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Nr. 66.Erstes Blatt.

Samstag, den 18. März 1905.

___14. Jahrgang

I«sertio«-Prei-, Die einspaltige Petitzeile für ganz Ober- Hfen, die Kreise Wetzlar «ch Marburg 10 Pfg. sanft 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

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Gie ßener

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(Hießener ©ageüsatf)

Wnaöhängige Tageszeitung

(Hießener Zeitung)

für Oberhessm und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen BekanNtmachlMgen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen.

Wh» «â^ Ui ^M^einui^ en gewisse U ' â°n d« W mit; MW erhöbe» Pachtungen G tünchten werd^, lfch.rührend ^ waches Aetvuf Trnumerlebnis berhâltnismH; 3" besinnen m- Mcien sink ^ " £ vergessen. & träume mit ge> stehen. Wenn en i'âvvvrsen , wenn ünch btt fielen. | ht schwierig jein. . einen bedeuten- ! fe er mit einem ' iber das wieder- habe. Das Er- | gemeines Gesetz : g von Träumen schwer und auch i ? und warnende i bis zu den Mär- und .^t entschei- tan geglaubt, das: Jähheit offenbare chen als lrachend an von dewrtigen will von Traum- rführerisch es fein Traumforschungeii issensclstft von dec ht viel versprechen eschen Hans Sch in der Poesie will.

Die Wissenschaft [ Standpunkt, ihn innen,

Der Krieg in OstZsien.

Die immer wiederkehrenden Gerüchte von einer Abbc- ruftiAg Kuropatkins haben recht behalten. Zar Nikolaus hat dem Drängen der Feinde des russischen Oberbefehlshabers ^gegeben und ihn seines Kommandos entsetzt. Kuropatkin bleibt Generaladjutant des Zaren. Man geht wohl nicht fehl, wenn man den Löwenanteil an dieser Wendung dem General Gripenberg beimißt, dessen Zwist mit Kuropatkin dm den Schiedsrichtern zuungunsten des letzteren entschieden worden ist und der bereits wieder ein Kommando erhal­ten hat.

Der neue russische Oberkommandierende

in der Mandschurei wird nach einem Ukas des Zaren Groß­first Nikolaus Nikolajewitsch fein, jedoch nur dem Namen nach. Er erhält den General Liniewitsch als Leiter der militärischen Operationen zugestellt. In Liniewitsch darf man also den eigentlichen Nachfolger Kuropatkins erblicken. Oberster Generalstabschef wird Suchomlinow, Unterchef des èeralstabes Sacharow, Befehlshaber der ersten Armee Ge­neral Kaulbars, der zweiten Armee General Gripenberg, Md der dritten Armee General Gerschelmann.

Die russische Niederlage bei Tielin

äst nach den letzten Nachrichten aus Londan sehr schwer ge- Desen. Die Japaner machten viele Gefangene. Die Russen Mußten in der Eile ihres fluchtähnlichen Rückgangs große Vorräte zerstören. Ebenso mußten sie viel Artillerie zurück- h*»

Kuropatkins Glück und Ende,

* Berlin, 17. M§kZ. ,

Auf den blutgetränkten Gefilden Mandschuriens hat fich^ mit dem Fall Mukdens unb Tielins der Vorhang über edren meuen Abschnitt des furchtbaren russisch-japanischen Kriegs- Mmas gesenkt. Mit dem Aktschluß verschwindet zugleich 2tt Hauptakteur aus russischer Seite für immer hinter den Kulissen. General Kuropatkin geht, von einem Befehl des ^rei i abberufen, um seinen Platz im Oberkommando an den érof] rürffen Nikolai Nikolajewitsch abzutreten. Seinen Ab- ©ang von der .Kriegsbühne begleitet ebenso einmütiges Zischen des getäuschten russischen Publikums, wie der Jiâel unisono war, der sein erstes Auftreten begrüßte.

