siche Zustand sich mit der Zeit ändern, wird die ärztliche Qunst an der Hand der gehäuften Erfahrungen, der ge- naueren Beobachtungen, das jetzt noch herrschende Dunkel w durchleuchten lernen. Für den Augenblick aber gibt es keinen anderen Nat, als den, daß man suchen möge, seine Oebenssührung so hygienisch wie möglich einzurichten. Das Ht kein Spezifikum gegen die Genickstarre, es dient nur ganz generell baju, den Körper gegen jede Art übler Beeinflussung abzuhärten, ihn weniger anfällig zu machen.
übrigen ist man auf die Isolierung der Kranken an- gewesen. Das Königliche Polizeipräsidium in Berlin hat -- wahrscheinlich in Uebereinstimmung mit den entsprechenden B-Hörden anderwärts — im Hinblick auf die Gefahr einer EinschlepPUW der- GetnickstarrezEpidemie aus Schlesien, die Aerzte gebeten, bis auf weiteres die auch nur verdächtigen Krankheitsfälle dieser Art zu melden, während die bestehende Meldepflicht sich nur auf ausgesprochene Fälle der Krankheit bezieht.
Unheimlich, wie gesagt, ist die Krankheit Doch halten wir für ratsam. Lor einer übertriebenen Ängstlichkeit zu warnen. Ungleich mehr Opfer als die Genickstarre verlangt tagaus, tagen, die tuberkulöse Gehirnhautentzündung, die nach dem Sitz der Krankheit der Genickstarre verwandt ist und es fällt niemand)cm ein, von einer Epidemie zu sprechen. Die Tuberkulose überhaupt, der Typhus sind insofern weit schlimmere Feinde, als die Zahl der von ihnen Befallenen ungleich größer ist als die Zahl der von der Genickstarre Heimgesuchten. Dabei tritt die Genickstarre nur zeitweilig und örtlich auf, während jene Krankheiten nie erlöschen.
Vorsicht ist gewiß am Platz, tunlichste Vermeidung der Ansteckungs-Möglichkeit ist dringend zu empfehlen; doch soll man sich auch nicht in Angst verzehren. Schlimmere Gefahren haben uns bedroht und bedrohen uns unausgesetzt — die ärzrUche Kunst wird auch die neue Gefahr überwinden lernen,
psewyorker (NacbtbUder.
(Von Dr. Artur v. G e r a u - Newyork.)
Im Totenschanhans — Ein schauriger Kucipcunamk. — Was einem Polizeichef passieren kann. — Die Narben des alten Verbrecherwirts. — Der „Dumping Bob". — Auf der Verbrecherjagd.
Wenn man das Wort Morgue hört oder liest, so denkt man sogleich an jenen unheimlichen Ort, wo die Leichen unbekannter Personen, die einem Unglücksfall oder Verbrechen zum Opfer gefallen, zur Rekognoszierung ausgestellt sind. SWit Ausnah nie Londons ist kein Leichenschauhaus so frequentiert, wie die Morgue in Newyork. Fast jedermann in Newyork kennt das dicht am Wasser erbaute und den baulichen Abschluß des Bellevuehospitals bildende kleine Haus, wo die düstersten Geheimnisse des Großstadtlebens, meist vergeblich, gelöst werden sollen.
Wenigen Bewohnern von Newyork aber ist bekannt, daß es inmitten des regsten Getriebes noch eine zweite Morgue gibt, in die man allerdings nicht Leichen erst hinein-, sondern erst herausträgt. Diese zweite Morgue steht mit der Justiz allerdings auch in gewissem Kontakt, erweist sich für Polizei und Justiz meist aber viel nützlicher, als jene hinter dem Vellevuehospital, wo man keine Verhöre mehr anstellen und keine Auskünfte mehr erwarten kann. Diese Morgue, von der hier die Rede sein soll, ist eine Kneipe auf der Bowery. „McCarthy's Beersaloon" ist alles, was das Schild verrät; nur im Munde der Eingeweihten heißt das Lokal Morgue.
Man kann ohne jede Bedenken McCarthys Lokal betreten, denn gemordet wird dort nur ganz selten. Selbstverständlich schließt man Rock und Ueberzieher fest zu und läßt man große Noten nicht ostentativ blicken. Einem der gewiegtesten Spitzbubenfänger der Newyorker Polizei, der Stolz seines Chefs, passierte es einmal in der Morgue, daß ihm, während er nach einem alten Bekannten spähte. Uhr und Kette abgeknipst wurden. Die Sache wurde bekannt und viel belacht. Der oberste Polizeichef schwur aber hoch und teuer, daß so etwas ihm denn doch nicht passieren könnte. Nicht dasselbe, barin hatte er recht. Als er aber eines Abends in Zivil „verkleidet" die Morgue nach kurzem Besuch verließ, war ihm allerdings weder Uhr und Kette, noch Börse gestohlen worden. Recht peinlich berührte es den berühmten Polizei obersten aber doch, als ihn seine holde Gattin vor dem Schlafengehen nach seiner kostbaren Dia- inantnabel fragte, die er im Busenhemd zu tragen pflegte. Verschiedene Leute in der Morgue hätten darüber Auskunft geben können, aber . . .
