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Nr. 272
Zweites Blatt
MertteeâNreif i Die einspaltige PeruzeUe kür ganz Ober- leffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Dtg.
Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.
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Nedaktion u. Hauptes editton: Gießen, SelrerSweg 88. Ker»sprech««fchl»ß Nr. 868.
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AnaSßSnKige Tageszeitung
(chiehcner Bettung)
für OSerhrsse» uni die Kreise Mnrßnrr und Wetzlar; Lokalanzeiser für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Br,hh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhesse».
Gin Amerikaner über Deutschland.
— Eindrücke eines texanischen Reisenden. —
Mister James L. Slayden, ansässig zu San Antonio im Lande Texas und Kongreßmitglied für seine Vaterstadt, hat eine Reise durch Deutschland gemacht. Ueber die Erfahrungen, die er auf dieser Reise sammelte, plaudert Herr Slayden in einer Weise. Er ist entzückt von Deutschland und dem Fleiß feiner Bewohner. Wenn er zum Schluß sein eigenes Vaterland auch ein bischen lobt, so ist das sehr verständlich. Aber wir haben alle Ursache, mit dem Urteil des mit offenen Augen reisenden Mannes zufrieden zu sein. Herr Slayden schreibt:
O, welch schreckliche an! Denken Sie Rade die Knochen dimmet als heut- I meinem Motorrad
vunderiiswert. Ein neulich empört über Hers seines Ladens, rauenr Haar, erschien iclM Filzhut. »Wie Hut grau zu far jen. Etwa einen Dollar, tüdie Mann wickelt« ich nicht." lag £ 'l Tolar re fârk k>
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Unsere Ueberfahrt von Galveston nach Bremerhaven währte 17 Tage. Wir landeten dort etwa zwei oder drei Stunden vor der Zeit, die mir der Kapitän bei unserer Ausfahrt aus dem Golf von Mexiko als die voraussichtliche Zeit der Ankunft angegeben hatte. Das nenne ich Pünktlichkeit und Genauigkeit. Die deutschen Kapitäne sind nicht nur vor- >treffliche und zuverlässige Seefahrer, sondern auch die denkbar liebenswürdigsten Gesellschaften Zwei sehr angenehm verlaufene Tage brachten wir in Bremen zu. Die Stadt ist in
lautene ^age brachten wir in Bremen zu. Die E gan* erstaunlicher Weise gewachsen, seitdem ich
1894 zum letzten Male dort gewesen war. Man sicht es dieser freien Reichsstadt geradezu an, wie enorm sich ihr .Handel nach allen Richtungen der Windrose hin ausdehnt, imD daß ihre Prosperität einen hohen Grad erreicht hat. Mehr oder minder läßt sich übrigens ganz dasselbe vom deutschen Reiche sagen — wenigstens so weit meine Beobachtungen sich erstreckt haben. Wohin ich auch kam, sah ich die gen Himmel ragenden Fabrikschlote qualmen und zwischen den Städten die geradezu mustergültig bearbeiteten Felder. Ueberall sah ich wohlgekleidete und gut genährte Menschen 1— wobei ich nicht etwa nur die Vertreter der wohlhabenden Klaffen meine, sondern auch die Leute, die im Schweiße ihres Angesichts hart arbeiten müssen.
Selten habe ich so gut stehende Saaten gesehen, wie in Deutschland ! Und dabei handelt es sich um Grund und Boden, Der schon seit Âelen Jahrhunderten und seit Dutzenden von Generationen jahraus, jahrein bebaut worden ist l Trotzdem aber ist er noch ebenso fruchtbar, wie bei uns im Westen schwarzer, jungfräulicher Prärie-Boden; natürlich ist er aber unvergleichlich besser bearbeitet. Geradezu erstaunlich ist die Art unD Weise, in der die deutschen Landwirte — unter dem Drucke der Notwendigkeit, eine außerordentlich dichte und dabei noch rasch zunehmende Bevölkerung auf einem beschränkten Areal zu erhalten — die Fruchtbarkeit des Bodens aufrecht zu erhalten verstanden haben. Ihr Beispiel dürfte auch für andere vorbildlich sein, und vielleicht würde er für unsere amerikanischen Farmer nicht ohne Nutzen sein, wenn sie die rationelle Methode der deutschen Landwirtschaft mit ihrem System der Fruchtfolge und der Düngung nach wissenschaftlichen Prinzipien einzeln studieren würden. (Tinern Texaner müssen deutsche Landgüter lächerlich klein vorkommen, aber man darf nicht vergessen, daß jeder Quadratzoll davon ertragsfähig gemacht wird.
