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Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Slbenbjfetttmg

Kasseler Abendzeitung

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Die »aflelei »teueftee Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal natbmmagl. Det SbonnemeniSorei« bei rügt ffti den Monat 1. X bet freier SufteDnng n« ö.ius IN det »eschSttastell« abaebolt ta«> X Durch die «oft monatlich 3. X ausichliebl'ch SnftellnngSaedübr. Rernltrredttt 951 und 953 kZÜ, anntrlangt enget>ndte Beiträge kann bte Nedaktton ein« Beraniwonnna oder Äewäbr in kfnem ^alle Obernebmen Rftckiablnng de« Beingdaelde« oder Ansprüche wegen e'waiget nicht ordnnngdmäfttger Vielemng tft audaelchlollen. Postscheckkonto ürinffurt a M kommet «8*1 (fintelnnmmn 10 4 Lonntagdnnmmer 30 4

Nummer 61. Amtliches Organ der Stadl Äaflel

Sonntag, 11. März 1928. Amtliches Organ der Stadt Kassel

18. Jahrgang

Wachsender Lohn- vnd Wirlschastsdrnlk.

DiearoßkAbrecssnung Schneckentempo drinnen, Riesenschritte draußen

Sah man je einen scheintoten Reichstag sor­genfreiere, einträglichere, spendablere und kuriosere Geschäfte führen, ats den heuer vom Gnadenbrot des Notprogramms lebenden? Noch hängt des letzteren Schicksal als Fragezeichen in 'der Luft und doch bewilligen die der parlamen­tarischen Verantwortung ledigen Wächter des Volkswohls frisch-srei-frohlich ins Blaue hinein, gleich als hielten sie den schwindsüchtig-schmalen Reichssäckel für ein Faß der Danaiden und als ob sie nicht wüßten, daß schon im nächsten Etat die dreihundert neuen Dawes-Mil­lionen dem armseligsten Kärrnervolk der Erde aus den Rippen geschnitten werden sollen, deren Beitreibung heute noch allen Wirtschafts- ärzten ein Buch mit sieben Siegeln ist Dieses nur noch als Notaufsicht geduldete Kabinett und seine Parlamentarischen Nutznießer (oder umge­kehrt) zeigt sich nur allzu beflissen, die Taschen des FinanzministerS so gründlich um;udrehen. daß auch kein roter Heller mehr für die schon jetzt räsonierenden Wahlerben herausfallen dürfte. Wie man im übrigen das unumgäng­liche Rotprogramm durch das Dutzend Reichs­rats- und Reichstagsausschüfle bis zum 31. März hindurchlatt iercn will, ist den Volks­vätern vermutlich auch noch ein Rätsel, zumal sich nicht nur bei den Rentenbankentwürfen und beim Personalschub, dessen völlige Harmlosigkeit immer wieder beteuert wird, reichlich viel Fuß­angeln finden. So werden denn die kostbiren Stunden im Plenum vielfach durch AgitationS- Wahlpropagandarummel vertrödelt, wenn man den mit echt deutscher Gründlichkeit vottyärts- krebsenven Ausschüssen nicht noch etwas Dampf macht. Nicht wegzuleugnen ist der offen­bare Krebsschaden des heutigen Parlamen­tarismus, daß die abtretenden Reichs- Verwalter mit wohlbcrechneten VolkSbeglücker- gesten lange Etatreden zum Fenster hinaus Hal- ten und die letzten Steuergroschen möglichst gleich hinterherwerfen, um den regierungshung- rigen Nachfolgern von vornherein die Chancen und Sympathien zu verbauen. Denn jede? auch nur leichte Abgleiten der Konjunktur mutz ohne Rücklagen unweigerlich zu neuen Steuern oder anderen gewaltsamen Vermögenseingriffen führen, um sich den ReparattonSPolyPen zu ent- winden und kein neues WährungSchaoS einret- ßen zu lassen.

