Skr 27. — 18. Jahrgang.
Kasseler 9tatefte «achrlchte»
Mittwoch, 1. Februar 1938.
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Einem Beehrten Publikum von Kassel und Umgebung zur gell Kenntnisnahme. daS len ab L. Februar 1938 das
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übernehme.
Mein Bestreben soll es sein, die mich beehrende Kunc schal, mit der ausgesuchtesten Ware zu bedienen.
Kassel, den 3t. Janiar 1928
Mit vorzüglicher Hochachtung
Frau Dina Lenz.
Die erste Krankheit
Bon der Pest und ihrem Gefolge.
Die erste Krankheit, von der uns zuverlässig Mitteilung gemacht wird, ist die Pest. Von ihr melden schon Hieroglyphen und Keilschriften. Das ist nicht zu verwundern, denn es gibt wohl kaum eine andere Krankheit, die bei ihrem Auftreten so viel tödliche Opfer fordert, also Auffälligkeit nichts zu wünschen übrig läßt.
Auch in unserer modernen Medizin mit Mikroskop und chemischen Reaktionen entscheidet bei Beobachtungen meist nur das in Massen auftretende grob Auffällige: Als Ende des Jahres 1918 in Wien eine bisher noch unbekannte Form der spanischen Grippe auftrat, an der fast bis zu tausend Menschen täglich starben, wurde von einem dortigen Gelehrten die .Encephalitis letargica", eine entzündlich infektiöse Gehirnkrankhett, die mit Schlafsucht und mit einer gewissen Schwerfälligkeit verbunden ist entdeckt ohne daß angenommen werden kann, daß die gleiche Krankheit früher über Haupt nicht existiert hat. Sie wurde aber vorher eben nicht bemerkt, weil st« vielleicht zu vereinzelt auftrat.
Die Tuberkulose kennt man in ihren Erscheinungen seit dem 16. Jahrhundert, dem Beginn ausgebreiteter Stadtkulturen Mitteleuropas. Die Syphilis, im Orient schon in vorchristlicher Zeit bekannt wurde nach Europa erst nach der Entdeckung Amerikas von dort in größerem Maßstabe eingeschleppt. Das Wesen der Infektionskrankheiten ist uns erst wenige Jahrzehnte bekannt, seit es nämlich gute Mikroskope gibt. Diese Liste ließe sich beliebig verlängern. Man kann daraus ruhig folgern, die Krankheiten seien erst entstanden, als man sie zuerst bemerkt habe und braucht sich daher gewiß nicht belächeln zu lasten, wenn auch dtefe Antwort sehr bequem erscheint.
Was Zahlen erzählen.
Rewyork überflügelt London.
London wird nicht mehr lange die größte Stadt der Welt bleiben, wenn sich Newvork weiter wie bisher ausdehnt. Nach der letzten Schätzung hat London' (Innenstadt) 4,5 Millionen, mit den Außenbezirken aber 7496 000 Einwohner, während die Hauptstadt der Bereinigten Staaten im Zentrum 5,97 Millionen, mit den Außenbezirken aber 7 425 700 Köpfe aufweist.
Alkoholpreise in Amerika.
Die Zahl der Alkoholvergiftungen zu Weihnachten soll in den Bereinigten Staaten eine nie geahnte Höhe erklommen haben. Fast durchweg sind die Erkrankungen durch mmderwer«. gen Alkohol hervorgcrufen worden. Man zahlt zurzeit auf Schleichwegen für eine Flasche Wein 45 Dollar, für Whisky 70 Dollar, für Likör 100 Dollar und für Sekt 200 Dollar. Ta kann man nur von ganzem Herzen .Prost'sagen,
Geringere Kriminalität?
Me Gefängniste tm Reiche waren bis zum Jahre 1921 nie ganz voll belegt, erst in den folgenden Jahren erwiesen sich die Strafanstalten als zu klein, und heute sind sie wieder unterbelegt. Die Berliner Gefängniste und Zuchthäuser ergebest ein drastisches Bild. Sie können aufnehmen 9860 Köpfe, waren besetzt 1921 mit 9467, 1923 mit 10 465, 1925 mit 8671 und 1927 mit 6220 Personen. Von einem Geringerwerden der Kriminalität kann aber leider in tiefem Maße noch nicht gesprochen werden, denn wenn alle, die heute Bewährungsfrist erhalten, ihre Strafen absttzen müßten, dann wäre wohl keine Zelle mehr frei.
Religiöse Vortrage.
„Das Weltgericht rückt näher!"