Der Wirtschaftspächter, Mister Mac Carthy, empfängt alle seine Stammgäste mit gleicher herablassender Würde. Sein gedrungener, etwas kurzer Körperbau und die stets bis zur Achsel entblößten Arme verraten, daß er jeder Situation gewachsen ist. Eine tiefe runde Narbe in der Mitte ber Wange, das bis zur Hälfte reduzierte linke Ohr, drei gewaltige Warben an Stirn und Kinn, sowie der Mangel des obersten Daumengliedes seiner biederen Rechten, geben Zeug, nis von seinem persönlichen Mut. In sieben Jahren hat er alle aufgezählten Ehrenzeichen der Tapferkeit erhalten. Hingegen bat er selber zwei der rabiatesten Bowery 'ypen, selbstredend in Notwehr ins Jenseits befördert. Wegen drei- maligen Totschlags mußte der bedauernswerte Bierwirt ebenso oft sein Geschäft auf Monate hinaus seinem „Chiefkeeper", b. h. dein Geschäftsführer übertragen, während er selbst auf der schönen Insel von Blackwells-Jsland sich von den aufreibenden Strapazen eines Bowerykneipwirtes erholen konnte.
Nachts um drei Uhr betraten mir die Morgue. Das Lokal hat nämlich Nachtlizenz und ist, außer Sonntags, nie ganz geschlossen. Es ging ziemlich stille her, denn nur sieben Gäste waren anwesend, darunter nicht ein einziger berühmter. Meine beiden Begleiter, ein Zeitungsberichterstatter und ein bekannter Zeichner, machten mißvergnügte Gesichter. Der Wirt war nicht da, zwei Barkeeper mit richtig plattdeutschen Gesichtern besorgten das Geschäft. Obgleich die Reinlichkeit hinter dem Schanktisch nichts zu wünschen übrig läßt, Gläser und Flaschen blitzblank sind, kann ich mich doch zu keinem „Drink" entschließen. Ich nehme eine Zigarre. Dann erklärt mir der Zeitungsmensch unsere Umgebung. Der kahlschädelige Mensch mit den schmalen Schultern, etwa vierzig Jahre alt, ist der Kleiderjimmy. Spezialität: Einbrüche in Kleider- und Wäschegeschäfte. Seit zwei Monaten aus dem Staatszuchthaus Sing-Sing retour. Ein harmlos dreinschauender Mensch, mit sorglosem Gesichtsausdruck. Der vielleicht um zehn Jahre jüngere hochgewachsene Mensch, mit bartlosem knochigen Gesicht und schwarzen, ruhelosen Augen, eine sehnige Gestalt, ist der „Jumping Bob". Er fixiert uns mit seinen rasch beweglichen Blicken kurze Zeit, dann wendet er sich achtlos von uns. Jumping Bob schmuggelt sich in Hotels' ein, nur in vornehme, wo echtes Silber auf die Tafel kommt. Er springt aus hochgelegenen Fenstern oh-re Schaden zu nehmen, basier sein Name. Mit siebzehn Jahren begann sein „Ruhm", und heute hat er schon breimal das Zuchthaus absolviert. Er wird voraussichtlich noch vieles leisten. Zwei andere Gäste können kaum Interesse erwecken, ganz gewöhnliche Leichenfledderer, welche Betrunkene ausrauben, aber gründlich bis auf die Strümpfe und Unterkleider. Auch der alte Mann mit dem breiten, gedunsenen Gesicht, sicherlich über sechzig Jahre, Kollidieb, verdient keine Beachtung, denn ihm ist seit Wochen nichts recht gelungen. Der Mann wird eben alt. Nur „pretty Willy", der schöne Wilhelm, kann den Psychologen oder Physiognomen hier interessieren. Seine Geliebte hat er umgebracht, aber es konnte ihm nicht bewiesen werden; er mußte aus der Untersuchungshaft entlassen werden. Wieso sein Freund und Helfer bei verschiedenen verwegenen Ranbanfällen bei einer Fahrt nach Coney Island ins Wasser fiel, wußte er iro^ monatelangen Ausfragens nicht anzugeben. Pretty Willy wird nachgeiagt, er könne, wenn er nur wolle, über verschiedene mysteriös verschwundene Leute, mit denen er öfter gesehen worden, Auskunft geben. Er tuts aber nicht.
Ein neuer Gast tritt ein und sieht mit raschem Blick über das Lokal. „Hallo!" begrüßt er uns. Es ist Mister Bloomfield, früher Blumenfeld, ein ebenso kluger wie kühner Verbrecherjäger. „Nichts los," sagt er. „Gar nichts," bestätigt verdrießlich der Berichterstatter und mir verließen gemeinsam die Morgue, das Rendezvous der gefährlichsten Verbrecher WemuorfS.