* * *

Noch ein Abrustungs Intermezzo

Spfer der Kriegsfurie

Balkan. Kanonaden um den St. Gotthard? sche Regierung die Einladung zur Abrüstungs­konferenz angenommen.

Die Türket avrüftungewiNig.

Paris, 10. März. (Eigene Drahtmeldung.) Wie auS Konstantinopel verlautet, hat die türki-

Flugzeug nach BaSra gebracht. Reben einem zweiten abgeschossenen Flieger landeten sofort zwei andere und er entkam an Bord deS einen. Die Kriegsschiffe habe» LandungSabteilungen ausgeschickt.

was Stresemann treibt.

Wirtschaftsfühler. Saar. Anw-stigationSgefahr.

Außenminister De. Stresemann wird vor keiner Abreise am Sonntag abend noch Win- fchaftsverhandlungen mit dem polnischen und dem rumänischen Außenminister führen. Roch nicht erledigt sind die Ernennung bezw.Wie­derbestätigung des Vorsitzenden und der Mit- gl jeder der Saar - Regierungskommis­sion, wobei, wie verlautet, den Saarwünschen entsprechnd der belgische durch einen neutralen Vorsitzenden ersetzt werden soll, und ferner die FnvestigationSklage der Kleinen Entente. Das für letztere eingesetzte Dreierkomitee wird wegen noch fehlender Dokumente heute kaum berichten können.

ten, daß wegen der Erschießung vo» drei­ßig Studenten bei Kundgebungen gegen Präsident Goniez wegen der amerikanischen Aktion in Nicaragua alS Wiedervergeltung sechs Polizisten gelyncht worden seien Das gesantte Geschäftsleben in Caracas sei drei Tage lahmqelegt gewesen. Der französische Ge­sandte, der werteres Blutvergießen zu verhin­dern suchte, soll sogar Befehl erhalten haben, daS Land zu verlassen. Der chilenische Gesandte und ein GesandschastssekretSr sollen verwundet worden fein. * *

Die ersten Scharmützel.

Engländer-Aufmarsch und Fliegerabenteuer.

London, 10. März. Rach Meldungen auS BaSra, wurden durch die britischen Lqststreit-

Jn Gens wird vertuscht. Offene Türen am Genf, 10. März.

Die Anbahnung weiterer Verhandlungen im ungarischen Optantenkonflikt, die auch die prak­tische Möglichkeit für eine finanzielle Trans­aktion eventuell unter Einschaltung einer V ö l - kerbundSanleihe an Rumänien bieten kann wird allgemein begrüßt. Stresemann erörterte gestern mit dem ungarischen Außenmi­nister Walko die heute zur Behandlung kom­mende Jnvestigationsklage gegen Un­garn. Sollte es trotz aller redlichen Beilegungs­absichten doch auf Eingreifen der Kleinen En­tente zu einer grundsätzlichen Behandlung der Frage kommen, so wäre auch eine grundsätzliche Erörterung der mit Waffenhandel und Herstel­lung zusammenhängenden Abrüstungsprobleme zu erwarten.

Massenerschietzungen bei Nicaragua- Tumultcn Racheakt an der Polizei

London. 10. März. In Columbiew aus Ca-.....

racas (Venezuela) eingetrossene Reisende berich-

Rach den Madien ... zeichnenI

Paris, 10. März. Laut Pressenotiz plant die Regierung eine große Konsolidierungs­anleihe sofort nach den Wahlen aufzulegen.

kräfte die Operationen im Irak jetzt weit in die Wüste getragen und die Landbevölkerung des Irak ist einstweilen geschützt. Fast alle Lust- Geschwader sind eingesetzt. Operationsbafis ist Ur in Chaldäa. Indische Truppen sind einge- troffen, dagegen bleiben die Jrak-Trnppen noch in ihren Garnifonen. Ein britisches Flugzeug wurde abgeschossen, e8 gelang dem Führer, eS in Brand zu stecken, bevor er selbst erschossen wurde. Seine Leiche wurde von einem anderen