Das war das Thema, über das dieser Tage in der Kasseler Baptistenkapelle Prediger Dölken sprach. Jn der Weltgeschichte gab eS einen Tag
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Man lernt nie aus.
Wissenswertes aus aller Welt.
Die Boa constrictor, die im Gebiete des Amazonenstromes lebt, bringt es hier aus eine Sänge von 20 bis 25 Meter.
Im Amazonenstrom lebt ein Fisch, Boto genannt, der außerordentlich stark atmet und tm Schlafe sogar schnarcht.
Der Bodensee dürfte durch die Ablagerungen des Rheins in etwa 12 000 Jahren ausge- füllt sein , „ . .
Jn den Jahren 1905 bis 1921 stellte dar Lowell-Observatorium in Flagstofs (Arizona!, das sich hauptsächlich mit der Erforschung des Mars beschäftigt, mit dem 24zölligen Instrument allein vom Mars 106 000 photographische Aufnahmen her. Die Gesamtzahl der Planeten aufnahmen, während der Zeit betrug rund 250000. ■■
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„Gott wollen, die höchste Würde."
Bei dem am Donnerstag in der Baptisten- Kapelle von Prediger Dölken gehaltenen Evangelisationsvortrag wurde die Off. Joh. 22 be- handelt. Am Ende der Bibel stehen danach die Verheißungen und die furchtbarsten Drohungen nebeneinander. Die Vergebung all deiner Schuld, die Gewinnung der Gotteskindschaft und des ewigen Lebens ist deinem Willen preisgegeben. Gott kann aus einem Vagabunden einen neuen Menschen, aus einer Dirne eine reine Schönheit machen. Gott will den Willen der Menschen zurückgewinnen, nicht durch Kommando, sondern durch die Erweisung seiner Liebe. Dein Wille ist der letzte Rest deiner Gottebenbildlich- feit und darum möchte Gott deinen Willen wiederhaben. Dein Wille ist dein Himmelreich, wenn du Gott willst und dein Wille ist deine Hölle, wenn du Gott nicht willst. Wer Gott seinen Willen gibt, dem gibt Gott seine Gnade. Wer nicht will, dem geschieht zuletzt nach seinem Willen, Gott gibt sie dahin (Röm. 1). Das Nichtwollen wird zuletzt zum Nichtkönnen. Wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.
Entstehung veranlaßt werden. Das Glüheisen hat sich hierzu als wertvollstes Nachhilssmittel erwiesen.
Aber es galt eine Schwierigkeit zu umgehen Bei Verbrennungen jeder Art — natürlich auch bei Verbrennungen mit dem Glüheisen —
Riesen deutscher Technik.
Die deutsche Industrie arbeitet zurzeit an Riesenwerken, die sowohl für die deutsche Wirtschaft, wie für die des Auslandes bestimmt sind. Eine Voith'sche Spiral-Turbine für das Kraftwerk Topexic in Mexiko mit einer Gesamtleistung von 21300 P. S.
Ml 11$ Mi litt lullt, itill 11$ Stillt.
Alte Mittel werden moder«. — DaS Glüheisen in der heutig« Chirurgie. — Ein aufsehenerregender Vortrag des Geheimrats Bier.
chen. Denn es ist bekannt, daß das Glüheisen, ein Behelf der Chirurgie vergangener Zeiten, heute nur noch beim Tierarzt Anwendung findet. Die moderne Medizin glaubte der Anwendung dieses unsauberen und unheimlichen Mttels enthoben zu sein. Es wurde allenfalls
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noch bei Schlangenbissen und den Bisten tollwütiger Hunde angewendet.
