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die Aufständischen si.h nicht unterwerfen, fort, wo es nötig ist, der VelagerungHZwlaud berljängt werden. — AuS Konstantinopel kommen Nachrichten über zunehmende Kränklichkeit M SnItanS. Es verlautet mit großer Be- stimmtheit, der Sultan sü zunehmend leidend und werde häufig von tiefen Ohnmachten Heimgesucht. Gerüchte über die Krankheit des Thronfolgers Rechad Effendi, des Bruders des Sultans, sollen dagegen erfunden sein. Es scheint, daß einflußreiche Kreise beim Hofe eine große Intrige gegen den Thronfolger ins Werk zu setzen suchen, sodaß man in eim geweihten Kreisen sogar für sein Leben fürchtet.

— Der russische Zusammenbruch äußert seine Wirkungen in türkischen Regierungskrisen. Es verlautet, daß ein Jrade die Neuanschaffung von 2 Panzerschiffen, 4 Kreuzern, 6 Tor­pedobootskreuzern und 1'2 Hoch-eetorpedobooten anordnet, damit die türkische Flotte der russischen Schwarzmeer-Flotte gewachsen sei.

Hticn.

♦* Ein bemerkenswerter Gnadenerlaß des Mikado in der Spionage-Affäre wird veröffentlicht. Der Kaiser hat den früheren französischen Marine- Instrukteur Bougouin, der wegen Verrats militärischer Operationen zu langjähriger schwerer Freiheitsstrafe verurteilt worden war, begnadigt und in Freiheit setzen lassen; ebenso ist der Sekretär Bou- gouins, Maki, begnadigt worden. Wahrscheinlich wird Bou­gouin Japan ohne weiteres verlassen.

** Zwei chinesische kaiserliche Prinzen nebst ihrem Hof staat sollen demnächst zum Studium fremder Staatseinrich tungen ins Ausland gesandt werden

Dos und Gesellschaft.

Die Jacht „Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord ist in Hernösand eingetroffen.

Der deutsche Kronprinz traf mit seiner Ge^ mahlin an? der Kaiserjacht ,.Meteor" in Aarhus ein. Das kronprinzliche Paar machte dem Prinzen und der Prinzes­sin Christian, einer ^d^nefter der deutschem Kronprinzessin, einen Besuch. Die Fortsetzung der Seereise findet auf der Jocht der Kaiserin, der „Iduna", statt, da der „Meteor" sich an Segsl-WettfachNe?? beteiligen soll.

Fürst K a r I Günther von Schiva.-Zöurg- dershausen feierte gestern sein fünfun dzwawü gjähriges Re­gie? ungs-Jubitäum. Den Mittelpunkt der Festlichkeiten bildete die Enlhülluno de? dem Fürsten vom ganzen Lande darocbrachten Brunnen-Denkmals, das, vom Professor Eberlein geschaffen, auf den: Marktplatze der Hauptstadt er- richiet ist. Daran schloß sich die Huldigung des Landes vor dem Fürstenpaar. Der Fürst stiftete 50 000 Mark zum Bau einer höheren Töchterschule in Sondershausen.

Tum jüngsten Rubstrat-prozess,

(Eig. Bericht.) Bückeburg, 16. Juli. *

Der vielgenannte Kellner Meyer ist von der Anklage des Meineids durch die Geschworenen freigesproäzen worden. Die Bevölkerung von Bückeburg hat das Verdikt mit unge­teilter Freude ausgenommen, und sicher wird es überall im Reich die gleiche Zustimmung finben — nicht zuletzt bei Herrn Minister Ruhstrat, der ganz gewiß nicht den Wunsch hatte, den unglücklichen Kellner verurteilt zu sehen. Von der Aus­regung, die unsere sonst so ruhige Stadt in der letzter Woche ergriffen hatte, kann man sich anderwärts kaum eine Vorstellung machen. Der Kellner Meyer war die popu­lärste Person. Man litt mit ihm. Jede Bekundung zu seinen Gunsten wulcde mit förmlichem Jubel ausgenommen. Das war rein menschlich und schön, gerade, weil man nicht etwa Partei gegen den Minister Ruhstrat ergriffen hatte, sondern weil man einfach mit dem armen Kellner sympathi­sierte, dem allgemein ein so gutes Leumundszeugnis ausge­stellt war, der ein vortrefflicher Sohn immer gewesen. Man hielt ihn eines Verbrechens durchaus nicht fähig, und da der Meineid eines der schwersten Verbrechen ist, so traute man ihm eben einen Meineid nicht zu. Die Geschworenen, die für ihr Verdikt keine Gründe anzusseben brauchen, sic nicht einmal angeben dürfen, sind wahrscheinlich derselben Ansicht gewesen, und sie haben Recht gehabt.

