Nr. 114
Dienstag, den 16. Mai 19u5
14. Jahrgang
Fische unb H sie leun. t an aus Sut- Ms
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Fer»sprOch»»schkth Nr. 86t*
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(Gießener Hageötatt)
Anav-ängige HageszeNung
(Gießener Zeitung)
für Oberhessen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalauzeiger für Gietzen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Grotzh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
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1 mich uder- efon- Mal Mornichts 'n an- nWr W\n ft sorv MB und n jeden in wel- Haltet: empsan' b um st ! Situa- i schnell zusetzen.
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eine französisch-deut sehe Hnnäberung.
Großes und berechtigtes Aufsehen ruft in allen politischen Kreisen eine aus Paris kommende Nachricht bervor. Sie ist geeignet, das gegenwärtige Verhältnis zwischen Frankreich . und Deutschland in eine ganz neue Beleuchtung zu riicfen, i die Annäherung beider Länder zu erleichtern imb lnancherlei ; freundliche Ausblicke in die Zukunft zu ermöglichen. Es wird offiziös gemelbet:
Der französische Ministerrat hat im Prinzip beschlossen, eine Abord 'g nach Berti» zu senden, um die Regierung bei der Hochzeit des deutschen Kronprinzen zu vertreten.
Ueber die Zusammensetzung der Sondergesandtschaft soll ! in einer der nächsten Sitzungen des Ministerrats Beschluß • gefaßt werden. Es soll dann entsckßeden werden, ob die ; Mission ausschließlich aus militärischen ^Persönlichkeiten be- j stehen soll oder ob eine Zivilgesandtschaft vorgezogen wird, ! der einzelne Vertreter der Armee beigegeben werden.
Mit diesem Schritte hat die französische Regierung zum ; erstenmal seit 1870 den Entschluß gefaßt, an einem fami- • livrell Morgang im deutschen Kaiserhause, bem allerdings * politische Bedeutung nicht abzusprechen ist, teilzuuehnreu. ; Das ist ein Ereignis von weittragender Sebeutung, das in (recht deutlicher Weise zeigt, wie wenig die leitenden Männer in Frankreich daran denken, sich mit den hetzerischen Tiraden der Nationalisten zu identifizieren. Und man kann ruhig ; annehmen, daß die Regierung bei ihrem Vorgeben die Mehr- I best des französisä^n Volkes hinter sich hat. Die Franzosen 1 haben ein feines Empfinden. Kaiser Wilhelm hat ihnen im : Laufe seiner Regierung in zahlreichen Fällen Beweise seiner j Eourtoisie gegeben; überaus hoch hat man es dem Monarchen / in allerjüngster Zeit angerechnet, daß er mit feinem Takt nefübl bei der Einweihung des Kriegerdenkmals in Grave ! lohe keine Ansprache gehalten hat. Wie leicht hätte ein ' Wort, eine Wendung das subtile Gefühl Frankreick^ für dic I Ehre und die Traditionen seiner Armee, selbstverständlich nur unbewußt, verletzen können. Der Kaiser gilt etwas in Frankreich, man schätzt seine sprühende Impulsivität, seine energie- und lebensvolle Persönlichkeit. Und so blicken sic nach Deutschland, nicht mehr in das Land des Feindes, fon* . dern in das Nachpa^reich, dessen Erfolge man betonn bert I an dessen junger Kraft man die natürliche Verbündete für i die eigene Kulturaufgabe erblickt. Zu solchem Ziele führen weder die von Leuten nach Art des Herrn D6rouldde u h Genossen propagierte Revanche-Idee, noch die Vorschl'^g^ ^deulscl)er Pt)antasten, wie sie jüngst von einem preußischen General gemacht sein sollen. Eine Vereinigung zwischen Frankreich und Deutschland auf allen kulturellen Wegen - - fürwahr, ein schöner Gedanke. Und die Gesandtschaft zur Hochzeit des deutschen Kronprinzen ist ein Schritt zu diesem Ziele. „ .
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Der Krieg in Ostasien.
' ( In Japan hat man sich durch alle Versick-erungen der fr an- zosischen Regierung über die Aufrechterhaltung bet New t?alität in Indochina nicht beirren lassen und auf eigene
- ^uft weitere Nachforschungen angefteHt. Diese haben an- r s^^7eblich zu einem überraschenden Resultat geführt. ^^M^warkt- ** Roschdjestwensky noch in der Honkohebucht. Aiilliii^ z Aus Tokio wird das folgende Telegramm verbreitet:
i / Hier liegt bestimmte Nachricht vor, daß die Baltische Flotte, nachdem sie zeitweilig die ^ontoljebudjt am 8. d. M.
