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Zweites Blatt
Samstsg, den 27. Mai 19u5
14. Jahrgang
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3*fertis*»|irwii t Me dn^sütge Petit-elle für ganz Ober- hiß«, Uc Kreise Metzln unb Marburg 10 Pfg sonst 15 Pfg. ÄtUtwtw die Pâ-elle 30 resp. 40 Pfg.
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Neuere Machrichten
(chießener ^<ge»r»W
Unabhängige Tageszeitung
(Oietzener Ieitnng)
für OSerhefsm und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalameiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachunaen drr Grohh. Bürgermeisterei Gießen, des Grotzb. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden Von Oberhesseu.
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fortunas Launen.
(Sig. Bericht.) Budapest, 24. Mai.
Das Glücksrad ist ein wunderlich Ding. Wer auf seinen Werften Sprossen stand, wird in jähiun Sturz hinabgerissen, nn elend am Wege zu verschmachten. Manchmal aber reißt es ihn aus bem Staub eben so schnell und plötzlich wieder nach oben. Diesen überraschenden Wechsel von Glück und Reichtum zur tiefsten Armut und wieder hinauf auf die Höhen des Lebens hat ein Mann erfahren, der vor nunmehr 12 Jahren unter dem Spitznamen „Der Nabob von Szvedistye" eine führende Nolle in der hiesigen Gesellschaft vielte, bann in tiefste Not versank und jetzt als einfacher Arbeiter in Newyork die Hand einer Dollarprinzessin gewonnen hat.
Bei den amerikanischen oberen Zehntausend war es eine fieße Sensation, als es her kurzem hieß, die Tochter des Ver- ^rbcuen Tabakskönigs Mr. Green Fred Duke, Miß Flo- i-nce Duke, habe sich den Theaterarbeiter Michael Lazarov'c nun Ehegemahl erkoren. Lazarovic war allerdings schon wr dieser Verlobung der Held des Tages. Er hatte als Arbeiter im Avenuetheater die leichtlebige Sängerin Nan Patterson kennen gelernt, die dem hübschen Ungarn zeitweise hre Gunst zuwandte. Das sollte. jetzt dessen Glück werden. Ran Patterson lvar auf Monate die Helden der Newyorker Ecnfationëprcffc. Sie .rar beschuldigt, einen ihrer Ver- u rer erschallen zu haben. Die Jury aber konnte sich nicht zu ■ umm Verdikt einigen. Ein Prozeß folgte auf den anderen nrb in einem jeden figurierte der Theaterarbeiter Lazarovic Ü5 Zeuge. Die Reporter überliefen ihn, dutzende von In- lewiews mit ihm über feine Beziehungen zu Nan Patter- ion erschienen in den Blättern, eines immer interessanter als las andere. Am interessantesten aber war der Newyorker v.anlenwelt das waZ die Zeitungen über bir Lebensge- schichte dieses Arbeiters zu erzählen wußten. Lazarovic raa* niemanb anders als der berühmte Nabob von Szvedistyc, kinst die Zierde der ungarischen goldenen Jugend.
Michael Lazarovic de Szvedislae stammt aus dem Banate, vo seine Familie zu den angesehensten des Landes gehörte. <rr wurde als Waise im Hause des Temesvarer Bischofs Rikipher Popovic aufgezogen. Großjährig geworden, trat er das ungeheure Erbe feiner 5hein an, das man auf 21 Millionen Kronen schätzte. Jung, schön und reich, stürzte sich Michael Lazarovic in den Strridel der Vergnügungen, und dald wurden in Südungarn die tollen Streiche des Nabobs yon Szvedistye das Tagesgesprä.p. Die Welt staunt heute, menn sie von den in der letzten Zeit viel erörterten kolossalen ^vielverlusten einiger Kavaliere erfährt, doch was sind das alles für harmlose Spielpartien im Vergleiche zu jenen, ireisbe anfangs der Neunzigerjahre von Lazarovic auf den pellen von Szvedistye, Szmerseg, Girade und Bavanisto^ allnächrliw aryingiert wurden. Unter diesen Umständen N^olz das große Vermögen Lazarovic' wie Schnee in der Sonne und der Nabob ioar bald aufs Trockene geraten. Er ^erkaufte die ihm noch gehörigen Güter an die Temesvarer Spaifoffe, wobei er noch zirka drei Millionen herausschlug, und ging mit diesem Reste feigeë Vermögens nach Budapest mo er in der kurzen Z-lt von acht Monaten auch mit diesen' letzten drei Millionen fertig wurde. Der Nabob von Szve- distye suchte jetzt vom Schuldenmachen zu leben, aber auch d-'sc Quelle versiegte rasch. Eines Tages verschwand der Lug runde gegangene Nabob von hier, nachdem es ihm ge- q.uckt war, auf einen Wech'el 800 fl. zu erhalten. In größ-
irr Norloge verlebte ber ehemalige Millionär eine Zeit in x?ari§ und London, worauf er sich nach Newyork begab, wo vls Hausknecht tätig war, um schließlich als Arbeiter an das Avenuetheater zu kommen.
