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Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

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Nummer 76. Amtliche« Organ der Stadt Kaffe! Donnerstag, 29. März 1928. Amtliche« Organ der Stadt Kassel 18. Jahrgang

Eine neue Krise um polens Diktator.

Hat pllsudsn verspielt?

Mer nicht Waat...

Cb Köhl den Ozean bezwingt?

Von Ernst Pillan-Sander.

Eine schwere LandtagSschlappe. — Die Linksparteien rollen den RegierungSblock aus. — Ein Sozialdemokrat als Marschall.

London. 28. März. (Eig. Drahtbericht.) In einem Pressebericht über die planmässige Un­terdrückung alles Deutschen in Südtirol heisst

lenen JahreS stch in die e wieder gesehen zu wer.

Nur in Kellern und Dachkammern wage man »och deutschen Unterricht zu erteilen.

Franzosen-Steckbrief für Baron Ley.

Paris. 28. März. In Mülhausen hat der Un- tersnchungSrichter in der Autonomisten-Aftäre gegen den in der Schweiz weilenden Baron Ley Haftbefehl ergehen lassen.

Schaden gelitten, ebenso das Gericht und die Kaserne. Eine Hilfsattion ist eingeleitet. Die Bevölkerung kampiert in Zelten.

da8 Wort reden, weil der Landtag c8 gewagt hat, sich dem allmächtigen Willen des Marschalls zu widersetzen.

Rom, 28. März. Rach den letzten ergänzen­den Einzelheiten über das Erdbeben in der Provinz Udine find bis jetzt zehn Tote und vierzig Verwundete festgestellt. Diese Zahl dürfte fich aber vermehren, weil jedwede tele- phänische Verbindung unterbrochen tft Das Hauptzentrum lag in de» Gemeinden von Ver- zegni und Cavazzo. In Tolmezzo mutzte unter anderem das Krankenhaus geräumt werden, da es Risse bekommen hatte. Der Turm des Domes von Tolmezzo ist in Gefahr, zusammen- zubrechcn. Auch die anderen Kirchen haben

Die Opposition hat einen Protestantrag eingebracht gegen die gewaltsame Entfernung der fieben Abgeordneten aus dem Sitzungssaal, fertler einen Antrag, eine eigene Parlaments­

deutschen Ozeanflieger wurden auf dem Flug­feld von Curtitzfield Beleuchtungs-Borkeh­rungen getroffen, die vor allem durch bengali­sches Feuer erfolgen soll. Mehrere Flugzeuge find bereitgehalten, um der „Bremen" evtl, ent­gegen zu fliegen. Unzählige Deutsche und Ame- rikaner habe» um Zutritt zum Flugfeld nachge­sucht. lSiehe a. Bericht 1. Beilage 3. Seite.)

London, 28. März. (Eig. Drahtbericht.) Wenn die Wetterbedingungen weiter günstig bleiben, werde» die deutsche« Flieger am heu­tigen Mittwoch den Flug nach Rewqork antre­ten. Di« letzten Borbereitungen find getroffen.

Butv drüben olles bereit.

Rewyork, 28. März. (Durch Funkspruch.) Im Hinblick auf die mögliche Ankunft der

nur nebenbei erwähnt. Sie allein kostete sieben Menschenleben. Im ganzen umfaßt die Toten­liste der Ozeanflüge aus dem vergangenen Jahre über dreißig Rameni Mrd die von 1928 auch deutsche Namen enthalten — die Namen des Hauptmann Köhl und des Monteurs Spindler? Noch ist nicht- entschieden, noch alles zu hoffen. Die nächsten Lage schon werden Klarheit bringe«.

krdbebenchaos im blauen Süden.

Scho» zehn Tote und vierzig Berwundete. — Drei heimgesuchte Gemeinden. — Fliehende Kranke. — DaS Lager im Freien.

Mailand, 28. März. (Eig. Drahtbericht.) Nach dem Erdbeben im Friaul und Alpengebiet ist in Tolmezzo ein Drittel der Häuser unbe­wohnbar. In Caneva dauerte das Beben etwa dreißig Sekunden, in Tolmezzo zwanzig. Ma» spricht von dreißig eingeftürzten Häusern.

(Siehe auch Bericht 1. Beilage 1. Seite.)

