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* Nr. 42,Erstes Blatt.

perlten Z«fertio«SvreiS r Die einspalttge Petttzeile für ganz Ober-

J®ot^ Hellen, die K'-.-ill Wetzlar und Mo bürg 10 Pfg. sonst 15 T^. V ^erte Reklamen die Petitzeae 30 resp. 40 Pfg.

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^'^ nicht Redaktion u. Hauptexledi iön: Gießen, Selteröweg 83.

FernfprechanschLuh Nr. S6L.

Samstag, dm 18. Februar 1905. a

14. Jahrgang

AbonnemeutSpreis: abgeholt monatlich 50 Pfg., in's HauS gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährl.Mk.1.50.

Gratisbeilage« : Oberhesfische Aamilienzeituug (täglich) und die Gietzener Seifenblase« (wöchentlich).

Das Blatt erscheint an alle« Werktagen nachmittags.

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Hlnaöhängige Tageszeitung

(Gießener Jettnng)

für Oberhesse« und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalauzeiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

BekaNKimachnNg.

MuAtag, den 27. Februar d I., «achm. 3'A Uhr

wird zu Gießen im Cafe Ebel eine

H«supèVSVsK«r«rlM«K

des kandwirtschaftlichen Bezirks-Vereins zu Gießt«

stattfinden, zu der die Mitglieder und alle Freunde des Vereins eingeladen werden.

Gießen, den 14. Februar 1905.

Der Bsrsta«d

-es l«u-w. Bezirksvereitts Gießen.

Dr. Breidert.

1.

2.

3.

Tages-Ordnung:

Bezug von Saatkartoffeln und Saatgut.

Vortrag des Herrn Professor RrichelL-Friedberg über: Obstverwertung.

Verschiedenes.

Während der Versammlung findet eine Aus-

Kreml. Daß er seine Hand im Spiel behielt, zeigte die Ernennung seines Gehilfen Bolngin zum Minister des In­nern an des Fürsten Swiatopolk-Mirski Stelle. Die schein­bare WiederhersteMlng rußiger Zustände ließ den Groß­fürsten Sergei zum Kreml zurückkehren, und hier sand er dasselbe Ende wie Minister v. Plehwe am Warschauer Bahn­hof in Petersburg.

Großfürst Sergei war tief verhaßt. Man wußte, daß gerade die Maßregeln, die die größte Empörung hervor­gerufen, seiner Initiative zuzuschreiben waren. Dartmn hat auch die Verbrecherhand gegen ihn sich zu erheben den Willen gefunden. Dem Zaren Nikolai II. gegenüber ha­ben die Revolutionäre sich mit Drohungen begnügt.

Es kann nicht davon die Rede fern, in irgend einem Sinn nach Beschönigungen für die Untat vom Freitag zu suchen. Keine Erklärung vermag das Verbrechen zu rei­nigen aber auch das Opfer eines Verbrechens wird durch sein beklagenswertes Ende noch kein Märtyrer. . . ,

stellung von Saatgutproben statt.

Grossfürst Sergius ermordet!

Während die Erörterungen über angebliche oder wirkliche Reformpläne in Rußland immer mehr ins Uferlose gingen, hat die Propaganda der Tat den beklagenswerten Mut zu Verbrechen gefunden. Ein Telegramm meldet:

Moskau, 17. Februar, 4 Uhr 5 Min. Auf der Fahrt des Großfürsten Sergius vom historischen Museum nach dem Kreml wurde der Wagen beim Justizpalast von zwei Personen in einer Droschke erwartet. Als der Großfürst den Justizpalast passierte, folgten sie dem Wagen, eine Bombe wurde unter den Wagen geworfen; es erfolgte eine starke Explosion, der Wagen wurde Zertrümmert und der Großfürst getötet. Die Mörder wurden verhaftet, einer ist schwer verwundet. Ferner sind mehrere Stu­denten verhaftet.

Voll Entsetzen steht die Kulturwelt vor diesem neuen Ver­brechen derPropaganda der Tat", und voll Abscheu wendet sie sich von einer Gemeinschaft ab, die durch Ermordung ein­zelner ein Regierungssystem zu ändern versucht, das ihr der Aenderung bedürftig scheint.

Ein Charakterbild des ermordeten,

Petersburg, 17. Februar.

