9?r 302. Zweites Blatt.
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Wedaktton u. Hauptexpedition: Gießen, Selter-weg 88. »emfDte*Ä*f*üi|f Nr. S8S.
Samstag, den 23. Dezember 1905 14. Jahrgang
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(Gießener GngeStalt) Hlnaöyängig« Tageszettung (Gießener Deiinng)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, d-s Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden »on OberheS«. ■l*BIMMI,"a,wnawMBMa*MMMMM———— —^— — ^— wm——-_»^—— ___
Marum wird der Bankdiskont erhöbt ?
Das Anziehen der Geldsätze in letzter Zeit hat mc()t allein bei der Großindustrie, sondern auch in kleingewerblichen Kreisen seine Wirkungen ausgeübt. Man fragt sich vielfach mit einem gewissen unbehaglichen Gefühl, warum denn eigentlich das Geld so knapp, der Zinsfuß so hoch geworden ist. Unter diesen Umständen sind gewiß die Ausführungen eines Finanzmannes, die der „Deutschen Reform-Korrespondenz" zugehen, nicht ohne Interesse. Er schreibt:
„Die Deutsche Reichsbank hat vor wenigen Wochen den Diskontosatz für Wechsel auf 5% für Lombarddarlehen auf 6Vj erhöht, in voriger Woche eine weitere Steigerung auf 6 beziehungsweise 7 Prozent e ntreten lassen. Das Geld ist also teurer geworden, der Geschäftsmann muß für den Kredit, den er in Anspruch nimmt, höhere Zinsen zahlen. Man sagt in solchen Fällen: das Geld ist knapper geworden. Das soll die Erklärung für die Erscheinung sein, die an und für sich nichts Beunruhigendes und Bedenkliches hat und in der Regel nur eine Steigerung der Geschäftswesens wie eine andere auch bedeutet. Der Laie begnügt sich mit der Erklärung, die ihm doch eigentlich nichts sagt und ihn ebenso im Ungewissen läßt wie zuvor. Denn in seinem Herzen fragt er doch weiter: wieso wird das Geld knapper? Es ist nicht weniger geworden und vergraben oder in Strümpfen geborgen oder sonstwo versteckt wird es auch nicht. Sogar der Laie weiß, daß in jetzigen Zeiten eine übermäßige JnanspruchnahmedesGeldmarkts durch Gründungen, industrielle Neuschöpfungen und ähnliches nicht vorliegt. Das Ueberwiegen der Geldnachfrage über den Geldvorrat oder das Geldangebot muß somit andere Ursache haben. Das ist auch wirklich der Fall. Geldknappheit und Diskonterhöhung sind Zwillingsgeschwister. Wo Geldknappheit vorhanden ist, da steigt der Zinsfuß, denn das Geld will immer so viel Zinsen haben, als es befotumen kann, — und hohe Zinsen kann es nur bekommen, wenn um einen begrenzten Geldvorrat viele Bewerber vorhanden sind. Die Neichsbank freilich treibt „Diskontopolitik"; sie hat nicht den höheren Gewinn im Auge, sondern will durch höheren Preis von einer übertreibenden Inanspruchnahme des Geldmarkts abschrecken, damit nicht das für b’f Zirkulation unentbehrliche Geld fehle. Unsere Frage beantwortet sich also eigentlich durch die andere Frage: woher kommt die Geldknappheit?
Am 1. März 1906 tritt auf Grund der mit sieben europäischen Staaten vom Reich abgeschlossenen Handelsverträge und anderer Meistbegünstigungsverträge der erhöhte Zolltarif in Kraft. Selbstverständlich ist feder importierende .Kaufmann daraus bedacht, noch vor dem 1. März
kommenden Jahres soviel Ware, als er bezahlen und bergen kann und abzusetzen hoffen darf, zu den niedrigeren Zöllen hereinzubringen. Er spannt seinen Kredit an und nimmt Geld aus, nötigenfalls unter Verpfändung der über das gewöhnliche Maß seines Geschäftsbetriebes hinaus angeschafften Waren. Die Zolldifferenz, die er erspart, bringt ihm die Zinsen schon reichlich wieder. Hierbei kommen hunderte von Millionen in Betracht. Darum steigen die Zolleinnahmen des Reiches immer vor einer Zollerhöhung, während unmittelbar nach einer Zollerhöhung die Einfuhr stark zurückgeht. Der Markt ist eben gefüllt, die Lager sind alle auf möglichst lange Zeit versehen.