'\ verlassen hat, dorthin zurückgekehrt ist und noch dort bot
tzett
Anker liegt.
Die japanische Regierung verbot infolgedessen die Aus- fuhr von Kohle nach Saigon; dieses Verbot soll so lange Äf 'andauern, als die ruffifd)en Schiffe sich in den iitbochmesischcv
* «esti^^^E Gewässern befinden.
Darauf, daß J Kriegskonterbande.
ist werden- Wie aus Saigon weiter gemeldet wird, fuhr der englische
.âbald Dampfer Carlisle in den Fluß ein, ging bei Nhabe vor er T^SiW^ Anker und gab an, Handelsgüter an Bord zu haben. Der ns rend MF stellvertretende Goâneur ordnete jedoch eine Unter- en "^2 jedâ ^ suckmng an, toobet Munition gefunden wurde. „Carlisle" ildelN i ^stsch^ gurbe sofort einem Kanonenboot übergeben, das den anders! v rstan^' Dampfer überwacht.
Tatlg'e" I ----------------
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Oie Politik.
11* Die Beziehungen zwis-l-en dem Kniserhof und dem ^50(1 von Cumberland sollen zurzeit wieder ziemlich ao- pc^nnte sein. Mit der berftörtten Mißstimmung v-ird ba^ einiger Zeit an eine Kriegervereinigung in Hannover ■ wichtete Telegramm in Zusammenhang gebracht. ch denc der „ewigeu Zugehörigkeit Hannovers zu Preußen" H! Rede ist. Auch sollen die vor längerer Frist besannt Torbenen Bemühungen des Herzogs non Cumberland, *-F feinen ältesten Sohn 'ein Herzogtum VraiUischweig- ^nebnrg zu erlangen, als auf ein unannehmbares Ziel b K - r Achtet aufgefaßt toorben sein- Diese verschiedeneu Äu- I / / - ue sollen den Grund abgeben für das Fernbleiben, des
IliV*’ / * erzogâ bon Cumberland und seiner Söhne von dv'r Feier
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der Hochzeit des Kronprinzen. Als einziger Verwandter des Hofes in ©miinben wird Prinz Nlnx von Baden mi! seiner Gemahlin der Hocl-zeit beiwohnen. Prinzessin Mar ist eine Tochter des Herzogs von Cumberland.
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Ä Zum Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg i^' der bisherige Regierungspräsident in Kassel, v. Trotts be- nifen worden. An seine Stelle tritt in Kassel der bisherige Polizeipräsident von Potsdam, Graf v. Bernstorff.
8«^ Die Dampfer der Hambnrg-Amcrikulinie toerben auf Wunsch des Kaisers in Zukunft auch Tanger anlaufen.
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es Deir Senat in Hamburg hat eine Vorlage über bü Aenderung der Verfassung und des Viirgerwahlrechts ans- gearbeitet Danach bleiben die Notabeln- und Grnndeigcn- tümer-Wahlen bestehen; in den allgeineinen Wahlen ivähtl künftighin die Stadt 72 Abgeordn^e, das Land 8 Abge ordnete; die Wahlberechtigten der Stadt werden in drei Gruppen nach der Höhe des Einkonunèns abgestuft und zwar bis zu 3000 Mark, bis zu 6000 Mark und über GOOC Mark. Jede Gruppe wählt 24 Abgeordnete und zwar nacl. dem System der Proporrionalwahlcn. Alle drei Jahre rin det eine halbschichtige Erneuern! g sla't, jede Gruppe wählt 12 Abgeordnete auf 6 Jahre. In den Landbezirken bleib: das bisherige Wahlrecht bestehen; den Beamten wird da: passive Wahlrecht verliehen. Die erste Wahl nach diesem System soll im Jahre 1907 erfolgen. Der Zweck ist nach ber mitgegebenen Begründ g, das Vordrängen der niebrig- besteuerten und unselbständigen Elemente einnifchrantc/ da diese sonst bei den allgemeinen Wahlen alle Manda . an sich reißen und mit der Zeit auch in die Notabelnwahlca eindringen würden.
