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Nr. 31.

Acht »qnter Jahrgang.

Meier Neueste Nachrichten

L Beilage

Sonntag, 5. Februar !9"8.

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Beschwerden über unpünktliche Zustellung unseres Blattes, sei es in der Stadt, sei es auf dem Lande, bitten wir, an uns direkt gelangen zu lasten, da wir nur dann imstande sind, Abhilfe zu schaffen.

Dollar und Geist.

Der Bildungshunger der Amerikaner.

Bon

Prinz Wilhelm von Schweden.

»Newyork ist ein Erlebnis aber bauernd dort in leben? Nein!" Das ist das Bekenntnis des schwedischen Prinzen über die Hauptstadt der Union, deren Schilderung der Versager in dem nachsolaenden Artikel mit neuen, in­teressanten Erlebnisse« und Gedanken beschließt.

Kein Land in der Welt dürfte augenblicklich dem Einzelnen größere Möglichkeiten bieten, sich auf eine billige und leichte Art und Weise all das Wissen anzueignen, das er wünscht, als die Ver­einigten Staaten. Noch liegt zwar das durch­schnittliche Bildungsniveau sehr niedrig. Aber es ist wohl nur eine Frage der Zett, wann die- fern Mangel ganz abgeholfen wird. Man braucht nur an die letzten Jahre zu denken, um dieses Problem zu verstehen. Schulen und Universi­täten wachsen wie Pilze aus dem Boden. Man scheut keine Kosten, wenn es gilt, die allerersten Lehrkräfte für die einzelnen Unterrichtsinstitute zu gewinnen. Die gewaltigen Bibliotheken mit ihren reichen Schätzen und ihren lichten, anhei­melnden Lesesälen stehen für jeden offen, wie auch die Museen. Jede Stadt, die etwa- auf sich gibt, hat sich mit Eifer daran gemacht, ein Museum oder gar mehrere zu errichten. Und stehen sie noch nicht fertig da, so kann man sicher sein, daß irgend eine Sammlung zu diesem Zweck imgange ist.

Hierin steht Newyork wie auch sonst so oft an der Spitze. Sein Metropol-Museum und sein Naturhistorisches Museum sind allzu be­kannt, um darüber Vieles zu sagen. Was einen besonderen Eindruck auf den Besucher macht, der es zum erstenmal betritt, ist die Art, wie der Gegenstand ausgestellt ist. In allem ist äußerste Ordnung und Uebersichtlichkeit zu erkennen. Mit bemerkenswertem Eifer hat man sich bemüht, einem großen Publikum jeden Zeitabschnitt und seine Entwicklung leicht faßlich darzustellen. Mit anderen Worten, man hat versucht, die Kunst und die Wissenschaft soviel wie möglich zu po­pularisieren, um sie begehrenswerter zu machen.

Daß man damit auch Erfolg gehabt hat, zeigt besonders das Naturhistorische Museum. Durch die gigantischen Säle gleitet stets ein mehr oder weniger starker Strom von Be­suchern, welche die meisterhaft ausgestellten Merkwürdigkeiten mit Interesse und Wissens­drang in sich aufnehmen wollen. Man geht nicht nur aus Neugierde dorthin, sondern auch um etwas zu lernen, und man kommt gern wieder, zweimal, dreimal und zwanzigmal, um sein Wissen auszudehnen. Es ist unterhaltend, zwi­schen den Gruppen noch lebender und prähisto­rischer Tiere herumzugehen, über die populär gehaltenen Beschriftungen irgendwas zu berich­ten zu haben. Dadurch, daß man auf kluge Art u. Weise das rein Wissenschaftliche im Hintergrund gehalten hat wo es übrigens genau so ge­wissenhaft und intensiv wie irgendwo in Europa bearbeitet wird hat man jenen trockenen und ermüdenden Einschlag, der so gern ähnlichen von Fachleuten mehr für die Wissenschaft als für die Allgemeinheit geschaffenen Sammlungen anhaf­tet, ferngehalten. In dieser Hinsicht hat die alte Welt ganz gewiß viel zu lernen von der Neuen!

