Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
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Sesstsche Abendzeitung
Nummer 44 Amtliches Organ der Stadl Raffel Dienstag, 21. Februar 1928. Amtliches Organ der Stadt Raffel 18. Jahrgang
Dik Not-Negierung schlägt sich durch.
Die Einflcht siegt. Heute wählt der gelbe Arbeiter
fchwung m Berlin — Seipels Irrfahrten. ” ö
Umschwung in Berlin —
Wie wird das Experiment in Japan auslaufrn?
bringt, wird der $a<
London, 20. Februar.
Wie aus Sidney gemeldet wird, sind bei den Ueberschwemmungen in Neusüdwalcs bisher fünfzehn Personen ertrunken. Mehrere Eisenbahnzüge find von den Fluten umgeben. Die
Arbeitsunterbrechung angesehen werden, außerdem dürfen keine Maßregelungen erfolgen. Zu diesem Schiedsspruch, der gegenüber dem am 12. Januar ergangenen Spruch des Magdeburger Schlichters eine Erhöhung der Löhne um weitere zwei Pfennige vorsteht, müffen sich die Parteien bis Montag Mittag erklärt haben.
Passagiere haben stch auf die Dächer flüchten müffen. In der Stadt Grafton steht das Hochwasser bis zum ersten Stockwerk der Häuser, ffn einem überfluteten Bergwerk kamen acht Berg arbeitet um. Die Regenfälle dauern fort.
gestiegen, sondern auch die Arbeiterschaft erscheint als politische Macht zum ersten Mal auf dem Feld. Die Wahlen werden in ganz Japan heute früh um 7 Uhr durch Trommelschlag und Straßenpfifse angekündigt werden. Für 466 Sitze sind 968 Kandidaten aufgestellt.
Cm sehr windiges „Dachgesetz".
Berlin, 20. Februar. (Privattelegramm. > Wie der Reichstag meldet, herrschen innerhalb der Regierungsparteien selbst weitgehende Differenzen hinsichtlich des ArbeitsnotprogrammS. Der Versuch zu Aenderungen kann leicht die Regierungsparteien soweit auseinanderbringrn, daß das als unteilbar bezeichnete Gesetz scheitert.
London, 20. Februar.
Die heute in Japan nach dem neuen Wahl recht pattfindenden Wahlen bezeichnen die Blätter als hochbedeutsam. Seit den letzten Wahlen im Jahre 1924 ist nicht nur die Zahl der Stimmberechtigten von drei Millionen auf über 12J4
Derbinditch trotz IMstbiMgung?
Halle a. S-, 20. Februar. (Eigener Drahtde- richt.) Bier Metallarbeiterversammlungen haben den Schiedsspruch als ungenügend verworfen. Dennoch glaubt man, daß nach der heute erfolgenden Verbindlichkeitsertlärung neue Schwierigkeiten für den Augenblick behoben sein werden.
Inzwischen hat uns auch eine seltsame Begegnung und Aussprache des österreichischen Bundeskanzlers Dr. Seipel mit den Tschechenhäuptern, namentlich dem Jitrigenspieler B e n e s ch, einigermaßen stutzig gemacht. Das Rätselraten darüber, was die beiden Staatsmänner unter sich besprochen haben, ist gar groß und mangels irgend welcher Anhaltspunkte — die Wände scheinen dismal sehr dicht gehalten zu haben — hat die Phantasie einen ungeheuer weiten Spielraum. Vermutet man doch sogar, daß außer der Völkerbundverlegung usw. Be- neschs Pläne, die mitteleuropäischen Staaten durch ein Reqtonalvertragssystem zu einer intensiven Zusammenarbeit zu bringen, der Kernpunkt der Unterredungen gewesen seien, was man zwisctten den Zeilen der Interviews herauslesen konnte. Denn es stch auch mehr um informatorische Ziele gehandelt hat, so läßt stch doch nicht verhehlen, daß der österreichische Bundeskanzler durchaus einer Kombination, wie Herr Dr. Benesch sie stch denkt, n i ch t unsympathisch gegenübersteht. Wenigstens seine Haltung in der A n s ch l u ß f r a g e läßt elfte
