Nr. 171.__
K^«rt1»«SpreiS: Die einspaltige Petit-eile für ganz Obergs«, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Psg. sanft 16 Pfg-
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Kernsprechânschlnß Nr. •••♦
Montag, den 24. Juli 1905.
^—^---—______________14. Jahrgang
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Neueste Mu
(Gießener Tageblatt) Unabhängige Tageszeitung (Gießener Peilung)
für Oberhsffell und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalauzeiger für Gießen und Umnelnfna
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Siegen und anderer Behörden von £6erfxifeit ^ 9
Bekanntmachung.
Die über das Gehöft des Jakob Birk zu Garbenheim infolge Rotlausseuche verhängte Sperre wird hiermit auf- gehoben.
Die über das Gehöft des Konrad Plast in LaunSbach infolge Schweinefeuche verhängte Sperre wird hiermit ausgehoben.
Die über das Gehöft des Wilhelm Leib Nr. 121 zu Krofdorf infolge Rotlaufseuche verhängte Sperre wird hiermit aufgehoben.
Bei einem verendeten Schweine des Konrad Bender zu Krofdorf ist die Rotlausseuche amtlich festgestellt und über das Gehöft des P. Bender die Sp rre verhängt worden.
Die über das Gehöft deS Wilhelm Leib zu Krofdorf Nr. 191 info.ge Rotlausseuche verhängte Sperre wird hiermit aufgehoben.
Krofdorf, den 20. Juli 1905.
Die Polizei-Berwaltung.
Das Recht an die Deimat
Unter den Ländern, die einen Bevölkerungsüberschuß an die Fremde abgeben, steht Deutschland an erster Stelle. Zwar aus Italien und aus Irland ist die Auswanderung selbst relativ stärker, aber in diesen beiden Staaten ist es tätig die wirtschaftliche Not, teils außerdem die Mißlichkeit der politischen Verhältnisse, die zur Auswanderung drängt, während bei uns die außerordentliche Bevölkerungszunahme den hauptsächlichen Anlaß für den Entschluß bildet, die liebe Heimat mit- der Fremde zu vertauschen. Die deutsche Bevölkerungs-Zunahme beträgt seit langer Zeit 750 000 Seelen jährlich und darüber, die Einwohnerschaft des Deutschen Reiches ist seit 34 Jahren um 20 Millionen gestiegen, um mehr als ganz Preußen hatt?, da es schon zu den Großmächten gerechnet wurde.
So sehr die wachsende Industrialisierung des Reichs dieses befähigt hat, eine steigende Einwohnerzahl den erhöhten Lebensanforde'rungen gemäß zu ernähren, so ist es doch begreiflich, daß immer wieder in beträchtlichem Umfang eine Auswanderungsneigung hervortritt, die nicht in politischer Unzufriedenheit, auch nicht in drängender Not ihre Ursache hat. Die Auswanderer trennen sich nur ungern von der Heimat, mit der sie gern dauernd verbunden bleiben möchten. Doch die Verhältnisse sind meist stärker als der Einzelwille. Der Auswanderer kommt in eine anderssprachige Umgebung. Er selbst hält an den Mutterlauten treulich fest, aber meist kann er nicht hindern, daß schon die Kinder das Idiom der neuen Heimat annehm m, und daß das dritte Geschlecht die deutsche Sprache noch vollständig beherrscht, ist bereits eine Ausnahme.