Großfürst Sergei war der fünfte von den sechs Söhnen »Zar Alexanders II. und hat ein Alter von noch nicht 48 Wahren erreicht. Mit der Zweitältesten Schwester des fetzigen -Großherzogs von Hessen Prinzessin Elisabeth 1884 ver- mählt seit ihrem im Jahce 1891 erfolgten Uebertritt zur orthodoxen russischer Kirche heißt sie Jelissaweta Feodorowna war er der Schwager des Prinzen Heinrich von Preußen und seines Neffen, des Zaren Nikolaus II.

Der Krieg in Ostasien.

Am Schahs hat die russische Offensive wieder energisch eingesetzt. Es haben bereits eine ganze Reihe kleinerer Gefechte stattgefunden. Am 15. b. Mts. war auf der gan­zen Front Kanonendonner zu hören. Von japanischer Seite wird jetzt bestätigt, daß

die ruffische Kavallerie gegen den linken Flügel der Japaner in Tätigkeit getreten ist; Einzelheiten über Stärke der Abteilung und die Be­wegungen sind aber nicht bekannt.Der völlige Fehlschlag der letzten Aktion der russischen Kavallerie" so heißt es meinem Bericht aus dem japanischen Hauptquartier, läßt hier annehmen, daß auch von dem jetzigen Versuche wenig zu befürchten ist."

Ein eigenartiges Zusmnnwntreffen, das man kaum dem Zufall Zuschreiben möchte, ist es, daß zur selben Zeit, wo General Griepenberg seine Ankläger: gegen Kuropatkirr wegen des unglücklichen Ausgangs der Schlacht am Hurrho dem Zaren 31t übermitteln in der Lage ist, Kuropatkin bau neuem die Einleitung zu einer gleichen Schlacht trifft. Vielleicht geht er von dein Gedanken aus, zu zeigen, daß er ohne Grieperrbergs Fehler imstande geweserr wäre, ben Feind auch damals zu schlagen. Ob es ihm gelingen wird, diesen Ven>eis zu erbringen, ist sehr fraglich. Vorläufig hat Griepenberg für seine Anklagen das Ohr des Zaren, der ihr: bereits in einer Privataudienz empfangen haberr soll. Daß Griepenberg seinen früheren Oberbefehlshaber nicht schonen wird, geht aus Aeußerungen hervor, die er

Versuche gemacht, durch Abkommen von einem Einzelstaat zum andern der unerquicklichen Lotterie-Eifersucht den Bo­den abzugraben. Preußen schloß mit Ltibeck ein festes Ab- kommen und bahnte ein gleiches mit Mecklenburg an, wo­durch die preußische Lotterie zur Staatslotterie in Lübeck und Mecklenburg mürben oder werden sollten. Preußen übernahm dabei die Leistung einer Entschädigung. Kürz­lich schlnebten Verl)andlungen zwischen Preußen und Braunschweig, die nicht auf Vereinheitlichung der beiden Lotterien, sondern auf wechselseitige Zulassung ab- zieleri sollten. Augenblicklich ruhen die Verhandlungen, die auf dem eben angegebenen Weg kaum zu einer Verständi­gung führen werden.

Oerterrexcb-^Ingfar^,

T Das neugewählte ungarische Abgeordnetenhaus ist unter dem Vorsitz des Alterspräsidenten Madaraß zusammen- getreten,, der seine Funktionen mit der Erklärung begann, daß die in der vorigen Session beschlossene Änderung der Geschäftsordnung des Hauses unter Rechtsbruch zustande gc- Ecmmcn, daher ungesetzlich sei und daß er die Beratungen nach der alten Geschäftsordnung leiten werde. Echt magyarisch! >

bereits in Moskau gemacht hat.