Bier beweist nun wieder einmal, daß alle Heilmittel der Alten irgendwie eine Berechtigung hatten, daß ihre Anwendung bewußt oder unbewußt richtig war. Er verhilft dem verschmähten Glüheisen zu neuem Ansehen, allerdings einem modernen, hygienischeren vor allem wirkungsvolleren Glüheisen. E ein Apparat, den sein Assistent Dr. Hadenfeld
aber die Haut das beste Jmmunisterungsmit- tel des menschlichen Körpers, und ihre Zerstörung verschlechtert auf der einen Seite was aus der anderen gutgemacht wird. Bier findet eine geniale Lösung: er löst die Haut in größeren Lappen ab und verbrennt die Gewebe unter der Haut, worauf die Haut mit weiter Naht über die so entstandene Brandwunde genäht wird. Der Eifer kann durch die weite Naht abfließen,
Dies ist der Punkt bei der Bierschen Methode, der den meisten Widerspruch herausfordern kann und wird. Es ist bisher unerhört, eine offene Wunde zuzunähen. Aber Bier beweist die Richtigkeit seines Gedankenganges durch die Erfolge, die seine Methode ausweist Er wendet sie seit drei Jahren an, tritt also mit einem vollendeten Werk, nicht mit grauer Theorie, vor die Oeffentlichkeit. Insgesamt wurden 460 Fälle behandelt. Es handelt sich durchwegs um schwerste Infektionen, z. T. um hoffnungslose Fälle. Bis auf einen kleinen Prozentsatz wurden alle gerettet. Nach der Verbrennung erhöhte sich die Temperatur raptd, es erfolgte großer Schweißausbruch, sodann Abfallen des Fiebers. Die Patienten empfanden fühlbare Erleichterung, die Schmerzen ließen nach, Schlaf und Appetit kehrten wieder. Nach einiger Zeit tritt die Heilung ein. Die Brandwunden lasten nur geringe Male zurück. Bei 220 Fällen schwerster Zellgewevbseiteruiig gelang es, jede Amputation zu vermeiden. Sogar die Gelenke blieben beweglich. Unter den Patienten befanden sich zwölf mit schleichender Dauer-Infektion. Sieben von ihnen konnten mit Zuhilfenahme der BierschenMethode gerettet werden. Sie hatten sämtlich Herzklappenentzündung und behielten nach der Heilung natürlich ihren Herzfehler. Aber sie wurden arbeitsfähig. Einer soll sogar Sport betreiben.
Noahs und einen Tag Lots. Der Tag RoahS gibt Zeugnis von dem Leben der damaligen.Zeit. Es war nur Trieb- und Genutzleben. Jn einem olchen Leben kann man Gott nicht brauchen. Die warnende Stimme Noahs, der die Arche baute zum Heil seines Hauses, wurde nicht beachtet, bis die schauerliche Flut kam und alle wegrasfte. Aus der gerichtsschweren Vergangenheit prophezeit der Herr eine gerichtsschwere Zukunft. Die Nachkommen Noahs versinken Wieder im Sumpf der Sünde. Die Sodomiten haben Kultur, Höherentwicklung; aber dahinter Yim- melschceiende Sünde; die Luft ist voller der Tag des Gerichts kommt; Sodom und Gomorrha ein einziges schauerliches Krematorium Also wird es sein in den Tagen des Menschen- 'ohnes. Sind die Menschen bester geworden? Das Wort Buße, Bekehrung, Christus ist ver- haßt; das herrliche Evangelium wird verspottet Darum kann Gott nicht anders, es geht und muß gehen von Gericht zu Gericht. Zwischen dem Weltgericht und den Tagen Noahs und Lots steht der Tag des Menschensohnes Gott versöhnte die Welt mit sich selbst durch das Kreuz. Im Weltgericht wird der Menichensohn die Völler von einander scheiden. Zu seiner Rechten stehen die Gesegneten, zur Llnken die Verfluchten. Die einen gehen m das ewige Leben, die andern in die ewige Pein. Was willst Du« Soll Christus Dem Retter oder Richter sein? ""
unter hohem Druck und ist am ehesten mit jenen Apparaten zu vergleichen, die bei der „Brandmalerei" Anwendung finden. Am wichtigsten sind natürlich die Aussagen, die Bier über die Wirkungsweise seines Verfahrens macht. Die großen Heilkräfte der menschlichen Natur sind die Entzündung und das Fieber. Von ihrer Wirksamkeit hängt es im höchsten Grade ab, ob der Organismus aus einem Kampf mit Bakterien oder Giftstoffen siegreich hervorgcht. Wo Fieber und Entzündung nicht in dem erwünschten Maße auftreten, muß ihre
Im Langenbeck-Virchov-Haus in Berlin wird vor allem die Haut verbrannt. Nun ist sprach dieser Tage her bekannte Chirurg Pro- ' ' ’ * ..... ~ :r- - •*** *
fester Bier über die Heilung schwerer Infektionen durch das Glüheisen. Die medizinische Welt wie die des Laien wird erstaunt aufhor-
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ein minderwertiges Schuhputzmittel verdirbt unbedingt das Leder und das Aussehen Ihrer Schuhe. Risse und Sprünge sind die Folgen. Glauben Sie mir, es gibt nichts besseres als Büdo. Ein guter Schuh verlangt direkt diese Edelwachs-Paste. — kurz — Ihr Schuh braucht Büdo. Fragen Sie den Fachmann, fragen Sie jede kluge Hausfrau, immer werden Sie als Antwort hören:
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