Was mir besonders auffiel, das war überall die vorzügliche Beschaffenheit der Landstraßen, die man auf beiden Seiten mit Obstbäumen bepflanzt, sobald die Straßen angelegt werden. Auf meiner Reise durch Deutschland habe ich etwas gelernt, was mir sehr wesentlich erscheint. Ich habe nämlich gelernt, baß wir Amerikaner mehr von Der drüben übliche» Gründlichkeit gebrauchen könnten! Was man in Deutschland baut, einerlei, ob es .Häuser, Wege oder Brücken sind, das baut man gründlich und für die Dauer von Generationen. Wenn wir Amerikaner etwas bauen, dann ist es nur für den augenblicklichen Bedarf berechnet. Aber verfährt man drüben nicht klüqer in dieser Beziehung unh ist fene Methode nicht — auf
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Beka«»t«achung.
Es wird hierdurch zur öffentliche« Kenntnis gebracht, dak Die Einlage» bei unserer Kaffe mit »'/- °/» verzinst werden, und daß der Zinsenlauf von solchen Ein- lagen, welche am erste» Geschäftslage eines Monat- gemacht werden, bereits am 1. dieses Monats, sonst am 1. des nächsten Monats an beginnt. Bei Rückzahlung von Einlagen werden die Zinsen bis zu Ende des vorhergehenden Monats vergütet, es sei denn, daß eine solche Rückzahlung am letzte» Geschäftslage eines Monats erfolgt, in welchem Falle die Zinse» bis zu Ende dieses Monats vergütet werden. — Darlehen können in der Stadt Gießen bis zn 60% bewilligt werden, ans dem Lande bis zur Hälfte der ortsgerichtlichen Taxation. Bei hypothekarisch gesicherten, sowie bei Darlehen an Gemeinden, sonstige Kommunalverbände und Kirchengemeinde» kann, unbe
schadet des Kündigurrgsrechts, vereinbart werden, die Rückzahlung in der Form einer Tilgungsrente durch Abschlagszahlungen in Beträgen erfolgt, die lOO Mk. abgerundet sind.
Gießen, den 26. Oktober 1905.
BezirtSsparlafie Gießen.
Wiener.
daß oder auf
Samstag. den 18. November 1905
^ Abo««e»e»t-pretS: abgehslt monatlich 50 Pfg., in'S HauS V gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen vierteljührl.Mk.1.50. I MraUSdetlageM : Oberheifische ^amtlie«rettu«g (täglich) und die Ißiefcewer 8eifewbUfcw (wöchentlich).
DaS Watt nick«, int an alle« Werktagen nachmittag-.
die Dauer wenigstens — auch obenem weit sparsamer 7 Schließlich gibt es aber doch kein besseres Land als Amerika und in Amerika keinen Staat, der mir besser zusagte als Texas, und in Texas wiederum keine Gegend, in der es sich „schöner, angenehmer und behaglicher leben ließe als in unserem alten San Antonio." —
Von den vielen schiefen und ungerechten Darstellungen bie leider im Auslande über dentsche Verhältnisse kursieren" hebt sich die wohlwollende und anerkennende Auslassung des Texaners in vortrefflicher Art ab.
Der Suezkanal.
