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Dienstag, den 25. Juli 1905
S*UTti»*»trti* x Die einspaltige Petitzetle für ganz Ober- die Kreise Wchlar mck Marbmg 10 Pfg- sonst 15 Ms- Reklamen die Petit-eUe 30 resp. <0 Mg-
N-tzgkkion u. Hauptexpehition: Gießen, Geltersweg 88.
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Gießener
14. Jahrgang
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^âs Blatt erscheint an alle« Werktagen nachmittags
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(Gießener Gageötatt)
Nnabhângige Hageszeitung
(Gießener Keiinng)
für Oberheffm und die Kreise Marburg und Wetzlar; LskalauzMer für Tiefen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Sroto. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
Kaiser MilKelm und Zar Nikolaus.
— Eine neue Zweikaiser-Zusammenkunft. —
Kaiser Wilhelm II. und Zar Nikolaus II. haben am Montag einander in den finnischen Schären begrüßt. Zar Nikolaus reiste am Sonntag von seinem Sommersitz Peter- Hof nach Finnland ab, stieg am folgenden Tag zu Schiff und traf an verabredeter Stelle mit der Kaiserjacht Hohen- zollern zusammen. Von Schiff zu Schiff wurde Besuch ab- gcstattet. Die beiden Monarchen verweilten in langem vertrautem Gespräch beieinander, das keine Zeugen hatte. Waste gesprochen, weiß niemand außer ihnen selbst, keiner, der es der OÖffentlichkeit mitteilen würde.
Selbstverständlich wird gerade die Unkontrollierbarkeit ein Sporn für die Märchenerzähler sein, in ihren Erfindungen sich keine Rücksichten und keine Schranken aufzuerlegen.
k Sie sind sicher, daß sie in diesem Falle nicht Lügen gestraft I werden können, außer durch die Tatsachen — die aber einen .
I sehr langsamen Gang haben. Sind doch die Märchenerzäh- • hingen der Monarchenbegegnung sogar vorausgegangen!
Von London und namentlich von Paris aus wußte man gan^ genau zu berichten, was Kaiser Wilhelm beabsichtige, was er dem Zaren Nikolaus in verschwiegener Heimlichkeit sagen und raten werde: Kaiser Wilhelm werde dem Zaren empfehlen, mit. den Japanern nicht Frieden zu schließen . und den Russen keine Verfassung zu geben. Er werde auch ein Bündnis Deutschlands mit Rußland Vorschlägen, das Frankreich und Japan einbegreifen, gegen England und Amerika die Spitze richten solle. Das sei eigentlich der .Zweck der ganzen Begegnung, die Kaiser Wilhelm gewollt kund beinahe erzwungen habe: denn seit der Zummmeukunfl von Riga seien die persönlichen Beziehungen der beiden Moneren zu einander die herzlichsten und vertrauens- ; vollsten.
Von allen diesen Kombinationen ist nur die Schlußbemerkung zutreffend. Kaiser Wilhelm genießt wirklich seit den Tagen von Riga die ver^auensvolle, herzliche Zuneigung des Zaren. Das übrige ist willkürliche und meist tendenziöse Zusammenstellung haltloser Vermutungen.,
Kaiser Wilhelm hat während seiner Nordlandsreise den König von Dänemark, dann den König von Schweden besucht, — es lag nicht die leiseste Veranlassung und kaum die Möglichkeit vor, einem Zusammentreffen mit dem befreundeten Zaren auszuweichen, sobald dieser den Wunsch äußerte, den in der Nähe weilenden Kaiser auf See zu sehen. Zar Nikolaus hat diesen Wunsch geäußert, und dem ist selbstverständlich Folge gegeben worden. Ein von langer Hand vorberei- > feier Plan lag nicht vor. Das zeigt sich schon darin, daß von keiner Seite -ft ür diplomatisches Geleite Vorsorge getroffen war.