Damals, als nach Alexejews kläglichem Fiasko 2üe Ober- gelrait in Kuropatkins Hände gelegt wurde, herrschte die heutige Zuversicht, daß dembesten Mann" Rußlands die Niederwerfung des gefährlichen Feindes gelingen würde. Auropaffin hatte sich in den .Kriegen gegen den Emir von Buchara und in den Kämpfen gegen die wilden Bergstämme Hon Turkestan wohlverdiente Lorbeeren erworben. ^Im

cu sst sch - türkischen Kriege war er Skobelews rechte HcMb und zeichnete sich bei der (Eroberung Plewnas aufs rühmlichste aus. In der militärischen Verwaltung hatte er gleichfalls durch seine mustergültige Rührung des transkaspischen Gou­vernements gute Fähigkeiten gezeigt. Seine Berufung auf ben verantwortlichen Posten des Oberkommandierenden in der Mandschurei dürfte nicht nur als eine neue glückliche Wendung in der Karriere des erprobten Mannes, sondern auch als ein Glück für die russische Sache betrachtet werden. Tas war die allgemeine Meinung in Petersburg.

And zuerst sollten ihr die Ereignisse auch scheinbar recht >en. Kuropatkins geschickten Schachzüg>en gelang es, den Feind unter Vermeidung größerer Aktionen immer weiter von seiner Operationsbasis abzuziehen und Zeit zu gewinnen, fein eigenes .Heer durch Heranziehung von Nachschüben an Menschen und Kriegsmaterial zu runden und zu stärken. Tie Petersburger Presse legte ihm bereits den Ehrennamen eines russischen Fabius Cunctator bei. Wie dieser römische Feldherr einst Hannibal durch geschicktes Ausweichen an melieren Siegen gehindert und durch Hin- und Herziehen ermüdet und geschwächt hätte, so würde es Kuropatkin auch den allzu eifrigen Japanern machen. Man lobte seine kühle Ruhe und Besonnenheit, die lieber auf schnellen Ruhm unb Ehren verzichten, als das Schicksal des Krieges auf eine Karte setzen wollte. Allmählich nur dämmerte die Er­kenntnis auf, daß man sich in Kuropatkin gründlich getäufchr hatte. EinZauderer" war er, aber keiner von denen, bei denen 'sich hinter verschlagener Zurückhaltung die Energie kräftigen Draufgehens im entscheidenden Augenblick birgt. Bei ihm war der Rückzug kein Schein, sondern der offene Ausdruck seines innersten Geistes. .Kuropatkin besitzt un­bestritten soldatische Schulung, aber er ist kein Stratege, er ist â tüchtiger General, aber kein Feldherr. Ihm fehlt der Wagemut,, der im gegebenen Moment die Chancen voll auS- zunützen weiß und kann, wenn es sein muß, auch einmal .alles auf eine Karte setzt.

Kurropatkin konnte sich nicht dazu aufschwingen. Ihm kam es in. allen Lagen darauf an, seine Armee zu retten, nicht den Sieg an seine Fahnen zu fesseln. Die Initiative feiner Untergeneräle, die ihm stellenweise günstige Handhaben zu großen Aktionen geboten hätte, förderte er nicht, sondern hemmte sie. Gripenbergs Vorstoß bei Sandepu, der mit 62 Baräonen unternommen worden war, hätte vielleicht. Wenn Kuropatkin ihn energisch unterstützt hatte, ungeahnt günstige Resultate zeitigen können. Kuropatkin schreckte vor­der Verantwortlichkeit zurück und zog es vor, eine verhältnis­mäßig kleine Schlappe zu erleiden, ehe er das Schicksal seiner ganzen Armee än Frage stellte. Tatsächlich hat er es aber gerade hierdurch gefährdet. Die Schlacht von Sandepu mar der Anfang van seinem und seiner Hauptmacht Ende.

Falsch wäre-.es nun, Kuropatkin aus seinen Mißerfolgen einen Strick zu drehen. Er hat sein Bestes hergegeben und sich stets durch persönlich« Bravour ausgezeichnet. Sein

Rückzug von Qiaujang war ein strategisches Meisterstück und auch die Sammlung des geschlagenen russischen Heeres nach der Schlacht bei Mukden kann als mustergültig bezeichnet werden. Daß er sich über seine Fähigkeiten getäuscht hat, ist verzeihlich. Für die Entwickelung der Dinge in Ostasien aber ist dieser Umstand von weitgreifender Tragik. Nicht allein .Kuropatkins Glück hat an ihm sein Ende genommen, auch Rußlands Stern ist durch ihn gesunken, vielleicht für immer.