Newyork wirkt etwas unpersönlich, man denkt unwillkürlich an einen Ameisenhaufen. Alles scheint maßlose Eile zu haben, die Straßen sind wie rastlose Ameisengänge, in denen man an­fangs schwer einzelne Individuen erkennt. Alles wirkt wie ein Gewimmel. Erst später treten Einzelheiten hervor und Menschen lösen sich aus dem Chaos. Es ist gewiß keine schlechte Typen- und Nationalitätenschau, die nachmit­tags die Fünfte Avenue bietet, aber es dreht sich

einem im Auge. ES gehört zur Seltenheit, daß man jemand trifft, der zum Vergnügen spazie­rengeht. Alles bewegt sich in fieberhafter Eile, denn das Geschäft drängt die Menschen von einem Ort zum andern. DaS Leben geht einen schnelleren Schritt als wo anders, und die Men­schen müssen diesem Takt folgen. Da heißt es, achtzugeben auf die kostbaren Minuten, sich an der Spitze und obenauf zu halten, um in dem großen Wettrennen nicht niedergetreten zu wer­den.

Hast und Arbeitseifer haben der Stadt und ihren Einwohnern einen so unverkennbaren Stempel aufgedrückt, daß man um Zeit zu ge­winnen, bald sagt, waS mast will. Da wird eine amüsante und bezeichnend« Anekdote von einem Amerikaner und einem Chinesen erzählt. Beide wollen von irgendeiner der Vorstädte nach dem Wallstreet-GeschäftSzentrun gelangen. Sie stu­dieren den Fahrplan der Untergrundbahn. Der Amerikaner findet, daß sie bei mehrmaligem Um­steigen schneller an» Ziel gelangen würden, als auf direktem Wege. »Wieviel Zeit gewinnen wir?" fragt der Chinese »Eine Minute", war die Antwort.

Aus aller Welt

Sacobg ein Freund «uuskers r

StaatSanwaltschaftSrat Dr. Walter Jacoby, der in der Berliner Lombardskandalaffäre Berg­mann wegen Verdunkelungsgefahr in Unter­suchungshaft genommen worden war, ist im Ge­fängnis vollkommen zusammengebrochen und mußte deshalb nach der Krankenabteilung ge­bracht werden. Jacoby wurde von dem Ober­staatsanwalt Binder einem eingehenden Verhör unterzogen. Dabei mußte Jacoby schließlich zu­geben, daß er von Bergmann wiederholt für seine AuskunstStätigkeit Geld erhalten hat. Dem verhafteten Staatsanwalt werden jetzt auch noch aridere Verstöße gegen feine Dienstanweisungen vorgeworfen. So ist z. B. jetzt der Verdacht aufgetaucht, daß Jacoby auch in dem Fall Kutisker eine dunkle Rolle gespielt hat. Man muß eigentlich sagen: dieser Verdacht ist aufs neue aufgetaucht, denn schon damals, als die Verhandlung gegen Holzmann und Regierungs­rat Bartels, bekanntlich der Vorläufer des Fal- les Kutisker stattfand, ist dieser Verdacht von Holzmann und seiner Verteidigung zur Ent­kräftung der Beschuldigungen schon ausgespro­chen worden. In dem Ermittlungsverfahren gegen Holzmann ging Staatsanwaltschaftsrat Jacoby sehr stark gegen Holzmann vor, was später in der von ihm verfaßten Anklageschrift sehr deutlich zum Ausdruck kam. Für ihn war und blieb Kutisker, auf dessen Angaben sich hautsächlich die Anklage stützte, der allen Glau­ben verdienende Ehrenmann, während er Holz­mann in den schwärzesten Farben schilderte.

* Eine Potsdamerin heiratet einen Araber­scheich. Die Tochter eines Potsdamer Polizei­

Hauptmanns wird sich mit einem Araberschetch vermählen. Es handelt sich um einen nahen Verwandten der Königin von Afghanistan, deren' Mutter Syrerin ist, Saadi el-Gheilani aus Damaskus. Scheich Saadi weilte eine Zeitlang am Hofe des Königs von Afghanistan in Kabul, wohl in der Hoffnung, durch den ihm verwandt­schaftlich verbundenen Außenminister Mahmud Tarsi, den Vater der Kömgin, dort zu Wür­den und Wohlstand zu gelangen. In Berlin hielt er sich vor einigen Monaten längere Zett auf und ist jetzt in seine Heimat, wo er größere Pflanzungen sein eigen nennt, zurückgekehrt. Hier in Berlin scheint sich der Herzensroman mit der jungen Potsdamerin angesponnen zu haben, und es wird sich nun zeigen, ob die Liebe stark genug ist, die doch immer bleibenden großen Unterschiede in Erziehung, Anschauung und Wesensart glücklich zu überbrücken.