Deswegen ist die Begegnung doch nicht ohne hohe Bedeutung. Sie ist es schon dadurch, daß sie die Irrigkeit der - Annahme, beweist, der Zar sei ein Gefangener im Peterhof, ' getraue sich nicht, sein Land zu verlassen, dürfe nicht daran denken, um eines Höflichkeitsaktes willen sich auf ein Schiff zu begeben. Auch kann es nicht wohl in Zweifel gezogen werden, daß Zar Nikolaus die Gelegenheit bemisst haben wird, von Mund zu Mund sich die Ratschläge wiederholen und eingehend begründen zu lassen, die er sich früher schriftlich erbeten und erhalten hatte. Ebenso darf als unfraglich angesehen werden, daß Kaiser Wilhelm, im Gegensatz zu den 7 oben erwähnten tendenziösen Unterstellungen, keineswegs . von einem Friedensschluß mit Japan abgeraten hat. Ist i doch der Entschluß des Zaren, überhaupt auf Friedensunter- I Handlungen einzugehen, wesentlich auf das briefliche Zureden Kaiser Wilhelms zurückzuführen ! Dem j gemäfc wird Kaiser Wilhelm ganz gewiß auch jetzt dem Zaren empfohlen haben, in einen ehrenvollen Frieden zu willigen. Ebenso ist es völlig haltlose Erfindung, wenn behauptet oder auch nur als Vermutung ausgesprochen
I wird, Kaiser Wilhelm billige und teile die Anschauungen der
1 russischen Reaktion. Hat Zar Nikolaus den Kaiser Wilhelm wegen der inneren russischen Wirren befragt, was überaus wahrscheinlich ist, so darf als bestimmt angenommen werden, daß es an eindringlicher Empfehlung an den Zaren,
1 Frieden mit seinem Volk zu suchen, nicht gefehlt hat.
Von Bündnisvorschlägen für die Gegenwart oder Zukunft ist sicher nicht die Rede gewesen. Dazu sind die Verhältnisse nicht angetan. Ein solches Gespräch wäre bei dem bereits erwähnten Mangel an diplomatischer Begleitung auf russischer Seite auch notwendig ohne unmittelbares Ergebnis gkbüeben..
Systemwechses in Gngland?
(X£ig. Bericht.)
London, 24. Juli.
Das Ministerium Balfour hat im englischen Unterhaus ime Niederlage erlitten. Bei einer an sich sehr gleichgül- Listen Abstimmiing über einen Budgetposten ist es in der Minderheit geblieben. Die Opposition hatte beantragt, von einer Ausgabe, die die Verwaltung Irlands betraf, einen vcringfügigen Betrag abzusetzen, und der Antrag wurde
angenommen, weil ein Den öc.r negierungsanyangericya,i bereits in die Ferien gegangen war. Das ist freilich nur ein Zufall und ein starkes Ministerium wiirde keine Schwierigkeit haben, ihn mit seinen Folgen aus der Welt zu schaffen indem es seine Getreuen heranholte und den oppositionellen Beschluß widerrufen ließ. Das Ministerium Balfour ist aber nicht stark; es traut seinen eigenen Anhängern nicht mehr recht, hat sie jedenfalls nicht fest in der Hand und hält seine Tage unter allen Umständen für gezahlt. Gleichwohl wird Herr Balfour nicht zurücktreten, denn ba^u gehört ein kampfesfroher Entschluß, und für biefen fehlen ihm die Voraussetzungen. Er wird sich bemühen, eine hinreichende Anzahl Mitglieder der Regierungspartei nach London zurückzuholen, damit der erwähnte Beschluß wieder- rufen werden und er zunächst bis ziim Herbst „fortmurftelii sann, wie der weiland österreichische Ministerpräsident zu sagen pflegte. Nicht von seinen Handlungen, sondern von unvorhersehlichen Zwischenfällen allein erwartet Herr Dalfour Hilfe. Die Opposition drängt um nicht. Sie mein daß aller Wahrscheinlichkeit nach der Vorteil des Zu- wartens für sie größer sein wird. Ist es doch bisher nur äußerst selten boraefommen daß eine Volksstimmung, die einmal im Umschlagen begriffen war, ihre Richtung wieder änderte, ehe sie einen Wandel in der Regierung zuwege- gebracht hatte. , .