Die Antipoden von links melken einstweilen ausgiebig ihre Phöbus-Wahlkuh weiter. Man läßt weder den erst halb genesenen übergewis- senhasten Reichskanzler noch den sehr streitba- reu Retchswehrkämpen Gröner mit den verpul­verten dreißig Film-Millionen (oder noch mehr) zur Ruhe kommen, wittert im versprochenen, im Landesintereste etwas beschnittenen Phöbus- be richt noch andere fatale Transaktionen des eigenmächtig und unglücklich spekulierenden Kapitäns Lohmann, wünscht den inzwischen Ge- maßregeleten selbst bis zur Beschlagnahme der Pension regreßpflichtig zu machen als warnendes Beispiel für ähnliche Gelüste ande­rer hoher Beamter usw. Man sollte sich nun aber allmählich dabei beruhigen, daß sofort eine Ministerkontrolle über alle derartige auch für hohe Beamte kaum geeignete Milltonenge- schäft u. zwar in allen ReichSreflortS verhängt wurde Außerdem dürfte GrönerS wuchtiges Soldatenwort dafür bürgen, daß energisch durch­gegriffen wird und eine Wiederholung solcher verhänaniSvoller Eigenmächtigkeiten, für die letzten EndeS die Steuerzahler den Kopf Hinhal­ten müssen, ein für allemal ausgeschlossen ist

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Ob diesmal wieder die unvermeidliche Scherbe des britischen Großmoguls Chamberlain so unnahbar siegesbewußt über den azurblauen Genfer See funkelte? Es sind nicht die europä- ifchen Welthändel allein, die ihm das leuchtende Frühlingsidyll vergällen Den St. Gotthardfall bat er aufs tote AusfchußgleiS geschoben und den ungarisch-rumänischen Streithanseln hat der selbst hart bedrängte britische Völkerbund- und Weltreichlenker mit der ganzen Wucht seiner Persönlichkeit beizukommen versucht. Denn po­litischer Druck verfängt bei der rücksichtslosen Enteignung ungarischer Optanten durch Rumänien nickt, bte durch die FriedenSverträge strikt untersagt ist und auf rein rechtlicher Basis gereaelt werden muß. Aber die eiserne Denkerstirn furchen noch tiefere Falten, denn täglich und stündlich trägt ibm der Draht ern­stere Kunde auS allen Ecken und Enden deS RiesenreickS zu. Rach China, Indien steigen die Feuerzeichen nun auch in TranSjordamen

Nobile will am Nordpol landen.

Der erste Probeflug mit fünfzig Begleitern. Abflug nach Ostern. DaS Mutterschiff

Rom, 10. März. General Nobile hat mit dem LuftschiffItalia" am Freitag den ersten Pro­beflug auSgeführt, an dem alle Mitglieder der Nordpolar-Expedition (fünfzig Personen) teil« nahmen. Trotz der ungünstigen Witterung führte das Schiff einen mehrstündigen Flug über die römische Campagna und das Meer aus und kehrte dann nach Ciampino zurück. In der ersten Aprilbälfte wird mit dem Aufstieg des

LuftschiffesItalia" von Mailand nach Rord- europa gerechnet. Die mustergültige radiotele­graphische Ausstattung soll einen ständigen Ber- kehr des Lnftfchifles mit dem Mutterschiff Citta di Milano" in der KingSbai sichern, daS börettS Ende Mörz in See geht. Es wird auch mit der Möglichkeit einer Landung und eines längeren Aufenthaltes auf dem Polareise gerechnet.

