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Nr. 163

ZW^rttxSpreiS: Die einspaltige Petit-eile für ganz Ober- Hro, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.

Neklamen die Petitzetle 30 resp. 40 Psg.

Ledaktion u. Hauptexpedition : Gießen, Geltersweg 88.

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(Gießener DageLsatt) Zlnabßângige Tageszeitung (Gießener Weitung)

für OSerheKc« und die Steife Marburg und Wetzlar; Lokalaazeizer für Gießen und Umtielnmn alle amtlichen Bekanntmachunqen der Großh. Bürqermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen * ycUU"^

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fürsorgeer^iebung.

Gesetzgebung und Verwaltung in Reich und Staat haben Anordnung getroffen, daß verwahrlosten Kindern beiderlei Geschlechts Fürsorge zuteil werde. Die unglücklichen Kinder, deren Verwahrlosung meist den gewissenlosen Eltern. und den ganzen wirtschaftlichen und sittlichen Zuständen ihrer Umgebung zur Last fällt, die für gewöhnlich überhaupt ckein' Erziehung genossen haben, sondern schutzlos der Anleitung eines bösen Beispiels überliefert gewesen, werden so früh als möglich von Staatswegen in sogenannten Fürsorge- erziehungs- oder Besserungsanstalten untergebracht. Zweck dieser Anstalten ist offenbar, die ihrer Fürsorge anvertrauten Kinder sittlich zu bessern, die verabsäumte Erziehung nach­zuholen, die Zöglinge zu guten und nützlichen Menschen heranzubilden, sie zum Fleiß, zu'r Redlichkeit, zur Treue, kurz zu allen Tugenden anzuhalten..

Die Aufgabe ist schwer, sehr schwer; und wer kein ganz lingebender, liebevoller Pädagoge ist, den unerschöpfliche Geduld gegen Zornesanwandlungen wappnet, der soll sich ihr nicht widmen. Indem wir unter den dem Fürsorge- Pädagogen unentbehrlichen Eigenschaften die vor allen be­tonen, daß er hingebend und liebevoll sei, wollen wir nicht sagen, daß er keine Strenge zeigen dürfe. Liebe schließt die Strenge nicht aus, nur mit der Härte ist sie unvereinbar. Auch in der Strenge kann die Liebe sich geigen,jinb gerade das Ktnd wird sehr schnell herausfühlen, ob die Strenge, die ihm gegenübertritt, nur ein Gewand der Liebe ist, und wird, wenn das der Fall ist, die strafende Hand küssen.

In Dresden besteht eine Kinder-Bessermngsanstalt, die von der Stadt eingerichtet ist. Der Dresdener Verein für .Anderschutz bat sich veranlaßt gesehen, an den Oberbürger­meister eine Eingabe zu richten, in der als. Erziehungsgrund- satz des Anstaltsdirektorsmitleidlose Strenge" bezeichnet wird. , Dieser merkwürdige Fürsorgeerziehungsleiter sprach den seiner Obhut anbertrauten Kindern und Jugendlichen jedes Recht auf Erbarmen ab. gestattete selbst den sieben­jährigen Kindern weder Freude noch Zerstreuung, nicht ein­mal in den Freistunden, verhängte harte und unbarmherzige Strafen, ließ an Knabm und Mädchen vor versammelter Klasse bis zu 30 Stockschläge verabreichen. Er verharrte bei dieser Erziehungsmethode, obwohl er selbst zugestehen mußte, daß ihre Erfolgegleich Null" gewesen. Vielleicht war er der einzige, der sich darüber wunderte. Sicher ist, daß der Dresdner Verein für Kin der schütz der Meinung war, die man auch anderwärts teilt, daß Mangel an Liebe zur Verbitterung führt und alle guten seelischen Kräfte lähmt.

Wenn wir erwähnen, daß der Leiter der Dresdner siädtischeu Kinderbesserungsanstalt, der der unbedingten Ab- fchreckungsmethode bei Kindern huldigte, seit einiger Zeit wegen Verunkreuung von Anstaltsgeldern eine Gefängnis­strafe verbüßt, so tun wir das nicht, um dem Wunsch Aus­druck zu geben, daß er im Gefängnis die Behandlung finde, die er den Kindern hat zuteil werden lassen. Wir tun es, um die zuversichtliche Erwartung zu begründen, daß die Zu­stände in der Dresdner ?snüalt ebenso Ausnahmezustände gewesen sind, wie der Dresdner Anstaltsleiter eine Aus- Mhmeerscheinung unter seinen Kollegen ist. Wir wissen, daß arderwärts mit den entgegengesetzten Methoden die besten, erhebendsten Erfolge erzielt worden sind Wir haben Ge­legenhüt gehabt, eine'rsorineanstalt zu sehen deren greiser Leiter übrigens durch seine Liebestätigkeit weithin bekannt G^otben ist; in dieser Anstalt herrscht nicht Furcht noch bittern. Die Kinder hängen mit zärtlicher, inniger Liebe on dem Anstaltsleiter, dessen Liebe sie nur vergüten. Mit herzlicher Freude sehen sie ihn kommen, mit unbedingtem vertrauen blicken sie zu ihm auf. Man darf sicher fein: aus dieser Anstalt werden die Pflegebefohlenen als wackere, ver­gliche. mit Kraft gegen Versuchungen ausgestattete Men­schen hervorgeben.