Anklagen Griepenbergs gegen

General Griepenberg äußerte sich gegenüber dabin: Einzig Kuropatkin

Kuropatkin.

einem Interviewer trägt die alleinige

CürhcL

^ Die Pforte hat sich bereit erklärt, zur Bekämpfung des Ränberunwesens im Vilajet Uesküb, wo täglich Mord­taten begangen werden, in Uesküb ein Standgericht einzu- setzen, das inappellable und binnen 24 Stunden vollstreck­bare Urteile zu'sprechen befugt sein soll, ebenso wie die Ge­richte in Saloniki und Monastir. Unter den 7 Mitgliedern des Gerichts sollen 3 christliche Beisitzer sein.

c? Die Regierung der Insel Kreta hat Schulden gemacht und kann sie nicht bezahlen. Die Minister der' Pforte blicken mit verständnisvoller Teilnahme auf dieses Ergeb­nis der Herrschertätigkeit des Prinzen Georg von Griechen­land.Als wär's ein Stück von mir/7 soll der Großherr in Beziehung auf Kreta gesagt haben. Die vier Kreter Ga­rantiemächte haben sich entschlossen, die Zinsen der von ihnen vorgestreckten 4 Millionen auf weitere 5 Jahre zu stunden. Auch wollen sie ihre Trrippen von Kreta zurückziehen und nur ihre Stationsschiffe dort belassen. -

Amerika.

<ß Der Ungarverein Newyork hat in vergangener Woche dem Präsidenten Roosevelt zu Ehren ein Bankett in einer recht obskuren Stadtgegend veranstaltet. Der Präsident hatte die Ehrung angenommen und erschien im Verein, wo er die heiterste Laune an den Tag legte und übermütige Laune erweckte. Er mürbe recht burschikosTaddy" an­geredet, mitElfen Taddy" trank man ihm zu, jeder durfte ihm die Hand schütteln. Allerdings hatte die Polizei die Vorsicht geübt, die Identität jedes einzigen Vereinsmitglieds vorher genau festzustellen, jedes Fenster unb jedes Dach der umliegenden Häuser besetzt.

Obwohl er seit vielen Jahren sich vom Zentrrun der Po- utik fern hielt, weil er als Generalgouverneur in Moskau galt er doch, und mit vollem Recht, für eine Hariptstütze, ja für die Seele der sogenannten Großfürstenpartei. Pobje- oonoszew, der fanatische Generalprokureur des heilig diri^ ßl-erenden Synod, war ebenso wie der vorletzte Minister des ; innern v. Plehwe nicht die Führer, sondern die Stroh­männer, nicht die Köpfe, fonbem die Instrumente der seit dem Tode des ^aren Alexander II. in Rußland maßgeben- »den Politik. Ruht erst unter der Regierung seines Neffen ; hat Großfürst Sergei entscheidenden politischen Einfluß go^ p sonnen, er hat ihn schon auf seinen Bruder Zar Alexan- Uder III. in unheilvoller Weise geübt. Er war es, der die Gemahlin seines Bruders, die jetzige Kaiserin-Mutter Marie Feodorowna, für sich zu gewinnen wußte. Die Art, wie er das getan, ist für ibn charakteristisch: Er simulierte eine ver­zückte hingebende Verehrung für die hohe Frau, die nicht umhin konnte, sich durch die demütigste Huldigung eines Mannes geschmeiä-elt zu fühlen, der überall sonst einen fast erschreckenden Zynismus an den Tag zu legen, mit ihm förmlict) zu kokettieren liebte. Großfürst Sergei war immer für extreme Maßregeln, für unbedingte Rücksichtslosigkeit, bon der niemandem, der mit ihm in Berührrmg kam, Proben erspart geblieben sind. In diesem Sinn übte er sein Amt als Generalgouvernerrr von Moskau aus, selbst russische Ge­duld durch sein Verhalten erschöpfend. Mußte die Kauf­mannschaft bei irgend einem offiziellen Anlaß zu ihm gehen, so war sie sicher, öaß sie Zeugin mnd Mitwirkende bei Pein- lichen Szenen sein würde.

Was man ihm an persönlichen Neigungen laut und öffentlich nachsagte, soll bei bem jetzigen traurigen Anlaß nicht wiederholt werden.

Als in Petersburg die Unruhen ausbrachen in der zweiten Hälfte des Januar und die Diktatur eingeführt Wurde verlien Großfürst Sergei seine Amtswohnung im

Schuld am Mißlingen der Schlacht nm Hunho. Ich hatte vom frühen Morgen bis zum späten Abend standgehalten, als sich herausstellte, daß mein linker Flügel zu schwach war. Als ich Kuropatkin um eilige Verstärkung der 60 Bataillone bat, die mir zur Verfügung standen, schlug er mir sie ab. Hätte er sie gesandt, war der Sieg unser. Die Japaner wären dann in einem festen Ring von 100 000 Mann eingeschlossen gewesen. Als Kuropatkin mich um 5 Uhr nachmittags zum Zurückgehen aufforderte, war ich mit meinen Leuten im Vorteil. Nur zähneknirschend fügte ich mich dem Befehl und am nächsten Morgen bat ich um meine Verabschiedung.

