Mittwoch, den l'. April 19<j5.
14. Jahrgang
H Nr. 93.__________________
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Es wird hiermit bekannt gemacht, daß die Dampf- waljr in der Zeit vom 20. April bis zum 20. Mai I. I.
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auf dec Straße von Klein Linden nach Grotzen- beschäftigt ist.
Gießen, den 18. April 1905.
Grotzherzogliches Kreieawt Gießen.
I. V.: Dr. Kranz bühler
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Gefälligkdisahzepte.
In einem zurzeit vor der Berliner Strafkamm-er zur Verhandlung stehenden Prozeß wegen Kellerwechselreiterei wandte ber Verteidiger des einen Angeklagten ein, daß es sich in den meisten Fällen um „Gefälligkeitsakzepte" handle. Der Wert der Wechsel liege nicht in dem Akzept, sondern in der Bonität des Ausstellers. Aus diesem Anlaß wird uns von kundiger Seite geschrieben:
Ein halbes Jahrhundert etwa ist es her, daß die Wechsel- fähigkeit, die bis dahin im wesentlichen nur dem Kaufmann Zustand, jedem Erwachsenen zugesprochen wurde. Der Handwerker z. B. war nicht wechselfähig, d. h. er hatte nicht das Recht, sich wechselmäßig zu verpflichten. Man war früher der Meinung, daß einen Wechsel nur ausstellen dürfe, wer nach seinem Beruf Gewähr dafür biete, er wisse auch ganz genau, was ein Wechsel zu bedeuten habe, bei dem nicht wie ; bei einem gewöhnlichen Schuldschein eine Einrede zulässig : ist Erst zu der angegebenen Zeit gewann man die Auf- wfsung, daß es unbillig sei, die Vorteile, die das Wechsel- initrument dem Kredit bietet, nur den Angehörigen eines bestimmten Berufes zuzuwenden, anderen Berufen aber sie vorzuenthalten. Man neigte zu der Meinung, daß es nicht gut sei, erwachsene und urteilsfähige Personen unter irgend eine Art Vormundschaft zu stellen. Jeder müsse wissen, was er tue, und sei darauf anzusehen, daß er vor Uebernahme einer Verpflichtung deren Tragweite und mögliche Folgen
An einer anderen Stelle sagt derselbe Prediger himmlischer Weisheit, der ziigleich ein Prediger der Lebeusklugheit gewesen ist:
Wer Bürgschaft leistet, nmß Uebel leiben;
Wer Ruhe liebt, muß Bürgschaft meiden.
Und genau auf die „Gefälligkeitsunterschrift" und ihre Folgen paßt der mahnende Spruch:
Hast du dem Brauch gemäß und Recht Gewähr und Bürgschaft gegeben, So bist du deines Wortes liecht — Versuche kein Widerstreben!
Mein Sohn, dann geh zum Nächsten hin Und wirf dich ihm zu Füßen!
Vielleicht erweicht er seinen Sinn, -
Läßt nicht zu schwer dich büßen.
Gönn' deinen Augen keinen Schlaf, ,.
Den Lidern keinen Schlummer, Bis die Verstrickung, die dich traf, Gelöst und fort dein Kummer.
Der Hirsch, der in das Netz gerannt, Der Vogel in Finklers Schlinge, Sie suchen, ist die Gefahr erkannt, Ob ihnen Rettung gelinge.
Wer wechselmäßig Bürgschaft leistet, muß wissen, daß er um Fälligkeitstage unweigerlich und ohne Einrede für die. Schuld des anderen einzutreteir hat, die durch seine Unterschrift zu seiner Schuld geworden ist. Nur wer dazu bereit und imstande ist, hat die moralische Befugnis, eine Gefälligkeitsunterschrift zu geben. Im anderen Falle begeht er ein Unrecht gegen sich und gegen andere, denn er beteiligt sich an einer Täuschung gegenüber denen, die den Wechsel erhalten und unter der falschen Voraussetzung annehmen, er sei der Ausdruck und das Zeugnis eines regelrecht zustande gekommenen Schuldverhältnisses.
