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Nr. 50.

A»sertt»»Spre1S, Die einspaltige Petttzelle für ganz Ober* Hessen, die Kreise Wetzlar «d Marburg 10 Pfg. hnst 15 Pfg.

Reklamen die PeMzeile 30 resp. 40 Pfg.

Redaktion u. Hauptexpedirto«: Gießen, Seltersweg 88.

Ferusprechânschluß Nr. »S».

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Mueste Mchrèchten

(Oi-ße«er Haaevtatt) Anaöyängige Tageszeitung (Gießener Zeitung)

für Oberheffm und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebwg. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Rechte und pflichten der Eisenbahner.

In Rußland hat der Eisenbahnminister Fürst Chilkow die Beamten seines Ressorts, das die Privatbahnen ebenso mie die Staatsbahnen umfaßt, von den höchsten Beiriebs- leiieni bis zum Weichensteller unter Ausnahmegesetz gestellt. Der Beamte, der seinen Platz ohne Auftrag verläßt, unter­liegt einer Mindeststrafe von drei Monat Gefängnis.

Dieser Ausnahmezustand hat bisher nur für die sibirische Bahn gegolten, die als einzige Zufuhrlinie zum Kriegsschau­platz leinen willkürlichen Störungen ausgesetzt sein durfte. Die Ausdehnung auf alle Bahnen (mit Ausnahme einiger unbedeutenden Strecken in Zentralasien) ist durch den Streik ter Eisenbahner im westlichen europäischen Rußland veran­laßt. Bei der Stellung der Eisenbahnbeamten unter Kriegs­gesetz hat die Rücksicht aus den Krieg in Ostasien wohl nur mittelbare Einwirkung gehabt. Denn es muß hervorgehoben werden, daß die westrussischen Eisenbahnangestellten auch mährend ibres Streiks nicht aufgehört hatten, die Militär­züge zu versorgen und für deren Beförderung das Nötige zu tun. Immerhin ist der Fall denkbar, daß militärische In­teressen auch durch die Hemmung des sonstigen Verkehrs be­einträchtigt werden können, da doch manche für das Kriegs­heer bestimmte Sendung unter Umständen als gewöhnliches Gut zur Aufgabe gelangt, ehe es in Militärzügen gesam­melt ist

Wären in Rußland die landesüblichen normalen Ver- Hältnisse herrschend, so gäbe es natürlich einen Streik über­haupt nicht, weder bei den Eisenbahnarbeitern, noch bei den Eisenbahnangestellten. Nach russischem Gesetz nämlich ist der Streik, auch der rein wirtschaftliche, der vielleicht nur ein halbes Dutzend Fabrikbesitzer angeht, unter allen Umständen dem Aufruhr gleichgeack)tet. Die Arbeiter haben nicht das Recht zu einer Verabredung, nicht das Recht zu gemeinsamer Wahrung ihrer Interessen, und sie erscheinen als Rebellen gegen den Staat, wenn sie korporativ höheren Lohn ver­laufen oder gegen eine Fabrikordnung sich auflehnen. Die Streiks in Petersburg waren also formal Akte der Rebellion, Md diese Rebellion hat in ganz Süd- und Westrußland Nachahmung gefunden. Der Staat war ratlos. Er wendete seine! .Machtmittel aus, die Rebellion zu unterdrücken, und er hatte dabei wenig Glück. Bei dem Streik der Eisenbahner tut er genau dasselbe: er greift zu den Gewaltmitteln, zu­nächst zu der Verschärfung der gesetzlichen Strafandrohungen. Ob er damit mehr Glück haben wird, bleibt abzuwarten.

Wäre Rußland nicht Rußland, so würde in diesem Fall die Sympathie wahrscheinlich auf feiten der Regierung sein. Richt weil man etwa überzeugt wäre, daß die Eisenbahner Unbilliges verlangen, sondern weil ein Eisenbahnerstreik alle Welt direkt belästigt, auch die Kreise, die an der Ent­stehung des Streiks nicht die geringste Schuld tragen und zur Beseitiauna des Streits nichts, absolut nichts tun können.

Der Eselsmütter und dieFalschmünzer.

Von Gustav Rohleder, Grünberg t. H.

Alle Rechte vorbehalten.

ich. 8) (Nachdruck verboten.)