» Neue Auslandsreise SarrasaniS. Direktor Stosch-Sarrasani, der mit seinem neuen rrans- portablen Winterbau demnächst in Hamburg sein Quartier aufschlagen wird, gedenkt den An­regungen eines Konsortiums entsprechend eine Gastspielreise nach Kairo, Alexandrien, Damas­kus, Smyrna und Konstantinopel zu unterneh­men. Auch sind bereits weitere Fäden ange­knüpft, die den Zirkus Sarrasani noch weiter in den Osten hinein nach Kalkutta, Madras, Bom­bay, Colombo, Singapore und Japan führen.

»Unredlichkeiten eines höheren Postbeamten In Berlin wurde ein Postinspektor verhaftet, weil er in seiner Eigenschaft als Schriftführer des Postspar- und Darlehnsvereins der Ober- postdirektion Berlin sich von Hypothekenver­mittlern Schmiergelder im Gesamtbeträge von fünfundfünfzigtausend Mark hat zahlen lassen. Der Beamte ist in vollem Umfange geständig Die Kasse des Vereins ist nicht geschädigt Das unrechtmäßig erworbene Geld wurde in einem Versteck in der Wohnung des Beamten vorge­funden und beschlagnahmt. Auch die drei Ver­mittler wurden verhaftet.

* Räuber dringen in ein Pfarrhaus- In Kleckewitz in Anhalt begehrten drei Män­ner durch Klingeln Einlaß in daS Pfarrhaus. Als das Dienstmädchen nichtsahnend öffnete, drangen plötzlich drei maskierte Kerle durch die Tür, das Mädchen zur Seite stoßend. In­folge der Hilferufe der Mädchens eilten der Pfarrer und seine Ehefrau herzu. Sofort stürz­ten sich die Räuber auf die Pfarrersleute, mit gezogenen Dolchen. Der Geistliche wurde am Kopfe schwer verletzt. DerPfarrersfrau, die leicht verletzt wurde, gelang «S, einem Räuber den Dolch zu entreißen. Infolge der Lärmes konn­ten die Räuber ihre Absicht nicht verwirklichen und entkamen unerkannt.

Eine Warnung für Eifenbahnrrifende. Auf der Strecke ErfurtEisenach warf ein Passagier eines PersonenzugeS eine leere Bierflasche auS dem Fenster. Die Flasche verletzte den Heizer eines entgegenkommenden D-Zuges schwer.

* Ein Kriminalwachtmeister schreibt Er- prefferbriefe. Per Kriminalwachtmeister Arno Neumann wurde von der Geraer Strafkammer

zu einem Jahre Zuchthaus und fünf Jahren Ehrenrechtsverlust verurteilt, weil er Erpres­sungsbriefe an einen Greizer Fabrikanten ge­schrieben hatte, worin er 8000 Mark Geld ver­langte und den Fabrikanten und seine Fami­lie mit dem Tode bedroht hat. Im November vorigen Jahres hatte das Greizer Schöffenge­richt ihn bei der gleichen Anklage sreigesprochen.

* Ein scharfer Schutz auf die Hochbahn. Auf einen berliner Hochbahnzug ist ein scharfer Schuß abgegeben worden. Die Passagiere eines überfüllten Hochbahnzuges, der in der Richtung Nordring fuhr, wurden plötzlich durch einen lauten Knall und das Zerplatzen einer Scheibe erschreckt. Man konnte sofort seststelle», daß von der linken Seite der Fahrtrichtung aus auf den Hochbahnzug geschossen worden ist. Die Kugel wurde in einem Sitzpolster gefunden.

Lin Fabrikviertel brennt.

