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INferttO«Spre1S i Die einspaltige Petitzeile für ganz Ober- Hessen, die Kreise Wchlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg. Reklamen die Petitzelle 30 resp. 40 Pfg.

Redaktion u. Hauptexpoditionr Gießen, Seltersweg 83.

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Meuelle Nachrichien

(chießener Gagevratt) Nnaöhängige Tageszeitung (siegeltet Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalameiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheflen.

Bekanntmachung.

In der Versammlung Montag, den 27. d. Mts. nachmittags 31/* Uhr im Cafè Ebel dahier, wird der Assistent des Landwirtschaftsrats Herr Dr. H a m a n n aus Darmstadt die Besichtigung der ausgestellten Saat­gut proben durch ein Referat über:Förderung des Saat­gutbezugs und Verkaufs durch die Saatbaustelleneincicht- unz des Landwirtschaftsrats" einleiten.

Gießen, den 23. Februar 1905.

Der Vorstand deS landw. Bezirksvereins Gietzen.

Dr. Breidert.

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Dr. juris Kaiser Milbetm.

Die Universität Pennsylvaniens in Philadelphia hat nn- läßlich der Washingtonfeier dem Kaiser Wilhelm den Titel ; eines Doktors der Rechte Ehren halber verliehen. Die uäm- : liche Auszeichnung wurde zugleich dem Präsidenten Roose­velt zuteil.

Es ist schon häufig vorgekommen, daß Universitäten in dieser Form ihre Huldigung heimischen und fremben Staats - j männern und Generalen darbrachten, in dieser Form ihrer Anerkennung für Verdienste Ausdruck gaben, die nicht ge- r»be auf wissenschaftlichem Gebiet liegen mußten. DerMar­ichall Vorwärts", Fürst Blücher, ist Ehrendoktor der Uni­versität Oxford gewesen, und selbst Schmeichler haben ihm me nachsagen wollen, daß er zur Welt der Gelehrsamkeit mich nur oberflächliche freundliche Beziehungen gehabt habe.

Die Promovierung von Staatsoberhäuptern zu Ehren- i< doktoren aber ist neu. Noch kein Monarch und noch kein Nepublikpräsident ist zu dieser Würde gelangt. In Deutsch- land find die Fürsten die besonderen Schutzherren der Uni­versitäten, nennen sich sogar Rektoren einzelner Hochschulen, so daß diese nur Prorektoren wählen. Die Lehrkörperschaft bet Universität Berlin im Verein mit der Akademie bet Wissenschaften heißt die geistige Leibgarde der Hohenzollern. Daß ein ähnliches Verhältnis der Gelehrten-Hochschulen . im Amerika zu den schnell wechselnden Präsidenten der Ver­einigten Staaten bestünde, hat man bisher nicht wahrgenom- ncen. Es wäre so unerfreulich nicht, wenn gerade in dieser Beziehung Amerika sich dem europäischen, speziell bem deut­schen Muster anbequemte, wenn in dem Land, das Vorzugs- weise als das Land der praktischen Menschen, des absoluten Geschäftsmännertums gilt, sich engere Beziehungen heraus­bildeten zwischen bem obersten Vertreter der praktischen Po­litik und den obersten Vertretern der gelehrten Bildung. Beide Teile könnten dadurch nur gewinnen.

Jedenfalls ist es eine mit Freuden zu begrüßende Tat­sache, daß die Universität Philadelphia die erste Gelegen­heit ergriffen hat, namens der amerikanischen Universitäten der Zustimmung zu dem Vorschlag Kaiser Wilhelms feier­lichsten Ausdruck zu geben, Amerika und Deutschland mödp ten zeitweilig ihre Professoren austauschen, möchten einander ihre Gelehrten zuschicken, so daß die Amerikaner in Deutsch- . land, die Deutschen in Amerika Vorträge hielten. Die Er­nennung des Deutschen Kaisers zum Ehrendoktor einer amerikanischen Universität ist der Dank für jenen Vorschlag, ^ eine ehrende Anerkennung der amerikanischen Gelehrten­welt in sich schloß. Für diese Anerkennung hat man jenseits p^anè eine feine Empfindung gehabt, gerade weil sie don ,o hoher, mit den Strömungen der deutschen Gelehrten- wed traditionell vertrauter Stelle kam.