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Während der Tafel rühmten die Forstbeamten auf Befragen ihres erlauchten Fürsten die Unübertrefflichkeit seiner Forsten. Sie berichteten über den Reichtum an Holz und Wild. Schmunzelnd hört ihnen der Kurfürst zu, ja es schmeichelte seiner Eitelkeit sehr--Da tritt der Hofnarr ein, verbeugt sich stumm vor dem Kurfürsten und der Gesellschaft und geht ebenso hinaus.

Bettet

Nach kurzer Zeit tritt er wieder ein und trägt auf einer silbernen Schüssel einen ziemlich großen Butter­klos, wie ihn die Bauern in Hessen zurecht machen.

T Anfi Zuerst geht er zu dem letzten und niedrigsten Forst- P-hyDv beamten. Ec bittet, indem er den Butterklos darreicht, u . derselbe möge sich eine Scheibe abschneiden. So geht MâN ec von einem zum andern. Beim Kurfürsten angelangt, Plakate kertl^ überreicht er demselben die leere Schüssel. Etwas ver-

haben- blufft fragt ihn derselbe, was dieses bedeuten solle.

jW^i Der Hofnarr spricht:Du bist über deine Meldungen ie: 3 pahrräM heute so viel angelogen worden, deshalb habe ich dir Fohien gilbst diese leere Schüssel vorgehalten, um die Wahrheit an- indo 0- - .

Kachas

mZeigen." Alle hatten nur zu gut den Hofnarren ver­standen. Die Tafel wurde aufgehoben, ohne das dieses Mal ein Orden ausgeteilt wurde und der Kurfürst hatte die Herren nicht in der rosigsten Laune verlassen. Es blieb aber, trotz des Hofnarren seiner Wahrheit, alles beim alten Schlendrian.

ÄS

Gegen Abend des anderen Tages war der Pfarrer in die Mühle gekommen. Wo wollte er denn auch noch anders hin? Kaum saß er beim Abendbrot, so frug der Müller:hast du denn vergangne Nacht über deine Schäflein nachgedacht? Bettler stnd's ja allesamt. Lesen kann außer dem Schulzen und Bengerts Hannes keiner. 4t auch nicht nötig. Die Verse und Lieder, welche sie

M ^Dienstag,sven 28. Februar 1905.

Gießener

Diesen Kreisen liegt es sehr nahe und ist cs beinahe natür­lich, einen Eisenbahnerstreik als ein ihnen persönlich zuge­fügtes Unrecht zu empfinden und danach den Streik zu be­urteilen. Doch im vorliegenden Fall hat die russische Re­gierung es verstanden, selbst die natürlichen Sympathien zu verscherzen. Anstatt sofort und mit fester Hand zuzugreifen, auf alle Weise für Erhaltung des Verkehrs und gleichzeitig für die Erfüllung der schnell zu prüfenden und als berechtigt erkannten Forderungen der Arbeiter und Angestellten zu sorgen, hat man nach der schlechtesten Methode gehandelt: zaghaft und widerspruchsvoll. Es gab die in solchen Fällen übliche Reihenfolge: ordre contreordre désordre. Man versprach den Arbeitern, was sie verlangt hatten, man zögerte die Erfüllung hin, und dann kam man mit den Drohungen, von denen man doch weiß, daß sie keine Schrecken mehr haben.

Italien hat gegenwärtig etwas Aehnliches wie einen Eisenbahnerstreik: eine Eisenbahner-Obstruktion. Die un­teren Angestellten der Eisenbahnen hemmen in ungebühr­licher und unerträglicher Weise den Verkehr, indem sie ihren Dienst nach dem Buchstaben einer von der Praxis längst überholten, über sechzig Jahre alten Vorschrift verrichten. Was sonst wenige Minuten beanspruchte, dauert jetzt Stun­den, jede kleinste Rangierarbeit führt zur Sperrung einer großen Station u. s. w. Das Publikum lachte bei dem selt­samen Schauspiel aber es lachte nicht lange.

Das Publikum ist eben bei einem Eisenbahnerstpeik unter allen Umständen der leidende Teil. Ob die Eisenbahnherren der Staat oder Private Recht haben oder die Eisen­bahner, das geht eigentlich das Publikum nichts an, das die Zeche zu bezahlen hat. Und dabei ist das Publikum zu der Auffassung befugt, daß um seinetwillen die Eisenbahnen und die Eisenbahner da sind. Ohne das Publikum gäbe es keine Eisenbahnen und keine Eisenbahner, könnte es keine geben.

