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Nr. 2ü0.________Erstes Blatt.

2«sertio«SpreiS r Die einspaltige Petitzeile für ganz Ober- Hessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10Pfg. sonst Io Pf».

Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg-

Redaktion u. Haupte Spedition: Gießen, Seltersweg 83.

Fer«sprecha«schluß Nr. 362.

Neueste Nachrichten

(Gießener Tageblatt) Unabhängige Tageszeitung (Gießener Zeitung)

les

für Oberhesim und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Unmebuna. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeianites Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

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Bekanntmachung.

Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Alssetderftraße in Grüaverg vom 28. August bis zum 16. September l. Js. für den Fuhrwerksverkehr gesperrt.

Wir bringen dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntnis, daß während der genannten Zeit Langholz, fuhrwerke nicht verkehren können, alle übrigen Fuhrwerke können die gesperrte Straßenstrecke unter Benutzung der

Rosengasst umfahren.

Gießen, den 24. August 1905.

Großh-rzog»ches KreiSamt Gießen.

I. V.: Dr. Kranzbühler.

Bekanntmachung.

Zahltage der Kreiskasse betr.

Donnerstag, den 31. August, von nachmittags 2'/« Uhr an wird zu Nieder Ohmen bei Wirt Langohr ein Zahltag der Kreièkasse abgehalten.

A Sselb, den 21. August 1905

Großh Kreisamt Alsfeld.

Dr. Meteor.

ZN der Familie des Rebe von Beethoven. Jüngste, der spätere ponift," erklärte die nponist?"Nun, e Lage darauf ließ MN. Plötzlich rief ;oven ist da!" hast der Lily schon Hans? Du ungc. rige Prügel. Wohin Lilys Backe, Mama." ine Franz (auf dem ife mir doch ein Glas gut wie Emils, kostet EnM:Gut, her mit hr gut Hier hast du , wieso bist du denn ine Franz:Na gut weiter erzählen: Der Men."

Betriff: Schweinerotlausseuche in Otterbach.

Bekanntmachung.

Nachdem in einem Gthöfte zu Otterbach unter den Schweinen die Vacksteinblattern (Rotlaufseuche) amtlich fest- gestellt worden find, haben wir über dieses Gehöft die Sperre verhängt.

Alsfeld, den 21. August 1905.

Großh. Kreisamt Alsfeld.

Dr. Melior.

Huf des Pfeffers Schneide.

(Eig. Bericht.)

Berlin, 25. August.

>q ausgei-ynevME ß n in unserem AM (keine Zeichnung--

gsschrist sind bis i1 05, vor«.10 ^r

05.

«ieße»-

.Die Intervention des Präsidenten Roosevelt bei bcii Friedensverhandlungen in Portsmouth hat zunächst so viel erreicht, daß die russisch-javanischen Friedens-Verhandlungen fortgesetzt werden und die Delegierten nicht setzt schon un­verrichteter Dinge heimkehren. Damit ist eine gewisse @c= ^vähr dafür geboten, daß eine wirkliche Verständigung er- zielt wird. Die Hauptfrage scheint die ter Kriegskosten­entschädigung zu sein. Die Japaner, heißt es, hätten nach 2400 immer noch 2000 Millionen Mark gefordert die Russen erst gar nichts, dann 1000 Millionen Mark geboten. Diese Angaben sind mit Vorsicht aufzunehmen, sie können kaum mehr als bloße Vermutungen sein, da die russischen wre nie japanischen Unterhändler, die allein Wissende sind,

Interesse handeln würden, wollten sie vor Ab­schluß der Verhandlungen etwas verlautbaren. Das kann erst geschehen, nachdem der Vertragsversuch endgültig ge- lchertert oder nachdem er abgeschlossen ist. Hoffnung, starke Hoffnung auf Frieden ist vorhanden. Doch damit ist nicht gesagt, daß die Delegierten bereits in den nächsten Tagen rIL^n&e finden. Ein Friedensinstrument kann kaum vor- uchng genug abgefaßt und geprüft werden, und das er­fordert Zeit.

Eine angebliche Aeußerung des russischen Ministers des Auswärtigen, Grafen Lambsdorff, ist aus den angeführten Gründen ebenfalls mit großer Zurückhaltung aufzunehmen. Er soll gesagt haben, daß der Zar keinen Rubel Kriegskosten bezahlen und keinen Fußbreit Landes abtreten werde. Als Witte davon hörte, soll er sehr empört gewesen sein und sich drastisch über die russische Hofpartei ausgesprochen haben, obwohl der russische Unterhändler die Wahrheit der Nachricht stark in Zweifel zog.