^^ wir davon entfernt sind, die traurige Dresdner i toie He unter dem seitherigen Direktor gewesen, für t° können wir doch die Vermutung nicht Tref^ die andere Anstalt mit ihrem Muster KSÄ^ Die Einaè an den Dresdner E r^k^ n ^n ic'=f alürHicl) beseitige Zu- lanbe n»h h sollst allen AnMcktsbehördcn der ^iirsorne, kr^enunnsnnstalten im aamen 'Reich H damit eine Finnen her @r^

Jie Ssnftalten aeleife* werdet ÄnÄJiSÄ 1*5 d^ 3iirforaeeruebnna§= und Sielfernna^nfMHen^ t* «uFerlirb her ^fönani^arafter «enomÄ Ä iorf hort weder ^rei beif strafen no» PolimiMe S-kmdman- ^!Ü"> Strntlinnskleidiinn neben. Die Söalinae sin^d .Jacfi Alter und ©eWedit. nach dem Grade her Verwalm- HW, auch nach her' Art ihrer sittlichen Gebrechen tun- mit in Grnnnen üh sondern und müssen grutwenweis. in »0a!wfiische Behandlung geaeben werden. Ein Erzieher, M mit herrlicher Liebe und Hinaebiing, mit "nerschönflicher *1 und nie misset,endem Erbarmen an die Anfaabe ber- N'u.V^'^ unarmes-lichen ®>aen schaffen. Die Möglich- leit ist da. das beweisen die Beishiele.

Freitag, Den 14. Juli 19 ü 5.

Gie ßener

Intriguen am Zarenbofe.

Vig. Bericht.) , St. Petersburg, 12. Juli,

Die Wahl des Grafen "Murawiew zum Friedensunter-- Handler mit Japan war ein Beweis dafür, baß Rußland zur- âeit feine Staatsmänner von Bedeutung zur Verfügung hatte. Sie mögen wohl vorhanden sein, aber sie bhten sich den An­forderungen dar, die gegenwärtig an sie gestellt werden und die im wesentlichen darin bestehen, daß sie eine Politik trü­ben sollen, die nicht ihre Politik ist. Immerhin war es eine Art Überraschung, daß die Kreise, die Hintw den Koulissen die Geschäfte des Landes führen, sich gezwungen gesehen haben, gar so unbedeutende Männer mit der Staatsprokura auszustatten Murawiew ist jetzt durch den Ministerpräsiden­ten Witte ersetzt worden. Obwohl diese Wahl als eine glück­liche gelten kann, ist das Hin- und Herschwanken dw beste Beweis für die Ratlosigkeit, mit der man in Petersburg den Dingen gegenübersteht. Der Zar will jetzt den Trieben, dann er will immer aufrichtig, was er gerade sagt; aber die Großfürsten wollen ihn nicht. Nicht, als ob plötzlich persön­liche Kriegslast bei ihnen erwacht wär?! Von solchen Re­gungen sind sie weltenfern. Sie sind kriegslustig aus Angst, aus Furcht vor dem Hee'r, das den Krieg in der Nähe ge­sehen bat, und von dem sie glauben, daß es ihnen noch weni­ger Bürgschaft für fortdauernden blinden Gehorsam bieten würde, als das Friedensheer daheim, in dessen Reihen, auch den Offizierreihen, es schon längst bedenklich gährt. Die Neservelcute, die man doch entlassen müßte, würden Apostel der Unzufriedenheit fün, jeder in seinem Dorfe, und die revolutionäre Bewegung erhielte neuen Anstoß. Daß Ge­neral Linewitsch und selbst General Kuropatkin vom Frie­den abraten und baldigen Sieg versprechen, ist an sich ohne Belang. Diese Organisatoren der Niederlage, diese Rück- zugsstrategen, die sich jetzt auch unfähig gezeigt haben, die Insel Sachalin zu behaupten, die regelmäßig vor jeder ver­lorenen Schlacht den unmittelbar bevorstehenden Sieg ver­kündet haben, können gar nicht anders, als die Fortsetzung des Krieges verlangen. Wird gleichwohl ber Friede geschlof­fen, so bat man sie gehindert, die bereits reife Frucht des Sieges zu pflücken. Freilich hätten sie früher Schlachten verloren aber natürlich nicht durch ihre Schuld und inzwischen hätten sie gelernt, hätten die Truppen gelernt,

