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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Die gdflel« Heuetten Nachrichten erscheinen «»-deutlich sechsmal »achmittaa». Der Abonnemenlsvreis benäet iür de» Monat 2. X bei kreier ,-luktellana in» HauS in der «SeschäktSktelle abaedoli l. X Durch bie Poft monatlich 2. X auSkchliekilich .^uftellungsaebftln. fternlvrecher 951 und 952 Mir unverlangt eingesanbie Beiträge kann die Redaktion eine Beraniwonung ober Sewädr tu keinem ftkalle übernehmen. Rückeadlung deS BezugSgeldeS oder AnsvrSche wegen etwaiger nicht ordnungSmSdiger Piefernng ist auSgeichloften. Poftkcheckkonw Äranfiart a M Nummer 6330. Sinzelnummer 10 A TonntagSnummer 20 A.

Hessische Abendzeitung

Nummer 21. Amtliches Organ der Stadt Kassel Mittwoch, 25. Januar 1928. Amtliches Organ der Stadt Staffel 18. Jahrgang

Kommunistenspuk an der Themse.

Bis an bie Zähne gepanzert

Parts spickt Güdslawi-n mit Waffen. Mussolini soll auf Granit beißen.

Triest, 24. Januar.

Massensterben an der Veft

Täglich hundert Tote. Flucht aus der verseuchten Hauptstadt.

Auffassung besteht, daß eS so wie bisher nicht aus verfassungsmäßigem Wege ,u erreichen, und mehr weitergeht, wenn nicht das ganze Wahl- zwar ähnlich wie es jetzt schon In den Ländern recht^ zu einer Tfarce werden soll, hat der Reichs- üblich ,.. war. ES wäre sehr erfreulich, wenn tag letzt von sich aus die notwendigen Schritte durch ein solches Gesetz der erste Schritt zur ge- getan, um eine Kaltstellung der Splitterparteien samten Reform des Wahlrechtes gemacht würde.

30 Millionen für das Schulgesetz

. .. bewilligt das Reich den Ländern. Gesamtkosten noch nicht zu übersehen

sicher mit den Verhandlungen zur Erneuerung des alten Schiedsgerichtsverfahrens mit Frank­reich fortfahren, jedoch lassen die Weiterverfol- gung'des Vorschlags eines vielseitigen Vertra-

Mr «echtung des Krieges fallen lassen. (Diese Ansicht haben wir bereits gestern ge­äußert. Die Redaktion.)

Par. 9, der den geordneten Schulbetrieb behan­delt, und den Par. 14, der Richtlinien für Reli­gionslehrbücher aufstellt, Meinungsverschieden­heiten. Die Formulierung der erste» Lesung ge­nügt dem Zentrum nicht, das darüber hinauS- gehen will.

Schon in vier Wochen.

... soll der Handelsvertrag mit Polen fertig sein , Warschau, 24. Januar.

Wie offiziell verlautet, haben die deutsch-pol­nischen Handelsvertragsverhandlungen nun end­lich konkrete Formen angenommen. Die Frage der Umrechnung der polnischen Zölle auf Gold- Währung sei für die deutsche Seite von aller- größter Bedeutung. Deutschland strebe Kon­ventionszölle an. Sollte diese Konzession reali- fiert werden, so müßte sie beide Seiten verpflich- ten. Bezüglich der Ausfuhr polnischer tierischer Produtte stände die Verständigung günstig. Dan­zig habe vollkommene Garantie, daß. der Han­delsvertrag vor einer Stellungnahme Danzigs nicht unterzeichnet werden könne. In den grund­sätzlichen Fragen könnten die Handelsvertrags- Verhandlungen vielleicht binnen einem Monat beendigt sein.

Wit frischen Kräften.

. . . geht Moskau in Paris an die Arbeit.

. . Paris, 24. Januar.

,®et Ueberretchung feines Beglaubigungs­schreibens stellte der neue Sowjetbotschafter Dowgalowskt die glückliche Ent- Wicklung der Wirtschaftsbeziehungen zwi- jchen beiden Ländern fest, deren letzte Hinder­nisse er beseitigen wolle (Byrkriegsschulden), um zu einem vollen Einverständnis zu gelangen. Staatspräsident Doumergue wünschte gleichfalls ein- Regelung in der «t- mosphare des Vertrauens.Indem wir unsere loyale Zusammenarbeit über jede vom AuSlan- de kommend- vorgefaßte Meinung stellen und sie der Sicherstellung unserer gemeinsamen In­teressen widmen, werden wir dem Frieden dienen,"

London, 24. Januar. Einem politischen Kor­respondenten zufolge bestehen innerhalb des Ka- binetts erhebliche Meinungsverschiedenheiten, namentlich über ein einzubringendes Fabrikge­setz und die Reform der Armengesetzgebung. Keine von beiden Vorlagen findet bei der Kon­servativen Partei besonderen Beifall. Gerüchte über Rücktrittsdrohungen bestätigen sich nicht. Jedoch ist die Stimmung zweifellos erregt.

