Nr. 189.________________
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Montag, den 14, August 19u5,
Gie ßener
___________14. Jahrgang
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Neueste Nachrichten
(Gießener T«rgeS5aM) Unabhängige Tageszeitung (Gießener Zeitung)
für OberhefftA und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalauzeiger für Gießen und Umaebuna
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Grosch. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberö-n-n d 9<
Viehzucht und fleischpreise.
~m preußischen Landwirtschaftsministerium hat eine Beratung der Vorsitzenden dec Landwirtschaftskammern in Anwesenheit des Ministers v. Podbielski stattgefunden. Da- Ergebnis der Konferenz wurde am Nachmittag von dem Landwirtschaftsmmrstec Herrn v. Pod- bielski bei dem Bankett der Lairdwirtschaftskammer-Vorsitzenden in einer programmatischen Tischrede der Oessent- lichkeit unterbreitet. Wir geben im folgenden den ^iiQait der Ausführungen des Herrn Ministers wieder:
Der deutschen LandwirtMft ist zu Unrecht der Vorwurf gemacht worden, daß sie nicht imstande sei, die Bevölkerung des Reichs in genügendem Maße mit Fleischnahrung zu versorgen. Die Behauptung, eine Zunahme des Rindviehbestandes von 10 Millionen auf 11 Millionen Haupt und des Schweinebestandes von 10,9 auf 12,56 Millionen sei gegen- über der Vermehrung der Bevölkerung unzulänglich, läßt einen sehr wesentlichen Faktor außer Betracht, den nämlich, daß die Qualität unseres Viehs sich außerordentlich gehoben hat. Die dürftigen und kleinen Kühe, die ehedem die Regel bildeten, werden auf dem Lande kaum mehr angetroffen, und die Fortschritte unserer Viehzucht haben es dahin gebracht, daß unsere Rinder und Schweine, die sich früher nur langsam entwickelten, schnellwüchsig geworden sind. Tie deutsche Landwirtschaft ist demnach in der Lage, den heimischen Bedarf zu decken, und namentlich kann die Moduk- tion an Schweinefleisch der jeweiligen wachsenden Naastrage sich ohne Schwierigkeiten schnell anschließen. Was den Preis des Schweinefleischs betrifft, so ist es eine irrige Annahme, daß ar nur oder hauptsächlich von dem Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage abhängig sei. Auch die Produktionskosten üben eine wesentliche Einwirkung aus. Man braucht nur zu bedenken, daß ein Zentner Schweinefleisch bei uns die Verfütterung von zehn Zentnern Kartoffeln zur Voraussetzung hat, um einleuchtend zu finden, daß bei uns der Kartoffelpreis den Preis des Schweinefleischs in erster Reihe mit bedingt, wie in Amerika, wo Maisfütterung die Regel ist, die Schweineproduktionskosten vor allem von dem Ausfall der Maisernte abhängig sind. Im übrigen sollte man der Schweineaufzucht einen nicht zu karg bemessenen Ertrag um so eher gönnen, als er zumeist den Aermsten zugute kommt, den kleinen und kleinsten Besitzern, Pächtern und Landarbeitern, die in der Regel nur zwei Schweine aufziehen: eins für den eigenen Bedarf und eins zum Verkauf. Auf diese Schichten der landwirtschaftlichen Bevölkerung entfallen 75 Prozent der gesamten Schweine- produktwn, während die Besitzer von 100 Hektar Landes und darüber nur mit 8 Prozent daran beteiligt sind. Eine Preissteigerung, die allgemein ist, muß als wünschenswert und erfreulich betrachtet werden, insofern sie eine Erhöhung des durchschnittlichen Standes der Lebensführung anzeigt. Eine übermäßige Steigerung aber müssen wir selbst am meisten beklagen, weil sie ein Trugbild öarstellt und zu einer Zuchtvermehrung führt, die einen schroffen Rückschlag herbeizwmgt. Eine solche übermäßige Preissteigerung ist letzt vorhanden, und unsere Aufgabe wird es fein, Mittel 3ur Beseitigung ausfindig zu machen und anzuwenden.
