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§ Das Urteil im Pückler-Prozeß lautete wegen Wider­standes gegen die Staatsgewalt und Vergehens gegen die öffentliche Ordnung auf Gefängnisstrafe von 6 Monaten. Pim Schlüsse der Verhandlung gab es noch eine dramatische Szene. Als der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Kanzow das Urteil verkündet hatte und die Begründung gab, in der die Roheit in der Ausdrucksweise Pücklers um so schärfer getadelt wird, als es sich um einen gebildeten Mann, einen Edelmann handelte, sprang Graf Pückler erregt auf und riaf dem Vorsitzenden in drohendem Tone zu:Sie werden die Folgen dieses Urteils tragen, wir werden uns mit der Waffe weiter sprechen!" Wegen dieser Handlungsweise, die der Vor­sitzende alsunerhörte Ungebühr und Unverschämtheit" be­zeichnet, wurde Graf Pückler vom Gericht in eine sofort zu vollstreckende Ungebührstrafe von 3 Tagen Haft verurteilt und sofort vom Gerichtsdiener abgeführt. Schon im Laufe der Verhandlung war es zu einem Zusammenstoß Pücklers mit bem Staatsanwalt gekommen, den er wegen einiger Aus- dincke ebenfalls mit einer Forderung bedroht hatte-, es war indessen gelungen, ixen Grafen zu beruhigen. Ausdrücklich hatte der Gerichtshof festgestellt, daß nach seiner Ansicht Unzurechnungsfähigkeit des Grafen Pückler durchaus nicht vorliege.

^runhsucbtsbcilung durch Hypnose.

(Von unserem medizinischen Mitarbeiter.)

Der Hypnotismus hat wohl die Zeit seiner höchsten Blüte überschritten. Man hat sich an seine tatsächlich festgestellten Eigensck)aften gewöhnt, und was ihm sonst noch angedichtet wird, hat stark an Interesse oder doch an aufregendem Ein­fluß verloren. Immerhin wird es auch heute immer noch Leutle geben, die teils aus Aberglauben, teils aus Eigennutz betupfen, daß der Hypnotiseur fast jede Krankheit zu heilen tonuScie, die uns sterblichen Menschen begegnen kann. Auch bir gasigen und moralischen Unzulänglichkeiten werden da­von nicht ausgeommen, und man muß alberdings zugeben, daß gerade auf diesem Gebiet eine hypnotische oder suggestiv Berrnslussung am ehesten Erfolg verspricht. Daß der Hyp- notiLmus auch bei der Bekämpfung der Trunksucht eine heil­same Rolle zu übernehmen merrnag, wird sogar von einzelnen Aerzten behauptet. Man wird aber gut daran tun, auch dieser Aussage mit großer Vorsicht zu begegnen. Es mag Fälle von zeitweiliger Trunksucht aus unglücklicher körperlicher Veranlagung oder aus Vererbung geben, bei denen die hyp­notische .Willensbeeinflussung, wenn sie gescknckt gerade 311 rechter Zeit angewendet wird, gleich einer andern therapeu­tischen Maßnahme einen Anfall des Leidens abloenden oder mildern kann.

Bei dieser Art von Trunksucht handelt es sich um eine Art von körperlicher Krankheit, nicht um ein erworbenes Laster. Die Willenskraft, die den Kranken zur Zeit des An­falls verläßt, ist doch in der Zwischenzeit vermutlich vor­handen. Auch dann aber vertritt die ärztliche Wissenstest den Standpunkt ,daß cs eine weit vernünftigere unb wirk­samere Art der Behandlung wäre, den Kranken bei den ersten Anzeichen eines Anfalls zu isolieren und ihm den Alkohol gewaltsam vorzuenthalten. Damit kann dann noch eine be­sondere ^âzrnische Behandlung Hand in Hand gehen, die auf eine Unterstützung und Anregung des Allgemeinbe- find-ens während der Krisis hinwirkt. Bei der überwiegenden Mehrzahl von Trunksüchtigen ist ein erworbenes Bedürfnis vorhanden gleichzeitig mit einer Schwächung der Wid^r- standskrafft gegen die der Hypnotismus oder eine Suggestion in weiterem Sinne meist nicht ausreicht, um eine Heilung bervorzubringen ,wenn auch unter besonders günstigen Um- ständen eine solche vielleicht einmal auf diesem Wege erzielt werden kann.