Am 1. MüV^ 1906 tritt u. a. der erhöhte Getreidezoll in Kraft. Der Getreideimporteur will natürlich möglichst viel Getreide noch zu dem niedrigen Zollsatz ins Land bringen, wie es jeher Importeur mit seiner Ware tut. Der deutsche Landwirt wiederum hat den sehr legitimen Wunsch, den Ertrag der jüngsten Ernte erst zu dem gesteigerten Preise zu verkaufen, den er von dem erhöhten Zoll erhofft. Er hält also mit seiner Ware zurück, d. h. er verkauft nicht mehr, als er unbedingt verkaufen muß. Braucht er Geld, so lombardiert er sein Getreide, d. h. er borgt sich Geld darauf und bezahlt gern Lombard - Zinsen, um dem ihm günstigeren Marktpreis abzuwarten. So findet hier eine doppelte Inanspruchnahme des Geldmarktes statt: von Seiten des Händlers, der seinen Kredit aufbietet, um möglichst viel Getreide vor der Zollerhöhung aus dem Ausland hereinzuholen — und von Seiten des Produzenten, der sein Getreide nicht verkauft, es aber beliehen haben will. Auch hierbei kommen sehr viele Millionen in Betracht.
Man weiß, daß die russischen Staatspapiere durch den ostasiatischen Krieg und mehr noch nachher durch die revolutionären Wirren starke Kursrückgänge erfahren haben. Es ist begreiflich, daß einerseits viele geängstigte Besitzer ihre russischen Werte hastig abstießen. Ebenso begreiflich ist, daß andererseits die russische Regierung ihre Geschäftsfreunde beauftragte, das drängende Angebot schnell aufzunehmen, um einen rapiden Kurssturz und damit einen förmlichen „Ruin", einen Ansturm auf den russischen Kredit zu verhüten. Das hat sich auf viele hundert Millionen belaufen. Freilich ist das Geld nun aus einer Hand in die andere gegangen. Aber ein großer Teil ist hierbei wirkich verschwunden, d. h. es ist untätig liegen geblieben.
Das sind nicht alle, aber einige sehr wesentliche Gründe der Geldknappheit und damit der wiederholten Diskonterhöhung. Vielleicht hätte die Reichsbant auch mit einem etwas niedrinereu Satz auskommen können. Wahrscheinlich
jedoch lag. c5 in dem Plane ihrer Diskontpolitik, mäßigend auf die Geldanforderungen einzuwirken, damit auch m der an sich durchaus einwandfreien und legitimen Ausnützung des Zolltarif-Wechsels die Stapelung von Waren aus dem Ausland nicht übertrieben werde.
Hua dem Gerichts faat
§ Das Attentat gegen den Sultan. In dem Prozesse gegen die mutmaßlichen Urheber des vereitelten Attentats auf den Sultan wurden der Hauptangeklagte Ioris, drei an' ive^nde Armenier, unter ihnen der frühere Portier des öfter* reichlichen voiptt^ die anwesende Frau Joris, Frau Rips, Fraulein Fern Jonne drei andere Armenier zum Tode ver- luteilt. Dreizehn Armenier, von denen die meisten abwesend Karen wurden zu lebenMänfllitSem Kerker und drei an- wesende Armenier zu 15jährigem Kerker verurteilt. Drei Griechen wurden als n» 1 antwortlich erklärt und drei »nwe ei, de Armenier fteig^r^en. Die Todesurteile werden wahrscheinlich nicht volls^eckt werden.
M. .5^â>>na!s der Liehfusprozeß. Ein belgisches Blatt will aus gut unterrichteter Quelle erfahren haben, daß lie Revision im Drcyfußprozcß abgeschlossen ist und die lweite Verhandluna im Januar 1906 statlsinden werde
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