Nr. 301
Freitag, den 22 Dezember 1905
14. Jahrgang
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MMertismsPr eiS1 Die einspaltige Petit-elle für ganz Dfrer- Me», die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 16 Pfg. Reklamen die Petit-elle 30 resp. 40 Pfg.
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SerNspeech««schl»ß Nr. Söä.
(Gießener Tagevlatt)
Mnaöyängige Tageszeitung
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(Gießener Ieitnng)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalauzeiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, d-s Großh. Pvlizeiamtes Gießen und anderer Behörden von OberheSe».
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endlose Kämpfe.
Von Moskau ausgehend, breitet sich der Generalstreik «us. Alle Berufszweige werden von der Bewegung ergriffen, und die Ausständischen sind überall bewaffnet. Darin liegt das Schwergewicht, denn der Ausstand bedeutet die offene Gewalt. Ein Faktor fehlt freilich in der Rechnung der Revolutionäre. Noch hält Petersburg mit dem Anschlusse zurück, und die Regierung läßt es an Widerstand nicht fehlen.
Schwere Kämpfe sind aller Orten im Gange oder bereiten sich vor.
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Moskau ohne Licht.
Das ganze wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in Moskau ist ins Stocken geraten. Moskau aber, das darf man niemals vergessen, ist der eigentliche Mittelpunkt des russischen Lebens, und was dort geschieht, gibt den Ton an. Ueber die Zustände in Moskau wird von dort gemeldet:
Aller Betrieb in der ganzen Stadt ruht. Alle Läden , werden geschlossen. Was noch arbeiten wollte, wird dadurch gehindert, daß die elektrischen Stationen nicht funktionieren. Theater, Klubs, Bureaus mußten deshalb ; schließen.
In dem allgemeinen Dunkel betreiben die Revolutionäre ! ihr Werk: In die Druckerei von Sitin brachen die Buchdrucker ein, nahmen den Besitzer und die Redakteure des Blattes ,,Slowo" fest und druckten ein Manifest, das zur bewaffneten Revolution auffordert. Die Regierung hat die Führer der Arbeiter sofort verhaften lassen und über die Stadt Moskau 5 den Kriegszustand verhängt.
Die Eroberung Tukkums.
Auch in den Ostseeprovinzen geht die Regierung vor, um zu retten, was noch zu retten ist. Viel freilich ist es nicht, da die meisten Edelhöfe in Flammen stehen oder Ruinen und die Besitzer tot oder geflohen sind. Auch die Wälder sind vielfach in Brand gesteckt. Um das Städtchen Tukkum, den H-aupsitz der aufständischen Letten, entspann sich ein richtiger Festungskampf. Aus Petersburg wird darüber gemeldet:
Nach heißem, zwölfstündigem Kampfe mußte sich Tukkum den russischen Truppen ergeben. Die Stadt war vorzüglich nach allen Regeln der Taktik befestigt. Ringsum waren Verschanzungen und Wolfsgruben angelegt und Maschinengewehre aufgestellt. Sowohl bei den Aufständischen wie bei den Truppen gab es viele Tote und Verwundete. Hunderte von Aufständischen wurden von den erbitterten Dragonern niedergehauen.
Damit ist natürlich nicht viel gewonnen. Denn die Revolution in den Ostseeprovrnzen breitet sich aus, und die Letten verfügen bereits über ein Heer von hunderttausend tvohl bewaffneten Männern. Auch die Deutschen in den Seestädten sind nicht mehr sicher, und es scheint die Entsendung von Kriegsschiffen dorthin notwendig zu werden, um das ! Anschissen der Deutschen auf die zur Rettung entsandten Dampfer zu ermöglichen. Zum Generalgouverneur der Ostseeprovinzen hat die Regierung den Generalleutnant Sollobub
viele angesehene Persönlichkeiten in beiden Ländern sich bemühen, ein besseres Verständnis zwischen den beiden großen Völkern zu Wege zu bringen. — In Berlin gaben der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller und der aus 55 Verbänden bestehende Zentralausschuß kaufmännischer, gewerblicher und industrieller Vereine die Erklärung ab, daß sie sich auf den Boden der Resolution stellen, welche in der von den pleitesten der Kaufmannschaft einberu'enen Versammlung in bezug auf die Förderung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen England und Deutschland gefaßt worden ist. Sie sind gewillt, alle derartigen Bestrebungeu zur Verstärkung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern tatkräftig zu fördern.