Was Not tut, ist die Behandlung von Trunksüchtigen in wirklich wissenschaftlich geleiteten Anstalten, wo von me* dizinischer und moralischer Seite alles geschieht, um die rv< lahmte Willenskraft zur Auflehnung gegen den übermäßigen lllkoholgenuß zu wecken. Insoweit der Hypnotismus einer 'olchen vernünftigen Behandlung den Boden abgräbt oder )as Vertrauen des Kranken an die Möglichkeit enr: Hen üng erschüttert, ist ec unbedingt zu venr^rsen-

Sin sonderbarer Lebenskün stier.

(Son unserem medizinischen Mitarbeiter.)

Kaum in einem Punkt des täglichen Lebens weichen die Mensckien mehr von einander ab, als in ihren Gewohnheiten Liebhabereien, Abneigungen und Sonderlichkeiten beim Essen und Trinken. Die verschiedenen Richtungen des Vege­tarianismus mit seinen Uebertreibungen deuten schon an, wie weit die Verschrobenheit in dieser Hinsicht zuweilen geht. Ein besonders schönes Beispiel aber für die Art von geistiger Verirrung gegenüber dem Essen und Trinken lieferte ein Vortrag, der kürzlich vor derGesellschaft zur Kultur der körperlichen Gesundheit" in Manchester gehalten worden ist. Der Mann faßte seine Ansicht dahin zusammen, daß er so peinlich alle gewöhnlichen Nahrungsmittel verdammte, und die für die Hcniptursache der Krankheiten erklärte. Natürlich trat er auch, dafür ein, daß die Hygiene, das heißt wohl: seine Lehre, in allen Schulen verkündet werden müßte, und )ält die Unterrichtsbehörden für moralisch verantwortlich für den jetzigen Zustand. Gegen das Salz schleuderte er zuerst einen Bannfluch, das er als nicht weniger schlimm erklärte Us Arsenik. Nur das natürlich pflanzliche Salz, das ge- nöhnlich ausgekocht und fortgeworfen werde, sei dem Men­cken zuträglich, während das mineralische Salz garnicht in )en Körper ausgenommen, sondern nur im Blut gelöst werde- Wenn solche Mineralien des Erdbodens, wie Salz, Soda, ^alk, Eisen, Phosphor, Sclyvefel, Kohle gegessen würden, so verstopften sie den menschlichen Körper in derselben Weise, eie Staub und Schmutz eine Maschine verstopfen. Auf den Nenuß von Salz, namentlich wenn es mit eingesalzenen Zischen, Fleisch, Speck und Schinken genommen wird, führt )er Apostel der neuen Ernährungsweise auch den Ursprung Der Krebskrankheit zurück.

Uebrigens ist diese Ansicht keineswegs neu und wird von Dielen ebenso fest geglaubt, wie man vor 50 oder 60 Jahren Darauf schwor, daß Salz und Spirituosen alle Krankheiten -eilen könnten. Dann wurde ein Kollektivbannfluch auf die jöllischen Gewürze geschleudert, auf Senf, Pfeffer, Ingwer, Gewürznelken, Muskatnuß, Rettig, die englischen Saucen, kssig, die verschiedenen Sorten der Pickles. Soweit mag es wch gehen, ebenso ist ein kleiner Teil davon zu billigen, was legen die Benutzung von Borax, Borsäure, Soda, Back« mlocr, ( 'remor tartari sowie von Anilinfarben und schwefel-