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35 Die Reise des Fürstbischofs Kopp nach bem kaiserlichen Hoslager in Metz wird jetzt dahin erklärt, daß der firdjlid Würdenkräger dem Kaiser den Orden baut heiligen Grab. Su überreichen gedenke. Das Patriarchat in Jerusalem Hai ben Kaiser gebeten, den Orden als Erinnerung an dem Aufenthalt in Palästina anzunehmen. Fürstbischof Kov- ist mittlerweile in Metz eingetroffen. Er wurde von Bi schof Benzler und dem Bezirkspräsidenten empfangen. 04 u>as später kam Reichskanzler Graf Bülow an. Auch Kardinal Fischer von Cöln ist ^iner- ^insa-bima ^s Kaiser, folgend nach Metz abgereist,
(?) Der Ttad) Marokko entsandte Svezialgefandte 61r Hattenbach ist nunmehr in Fez beim Hofe des Sultans ein- getrofffen. Vor dem Tore wurde Graf Tattenbach vom Kriegsminister, dem Kaid Meckuar und verschiedenen Mi: gliedern des Maghzen begrüßt. Der Tag des Empfangs- durch den Sultan ist noch nicht festgesetzt. Auf der Reif im Innern des Landes war der deutsche Spevalgefanbt von den Kaids der verschiedenen Stämme begrüßt und von ihren Reitern eskortiert worden.
Russland*
T Wider Erwarten ist der erste Mai ziemlich ruhig bet laufen. Nur in Moskau bildeten sich ötcnidjenanfamm lungen, jedoch fanden keine Zusanimenstöße statt. In Twer entstand ohne ersichtliche Ursache eine Panik, in Reval der suchten die Arbeiter einen Aufzug, wurden aber zerstreut und hielten später eine Versammlung in der Nähe der Stabs ab. In Petersburg wurden die sich bildenden Menschen gruppen ohne Waffengewalt zum Auseinandergeihen p bracht. Ohne einen Mordanschlag allerdings ging es nicht ab. Der Arbeiter Sidortschuk gab auf den Polizeimeister von Schitomir, Kujarow, als dieser gerabe ein Restaurant der PetArsb)!rgskaja betreten wollte, zwei Revolverschüssc ab. Kujarow verschied binnen weniger Augenblicke- T^r Mörder ist verhaftet.
^ürhd*
^ Zwischen Rumänien und der Hohen Pforte ist ein Konflikt ausgebrochen. In Janina wurden zwei wallachisix Beamte durch die türkischen Behörden verhaftet. Nach einem Ministerrat unter Vorsitz des Königs Karl verlangte bis rumänische Regierung von der Hohen Pforte in einer Note sofortige Auslieferung der Verhafteten, Schadenersatz imb Absetzung des Gouvernerirs von Janina, ferner Aner- kennung der in der Türkei wohnenden Rumänen als Unter- tanen eigener Nationalität. Die Note hat die Form ein. - Ultimatums und verlangt AnNvorl bis znm 23 Mai. Brr Nichterfüllung der Wünsche Rumäniens wird die Regierung in Bukarest den Gesandten aus Konstantinopel abberufen und die diplomatischen Beziehungen zur Hohen Pforte ab brechen.
Hmmka.
S1 In Washington ist der internationale Cisenbabu kongreß geschlossen worden. Der Kongreß soll in jiic Jahren wieder eine Tagung in Bern abhalten. Bei N- • Säüußdiner betonte Sdxi^fefretär Shaw, die Vereinig' Staaten wünschten keine Zollkriege. So lange anl>-" Staaten keine Unterfdüebe in der Zollbehandlung gegen :*^ Union einführen würden, werde man in Nordamerika m- einen Zollkrieg nicht denken. Eine Aenderung des Dina?.:;.
tarife fei nicht maln - b ^ e
nicht, da sich feine Mehrheit im Bariameul n^en werde."
Des und Gesellschaft, w» „^.
^•^i&r Kaiser unternimmt von Schloß UrbtTfc aitB täglich Ausflüge, meistens mittels Autouiobils, auch besucht er in der Stabt Urville die gemeinnützigen Anstalten. Daneben erledigt der Kaiser eifrig Negin-ungsgefchäfte- Auch der Kriegsminister Don Einem ist in Schloß Urville einge- iroffen. — An Mr. Allison Armour m Renwork, den Vorsitzenden des Starr-Aicsschusses für die Ozean Wettfahrt um den Kaiser Wilhelm-Preis ha der Kaper ein Telegramm gesandt, in dem er den a ^ Wettfahrt beteiligten Jacht- beschern seine besten $ruD. sendet und die Hoffnung au§- spricht, daß die Wettfahrt von gutem Erfolge begleitet füll möge.