Vormarsch -es Sowjetsterns.

England sinnt auf stärkere Mittel.

London, 24. Januar.

lieber die Ausdehnung der kommunistischen Agitation beginnt die Regierung jetzt zu be­raten. Churchill ist für ein allgemeines Ver­bot der Einreise kommunistischer Auslän­der, deren Zahl in England etwa achtzekmtau- send beträgt. Die letzten roten Demonstrationen in London und den Industriestädten enthüllen allen Regierungskreisen den Ernst der Lage.

Ade, Weltsriedrntzpakt!

Washington, 24. Januar. (Funkdienst.) Wie verlautet wird das Staatsdepartement zwar

Paris, 24. Januar. I sich täglich etwa hundert Todesfälle. Hebet

Wie aus Haidarabad (Hauptstadt einer indi- ^^

s-hen Provinz) gemeldet wird, nimmt dort die «mg ^^b^g^lassmien Eindmck mach-, Pest stündlich an Ausdehnung zu. Es ereignen I bS^ M ®

Laut Pressenotiz hat .in^LstfA Da^-i LA UlfÄft fer im Sudak mehrere Wasserflugzeuge ausge- siebentausendranBflsch^ "U

schisst ein anderer in Gravaso 150 Tonnen Ma- Geschütze für Südslavien nach SolonHi nh.r «n* schinengewehre, Munition, Milttärtuch, Brücken->Häfen Vn StK Äd)® *

100 vreisfchaufpiele für bie »reffe.

Köln, 24. Januar. Auf das PreiSanSschrei- ven für ein Prefseschauspiel unter dem Wahl- spruchEin- Stunde Tageszeitung« sind an­nähernd 100 zum Teil sehr umfangreich- Ar- beiten eingeangen. Die Entscheidung ist v-r Anfang Marz nicht zu erwarten.

Don heute auf morgen

. . . schlägt sich die Regierung durch.

Die HaushaltungSbekatungen und großen Aussprachen im Reichstag zeigten ein beispiels- loseS parteipolitisches Durcheinander. Was wir hörten, waren feine staatspolitischen Ausein­andersetzungen, sondern parteipolitische Wahl­parolen. Die Folge davon sind neue Schwierig­keiten in der RegierungAkoalltton und in der Reichsregierung. Wenn man der deutschnationa­len Presse Mauden schenken wollte, stünde man unmittelbar vor der A u f l ö s u n g der Schlacht­ordnung unserer Regierungsparteien. Vor den WahlenI Mit ihnen ist, wie Reichswirtschasis- minister Dr. Curtius in Heidelberg ankün­digte, im Wonnemonat Mai zu rechnen. Immer neue Klippen türmen sich, namentlich im Reichsschulgesetz, den redlich sich mühenden Regierungskreuzfahrern entgegen, zumal die Deutsche Volkspartei daraus besteht, die Simultan sch ulen in Baden und Hessen auf die Dauer zu erhalten. Sie rechnet hierbei auf die N a ch g i e b i g k e i t des Zentrums und der Deutschnationalen Volkspartei. Selbstver­ständlich knüpfen sich hieran sofort wiederum politische Kombinattonen, zumal die ReichSre- gierung wünscht, daß die zweite Beratung des Reichsschulgesetzentwurfs in den Vollsitzungen deS Reichstags bereits zu Beginn des Mo- nats Februar stattfindet.

" Meich große Sorgen bereitet natürlich noch Immer die Kostendeckung. Die Wünsche deS ReichSrats sind bekannt. Bayer» und Württemberg halten jede Belastung der Länder durch dieses Gesetz für untragbar, obwohl gerade diese Länder im übrigen den Entwurf sehr befürworten. Das Reichskabinett hat be­reits über die Kostenfrage beraten und im Bil­dungsausschuß heute vormittag durch den Vater des Gesetzes v. Keudell dreißig Millionen aus- toerfen lassen, lieber die Milliardenkosten für das Gesetz selbst ließ der kluge Taktiker natür­lich noch nichts durchblicken. Ob damit die Schwierigkeiten behoben werden, bleibt ab­zuwarten. Ebenso ernst wie schwierig ist die Lage der Reichsregierung durch die Forderung des Landwirtschaftsministers Schiele gewor­den, der für die Landwirtschaftzunächst einen Kredit von hundert Millionen Mark anfordert. Di« Verlegenheit im Schoß der Regierung ist unverkennbar. Dr. Köhler behauptete jüngst, kein Geld für dir Kleinrentner zu besitzen Wo soll er es jetzt für die Bauern hernehmen? Im übrigen wird von allen Parteien, auch der Op- posttton, die Notlage der Landwirtschaft aner­kannt, deren Verschuldung Ende Oktober über zehn Milliarden Mark betrug. Das Ge- fahremnoment der schwebenden Schulden habe sich weiter um 400 Millionen Mark erhöht, ob­wohl auch die Hypothekenschuld überdies um 600 Millionen Mark gestiegen ist. Die sch lech- len Ernten der letzten beiden Jahre haben weite Kreise der Landwirtschaft In eine bekla­genswerte Notlage versetzt. Andererseits wur­den aber auch, vornehmlich in CftelBien, nicht zu rechtfertigende Kredite aufgenommne. Richt sanierungsfähige Landwirtschaften sollen, wie vrlautet, von der Hilfsaktion ausge- schlossen fein.