aurem Kupfer zum Färben gesagt werde,. Darum wird es über nicht nötig sein, daß, wie es hier verlangt würde, nie- nand mehr Gelee, Marmelade, Milch, Butter, Margarine, Käse, Würstchen, Erbsen, Pökelfleisch, Büchsenfleisch, Fische, Schinken, Speck und Konserven überhaupt essen dürfe, ehe richt die Einführung solcher Gifte in unser Blut durch diese Nahrungsmittel gesetzlich durchaus unmöglich gemacht sei. Selbstverständlich tourben ferner Tee, Kaffee, Kakao, Alkohol und auch Fleischextrakt durchaus verworfen, die nicht Nah- mngsmittel, sondern schädliche Reizmittel und wahre Mörder unserer Nerven seien. Weiterhin seien alle Mineralwasser im allgemeinen ungesund, weil sie Weinstein und Kohlen­säure, Saccharin, künstliche oder mineralische Färbemittel mthalten. Die einzige für den Menschen notwendige Flüssig- 'eit sei Wasser. Das ist nun besonders fatal, weil der Mensch aerobe durch das Wasser, wenn es nicht sehr rein ist, am sichersten zu ansteckenden Krankheiten kommt. Auch Zucker und alle Nahrungsmittel, die solchen enthalten, seien unzu­träglich. desgleichen natürlich Honig, während getrocknete, ehr süße Früchte, wie Datteln unb Feigen, wenigstens etwas besser seien. Eine andere volkstümliche, aber krankheitbrii- tenbe, todbringende Gruppe von Nährstoffen seien die Fette. Sie bringen dem Menscl>en Fieber, Kopfschmerz, Er­kältungen und allgemeine Körperschwäche, und es sei fast unmöglich, eine Ohnmacht, einen Schlaganfall oder einen Herzfehler zu erleiden, wenn man diese Nahrungsstoffe ver- neibe. Etwas Fett sei ja wobl nötig, aber nicht mehr als schon im Brot, in Haferschleim, Mais, Mllch, Nüssen und im Fleisch von natürlich auf der Weide und nicht künstlich er­nährtem Vieh zu letzterem werden Schweine und Preis­ochsen gerechnet enthalten sei. Es würde wohl aber doch .'twas schwierig sein, nach den Lehren dieses Fanatikers diese mgestandenermaßen notwendige Menge Fett zu bekommen. Fa, wenn man dann das Essen wohl lieber ganz aufgeben mürbe- Weiterhin werden nämlich auch noch auf die Pro- skriptionsliste gesetzt Pasteten, Puddings, Kuchen, alle ein­fachen und besonderen Brotsorten, Biscuits, Eingemachtes und andere stärkehaltigen Nahrungsmittel, die irgendwelche tierische ober pflanzliche Fette, Oele oder Butter ent­halten.

Am Schluß fragte ein Zuhörer ängstlich, ob der Vor« -ragende ihm wohl sagen möchte, was er essen solle. Er er- hielt die Antwort, daß nur Gemüse, Reis und Salat zu rmpfehlen seien, und nur, nachdem man das fünfund- dreißigste Lebensjahr überschritten hätte, dürfte man auch uoch einige andere Dinge essen, ohne Leben und Gesundheit ju gefährden. Uebrigens kann man diesem heiteren Bericht ruch noch eine ernste Seite abgewinnen. Das Tohuwabohu, bas im Gehirn dieses Mannes bezüglich der richtigen Er- mhrung des Menschen herrscht, ist ein bedenklicher Beweis dafür, was eine Halbbildung für schädliche Folgen haben ann. Es braucht sich damit nur noch ein gewisses äußeres Zeschick zu verbinden, und eine neue Sekte ist fertig, die so und soviel Menschen geistig und gesundheitlich schädiat.