A Die Elberfelder Handelskammer wendet sich in einer Resolution gegen bk Berggesetznovelle in der Regierüngsfassung, da die Kohle, das Haupterzeugnis des , vaterländischen Bergbaues, zweifellos durch die Bestimmungen der Novelle verteuert werde.
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sich überlegt habe.
Mit dieser Einrichtung hat das deutsche Handelsgesetzbuch . dem Handel in Deutschland einen großen Dienst erwiesen, dem Kreditwesen einen bedeutenden Aufschwung gegeben. Freilich waren mit dem Fortschritt auch manche Uebelstände verbunden, die bis auf den heutigen Tag noch nicht völlig beseitigt sind. Zwar der Handweüer hat keine Ursache, die ^eit seiner Wechselunfähigkeit zurückzuwünschen. Er hat schnell gelernt, mit dem Wechsel richtig umzugehen und von ihm den rechten kaufmännischen Gebrauch zu machen, sich mittels des Wechsels legitimen Kredit zu verschaffen und seine Betriebsmittel in raschem Umsatz ;u erneuern. Aber der Private kam zuweilen in eine üble Lage, wenn er darum an- gegangen wurde, einem Freund „aus Gefälligkeit" seine Unterschrift zu geben. Die Unterschrift machte keine Mühe, verursachte — scheinbar — keine Kosten unb half dem ; Freund aus der Verlegenheit. Solche Gefälligkeit ließ sich schwer versagen. Ein bares Darlehn sonnte man schon ab- schlahen. Dafür gab es immer unkontrollierbare Vorwände. Man konnte sagen, daß man selbst nicht bei Kasse sei, daß nun über seinen Geldbestand bereits verfügt habe und dergleichen mehr. Unmöglich aber konnte man sagen, daß man seine Unterschrift gerade nicht bei sich habe, daß man eben nicht zu schreiben imstande sei. Die Erfüllung der baren DarlehnsForderung konnte man auch beschränken; man sonnte dem, der tausend Taler verlangte, sagen, daß man nur zweihundert Taler verfügbar habe. Man kam nicht in ? bie Verlegenheit, einem Freunde ins Gesicht sagen zu müssen, daß er ein guter Mensch, doch ein schlechter Musikant sei, baß man seine Kreditwürdigkeit nicht hoch einschätze. Die Wechselunterschrift aber ließ solche Begrenzung nicht zu. So mancher Gutsbesitzer ist mit sehenden Augen in sein wirtschaftliches Verderben gerannt, weil er dem Nachbar, mit bem er gesellschaftlich verkehrte, nicht sagen mochte ober nach Maßgabe der Verhältnisse nicht sagen durfte, daß die verlangte „Gefälligkeit" eben keine bloße Gefälligkeit sei, sondern am Tage der Fälligkeit zu einer unabwälzbaren Schuldverpflichtung werde. Es bedurfte sehr vieler trüben Erfahrungen, ehe es zur allgemeinen Anerkennung gelangte, daß man Gefälligkeitsakzepte überhaupt nicht geben dürfe, daß nicht die Versagung, sondern das Fordern der Gefällia- keitsunterschrift eine Unschicklichkeit sei. Jetzt ist es glücklicherweise so weit, daß ohne Ausnahme jeder sagen darf, er lehne grundsätzlich die Wechselunterschrift ab.
Schon die bloße Bürgscl-aftsübernahme ist in der Regel als Unfug zu bezeichnen. Jahrtausende alt sind die Warnungen vor ihr. In den Sprüchen Salomos heißt es bereits:
De? Krieg in Ostafien.