für den Anschluß-
Oesterreich wird man es stch gründlich zu überlegen haben, ob durch solche Verträge allein die Lebenssähigkeit unseres Bruderstaates erzeugt werden kann. Nur unter diesem Gesichtspunkte kann das österreichische Volk seine Entscheidung treffen. Wenn es das übersieht, so wird es aus die Dauer in der Z w i t 1 e r ft e 11 u n g, die es fetzt einnimmt, verharren müssen ober schließlich sehr viel von seinem Eigenleben abzutreten gezwungen fein, damit man ihm dafür das Leben überhaupt läßt. Wir sind durchaus dafür, daß das Netz von Friedens- und Freundschaftsver-
Sache seines Volkes, um die Entwicklung, feines Landes in der von lhm als gut ertannten Richtung zu tun ist. So- ort nach seiner Thronbesteigung 1919, machte er Englands Machenschaften ein Ende. Amanul- lahs Aktion führte nach einem fünfmonatigen Krieg zu einer Niederlage Englands und zur völligen Befreiung von britischer Kontrolle. Auch hier trat Amanullahs selbstloser Refonsteifer deutlich zutage, da mit der Kündigung des bisher zu England gehabten Verhält- nisses auch die nicht unerheblichen finan- 3 teilen Mittel fortfielen, die der Herrscher von Afghanistan bis dahin für die Ueberlaffung eines Teiles feiner Souveränität an England erhalten hatte. Jetzt bandelt es sich n erster Siife um eine Informationsreise, die erWberftänb’nifi auch zu bedeutenden Wirt» schaftsabschlussen und zur Anknüpfung noch be
trügen möglichst noch durch wirtschaftliche Abmachungen erweitert wird, die ganzen Völker des Kontinents in ihrem Banne halten. Die unbedingte Voraussetzung dafür, daß diese Verträge auch wirklich den Sinn erfüllen, der in ihnen liegt, ist es, daß vor Abschluß dieser Verträge all die Fragen bereinigt werden, die zu Differenzen Anlaß geben und hindern, daß auch der Geist die Völker beseele, ohne den all die Vertragsparagraphen leere Form bleiben müssen. Es wäre grundfalsch, die Frage so zu stellen: Anschluß oder Verträge? Die einzig richtige Lösung kann nur darin bestehen, daß man vorher den Willen des österreichischen Volkes, sich mit dem deutschen Volke zusammenzuschließen, erfüllt und daß dann auf dieser Basis das Vertragssystem aufgebaut wird. Gerade durch diefeS System würden alle die Befürchtungen in der Hauptsache zunichte gemacht werden, die heute noch von den Politikern Europas, die anschlußfeindlich eingestellt tnd, gegen den Anschluß erhoben werden. Zu vermeiden, daß in dieser eminent wichtigen Frage eine halbe Lösung geschaffen wird, ist darum vor allem auch eine Aufgabe der beut«
chen Politik.
Fünf Pfennige mehr.
Der neue Schiedsspruch für Mitteldeutschland.
Berlin, 20. Februar.
Die Schlichtungskammer für Mitteldeutschland fällte am Sonnabend unter Min.-Rat. Dr. Hauschild einen Schiedsspruch, der vom Tage der Liederaufnahme der Arbeit in der Meiallindu- trie eine Lohnerhöhung von fünf Pfennig pro Stunde vorfleht, und zwar für alle drei Mitteldeutschen Tartfgebiele. Für Anhalt soll eine besondere Regelung wegen der Sicherung der Leistungszulage getroffen werden. Der Streik bezw. die Aussperrung sollen nicht als
Cln Vflätterchea auf die Saarwunden
Paris, 20. Februar. Das Abkommen über bas neue Zollregime im Saargebiet bürste am Dienstag unterzeichnet werden, falls die deutsche Delegation bis dahin enbgfilttge Vollmachten erhalten hat.