Sie waren die Ersten, die beiden Franzosen, aber sie sind nicht die letzten geblieben. Die Evidemie der Ozeanflüge war in vollem Schwange und nicht mehr einzudärmnen —. Todesopfer reihte sich an Todesopfer. Meist waren es englische Flieger, die das Wagnis mit dem Leben büßten. Wohl noch in aller Er- innerung ist das Schicksal des St. Rapbael. der, besetzt mit Oberst Michin, Kapitän Leslie und v^o n^2Viv'c n^e fn^SBeuTeim, am letzteniKatastrophe des Wettfliegens nach Hawai sei

den. Zwischendurch stiegen wieder zwei Flug- zeuge von Amerika auf: ,Old Glory und »Sir John Carling'. Die letztgenannte Maschine ver­scholl sofort. Von ,Old Worh' hörte man wenigstens noch drahtlose S-O-S-Schreie auf daher See. Aber alles Suchen war umsonst Die

Finstere« VarlamentSgewvik.

Warschau, 28. März. (Privattelnegramm.) Der Inhalt der Morgenblätter wird beherrscht von den außergewöhnlichen Vorgängen im Sejm. Ei» Blatt verb rettet in grosser Aufmachung die Ansicht, dass dieser Sejm keine lange Le. benSdauer haben werde und daß der Mini­sterrat bereits eine Abänderung des Wahlmodus für die Neuwahlen vorbereite.

Warschau, 28. März. Der von Marschall Pilsudski autoritativ empfohlene Kandidat zum Sejmmarschall, Bizeminifterpräsident Dr. Bartel, ist im ersten Wahlgang unterlegen. Er erhielt nur die 142 Stimmen der Regierungs­parteien. Im zweiten Wahlgang wurde der Sozialdemokrat Daszhntzki mit 206 Stim­men der Linke», der Minderheiten und z. T. des Zentrums gegen 136 Stimme» gewählt. Der Regierungsblock verliess, begleitet von Hohnrufen der oppositionellen Mehr­heit, den Saal. Auch die Minister räum­ten sofott in höchster Eile die Regierungs­bank. Der neugewählte Marschall betonte in seiner autzerordcnrlich ruhig und sachlich ge­haltenen Antrittsrede, dass er sein hohes Amt unpatteiisch verwalte» und einer Zusammen­arbeit der Regierung mit dem Landtag den Weg bahnen wolle. Parteigenossen, der inzwi- scheu wieder freigelassenen sieben radikalen Abgeordneten legten gegen die Vergewaltigung der verbrieften Rechte der Volksvertreter schärfste Verwahrung ein.

Der Diktator in der Riemme.

Wie man Südtirol foltert.

Siedehitze unter den Deutschen. — England prangert die Faschisten-Darbaren an. — Deutsch nur in Kellern und Dachkammern.

tragen.

In Deutschland aber herrscht die ernsteste Sorge um ihn und feinen Monteur Spindler, der mit ihm nach Irland flog und auch an dem Ozeanflug teilnehmen wird. Diese Sorge ist begreiflich. Zu oft schon ist der gleiche Versuch unternommen worden, ohne zum Ziele zu füh­ren; zuviele Schatten von Toten, Opfern, die das gleiche Wagnis erfordette, stehen auf und lassen kaum etwas anderes aufkommen als die schwersten Befürchtungen. Die Welt hat sich noch nicht einmal beruhigt über das Schicksal des letzten Fliegers, den todsicher der nimmer- satte Ozean verschlang — über das Schicksal des englischen Kapitän Hinchcliff und seiner Begleiterin, der schönen und verwöhnten M t tz Elfte Mackay, mit denen die Totenliste des JahreS 1928 begann. Auch sie haben sich nicht warnen lassen durch das Schicksal ihrer Vor- vänger im Jahre 1927. Unter diesen unglück­lichen Vorgängern müssen an erster Stelle die beiden Franzosen Nungesser und Coli ge­nannt werden. Nie wieder hat ein Flug bei­artige Anteilnahme und Sensation hervorge­rufen wie dieser, weil eS das erste Wagnis der Ozeanüberguerung überhaupt war. Die Fran­zosen waren den verschiedenen amerikanischen Fliegern, die sich mit der gleiche« Absicht tru­gen, zuvor gekommen. Erst ihr Untergang ver- mochte alle anderen Konkurrenten auf Wochen hinaus einzufchüttern und zum Abwarten zu zwingen. Bekannt ist das rührende Vertrauen der Mutter Nungessers, die, selbst als keine Hoffnung mehr möglich war, nicht daran glau­ben wollte, daß ihr Sohn umgekommen. »Er wird wiederkehren, ich weiß es bestimmt, sagte sie noch zu Lindbergh, als er, der Erste, dem von Amerika auS die Bezwingung des Ozeans glückte, ihr seinen Besuch abstattete.