Wie es ferner heißt, hätten die Japaner bei Vekannt- teerben der angeblichen Lamsdorffschen Worte dnrch LUo erklärt, falls sie offiziell von der Echtheit dieser Verlaut­barungen unterrichtet lvürden, so genügte dies, um sie zur Abreise von Portsmouth zu veranlassen. Tie letzten For­derungen der Japaner sollen die Form eines Ultimatums getragen haben.

In Amerika gibt man die Hoffnung auf Friedensschluß nicht auf und man setzt große Erwartungen auf die fortge- »etzten Bemühungen Roosevelts. In unterrichteten diplo­matischen . Kreisen zweifelt man allenthalben daran, daß Rußland im entscheidenden Augenblick bei der unnachgiebi­gen Haltung beharren werde.

politische Rundschau.

Deutsches Reich.

* Un^er den fürstlichen Gästen, die an !>em Kuisermanöver bei Homburg v. d. Höhe teilnehmen werden, ist irrigerweise der Prinz von Wales genannt worden. Nicht dieser, son­dern sein Vetter Prinz Arthur Connaught wird dem mili­tärischen Schauspiel beiwohnen. Der Prinz von Wales liebt

Samstug, den 26. August 1905.

überhaupt nicht,^repräsentativ yervorzutreten. Er bedarf der körperlichen Schonung. Ohne daß er gerade krank wäre, wünschen die Aerzte aus Vorsorglichkeit für ihn, daß er den englischen Winter vermeide und sich im Herbst nach Indien begebe.

4 Da der Typ der Schlachtschiffe in der beutfdjen Marine vergrößert werden soll, war die Rede von einer Umgestal­tung des Nordostseekanals. Aus sachverständigen Kreisen kommt jetzt die dènchricht, es liege vorläufig kein Plan vor, den Nordostseekanal oder seine Schleusen ganz oder teil­weise umzubauen.

* In einer Versammlung des Berliner Gewerkschafts­kartells beschlossen die dem Kartell angehörenden Organi­sationen der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften, sich von der Sozialdemokratie loszusagen und die Bildung einer neuen radikalen sozialrevolutionären Partei vorzu­nehmen. In dem Beschluß wird der dogmatische Marxis­mus, die Taktik der sozialdemokratischen Partei und der Parlamentarisnms verworfen. Die Mitgliederzahl der Freien Vereinigung ist keine allzu große. Sie umfaßt die radikaleren Elemente unter den Gewerkschaftlern.

* In Breslau tagte die 34. Hauptversammlung des deut­schen Apothekervereius. Der Vorstand wurde beauftragt, erneute Vorstellungen bei dem Reichskanzler und dem Reichs­tag behufs baldiger reichsgesetzlicher Regelung pharmazeu­tisch-gewerblicher Verhältnisse zu unternehmen, da der Kredit und die Fortentwickelung des Apothekerstandes durch die dauernde Ungewißheit, wie und wann eine anderweitige gesetzliche Regelung der Besitzverhältnisse des Apotheker­standes erfolgt, ungünstig beeinflußt wird. Die Versamm­lung sprach sich ferner für die Gründung einer freien Hilfs­kasse oder den Anschluß an eine andere Kasse für Krankheits­fälle der Gehilfen, sowie gegen die Beschäftigung un­genügend vorgebildeter weiblicher Hilfskräfte in Apotheken aus.

* Der Premiernnnister der englischen Kapkolonie, Dr. Jameson, hält sich zurzeit in Karlsbad auf. Er hat sich über die englische Neutralität gegenüber dem Aufstand in Teutsch- Südwestafrika geäußert. Dr. Jameson sagte, daß die Sym­pathien seiner Regierung durchaus auf deutscher Seite wären. Die Eingeborenenpolitik der Kapkolonie verböte allerdings offenkundige Beweise dieser Sympathien, Deirtsch- land bürfe jedoch auf moralische Unterstützung und, soweit wie möglich, praktisches Entgegenkommen rechnen können. Der beutidje Generalkonsul in Kapstadt arbeite in diesem Sinne und habe bereits gute Resultate erzielt.