Ich brauche Amerikaner", soll Kaiser Wilhelm einmal gesagt haben. Selbstverständlich wollte Kaiser Wilhelm da- ; mit nicht ausdrücken, daß er deutsches Wesen geringer achte. . Er wollte damit vielmehr zu erkennen geben, welche Er­gänzung deutschem Wesen zu wünschen sei, damit es sich noch weiter vervollkommne und seine Eigenart zur höchsten Ent- I Wickelung bringe.

Der Deutsche Kaiser, hieß es einst, als es einen Deutschen Kaiser nur erst im Wunsch des deutschen Volkes gab, müsse mit einem Tropfen demokratischen Oels" gesalbt sein. I Kaiser Wilhelm II., der ein durchausmoderner Mcmarch", ganz und gar einmoderner Mensch" ist, hat diese Forde­rung erfüllt und hat erkannt, daß den Deutschen ein Tropfen amerikanischen Blutes gut sein würde. Deutsche Theorie und amerikanische Praxis geben eine gute Mischung. Aus dem Volk derDichter und Denker" solle ein tatkräftiges nicht bloß, sondern auch ein tatfrohes Volk werden, gründ­lich in der Gelehrsamkeit und in der Schulung, zweckbewußt j und gewissenhaft in der Betätigung des Erlernten.

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Die Amerikaner haben diese Bedeutung des kaiserlichen Wortes verstanden. Sie pflichten dem Kaiser vom ameri- ' Manischen Standpunkt aus bei und wünschen eine Ergänzung des amerikanischen Wesens durch eine Beimischung deutschen Wesens. In diesem Sinne haben sie den Deutschen Kaiser MM Ehrendoktor der Rechte gemacht. Das Anerbieten der Ehrung und die Art der Annahme sprechen gleichmäßig ba= njr, daß man es hüben und drüben nicht bei dem bloßen Wunsch lassen wird.

Freitag, den 24. Februar 1905

Der Krieg in Ostafien.

Ueber die Friedensverhandlungen ist man rasch zur Tagesordnung übergegangen. Man nimmt wohl nicht mit Unrecht an, daß sie auf Börsennranöver zurückzuführen sind. Auf dem Kriegsschauplatz fahren die Russen, deren Haupt- niacht noch auf dem rechten Ufer des Schaho steht, fort, starke Verteidigungswerke an dem Flusse aufzuführen

General Kuropatkin

ist häufig unterwegs zwischen Kozanshi im Mittelpunkt bet Angriffslinie und Hankasai. Es heißt, daß er an einem Augenübel leide, welches durch die strenge Kälte hervor­gerufen wurde. Er soll die Sehkraft auf einem Auge vor­übergehend eingebüßt haben.

Wie weiter aus Tokio gemeldet wird, sind jetzt schon 5 kleine Schiffe im Hafen von Port Arthur wieder flott ge­macht worden. Die in Wladiwostok liegende Flotte fuhr kürzlich aus dem Hafen heraus, kehrte jedoch, als sie des Blokadegeschwaders ansichtig wurde, in Eile zurück. Japan hofft, eine neue Flotte von Torpedobootszerstörern inner­halb eines Jahres fertig zu stellen. Jedes dieser Schiffe soll 380 Tonnen groß sein, eine Geschwindigkeit von 29 Knoten und die gebräuchliche Bestückung haben. Zehn neuerdings gebaute Torpedoboote werden jetzt in Dienst gestellt.

Die Huller Affäre

ist ihrem Abschluß nahe. Die Kommission hat sich dahin schlüssig gemacht, daß Roschdjestwensky sich gefährdet glau­ben konnte. Nur soll ihm ein Tadel ausgesprochen werden, daß er zehn Minuten lang auf die Fischerboote feuerte und abfuhr, ohne Hilfe zu leisten. Die englischen Blätter sind sehr ungehalten über diese Wendung und erklären sie für ein diplomatische Demütigung Englands.

Sonst wird noch gern el bet, daß General Stössel sich von seinen Offizieren durch ein Festmahl an Bord des St. Nikolaus" herzlich verabschiedet hat. Besonderen Dank zollten die Offiziere Frau Stösest, die sie in einem Toast alsihr Täubchen, ihr Mütterchen Wera Alexejewna" leben ließen. In Petersburg wird Stössel nicht offiziell empfan­gen. Es findet nur eine Festsitzung im Kasino der Armee und der Flotte statt.

Der innere und der äussere feind.

Petersburg, 23. Februar.