Natürlich dentt die Regierung einstweilen noch nicht daran, etwa vorzeitig die Flinte ins Korn zu werfen und hat sich sogar dazu aufge­rafft, noch in letzter Stund- eine kleine W a hl- reform in die Wege zu leiten, um namentlich die Splitterparteien möglichst auSzu- schalten und ihre Bildung zu verhindern. Be­kanntlich haben di- Länder schon von sich auS beschlossen, daß von vornherein Organisationen, die nicht über eine bestimmte Mitgliederzahl verfügten, von der Aufstellung einer Liste aus­geschlossen waren. Außerdem war denjenigen Personen, die solche Wahlvorschläge einreichten, die Stellung einer erheblichen Kaution auf« erlegt worden, die dem Staate anheimfallen sollte, falls die Liste nicht so stark gewählt tour- ve, daß wenigstens ein Abgeordneter auf sie ent­fiel. An sich war diese Methode sehr geeignet, die Neigung zur weiteren Parteizeisplitterung zu verhindern und alle Wähler zu zwingen, einer der bestehenden Parteien ihre Stimme zu geben. Leider aber hatte die Rechnung ein Loch. Der StaatsgerIchtShof stellte auf die Klage verschiedener Gruppen fest, daß die von den Ländern gemachten Gesetze ungültig seien, weil sie im Widerspruch zur Reichsver­fassung stünden. Es müssen daher jetzt in den Ländern, deren letzte Wahlen nach den abge- änderten Gesetzen stattgefunden haben, neue Volksvertretungen gewählt werden. Da aber die Gesundung unseres ParteilebenS unbedingt auf eine Verhinderung einer weiteren Zersplitterung drängt und da allgemein die

SS kriselt auch am Kanal

Kabin-ttskonflikt- um Arbeiter- und Armen gesetze. Die Konservativen dagegen.

Berlin, 24. Januar. Im Bildungsausschuß teilte Innenminister v. Keudell heute das Er­gebnis einer Umfrage mit, wonach es sehr schwer, wenn nicht unmöglich sei, bie Kotten zu schätzen. Die Unterrichtsministerien haben meist betont, daß ohne Schätzungen eine starke Unsicherheit anhafte, da es völlig unmöglich sei, vorher zu sagen, ob und in'welchem umfange bie Erziehungsberechtigten von ihrem Recht, bie Einrichtung von Schulen zu beantragen, Gebrauch machen unb welche finanzielln Aus­wirkungen bie Genehmigung solcher Anträge haben werde. Angesichts bet gespannten Fi­nanzlage bet Länder und Gemeinden ist die Reichsregierung bereit, den Ländern eine ein» malage

Beihilfe bis zu 30 Millionen Mark in Aussicht zu stelle», bie Ueberlettung na­mentlich auch von leistungsschwachen Schulge­meinden in ben neuen Rechtszustand zu erleich­tern. Ein voller Ersatz der Kosten muß auch deshalb abgelehnt werden, weil es kaum mög­lich fein wird, diese Einrichtungskosten von den­jenigen Ausgabend zu trennen, die das Volks- schuüvesen auch ohne dieses Gesetz verursachen wird. Das nähere über bie Art ber Verteilung soll von ber Reichsregierung im Einvernehmen mit dem Reichsrat festgesetzt weben.

* * *

Aoch drei harte Nüsse.

Ob die Regierung daS Schulgesetz Überpeytr Berlin, 24. Januar.

Einem Zentrumsblatt zufolge bestehen inner halb ber Koalition nicht nur über ben Par. 20 bes Reichsschulgesetzes, sondern auch Über den

Auf und nieder.

Das größte Abenteuer des Weltkrieg».