Ehe noch dem gegenwärtigen Kabinett das Missgeschick der eingangs erwähnten Abstimmungsniederlage begegnet mar batte Herr Balfour ein Beiden hoffnungsloser Schwäche gegeben, indem er den Verzicht auf seine Wahlrechtsreform erklärte. Diese Reform wollte die schreiendsten der noch borbanbenen Wahlrechtsungleichheiten beseitigen. So mancher kleine Wahlkreis verfügt über zwei ^anbate, während größere nur einen Vertreter ins Unter- baus zu entsenden haben. In alter Zeit galt es für einen Grundsatz ber Tories, an dem Wahlrecht mcht rickteln zu lassen. „Nolumus laxes Angliae mutari" — wir wollen Englands Gesetze nicht geändert wissen — das war ihr Programm. Erst die Staatsklugheit Lord Beaconsfields, der damals noch Benjamin Disraeli hieß, brachte neuen Geist in die Partei. Dieser Neuschöpfer des englischen Konservatismus hatte den Mut, nach einem Wahlsieg eine Wahl- reform vorzuschlagen, die weit liberaler war als die, wegen deren die Liberalen eben von der Regierung hatten zuruck- treten müssen. Herr Balfour wollte das große Veisprel liachahmen; doch im letzten Augenblick verließ ihn das Selbstvertrauen, verzichtete er auf den Ruhm eines Re- formators. Man braucht nicht gerade Sehergabe zu besitze,:, um vorauszusagen, daß seine Parteigegner, die seine Nachfolge in der Regierung übernehmen, mit einem durchgrc' fenderen Wahlreformvorschlag ihn überbieten werden. Und diesmal wird der Plan auch durchgeführt werden.^
Auf eine baldige Erledigung der englischen Regierungskrisis ist nicht zu rechnen. Man darf sich vielleicht daraus einrichten, daß sie im kommenden Spätherbst zum Austrag gebracht wird. Nach der gegenwärtigen Stimmung der Bevölkerung Englands wird ein Systemwechsel eintreten. Das merkwürdigste aber ist, daß in diesem Fall der Systemu'ew'c! ein Verharren in der alten WirtMstspolitik Englands deutet.
politische Rundschau.
Deutsches Reich,
* Bei der am 1. Dezember d. I. stattfindenden allgemeine Volkszählung sollen beantwortet werden Fragen nach i> und Zuname, Verwandtschaft oder sonstige Stellung zum Haushaltungsvorstand, Familienstand, Geschlecht, Geburts» tag und -Jahr, Hauptberuf und Stellung im Hauptberuf, Religionsbekenntnis, Staatsangehörigkeit, ob im aktiven Dienst des Deutschen Reichs ober der deutschen Marine stehend, und schließlich für reichsangehörige, landsturm- pflichtige Männer im Alter von 39 bis zum vollendeten 45. Lebensjahr die Frage, ob militärisch ausgebildet. Außer diesen Fragen steht den einzelnen Regierungen das Recht zu, Zusatzftagen zu stellen. Das statistische preußische Landesamt stellt drei Ergänzungssragen und zwar nach der Geburtsgemeinde, dem Vorhandensein vop Gebrechen und nach der Muttersprache.
* Neuerdings wird als Ort für die Marokkoko«ferenz San Sebastian in Spanien genannt. Von dort wird geweloe , daß der spanische Minister des Aeußern Garcia bis Enoe des Monats in San Sebastian bleiben werde, um mit oen Vertretern der Mächte über die Marokkosrage zu tons
* Die seit langem in der Schwebe befindliche Strafprozeß reform für das Deutsche Reich wird den Reichstag m der nächsten Session wahrscheinlich «och mch^ beschatt «e^ « dern erst im Winter bei nächsten Jahres auf Die Mae Ordnung gestellt werden.
♦ Aus Dentsch-Südwestaftika ist ein "^ Maukens t^ -^ Port in Hamlnirg eingetroffen. Der Dampftt ^ Woermann" überbrachte 8 Zustand
SS ÄSF&'ÄS AL -m-n >«w Heimatsurlaub.
