Nr. 25
Montag ven 30. Januar 1905
Jahrgang
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Kkdattton u. Huupterv^täon: (Steven, Selters we^ bS.
Ksr*sprech«»schi«k Nr. 3«£.
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Frankreich und der Zarismus.
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Jn der französischen Kammer hat sich bei dem ersten Debüt des Kabinetts Rouvier ein charakteristischer Vorfall abge- fpielt Der neue Ministerpräsident streifte in seiner Programmrede das Verhältnis zwischen Frankreich und Rußland und wurde hierbei — jedenfalls in höchst unliebsamer Weise — durch die Mißfallenskundgebung eines großen Teiles der Abgeordneten überrascht. Die Namen, Die der russischen Regierung gegeben wurden, deuten auf sehr wenig freundschaftliche Empfindungen hin und Hingen wie ein verspäteter Nachklang aus der Zeit des Krimkrieges in der Rußland und Frankreich vollständig Gegenfüßler waren. „Nieder die Mörder!" klang es, „Nieder der verbrecherische Zar!" Zum Ueberfluß protestierten einzelne Redner ausdrücklich gegen die Allianz, die früher so hoch bewertet wurde. Delcassä fand mit feinem Hinweis darauf, daß dies Bündnis Frankreich Sicherheit und die Möglichkeit gegeben habe, seine Stellung in der Welt zu behaupten, nur sehr geteilten Beifall. Der Zwischenfall deutet darauf hin, daß in dem Verhältnis zwischen Rußland und Frankreich in nächster Zeit entschieden die schon seit längerer Frist begonnene Lockerung einen raschen Fortgang nehmen wird. Dadurch aber werden die Zirkel der gesamten Auslandspolitik des neuesten Kurses in Frankreich ganz erheblich gestört.
Frankreich geht entschieden auf Eroberungen aus, aber es sucht diese nicht durch das Risiko eines Krieges zu erreichen sondern durchaus auf dem unblutigen Wege schiedlich-fried- ücher Abkommen. Der frühere Journalist und Dauerminister Delcassch der als Inhaber des auswärtigen Ressorts bereits mehrere Kabinette überlebt hat, war für Loubet der geeignete Mann, um diese papiernen Allianzen und vertrag- bchen Schachztige der neuesten Politik zur Durchführung zu bringen. Mit dem Eintritt Delcassss in sein Amt begann der leise Gegenstoß gegen den Dreibund, der durch eine An- s Näherung zwischen Frankreich und Italien erreicht werden I si'llte. Dann begann das Liebesspiel mit England, das mit [ dem nordafrikanischen Vertrage abschloß, und das ferne ‘ Ziel der gesamten Delcass^schen Politik lief daraus hinaus, den alten Dreibund durch einen neuen schachmatt zu setzen, i Frankreich hat unter dem Tisch fortwährend mit dem eng- f tischen Ministerium gespielt, um eine Annäherung zwischen : England und Rußland durchzusetzen. Am schärfsten trat der , französische Einfluß bei dem Zwischenfall von Hull hervor
Trotzdem die englischen Volksleidenschaften saebem noch aufs höchste Qufgefdhäumt waren, wurde eine schiedlich-friedliche Auseinandersetzung zwischen England und Rußland in dem Augenblicke in die Wege geleitet, als Frankreich seinen Rat an der Themse hören ließ. Mat hat vielfach angenommen, das Ministerium Combes habe mit dem Fälligwerden des französisch-russischen Bündnisses gedroht. Nichts ist irrtümlicher als diese Annahme. Delcass^ hat die Rolle des ehrlichen Maklers gespielt, der die englische Regieruna daraus
aufmerksam machte, wie sehr sie sich jetzt Rußland verpflichten und dadurch dem Zukunftsziel des neuen Dreibundes die Wege ebnen könnte. Der Zweck dieses Abkommens ist die Isolierung Deutschlands, um ohne dessen Beteiligung die Welt aufs neue zu vergeben.