Die Friedensglocken, die man gestern ertönen ließ, haben leider nicht hier und nicht in Tokio gehangen. Sie wurden oon denen geläutet, die Mr Herstellung des Friedens nicht berufen sind, auch nichts dazu beitragen können. Daß für Rußland das Aufhören des Krieges ein Bedürfnis ist, läßt sich kaum in Abrede stellen. Doch der nationale Ehrbegriff läßt nicht zu, daß man unbezwurrgen einen ungünstigen Frieden schließt. Bezwungen aber ist Rußland nicht, und zu anderen als für Rußland ungünstigen Bedingungen würde jetzt Japan nicht auf einen Frieden eingehen. Es ist begreif­lich, daß gerade ein Alleinherrscher, der nicht in der Lage ist, einen Teil der Verantwortung von sich abzuwälzen denn damit würde er das autokratische Regiment selbst ver­dammen auf das Prestige des Landes Rücksicht zu nehmen hat. Und niemand wird in Abrede stellen, daß Rußlands Prestige auf lange Jahre verloren wäre, müßte es sich für besiegt erklären von einem Lande, das Dor kurzem noch nicht den Ehrgeiz haben durfte, sich zu den Großmächten zu rech­nen. Das Wort, Rußlmrd sei ein Riese mit tönernen Füßen, würde neue und kaum zu bestreitende Geltung gewinnen.

Freilich: die FinanzfragL! Man ist vielfach der Meinung, Rußland könne die Fortdauer des Krieges finanziell nicht cmslmlten, weil sein Kredit im Ausland erschöpft sei. Ob wirklich Rußland nicht im Stand sein würde, neue Anleihen im Ausland aufzunehmen, mag unerörtert bleiben.. Es sei sogar die naheliegende Vermutung unterdriickt, ob nicht iwch eher Japan an das Ende seiner finanziellen Kräfte kommen möchte. Nur barauf sei hingewiesen, was man im Ausland so leicht übersieht: daß Rußland für innere Anleihen noch ein sehr großes und jungfräuliches Feld hat, das andere Staa­ten schon längst angreisen und erschöpfen nmßten: Die ortho­doxen Kirchen und Klöster haben unermeßliche Reichtiimer aufgehäuft, die nach vielen Milliarden zählen. Diese Reich­tümer sind zumeist gut und sparsam verwaltet, und im äußersten Notfall werden sie sich demallergottesfürch- tigften Zaren" nicht versagen. Von Gelvalt braucht dabei nicht die Rede zu sein, nicht einmal von sanftem Zwang.

Einstweilen aber hat Rußland größere Sorgen, als um den Krieg im fernen Osten und um seine Kosten. Ueberall kracht das Land in seinen Fugen. Daß im Westen teilweise der Eisenbahnverkehr aufgehört hat, ist das Schlimmste noch nicht. Zugeständnisse der Forderungen kann die Angestellten bald wieder zum Dienst zurückführen. Bedenklicher ist schon, daß die Regierimg in sehr vielen und gerade in den dicht bevölkerten Bezirken nicht wagen darf, neue Aushebungen vorzunehmen. Vielfach hat man sich sogar gezwungen gesehen, die bereits erlassenen Aushebungsbefehle zu miberrufen. Allmählich jedoch und darin liegt die größte Gefahr löst sich der Staatszusammenhang selbst auf, greift Anarchie im eigentlichen Wortsinn Platz Den blutigen Schlägereien

Jahrgang

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Zwischen Armeniern und Persern im Baku ist zwar schnell die Versöhnung gefolgt; doch nichts bürgt dafür, daß der Zwist sich nicht erneuert, und die Völkerschaften, deren Zuge­hörigkeit zu Rußland in ihrem eigenen Gefühl sehr loie ist, zur unvergessenen Unabhängigkeit zurückkehren. Gegenwärtig ist keine Macht vorhanden, die sie hindern könnte.

Es ist ganz klug von den leitenden Männern, . daß sie ihren ganzen Einfluß rücksichtslos aufwenden, um die Fabri­kanten zu bestimmen, sie möchten ihren Arbeitern weit ent­gegenkommen. Diese tun es nach Kräften und erreichen da­mit auch vielfach die Wiederaufnahme der Arbeit. Das ist beispielsweise in Lodz und in Sosnowize geschehen. Doch die Ausstände sind ein fressendes Feuer, das manchmal ganz plötzlich und unerwartet weitergreift. Der Verkehr Warschau Thorn ist heute unterbrochen, der Verkehr auf den Weichsel­bahnen wird vielleicht schon morgen eingestellt sein, der von Moskau nach Kiew hat stark eingeschränkt werden müssen. Noch ist es ein bloßes Gerücht, aber die Bestätigung ist immerhin möglich, daß die aufständischen Tartaren in Ba­kum, die nur zum Teil Perser sind, zum Teil dem Stamm angehören, der dem Zaren die Leibwache liefert, daß die Kaukasier in Batum, Kuteris, Putinina provisorische Regie­rung eingesetzt haben. Einen drolligen Beigeschmack hat es, daß die hiesige Polizei selbst mit Streik droht, wenn ihre Bezüge nicht erhöht werden. Richtig ist, daß die Anforder­ungen an die Polizeimannschaften in letzter Zeit wesentliche Steigerung erfahren haben.