Damit ist jedoch keineswegs gesagt, daß die Bekundungen des Kellners Meyer in den Vorprozessen durchaus richtig gewesen, daß tatsächlich geschehen ist, was er geseh.m zu habe?? beschworen hat. Meyer hat sich ganz unzweifelhaft geirrt, als er beispielsweise den? Oldenburger Herrn Scheppegrell nachsagte, dieser habe sich an der „Lustigen Sieben" betei­ligt. Scheppegrell, der in jedem Betracht ein einwandfreier Mann ist, hat beschworen, daß er in seinem Leben noch nichl „Lustige Sieben" gespielt hat. Hätte er gesagt, daß er sich an einem bestimmten Abend, zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort jenes Spiels enthalten habe, so sonnte man an die Möglichkeit eines Irrtums auf seiner Seite denken. Ein erwachsener und dem Spiel nicht unbedingl abgeneigter Mann kann aber darin nicht irren, ob er ein ihm genau bekanntes Glücksspiel überharrpt je gespielt habe. Hier hat also der Kellner Meyer unfraglich unter Eid Ir­riges bekundet. — Und doch hatte er keinen Meineid geleistet, denn e*r hat „nach bestem Wissen" ausgesagt, und mehr kann ein Mensch nicht tun. Wir sind alle dem Irrtum unterworfen, auch bei Wahrnehmungen, die wir für untrüglich zu halten gewohnt sind, ganz besonders bei zufälligen Wahrnehmungen, bezüglich deren wir uns nicht eigens geschult haben. Der bekannte Kriminalist Professor von Lißt von der Berliner Universität hat ein in dieser Hinsicht sehr lehrreiches Experi­ment gemacht. Er veranlaßte zwei seiner Hörer im juristi­schen Seminar, einen Streit zu fingieren, in dessen schnellem Verlauf der eine auf den anderen schoß. Die Anwesenden wurden aufgeferbert, sofort niederzuschreiben, was sie als Zeugen über den Vorgang aussagen würden. Es zeigte sich das merkwürdigste Ergebnis. Die Augenzeugen, akade­misch gebildete Leute, nicht Kellner, juristisch geschult, waren über nichts einig, weder über den Ort, wo die angeblich Streitenden gestanden, noch über ihre Haltung, nicht übet den Beginn, noch über den Verlauf des Streits, nichi darüber, was die Streitenden in Händen gehabt, noch end­lich darüber, wer den Schuß abgegeben hatte. Noch lehr­reicher war ein anderes Erveriment desselben Professors Er zeigte seinen Hörern ein Bild, das sie sich genau betrach­ten und einprägen sollten, um es dann zu beschreiben. Das Bild stellte einen bespannten Wagen mit Fuhrmann unk Hund und einige wenige Personen vor einer Haustür bor. Unmittelbar nach der Besichtigung waren die Befragten ir

lebhafter Meinungèvcrschiedmhcit, ob dem Wagen ein Pferd oder zwei vorgespannt gewesen, ob das Bild Suippen Schinrmel oder Füchse dargestellt habe, ob der Ruhrmann dir Peitsche in der rechten oder linken Hand gehalten, ob er eine Pfeife im Munde gehabt, ob der begleitende Hund ein Spitz oder anderer Rasse gewesen, ob zwei oder drei Per. sonen an der Tür gestanden, ob das Haus rechts oder links vom Beschmier gewesen, ob die Frcmengestalt eine Schurzc getragen und von welcher Farbe die Schürze gewesen, ob bei Wagen mehr einem Plan- ober einem Leiterwagen geähnell habe. y r. „ . _ r .

Wenn ein einwandfreier Mann etwas beschwort, so Hal man anzunchmen, daß er für wahr hält, was er be­schworen hat. Mehr als das kann er gar nicht beschworen. Darum ist wohl angängig, daß ein ebenso einwandfreier Mann mit der gleichen Aufrichtigkeit das Gegenteil be­schwört. Ma?? nimmt für gewöhnlich an, daß von zwei ein­ander ertgegenftebenben Eiden notwendig einer ein Meineid gewesen sein müsse. D-s ist nicht wahr. Denn der Eid be­kundet nicht objektive, sondern s u b j e f t i b e Wahrheit, und nur die objektive Wahrheit ist einzig und immer dieselbe, während die subjektive Wahrheit vielgestaltig und wechselnd ist. Freilich ist der Richter daraus angewiesen — nament­lich im Zivilstreitverfahren —, das von einer Partei Be­schworene als objektive Wahrheit anzusehen. Doch das ist nur ein Notbehelf, weil wir bessere Beweismittel ober Hilfs­mittel zur Findung der Wahrheit nicht haben.