* Bei den Diskussionen über die Fleischversorgung der Städte war vom Reichskanzler Fürsten Bülow der Gedanke ausgesprochen worden, die Stadtverwaltungen möchten die Fleischversorgung selber in die Hand nehmen. Das gleiche hat schon früher die Zentrale für Viehverwertung vorgeschlagen. Durch diese Anregungen war eine ziemliche Beunruhigung in den Kreisen des Fleischergewerbes hervorgerufen werden. Jetzt ist dem „Deutschen Fleischerverbande" eine von offiziöser Seite veranlaßte Erklärung zugegangen, in der es heißt, der preußische Minister für Landwirtschaft bedauere aufs tiefste das Mißverständnis, dem die Aeußerungen des Reichskanzlers über die Fleischversorgung d> r Städte bei der Konferenz mit den Oberbürgermeistern in Fleisch rkreisen ausgesetzt gewesen seien. Das Mißverständnis sei das gleiche, wie es dem Vorschläge der Zentrale für Viehverwertung bei den städtischen Schlachthofgemeinden zuteil geworden sei. Wenn in beiden Fällen der städtischen Verwaltung die Anregung gegeben worden ist, sie möchten die Fleischversorgung für ihre Bezirke in die Hand nehmen, so sei die daraus gezogene Folgerung: „die Fleischer sollten an die Wand gedrückt und dem sozialistischen Gedanken geopfert werden" völlig unzutreffend. Die den Städten nahegelegte Vermittelung hat sich natürlich lediglich auf den möglichst billigen und von den Spesen des kostspieligen Zwischenhandels befreiten Bezug von Schlachtvieh und höchstens auf die Ausschaltung einer oder der anderen Vermittlungsstelle erstrecken sollen. Es könnte den Fleischern nur erwünscht sein, den regelmäßigen, möglichst billigen Bezug von Schlachtvieh gesichert und sich dadurch in den Stand gesetzt zu sehen, das Fleisch ihren Kunden so billig zu liefern, wie es nach der jeweiligen Konjunktur eben möglich ist.
Oefterreich-Ungarm
•• Baron Fejervary verzweifelt abermals an der Aufgabe, Ordnung in das wüste magyarische Treiben zu bringen, und hat Kaiser Franz Josef die Demission des gesamten Ministeriums angeboten. Der Kaiser lehnte aber das Entlassungs- gesuch ab und soll Fejervarybestimmt haben, wenigstens bis Ende Februar im Amte zu bleiben. Bis dahin sollen weitere Friedensverhandlungen mit den oppositionellen Parteien geführt werden.
ernannt.
»Hebers
Verbrannte Meuterer.
gleich der Großhäuptling Mputa gefallen ist und die Wangeru sich überall hin zerstreut haben, bleibt die Postierung der 8. und 13. Kompagnie dort noch längere Zeit nötig. Die Marineinfanterie bei Mpapua hat ein Lager in Kiboriani, bezogen.
Hfriha.
In beängstigender Weise macht sich wieder der! Fremdenhatz in Egypten bemerklich. Die Ermordung eines Arabers durch einen Griechen war in Alexandria das Signal! zum Ausbruch. Auf offener Straße griff die fatanisierte Menge die Fremden, namentlich Italiener, an. Auch eine, englische Familie wurde mißhandelt, und ein armenischer Priester erhielt lebensgefährliche Verletzungen am Kopf.
Mit Clio
Die chinesische Regierung bemüht sich, geordnete Zu-, stände in Shanghai zu schaffen und die Wiederkehr weiterer Unruhen zu verhindern. Ein kaiserliches Edikt befiehlt, daß nachdrückliche Maßregeln zur Wiederherstellung der Ordnung in Shanghai ergriffen werden. Ein höherer Beamter begibt sich unverzüglich zur Einleitung einer strengen Untersuchung gegen nachlässige chinesische Beamte dorthin. Zugleich soll er eine Proklamation an die Bevölkerung erlassen, in der diese zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung angehalten wird.