Darum ist ein Eiserchahnerstreik ein Streik ganz eigener Art, nicht mit anderen Streiks auf eine Linie zu stellen. Der Eisenbahner hat in seinem Arbeits- oder Anstellungsvertrag einen Mitkontrahenten, er hat aber außerdem noch einen Herrn: das Publikum, dem er dienstpflichtig ist. Wenn der Arbeiter oder Angestellte sonst der Erfüllung seiner Auf­gaben sich entzieht, so leidet ein einzelner darunter, vielleicht sogar eine Vielheit. Tut aber der Eisenbahner dasselbe, so leidet die öffentliche Sicherheit und die öffentliche Ordnnng, die beide auf dem ungehemmten Eisenbahnverkehr basieren. Die Eisenbahner haben somit ein gesteigertes Maß von Pflichten und Rücksichten, sie dürfen in dem wirtschaftlichen Kampf nicht die Mittel alle gebrauchen, deren Verwendung anderen freisteht.

Der Krieg in Ostasien.

Daß die letzten erbitterten Kämpfe, die in der Erstür­mung der starken russischen Position auf den Beresnevsk-

auf der Bettelfahrt beten oder singen, haben sie bald durch Vorsagen gelernt. Sechs Tage betteln, am siebenten schlafen oder saufen und spielen sie."

Halt ein", sprach zähneknirschend der Pfarrer, da­bei ward er wie eine Kalkswand.Schurke, ja elender Schurke" murmelte der Pfarrer,du hast mich in deiner Hand. Manchmal möchte ich verzweifeln, doch was tut es. Endlich nimmt alles ein Ende. Den Glauben habe ich doch schon längst verloren."

Der Müller sah zum Fenster hinaus. Ec sah oben an der Waldecke einen noch ziemlich jungen Mann rüstig der Mühle zu schreite. ^ ist Mütze", so sprach er laut,er singt, das bedeutet gute Botschaft", so wendete er sich an den Pfarrer.

Einige Minuten später trat ein schöner und kräftiger junger Mann in die Mühle. Er war gekleidet, wie die Handlungsreisenden. Hose und Rock von russisch-grünem Bochumer" Tuch. Eine feine weiße Weste mit gelben Knöfen, Uhr mit Haarkette, Zylinder auf dem Kopfe und schwarzer Rohrstock in der Hand.

Guten Abend, Vettern", so sprach Mütze eintretend. Guten Abend, Mütze", erwiderte freundlich der Müller.Nun wie geht es, mein Junge?"

Gut, Vetter Müller, habe alles abgesetzt. Habe Bielefelder Leinen, Damast, Bildweberei und anderes für Rüffeler aus Nuttler gekauft. Fast alles habe ich mit dem Gelde bezahlt und habe es so eingerichtet, daß ich von jedem Bauer gut alt Geld herausbekam. Alles ist fort. Für fünftausend Thaler gekauft, alle Brabanter sind im Umlauf."

Dem Müller sein Gesicht erheiterte sich bei dieser Nachricht immer mehr. Dann sprach er:Jetzt esse und trink, später sprechen wir svon deinem Anteil am Ver­dienste Endlich drehte der Müller sein Gesicht ernst dem Pfarrer zu und sprach:Willst du nicht heute Abend nochmal bei Weishaupt am Kohl' nachsehn?"

Der Pfarrer erwiderte kein Wort, sondern stand auf und ging gute Nacht wünschend demKohle" zu.

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Hügel durch die Japaner gipfelten, die Einleitung zu einer neuen großen Aktion sein würden, hat sich bestätigt. Nach dem Bericht eines italienischen Kriegskorrespondenten, der sich bei der Armee Okus befindet, erwartet man, daß die be­gonnene Schlacht alles bisher Dagewesene in Schatten stellen werde. Der Korrespondent gebraucht den Ausdruck: Me Schrecken von Port Arthur werden sich in dem verschanzten Lager am Hunho und Schaho erneuern.