Auch in dem Fall des Kellners Meyer ist eine irrige Be­kundung mit subjektiver Ausrichtigkeit eidlich abgegeben worden. Mit dieser Möglichkeit, die so nahe lag, hätte man von vornherein rechnen, man hätte nicht mit der schweren Anklage des Meineids gegen Meyer vorgehen, sondern gleich annehmen sollen, was jetzt die Geschworenen festgestellt haben, daß der Kellner Meyer bei seiner Aussage guten Glaubens gewesen ist.

Andererseits würde man viel zu weit gehen, wollte man aus dem Kellner Meyer einen Märtyrer machen. Er hat tatsächlich Unrichtiges nusgesagt. Vielleicht hat seine Bil­dung nicht ausgereicht, ihn unterscheiden zu lassen zwischen dem, was seine Singen wirklich gesehen, und dem, was er auf Grund des wirklich gesehenen sich bloß vorgestellt hat. Das macht ihn straffrei — aber vorwurfsfrei macht es ihn nicht. Vorwurfsfrei sind allerdings auch die nicht, die an die naheliegende Möglichkeit subjektiven Irrtums nicht ge­dacht haben.

Da der Prozeß gegen den Kellner Meyer mit dem oldenburgischen Minister Ruhstrat zusammenhängt, so ist wohl bei diesem Anlaß auch ein Wort über die ganze Affäre Ruhstrat gestattet:

Ein Skandalblatt hatte den Minister Ruhstrat pöbelhaft angegriffen und verleumdet und wurde dafür verurteilt. Die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen hatte der Minister eidlich zurückgewiesen. Jetzt wurde behauptet, er habe falsch geschworen, und diese Behauptung sollte namentlich durch den Eid des Kellners Meyer erhärtet werden. Wer in aller Welt hat Anlaß, den Eid des Kellners Meyer höher zu be­werten, als den des Justizniinisters Ruhstrat, besonders nach­dem außer Zweifel ist, daß Meyer auch objektiv Falsches eidlich bekundet hat? Minister Ruhstrat hat bis vor sehn Jahren, bis zu seiner Ernennung zum Oberstaatsanwalt Glücksspiele gespielt. Das war unrecht. „Wer sich ohne Sünde fühlt, werfe den ernsten Stein auf ihn." Die unrich­tige Handlungsweise eines hohen Staats- und Justiz­beamten bars man ruhig zugeben, ohne der aus niedrigsten Motiven handelnden Revolverpresse auch nur einen Schein der Berechtigung zuzuerkennen.

JVab und fern.

t Dampfer-Zusammenstoß. Auf der Weichsel kollidierte der von Hela kommende vollbesetzte Dampfer „Vineta" am Sonntag in dichtem Nebel mit dem leer nach WesterPlattL fahrenden Dampfer „Sckwan". Zum Glück ging der Zu­sammenstoß ab, ohne daß Menschen dabei zu Schaden kamen.

t Der Heumagen vor dem Schnellzuge. Zwisten Mehlthauer^rnd Hof fuhr Ende voriger Woche ein voll.be­ladener ^eutragen über das Bahngeleise, dessen Barriere nicht geschlossen war. In demselben Augenblicke kam her Schnellzug München-Berlin daher. Die Lokomotive fegte den Wagen zur Seite, blieb aber im Gleis und setzte nadj einer Viertelstunde die Fahrt fort.- Ein Knabe wurde schwer verletzt.

t Unglück beim Vootsfahren. Auf dem Flusse Nidda in Hessen schlug ein Boot um, in dem sechs Personen am Sonn­tag Nachmittag eine Partie unternommen hatten. Zwei Maurer und ein Schlosser sanden den Tvd durch Ertrinken.

t Vergiftung durch Speife-Eis. In Birmingham erkrank- ten dieser Tage eine große Anzahl Kinder, die von italieni­schen Siraßenhändlern Eiscreme gekauft hatten, unter Ver- giftungserscheivungen. Mit Mühe konnte die wütende Volksmenge davon abgehalten werden, sich an den Händ­lern zu vergreisen.