Die Brandkatastrophe von Massachusetts.

Das Fabrikviertel der Textilstadt Fall-River im amerikanischen Staate Massachusetts wurde, wie schon kurz gemeldet, von einem verheeren­den Brande heimgesucht. Die gesamte städtische Feuerwehr sowie freiwillige Hilfsmannschaften waren ununterbrochen tätig, das Feuer auf sei­nen Herd zu beschränken. Angesichts der riesigen Ausdehnung des Flammenmeers waren ihre Arbeiten jedoch nur von geringem Erfolg be­gleitet. Wegen deS herrschenden starken WindeS bestand die größte Gefahr, daß das Feuer auch auf andere Stadtteile übersprang. Nur mit größter Mühe gelang es, eine weitere Ausdeh­nung des Brandes zu verhindern. Die Bewoh­ner des bedrohten Häuserblocks mutzten ihre Be­hausungen fluchtartig verlassen, ohne ihre Habe mitnehmen zu können. In mehreren Fällen wurden von der Feuerwehr Sprungtücher aus­gebreitet, um gefährdete Personen in Sicherheit zu bringen. Wie es heißt, sollen 40 Personen durch einstürzende Mauern und Wände verletzt worden sein bezw. schwere Brandwunden davon­getragen haben. Auch mehrere Feuerwehrleute erlitten lebensgefährliche Verletzungen, fünf ka­men bei den Rettungs- und Löscharbeiten ums Leben.

Der Brand kam zunächst in einer großen Ma- nusakturwarenfabrik zum Ausbruch, wo er an den leicht brennbaren Vorräten reiche Nahrung fand und sich mit großer Schnelligkeit auf die benachbarten Häuser ausdehnte. Das Feuer er­griff in kurzer Zeit das ganze Fabrik- und Ge­schäftsviertel, das ein Gebiet von etwa drei Quadratmeilen umfaßt. In der Hauptsache sind die dort befindlichen Tuchfabriken, Büros und Werkanlagen den Flammen zum Opfer gefallen. Auch mehrere Hotels und die Gebäude dreier Zeitungen wurden mit dem gesamten Inventar eingeäschert. Die Verwirrung wurde noch da­durch erhöht, daß in dem betroffenen Stadtteil keinerlei Telephonverbindung möglich war, weil sämtliche Drähte von der Glut wie Wachs schmol­zen. Nach oberflächlichen Schätzungen dürfte sich der angerichtete Sachschaden auf etwa 22 Millio­nen Dollar belaufen. Durch die Zerstörung der Fabriken sind zahlreiche Arbeiter ihrer Existenz beraubt. Die Feuersbrunst in Fall-River wird als die größte Brandkatastrophe angesehen, die bisher in An erika zu verzeichnen war. Die Ur­sache des Feuers konnte bisher noch nicht fest- gestellt werden.

Fall-River ist infolge seiner reichen Wasser­kräfte ein Sammelpunkt wichtiger Industrien. Es liegt int nordamerikanischen Staate Massa­chusetts und zählt über 120 000 Einwohner. Die Stadt ist das Zentrum der Baumwollindustrie der Vereinigten Staaten und der Sitz der größ­ten Textilfabriken der Welt. Sie ift berühmt wegen der dort befindlichen Bladford-Dursee- Tertile-School.

34» Ihre Gedanken taumelten. Knacks, sagte es in ihrer Brust. Aber der böse Augenblick ging vorüber. Unmöglich! Dahlström hatte Blanda bisher in keiner Weise ausgezeichnet. Sie selbst kam von einer frisch aufgeworfenen Gruft, ent­täuscht, verarmt, verweint; es entsprach nicht ihrem Wesen, eilfertig einer neuen Liebe Raum in ihrer Seele zu gönnen.

Zudem herrschte fast frostiges Schweigen zwi­schen beiden . . .

»Wir müssen heim, Herrschaften," mahnte Ol- dcnham. »Es gibt Regen."

»Wir besuchten indessen den würdigen Häupt­ling," erzählte Kinqsdom, während er den Mo- tor änkurbelle »Er besitzt 98 Söhne und Töch­ter. Ein prächtiger, alter Herr. Er kann eS noch weit brinqen."