Die bisher vorliegenden Berichte geben dieser Auffassung durchaus recht. Es scheint tatsächlich, als ob i

eine Entscheidungsschlacht bereits im Gange ist. Der Reutersche Korrespondent im ruf« sischen Hauptquartier berichtet vom 27. d. M.: |

In der Front und westlich von Tieling wird der, Kampf fortgesetzt. Auf dem äußersten östlichen Flügel haben die Japaner die äußeren russischen Stellungen ge­nommen, sie bedrohen jetzt auch die Hauptverteidigungs­stellungen. Aus der Heftigkeit des Angriffes wird ge­schlossen, daß General Nogi mit der Artillerie von Port Arthur die japanischen Streitkräfte befehligt. 40 Ver­wundete sind in Dkukden heute eingetroffen, 400 werden morgen erwartet. Aiuh andere Zeichen deuten darauf hin, daß ein größerer Kampf im Gange ist. Den ganzen Tag über herrschte ein furchtbarer Schneesturm.

Der japanische Vormarsch gegen den linken russischen Flügel ging in zwei Kolonnen vor sich. Die östliche Abtei­lung ging in der Richtung auf Madsadan gegen den Paß Lingolin vor und umging die bei Tsinchechen stehende rus­sische Mteilung, die sich nach Sankunio Zurückzog. Die westliche japanische Kolonne eröffnete den Vormarsch auf Nord-Jantagan und versuchte, den Engpaß Gutulin zu um­gehen. Trotz heftigen Schneetreibens wurde der Kvrnpf mit großer Erbitterung geführt; es gelang den russischen Truppen, cm Abend die Japaner bei Nord-Jantagan zurücke zuwerfen. Der Kampf um den Gutulinpaß währt an.

Eine bisher anderweftig nicht bestätigte Meldung aus London besagt, daß

der linke russische Flügel umgangen

sein soll. Londoner Blätter lassen sich aus Sinmingting üe-' cichten:

40 000 Mann japanischer Truppen sind in Fakumen angekommen, die über Hügel an der mongolischen Grenze marschierend dorthin gelangt sind. Die ver­meintlichen Tschunschusenbanden, welche in ein Schar­mützel bei Lichiawu verwickelt wurden, haben sich als ja­panische Truppen in chinesischer Kleidung erwiesen.

^tc weitere Meldunaen besagen, passierten bereits am

Mütze mußte dem Eselsmüller alle seine Kniffe, die er im Münsterlande, seinem eigentlichen Arbeits­gebiete, vollbracht hatte, erzählen. So etwas gefiel dem Müller.

Am andern Tage ftüh eilte Mütze, reichlich mit Brabanter versehen, weiter. Dieses Mal ging es in das Ravensbergische.

Auch der Eselsmüller wollte fort, aber nicht in die Weite. Er zog Försterkleidung an, hing ein Gewehr über die Schulter und fort ging es in den Hessenwald. Nach kurzer Wanderung am Bergrande sah er einen Sassenburger Mann in der Nuhne fischen. In einiger Entfernung von demselben lag eine Last guter teurer Weiden, welche wahrscheinlich zum Korbflechten dienen sollten. Er kannte den Mann sehr gut. Wußte auch, daß derselbe weder die Weiden schneiden, noch Fische an dieser Seite des Flusses fangen durste. Er näherte sich vorsichtig. Dann spannte er den Hahn des Ge­wehres, legte es an die Backe und rief:Halt, Weiden- und Fischdieb, steh' oder ich schieße dich nieder." Er hatte geglaubt, der Mann würde, seine Beute liegen lassend, zitternd davon eilen. Doch hier hatte er sich getäuscht. Es war ihm ja nur darum zu tun, den Mann zu verscheuchen.

Halt's Maul, Eselsmüller", rief Balzer, so hieß der Fischer,ich kenne dich trotz deiner Verkleidung. Ich fange Fische und schneide Weiden aus Armut. Du aber machst Falschgeld. Der Strick ist dir schon nah'".

Hör' mal, Balzer, schweig, oder ich stopfe dir dein loses Maul", rief erregt der Müller.

Das brauchst du nicht", rief in diesem Augenblicke der Quelshäuser Förster. Ein Griff genügte und der Balzer war in seiner Gewalt. Denselben mit seinen Fäusten fest drückend rief er:Spitzbube, dir geh' ich schon lange Zeit nach. Endlich habe ich dich erwischt."

(Fortsetzung folgt.)