t Das Unglücksfahrzeug. In der Nähe von Turin war dieser Tage wieder ein schweres Automobil-Unglück zu ver­zeichnen. Das Fahrzeug, das einem Turiner Fabrikanten gehört., stieß gegen einen Prellstein und stürzte um. Zwei der fünf Insassen waren sofort tot. Der Besitzer wurde tödlich verletzt.

t Ermordung eines Abgeordneten. In Trient wurde vor einigen Tagen der Landtagsabgeordnete Dr. Giuseppe Do­nati von seinem eigenen Bruder Silvio ermordet. Der Täter wurde verhaftet.

t Ein nttfgefahrenes Kriegsschiff. Bei der Insel Meledo an der dalmatinischen .Küste fuhr dieser Tage das zur öster­reichischen Marine gehörige Schlachtschiss „Wien", als es dem Schlachtschiff „Budapest" ausweichen wollte, auf einen Seifen und erlitt schwere Havarie. Das Steuer wurde zer­trümmert, und der Propeller ist gebrochen. Die „Wien" wurde vom Schlachtschiff „Monarch" nach Pola geschleppt.

t Tic Bombe des Anarchisten. In Mailand war ein Anarchist Bernardoni dieser Tage mit ber Fabrikation von Bomben beschäftigt, als eine explodierte. Der Anarchist erhielt schwere Verletzungen.

t Das Ende eines Panama-Mannes. Der durch feine Teilnahme an dem Panama-Schwindel berüchtigt gewordene Arton hat sich in Paris gestern vergiftet.

t Das gesunkene Unterseebot. Von dem wieder an das Tageslicht gehobenen französischen Unterseeboot „Farfadct" sind sämtliche Leichen geborgen. Wegen der Gase, die sich

infolge der Verwesung im Schiffsraum gebildet hatten, mußten die Arbeiten eine Zeitlang unterbrochen werden.

t Unwetter auf der Reuubahu. Während der am Sonn­tag in Maisons^Lafitte bei Paris abMhaltenen Pferde­rennen brach ein fürchterliches Unwetter los. Eine ganze Anzahl Personen haben dabei Verletzungen sich zugezogen.

ff Kampf zwischen Weißen und Negern in Newyork. Fort­gesetzt macht sich der Haß zwischen Weißen unb Negern in Newyork in blutigen Zusammenstößen Luft. So gab es vor ein paar Tagen dort iene richtige Nassen-Schlacht, in der 300 Negern 800 Weiße gegenüberstanden. Es wurde mit Revolvern geschossen, und von den Dächern herab wurde mit Ziegeln geworfen. In der Nähe des Schlachtfeldes mußte ein richtiger Verbandsplatz eingerichtet werden. Einem nach Hunderten zählende?? Polizej-A??igebot gelang es erst nach stundenlangem Bemühe??, die Kämpfende?? auseinander zu bringen.

ff Tic Pest in Asien. Nach soeben eingefrorenen Reibun­gen ist auf einigen Inseln im Persischen Golfe die inbifche Pest ausgetretene Der Dampferverkehr zwischen Buschir und Bahrein ist zeitweilig eingestellt und eine Quarantäne angeordnet worden.

ff Verwegener Ucberfoll durch Briganten. In seiner Villa bei Portici wurde der italienische Admiral Mirabello von sechs Individuen, die auf Leitern durch das Fenster geklet­tert waren, überfallen. Die mit Stöcke?? und Messern be­waffnete?? Räuber stürzten sich auf den Admiral, dem sie den Revolver, den er 311 seinem Schutz ergriffen hatte, ent­wanden. Der Bursche des Admirals kam hinzu und gab fünf Nevolverschüsse auf die Räuber ab, wora??f diese ent- slohen. Die Polizei machte sich an die Verfolgung, unb es gelang ihr, in einem Gehölz fünf ber Räuber festzunehmen, einer wurde durch einen Revolverschuß in die Brust schwer verwundet. Ang'blich sollen es deutsche (?) Handwerks­burschen gewesen sein.

ff Unglücksfall während des Gottesdienstes. In den Tabelle eines Hospizes in Fermo in Italien st?lrzte am Sonntag während der Messe der Fußbode?? ein. infolge des Unglücksfclles kamen 16 Personen ums Leben, und 32 er­litten Verletzungen.