Tie inzwischen eingetroffenen weiteren Nachrichten über
die Fahrt Roschdjestwenskys und die Bewegungen seiner japanischen Gegner bringen im großen und ganzen neue Einzelheiten zu bereits Bekanntem. Sie lassen immer noch nicht mit Sicherheit erkennen, in welchem Tempo der russische Admiral seinen Vormarsch fortgesetzt hat, ebensowenig ob und wie er sein GesckMader geteilt hat oder ob er in
schlossenem Verbände vorrückt.
Die Absichten Roschdjestwenskys
find somit nach wie vor noch nicht mit Sicherheit zu feinten. Man glaubt, daß die russischen Schiffe, die in
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er- der die
Kamralch-Bucht gesichtet worden waren. Von oort aus Fahrt in der Richtung auf die Formosastraße weiter fortgesetzt haben. Ob in der Kamranh-Bucht die russische Ge- famtflotk geankert, ist nach den sich ständig widersprechenden Meldungen mehr als zweifelhaft. Wo Togo sich aufhält, darüber ist bisher ebenfalls keine Gewißheit zu erlangen gewesen. Die japanische Regierung rüstet sich, Roschdjestwenskys Flotte bei den Fischerinseln auftauchen zu sehen. Die ganze Gruppe wurde in Kriegszustand erklärt. Ebenso hält inan in Tokio eine erneute Aktion der Wladiwostoker russiichen Kreuzer für möglich. Aus diesem Grunde wurde die Tsu- garustraße, die die Insel Jesson vom übrigen Japan trennt, ebenfalls schleunigst in die Verteidigungszone^einbezogeu. Dieser Meeresteil war bekanntlich im vorigen Ammer das Hauptgebiet der Kaperzüge des Wladiwostokgeschwaders.
4= Eine Denkschrift der schlesischen Landesversicherungsanstalt über die beutjefje Alters- und JnUaliditätsversicherung hält eine allgemeine Erhöhung der Beiträge wegen des Anwachsens der Ausgaben für notroendig.
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0 Für die im Jahre 1907 vor sich gehende Berufs- und Gewerbezählung finden gegenwärtig im kaiserlich statistischen Amt zu Berlin Vorbesprechlingen statt, an denen die Vertreter der statistischen Zentralstellen im Deutschen Reich teilnehmen.
o% Eine Auskunftsstelle für die Jmmatrikttlationskom- missiouen der Universitäten und techtlischen Hochschrilen hat der Kultusminister in Berlin eingerichtet. Die Kommissionen sollen dort namentlich Rat bei der Aufnahine von A u s - ländern einl)olen können.
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□ Die Bestimmungen über bie Sonntagsruhe sollen einer Aender u n g unterzogen werden. Das Reichsamt des Innern ist mit der Ausarbeitung eines Entwurfs beschäftigt.
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cf Lebhafte Klagen werden in Lippe über die Höhe der Matrikularbeiträge laut. Von offiziöser Seite wird betont, die Matrikularbeiträge träfen namentlich die Kleinstaaten hart, die, wie Lippe, eine überwiegende Arbeiterbevölkerung hätten. Man erhofft eine Besserung der Zustände von vermehrten Sparsainkeilserwägungen der Bevollmächtigten größerer Staaten im Bundesrate und hält ferner direkte Reichs st euern für angemessen.
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T Vor kurzem fiel bekanntlich der südafrikanische Farmer Zipplitt in Berlin im ZwWamPf. Ans diesem Anlaß erhoben sich zahlreiche Erörterungen über das Versagen der militärischen Ehrengerichte, die den Duèllaffären im Offiziersstande keinerlei Einschränkung aufertegen könnten. Man hatte angenommen, Zipplitt sei Reserveoffizier. Wie jetzt einwandfrei festgestellt ist, gehörte Herr Zipplitt weder der Armee noch den ^Lchntztrnppen als Offizier des beurlaubtem standes an. Die an den Vorfall geknüpften Schlußfolgerungen erledigt sich dadurch von selbst.