Das wurde ihm zum Heil. Seine Beziehungen zu Nan Patterson zogen ibn nach oben. Als bekannt wurde, tue ich früher Glanz sich unter dem mehr als bescheidenen Kleide eines TheaterarbeiterS verbarg, begannen sich die feinsten Kreise NewyorkS um die neue Attraktion zu reißen. Die „Gb?r‘d;)oerÜen" Misses liebäugelten mit dem ehemaligen Nobob der schnell seine frühere Sicherheit auf dem Parkett wiederfand und den Dollorprinzessinncn den Hof machte, daß es nur so eine Art hatte. Miß Florence Duke war eine feiner eifrigsten Verehrerinnen. Das Strohfeuer des landes- übM)pH FlirtS erwies sich bei ihr endlich als ein Herzens- bron^ her sich nicht mehr anders löschen ließ, als daß sie dein mitteilsam Arbeiter ihre Hand und ihre 40 Millionen Dollars anhug. Dieser besann sich natürlich nicht lange und schlug ein. Jetzt ist er wieder oben auf bem Rode des Glücks. Hoffentlich hat ihn heute Lebenserfahrung soweit gereift itnb geläutert, daß er sich nun im Sattel hält und nicht wieder zum Spielball von Fortilnas Launen Ijerabiinft
Beim Herannahen einer Gefahr werden die über die Zu- gangskanäle gelegten Bretter wcggezogen und der Verfolgung ist vorläufig ein Halt geboten. Der Gipfel der Trostlosigkeit bietet sich in der sogenannten „Zwingburg", einem Kloakensystem. Auch hier übernachten viele hunderte von Menschen. Meistens handelt es sich um solche, die infolge ihrer Verwahrlosung keine Arbeit mehr finden können und deshalb aus Wien ausgewiesen sind. Schließlich reihen üch noch Bilder aus den Lagern um die Ziegelöfen an, wo 1 tellose und Verbrecher um die Kammern mit der Feuerung bei 60 bis 65 Grad Hitze nächtigen, ferner aus den Unter | schUipfgelegenheiten im Donaugelände mit ausrangierte», j Booten als Schlafkammern, aus den nichtkonzessionierten Würmestuben und Massenquartieren in der Leopoldstadt. — Alles in allem eine tieftraurige Symphonie von bitterern 9 Mangel und eine ernste Mahnung für die Glücklichen, dik j oben im rosigen Licht wandeln und nicht an die Höhlen I unser ihren Füßen denken, in denen sich „der Menschheit 3 ganzer Jammer" scheu und hungernd birgt.
Katakomben des Glends.
(tëig. Bericht.)
Wien, 25. Mai.
Als um die Mitte des vorigen Jahrhunderts die Romanleser der halben Welt schaudernd die furchtbaren Schilderun- gen verschlangen, die Eugen Sue in seinen „Geheimnissen von Paris" von den grauenhaften Schlupfwinkeln des Elends und des Verbrechens in dem Seinebabel entwarf, dachten unsere Väter sicher nicht daran, daß nach kaum 50 Jahren ein neuer Sittenschilderer im gemütlichen Wien überreiches Material zu einem Werke ähnlicher Art sammeln würde. Und doch braucht die Phantasie gar nicht zur Hilfe genommen zu werden, um aus den in der Wiener „U r a • n i a" zur Veranschaulichung gebrachten Enthüllungen aus bem „unterirdischen" Wien ein grausiges Bild entsetzlichster menschlicher Verkommenheit und namenlosen Jammers zu konstruieren. Der Schriftsteller Kläger und der Gerichts- ürrdär Drawe haben mehrfache Wanderungen durch die verborgenen Quartieren der Armut angetreten und sind dabei auf Zustande gestoßen, die man nicht für möglich gehalten hätte. Die beiden Herren haben überall Aufnahmen aemnrät und führten diese mit erläuterndem Vortrag in großen Vrojektionsbildern vor. Der Sammelkanal unter der Stephanienbrücke lieferte die erste Ausbeute. Beim Betreten der lust- und lichtarmen Kanalschächte sieht man zu nutzenden junge Burschen um schwelende Holzfeuer sitzen. Es sind „Grießler", Anfänger im gewohnheitsmäßigen Vagabundentum. Die Unglücklichen, die weder Arbeit noch Le- bensunterhalt besitzen, suchen in dieser modrigen und dunstigen Atmosphäre eine armselige Unterkunft. Dies^ Stätten sind noch nicht die schlimmsten Zeugen für das Elend, das tief unter der Erde in der fröhlichen Donaustadt sich zu bergen trachtet. In den Schleusen- und Kanalgängen des Wienkanals stößt man während der Nacht unaufhörlich auf Obdachlose, die auf Steinblöcken, Sand- und Schmutz- Haufen oder auch auf dem Körper des Nachbarn einen dürftigen Schlaf suchen. Teilweise liegen die Aermsten in dreiviertel Meter weiten Zuführungsröhren, in, die man kriechend gelangt. Die Polizei kann schwerlich ân diese Lagerstätten gelangen, da die Bewohner Nachtwachen ausstellen.