âahle ich eine Reform der Preisnotierungen auf den Schlachtviehhosen in der Richtung, daß der tatsächliche hreisitand genau und zuverlässig wiedergegeben, das Le-
^Ügcstellt und der Schlußschcinzwang eingeführt »»nw?fet B* m^ außer Augen gelassen ivcrden, daß ^ ’ ^, h'V'“ ^ "'^ August die Preise anzuziehen pfle- gen. ^-te fotzen Prege werden wohl auch noch 3 bis 4 Wochen anhalten l dann aber ist meines Erachtens durch den Uebersluß an Schweinefleisch ein Nachlassen mit Sicher- Seit zu erwarten. Mangel, das sei wiederholt betont ist auch letzt nicht vorhanden, und ihin ist die Höhe der Preise nicht zuzuschreiben. Das zeigen schon die Berliner Austrieb- zahlen, die letzthin eine Höhe erreicht haben (13 560 Schweine), wie tm vergangenen Jahre nie und im voroer- gangenen ^ahr nur an wenigen Tagen. Und der Markt wurde nicht ganz geräumt! Das einschlägige Material soll der Oesfentlichkcit vollständig übergeben werden. Ich habe in einem Blatt den Vorschlag gelesen, der Berliner Magi- strat mochte eine Schweinemästerei für hunderttausend Schweine einrrchten. Ich wäre,mit der Ausführung dieses Vorschlages vollkommen einverstanden, und die Landwirt- ichaftsverwaltung wurde zur Förderung des Projektes alles tun, was in ihren Kräften steht. Die Probe würde zeigen ob die Stadt Berlin selbst bei den hohen Fleischpreisen auf ihre Kosten kommt Es ist uns gelungen durch rücksichtsloses, hartes, 'aber durch das Gemeimntüresse als notwendig erkanntes, opferwilliges Vorgehen die Lungenseuche vom deutschen Viehbestand lern- zuhalten, die Maul- und Klauenseuche zu unters Das hat große Auswendungcn verursacht, Hunderte Millionen die von der deutschen Viehzucht aufgebracht werden mußten und bei ihr natürlich unter den Produktionskosten zu Buche stehen. Wir haben damit erreicht, daß unsere Markte und Stalle gesund sind. Aber jede Einfuhr bildet eine Be. ^°Ä"g' .we"" d'°. Einfuhr nicht auf das genaueste über. Wacht und aufs äußerste eingeschränkt wird. Mit jeder Massenbewegung von Vieh ist die Gefahr der Seuchencin-
schleppung und der Seuchenverscbleppung verbunden ^n England, das man als das klassische Land de^ Freihandels zu betrachten gewohnt ist, darf deshalb kein Stück lebendes Vieh angeführt werden. Es wäre unverantwortlich wollten wir um einer vorübergehenden unerfreulichen Preishöhe willen das ungeheuere Vermögen, das von der deutschen Viehzucht repräsentiert wird, aufs Spiel setzen. Der preußische Rinderbestand bewertet sich anf 2% Milliarden der deutsche auf 4% Milliarden Mark, der Preußische Schweinebestand auf 700 Millionen, der deutsche auf 1 Milliarde Mark. Diese unter großen Opfern von Seuchen befreiten und vor ihnen gehüteten Wehrte durch Oeffnung der Grenzen wieder der Verseuchungsgesahr aussetzen — das können wir nicht, das dürfen wir nicht! Diese Gefahr aber ist vorhanden und schon recht nahe gerückt. Die sibirische Pest ist bereits in Russisch-Polen ausgebrochen. Ich habe mir die Frage vorlegen müssen, ob angesichts dieses Umstandes die Grenze nicht völlig zu schließen wäre. Ich bin nach reif- lichen Erwägungen zu dem Ergebnis gekommen, daß ich davon Abstand nehmen kann, solange die Seuche jenseits der Weichsel bleibt. Hat sie aber die Weichsel an irgend einer Stelle überschritten, so werde ich die Anordnung der völligen Grenzsperre für meine Pflicht halten."
ist der friede in Siebt?
London, 12. August.
(Eig. Bericht.)