Gajda.ist heute 36 Jahre alt! Als feine Laufbahn begann, war er 22. Als WjLhrtger Gemeiner zog er ht ben Reihen irgendeine» tschechischen Regiment» unter Oesterreich» Fah­nen in den Krieg gegen Rußland. Ob er da­mals hochfliegende Pläne hatte ist heute schwer festzustellen. Man darf es ruhigen Gewissen» bezweifeln. Denn Gajda war zu jener Zeit noch gar kein Tscheche I Der künftige tschechische Nattonalheld trug damals ben

Gaida. 6er bitfer Verneinen bet gesellschaftlich »er, es Ibb tun einen ! Kometen, helfen realen Zeiten von

guten deutschen Namen Rudolf Geidel und war demnach in erster Linie Oesterreicher, nt zweiter Linie Deutscher. Seine Metamor­phoie front Deutschblütigen zum hundertprozen- trgen Tschechen kann keinen Kenner Altöster- reichs verwundern. Es war das Schicksal deS deutschen Kulturdüngers in Oesterreich-Ungarn den Nationalitäten jeweils die besten Män­ner zu stellen. Der wildschäumende Nationalis­mus der österreichischen Völker an dem die Mo­narchie zugrunde ging, war stark genug, um ganze Generationen deutscher Beamten- unb §55^^rrssöhne aufzusaugen. Und diese un­bewußten Renegaten wurden in jedem Fall zu den fanatischsten Vorkämpsem ber angenom­men Ideale. Die Wandlung vollzog sich am ficbtbarjten, als Geidel wie Zehntausend-seiner tschechlschen Waffenbrüder zu den Russen über­ging und begeisterter tschechischer Legionär wurde. Tschechisch fühlende Offiziere gab ei tm österreichischen Heer so gut wie keine, au» der führerlosen Masse der .tschechischen geg-nuen ausMstallistls" CI^e^tt dort Führern her-

unverfSlschtrs LandSknechttum, das in Einzelnen stecken mochte, war bie beste Qualifikation für diese Karriere. Der Drogi- stenlehrling Geidel, nunmehr Gajda, hatte bas Aeug dazu in sich. Er verfügte zweifellos über die richtige Mischung von Energie, Egoismus, Mutterwitz, Prahlerei und Großmannssucht, verbunden mit einer liebenswürdigen Art, die Leute zu »nehmen*. Er nahm vor allen seinen Kollegen den schnellsten Ausstieg. Schon 1917 rt>ar er Führer einer großen Abteilung ber Le- aton, und in der Heimat sprach man schon vom Helden ®a}baf ber für die Freiheit aller Tsche­choslowaken kämpfte. 1918

kröne

stenlehrli

Legionen tm iach Art bet

ernannte er sich selbst zum General.

M-r schon damals scheint er nicht mehr unbe- dingt Lust gehabt zu haben, sich im Friedens- menst auf Lorbeeren auszuruhen. Al» im Monarchie zerschlagen ber tsche- choslowakische Staat errichtet, sein Kampfziel errll(t!f«har' drängte seine Abenteurernatur nach weiteren Taten. Er war der Führer einer Wohlorgan,sterten, gutausgerüsteten, diszipli- "irrten Armee alter, geschulter Solbaten Ruß- wnd war ein Trümmerhaufen, hier winkten Ruhm- und Lorbeerkränze. Er blieb, und seine Legionäre blieben mit ihm. In Westeuropa horte man mit Staunen von den ziellosen Wanderungen und ttätr* - - weiten Rußland. Sie Söldnerhaufen Im Drei

Sifrlomat überlegen. 1920 verzichtete Gadja auf toetteren Ruhm unb kehrte mit ber Mehr- ,,a?[ der Legionäre in bie Heimat zurück. Hier in ber Heimat hat ihn bie Regierung Marsarhk don eher unklug behandelt. Statt den Ra- tionalcheatern dem Staate dienstbar zu rachen, hatte man vor dem wilden Haudegen einige Angst und trachtete danach, ihn zu drücken unb bämwen. Wan schob ihn schließlich nach Pa- ns ab mit ber deutlichen Begründung, daß er ?inig-S Wissen aneignen möge «er­bittert knüpfte er, ein tschechischen

Wallenstein, mit den Bolschewiken kommensteuerfätze zugunsten d-s Kleinbauern. Beziehungen an, unb biefe Verhandlungen, ha. be» ihn jetzt zu Fall gebraut... Inzwischen

«rieg um be» Kriege» willen.

1919 schloß er sich dem weißen General »* schak an. Er wollte seine 50 000 Mann zur End« entscheidung in die Wagschale werfen. Jnn-h-l. Hafter Ferne schwebt- vor seinem geistigen «in Symbol, daS irgendwie ber Zaren- trone aWt* sehen mußte. AuS bem trogt- it-nlehrling war ein Mann geworden, ber auf» ®an5« emfl. General Koltichak hatte bie gleU chen Plane. Gajda, ber Sieget in zahllosen Gefechten gegn dleBolschewisten war ihm unbe­quem, unb er war bem offenen Landsknecht al»