Der Landwirt.
'M. Zur Verwertung des Spinats. Nach der Ansicht bet« [siebener Sachverständiger bezieht der menschliche Körper seinen Bedarf an Eisen aus den Pflonzen-Nahrungsmitleln, Ist dem so, so muß man durch Erhöhung des Eisengehaltes gewisser Gemüse einen wertvollen Ersatz für künstliche Eisenpräparate schaffen können. Nun haben aber kürzlich Versuche über die Aufnahme von Eisen durch Spinat bei Düngung mit Eisensalzen folgende Ergebnisse gehabt. Zur Pflege der zu den Versuchen verwandten Pflanzen benutzte man große, mit der nämlichen Erde beschickte Töpfe. Dabei zeigten nicht gedüngte Topfpflanzen einen Eisengehalt vor 0,03 Proz. (auf Trockensubstanz bezogen); derselbe fonnh aber durch Zusatz von 0,5 bezw. 2 Proz. Eisenhydroryd au 0,18 bis 0,23 Proz. gesteigert werden.
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Vermischtes.
— fFensterspelulation und KronprinzenhochzeitZ Jur- Hinblick auf die nahe bevorstehende Hochzeit des deutsä>en Kronprinzen macht sich in Berlin eine rege Spekulation in Fensterplätzen für Schaulustige breit. Ein bekanntes ^afö unter den Linden erzielt für jeden Balkonplatz in der ersten Etage den Preis von 100 Mark und schon jetzt sind die Plätze fast vergriffen. Für Schaulustige, die nicht so hohe Preise bezahlen wollen, wird jedoch ebenfalls gesorgt. So werden am Pariser Platz Tribünen gebaut, deren Stehplätze für fünf Mark abgegeben werden sollen. Die Sitzplätze dieser Tribünen werden jedoch voraussichtlich unter 25 bis 30 Mark kaum zu haben sein.
= sWolfsplage in Ostpreußens In ostpreußischen Jägerkreisen besteht die Befürchtung, daß die Wölfe, die in diesem Winter in reicher Zahl aus Rußland über die Grenze gewechselt sind, trotz vieler veranstalteten Jagen nicht überall verscheucht worden sind, sondern sich im deutschen Walde häuslich für den Sommer einrichten werden. Für den Wildstand an der Ostgrenze wäre das ein unberechenbarer Schaden.
— sEine vatikanische Wochenzeitungj soll nach der Meldung eines Londoner Blattes im Monat September zu erscheinen beginnen. Diese Zeitung soll dann das einzige offizielle Or ^« des Heiligen Stuhles bilden.
\ Meister-Prüfungen für Handwerker
in der Provinz Oberhesfen.
Die diesjährigen Prüfungen zur Erlangung des Meistertitels ' (§ 133 der Gewerbe-Ordnung) werden innerhalb des Monats
August d. JS.
abgehalten.
Die Gesuche um Zulassung zur Meisterprüfung sind unter Benutzung des vorgeschriebenen Formulars (bei dem Unterzeichneten erhältlich) svälestens bis zum 31. Juli d I. an die unterzeichnete Prüfungskommission zu richten. Beizufügen sind nach 8 2 der Meisterprüfung« -Ordnung folgende Unterlagen:
1. ein kurzer eigenhändig geschriebener Lebenslauf,
2. eine Geburtsurkunde,
3. das Prüfungszeugnis über die Gesellenprüfung, oder der Nachweis darüber, daß der Gesuchsteller die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen nach § 129 der Gewerbe-Ordnung sich erworben hat,
4. der Nachweis über eine mindestens 3jährige Tätigkeit als Geselle,
5. die Zeugnisse über etwaigen Besuch gewerblicher Unterrichts- Anstalten,
6. ein polizeiliches Fühntngszeugnis.
Vor der Aumelduug zur Prüfuug ist a« das Sekretariat der Haudwerkskammer zu Darmstadt, Waldstraße l1^, eine Prüfnugsgrbühr vou 25 Mk. eiuzuzahleu. Eine Quittung hierüber ist dem Gesuche beizulegen.
Gießen, den 1. Juni 1905.
Die Meister-Prüfungskommission für die Provinz Oberhtssen.
Traber, Vorsitzender.
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MT" Um Fenster, Balkon, Laube, kahle Wände W raSCh mit an- SM- mutigem Grün und Blumen zu bekleiden beziehe man ein Samen-Sorti- SÄT“ ment japanischen Balkonschmuck von blühenden Kletter= und Schling- | W pflanzen — Blitzmischung —
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