es: DieSpannung sei grösser als -»vor u. werde sich bei dem zu erwartenden Besuche Muffo- linis zum Höchstmatze steigern. Die wirk­lichen Ansichten der Deutschen könne man nur ganz im Geheimen hören, da die deutsche Oefsentlichkett nicht zu reden wage. Der Feld­zug zur Vernichtung der deutschen

Warschau, 28. März. (Eig. Drahtmeldung.) Die Wahl DaszyuskiS hat in Polen eine sehr kritische innerpolitische Lage geschaffen. Mau ist gespannt auf die Haltung der Regie­rung. umsomehr, alS die Scharfmacher um ferner einen am AlsÜdSN sogar einer Sejmauflösunglwache zu schäften.

Heule Abflug nach Newyork?

Unsere Stieger find noch nicht weg. — Amerikas Flugplatz im bengalischen Feuer.

Wieder hat sich ein Tollkühner — man kann ihn nicht anders bezeichnen — entschlossen, aufS Neue das große Wagnis, das bislang noch kei­nem geglückt ist, dennoch zu unternehmen —: mit seinem Flugzeug die Reise über den Ozean von Europa nach Amerika anzutteten. Diesmal ist es ein Deutscher, ist es der Hauptmann Köhl, der schon im vorigen Jahre den Ver­such unternahm, mit der »Bremen' den Atlan­tischen Ozean zu überqueren. Damals ist das Unternehmen, für das unter anderem die Jah­reszeit schon zu ungünsttg geworden war — die ersten Herbststürme brausten über das weite Steer — mißglückt. Wer der Flieger hat stch durch dies Scheitern des ersten Versuches keines­wegs abhalten lassen. Erst jetzt erfährt man, daß er stch schon während des ganzen Winters hartnäckig weiter mit der Idee getragen, als erster europäischer Flieger dennoch Stürme und Wellen zu bezwingen und auf feiner Maschine zur Neuen Welt vorzustoßen. Heber das ganze Unternehmen hat man das größte Still- schweigen bewahrt. Nicht einmal die Deut­sche Lufthansa, der Hauptmann Köhl angehörte, aus der er aber, weil sie nimmermehr zu dem waghalsigen Versuch ihre Einwilligung gegeben hätte, vor kurzem ausschied, war orientiert. Erst als er heimlich mit vollem Tank mit Kurs nach Irland abgeflogen war, wo er auf dem Flug- platz Baldonel schon weiteren Betriebsstoff batte bereitstellen lassen, gewann man Gewiß­heit dessen, was in Wirklichkeit geplant war.

In Amerika hat die Nachricht von dem Flug die größte Sensation hervorgerufen. Schon trifft man Vorbereitungen für den Empfang. Trotz aller gegenteiligen bisherigen Erfahrun- gen hält man es dort absofttt nicht für ausge­schlossen, daß der Versuch Mcken könne. Köhl selbst scheint von dem Gelingen seines Fluges felsenfest überzeugt zu sein, zumal er erklärt hat, absolut nicht tollkühn Vorgehen, son- bern den Start erst wagen zu wollen, wenn gute Chancen für ein Gelingen gegeben seien. Im übrigen will er für immer in Amerika blei­ben und dort eine Transozeanfluggesellschaft ins Leben rufen, die unter seiner Leitung stehen soll. Mit diesem Projekt hat er stch schon lange ge-

Dos Volk murrt.

Wegen der Diktatur-Uebergriffe.

Warschau, 28. März. Die wieder sreigelasse- nen sieben Abgeordneten deS Sejm haben gegen Marschall PilsudSki Anklage wegen Frei­heitsberaubung und gegen den Polizei­offizier wegen schwerer Misshandlung ge­stellt. Die Stadt ist sehr erregt. DaS Sejrnge- bäude wird bewacht.

Pose«, 28. März. AuS Warschau verlaut«:

feinet

Besser gina es nicht.

Preußens rosig gefärbte Schlußbilanz.

Der Laudta, verabschiedete «eitern die Wahl- rechtsnovelle nnb daS Pfarrerbclotdnngs-Gese«. Beim Flaggenantrag machten die Rechtsparteien durch Richtabgabe «an Stimmkarten das Saus ***‘"*^*?* ‘ Ä wobei feinet ernngsknnft ielbit

etwas reich ftrente.