Der deutsche Kronprinz hat sich mit seiner Braut und in Begleitung des Großherzogs iinb der Großherezogin von Meckleiiburg-Schwerin mittels Aiito. mobils von Rabensteinfeld nach Ludwigslust begeben, wohin das großherzogliche Hoflager übergefiedelt ist. Das Geschenk der deutschen Städte für das Kron-
Prinzenpaar soll am 5.
durch eine Deputa-
hon, bestehend ans den Bürgermeistern d< - Städte Naum- bürg a. S., Hirschberg und Kloster Zinna überreicht werden.
Es besteht aus einem in der königlichen Porzellanmauu- faktur in Berlin hergestellten Dessert-Service, das mit
Abbildungen historischer Bauwerke aus den Städten ziert ist.
*** Prinz Eitel Friedrich von Preußen ist England in Potsdam wieder eingetroffen.
den der-
aus
*** Prinz Heinrich von Preußen nahm ... Hamburg an der offenen Segelwettfahrt des Norddeutschen Itegatta-Vereins auf der Alster teil, an der sich 27 D'XNö beteiligten. In der Sonderklasse siegte Prinz Heinrich nnt dem den Herren ©ollmann und Krogmann gehörigen Boot „Tilly VII". Nach Beendigung der Regatta fuhr Prur; Heinrich nach Danzig, wo er die kaiserliche Werft besichtigte, und trat von dort einen achttägigen Jagdausflug nach Lerke im Regierungsbezirk Oppel:.
in
Reer und flotte.
Eine interessante Hafensperrung wurde im Hafen von Portsmouth versucht- Man hatte eine ungeheure Kette, welche mit eisernen Spitzen versehen war, gelegt, um den Hafen abzusperren und eventuelle Torpedoangriffe auf denselben zu verhindern. Der Hafen war zwölf Stunden für alle anderen Schiffe gesperrt. 300 Matrosen an Bord von zwölf Booten und Schleppdampfern waren mit dem Legen der Kette beschäftigt, wobei mehrere Unglücksfälle zu verzeichnen waren. Die Versuche ergaben, daß die Kette sogar Panzerschiffe, welche den Durchbruch b ersuchn würden, schwer beschädigen könne.
preussischer Landtag
Haus der Abgeordneten.
itzung.)
RK Berlin, 15. Mai.
Zum brüten und legten Male erhob sich heute der Kampf um die Verwaltung gemeinschaftlicher Jagdbezirke; er konzentrierte sich um den Antrag v. Olden- bimg, der einen Einsprucl, gegen die Art der Verpachtung erst einem Drittel sämtlicher Jagdgenossen zugestehen 'will. Des einzelnen Kleinbesitzers nahm sich dagegen der Abg. Herold (Zentr.) mit Wärme an und geriet so immer wehr in Gegensatz zu dem Großgrundbesitzer v. Oldenburg. Ein heftiger Wortkainpf mit persönlichen Spitzen entbrannte zwischen den beiden, und als schließlich die Ab- stimmung kam, zeigten sich die Konservativen als die Schwächeren. Mit 160 gegen 69 Stimmen wurde der Gesetzentwurf angenommen. Noch länger tobte der Streit um die Novelle zum Warenhaussteuer- 6 e s e tz. Schließlich wurde die Novelle gegen die Stimmen der Linken angenommen. Morgen steht der Antrag Hackenberg über die Lehrerbesoldung, der aus dem Schul- kompromiß ausgesondert ist, zur Beratung
Das P^ascbinen-Zätaltcr.
— Glossen zur Motorboot-Wettfahrt Algier—Toulon. — „Dem umpanzerte Kraft und dreifaches Erz die Brust, der zuerst den gebrechlichen Kiel dein Nèeer vertraute." Mit diesen Worten leitet ^Horaz die Klage ein über das verwegene, grenzenlose Streben des Menschen, das immer dem Verbotenen, um nicht zu sagen: dem Unmöglichen zugewandt sei.
Horaz hat recht gehabt, weit mehr als er selbst wußte. Das hölzerne Schiff ist längst überwunden und überholt. Wir haben mit dreifachem Erz gepanzerte Ungeheuer, von denen es beinahe schon ein Wunder ist, daß sie überl)aupt schwimmen können; und diese ehernen Niesen, die mit dec Geschwindigkeit des Sturniwindes durch die See rasen, werden in ihrer Richtung von einem Fingerdruck bestimmt. Alle Errungenschaften der Technik sind in dem schwimmen-