Um die Richtlinien der französischen Auslandspolitik nicht zu beeinflussen, wurde Delcass6 auch mit in das neue Ministerium genommen, und er war sicher gesonnen, den alten Faden weiter zu spinnen, wenn nicht die Episode des Kampfes zwischen dem modernen Rußland und dem brutalen Absolutismus plötzlich dem französischen Volksbewußt, sein die unnatürliche Verwandschaft der beiden Staaten deut- lich vor Augen geführt hätte. Zarischer Absolutismus und republikanische Demokratie können sich zwar zum gemeinsamen Kampfe gegen einen Dritten verbinden, aber ver- schwistern können sie sich nicht. Höher als der Eroberungs- gedanke steht in Frankreich doch das Gefühl, daß die Nation die Führerin auf dem Wege zur Freiheit war, und der Hilfeschrei des geknechteten russischen Volkes muß deshalb gerade dem Franzoseutum am meisten die Flamme der Entrüstung ins Gesicht treiben. Gegen das Volk und seinen Willen vermag Deleass^ nicht zu regieren, und er wird wohl nach dem ersten Debüt des neuen Kabinetts die Empfindung haben, das ihm das Konzevt doch sehr stark verdorben worden ist.
Der Krieg in Oftasien.
Nack allem, was bisher über die neuesten Vorgänge am Hchaho verlautet, scheint es sich in der Tat um eine groß 1 »gelegte russische Offcnsivbewegung zu handeln. Nach Mu ersten blutigen Zusammenstoß sammelt General Kuropatkin neue Kräfte zu weiterem Vorgehen. Er hat beide • Hügel bedeutend verstärkt. Auf dem rechten sammelt er Kavallerie in Stärke von 20 000 Mann an. Er selbst steht bei Taschan.
Die russische Angriffsbewegung hat, wie es vorauszusehen nxir, die Japaner nicht müßig gefunden. Sie beginnen sich im Südien und Südosten der russischen Aufstellung gegen Sandepu zu konzentrieren. Sandepu liegt etwa 25 Kilo- mefer nordwestlich von Liaujang. Um diese Ortschaft als Mittelpunkt tobte das letzte Treffen, das äußerst blutig und erbittert war. Es wird in den Berichten auch bereits als
die Schlacht bei Sandepu bezeichnet. Die Petersburger Telegraphen-Agentur meldet darüber:
Nach einer Meldung aus Tschansjamutun vom 26. d. M. dauerte die Schlacht bei Sandepu den ganzen Tag. Die Russen verloren bei der Einnahme der Befestigung 45 Offiziere und 1000 Mann Tote bezw. Verwundete. Sie nahmen 102 Japaner gefangen und erbeuteten Waffen,
Wagen und Munition.
Die starken Verluste der Russen erklären sich daraus, daß Sandepu, ein großes Dorf, von den Japanern ungemein stark befestigt war. Es bedurfte angestrengter .Arbeit mit M Sappe, um alle die künstlichen Hindernisse zu über- minMi. die die japanische Feldbefestigungskunst vor der Stellung aufgetürmt hatte. Die Pioniere und ihre Be- dect unser: hatten dabei natürlich unter dem japanischen Feuer schwer zu leiden. Die russische Artillerie bestand aus mehreren Abschnitten. Ehe gegen die japanische Hauptpoption in Saud.'pu vorgegangen werden konnte, mußte eine ganze Reihe anderer von den Japanern befestigten Dörfer ge- lurmnrn werden. Die Japaner machten mehrfach kräfnge ßegena -g ire, die jedoch von den Tuffen bisher erfolgreich Fbgcwi's -n wurden. Bei den russischen Operationen fiel der Jemals?re eine wesentliche Rolle zu. Lie manövrierte erfoTurrid) gegen. die linke Flanke der Japaner, umging diese und griff die feindliche Stellung vom Rücken her an. Die Japaner aber werden keine Anstrengung scheuen, die Schlappe wieder auszuwetzen. In London will man sogar bereits wissen, daß das russische Korps, das quer über den Hunho vorgerückt ist, zurückgeschlagen worden sei. Angeblich sind dâi vier Feldgeschütze in die Hände der Japaner gefallen. Di^ offizielle Berichterstattung weiß bisher nichts davon.
General Stössel in Saigon.