trauen auch bem Frieden nicht und setzen deshalb unbeirrt Iben Krieg fort, lassen sich auf einen Waffenstillstand nicht lein. Hier aber erwartet man von irgend einem :invorher- sgssehenen Ereignis, das der nächste Tag bringen soll, das Heil. Man hat es aufgegeben, über die Stunde hinaus zu rechnen. Beweis dafür ist die Haltung gegenüber China. Die etwas bu'rleske chinesische Forderung, die Kriegführen­den sollten beim Friedensschluß Chinas Rechte und Interessen respektieren, hat von Japan eine ebenso höfliche wie -mt- schiedene Antwort dahin erfahren, daß Japans Plön? und Handlungen durch die chinesische Note in keiner Weise be­einflußt würden. Rußland hat überhaupt nicht geantwortet. Möglich, daß der Chef desasiatischen Departements" das für sehr stolz hält. Jedenfalls war es bequem. Klüger wäre es vielleicht gewesen, gerade jetzt China etwas sanfter zu behandeln. Selbst wenn man die Fortsetzung des Krieges will. Die Entscheidung über Krieg und Frieden aber wird ziemlich bald erfolgen, nicht in Washington, sondern in Mos­kau, nicht durch Murawiew und Genossen, die Bevollmäch­tigten des Za'ren, sondern durch die Semstwo-Vertreter, bi- Bevollmächtigten gegen den Zaren.

* *

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Hbermats ein erlass des Zaren,

Die Welt hat kein besonderes Vertrauen mehr zu den schriftlichen Kundgebungen des Alleinherrschers aller Reußen. Von demberühmten" Medensmanifest angefangen bis zur jüngsten Kundgebung über die innere Politik hat sich immer wieder gezeigt, daß der Wert der schönen Worte jedesmal nur ein äußerst illusorischer war. Die Taten blieben aus. Abermals läßt sich die Stimme des Zaren oder diejeuige seiner geheimen Räte in einem Erlaß an den neuernauiiteu Marineminister Virilem vernehmen. Nach den erschütlern- Len Katastrcphen im Kampfe gegen die Japaner, nach der Entschleierung der unglaublichen Zustände in der russischen Flotte durch die Vorgänge im Schwarzen Meer kann man es wohl verstehen, wenn in Petersburg sich die Augen der Regierungsgelualtigen voller Sorge auf die Marine richten.

Der Kaiser erinnert in bem Erlas; an die ununter­brochenen Niederlagen der Flotte, die sie der Moglichtcit beraubten, der Landarmee ihre Arifgabe zu erleichtern rui einen Er folg berbeizuführen. Der Kaiser beklagt den -Ler- lust herer Seeleute die ihr Leben für das Vaterland da- hingkMben haben, und sagt dann dah es eine Pflicht gegen das Vaterland sei, hab alle Seeleute nach Krotten an der Erneuerung her Streitkräfte zur See die lur Ruhland unentbclnlich seien, und an der Heranbildung und Vor­bereitung eines geeigneten Personals mitarbeiten, da- Rowuspscin seiner Pflichten durchdrungen fei. Der Ko7ser sog in dem Erlob ferner, Admiral Bir-lew S ^rfrhr. na und militärisches Verständnis an den Tag gelegt Er habe einen Unter ebenen frischen Geist und das Bewubtstin von der nationalen Wichtigkeit ihrer Arbeit

-------------14. Jahrgang âkbräckt'èo'N^?^ ' °bgeh»It monatlich 50 Ulfq.. in'« Hau» durch die Post bezogen vierleljährl. Mk. 1.L0. dEâ^^dE"^: Oberhesfische Famitte»zeit««g (täglich) und die Gießeu.r eeifeeHafc* (wöchentlich), ^a^ Blatt erscheint an alle« Werktagen nachmittags.