Me Nachrichten über den Stand der Friedensverhand- lungen bieten ein Bild von solcher Verworrenheit, daß auch das hellhörigste Ohr kaum irgend eine Antwort aus all den Depeschenreden und angeblichen programmatischen Grfliv rungen auf die ^rage heraushören kann: „Ist der Friede gesichert oder nicht?" Die gestern als absolut sicher in die Welt gesandte Liste der japanischen Forderungen wird heute wieder als unrichtig bezeichnet. Zu gleicher Zeit will man aber wissen, daß Rußland bereits Gegenvorschläge gemacht oder einzelne der japanischen Wünsche, so die Abtretung Sachalins, die Beschränkung in der Zahl der Kriegsschiffe und die Auslieferung der in neutralen Häfen ankernden Panzer abgelehnt hat. Nach der einen Quelle soll bei den Friedensdelegierten der tiefste Pessimismus herrschen, andererseits wird behauptet, Witte be- schäftige sich ernstlich mit der den Japaneim zu erteilenden Antwort und Halte eine Verständigung für wahrscheinlich. In Wirklichkeit liegt die Sache so, daß alle nach Europa gelangenden Meldungen auf Vermutungen, wenn nicht Erfindungen beruhen. Von beiden Seiten bewahrt man in Portsmouth vorläufig absolutes Stillschweigen, und steht ein Mitglied des Kongresses einmal einem Ausfrager Rede, so ist es sicher, daß nur gänzlich unverbindliche und inhaltslose Worte gewechselt werden. Die japanischen Forderungen mögen nicht ganz so lauten, wie sie veröffentlicht wurden. Aber wahrscheinlich decken sie sich im allgemeinen mit den Veröffentlichungen. Das liegt in der Situation selbst, denn umsonst wird Japan die ungeheuren Opfer nicht gebracht haben — es verlangt positive Leistungen. Rußland wird sich selbstverständlich so lange wie möglich sträuben und auch vielleicht schließlich einige Erleichterungen erzielen. Aber es hatte seine Gesandten nicht nach Portsmouth geschickt, wenn es nicht entschlossen gewesen wäre, materielle Anerbietungen, also Kriegsentschädigung in irgend einer Form und Abtretung gewisser Gebietsteile, zu geben. Wie aber die Diplomaten in Portsmouth zurechtzukommen trachten, das verraten sie vorläufig nicht.
politische Rundschau.
Deutsches Reich.
* Wie neuerdings verlautet, soll die Mnrokkokonsercnz jm November in Spanien stattfinden und zrvar wahrstbein- nb in Cadrx unter dem Vorsitz Morets. Die Nachricht kom7nt aus Spanien selbst und ist bisher nicht amtlich be= glanuigt.
* Die Vorbereitungen . zur gesetzlichen Regelung bei ^chmuttterhaltungspfllcht in Preußen werden neuerdings mit verstärkter Energie betrieben. Von maßgebender Stelle Nt em Nachweis über die vom Fiskus zur Besoldung der ^ehrperjonen, zu^ den Schulunterhaltungskosten und Schul- banfojten, zu leistenden Beiträge ausgestellt worden. Tie Lchulvorstände sind veranlaßt worden, anzugeben, ob der Diskus zu derairtigen Beiträgen und in welcher Höhe bei den einzelnen Schulen verpflick)tet ist und worauf diese Verpflichtung beruht.
* Ueber die Gehälter der etatsmäßigen unmittelbaren Staatsbeamten haben die Preußischen Minister der Finanzen und des Innern eine neue Zusammenstellung der Vorschriften an die Oberpräsidien und Regierungen der Bezirke ergehen lassen. Die Vorschriften fassen die bisherigen Er- üstse zusaninien, bringen daher keine wesentlichen Neuerungen. Sie verbreiten sich über Nachzahlungen, Pensionen, Witwen- und Waisengeld, Berechnung der Dienstzeit, Zrvil- amrärter und die Anrechnung früherer Dienstzeit.
* Die herrschende Fleischtenerung hat in ä ran Hur am Main über 30 Metzger zur Schließung ihrer -ao.n
Ein umfangreicher polnischer Hechperrotsnro'cv irOr-nl öMSubereHen. Auf Gruud eines du, waltchast in Gleiwiy erlassenen Haftbefehls wurde der Be- ^runder der polnischen Bibliothek und mehr" er polnische, Vereine Johann Wyeisk aus Zabrze verhaftet Er soll ge- mcinsam mit anderen Verdächtigen großpolnische Verlün- dungen unterhalten haben. Es sollen bereits hundert Zeugen vernommen werden sein.
England.