* Allerorten beschäftigt man sich mit der immer noch zu­nehmenden Fleischtcuerung. In Braunschweig nahm die Stadtverordnetenversammlung mit großer Mehrheit einen Ankrag an, wonach die braunschweigische Regierung ersucht werden soll, ihren Bevollmächtigten im Bundesrat anzuweisen, unverzüglich für sofortige Aufhebung der Grenz­sperre zur Abstellung der Fleischnot einzutreten. Die Stadtverordneten zu Hanau beauftragten den Magistrat ebenfalls, energische Schritte zur Abstellung des Uebel­standes zu unternehmen. Mehrere Städte im sächsischen Erzgebirge regen ein gemeinsames Vorgehen bei der sächsi­schen Staatsregierung an. Bemerkenswert ist das Vor­gehen der österreichischen Hauptstadt Wien, die einen kommunalen Fleischverkauf mit billigen Preisen eingerichtet hat. Der Zudrang des Publikums ist riesig. Die Leder­händler proklamieren infolge des Mangels an Schlacht­tieren eine Erhöhung der Lederpreise um 3 bis 5 Mark.

Oesterreich-Ungarn

" In Hermannstadt haben die aus Anlaß der Jahresver­sammlung des Gustav Adolf-Vereins stattfindenden Festlich- kciten der Siebenbürger Sachsen begonnen. Der Gustav Adolf-Verein hielt einen Festgottesdienst ab, bei welchen! der Rektor der Universität Leipzig, Professor Rietschel, predigte. Später fand eine Festversammlung statt, in deren Verlauf zahlreiche Liebesgaben überreicht wurden. Am Nachmittag tagten der fädififdje Aerzteverein und der fächfische Fraucn- Verein. Am Abend gelangte eine Oper aus dem sächsischen Volksleben zur Anführung. Gleichzeitig fand ein volks­tümlicher Vortragsabend des Gustav Adolf-Verei.'.s statt.

Türkei.

In Smyrna dauern die Untersuchungen und Ver­haftungen wegen des Bombenfundes nach an, da 35 Dom- ben, welche nach dem Geständnis in Smyrna verhafteter Personen noch vorhanden sind, bisher nicht gefunden wur­den. 5^omplizen werden auch im Regierungsgebäude ver­mutet, da dort ein Ort zur Aufbewahrung von Bomben vorbereitet war. In armenischen Geschäften wurden Uni­formen und Priestergewänder gefunden, welche für die Ur- haber des Anschlags bestimmt waren. Aus der aufgefundenen Korrespondenz geht hervor, daß, da die Vorbereitungen nicht beendet waren, der Anschlag erst am 10. September stattfinden sollte. Infolge der getroffenen Vorsichtsmaß­regeln ist ein Ausbruch mohammedanischer Erbitterung in Smyrna nicht zu befürchten, aber angesichts der allgemein herrschenden Beunruhigung leidet der Geschäftsverkehr und der Kredit wird eingeschränkt. Nach amtlichen Meldungen

___.14. Jahrgang

Lboancmeutsprris: abgehott monatlich W ^fq., in's Haus gebradit 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährl. Mk 1.50. Vraiiöbcilafle« : Oberhesstsche ^nmiHee$eUnnd (täglich) unb die Gießener Tetsevblasc« (wâchenrlich)

^ao ^.iett erfd eint an eilen Werktagen nachmittags.

den mhC" h°ben die tiirkijchen Truppen alle bcdeuteu- Nebr^llen fp?»" »^lr ^^^M nach Sanaa genommen. Tic Flucht bcgriffen bemorahfiert und durchweg au, der

Hsien.

. " ^ Japan wird gemeldet, der Mikado werde noch eine Europareise antreten und alle wichtigen Städte des Kontinents besuchen.

die sich nach London, Paris bPaih^ ^ verfassungsmäßiger Einrichtungen VfAut "re b h 8 folgenden Per,onlichkciicn bestehen: Prinz Tsaitie Gouverneur Tuanschang, Minister Tai und Vize" tonig Sachul.

$n der vierten und letzten Sitzung des Deutschcn Starbo. M ^^ wurden in erster Reihe bk ^ohltatigkeitsanjtalten behandelt und vom Mitglied dc^ preupischen Herrenhauses Grafen Oppersdorf die Soziab politit erörtert Redner sprach sich für die Sicherung und uc^5^.1 ?e§ Koalitionsrechts der Arbeiter aus und empfahl Fürsorge für den schwer geprüften Mittelstand Dann sprach Professor Mausbach aus Münster über da- SomaStaat und Kirche". Mit einem Schlußtvort bc« Praydenten Grinsen Löwenstein, dem vom päpstlichen Nuntius erteilten Segen und dem gemeinsamen Gesänge de- Tedeum wurde der Katholikentag geschlossen.