Der Landwirt.

mg. Der Getreide-Ertrag in Dentschland. Das kaiserlichc statistische Anit hat eine Berechnung über den Ertrag an Getreide in den Jahren 1903/04 und 1904/05 ausgestellt. Danach hob sich die Ernte an Weizen von 3 555 064 auf 3 804 828 Tonnen und an Roggen von 9 904 493 auf 10 060 762 Tonnen von einem Jahr auf das andere. Die entsprechenden glimmen von Gerste und Hafer zeigen da­gegen einen Rückga??g. Die Berliner Handelskarnmer be­merkt zu diesen? Ergebnis, die Zahlen zeigten eine außer- ordentliche Leistungssähigkeit der deutschen Landwirtschaft. Insbesondere trete diese bei Roggen in die Erscheinung. Der Ernteertrag dieser für die Ernährung des Volkes wich­tigsten Frucht sei in den letzten drei Jahren so a?lßerordent- lich gestiegen, daß das Ersordernis eines Zuschusses bom Ausland allmählich zu verschwinden scheine, und tatsächlich habe die Einsuhr nahezu aufgehört.

Kunst und Rüssen schaff.

^. Der teuerste Shakespeare-Druck. Der höchste Preis, ben eine Shakespeare-Ausgabe bislang erzielt hat, ist vorige Woche bei der Versteigerung einer jüngst aufgefundenen Ouartausgabe von des großen Briten „Richard III." in London erzielt. Man rechnete höchstens auf einen Preis von 15 000 Mark. Zwe? Liebhaber des Buches, dessen 46 Seiten stark beschmutzt und bi el fach beschädigt und an den Ecken auch noch verbrannt sind, trieben ben Preis so hinaus, daß schließlich einer von ihnen mit 35 000 Mark am SödütgeBai blieb.

Nordpolsohrt. Leutnant Peary hat bon Newyork aus am Sonntag seine neue Steife zur Entdeckung des Nordpols angetreten.

Hue dem Gerichts saal.

§ Ter Prozeß Hügcr vertagt. Der vor der ersten Straf- kammer des Landgerichts zu Dortmund zur Verhandlung stehende Militär-Beleidigungsprozeß gegen den Oberst a D Hüger ist vorgestern auf unbestimmte Zeit vertagt worden' da der Beklagte durch ärztliche Atteste nachwies, daß er sich zurzeit in einem so angegriffenen Zustande befinde daß er außer stände ist, den Anstrengungen der Verhandlungen sich auszusetzen. Da inzwischen die Gericktsferien begonnen baben, so ist die Fortsetzung des Prozesses erst nach den Manövern, also nicht vor Oktober zu erwarten.

Vermischtes.

— Ter fjcimgc Markgräfler. Die Anhänger des Mark­gräfler Weines können sich freuen. Das Gewächs bietet ben liche Aussichten. Die Hitze dieses Sommers hat einen Wein gezeitigt, mie er nach dem Urteil von Rennern seit hundert Jvhren nicht besser gediehen ist. Wenn die nächsten Wochen auch nur einigermaßen günstiges Wetter bringen, dann gibt es ;m Herbst im badischen Markgräfler Lande einen reichen Segen.

— Ter abgefeimte Orden. Ein Schornsteinfegermeister in Bielefeld hatte vor einiger Zeit fein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum als Mitglied der freiwilligen Fe??erwehr feiern können,. unb aus diesem Anlaß war ihm das allgemeine Ehrenzeichen verliehen. Nachdem er die Auszeichnung ehw ' Monate getragen hatte, schickte er sie an das Geh. Zivilkobinetk nach Berlin zurück mit der Erklärung, daß ihm, als Offizier der Wehr, doch wohl ein höherer Orden zukomnie. _ SH? die Wehr von biefem Schritte Kenntnis er­hielt. schloß sie den Schornsteinfegerineister aus, da die Bin lmckweftung der Ordensauszeichnung, burd) die zugleich die ganze Wehr geehrt sei, eine Beleidigung für letztere bilde. Nun hat der Meister gegen seinen Ausschluß Klage ange- ürengt und ber interessante Prozeß wird nach Beendig??ng her Gericktsferien zum Austrag fommen.

— Zn dick für das Gefängnis. In Wien gibt es einen Fiaker-Kutscher namens Schmiedhuber, der als der dickstc Wann der Kaiserstadt bekannt ist. Wege?? eines geringen Vergehen« wider bic Fahrordnung sollte er kürzlich eine Poli- Vdidjc Sftafe zahlen, und als er sich weigerte, einige Tage ^rr^i akmackm. Schmiedbuber war bereit, die Strafe an-