** $ei der Vertagung des Parlaments hielt der König eine Rede, in der er die auswärtige Politik besprach. So oruckte er die Hoffnung auf einen baldigen günstigen Ab- schluß der ^riedensverhandlungen zwischen Japan und Rußland aus, erwähnte, daß die Signatarmächte der 5ion- vention von Madrid vom Sultan von Marokko zu einer Reformkonferenz eingeladen seien, und äußerte das Vertrauen, der Unionsstreit zwischen Schweden und Norwegeii werde sich befriedigend lösen.
Russland.
** Nach amtlicher Bekanntmachung sollen die Entwürfe wegen Teilnahme von Volksvertretern an der Gesetzgebung dem Kaiser in der nach seinen Absichten abgeänderten Forin porgelegt werden. — Inzwischen nehmen die Attentate ihren Foirtgang. Ter Polizeimeister von Radom wurde durch eine Bombe verwundet. In Warschau wurde der Verwalter einer seit Wochen gesperrten Fabrik durch zwei Männer erschossen und das ihnen folgende Tienstmädche.n verwundet. — In Petersburg droht eine Hungersnot im Arbeiterviertel.
Balkan-Staaten.
** Das jetzige serbische Mim'tterkabinet unter dem Vorsitz Stojanowitsch hat seine Entlassung eingereicht, da es seine Mission mit der Beendigung der Wahlen für beendet ansieht. Die Demission wurde angenommen.
Hsien.
** Trotz der schwebenden Friedensverhandlungen lassen Die Japaner in den Trnppensendungen nach dem ostasiatischen Kriegsschauplatz nicht nach Täglich werdm Soldaten ausgehoben und nach der Front abgesandt. Auf Sachalin griffen die Japaner gleichzeitig zu Wasser und zu Land eine russische Stellung 20 Meilen östlich Korsa- kowsk an. Nach.zweistündiger Beschießung ergaben sich die Russen in Stärke von 123 Mann.
Hmerzka.
** Präsident Roosevelt sprach in Chautaugna, Staal Newyork über die Munroe-Doktrin und sagte, die südamerikanischen Republiken dürften nicht Schutz auf Grund diese, Doktrin erwarten, falls sie sich der Bezahlung regulärer Schulden entziehen wollten. Er sei belegen, daß sich sremde Nationen zu Herren südamerikanischer Zollämter machten, aber die Vereinigten Staaten würden keinen Krieg anfangen, um europäische Nationen zu verhindern, die Befriedigung gerechtfertigter Forderungen zu erlangen, vorausgesetzt, daß es dabei nicht zu einer Okkupation von Land kommt, bezug auf die Trusts sagte Roosevelt: Wenn sich die bestehenden Gesetze als unzulänglich erweisen, so ist eine wer- tere Gesetzgebung unumgänglich nötig. Memer Meinung nach sollten alle Korporationen, welche zwischenstaatlichen Handel treiben, unter der Aiifsicüt der Regierung stehen..- Roosevelt soll einen Handelsvertrag mltDeut)ch- land vorbereiten.
F)of und Gesellschaft.
. DerKaiser hat in Wilhelmshöhe den Präsidentin der Columbia-Universität Butler und den Dekan von der selben Anstalt Professor Burgeß empfangen.
Soziales Leben.
-i- Beendigung des Lohnstreiks im lächfisch-thuringischen Färücrciqcwerbc. In mehreren Vcriainmlungen in Meeran- beschlossen die ausständischen Färber, die Arbeit wieder aulzunehmen Di Arbeiter nahmen den von der.Vergleich-- konunission vorqefchlagenen Lohntaril von 14-/0. Mk. lu Mlanwau und Meerane und 14,40 Mt für die übrigen Orte an Die Wiederaufnahme der Arbeit soll Dienstag er- fnlaen~ Da sich die Glauckmuer Ausständigen anschlienen, Är Streik b endet mit dem Resultat, baß die Arbeiter ë ne Lobnerhöhnng erhalten. Die drohende Ausiperrung der Tertckarbeiter, die am 19. August stattfinden wllte, Nt mit diesem Vergleich verinieden. . .
4= Schadenersatz für Kontraktbruch. Die bei der Aktien.
t Scho te in Rheydt ohne Kündigung in den Ans- swnd^gewew^ Arbeiter hatten sich vor den, Geiverbe-