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Mr. 14.!

Dienstag, den 17. Januar 1905

14. Jahrgang

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A-«h«emeNtSpreis: abgehslt monatlich 50 Ma., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährl. Mk. 1.50. GlmliSbettage«: Oberheffische Famitteuzeitunq (täglich) und die Gietzener Seifenblase* (wöchentliche

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Redaktion u. HauptexpMttonr Gießen, GelterSweg 83.

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(Gießener GageßlaU)

Unabhängige Tageszeitung

(Gießener Zeitung)

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für Oberhessen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

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polnische Geheimbiindeiei.

Vor der Strafkammer in Gleiwitz hat ein polnischer Geheinrbündeleiprozeß begonnen, bei dem namentlich die Fmumwelt und zwar insbesondere die Gattin eines Zeitungsverlegers, aber auch männliche Mitglieder der ra­dikal-Polnischen Partei eine Rolle spielen. Nach alter Polen­sitte haben sie sich in ähnlicher Weise, wie dies in den Grenz­romanen geschildert wird, unter dem Schein, als ob sie gi?fel= lige Interessen pflegen wollten, versammelt und hierbei in ihrer Art an dem Neuaufbau des polnischen Staates gear­beitet, indem sie des alten Reiches Glanz und Herrlichkeit feierten und die Erlösung von der deutschen Tyrannei vor­zubereiten suchten. Man ist vielfach geneigt, solche geheimen Zusammenkünfte in ihrer Bedeutung als revolutionierendes Element zu unterschätzen, namentlich auch deshalb, weil die Frauenwelt dabei mit beteiligt ist. Abw gerade die Geschichte der Slavenstaaten zeigt uns, welche verhängnisvolle Nolle der Fanatismus und die glühende Begeisterungsfähigkeit weiblicher Propagandisten in der Nevolutionsgeschichte spielt. Auch in der französischen Bewegung von 1789 findet sich eine Reihe von hervorragenden Frauen, die in ihren Salons die politischen Bestrebungen pflegten und die Männer zur Aktivität entflammten. Gerade da wo eine Frauenhand den Brand auf den Herd legt, ist in der Regel die revo­lutionäre Tendenz am schärfsten: konsequenterweise finden sich, wie es auch bei dem Gleiwitzer Prozeß der Fall ist, die weiblichen Mitglieder der politischen Ausschüsse immer bei dem radikaleven Teil. Es liegt dies tief in der Natur des Deibes begründet, das in seiner Begeisterungsfähigkeit die realen Grenzen nicht überblickt und auch nur an solche Männer sich anschließt, die sich für eine Heldenrolle be­geistern lassen.

Bei der oberschlesischen polnischen Bewegung setzt die Teilnahme der Frau an dem politischen Leben in dem Augenblick ein, in welchem bei dem gemäßigten Polentum, das nur seine eigene Sprache und seine Literatur pflegen wollte, die radikale Richtung zum Durchbruch kam. Im Anfang trug diese ein gewisse soziale Färbung und zeigte sich geneigt, eine Spielart der Sozialdemokratie zu werden. Wie seinerzeit auch die gemäßigte Richtung, mit Rücksicht auf das katholische Bekenntnis der Polen, fast vollständig im Kielwasser der Zentrumspartei schwamm. Die Politik der gemäßigten Richtung mag im Gegensatz zu dem schlesischen Jungpolentums äußerlich allerdings einen weitaus ver­trauensvolleren Eindruck machen. Die sentimimtale An­hänglichkeit an die Muttersprache, in der das Kind seine ersten zärtlichen Worte stammeln lernt und die Gebete flüstert, muß auf das Gemütsleben immerhin einen ge­winnenden Eindruck machen. Allein auch eine gemäßigte nationalistische Propaganda, hak ihre schweren Gefahren, weil sich die Grenzen dafür sehr schwer festsetzen lassen. Einmal vom Bogen geschnellt, nimmt der Pfeil eine Rich­tung, die der Schütze nicht mehr bestimmen kann. Darum ist es geboten, selbst eine maßvolle polnische Propaganda unter die Staatskontrolle zu nehmen und die Heranwachsende Fugend ganz in der deutschen Sprache zu unterrichten. Die Forderung einer Pflege des polnischen Idioms wird ja vielfach aus Gründen einer idealen Gerechtigkeit selbst von deut­schen Patrioten unterstützt, weil in der Toleranz gegen die sremde Nationalität sich ein sympathisch-menschlicher Zug offenbart. Aber diese Pflege muß der Familie und privaten Reisen überlassen bleiben. Die Schule hat andere Auf- ^bm. Sie muß die Heranwachsende Jugend mit unserer Kultur befreunden und für unsere Nationalität gewinnen; das aber ist nur möglich durch eine rein deutsche Erziehung, I fahrend die Halbheiten zu den Erscheinungen führen, wie

uns in dem Gleiwitzer Prozeß vor Augen stehen. Eine radikale Richtung steht immer auf den Schultern einer ur­sprünglich gemäßigten Propaganda, die doch nur deshalb gemäßigt erscheint, weil die schärfere Tonart den Maßstab bildet, v y