Italien»
0 Der Streik der Eisenbahnangestellten scheint vollständig mißlungen zu sein. Die Züge in ganz Italien verkehrten am Montag und Dienstag ohne wesentliche Störungen, der eingeschränkte Verkehr rief keine Schwierigkeiten bei der Personenbeförderung hervor.
•Frankreich»
0 Gegen die zahlreichen Duellforderungen zwlschcn Offizieren wegen der gegenseitigen Angebereien will der Kriegsminister jetzt mit strengen Disziplinarstrafen vorgehen.
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Wer jederzeit
Z:w Bürgschaft bereu, Gibt Handschlag und Pfand - ■ Ist ohne Verstand.
Die Politik.
A Das Programm Deutschlands für eine Verständigung in der Marokkofrage beruht nach den zuverlässigen Informationen unseres Berliner ^-Mitarbeiters auf folgenden Erwägungen:
Bei der Erörterung ist bisher immer nur davon die Rede gewesen daß Deutschland die allseitige und bemernbe Anerkennung des „offenen Tors" in Marokko anstrebe, im Gegensatz zu dem französisch-englischen Abkommen, das bie gleichmäßige Zollbehandlung aller fremden Provenienzen bloß für'e'nen Zeitraum von 30 Jahren-stipuliert. Deutschland gebt insofern noch einen Schritt Leiter, als es verlangt, es sollen auch alle in Zukunft etwa zur Vergebung gelangen- deii Konzessionen in Marokko für Angehörige aller Staaten zugängig und nicht französischen Unternehmern ausschließlich vorbehalten sein. — Ein Pariser Blatt will übrigens wissen, ein Abkommen zwischen Frankreich und Deutschland stehe unmittelbar bevor. Frankreich erkenne die offene Tür in Marokko an und verzichte auf jedes Monopol, Deutschland verpflichte sich, das militärische und finanzielle Reforniwerk Frankreichs nicht zu stören. Die Souveränität des Sultans bleibe vollständig gewahrt.
Russland»
cf Die Erregung der Bevölkerung scheint stetig im Wachsen zu sein: In den Straßen von Petersburg wurden Montag Aufrufe verteilt, in denen die Männer ersucht werden, am 2. Mai nicht unbewaffnet auf die Straßen zu gehen und Frauen und Kinder zu Hause zu lassen. — Der Oberprokurator soll die Niederschlagung des Prozesses gegen Gorki beim Justizministerium befürwortet haben.
+ Große Unterschlagungen im Finanzministerium sind entdeckt worden. Es soll sich um 400 000 Mark handeln. Einem höheren Beamten wurde diese Summe vom Ministerium des Innern zum Ankauf von Korn für Verpflegungszwecke übergeben. Er fand es angemessen, sich das Geld anzueignen. Nach der Entdeckung wurde der Beamte von seinem Posten entfernt und soll die Flucht ergriffen haben.
□ Der Polizeiminister Possow in Czenstochau wurde vergiftet. Er hatte sein Amt erst vor acht Tagen angetreten und erhielt sofort einen Drohbrief, in dem ihm der Tod durch die Terroristen angekündigt wurde.
f)of und Gesellschaft.
.', Str Kaiser gedenkt in Begleitung seiner Familie am 9. Mai in Schloß Urville einzutreffen und dort bis zürn 17. Mai zu ocilueilen. Am 11. Mai findet die Einweihung der Gedenkhalle in Gravelotte statt. —, Den Wohlfahrtseinrichtungen der Hamburg-Amerika-Linie hat der Kaiser als Zeichen seiner Anerkenlmng 15 000 Mark überwiesen.
Prinz Heinri ch von Preußen ist in Darinstadt ein- getroffen, um ikrt die Festtage zu verleben.
r>eer und flotte.
Das neue Linienschiff „Preußen" ist auf 8er Schiffswerft des „Vrckkan" im Bau vollendet. Die Bauausstihrung hat drei Jahre erfordert. Am 28. April geht von Swine-