Sübcrto rm ^^^ erlauben, mit rechnen Mi ?ÄCI CV ^"ouerung der Flotte zu er ihm'hiP nL!f r Q ^"^nung zum Minister vertraue dem Reck p A ^'kunq des Mannedeportements mit oem Rechte an ihn persönlich über alles darauf Bezügliche Vortrag zu halten. Die jüngsten Ereignisse im Schwarzen Meer beweiien, daß der militärische Gehorsam bei den ^an^ vollUandig geschwunden ist und daß die Vor­gesetzten ihre Wicht mc[)t erfüllen. Der Kaiser legt bem Admiral al-> eipe Pflicht auf, den Geist militärischer Ord­nung wiederherzustellen, und dafür zu sorgen, daß die Flotte ihren Pslickpen nachkommt. Bezüglich der Neu­organisation der Flotte verlangt der Kaiser, daß der Ma- rineminiHer augenblicklich mit der Sicherung der Ver- teidigung der Kristen aller russischen Gewässer beginnen und hierauf Schritt für Schritt den vorhandenen Mitteln entsprechend die Schlachtflotte wiederherstelle.

Ob wohl bei diesen Ermahnungen etwas mehr heraus- femmen wird als ein Bogen beschriebenes Papier? Auch der tüchtigste Admiral wird nichts ausrichten können, wenn die r V/--^? r 9 e V Regierung nicht ernstlich darauf bebadjt i]t, durch wirkliche Reformen die verrotteten ^^^^^^n^^ nicht allein im Heer und in der Flotte, sondern im ganzen Lande zu bessern.

politische Rundschau.

Deutsches Reich.

Das deutsche Kolonialamt soll einer vollständigen Um« gestaltung unterzogen werden. Die Art und Weise der Neu­ordnung wird beim nächstjährigen Etat zum Ausdruck kom- inen. Vis jetzt ist über die Einzelheit^ noch kein endgül­tiger Beschluß gefaßt.

* Mit dem 1. August d. I. tritt nach dem Beschluß des Bundesrats eine neue Zollgcbühren-Ordnung in Kraft. Nach wie vor dürfen im Zollverkehr für Amtshandlungen, die an Amtsstelle innerhalb der festgesetzten Dienststunden ausge­führt werden, in der Regel weder Gebühren erhoben noch den Beamten Vergütungen aus bet Reichskasse bezahlt wer­den. Lösch- und Ladeplätze stehen den Amtsstellen gleich. Gebührenfrei bleibt die Abfertiaung des Reisegepäcks, der Frachtgüter unter Wagenverschluß, die Schiffslüchterungen auf dem Rhein und seinen Nebenflüssen u. s. w. Die Reichsregierung ist nicht geneigt, den lautgewordenen An­regungen auf Errichtung eines Reichs-Zollgerichtshofes zu entsprechen.

Der preußische Finanzminister will in seinem Verwal­tungsressort eine mildere Behandlung bei leichteren Verfeh­lungen durchführen. Die förmlichen Ladungen sollen im Falle kleinerer Zuwiderhandlungen gegen die geltenden Be­stimmungen durch persönliche Bestellungen ersetzt, die Untw- suchungsangelegenheiten nicht mehr als Strafsache bezeichnet werden. An Stelle der Vernehmung an Anttsst.-lle soll mehr als bisher die schriftliche Aufforderung des Beschuldigten zur Erklärung angewandt werden. Außer bei Wechsel- stempelsachen soll namentlich auch bei sonstigen Stempel- sachen bei Zuwiderhandlungen gegen das Gewtz über die Statistik des Warenverkehrs mit dem Auslande sowie bei Zoll- und Steuerordnungswidrigkeiten von einer Vorladung und Vernehmung deA Beschuldigten Abstand genommen werden.

* Die Senatsbehörden der preußischen technischen Hoch­schulen haben allgemein die Einschränkung des Studiums der Ausländer an den Hochschulen durch Erschwerung der Au.- nnbmebedingungen für das nächste Semester verfügt. Man will besonders der Uebe'rschwemmung mit russischen und pol­nischen Studenten entgegenarbeiten.

* Die Verhandlungen über den Abschluß eines Handels­vertrages zwischen Deutschland und Bulgarien sind nach mehrmonatiger Dauer zu Ende geführt. Die formelle Unter» zeicknung ist für die nächsten Tage zu erwarten.

' Am 15 Juli werden die Eisenbahnverblndungen an der vreußisch russischen Grenze eine Erweiterung ersagrcn. Mit diesem Tage wird auf der Linie H^w^npochau der bis­her als Privatanschluß betriebene Verkehr zwischen der preußischen und der russischen Station Herbtz endgültig der öffentlichen Benutzung übergeben.

frankrcich.

** Die Deputiertenkammer hat das Gesetz über die ^wangsversicherung von Greisen und Siechen einstimmig

Admiral May ist in Begleitung von 11b Ossigieren Nes Sc schwaders in Paris eingefroren.

England,

o PÄrmhene im englischen Unterhause kam es, 3U S Arbeiterpartei Keir Hardie die Re-