Stadt bedeutend besser 'seij'als man erwartet hatte. Die Russen schienen keine feststehende elektrische Anlage besessen zu haben. Die russischen Offiziere äußern sich nicht darüber, ob die Kriegsschiffe durch Einlässen von Wasser oder durch das japanische Granatfeuer zum Sinken gebracht wurden. Die Lazarette sind in leidlichem Zustande, der Sold war bis zur Kapitulation nur teilweise gezahlt worden ; dann aber erhielten die Soldaten die rückständige Löhnung, be­vor Stössel die Kapitulation abgeschlossen hatte. Die ja­panischen Gefangenen waren schlecht gehalten, sie erhielten kein Feuerungsmaterial und hatten nur zweimal Erlaubnis, das Gefängnis verlassen zu dürfen. Hunderte von japani­schen Fischern wurden nach Port Arthur geschickt, um beim Auffinden von Minen behilflich zu sein.

Ueber die

Gefechte bei Niutschwang

wird von japanischer Seite noch folgendes gemeldet: Die russische Abteilung, die Niutschwang und Niutschiatung an­griff, war 2000 Mann stark. Der Angriff erfolgte am 12. Januar nachmittags 3 Uhr mit Schrapnellfeuer; gegen 8% Uhr machte die Abteilung drei verzweifelte Angriffe auf das japanische Traindepot. Die Japaner erhielten Verstär­kungen, nachdem die an zwei Stellen zerstörte Eisenbahn­linie ausgebessert war. Die Russen ließen 62 Tote und 11 Verwundete zurück. Die japanischen Verluste waren 2 Tote und 11 Verwundete. Nach japanischen Meldungen wurden die Russen auf dem Rückmarsch von 8000 Japanern abge­schnitten. Die Japaner ziehen bedeutende Verstärkungen herbei, so daß jetzt volle Sicherheit herrscht. Man erwartet, daß die Japaner die chinesische Bahn jenseits der großen chinesischen Mauer besetzen werben, da sie infolge der russi­schen Neutralitätsverletzung dazu gezwungen sind.

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Der Krieg in Oftafien. . .

Von dsm tapferen Verteidiger Bon Port Arthur ist von -tL^asaki aus ein Telegramm an den deutschen Kaiser eint gegangen, in dem der tapfere Verteidiger Port Arthurs für die Verleihung des Ordens pour le mérite seinen ehr­erbietigsten Dank ausspricht. Von Nagusccki aus tritt Stössel die Heimfahrt auf einem Dampfer der australischen Schiffahrtsgesellschaft an. In Nagasaki wurde auf Stössel . während seines dortigen Aufenthalts jede mögliche Rücksicht genommen. Vor allem wurde er seinem Wunsche gemäß von jeder Abstattung eines Besuchs entbunden. Stössel druckte sich sehr anerkennend über die Behandlung dex ^ fangenen durch die Japaner aus. - - v -

Ein Austausch der Gefangenen

t soll nach Meldungen aus Tokio beabsichtigt sein. Der Vor- j schlag dazu sei von Rußland ausgegangen. Die japanische» Negierung habe bereits ihr volles Einverständnis zu, er« ^ kennen gegeben.

Der Zustand von Port Arthur.

Ein aus Port Arthur in Tokio eingetroffener Marine« offeier sagt, daß der Zustand der Kriensickisss ««^ ^

General JVHfcbtfcbenkos Streifzug, . -

^ Berlin, 16. Januar.