Zum zweiten Mal hat der Reichspräsident in die innerpolitische Krise eingegriffen und damit die Situation gerettet, die am Sonnabend mittag noch so gut wie verloren schien und das Leben des Reichstages, wenn zunächst auch nur um acht Tage, verlängert. Diese acht Tage aber werden höchstwahrscheinlich ausreichen, um eine endgültige Klärung über die Durchführung des Notprogramms der Retchsregierung derbeizuführen. Wir haben hier an leitender Stelle wiederholt festgenagelt, daß die Parteien und die verantwortliche Regierung zumal eine nicht gerade sehr rühmliche Rolle gespielt haben. Die eine Partei warf der anderen vor. daß sie die Schuld an dem Zusammenbruch der Koalition trüge, obwohl von einer Schuld im Grunde bei keiner einzigen Partei die Rede sein konnte. Angesichts der für's erste sanierten Lage wollen wir nun aber auch mit der Anerkennung nicht zurückhalten, daß namentlich die Opposition sich durchaus loyal verhalten hat, indem sie sich zur Mitarbeit an der Durchführung des Notprogramms bereit erklärte. In letzter Stunde noch hatten die Regierungsparteien, die den Reichstag gern auf der Stelle aufgelöst sehen wollten, versucht, den Oppositionsparteien die Verantwortung für ein eventuelles Scheitern der Einigungsverhandlungen in die Schuhe zu schieben. Dieser Versuch ist mißlungen. Daß sich die Oppositionsparteien. Sozialdemokraten und Demokralen, vorbehaltlos hinter das Notprogromm stellen würden, konnte man nicht erwarten und ihnen nicht zumuten die Kastanien, die bte Regierungskoalition ins Feuer geworfen hatte, herauszuholen. Sozialdemokraten unb Demokraten haben auf die Stellung von Aaitatfonsanträgen verzichtet. Das ist ein mehr als totales Entgegenkommen gegenüber den Regierungsparteien und eine Ver- beugung vor der Autorität des Reichs- viästdenten Allerdings bleibt abzuwarten, ob man sich in den täglich wechselnden Wirrsalen des Wahlkampfes nicht vom rechten Wege wird abdrängen lassen. In einer Woche geht der Reichstag wieder an die Arbeit. Wie die Dinge jetzt liegen, ist kaum daran zu zweifeln, daß bis xitm Ablauf des Etatsjahres, also bis zum 1. April das Notprogramm durchgeführt sein kann und daß die Neuwahlen nach dem Wunsch der Negierung in der zweiten M a i h ä l f t e (man spricht vom 20.) stattfinden können, lleberrafdiuttgen scheinen aber auch heute noch nicht ausgeschlossen zu sein.
Die vresse als Wacht am Rhein
Berlin, 20. Februar. Reichskanzler Dr. Marx hat in einem Telegramm an den «er. leger Kommerzienrat Dr. Alfred Neven Du Mont in Köln zum 60. Geburtstag dessen hohe Verdienste um die rheinische Heimat gewürdigt. „Sie können auf Ihre bisherige Lebensarbei, mit Stolz unb innerer Befriedigung zurückblik- ken. Möge Ihnen Ihre Arbeit und Schaffens freudigkeit noch lange Jahre zum Segen Deutsch lands erhalten bleiben.
Sie ertrinken im Hochwasser
Australien schwer heimgesucht. — Und es regnet noch immer.
solche Auffassung zu.
Es besteht kein Zweifel darüber, daß bte Verwirklichung ber Pläne bes tschechoslowakischen Außenministers die Frage eines Anschlusses Oesterreichs an Deutschland auf unabsehbare Zeit, wenn nicht aus immer, im negativen Sinne lösen würde. Der Tag, ber das mitteleuropäische Regional - Vertragssystem *...... "" ig beS Begräbnisses
ßgedanken sein. In
Hamburg bleibt bürgerlich.
Trotz der absoluten Links-Mehrheit.
Hamburg, 20. Februar.
Das Endergebnis der Hamburger Wahlen wird jetzt noch dahin berichtigt, daß die Sozialdemokraten nicht 59, sondern 60, die Deutschnationalen nicht 23, sonoern 22 Sitze erhalten. Das charakteristische Merkmal der Wählen besteht in dem starken Stimmenzuwachs der Demokraten und der Deutschen Bolkspartei, die um 5 bezw. 2 Mandate gestärkt in die neue Bürgerschaft einziehen. Auch bte Kommunisten unb die Nationalsozialisten konnten eine erhöhte Stimmenzahl auf sich vereinigen. Alle übrigen Parteien haben mehr oder weniger starke Einbußen erlitten. Dir zahlreichen Splitterparteien sind fast sämtlich ausgefallen. Eine sozialdemokratisch- kommunistische Regierungsbildung dürfte aber trotz der absoluten Mehrheit (87 von 160 Mandaten) auch jetzt wieder als ausgeschlossen gelten, sodaß mit der Wiederkehr der bisherigen Koalition auS Sozialdemokraten, Demokraten und Deutscher Volkspartei, die mit zusammen 101 Mandaten die sichere Mehrheit haben, wird gerechnet werden können. (Siehe auch 2. Seite.)
Dlläilyrer des Glaubens.
Ammer neue Opfer der Katholiken-Verfolgung in Mexiko.
Mexiko, 20. Februar. Ifentlichen Gebäudes. Bundestruppen wurden
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reiche Katholiken unb bemächtigten stch eines öf-1 schoflen werben.
Drr König zieht ein.
Afghanistans Herrscher in Berlin.