General Stössel isl mit seiner Gemahlin und mehreren anderen russischen Offizieren auf der Heimreise von Nagasaki aus in Saigon eingetroffen. Eine große Menschenmenge war bei der Ankunft zugegen und begrüßte sie mit Sym- pathieândgeöungen. Besonders herzlich war die Begrüßung Stössels durch den Kommandanten des russischen Kreuzers „Diana". Der General, der dem korrekten Verhalten der Japaner bei der Uebergäbe der Festung volle Anerkennung zollte, äußerte, er fei voller Zuversicht, daß die Russen in dem Kriege schließlich doch obsiegen würden; er hält eine Verständigung zwisck>en den kriegführenden für möglich.
Aus der Zeit der Belagerung Port Arthurs erzählten die russischen Offiziere folgendes: In den beiden letzten Monaten konnte der Festung kein frischer Proviant mehr zugeführt werden; der Fall Port Arthurs ist dem Mangel an Lebensmitteln, Munition und Medikamenten zuzuschreiben; zum Verbinden der Verwundeten mußten sogar Taufasern verwendet werden; ein Huhn kostete 20, eine Gans 60, ein Schwein 300 Rubel. General Stössel wurde nur einmal verwundet, und zwar durch eine Kugel am Kopf. Aus den Aeußerungen der russischen Offiziere scheint weiter hervorzugehen, daß zwischen den Führern der russischen Land- und Seestreitkräfte in Port Arthur tiefgehende Meinungsverschiedenheiten bestanden; so wurde erzählt, daß eine Ausfahrt des Geschwaders ohne Stössels Zustimmung stattgefunden habe.Die Seele der Verteidigung, so äußerte stosset fei General Kondratenko gewesen. Unter den Trup-
Der Eselsmüller und die Falschmünzer
Von Gustav Rohleder, Grünberg i H.
Alle Rechte Vorbehalten.
(Nachdruck verboten.)
bann fitsten feine ilteln. 1 ein lieber
„eineo
„Ihr möget einen schönen Pastor, oder wie Ihr sagt, Pfarrer haben. Mich soll dec Teufel holen, wenn derselbe so predigen kann wie mein Ernst," so sagte in stolzen, wegwerfendem Tone der Beamte."
„Unser Vettec Pfarrer predigt alle 14 Tage ein- mal. Sobald das Lied gesungen ist, schlafen alle ein. Denn er predigt von Zinsgeben. Da schlafen alle. Keiner mag Zinsgeben. In R .... hausen sind alle Bettler, au^r dem Schulzen und Dornstrauch."
letzt Euer R .... hausen und seine mir Euere Papiere ob dieselben visiert sind", unterbrach chn der Gcenzjägcr.
■ ^^ ^.^e Ee^e Papiere nnd brauche auch keine. Dec Eselsmullcr ist der Eselsmüllec, bleibt es auch und nun Go t^befohlen Vetter Kontrolör," so sagend besann ec sich — jo Grenzau eher. Verreibt mein Gedächtnis ist oft schwach." Damit ritt Ä weiter.
„Halt Kerl, oder der Teufel holt Dich lotwme" schrie der Gefoppte. 1 v
„Halt Hans," sprach ganz gelassen dec Eselsmüller zu seinem Grautiere. „Dec königliche Herr Grenr- steuerbeamte Heinec will es." 5
daß so ne'n Teufelskerl statt Paderborner Bönninger, holländischen Tabak eiuschmuggelt. Kein Beamter hat den Satam-Kerl fangen können. Auch Nordhäuser solls hier genug geben, wird auch eingeschmuggelt. Aber ich fange den Kerl und wenn ich ihn sollte aus den Wolken holen," erzählte und prahlte der Zollbeamte.
„Her^ Grenzjäger, so ist doch wohl eigentlich Euer Name. Ihr fangt den Kerl so wenig, als die anderen vor Euch. Ihr seid die Saufnase noch größer als Euere Vorgänger. So, nuu Adieu Herr Grcnzjäger" versetzte der Müller. '
Den Eselsmüllec fängt doch so kein dummer GrenZ- jägec von Werl. Selbst dann nicht, wenn Du zehn studierte Söhne hättest. Deinen Ernst kenne ich schon
lange. Ist ein schöner Pfarrer, selben lieber als die Kanzel.