Das alles geschieht ohne bewußte Absicht, ja gegen den eigenen Wunsch, lediglich unter dem Zwang der äußeren Verhältnisse. Denn nur ausnahmsweise sind Eltern in der Lage, die wirklichen Lehrer und Erzieher ihrer Kinder zu sein, sie zu unterweisen, eine vaterländische Gesinnung, die den Eltern selbst geläufig und ganz natürlich ist, ihnen unverwüstlich einzuprägen. Von der Heimat aus wird aber nichts getan, in den über den Erdkreis zerstreuten Kindern das Gefühl der Vaterlandszugehörigkeit zu stärken oder auch nur in irgend ?iner Form daran zu erinnern. Sind zehn Jahre seit der Auswanderung vergangen, ohne daß der Ausgewanderte selbst ausdrücklich an zuständiger Stelle erklärt hat, er wolle Deutscher bleiben und seine Reichszugehörigkeit nicht aufgeben, so wird einfach unterstellt, daß er das Gegenteil wolle, und er ist Plötzlich ein Fremder geworden, den kein Rechtsband mehr mit der Heimat verknüpft. Es wird ihm nicht einmal gesagt, daß er kein Deutscher mehr ist. Das erfährt e'r erst, wenn ihn der Zufall wieder zur Heimat führt. Hier- wird er belehrt, daß er an der Heimat keinen Teil mehr habe, daß er ohne positives Verschulden sein Bürgerrecht eingebüßt habe. Unb macht er den Versuch, es für sich und seine Kinder wiederzuerlangen, sei es Weiher die Absicht hat, nun im Vaterlande zu bleiben, sei es weil er auch in der Fremde weiter ein Teutscher sein und heißen will, so werden ihm große, zuweilen unüberwindliche Schwierigkeiten bereitet. Kein Wunder, daß er mit Bitternis und als eine Art Undank empfindet, daß das Vaterland ihn als Entgelt für seine treue Gesinnung gewissermaßen ausstößt und ihn mit Vaterlandslosigkeit bestraft. Kein Wunder, daß er nicht tiaterlandslos bleiben, nicht seine Kinder in Vaterlandslosigkeit aufwachsen sehen mag, daß er den Anschluß, den die Heimat ihm und den Seinen versagt, für sich und die Seinen in der Fremde sucht, die sich ihm gastlich aufgetan hat.
Man bat diesen Mißstand schon lange peinlich empfunden und die Art erwogen, in der eine Abhilfe möglich wäre. Leicht ist die Aufgabe nicht, denn auch die naheliegende Möglichkeit und Versuchung eines Mißbrauchs muß in Rechnung gestellt werden. Es ist denkbar und wohl schon manches Mal vorgekommen, daß ein Auswanderer durch die Entfernung von der Heimat sich bloß lästigen Pflichten entziehen, dagegen den Heimatsschutz behalten wollte. Es ist ferner necht gut denkbar daß ein Auswanderer bec Heimat bloß sich erinnert, wenn er ihre Hilfe in Anspruch nehmen will, sonst mber um Deutschland und Deutschtum sich nicht kümmert.
Aber eine ichwere Aufgabe ist darum noch keine unlösbare Ausgabe, und es hat den Anschein, als hätte man W eine Losung gefunden. Tom Bundesrat soll demnächst als Ergebnis vieljähriger Ueberlegung der Entwrrrf zur Abänderung des Reichsgesetzes vom 1. Juni 1870 über den Erwerb und Verlust her Reichs- und Staatsangehörigkeit zugehen Diese Gesetzesnovelle will in erster Linie den ausgewanderten Personen und ihren Kindern die Möglichkeit erleichtern, ihre deutsche Staatsangehörigkeit beizubehalten; sie will außerdem Vorsorge treffen, daß die Deutschen, die ihre deutsche Staatsangehörigkeit verloren haben, diese in möglichst einfacher Weise wiedererlangen können.
Der Entwurf wird allseitig mit freudiger Zustimmung begrüßt werden, nicht bloß im Reich selbst, sondern auch draußen von den versprengten Kindern der Heimat, die in der Fremde nicht aufhören möchten, ans Vaterland, ans teure, sich anzuschließen und es mit ihrem ganzen Herzen festzuhalten.
Der Kaiser und der Zar.
(E i n I n t e r v i e w.)