Der kühne Handstreich des Kosakenführers .General Mischtschenko, der die linke Flanke der Japaner für einige Tage ernstlich bedrohte, ist zwar nach Meldungen aus To6o energisch zurückgewiesen worden. Mischtschenko selbst ist zum russischen Hauptquartier zurückgiekehrt.^ Trotzdem be­hauptet man in Petersburg, daß die rückwärtigen Verbin- 5ungen der Japaner immer noch bedroht wären. Ein neuer Vorstoß größerer russischer Kavallerieabteilungen, die dies­mal von genügender Infanterie begleitet sein würden, könne jeden Tag ins Werk gesetzt werden. Man sieht in General Mischtschenkos kühnem Vorgehen ein günstiges Prognostikon für eine bevorstehende umfassende Offensive Kuropatkins. Ohne diese optimistische Auffassung völlig zu teilen die Japaner haben energische und erfolgreiche Gegenmaßregeln ergriffen mutz der objektive Beobachter doch zugeben, daß General Mschtschenkos Attacken in der Tat mehr als ge­wöhnliche Kosakenritte gewesen sind. Der kühne Reiter- führer drang ganz überraschend weit nach Süden vor, be­drohte Niutschwang so heftig, datz die Japaner einen Tell der Stadt verlassen mußten, und fügte der Eisenbahnlinie zwischen Haitschöng und Taschischao erheblichen Schaden zu. Dabei operierte er mit relativ bedeutenden Truppen und hatte auch eine Anzahl Feldgeschütze mit sich alles Umstände, die darauf schließen lassen, daß er Aktionen von Wichtigkeit im Auge hatte; eine Version will sogar wissen, daß General- Mischtschenko den Versuch machen wollte, bis auf die Halbinsel Liaotung vor­zudringen und die japanischen Kolonnen, welche die schweren Belagerungsgeschütze von Port Arthur an die Ufer des Schaho zu transportieren haben, zu überfallen. Die Japa­ner setzten aber, so überrascht sie auch von dein plötzlichen Auftauchen so großer feindlicher Abteilungen im Rücken ihrer Armee gewesen sein mögen, dem weiteren Avancieren der Kosaken rasch ein Ziel und die vorliegenden Berichte konstatieren übereinstimmend, daß die Angriffe der Kosaken sowohl bei Niutschwang als auch an der Eisenbahnlinie zu- rückgeschlagen worden sind; die Kosaken dürften sich zeit­weilig in einer sehr prekären Situation befunden haben und teilweise noch befinden, da die Japaner jedenfalls alles aufgeboten haben, um ihnen den Rückzug nach Mukden ab- zuschneiden und auf diese Weise Revanche für den Putsch zu nehmen,'der im Hauptquartier Oyamas große Erregung! hervorgerilfen zu haben scheint.

Gewiß verdient der Plan Mischtschenkos die Anerken­nung aller Mlitärs; man darf sich aber nicht über ein Mo­ment hinwegtäuschen, das geeignet ist, den militärischen Er­folg, so weit er vorhanden sein sollte, durch diplomatische Unannehmlichkeiten zu mildern. Erst kürzlich haben sich die Russen in einer Zirkularnote, die bereits den Mächten über­reicht wurde, über Verletzungen der Neutralität durch China beklagt. Sollte es sich nun ergeben, daß die Kolonnen Mischtschenkos, wie in Tokio vermutet wird, zu ihrem. Vor« dringen tatsächlich das rechts Ufer des Liaoho benützten, so läge hier eine Verletzung der chinesischen Neutralität durch die Russen vor, da ausdrücklich dieses Ufer als außerhaM des Kriegsterrains gelegen anerkannt wurde. Angesichts einer solchen Sachlage würde nicht nur Japan selbst zu Re­pressalien auf demselben Terrain greifen können, sondern es könnte auch durch seine Vertreter in Peking die Lage» noch komplizierter gestalten, als sie es jetzt infolge des kus« stschen Protestes ohnehin schon ist r .r ^ ^

Die Politik.

<& Zwischen Berlin und Detmold sind wieder angeneh­mere Verhältnisse angeknüpft worden, wie folgendes Tele­gramm des Kaisers an den Grafregenten Ernst beweist: In dankbarer Erwiderung gestrigen Telegramms spreche ich Ihnen und dem lippischen Lande mein aufrichtiges Beileid aus.