— Zum 100. Geburtstag F. v. Lesseps, 19. November. —
Die hundertjährige Wiederkehr des Geburtstages F. von Lesseps ruft die Erinnerung an die Geschichte des Suezkanals wach, jenes für den Weltverkehr so wichtigen Bauwerks, das in diesem Monat sein fünfzigjähriges Jubiläum begehen konnte. Die Anfänge zu diesem Kanal, der das mittelländische mit dem roten Meer verbindet und so den Schiffsverkehr zwischen Europa und Asien unter Umgehung der Linie um Afrika herum ermöglicht, verlieren sich in das graue Altertum. Schon unter den ägyptischen Königen, also vor 3000 Jahren, hat eine solche Verbindung bestünden, doch ist der Seeweg später versandet und endlich ganz zugeschüttet worden. Versuche, den Kanal im 18. Jahrhundert wiederherzustellen, verliefen erfolglos, und erst die franzSfffche Regierung nahm den Gedanken wieder auf. Allgenrein wird nun Lesseps das Verdienst der ^dauung des Suezkanats -»geschrieben, indessen mit Unrecht. Die Plarre zu der jetzigen Gestaltung des Kanals rühren nicht von Leffeps, sondern von dem österreichischen Jn- Senteur Negrelli her, dessen Vorschläge die internationale Kommission für den Kanalbau angenommen hatte. Als Negrelli starb, griff Lesseps friteè Pläne auf — nach Ansicht heutiger Forscher sogar in wenig ehrlicher Weise — und erhielt vom Vizekönig von Aegypten die Konzession für die nach ihm benannte Gesellschaft zur Erbauung des Kanals
Leffeps hat bekanntlich später mehrfach mit den französischen Gefängnissen Bekanntschaft gemacht, da er in den Panamaskandal verwickelt wurde, und sein Ruhm als Schöpf. eines Weltwerkes ist mit Recht nicht unbestritten geblieben
Die Vorarbeiten für den Kanalbau begannen 1855, aln. vor 50 Jahren. 1859 erfolgte der erste Spatenstich und aso 16. November 1269 wurde Der Kanal unter rauschendem Festveranstaltungen für deu Verkehr eröffnet. Der Bau hatte 400 Millionen Francs gekostet, erwies sich aber ballt als ungenügend, da Versandungen durch die Meeresströmung gen nicht vermieden werde» sonnten und der Bau größererden fortschreitenden Verkehrsanforderungen entsprechender, Schiffe, der Tiefe des Kanals - acht Meter — zuwiderlief. Fortgesetztes Festfahren von Schiffen im Kanal und die dadurch bewirkte Sperrung des Verkehrs, da der Kanal nur 60 bis 100 m durchschnittliche Breite hatte, machten einen Umbau notwendig, der 1884 beschlossen wurde. Jetzt sind die Breiten auf 75 bis 100 m erweitert worden, sodaß der Verkehr im Kanal ohne größere Störungen von statten geht. Seit 1887 ist elektrische Beleuchtung eingeführt, sodaß die Schiffe auch nachts mit der für den Kanal zugelassenen Ge- schwindig'rit von 5 Seemeilen pro Stunde fahren können. Die Durchfahrt des Kanals nimmt seitdem nur 16 bis 20 Stunden gegen 36 vorher in Anspruch. Durch den Weg über den Suezkanal ersparen die Schiffe von Hamburg nach Bombay z. B. fast die Hälfte der Fahrzeit, von Triest sogar zwei Drittel gegen die frühere Fahrt um das Kap der guten Hoffnung, die außerdem wegen der Dort herrschenden Stürme sehr beschwerlich war. Mit der Ausdehnung des Weltverkehrs überhaupt ist sonach Der Verkehr durch Den Suezkanal erheblich gewachsen; Durch*
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Medizinische Veterinär-Klinik
Klinik für innere
Tierkrankheiten
Frankfurterstrasse 85 im alten Tierspital
Fernsprecher wie bisher Nr. 142 (Veterinäranstalt).