Uns ar Berliner ^S-Mitarbeiter hat anläßlich des Gerüchts von einer beabsichtigten Begegnung Kaiser Wilhelms mit dem Zaren Nikolaus einen deutschen Staatsmann befragt und folgenden Bescheid erhalten:
Das Gerücht von einer Zusammenkunft der beiden benachbarten und befreundeten Monarchen ist in der Tat vorhanden. Ob das Gerücht einer Absicht des Zaten entspricht, kann vor hier aus nicht beurteilt werden. Es ist unmöglich von hieraus zu sagen, dem Gerücht fehlt jede Unterlage, denn wir können nicht wissen, ob Zar Nikolaus die Begegnung wünscht. Eine feste Verabredung, von der hier etwas bekannt geworden wäre, besteht jedenfalls nicht. Daß Zar Nikolaus zu seiner Erholung eine Seereise schon lange Plant, ist bekannt; ebenso daß die gegenwärtigen Verhältnisse die Ausführung des Planes erschweren und unter allen Umständen bisher verzögert haben. Doch die Gesundheitsrücksichten können dringender, das Erholungsbedürfnis kann stärker geworden sein, so daß in naher Zeit ausführbar wird, was bisher untunlich erschien. Die Erfahrungen mit „Potemckin" und „Peobedossez" im Schwarzen Meer, gewisse Vorkommnisse in Kronstadt und anderwärts mahnen zur größten Vorsicht, obwohl^ man sicher sein darf, daß die Besatzung des kaiserlichen Schiffes „Polarstern" aus ausgesuchter und zuverlässiger Mannschaft besteht. Entschließt sich Zar Nikolaus jetzt zu einer Sommerreise, so ist ein Zusammentreffen mit Kaiser Wilhelm beinahe von selbst gegeben. Das Gegenteil würde auffallen und müßte zu seltsamen Kommentaren führen. Wenn die beiden Monarchen gleichzeitig in derselben See sich aufhalten, so können sie nicht aneinander vorbei- fahren, ohne daß man sagen würde, fi? gingen einander aus dem Wege, sie wollten sich nicht treffen. An eine solche Demonstration ist natürlich nicht zu denken. Damit ist aber auch schon gesagt, daß die etwaige Begegnung, die als eine gesellschaftliche Notwendigkeit sich darstellt, ei 112 politische Bedeutung von vornherein nicht haben würde; was nicht ansschließt, daß eine politische Bedeutung sich nachträglich unb gleichsam zufallsweise entwickelt. Einstweilen ist die Seereise des Zaren noch sehr im Ungewissen, darf man sie sogar als unwahrscheinlich ansehen.
Der Krieg in Ostasien.
Die Beunruhigung der sibirischen Küste durch japanische Kriegsschiffe bedeutet eine unmittelbare Drohung für Wladiwostok. In Japan nimmt man an, daß eine Landung in der Amerikabucht geplant sei. Der Weg von hier bis Wladiwostok ist etwa 100 Kilometer lang. Die japanische Flotte könnte die auf dem Lande operierenden Truppen wesentlich unterstützen, so daß der Vormarsch keinen großen Störungen unterliegen würde, zumal die Hauptmacht des russischen Heeres am Tumenfluß steht. Die
enge Umklammerung von Wladiwostok
von Westen und Osten steht deshalb mit großer Sicherheit Irebor. Die Festungsbesatzung würde dabei einer großen Ucbermad)t gegenüberstehen, der sie kaum lange standhalten könnte, da der Proviant nur ziemlich mäßig ist und eine Zu- s.ihr durch die japanischen Kreuzer unmöglich gemacht ist. Vom Tumen aus ist der Weg nach Wladiwostok noch 200 -Kilometer. Die japanischen Heersäulen würden, falls das erwartete Treffen am Tuncen für den russischen Kommandierenden Linewitsch unqlücslich ausfällt, sich mit voller Wucht auf die Festung ivvrfen. Anscheinend arbeiten die Japaner nach einem genauen Plan und beabsichtigen, gleichzeitig einen großen Schlag gegen die Festung sowohl^wie gegen die russische Feldarmee. Auch auf russischer Seite herrscht große Rührigkeit.
China läßt sich nicht beiseite schieben.
Die amerikanische Regierung erhielt eine kurze, übri- gens nach ihrer Fassung keine Antwort erheischende Note, welche erklärt, China werde sich durch kernen Fr i ed e n sver tra g gebunden halten, der um
GK
^âL'khu^ Asragun-i ,einer Regierung mit ber reü^ ,n> ^p^^ i2^ laparuichen Delegierten sind be- rcit^ von Seattle unterwegs und werden am Dienstag in Newyork erwartet. Sie Ankunft des russischeckn Ministes Stifte erfolgt wahrscheinlich Mitte nächster Woche erst
®* «chobcncs russisches Schlachtschiff.
Im Hafen von Port Arthur sank während der Belage- rung das Linienschifk „Poltawa". Den Bemühungen der Ja- paner ist e* gelungen, den Koloß zu heben und flott zu machen Das Schiss ioll repariert und der japanischen ^lolte dann unter einem anderen Namen einverleibt werden.
politische Rundschau.