Frankreich.

** Der französische Gesandte hat Auftrag ermatten, in ^u g auf die Befreiung des algerischen Untertanen Bu Mzmn el Miüani ein Ultimatum an Murokko zu stellen um> Die Zahlung einer Entschädigung zu verlangen. Jin Fo ; einer Weigerung würde die französische Gesandtschaft Fcz verlassen. Unter Umständen ist eine Besetzung des Ortes Wba an der algerischen Grenze in Aussicht genommen.

Russland.

** Die herrschende Gärimg gelangt nenerbingg besonders in Baucrnaâänden mit schweren Ausschreitnngcn 311m Aus­druck. So wurde auf bem Gute des Rittergutsbesitzers Bittler bei Nowotscherkosk das Woonbaus verbrannt, Die Mühle demoliert und der Befitzer Dermnnbet. Im Kreise Jelisawetgrad brennen und sengen die Bauern alles nie her. Auf der Besitzung des Fürsten Bogration kam eS zu schnüren Zusamn'.enstößen mit den Kosaken. Ueber Sindt und Be­zirk Warschau ist dcr BelagerMiyszustolnd verhäng-t, Aus Anlaß von Ausschreitungen, die in Balojchow gegen dort versammelte Kreistierärzte vorkamen, hat der Zar er­klärt, revolutionäre Erscheinungen dürfen nichr mehr ge­duldet, gleichzeitig aber auch nicht ein eigenmächiiges Vor­gehen Pöbels gestattet werden. Die sämtlichen Offi­ziere des Geschwaders des Admirals Rebogotoiv, ba$ sich den Japanern ohne eigentlichen Kampf ergab, sind aus der rus­sischen Flotte ausgestoßen worden.

Soziales Leben.

# Einigung im rheinisch-Westfälischen Bougewerbc. Tie Einigungsverhandlungen zu Essen dauerten Mittwoch abend bis nach Mitternacht, führten aber noch nicht zu ci: em endgültigen Ergebnis. Im letzten Augenblick erklärten Oie Vertreter des Arbeitgeberdundes sich bereit, vom 1. Oltober ab eine Lohnerhöhung von 1 Pfennig pro Stunde zu be­willigen, vom 1. April nächsten Jahres eine Erhöhung von 2 Pfennig pro Stunde. Donnerstag wurden die Verhand­lungen fortgesetzt und spät abends beendet. Tos Ergebnis ist, daß das Friedensprotokoll und der Arbeitsvertrag rmt abgestuften Lohnsätzen für den ganzen rheinisch-westiälische n Jndusiriebezirt' vereinbart worden sind. Die beteiligten Organisationen, Arbeitgeberverband und Arbeiterorgamia- tion, werden in den nächsten Wochen über die Annahme dieser Verträge beschließen. Wenn beide Parteien das ,vrre- densprotokott und den Arbeitsvertrag annehmen, wird Die Arbeit am Montag, den 4. September, im ganzen Industrie- bezirk wieder ausgenommen werden.

4= Beendeter Streik. Ter Ausstand an der Jägerkaserne in Colmar ist beendet. Die als Ersatz für die AuSständlgeir herangezogenen Pioniere ziehen wieder ab. Der Holzarbei- térverbanb verpflichtete sich, Kräfte zur rechtzeitigen Fertig­stellung des Baues herbeizuschaffen.

jXab und fern.

ff Ein - kaiserlicher Manöver-Marstall. In Kotzenellew bogen im Unterlahnkreis wird vorübergehend ein Mantav für d'2 kaiserlichen Manövergäste eingerichtet und mir her? Schlosse in Koblenz telephonisch verbunden. Von BeUr? gehen 210 Pferde und 60 Equipagen nit den erforderlicher Bedienungsmannschaften nach Katzenellenbogen ab. ^ug eine Anzahl Automobile werden dort stationiert.

t Auf der Jagd verunglückt. Ein Student, der Sohr eines Zimmermeisters in £c[k in Braunschweig, kam be^ der Jagd ums Leben. Beim Uederschreiten eines Holp^egL blieb der Hahn seines Gewehres am Brückengeländer haften und das Gewehr entlud sich. Der Schuß drang dem ;unger Manne in bie linke Seite. Nach wenigen Minuten lvar bei Unglückliche eine Leiche.