DU Politik»

T Die Unterrichtskommission des preußischen Abgeord­netenhauses hat dem Plenum einen Antrag zur Annalmm empfohlen, nach beni am 9. Mai., der hundertsten Wie­derkehr des Todestages Schillers, in allen Schulen ein <ycU; actus stattfinden soll, mit Verteilung von Prämien, die aus Schillers Werken bestehen, an die Schüler. J'.i Berlin wird die Universität eine große Schillerfeier veranstalte^ U^vie ihr das Opernhaus zur Verfügung gestellt wird. Die Teil­nahme an dieser Feier soll nicht auf die Universitätskrerse beschränkt sein.

A Der Bergarbeiterstreik im Bezirk Nenrode ist beendet. Die Arbeiter haben bedingungslos die Arbeit wieder aus­genommen. Maßregelungen von Arbeitern finden nicht statt, den Streikenden wird sogar die Deputatkohle nach-

geliefert.

England,

<£ Dor einigen Monaten war eine Kommission von Zio­nisten, an ihrer Spitze Major Gibbons, ausgewogen, um Uganda zu erforschen, d. h. um zu ermitteln, ob Uganda für eine zionistische Niederlassung geeignet sei. Die Kommission ist auf dem Heimweg. Sie bat das Land sehr gesund ge­funden, kann sich aber gleichwohl nicht dafür begeistern, einen Ansiedelungsversuch dort zu macken. Sie ist selbst Gegen­stand von Angriffen seitens der Eingeborenen gewesen, und glaubt deshalb, daß Ansiedler noch heftiger befeindet werden würden. Der Bericht an den nächstsommerlichen Zionisten­kongreß wird wohl darauf hinauslaufen, Uganda nicht 31t empfehlen.

Die Etatsberatungen sind in England wie anderwärts das Schmerzenskind der Negierungen. Auch dort wird das Bndgetgefetz regelmäßig nicht rechtzeitig fertig. Zur Aus­hilfe hat Balfour vorgeschlagen und die Mehrheit des Un­terhauses hat ihm beigestimmt, daß die Beratung über gewisse notwendige Etatsteile zu festgesetzten Zeiten geschlossen wer­den müssen. Die Minderheit erklärte natürlich, daß hierin eine Beeinträchtigung der Freiheiten des Parlaments liege.

Balkan-Staaten>

^ In Mazedonien merken die Banden von den türkischen Trrrppenführern einzeln auiaeh oben und unschädlich aemaAt.

Der Eselsmüller und dieFalschmünzer

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Von Gustav Rohleder, Grünberg L H.

Alle Rechte Vorbehalten.

(Nachdruck verboten.)

Hören Sie auf, junger Kollege", so unterbrach ihn nur einen Augenblick, bitte". Heiner,kennen! Sie den Eselsmüller? Wenn dieser ^^^ ^* q^^^

Satanskerl Sie in seine Finger kriegt, dann gute Nacht, Herr Kollege".

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Sorgen soll er für dich, sein Töchterlein möge eine liebe Schwester se n. Du aber folge ihm als ^^br Sohn, dann mein Junge, geht es dir gut." L i. Arsche, (Mätzel hieß er), nach seiner Mutter, Mprach alles zu tun, um den Meister zufrieden zu Men. Ec sehnte sich nach Arbeit und Ruhe, suchte >auch Liebe. So ein Findelkind fühlt mehr als Äre Kinder, Heimweh nach demVatecherzen, welches n^m nicht gegeben wurde.

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Bald kam das köstliche nordische Essen, Suppe mit Neisch, Schweinebraten mit Kartoffeln usw., einfach, Ms fangen?" sagte Düsseler, er hatte mit ihm gedient, .MN, da falschmünzern wir bis zum Weltuntergang". Neumeyer war einer der dümmsten Gänsejungen ge- I Barfaß hatte er bis zu Konfir-

Mtion für die reichen Bauern an der Diemel die

I D° Prina Mu meyer war eir Uesen, die es gab.

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^6äff ^1 per nicht bringen können. ,$et^ Jahren aemustert kavitulie

, Als er später Kuhjunge war, fühlte sich schon erhaben. Zum Pferdelnecht hatte er es 7 - Ec wurde mit zwanzig

Jahren gemustert, kapitulierte und als sein Schnurr- x^iibort anfing zu wachsen erhielt er die Treffen. Sein -tMNgE alter Sergeant, wie er gewöhnlich genannt war, blieb sein Vorgesetzter. Vonoben her" faßte ihn derselbe MMW^ oft. Der Feldwebel ein Marquis von Toledo, nannte ^^^ihn nie anders als das gespiegelte Eichhörnchen. Nun fetzt hatte er als Invalide Stellung, wie er es nannte.