„Doch jetzt paß auf Hans" Grauchen.
Ec hatte gesehen, daß dec
ein Bierfaß ist dem-
so sprach ec Zu seinem
..... „ GrenZjäger nach dem Walde zuritt. Schnell kniff er dem Esel in die Fleeme, er aber ließ augenblicklich sein I—a, I—a in stein- erweichcnder Melodie erschallen.
Halt Kerl, Dich hole jetzt der
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A von bis ti" „dene
üii m Peilst e und isfl NN ^schtN „ittt
„Kerl, in Teufels Namen, wie wißt Ihr auf mal wer ich bin und wie ich heiße?"
„Fiel mir soeben ein," sagte ganz trocken Emulier.
ein-
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, „So—0, fiel Euch soeben ein? Ihr scheint mir ein genebener Schurke zu sein. Suche schon fett Wochen on einen Schmuggler, deshalb bin gerade ich bon -bsetl nach Arnsberg versetzt. Der Negierung ist bekannt,
ein
Heiner, in seiner Wut vergaß erden Satz auszusprechen, sprang vom Pferde, um den Eselsmüllec zu fassen.
Doch derselbe saß auf seinem gut dresierten Stadt- berger-Esel. Ein Schlag Zwischen die Ohren ließ den Esel bocken. Ec ging vorn und hinten in die Luft. Dec Grenzjäger suchte nahe beizukommen, aber dec Esel gab ihm den erforderlichen Willkommen.
Heiner hatte sein Pferd am Zügel.
In einem günstigen Augenblicke gab der Eselsmüllec mit seinem Eichenprügel dem Pferde einen solchen Schlag auf die Nüstern, daß es sich bäumte und rasend durchging. Heiner eilte ihm nach.
„So, sagte der Eselsmüller zu sich, „Dich wären wir vorläufig mal los. Frecher Bursche Du, ich habe schon andere zahm gemacht, die gescheidec waren. Wart's ab, Bürschchen, Dich bezähme ich ganz schnell." Damit ritt er von dec Straße ab Zum Walde hinein.
Er tu ar darin bekannt.
Schlangenwege sind es, welche den einsamen Wanderer imm r weiter vom Ziel abzuführen, geeignet sind. Nur Kenner finden sich zurecht.
Als der Eselsmüller gesehen, daß Heiner das Pferd wieder eingefangeu hatte, wußte er, jetzt verfolgt er mich.
,Halt Bursche" rief er aus.
„Haft'S gut gemacht Hans," sprach der Eselsmüller. Der Grünrock weiß jetzt wo wir sind Der Müller stieg ab und ging langsam zum Walde hinein; derselbe wurde immer dichter.
Endlich legte er sich hin, dem sich jetzt abspielenden Schauspiel aus der Entfernung Zuzusehen.
Nach vielen Windungen des Weges hatte Heiner die Stelle erreicht, wo dec Esel sich auf dem Rücken wälzte und unaufhörlich sein I—a, I—«schrie. Heinec griff rasch zu, faßte den Zügel und im Nu stand dec Esel auf den Beinen.
So, spcach ec zu sich, den hätten wic wenigstens als Pfand. Dein Herr, Tu alter Esel, mag Dich auS- lösen, wenn er Dick haben will.
„Ha Bursche, Du willst nicht mit, merke ich? Der alte Heiner, der königliche Zollbeamte soll einen Esel nicht fortbringen können Zum Donnerkiel, so steh' doch verflllchtes Vieh," schrie er in den Wald hinein. Denn der Esel ging immer rückwärts, wie ein Krebs.
Der Zollbeamte zog aus Leibeskräften, aber alles Reißen und Zerren half nichts. Rückwärts, immer rückwärts ging es zu dem Dickickt hinein.
Heiner hatte schon seine Mütze an den Zweigen hängen lassen. Jetzt blieb ihm nichts anderes übrig, als den letzten Versuch zu machen und den Esel zu schlagen.
(Fortsetzung folgt.)