Oie Politik.

-# Der Dank des Kaisers an bie Staatsmänner, bte in vorderster Reihe bei dem Abschluß der Handels­verträge mitgewirkt haben, ist erfolgt. Reichskanzler Graf Bülow hat die Marmorbüste des Kaisers, Staatssetre- tär Graf Posadowsky den Schwarzen Adler-Orden, Land- Wirtschaftsminister v. Podbielski das Großfteuz des Roter Adler-Ordens erhalten, Staatssekretär Frhr. v. Richthofeu ist zum Mitglied des prerißischen Staatsrninisteriums er- nannt worden. Man hatte Wohl ermattet, daß Graf Bülow den Fürstentttel erhalten würde. Auch hatte der Kaiser ihm diesen schon früher zugedacht. Graf Bülow aber hatte ihn ablehnen zu müssen geglaubt, weil seine Vermögens­verhältnisse fürstlichem Rang nicht entsprechen.

vT Nachdem der Rercysrag die Handelsverträge sämt­lich verabschiedet hat, wird er nicht umhin sönnen^ sich in Bälde mit der Frage her Flottenverstärkung zu beschäftigen. Es steht zu hoffen, daß er dabei dieselbe rühmliche Wort­kargheit bewähren wird, durch die er sich bei der Beratuno der Handelsverträge ausgezeichnet hat. Die Flottenver­stärkung zwingt sich auf, einfach, weil alle anderen Staaten ihre Flotten auch vergrößern. Präsident Roosevelt hat eben verkündet, Amerika müsse sich eine unangreifbar starke Ma- rine zulegen, die dann um so sicherer den Frieden wahren werde; Englands Flottenpläne sind bekannt; Frankreich gibt im Jahre 1905 allein 121 Millionen für Kriegsschiffe aus. Unter solchen Umständen darf und kann Deutschland gar nicht zurückbleiben.

== Im nördlichen Teil des deutsch-südwestafri- konischen Schutzgebiets sind die Owambostämme durch unsere Schutztruppsr noch zu unterwerfen. Oberleutnant Winkler schätzt nach Missionarberichterl die Stärke der Ovambostämme auf deutschem Boden auf 51 000 Seelen, mit 9000 waffenfähigen Männern, auf deutschem und portu­giesischen! Boden auf 45 000 Seelen mit 10 000 waffen­fähigen Männern, und auf portugiesischem Boden auf 35 000 Seelen mit 10 000 rvasfenfähigen Tannern.

Russland.

£ Der Mörder Johnssons, des Senatsprokirreurs von Finnland, hat seine etwaigen Mitschuldigen nicht ange­geben. In Ermangelung Mitschuldiger hat die Polizei auf Befehl des Gouverneurs von Finnland den Vater, die Schwe­ster und einige andere Verwandte des Mörders festnehmen lassen.

Oefterrcicb-Ungam,

? Die Kombination eines Uebergangsministeriums Daranyi hat sich als untunlich erwiesen. Die Koffuthfraktion hat sich auf ihr Programm besonnen, das als Regierungs- vrogramnr unmöglich, das ein bloßes Revolutionsprogranim ist. Sie will kein Kabinett dulden, das die österreichisch­ungarische Zollgemeinschaft bis 1917 festhält und Handels­verträge bis 1917 abschließt und das nicht einenationale" Militärreform, d. h. eine Auflösung der gemeinsamen öster­reichisch-ungarischen Armee verheißt. Es ist nicht umnoglich, baß die liberalen Ueberläufer die Kossuthpartei wieder ver» lassen iinb zu der Fahne zuriickkehren, unter der sie so lange

^: Die mazedonischen Wirren sollen jetzt dadurch beseitigt werden, daß Mazedonien einen von der Pforte zu er* nennenden Generalgouverneur erhalten soll. So will es England, dessen Staatssekretär des Auswärtigen Lord V downe die Einsetzung einer europäischen Kommission zur Aus­arbeitung eines dahin zielenden Planes beantragt hat. Die