Die gläserne Klarheit deS Himmels war trüb und dunstig verschleiert Schon tröpfelte eS von der grünen Kuppel nieder und in der Lichtung rauschte eS Da gingen die Neger ein komi­sches Bild mit den Riesenblättern der Colo- casia über den Kopf gestülpt, sie stellten natürli­che, an Stielen im Felde wachsenne Regenschir­me dar. erreichten auch deren Größe.

In voller Fahrt.sauste der Wagen nach Sog- bekulu zurück.

Hier trafen sie Henri Dupont in gefährlicher Laune an. Daisy hatte ihm mit der Begrün­dung einer zu starken Beschäftigung mit der Englandpost eine schriftliche Absage gesandt, aber ihr Kommen für den nächsten Tag vielleicht! in Aussicht gestellt. Nun ging Duponts alte Untugend, das Herausschleudern von Gefühlen und Stimmungen, mit ihm durch, und er trat- tierte ingrimmig die Eingeborenen mit Rippen­stößen.

Blanda blieb verschwunden. So fügte es sich, daß Dahlström und Modeste sich allein im Wohnzimmer befanden. Der Che­miker bat um etwas Musik.

Die junge Fran spielte eine sanfte, verschol­

lene Sonate, und mit den Klängen strömten ihr seltsame Empfindungen zu, Unruhe, Eifersucht und alle Qualen der Ungewißheit. Und endlich hielt sie e8 nicht langer -r- der Augenblick war günstig sie mußte die Schicksalsfrage tun. So wandte sie sich auf dem Klaviersessel und fragte über die Schulter hinweg. »Wir fahren also heim. Trennen sich nun eigentlich unsere Wege? Kürzlich sprachen Sie davon Ihre Studien ab« zubrechen."

»Ja. Bald. . ."

»Begleiten Sie uns doch!" Es war heraus

Ruhig erwiderte Dahlström: »DaS wird wohl nicht geschehen, gnädige Frau. Vorerst noch ziehe ich weiter nach Sansane Mangu hinauf, bald, vielleicht schon morgen."

Ein Wunder geschah. Die stolze, kühle, kluge Modeste verlor die Besinnung. »Rein! Gehen Sie nicht! Gehen Sie nicht!"

Sie erhob sich, ging auf Dahlström zu und sank an seiner Seite aus einen Sessel nieder, ihr Oberkörper fiel kraftlos auf die Tischplatte, ihr Kopf lag zwischen den verschränkten Armen.

Schweigend, behutsam, richtete Dahlström sie auf, umspannte ihr Gesicht, versentte sich in angstvoll aufgeschlagenen Augen; ein stummer Zuspruch lag in seinem Blick, Mitleid, Ehrerbie­tung . Doch eS glühte kein Fünkchen jener Urkraft, die man Lieb« nennt

Modeste begriff.

Die Stille hn Zimmer weitete sich.

Draußen aus dem Hofe haschten die Eingebo­renen nach Schlachthühnern, das ängstliche Flat­tern und Kreischen daS Geflügels drang peini­gend in den Raum. »Meine Nerven," sagte Mo­deste austaumelnd und hielt sich die Ohren zu

Allan Dahlström küßte ihre Hände, einzeln, ergriffen stumm, beschämt, demütig. Dann ließ er die Frau allein

Unten an der Treppe drängte sich Blanda zaghaft verstohlen in ihn heran. »Ich will, flü­sterte sie. »Ich will '

»Gut dann also begleite ich dich heim."

»Aber es dark vorderhand niemand um unser Einverständnis wissen, mein Schwager nicht und auch Modeste nicht"

»Rein, auch Modest« nicht s, ,*

Dupont kam ans den Verkaufsräumen, schwit­zend, schimpfend, in schmutzbeflecktem Anzug. »Also, Herr Doktor morgen ist die Stinkkarre wieder da."

Dahlström verbeugte sich knapp vor Blanda. Auf Wiederseh'n, gnädige Frau."

Und nun erfüllte sich ein Satyrspiel des Schicksals, eine bitterböse Komödie, und ihre Tragik ward übertönt von gellendem Hohngeläch- ter . .

