenbürgischen Rumänen, unter denen der Na'ionalzaraniSmus seine ei­gentliche Stärke bat. sind gebildeter und europä­ischer als die Bevölkerung des sogenannten Mt- reichs, wo bis heute der sogenannte BalkaniS-

nius voll in Blüte steht. Kaum war die erste Vereinigungsbeqeisterunq vorbei, so wurde Sie­benbürgen so ziemlich nach Art einer eroberten Provinz behandelt und mitRcgatlern", d. h. Leuten aus dem Königreich, überschwemmt, die samt und sonders ihren gewohnten Korrup­tionssumpf von jenseits des Gebirges auch nach Siebenbürgen brachten. Diese Zustände haben nicht zuletzt die Opposition Manius und seiner Genossen hervorgerusen, und ihre Waffe ist nicht allein das weithin herrschende Mißvergnit- gen, sondern auch die vorläufig noch im Hinter­grund gehaltene, aber bei der Armee, namentlich dem jüngeren Teil des. Offizierkorps, populäre Parole: Rückkehr Carols,- des abgedank­ten Kronprinzen aus dem Exil!

Sic bleiben sich treu.

Strefemann hat ans Paris nichts zu hoffen.

Paris, 29. März. Ein Blatt glossiert heute die Aürsistnngsrede Stresemanns (f. L Seite, 4. Spaltes mit den Worten: Ter Völkerbund kann leine Abrüstung vornehmen, die die Sicherheit seiner Mitglieder bedroht. Auch für die nächsten Jahre wird Herr Strefemann noch mit den j e t- zigen Verhältnissen zu rechnen haben.

»rannen zieht es nicht nach Senf.

pagnie ehemaliger Selbstschutzmitkämpfer Beu- then-Nord. Diese wurde wegen des Vorfalls sofort aufgelöst. Die polnischen Behauptungen über schwere Verletzungen und Mord an Frau­en und Kinder ist frei erfunden. Nur drei Personen wurden leicht verletzt.

* *

Was fangt pilsrrbski an.

Der Regierungsblock in der Reserve

Warschau, 29. März Der gegen Pilsudskis Willen ernannte Sejm-Marschall Daszynski (Soz.) hat diesem und dem Staatspräsidenten Antrittsbesuche gemacht. Von dieser Aussprache erwartet man eine Klärung der gespannten poli­tischen Lage. Der Regierungsblock wird heute Vormittag über seine weitere parlamentarische Taktik beraten. Da er sich gestern von der Wahl der Vizemarschalle ferngehalten hat, hält man es für möglich, daß er auch an den Kominissions- atbCSten nicht teilnehmen will.

Die ßanci steht ihnen höher.

Warschau, 29. März. (Eigene Drahtmeldung.) Die in Lodz auf den polnischen sozialistischen Listen gewählten zwei deutschen sozial­demokratischen Abgeordneten haben be­schlossen, einen eigenen Klub zu bilden und sich n i cht der deutschen Vereinigung anzu­schließen.

Paris, 29. März. (Eig. Drahtbericht.) Laut Pressenotiz dürfte die Antwort der brasiliani­schen Regierung auf die Einladung, wieder an den Arbeiten des Völkerbundes teilznnehmen, gewissen Nachrichten zufolge negativ aussallen.

Kommt der Landiagepröstdent durch r

Berlin, 29. März. Ueber das Befinden oeS Landtags Präsidenten Bartels am heutigen Bor mittag wird mitgeteilt: Die Besserung hält auch heute an. Die Herztätigkeit hat sich gebessert je doch muß gesagt werden, daß sich der Patient noch nicht außer Lebensgefahr befindet.

Mussolini in -er eignen Falle

Wie Paris ihm den Strick dreht.

Paris, 29 März. Die Aeutzerungen Mussoli­nis zu dem Zeitungsbesitzer Lord Rother- mere, namentlich über die Aenderungen der ungarischen Grenze erregt die Presse stark, die Mussolinis Standpunkt durchweg ab­lehnt. Ein Blatt schreibt, daß der italienische Diktator sich auf ein außerordentlich gefähr­liches Terrain begeben habe. Wenn Mus­solini Ungarn eine angemessene Grenze geben wolle, so könne er sich logischerweife auch dem Anschluß Oesterreichs an Deutschland ebensowenig widersetzen, wie einer Abände­rung der Grenze für S ü d t i r o l.

So Hausen -ie polen.

Schwer mißhandelte Deutsche. Mit Messer, Schlagring und Pflasterstein.