14. Jahrgang
fdbnmiicf)paifteren heute täglich löbis 20 Schiffe Den Kanal, eine t)üb)cqc Einnahme für Die französische Kanalgesellschaft, wenn man bedenkt, daß jedes Schiss pro Registertonne oder Passa- gier özGO M. bis 8 M. Kanalabgabe bezahlen muß, je na^Dein es leer, mit Frachtgütern oder Passagieren fährt., schisse von 2000 tonnen Inhalt gehören heute nicht mehr zu den Ausnahmen; ein solches Fahrzeug hat also 11 2MM. eventuell noch mehr für die jedesmalige Durchfahrt zu bezahlen. T ie ^ahrt um Afrika würde aber immerhin noch weit mehr tosten, da für die Doppelte Fahrzeit Der Kohlenverbrauch, die Abgabe an die Schiffsversicherung, Löhne, Neparaturkosten usw. weit höher sein würden, als Die Kanalabgaben.
Die durch Den Kanal fahrenden Schiffe werden von Lotsen geleitet, deren etwa 100 im Dienste Der Gesellschaft stehen.
Da außerdem Die Tiefe des Kanals durch fortwährende. Baggerungen gleichmäßig erhalten werden muß, sind Die Er- Haltungskosten ziemlich hohe; trotzdem verteilt Die Suezkanalgesellschaft, deren Aktienkapital über 300 Millionen Mark be«, trägt, recht ansehnliche Dividenden, zeitweise 15 bis 17 Prozent
Am Verkehr durch den Kam.l ist England am stärksten beteiligt, an zweiter Stelle Deutschland.
Mit einer Länge von 85 Seemeilen ist der Sneztanalj übrigens das größte Derartige Bauwerk Der Welt. Er übertrifft unsern Nordostseelanal um 32 Seemeilen, also um zirka 60 Kilometer bei annähernd gleicher Tiese und Breite, hat aber teilte Schleusen. J. Aliguis.
Vermischtes.
= Der heurige Wein. Berichte aus dem Rheingau, i wo die Weinlese fast beendet ist, lassen erkennen, daß der Jahrgang 1905 einen reinrassigen, sehr trinkbaren Wein er«, geben wird. Auch die Menge ist zufriedenstellend und »och größer als im Vorjahre, bis auf einige wenige Bezirke, wo, Frühjahrsfröste einen Teil der Stöcke beschädigt hatten., Wsmger hoffnungsvoll lauten Dagegen die Leseberichte von' der Mosel. Hier hat die Reblaus nicht nur der diesjährigen. Ernte empfindlich geschadet, sondern läßt auch für dos nächste Jahr trübe Ergebnisse erwarten. Die diesmalige Weinlese im Moselgebiet ist sehr klein ausgefallen, und die Qualität, des „Heurigen" scheint für Liebhaber eines guten Tropfens wenig aussichtsvoll zu werden.
= Rekordleistung auf der Schreibmaschine. Das Land der Wetten und Wettkämpfe, Amerika, hat der Welt eine neue Art Sport bescheert, den Wettkampf auf der Schreibmaschine. Bei einer derartigen, in New-Aork abge-, hallenen Veranstaltung errang ein Deutscher, Paul Munter, den ersten Preis. Er hatte 70 Worte in der Minute, imj ganzen in 30 Minuten 2099 Worte geschrieben Den Preis für Schreiben mit verbundenen Augen erhielt Miß Carring^ ton für ein nach schnellem Diktat geschriebenes Stück von 3700 Worten. Neben Weltmeistern im Ringen, Schwimmen, Radfahren und sonstigen Sports gibt es also auch einen „Champion" der Schreibmaschine.
Kunst und Glissen schaff.
U^ß. Das Geheimnis des „Jörn Uhl", lieber die Art, wie Frenssens „Jörn Uhl" seinen SiegeszlH in die deutsche Literatur antreten konnte, ist jetzt eine interessante Enthüllung erfolgt. Danach soll Frau Krupp, in dessen Familie der Verfasser, Pastor Frenssen, früher Hauslehrer, gewesen ist, 1000 Exemplare des Buches gleich nach seinem' Erscheinen anfgekauft und sie an ihren ausgedehnten Bekanntenkreis verteilt haben. Auf diese Weise wurde der „Jörn Uhl" bekannt und gelesen, und sein Erfolg war gesichert.
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