Die öffentliche Meinung ist in diesem Streite entschieden auf Seiten Griepenbergs. Wenn Kuropatkin nicht seine Feld Herrn schuft durch einen neuen Erfolg ad oculos de­monstriert, ist an seiner Abberufung kaum zu zweifeln. Ob allerdings, wie behauptet wird, Griepenberg selbst zu seinem Nachfolger ausersehen ^ *ann mehr als fraglich er­scheinen.

Hof und Gesellschaft.

*** Wie in München verlautet, wird sich Prinz Georg v o n Bayern, der älteste Sohn des Prinzen Leopold, mit der Erzherzogin Marie Prinzessin von Tos* cana verloben. Prinz Georg ist ein Enkel des Kaisers Franz Josef von Oesterreich. Sein Vater hat die Erzher­zogin Gisela zur Frau. Prinz Georg ist am 1. April 1880 geboren und âst Oberleutnant im 1. schweren Reiterregi­ment.

Die Politik

0 Die Ncichstagskommission hat mit anerkennenswerter Schnelligkeit den Beschluß gefaßt, dem Plenum die Annahme aller sieben Handelsverträge zu empfehlen. Die Sozial­demokraten und der Abgeordnete Gothein von der freisinni­gen Vereinigung stimmten gegen die Verträge. In der kom­menden Woche werden die Verträge die zweite und dritte Lesung im Reichstag passieren. Die Annahme mit großer Mehrheit ist sicher.

A' Aus dem öffentlichen Leben Deutschlands soll eine Anomalie allmählich schwinderli, die lange genug Anstoß gegeben hat. Für das Lottcriewesen hat es bisher eine Reichseinheit nur insofern gegeben, als das Reich einen Lot­teriestempel erhob. Im übrigen aber schlossen die Einzel­staaten für ihre Lotterien die Grenzen gegeneinander sorg­fältig ab. Wer in der Lotterie eines anderen deutschen Staates spielte, machte sich straffällig, und trotz Sedan wurde der wunderliche Begriff desdeutschen Lotterie-Aus­lands" geschaffen. Erst langsam, ganz langsam, wurden

heer und flotte

Verstärkung der deutschen Nordseebefestigungen. Für das Jahr 1905 ist, wie bereits früher angekündigt wurde, eine wesentliche Verstärkung, bezw. Verbesserung der dem Be­fehlsbereich der Marine unterstehenden Hafenbefestigungen an der Elbe- und Wesermündung vorgesehen. , Die Küsten­batterien. an der unteren Elbe werden um eine vermehrt und an der unteren Weser soll eine gefallene Küstenbatterie durch eine neue, modernen Anforderungen entsprechende er­setzt werden. Die Küstenartillerie soll durchgängig moderni­siert und namentlich die Feuerwirkung der Weserforts er­höht werden. Die neugeschaffene Inspektion der Küsten­artillerie wird durch Verstärkung und Erweiterung der Be­festigungsanlagen an Bedeutung gewinnen. Im Falle eines Krieges unterstehen diese Anlagen insgesamt, einschließlich der beiden Matrosen-Artillerie-Abteilungen in Wilhelms­haven und Friedrichsort dem Inspekteur der Küstenartillerie als Oberbefehlshaber.

P^ah und fern.

^ Eine ganze Reihe von Schiffsunfällen, die mehr oder minder schwer verliefen, ist zu verzeichnen. Der Dampfer Orizaba" der Orient-Linie, der sich auf der Fahrt von London nach Sydney befand, ist bei Garden Island ge­strandet. Der KreuzerKatoomba" ist aut Hilfeleistung abgegangen. Das Wetter ist sehr ungünstig, und man be­fürchtet, daß der Dampfer ganz wrack wird. Der Karls­kron aer DampferLinnäa" ist mit Mann und Maus unter-