Kattowitz, 29. März. Wie bekannt wird, wurde der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Katholiken, Schmieschek, gestern abend von drei Banditen kurz vor seiner Wohnung überfallen und mit Messern und Schlag, ringen derart verletzt, daß er in das Kran­kenhaus übergeführt werden mußte und infolge einer schweren Verletzung am linken Auge ver­mutlich sein Augenlicht verlieren wird. Ebenso wurde der dem gleichen Verbände ange- hörende Lehrer a. D Pluta Überfällen und durch einen Pflasterstein am »vpfe Der« letzt. Seine Frau stürzte bei dem Ueberfall hin und erlitt gleichfalls Verletzungen. Obwohl sich die Neberfälle auf ziemlich belebter Straße er­eigneten, konnte die Polizei die Täter bisher nicht ermitteln.

Der Floh als Elefant.

Wie Polen deutsche Unbesonnenheiten aus- beutet. Sie felbst leisten sich dergleichen täglich.

Beuthen, 29. März Zu dem von der pol­nischen Presse ausgebeuteten Vorfall im pol­nischen Schulverein in Roßberg wird amtlich mitgeteilt, daß etwa 24 Männer in Uniform sich zum Schlug im Saa lverteilten, als sie vor einem einschreitenden Kriminalisten flüchten wollten, wurden sie von zwei weiteren Polizei- beamten am Verlassen des Saales verhindert und durch ein herbeigerufenes Ueberfallkom- niando durchsucht und festaestellt Es handelt sich um Angehörige der sog. Traditionskom­

Heute noch kein Gzeanflug.

Der Flugplatz hüllt sich in Schweigen.

London, 29. März. Nach Mitteilungen von dem Flugplatz Baldonel bei Dublin ist die Ab fahrt des deutschen Flugzeuges verschoben wor­den und zwar ohne Angabe eines Termins Auch nähere Einzelheiten über die Gründe der Ver schiebung des Startes, für die in erster Linie die Wetterlage verantwortlich sein dürfte waren nicht erhältlich.

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Stöbt fl.egt nicht In den Tod

Rotterdam, 29. März. (Privattelegramm.) Ein Blatt erfährt aus Baldonell: Sonderzüge bringen Scharen von Neugierigen nach Bal- donell. Der Startplatz derBremen" ist jedoch abgesperrt. Auch englischen Piloten ist das Be­treten nicht gestattet. Hauptmann Köhl erklärte zahlreichen Preffevetrretern: Wir können all­stündlich abfahren, aber wir fahren nur, wenn wir die Gewißheit der Wiederkehr haben.

Die Rricheprastbenten aut Briesen.

Berlin, 29. März. (Durch Funkspruch.) Die neuen Briefmarken, von denen die Marke zu 15 Pfennig das Bild des Reichspräsidenten von Hindenburg, die Marke zu acht Pfennig das Bild des verstorbenen Reichspräsidenten Friedrich Ebert tragen wird, erscheinen voraussichtlich am 1. I u n i.

Der Buchdruckerstrelk iflr Berlin vermieden.

Berlin, 29. März. Obwohl die Bezirkso°r- sammlungen der Berliner Buchdrucker geschloffen für Eintritt in den Streik entschieden hatten, ge lang es in der gestrigen Generalversammlung des Vereins der Buchdrucker und Schriftgießer, die Mitgliedschaft zu veranlassen, die Kündigan gen zurückzuziehen und damit den Buchdrucker streik für Berlin zu vermeiden.

Lin harmloses Manöver?

Japans Riefenflotte dampft gen China.

London, 29. März. Wie Reuter aus Tokio meldet, find vierundzwanzig japani- fcheKriegsschifse nach verschiedenen Häfen Nord- und Südchinas ausgelaufen. Drei Linien­schiffe, die das erste KriegSfchisfgeschwader bU- den, fahren in Begleitung vonfechzehnTor- pedobovtjägern nach Hongkong, wo sie sich fünf Tage lang aufhalten werden. Amtlich wird der Flottenbesuch, trotz deS großen Aufgebots an Schiffen, als bedeutungslos bezeichnet. (?)

Der Knirps als Meifter-ieb.

Er macht sich und die ganze Familie reich.

Kopenhagen, 29. März. Die Polizei har einen zwölfjährigen Knaben verhaftet, der in den beiden letzten Jahren sich selbst und seine Familie durch zahlreiche Diebstähle vollständig ernährt hatte. Seine dadurch erzielten Ein­nahmen waren so groß, bag sein Baler sich so- gar den Luxus eines Autos leisten konnte.

Zktzf oder nie.