Berlin, 28. März. 'Nachdem Schlange- Schöningen (Dntl.) erklärt hatte, es fehle der Regierung immer noch der große reformistische Zug, durch den erst die moralische Berechtigung der Revolution hätte erwiesen werden können, wlemisierte Riedel (Dem.) scharf gegen die Oppositionsparteien. Er stellte den .Bankerott der Rechtsregierung im Reich' der ununterbro­chen stabilen Aufwärtsentwicklung Preußens ge- «nüber. Für den an der Gürtelrose erkrankten Ministerpräsidenten Braun gab dann Wohl- ahrtsminister Dr. Hirtsiefer einen sehr ausführ­lichen Rechenschaftsbericht über die Konsolidie­rung Preußens. Selbst Reichskanzler Mar; habe anerkannt, daß

Preusse« 6er ruhende Pol

in der Erscheinungen Flucht war. Dann wird auf die gesunden preußischen Finanzen hingewiesen, auf die großzügige Wohlfahrtspolitik, die u. a. im Bau von 420 000 neuen Wohnungen, tn der Verbesserung der Mütter- und Säuglings-Für- sorge, der schulärztlichen Versorgung, der sport­lichen Fürsorge usw liegt. Die Aufzählung der Fürsorgemaßnahmen für die Landwirtschaft stellt zum Schlutzfest, daß allein 455 Millionen Mark für die Landwirtschaft in Preußen aus- gegeben wurden, von denen nur 93 Millionen aus Reichsmitteln stammten, daß demgegenüber der alte preußische Staat 1913 nur 58,3 Millio- nen aufwandte. .Nur blinder Haß oder abso­luter Unverstand' könnten da von einer Land­wirtschaftsfeindschaft oder auch nur Gleichgültig­keit Preußens reden. Es folgt die Erwähnung der Fürsorge für den Mittelstand ,das Handwerk und Gewerbe mit den Maßnahmen gegen Un­fälle, dem Ausbau des Fachschulwesens, die aus­gedehnte Gnadenpraxis und der humane Straf­vollzug der Justiz, innere Verwaltung, die dem

republikanische« Geist zum Durchbruch

verhalf und die Lage der Kommunen zu erle'ch- tern bestrebt war. Die Kulturpolitik wolle ver­söhnen, die begabten Kinder Wenigbemtttetter fördern und die Junglehrernot beheben. Die schwierigste Aufbau-Arbeit liege hinter uns und im nächsten Landtag werde die republikanische Staatspolitik auf Verbesserung der Lebensbe- bingungen der werktätigen Massen, der Rentner und des Mittelstandes gerichtet sein, sowie auf Schaffung besserer Chancen zum Vorwärtskom- men Aller, die sich einordnen wollen.

* * *

Also -och ein Kreuzer.

Gröner entscheidet dir Reichstagsschlacht.

frm Reichstag wurde gestern endlich zugleich mit dem Marlnebaushalt auch die leidige Lob- manngffäre erledigt. Wir erfahren darüber:,, Bei der Aussprache übet den Martneeiat ging der Streit vor allem um den neuen Pan­zerkreuzer A. für den der Reichsrar die Mittel streichen will. Gegen diesen Kreuzer sprachen die Linkspatteien und der Bayerische Bauernbund. Während die bürgerlichen Oppositionsparteien ihre ablehnende Haltung auch damit begründe­ten, daß ein Panzerschiff von zehntausend Ton­ne« angesichts der überlegenen Schiffe der übri­gen Mächte keinen ernste« Gefechts- wert habe, behauptete umgekehtt ein Kommu­nist. ein solches Schiff würde einen sehr er­hebliche« Kampfwett haben, da er aber ver­mutet, daß das Schiff im Kanrpfe gegen Sowjet- Rußland eingesetzt werden soll, war er gerade aus diesem Grunde gegen die Bewilligung. Reichswehrminister Dr. Gröner erwiderte den Demokraten, es lägen allerdings politische Not­wendigkeiten vor und Strescmann habe ver- sichett, daß außenpolitische Gefahren auS der Bewilligung nicht entstehen könnten.

Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Demokraten, Kommunisten 6nb zum Teil ber Wirtschaftspartei wurde das Panzerschiff und nach Ablehnung von Streichungsanträgen auch der Marineetat tn zweiter Lesung bewilligt.

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Das große Reinemachen.

Fall Lohmann abgetan. — Gröner hält jetzt Wacht. — Annahme des Notprogramms.

Bei ber Aussprache über die Lohmann-Affäre waren im Reichstag sämtliche Parteien einig, in der Verurteilung ber Vorgänge und in ber Forderung, durch strengere Kontrollmaßnahinen