** Die japanischen Streitkräfte treten allmählich in den Friedenszustand ein. Die vereinigte japanische Flotte ist aufgelöst und Admiral Togo zum Chef der Seestreitkr!'"'e ernannt worden. Auch das Hauptquartier in der Mandschurei, ist aufgelöst worden. Marschall Oyama übernimmt wieder die Stellung des Chefs des Generalstabs. — Dem Blatte Koku- min zufolge ist zwischen China und Japan ein Geheimabkommen abgeschlossen worden, das Japan über die Be-^ stimmungen des Hauptvertrages hinaus große Vorteile gewährt. (
Die Selbständigkeit Koreas ist nur noch eine formale, Japan hat die Oberherrschaft unbestritten an sich genommen.! In Soeul, der Hauptstadt Koreas, wird sich Marquis Ito als japanischer Generalresident installieren. Er soll unter dem direkten Befehl des Mikado, nicht unter dem der Regierung stehen. Wahrscheinlich wird er dabei die tatsächliche lliegierungsgewalt ausüben, der Kaiser von Korea wird nur noch ein Schattenbild fein.
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Schrecklich ist es auch im fernen Osten und in Sibirien zugegangen. Ueber Tokio wird davon berichtet:
I Furchtbare Szenen kamen namentlich in Wladiwostok und in Tomsk vor. Die meuternden Soldaten ver-
’ schanzten sich in Kasernen oder anderen festen Gebäuden. Die Kosaken steckten diese in Brand. Hunderte verbrannten, der Rest wurde beim Ausbrechen aus den brennenden Ge- . bäuden niedergeschossen.
So ist das ganze Zarenreich erfüllt von Blut und mörderischen Kämpfen der Angehörigen desselben Landes.
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, rein Wunder, daß aufs neue davon die Rede ist, Graf Witte
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teutsche, *
Amt verlassen.
politische Rundschau
Deutsches Reich«
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* Die Bestrebungen zur Anbahnung freundschaftlicher BerbäUniffe zwischen England und Deutschland finden n beiden Ländern eifrige Fürsprecher. Der deutsche Bot- ta?ter Graf Wolff-Metternich empfing in der deutschen Bot. fast zu London eine Abordnung der British and Foreign railors Society. Die Abordnung überbrachte als Gescheut ür Kaiser Wilhelm eine Büste Nelsons, die aus dem Holze des Schiffes Victory des Admirals gefertigt worden ist. tei hielt Sir Joseph Dimsdale eine Ansprache, in welcher I (t erklärte, es gewähre den Mitgliedern der British and Ereign Sailors Society große Freude, bei diesem Anlasse • Minden zu können, wie sehr sie den Wunsch zu schätzen »^issLN, daß die beiden Wationen enger zusammengeführt bür ben. Es sei weiter Raum vorhanden in der Welt, in dcul die Deutschen und die Engländer ihre Bestimmung er- yilen könnten, ohne Neid und ohne Eifersucht. In dem P merzielten und nationalen Wettbewerb zweier so großer !er müßte und sollte eine Uebereinstimmung in dem hoch- Bestreben bestehen, Frieden und Wohlfahrt in der herzustellen. Graf Wolff-Metternich antwortete, nichts l v>athe ihm größere Freude als die Wahrnehmung, daß so
frankreieb.
** In einer Unterredung äußerte sich der Marineminister Thomson über die Machtmittel der Republik zur See. Der Minister soll u. a. gesagt haben, alle Welt sei darüber einig, daß die französische Flotte gegenwärtig der deutschen überlegen se' und^ daß, solange der Zusatz zum deutschen Flottenprogramm von 1900 nicht bewilligt werde, ein jährlicher Kredit von 120 Millionen genügen wird, um diese Ueberlegenheit aufrechtzuerhallen. Das Marineministerium wird gelegentlich der Beratung des Budgets für 1906 die Ermächtigung verlangen, außer den Torpedobootszerstörern und Unterseeboten sofort mit dem Bau von drei neuen Panzerschiffen zu beginnen. Die neuen Panzerschiffe sollen einen Tonnengehalt von 18 000, eine Geschwindigkeit von 19 Knoten haben und mit 4 Kanonen von einem Kaliber von 30,5 Zentimeter und 12 Kanonen von 24 Zentimeter Kaliber armiert werden. Nach diesem Typ sollen noch andere Panzerschiffe gebaut werden.