*

^ Der Generalausstand im Ruhrrevier ist nunmehr er­klärt worden, weil der Bergbauliche Verein, der Verband der Arbeitgeber, die sämtlichen Forderungen der Arbeiter­schaft entschieden abgelehnt hat. Trotzdem hat man noch nicht alle Hoffnung auf Beilegung des Zwistes auf- gegeben. Auf Beschluß des preußischen Staats­ministeriums und unter Zustimmung des preußischen Ab­geordnetenhauses hat sich eine Kommission unter Führung des Oberberghauptmanns v. Velsen und zusanmiengesetzt aus Vertretern des Ministerimns des Innern, in das Ruhr­kohlenrevier begeben mit der Aufgabe, eine Untersuchung ins Werk zu fielen. Es soll zunächst den Arbeitern Ge- legenheit gegeben werden, chre Beschwerden näher darzu­legen, und sodann sollen die zur objektiven Feststellung des Sachverhalts weiter erforderlichen Ermittelungen vorge- nommcn werden. Nach dem Gebiet des Ausstandes ist Militär abgegangen.

- Oesterreich-Ungarn, §

0 Schon mehrfach ist von dem Eintritt Oesterreichs in die Molonialpolitik die Rede gewesen. Neuerdings haben die Meldungen eine bestimmte Form angenommen, und zwcm ist natürlich der Blick in erster Linie auf Ostasien gerichtet^ Es handelt sich um die Erwerbung einer Station für die österreichische Marine zwischen Singapore und Hongkong. Auch sollen wegen Ankaufs der in niederländisö^m Besitz befindlichen Anambas ° Inseln Verhandlungen angeknüpft sein. ' 1

Balkan-Staaten»

=t= Daß für das kommende Frühjahr neue Verwickelungen insbesondere durch die fortdauernde Gäjhrung in Maze­donien befürchtet werden, hat auch König Peter von Ser- bien in einer Ansprache an die Offiziere angedeutet. Er sprach den Wunsch aus, daß die Armee für die großen Auf­gaben, die ihrer harren, vollständig vorbereitet sein mögen. Man ist zur Zeit in Serbien mit der Neubewaffnung des Heeres eifrig beschäftigt. - - >r v

ANen.

H- Seit Lord Kitchener in Indien das Kommando führt, ist dort, wie auch kürzlich im englischen Parlament hervor­gehoben wurde, mancherlei gebessert worden. Es bleibt aber noch vieles zu wünschen übrig, denn Kitchener hat mit seiner Demission gedroht, wenn nicht weitere Reformen in der in­dischen Armee eingeführt und namentlich eine Anzahl Per­sönlichkeiten, die Kitchener für unbrauchbar hält, entlassen würden. Angesichts der energischen Haltung Kitcheners hat die Regierung es vorgezogen, dessen Wünsche zu erfüllen.

Pof und Gesellschaft.

König Friedrich Aug ust von Sachsen wurde bei seiner Ankunft in Berlin mit besonderen Ehren empfangen. Der Kaiser war mit großem Gefolge auf dem Anhalter Bahnhof erschienen. Er empfing den König, der die Inn form des 2. Garde-Ulanenregiments mit dem Bande des Schwarzen Adlerordens trug, mit Umarmung und Kuß. Nach dem Abschreiten der Ehrenkompagnie, die vom 4. Garde-- regiment z. F. gestellt war, fuhren die Monarchen in ge­schlossenem Galawagen, der von Garde-Ulanen eskortiert wurde, zum Schlosse, wo Galatafel stattfand.

*** Die Großherzogin Karoline von Sach­sen-Weimar, die an Lungenentzündung schwer erkrankt ist, soll nach Nachrichten aus Weimar im Sterben liegen^ Die ^''wßherzogin ist eine geborene Prinzessin Reuß ä. L. -

Politik und Sohnespflicht.

Paris, 16. Januar. !

In der inneren Krisis, die sur Zeit die französische Re­publik wieder einmal erschüttert, hatte eine sturnnsche Sitzung der Kanrmer, die bis zum Sonntag früh dauwte. die Entscheidung in nächste Aussicht gestellt. Das Schicksal des Ministeriums Combes schien besiegelt. Zwar lvar e^ gelungen, ein Vertrauensvotum für das Kabinett durchzu­drücken ; allein die Mehrheit war eine so knappe, daß die Abdankung Combes die notwendige Folge sein mn^te. Da onte dem Kabinett weitere Lebensfrist von einer Seite ge­währt werden, auf die es wohl am letzten gerechnet hatte.

Aus der Heimat des Präsidenten^Loubet kam die Nach­richt, daß die greise Mutter des Staatsoberhauptes auf ihrem Bauerngute im Dorfe Marsanne bei Mont Elimar nn Lungenentzündrnlg schlver erkrankt sei. Damit trat in allen politischen Geschäften^alSbald eine Stockung ein. Prä­sident Loubet gedachte der Sohnespflicht und ließ die Staats-