Am morgigen Dienstag wird bas KSnigsvaar von Asgbaaifta« feierlich von einer Reichs- webreskorte durch das Brandenburger Tor,«« Prim Albrecht-Palais geleitet werben, nm dann vom Reichsvräfideuten mit Zapfenstreich. Galadiuer ufw. empfangen ,« werde». 3» , dieser feierliche« Aktion ist folgender Kommentar vonnöten:
Des Landes »erster Revolutionär" — so bezeichnet sich mit einigem Stolz der Pabischa, der König von Afghanistan Amanullah selbst und er hat nicht nur Grund, sich so zu bezeichnen, sondern auch Grund, auf diesen selbstverliehenen Titel stolz zu fein. Er betreibt das Werk ber Reformation seines Landes, seiner Herausführung aus den Zuständen des Zeitalters der Abgeschlossenheit gegen alles Fremde mit einer Energie und einer Rücksichtslosigkeit, die nur bann brutal genannt werden könnte, wenn er sich nicht zugleich selbst mit seinem Leben und seiner Position furchtlos für das einmal von ihm als richtig Erkannte einsetzte. Zwar ist zuzugeben, daß sein Reformwerk nicht in dem Tempo von statten gebt, wie das seines asiatischen Kollegen in der Türkei, noch auch wie bas bes Diktators auf dem persischen Thron. Dafür hat Afghanistan die Zeit seiner vollständigen Abgeschlossenheit gegen die Welt noch nicht lange genug hinter sich. Zu einer Zeit, als der Schah von Persien mit seinem Gefolge schon beliebter Gast
Pariser Boulevard Restaurants und ber Spielsäle von Monte Carlo war, konnte noch jeder Fremde sich als vom Himmel begünstigt betrachten, ber nach Afghanistan hinein unb mit dem Kopf auf den Schultern glücklich wieder herauslam. Von einer Fühlung- nahtne der führeOeu Männer Afghanistans mit europäischen politischen, wirtschaftlichen und zivilisatorischen Methoden war praktisch fast überhaupt noch nicht die Rede. Darum fehlt dem so zeitgemäß geformenen Herrscher von Afghanistan die genügende Zahl von Köpfen in seinem Lande, die imstande wären, mit ihm die Notwendigkeiten für die Entwicklung Afghanistans zu begreifen und ihn in feiner Reformarbeit zu unterstützen. Darum muß ber König Amanullah alles was er tut, selbst tun, muß sich selbst um bte Einrichtung von Fabriken, um bte Berufung von Ingenieuren zum Ban von Straßen und Talsperren kümmern, muß selbst sich dafür einsetzen, daß die Erzeug- nisse der von ihm errichteten Textilfabriken von feinen Volksgenossen akzeptiert werden — darum kurz gesagt, ruht die ganze Last der Reformarbeit
allein auf den Schultern deS Königs.
Und nicht nur bisse Last. Schlimmer noch ist bie Aufgabe, ben fanatischen Widerstand zu brechen, ber seiner Arbeit von der Orthodoxie Afghanistans und von den einzelnen Feudalherren entgegengesetzt wird, die die richtige Witterung dafür haben, daß mit der Durchführung der Pläne Amanullahs ihre besten Zeiten vorbei sein werden. Sechs Jahre lang hat Amanullah gegen diesen Widerstand, der häufig zu offener Rebellion aus- brach, gekämpft, bis er schließlich bie Oberhand gewann und zwar weniger durch bte eiferne Faust als durch Aufklärungsarbeit. So führte er bte Sitte ein, baß er in ber Hauptmofchee in Kabul an jebem Freitag — beut Sonntag ber Mohamedaner — persönlich ben Sinn der je- wotls eingeführten Reformen unb in Kraft ge- setzten neuen Bestimmungen erklärte unb mit dem tieferen Sinn ber Lehre des Propheten tn Einklang zu bringen versuchte. Trotzdem bleibt eine Reise nach Europa ein Wagnis, das beut- üch erkennen läßt, wie. wenig es biefem außer- ^deutlichen asiatischen Herrscher um feine persönliche Position, wie ausschließlich es ihm * um bie
Gin fauler Friede.
Ob Regierung und Parteien burchhalten?
Berlin. 20. Februar.
Die Regierungskrise ist solange noch nicht enbgttltig beigelegt, als das Kabinett die Beratungen über die gesetzlichen Grundlagen für das zwischen den Parteien zustande gekommene Arbeitsnotprogramm noch nicht beendet hat. Die Parteien find gewillt, durch Anträge eine Umgestaltung deS Programms zu erreichen.