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** Das neueMinisterium will alsbald durch Parlaments- ueuwahlen die Probe auf seine Lebensfähigkeit machen. Das Kabinett faßte deshalb den Entschluß, dem König vorzuschlagen, das Parlament am 8. Januar aufzulösen. Ergeben die Neuwahlen eine erhebliche Majorität für die jetzige liberale Regierung, so wäre dies als ein Abrücken des Landes von den Hochschutzzöllnerischen Bestrebungen der Chamberlainisten aufzufassen.
** Immer wieder zeigt sich der Mangel in der Disziplin der englischen Wehrmacht. Besonders tritt er in der Flotte zu Tage. Neuerdings fühlte sich die Mannschaft des Kreuzers „Encouter" durch den plötzlichen Befehl, nach Australien abzugehen, empört, da sie das Weihnachtsfest bei ihren Familien verleben wollte. Um die Unzufriedenen zu beruhigen, gab man ihnen zwei Tage Urlaub. Ein Teil der Mannschaft zog es aber vor, gar nicht an Bord zurückzukehren, und nun macht die Polizei Jagd auf die Deserteure.
• Nach Meldungen aus Deutsch-Ostafrika ist Major Johannes auf dem Marsche nach Songea nirgends auf Widerstand gestoßen. Dort wurden alle Europäer wohl angetoffen, nur der Benediktinerpater Franziskus ist tot. Der Tod des Sergeanten Tiede ist infolge eines Pfeilschusses_erfolgt. Ob-,
Hessischer Landtag.
Erste Kammer.
Darmstadt, 20. Dezember.
Der Präsident Graf Schlitz gen. von Görtz, eröffnet die Sitzung um 43/4 Uhr.
Zunächst werden AuSschußwahlen vorgenommen, die, laut „Darmst. Ztg.", folgendes Ergebnis haben: Erster Ausschuß: Freiherr Ludwig Riedel zu Eisen- bach, Fürst zu Jsenburg-Birstein, Prinz Friedrich zu Solms-Brauusels, Graf zu Ecbach'Fürstenau, Freiherr von H yl zu Herrnèheim, Geh Kommerzienrat Michel, Geh. Kommerzienrat Lauteren. Zweiter Ausschuß: Fürst zu Leiningen, Fürst zu SolmS-Hohensolms-Lich, Graf Kuno zu Stolberg-Roßla, Geh. Justizrat Professor Dr. Schmidt, OberlandesgerichtSpräsident i. P Conradi, Oberbürgermeist r Morneweg, Oberlandesgerichttp äsident L'ppold. Dritter Ausschuß: Fürst zuSolmS-Hohen- solms-Llch, Geh. Kommerzienrat Dr. Merck, Graf zu Jsmburg-Büdingen'Meerholz, Graf Karl zn SolmS-Laubach, Prälat D. Walz. Vierter Ausschuß: Graf zu Solms-Rödelheim, Erbprinz zu Erbach-Schönberg, Erbprinz zu Ifenburg-Büdingen, Justizrat Dr. Kleinschmidt, Geheimrat Dr. Kittler.
Es wurde sodann die Abrisse an den Groß her zog, welche die Antwort aus tie Thronrede darstellt, verlesen. Tie Aeresse dankt den Großherzog für den Beweis landesherrlicher Gnade. Die Erste Kammer werde auch fortan an den landständischen Arbeiten zielbewußt mit 1ä ig sein. Was die Aenderung des landständischen Wahlgesetzes betrifft so werde es die Kammer mit Freuden begrüßen, wenn eine Verständigung darüber erzielt wird. Ebenso werde sie es begrüßen, wenn die Resorm des Gemeindesteuerwesens zu einem gedeihlichen Ende geführt wird. Die Kammer hofft, daß die in der letzten Session hervorgetretenen Schwierigkeiten beseitigt werden. Bei der Beratung des Budgets werde die Erste Kammer wieder mit weiser Sparsamkeit zu Werke gehen. Mit besonderer Genugtung habe die Kammer von den Maßnahmen zur Hebung der produktiven Kräfte des Landes Kenntnis genommen. Mit Genugtuung begrüße auch die Kammer die gts.tzgeberischen Maßnahmen, die den an Bauten beschäftigten Arbeitern Schutz vor Unfällen bringen sollen. — Das hohe HauS stimmte dieser Adresse einstimmig zu.
Die Adresse wurde am Mittwoch-Abend 7V2 Uhr dem Großherzog im Neuen Palais von den Mitgliedern de