Stresemann's jüngster Abrüstungsappell.

Er labt sich die Sabotage «übt mehr gefallen. Unser Recht ist fonncntlat. Der Völkerbund siebt auf dem Spiel. Höflichkeitsfloskeln für

Poiacarö-Briand.

Berlin, 29. März. Auf dem Bankett der ausländischen Presse wies Außenminister Dr. Strefemann alle böswilligen Unterstellun­gen bezüglich der deutschen Abrüstungspolitik energisch zurück: Wenn ich auch zugebe, daß Probleme von dieser Tragweite nicht von heute auf morgen gelöst werden können, so kann man doch heute nicht mehr von einem heute auf mor­gen sprechen, umsoweniger, als Deutschland nicht eine sofortige Totalabrüstung aller Staaten gefordert hat, sondern sich mit dem Gedanken der

graduellen «nd etappenweisen Abrüstung durchaus einverstanden erklärt hat. Die Vor­aussetzungen dafür liegen aber jetzt vor. Der Minister fragte, ob es einen Mangel an real- politischem Sinn bedeute, wenn er feststelle, daß die im Schlußprotokoll von Locarno niederge­schriebenen feierlichen Worte heute, nach 2! 1 Jahren, hinsichtlich der allgemeinen Ab­rüstung noch jeder Realisierung ent­behrten. Trotz allem bis zum Uebcrdruß beteuerten Abrüstungswillens scheinen wir von der Erreichung des Zieles heute weiter als je entfernt zu fein. Der Völkerbund

darf in dieser Frage einfach nicht versagen.

Er steht hier vor einer gebieterischen Pflicht, deren Nichtachtung zu schweren Fol- gen führen muß. Wenn heute davon gesprochen wird, daß wir keinen juristischen, sondern nur einen moralischen Anspruch hätten, so liegt darin eine Negierung des Grundg e - dankens des Völkerbundes, dessen tief­stes Fundament die Anerkennung der gegensei­tigen moralischen Verpflichtungen des Völker­bundes ist. Was ist in der Abrüstungsfrage jetzt zu tun? Das Wort haben jetzt die Regie­rungen der militärisch führenden Staa­ten. Aus ihnen liegt die Verantwortung, und ans sie richten sich die Erwartungen der Völker. Ich erwarte bestimmt, daß wir schon auf der nächsten Bundesversammlung einer Situation gegenüberstehen, die hinreichend ge­klärt ist, um dem Völkerbund

konkrete und effektive Schritte

zu gestatten. Wenn trotz dieses Zweifels und Enttäuschungen ich noch von Hoffnung und Vertrauen gesprochen habe, so richte ich meinen Blick in erster Linie auf düs große mächtige Volk der Vereinigten Staaten von Amerika, deren Friedensinitiative ich begrüße, weil sie den alten Gedanken der magna charla inter­nationalen Zusammenlebens zum Wiederauf­leben bringt, daß die

einzelnen nicht leiden sollen, wenn die Staaten Kriege führen.

Strefemann stimmte auch der Rede Poin- earös in Bordeaux in vielem zu, indem er meinte: Was geht uns die Vergangenheit an! Diesen Worten kann ich völlig z u st i m m e n, ebenso wie denen, daß alle leiden unter den Ruinen des Krieges, daß es

keinen glücklichen Sieger, keinen glückliche« Besiegten,

keinen glücklichen Neutralen gibt und daß durch die Annäherung auf intellektuellem und mora- lischem Gebiet wir herauskommen können au8 den Leiden der Vergangenheit. Wenn mit die­sem Gedanken herangetreten wird an die Lö­sung dieser großen Probleme auf militärischem und auch auf wirtschaftlichem Gebiet, bann wer­den wir uns dem Ideal nähern, das der Herr Nuntius in den Worten des Augustinus zum Ausdruck gebracht hat, Worte, die in einer an­deren Version so oft mein Kollege Briand erklärt hat, daß es nämlich nach außen wohl weit schöner scheinen mag, für Krieg und Ruhm einzutreten, daß es aber

«schwerer ist, für den Frieden zu kämpfen und daß im Kampfe für den Frieden das größte liegt, das die Menschenseele erreichen kann.

MeloNscytevsipruch für Öen Norden.

Hamburg, 29. Marz. Nach dem gestern für den Metallarbeiterverband gefällten Schicds- spruch werden die Lohnfätze für fämtliche Arbei­ter, ausgenommen die weiblichen und jugend­lichen, in allen Klaffen und allen Werftforten für Arbeiten im Zeitlohn nm 5 Pfg. erhöht. Weib-