und Aegypten auf. Ueberall richten sich die Nacken der Farbigen unter dem Britenjoch auf Die freiheiiSdurstigen Wüstenföhne wollen sich nicht Enaländerforts und strategische Bahnen vor die Nrse setzen lassen, aus denen ihnen EnaländertankS, Maschinengewehre und Flie­gerbomben entgegen starren. Die Zett ist vorbei, wo haßgluücnde Aegypteraugen sich vor jeder Tommy-Rciweitsche verneigten und das Parla­ment an den Pyramiden nur der Polizist John Bulls war. Wenn auch die gelben und dunkel­häutigen Völker im Fernen Osten sich heute noch im mörderischem Bruderhatz zerfleischen, wenn auch John Bulls furchtbare Mordmaschinen sich gegen die fast wehrlosen Wüstenstämme in Be­wegung gesetzt haben und seine Dreadnoughts die Meere zerfurchen, wenn auch diesmal wieder der stärkere Gott auf Seiten unbezwingicher Ba­taillone stehen wird- Der Tag der Abrech- nung der Unterdrückten mit den Fronvögten naht. Und auch der deutfche Michel wird die Stunde zu nützen wissen, um durch kluges, Aus- ^vähen der Blößen an den eifengevanzerten Ko­lossen die drückenden Ketten zu lockern. F. R.

Der Streik frißt um sich.

Berlin wieder im Vordergrund.

Berlin, 10. März.

In ber Großberliner Lohnbewegung steh' bie Arbeitseinstellung in einer Reihe lebens wichtiger Betriebe bevor Auch bie Belegfchaf- len ber Waggon - van - Anstalt beschlos­

fen, heute in den Streik zu treten. Der Son- zern ber brei großen Elektrizitätsfirmen, mit zufamrnen 47 000 Arbeitern, liegt bereits still.

Langsames Sinken Der Konjunktur.

Essen. 10. März. (Privattelegramm.) Die wirtschaftliche Lage am Wochenschlutz wirb durch eine Reihe SetnebSftUIegungen in der Ruhr- Industrie beleuchtet, wo mehrere Zechen ArbeitS- Verkürzungen vorgenommen und zwei Zechen des Dortmunder Revier« vorübergehend stillge­legt wurden.

Nur Augenpulver.

Milttaristenstaat trotz einjähriger Dienstzeit.

Pari«, 10. März.

Der Senat nahm gestern die Vorlage über die Einführung der einjährigen Dienstzeit einstim- mig an. (Da aber auch ein raffiniertes Jugend- auSbildungS- und ReferveübungSfystem Gesetz wird, ändert sich an Frankreichs Militärdrill nicht daS geringste. Die Redaktton.)

<2in kleiner Trost für die Saar.

Genf, 10. März. (Privattelegramm.) AlS Nachfolger des belgischen Mitgliedes ber Saar- kommifflon ist ber Finnländer Ehrenrot h, Bürgermeister von HelfingforS, auSerfehen, der heute Bormittag vom Bölkerbundsrat gewählt wird. Präsident Sir Ernest Wilton und die übrigen Mitglieder werden auf ein weiteres Jahr bestätigt.

Und mit ihm kamen feine Parteigenossen Breit- scheid, Hilserdtng und Söbe. Hier trafen sich die Prominenten Sowjet-Rußlands mit Malt- zan, Raihenau und Wirth, mit den Führern deutscher Wirtschaft. Und was am grünen Tisch nicht vorwärts kam, im Hause Deutsch am wei­ßen Tisch wurde es vollendet. Ein Winterabend im Hause Deutsch. DasRrümerfbiel", Musik von Richard Strauß, Text von Alfred Kerr, erlebt seine Premiere Lieber, bie allerlei Strei- ttgkeiten beS berühmten Komponisten mit seinen Verlegern behandeln, unb zwar satirisch, erleben ihre Erstaufführung. Sigrib Johanson von ber Staatsoper trägt sie vor. Richarb Strauß ist babcL Kerr aber liest ben Text, bevor baS Lieb gesungen wirb. Auf eine öffentliche Vorstellung bes ungezogenen Kinbes ihrer Muse mutzten Komponist unb Dichter verzichten. Um so erfreuter sinb bie Gäste des. Hauses Deutsch, daSKrämerspiel", von dem sie viel gehört ha­ben, endlich kennen zu lernen. Und nun die Gäste. Nur einige Namen, um einen Begriff von der Buntbett deS Verkehrs im Haufe Deutfch zu geben. Denn wirklichjanz tout Berlin", wie

Getrennte Welten.