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alt.

4^1*10 d Neumeyer saß bei seinen beiden älteren Kollegen gab ihnen Unterricht über den Fang der Falsch- dB cnunzer. Er wollte Leib und Seele an den Teufel jungen ansliefern, wenn er nicht die ganze Bande fangen und ns Zuchthaus bringen würde.

Die Bauern waren der Unterrednng gefolgt, denn eine ganze Anzahl war im Wirtszimmer. Bei Heiners Worten brachen sie in ein kaum endenwollendes Ge­lächter aus. Der ihnen allen nur zu gut bekannte Eselsmüllec saß ja bei den drei Beamten, ohne daß er bemerkt worden war. Heiner kannte ihn, wenn auch die beiden anderen noch nicht.

Hohnlachend rief, als endlich die Winterberger Bauern zu Ruhe kamen, der Neumeyer dem alten Heiner zu:Kollege, Sie müssen überhaupt nicht wissen, wer ich bin und wo ich gedient habe".

Ehe Neumeyer seinen Redeschwall beendet hatte, fiel ihm der Eselsmüller ins Wort und sprach:Wir sind hier in Küstelberg, und ein ehemaliger Gänse­junge, nachmaliger Kuhjunge und jetziger Unteroffizier im X.......Bataillon, ist für uns wenig genug."

Diese, mit eisiger Ruhe gesprochenen Worte des Esels­müllers wirkten so verblüffend, daß alle sprachlos ihn anstarrten. Dann auf einmal brach ein tosender Beifallssturm los. Neumeyer sah aus wie eine Leiche.

Endlich raffte sich derselbe auf, schritt auf den jetzt ruhig dasitzenden Eselsmüller zu und frug mit wut­verzerrtem Gesicht:Mensch, wer sind Sie, wissen Sie, wer ich bin

Gewiß", entgegnete in Ruhe der Eselsmüller,Sie wollen der neue Grenzjäger sein, Sie haben ja soeben es selber gesagt. Ich aber bin der Eselsmüller".

Jetzt erst sah Heiner, den in anderer als ihm be­kannten Kleidung vor ihm sitzenden Eselsmüller an. Gewiß und wahrhaftig, es war der Teufelskerl, der Eselsmüller.

Gute Reise, neuer Kollege". Dieses sagend, stand Heiner auf und sprach zu Knackwurst:Herr Kollege,

- Draußen aber konnte

Heiner vor Lachen kaum reden. Endlich sprach er: Kollege, der Hochmuts- und Einfaltspinsel von Neu­meyer erhält eben eine gründliche Abkühlung, ächt Küstelberger Art. Wir werden jetzt einen Spaß er­leben, der nur wenigen im Leben passiert. Dieser Eselsmüller ist mit dem Teufel im Bunde, daran zweifle ich alter Bursche nicht, wenn auch mein Ernst miet) auslacht. Uns Kollegen soll dieser Kerl vom Halse bleiben. Aber diesen neugebackenen hochmütigen Grenzjäger Neumeyer mag er mal ordentlich anteufeln." Dann gingen sie zurück in das Wirtszimmer, um noch ein wenig den Dingen zuzusehen.

Neumeyer hatte schon seine Fragen an den Esels­müller gestellt, derselbe aber gab recht dumme Ant­worten. Gerade als die beiden wieder eintraten, frug Neumeyer den Eselsmüller:Noch einmal frage ich Sie, wie Sie hechen?"

Habs schon gesagt, obgleich ich es nicht nötig hatte:Hans von dec Dachshöhle", so erwiderte der Eselsmüüer.

Kerl, glauben Sie mich uzen zu können, dann zeige ich Ihnen wer ich bin."

Das sehe ich ja mit diesen meinen Augen, Sie sind ein Mensch, wie wir, haben einengewichsten" Schnurrbart und grüne Uniform."

Kerl, jetzt ist es aber genug", schrie Neumeyer, ich bin königlicher Grenzbeamter, wissen Sie es nun." Währenddessen ging Heiner und Knackwurst wieder hinaus und zum Marktplatze.

Nun", erwiderte der Eselsmüller,wäre dieses wahr, dann hätte es schon im Amtsblatt bekannt ge­macht werden müssen. Sie scheinen weiter nichts als ein ächter Windbeutel zu sein, wie der Kappen­schneidec".

Fortsetzung folgt.