Das kam so: Daisy erschien wieder, früh- lmgsfrisch. in spinnwebzartem Kleidchen, ein Bild scheuer Anmut, und Dupont erlag mehr denn je der berauschenden Enlsaltung ihres We­sens. Den Teufel auch, warum war man nicht auf neutralem Boden, ohne sichtbaren Familien­anhang, ohne Klötze am Bein! Auf der Stelle hätte er sich mit Daisy trauen lassen Sein Leb­tag hatte et mit dreister Eile Standesämter bemüht.

Aber Daisy wußte den gierigen Formen sei­ner Leidenschaft von neuem den Damm unschul digster Verständnislosigkeit enigegenzusehen »Wir müssen heute endlich über die englischen Briefe reden, Herr DuPont," trotzte sie

»Herr Dupont!" äffte er ihr höhnisch nach »Ich heiße Henri."

»Doch nicht für mich." tief sie entsetzt.

^Fch schenke Ihnen, waS Sie wollen."

Standhaft schüttelte sie daS Köpfchen. »Ich bin ein tugendhafte» Mädchen, merken Sie sich da»."

»Tugend ist die Zuflucht der GlückSent- etbten."

,O, nicht immer."

»Oder sie bedeutet Mangel an Gelegenheit Manchmal auch einen kleinen, körperlichen Feh­ler. Alles dürfte bei Ihnen nicht zutreffen."

Da sind wie schon wieder bei diesen gräß­lichen Gesprächen."

»Sind Sie prüde? Man sagt das den Töch­tern Albions nach. Aber Prüderie ist Unweib­lichkeit. ist ein unkleidsames Gewand."

»Bei Fünfunddrcitzigiährigen, ja."

»Sie machen mich sinnlos, Sie Heiner Satan."

Wie liebenswürdig. So nannte mich noch niemand Lassen Sie doch endlich meine be­scheidene Persönlichkeit aus dem Spiel Denken Sie ans Geschäft Denken Sie an Ihre Frau. Sie haben eine sehr liebe und geistvolle Fran."

Es hat sich noch niemals ein Mann in den Geist einer Frau verliebt. Papierne Weiber soll der Teufel holen. Dünnblütiges Geschlecht."

»Sie haben sicher aus Liebe geheiratet.

»Mir ist das damals nicht aufgefallen, daß sie Geist besaß. Jedenfalls fehlt ihr alles Tempera­ment, Rasse, Schneid. Temveramentlose Frauen sind gar keine Frauen. Also kurz und gut: ich soll die Diamanten holen!"

Jetzt lächelte Daisy, es war ein weiches, schä­miges Lächeln Ihre Augen wurden noch größer und grünlicher.

»Aber zunächst ich habe Durst. Was wün­schen Sie zu trinken?" In breiter Gier tätschelte Dupont ihre Hände.Süßes Kind, feien Sie lieb und brav "

Daisy wußte, was die Männer meinen, wenn sie ein Mädchen auffordern, brav zu sein.

Schlangenglatt entwand sie sich der greifenden Habsucht seiner Verliebtheit. »Gut trinken wir etwas. Einverstanden."

Dupont sah nach der Uhr.Parbleu in zwei Stunden schon kann das Auto wieder da fein. Vielleicht noch früher "

»Ich habe Ihnen ja gesagt, daß ich mittrinken will," rief Daisy patzig. »Sogar Sekt, wenn Sie wollen."

»Ah famos." Er brüllte nach den Boys. Niemand erschien.

Das Mädchen hatte sich erhoben und ging leise summend im Zimmer umber. Selbst bei geschlos­senen Lippen klang das Stimmchen wundersüß Sie hatte irgendwo ein Endchen Band gefunden, jeyt schickte sie sich an, von dunkelroten Rosen einen Kranz zu slechtne, ein graziöses Spiel, bei dem die Anmut ihre schlanken Finger voll zur Geltung kam. Dann drückte sie ihn sich spielerisch auf das Lockengewirr und schaute den Belgier mit langsamem Angenaufichlag an, äch ihrer bildhaften Wirkung bewußt, nun war sie eine Frühlingsgöttin ein gekrönter Enael, eine hold« ägyptische Königsbraut. (Forts, folgt.)