Hie Monarchie! Hie Republik!

Berlin« erst« GesellschaftS-SnlonS als Gegen- pole. Geheimrat von Dirkfen und General­direktor Deutsch. - Wo «i« der alte Ho,adel trifft. Politik em weinen Tisch. Unter den Prominenten der jungen Republik.

Die beiden in politifcher Beziehung extrem­sten großen Häufer der Berliner Geselligkeit sind bte des Wirklichen Geheimen Rates von Dirksen und des Generaldirektors der A. E. G, Geheimrats Deutsch. Herr und Frau von Dirk­sen haben den Salon der alten preußischen Mo» narchie. Herr und Frau Deutsch den der jungen deutschen Republik. Die Gäste des HauseS Dirk­sen trifft man nicht im Haufe Deutfch und um­gekehrt. Schon vor dem Kriege machte Exzel- lenz von Dirkfen mit feiner ersten Gattin in feiner schönen palaiSartigen Villa eines der größten Häuser der Berliner Hof gesell- sch ast. Berühmt waren die großen Bälle, die dort stattsanden. Aus ihnen tanzten die elegan­testen Tänzer und Tänzerinnen der bei Hose vorgestellieu jungen Welt. Gavotte und Menuett begannen hier ihren Siegeslauf, der über die Hofbälle in alle vornehmen PrivaihSuser führte. Kein Dirksensches Tanzfest, auf dem nicht bie jungen

preußischen Prinzen unb ihre Gattinnen erschienen wären. Aber auch bie unverheirateten Prinzen des preußischen Königshauses und an­derer surstlicher Häuser, die in Berliner und Potsdamer Regimentern standen, verkehrten gern in dem gastfreien Hause mit den zwei hübschen Töchtern, von denen eine jetzt als Gemahlin des deutschen Botschafters am Va­tikan von Bergen einen Salon in der be- rühmten Villa Bonaparte in Rom macht. Zwei Jahre nach dem Tode seiner ersten Gattin im Juni 1918 schloß Exzellenz von Dirksen eine zweite Ehe mit der Baronin Viktoria PaleSk«, geborenen von Laffert, einer Schwester des Ver­fasser« phantastischer Romane, des deutschen JuleS Verne, Karl August von Lästert. Diese kluge und temperamentvolle Frau wurde nun der Mittelpunkt der

alten Berlin-PotSdamer Hostreise und aller führenden Monarchisten dieser beiden Städte, «eine dort ansässige Fürstlichkeit, die nicht im Salon Dirksen gern verkehrte, «ein Wunder, daß der Höhepunkt des Winter« der 26. Januar ist, an dem ein großes Diner die prominentesten Gäste des Hauses vereinigt. Ei­nige Minuten vor zwölf reichen die zahlreichen Diener Champagner herum und sowie eS Mit­ternacht schlägt, bringt der Hausherr den Toast aufunseren Allergnädigsten Herrn, Seine Ma- jestäi den Kaiser und König in Dorn" auS.

Palaisartig wie die Villa Dirksen ist auch daS schöne Haus, daS sich Geheimrat Deustch, der Gewaltige der AEG., einige Jahre vor dem Kriege erbaut hat. Mittelpunkt deS Hau­ses Deutsch war bis zu seinem tragischen Tobe Walter Raihenau, ber nicht nur bem Hausherrn, sondern auch der Hausfrau eng be­freundet war Wohl durch ihn wurde die Rauch­straße 16 nach der Staatsumwälzung der Sa­lon der jungen deutschen Republik, denn Geheimrat Felix Deustch kümmert sich nicht viel um Politik. Wer ein Weltunternehmen wie die AEG. leitet, hat keine Zeit dazu. Poli­tisch interessiert dagegen ist seine Gattin, Frau Lili Deustch. So sammelt sie denn gern die Prominenten deS neuen Deutschlands um sich. DaS HauS Deutsch war einer der wenigen Pri­vathäuser, in denen der erste deutsche

Reichspräsident Ebert verkehrte.