Vemitotes.
— fEin unangenehmes Poststückj wurde kürzlich in Memel im Postpaketwagen entdeckt. Eine etwa 40 Zentimeter lange Schlange kroch unter den Rateten hervor dem Postschaffner entgegen. Es gelang diesem, das Reptil in eine leere Flasche zu befördern und so lebendig dem Amte abzuliefern. Man nimmt an, daß das Tier aus entferntem Orte mit Paketen eingeschleppt ist.
— ^Warschauer ScherzeZ In Warschau wird folgendes telephonisches Gespräch zwischen dem Zaren und dem Mikado kolportiert: Zar (zum Mikado): Du wirst, wie es scheint, mein ganzes Reich vernichten? — Mikado: So ist es. — Zar: Du hast schon Port Arthur genommen. — Mikado: Jawohl! — Zar: . Auch Mulden ist jetzt dein? — Mikado:
Stimmt! — Zur: Auf Charbin Host du auch Appetit? — Mikado: So ähnlich! — Zor: Jo! Weißt du denn nicht, daß man mögen so etwas nach Sibirien befördert wird?
— fJapanische Todes-Postkarten.j Jeder Japaner bet als Soldat in den Krieg zieht, wird mit einer Postkarte ausgestattet, die mit einer Trauer-Vignette versehen ist. Auf diese Postkarte schreibt er seinen Namen und die Adresse, der die Karte zugestellt werden soll. Fällt der Soldat, so wird die Karte mit dem Regiments-Stempel versehen und von der japanischen Feldpost an ihre Adresse befördert.
ist begreiflich, daß derartige Todes-Postkarten zur Zeit in Kreisen der Sammler von Postwertzeichen sehr gesucht sind. Einem Petersburger Sammler ist es gelungen, eine An zahl zu erholten, und dadurch sind sie meitcren Kreisen gekannt geworden.
— sKaffernwelber aus Fahrrädern.j Wie die Kultur fortschreitet, das sieht man an folgendem Genrebildchen aus dem inneren Transvaal, das ein deutscher Reisender beobachtete. Er sah auf dem Lande fünf Kaffernweiber auf Fahrrädern, und zwar auf Männerrädern, jede mit einem Säugling, der auf das Rad gebunden war, und mit großen Körben voll Gemüse, die auf beiden Seiten des Rades herab- hingen. Sie fuhren mit ihren Einkäufen in ihren .Kraal zurück. Jedenfalls eine der merkwürdigsten Kundgebungen moderner Kultur. Auf die Frage, woher sie die Räder hätten, standen sie keine Antwort, wahrscheinlich waren sie während des Krieges irgendwo gestohlen worden.
§ Der moderne Blaubart, Dr. Ivan Braunstein, der zunächst wegen Urkundenfälschung zu sieben Jahren Zllchthaus verurteilt ist, hat Revision beim Reichsgericht eingelegt.
§ Wegen Bedrohung Arbeitswilliger waren zwei Maurer in Unnâ vom Landgericht in Dortmund auf Grund des § 153 der Gewerbeordnung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Sie hatten während des Streiks zwei Kollegen, die arbeiten wollten, damit bedroht, daß sie ihnen die Kiwcheu entzwei schlagen würden. Gegen das Urteil hatten sie Re- vision beim Reichsgericht eingelegt, das diese verwarf.
Kirchliche Nachrichten für Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Am Sonntag Quasimodogeniti, den 30. April. Kollekte für die Armen.
In der Stadtkirche.
Vormittags 9.30 Uhr: Konfirmation der Kinder aus der Matthäusgemeinde. Feier des Heil.
Abendsmahls.
Pfarrer D. Schlosser.
Abends 6 00 Uhr: Pfarrer Schwabe.
In der Johanneskirche.
Vormittags 9.30 Uhr: Konfirmation der Kinder aus der Lukas- und Militärgemeinde. Feier des Heil. Abeudmahis.
Pfarrer Euler.
Nachmittag- 4 Uhr: die Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden aus der Johanne-- gemeinde. Pfarrer Euler.
Abends 6 Uhr: Pfarrassistent Schulz.
Nächstfolgenden Sonntag, den 7. Mai, Konfirmation der Kinder aus der Johannesgemeinde, die Beichte findet am Sanu tag, den 6. Mai, nachmittags 2 Uhr statt.
Katholische Gemeinde.
Sonntag, den 30. April.
Weißer Sonntag.
Vorm, von 6.30 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte.
„ um 7 Uhr an: Die erste Herl. Messe, vor und in derselben Austeilung der heiligen Kommunion.
„ „ 8 Uhr: Die zweite heil. Messe.
Vorm, von 9.30 Uhr an: Hochamt m.t Predigt. Feier der ersten hl. Kommunion der
Kinder.
Nachmittags um 3 Uhr: Andacht mit Segen.
Verantwortlich: für die Politik und ben Inseratenteil Albin Klein, für den übrigen Jrrhalt: Georg Horn, belb in Gießen.
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