Deutsches Reich»
r„lh.^ ,?o^^berische Maßnahmen über die Sonntags- rnhe sind vom Reichsamt des Innern nicht in Aussicht gc- S ß"; ^â-A- beabsichtigt man an der Hand der vmi vom WnnS^s^ geäußerten Wünschen, die â^ia? Ä a°^ seinerzeit für die verschiedensten Industrie- in^^r» ^^."^' Sonntagsruhe-Ausnahmevorschriften den nmaÄn ""setretenen technischen Aenderungen gemäß umzugeslaltcn. Es handelt sich also uni Aufhebungen oder Verkürzungen der früher verschiedenen Gewerben noch zu-
Der Reichstag wird die um* gestalteten Vorschriften nur zur Kenntnis nehmen.
- $ö^.n9 des nächsten Weltpostkongrcsses soll 1906
m Rom stattfinden. Von mehreren Staaten wird vorge- schlagen werden, die Gewichtsstufe für den einfachen Brief nn internationalen Verkehr von 15 auf 20 Gramm zu cr= hohen und sämtliche Zuschlagtaxen zu beseitigen. Die Er- fahbetrage für Einschreibsendungen sollen herabgesetzt werden Ferner wird von verschiedenen Seiten angeregt, Kartenbriefe mit bezahlter Antwort und internationale Ant- Wortbriefmarken zuzulassen, sowie die Bestimmung in den Weltpostvertrag aufzunehmen, daß die Aufschrift „Carte Postale-" auf Postkarten nicht mehr obligatorisch sein soll. Die Ansichtspostkarten sollen hinsichtlich der schriftlichen Mitteilungen den Visitenkarten gleichgestellt und gegen Drucksachenparto befördert werden.
* Die Schulangelcgenheit in Trakehnen wird neuerdings nochmals in die Erinnerung zurückgerufen. Die Aufsicht über die Gestütschulen auf dem Hauptgestüt Trakehnen ist von dem Preußiscken Lnndwirtschaftsminister auf den Unterrichtsminister übergegangen.
* Die Eisenbahnbeamten Bayerns, Badens und Württem- o'rgs haben sich zu einem Gesamtverband national-gesinnter Eisenbahner Süddeutschlands zusammengeschlossen. Der Ge- Icmtberbanb läßt den einzelnen Landes-Verbänden vollstän^ big? Selbständigkeit und hat den Zweck, solche geistigen und materiellen Interessen zu fördern und zu Pflegen, die allen ihm angehörenden Verbänden gemeinsam sind. Der Sitz des Gesamtverbandes ist Stuttgart.
* Die seit langer Zeit besprochene Reform im preußischen Apothekenwescu rückt neuerdings in greifbare Nähe. Es soll folgender Plan im Ministerium ausgearbeitet worden sein: „Die neuen Konzessionen werden in Zukunft nicht mehr verschenkt, sondern werden den Empfängern nur gegen eine jährliche Abgabe vom Reinerträge erteilt. Die neuen. Konzessionen werden nicht auf Lebenszeit, sondern nur auf eine bestimmte Anzahl Jahre erteilt, so daß eine Art von Pachtverhältnis entstünde, das bis zu feinem Ablauf auch von den Hinterbliebenen fortgesetzt werden könnte. Der Ertrag der Abgaben wird an einen Fonds abgeführt, aus dem veräußerliche Konzessionen anzukaufen wären, die dann in unverkäufliche Personalkonzessionen umgewandelt wurden. Den von 1846 bis 1894 verliehenen Konzessionen wird das endgültige Reckn der Verkäuslichkeit zuerkannt wenn sie ebenfalls eine, allerdings geringere Abgabe an den Fondv zahlen, und zwar vom nächsten Besitzwechsel ab, unb steh ber lleberwachung der Verkaufsbedingungen seitens der Behörde unterweisen."
♦ ^m Wahlkreise Oberbarnim wurde der bisherige Abge- ordnctk Professor Pauli, dessen Mandat vom Re^chst^e _ tei Stig erriärt war, in der Stichwahl gegen den Sonate bemosrateH Bruns wiedergewählt. *
frankreich» .
** In der neuesten Spionage-Angelegenhett sind wrchttge Aufklärungen erzielt worde.r Der °°rh°ft°te ^Sâ B-sl« hat ein vollständiges Ge''°â^ ^ ^eS' Dige wäre danach der fluchtige Doldat 4WI1W • /-^ef. stiiefe, welche die Mobilisierung des 15. worden en seien für 400 000 Francs an N°l-en v^kauft woroen.
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