* ^Nachrichten von einem bedauerlichen Exzeß der Einge- borenen auf den deutschen Südscekolonien hat der Dampfer „Willeshed" nach Sidney gebracht. Nördlich von der ^unospitze in Deutsch-Neuguinea überfielen Papuas die zur Beschützung der Eingeborenen vor einem Jnlandstamm unter Stuckhardts Führung abgeschickte Expedition. Der Kapitän Äèöller und drei Begleiter erhielten Speerwunden. Die Papuas wurden jedoch verjagt und fünf von ihnen getötet.
* Mehrere kaufmännische Berufsvertretungen in Württemberg übermittelten dem Eisenbahnminister eine Reihe von Wünschen zur Eisenbahntarifteform. Der Minister antwortete, daß zwar von jeder Seite Opfer gebracht werden mußten, wenn auf den deutschen Bahnen etwas Einheitliches erreicht werden solle; er sei aber gern bereit, für die in Wegfall kommenden Landeskarten die Schaffung eines Ersatzes, der der Vereinheitlichung nicht im Wege staune, zu unterstützen. Tie Einführung der 4. Klasse lasse sich kaum umgehen, dagegen solle der Schnellzugszuschlag nur auf ganz bestimmte Schnellziige Anwendung finden und nicht zu sehr ausgedehnt werden. Im übrigen sei der bis jetzt bekannt gegebene Reformplan nur ein Entwurf, der erst noch gründlich zu beraten sei.
frankreich,
** Wie jetzt durch gemeinsamen Beschluß der zuständigen Minister bestimmt ist, tritt ein französisches Geschwader die Besuchsreise nach den Vereinigten Staaten Ende Okto- ber an.
Belgien,
** Zur Teilnahme an der ttnabhängigkeitsfeier ist das deutsche Linienschiff „Kaiser Karl der Große" Sonntag abend in Antwerpen eingetroffen. Während die Musik auf dem - Schiff die Brabanconne spielte, lief der Panzer in den Hafen, mit der deutschen Nationalhymne und begeisterten Zurufen empfangen.
Cürkei,
** Nach amtlichen Feststellungen beträgt die Zahl der bei dem Bombenuttcutat Getöteten 24, die der Verwundeten 78. Ueber die Täter liegen noch keine bestimmten Anhaltspunkte vor. Man nimmt an, daß sie bei der Explosion selbst getötet worden sind. Am Sonntag wurden die Toten und die verstümmelten und unkenntlichen Leichenreste beerdigt. Ein Schwerverletzter hat auSgesagt, daß kurz vor der Explosion ein unbekannter Mann einen Korb auf einen Wagen stellte und sich dann entfernte. Einige Minuten später erfolgte die Explosion. Die Nachforschungen werden in der ganzen Stadt und der Umgebung fortgesetzt und mit größtem Eifer ge- pflogen. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Es wurden Vulgaren, Armenier sowie Angehörige anderer Nationen, ebenso zahlreiche Mohammedaner in Haft genommen/ Jm Mdiz tagt ununterbrochen, auch während der Nacht, die Untersuchungskommission. Es werden chemische Analysen verschiedener Explosionsreste vorgenom- men Die militärische sowie die polizeiliche Ueberwachung des Mdiz ist bedeutend verstärkt worden. — Jm Aufstandsgebiet von Jemen haben die Truppen des Sul- tans einige bemerkenswerte Erfolge errungen Die Türken begannen am 17. Juli den Vormarsch auf Sana von drei Seiten aus. Ahmed Feisi Pascha vertrieb mit drei albanesischen Bataillonen die Insurgenten aus einer starken Step- n bei Mcnack>a und fügte ihnen schwere Verluste zu. — Kon der bulgarischen Grenze werden abermals Unruhen u^ineldet Eine starke bulgarische Bande verwüstete die pa° triarchistischen Dörfer Valtino und Gredeschmtza im Vilaiet Monastir und erschlug einen grossen Teil der Bevölkerung.
Russland,
." Ein blutiger Pöbel-Aufruhr in Nishn.i-Nowgorod , bas neueste Erckgniè Die Bewegung richtete fich mäst ge
Güterstation der Weichselbahn P^tsowlsna wurde
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peinlich untersucht, weil in letzter Zeit mehrfach Bombe.
geschmuggelt sind.
In
Balkan-Staaten, Serbien fanden am Sonntag d-e r»
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