Vermischtes.

sEine sonderbare Berichtigung) leistet sich das Dres­dener Amtsgericht. Es veröffentlicht imDresdener An­zeiger" folgende Bekanntmachung:In der am 4. Janaar 1905 veröffentlichten Bekanntmachung des unterzeichneten Gerichts vom 2. b. M. ist unter Nr. 8 irrtümlich abgedruckt worden: Allgemeine Orientierungssäulen-Gesellschast mit beschränkter Haftung und Allgemeine Orie 'tierungs-Säulen- Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Dresden. Anstatt dessen hat es richtig zu lauten: Allgetneine Orientierungs- säulen-Gesellschast mit beschränkter Haftung unb Allgemeine Orientierungs-Säulen-Gesellschaft mit beschränkter Haf­tung in Dresden." Ein normal veranlagter Mensch wird sich vergeblich den Kopf darüber zerbrechen, was das Dresdener Amtsgericht mit dieser Berichtigung sagen will.

sBrief eines Polen aus Deutsch-SndwestafrikaZ Bei einem deutschen Bäckermeister in Hohensalza war ein Ge­selle in Arbeit, der ein Pole war, sich aber dennoch für die Schutztruppe in Südwestafrika anwerben ließ. Mit rühren­der Anhänglichkeit sendet er seinem früheren Meister Be­richte über seine Erlebnisse, aus denen stets deutlich die Zu- i.rcdenheit mit dem Dienste dort unten und der Stolz über die Erfolge der deutschen Tnippen und der Zugehörigkeit zu diesen spricht. DerKuj. Bote" veröffentlicht einen dieser Briefe (vom 7. Dezember) aus Windhuk, in dem es heißt: Ich habe noch nid) kein Hunger gelitten, denn ich spiehle Becker. Lüber Meister, ieß geht in Süden Los mit Witbois, die Kriglm wihr auch klein, eben soh wie die Hererohs. Ich ben bei eine grose Profandt Kolon, ich habe Schohn 100 Mal Büwackihrdt in Felde, aber die Colonen übervalen die nick, tveil die zu Große Angst haben, so vihl ich weiß, wird Bahldt Schlus mit Hereros. Hin mahl und wider fenbt noch Kleine Gefecht Mit Herero Aber so vihl wie ich weis haben die genuch Stof gekricht unb krigen noch immer zuch Pulver . . . Jeder Schus ist nich umsonst bei deutscher Macht." Schließlich äußert sich in dem Briefschreiber doch die Sehn- sucht nach der Rückkehr nach Deutschland und nach seinem deutschen Meister, wo es ü)m so gut gegangen. In einer Ansichtskarcke aus Windhuk vom 11. Dezember sagt der Ab­sender:Unsere Deutsche Trupen ferlihren nich den Mut unb Kostet es noch so vihl Blut."

** Zunahme von Invalidenrenten. Die durch das neue Invalidenversicherungsgesetz geschaffene Krankenrente mirb denjenigen Versicherten, die während 26 Wochen ununter­brochen erwerbsunfähig gewesen sind, für die zeitweise wer­tere Dauer ihrer Erwerbsunfähigkeit durch Krankheft ge­währt. Im Jahre 1903 war die Zahl der Versicherten, die diese Rente erhielten, schon auf 8977 angewachsen. Da dre Zahl der im gleichen Jahre bewilligten Altersrenten 12 374 betrug, so dürfte die Zeit nicht mehr allzufern sein, in wel­cher der Zugang von Krankenrenten den von Altersrenten übertreffen wird. Der durchschnittliche Jahresbetrag der Krankenrenten ist jetzt der bedeutendste unter den drei Ren- tenarten. Bei den Invalidenrenten beläuft er sich auf 152,27 Mark, während er bei den Altersrenten 155,38 Mart und bei den Krankenrenten 155,94 Mark beträgt. In die sem Verhältnis wird sich jedoch mit der Zeit zu gunsien der Jiivalidenrenten eine Aenderuiig vollziehen. Je länger die Versicherung auf Grund des Jnvalidenversicherung^gesetzes dauert, um so größere Beitragssiimmen sind Don den ein­zelnen Versicherten gezahlt und um so höher berechnen sich die dann festzustellenden $m alibenrenten. Es darf deshalb angenommen werden, daß schließlich der durchschnittliche Jahresbetrag der Invalidenrenten der bedeutendste unter den drei Rentenarten werden wird. '

[Gin greises Brautpaar) wurde kürzlich in Howard City ehelich verbunden. Der junge ©atte zählt 92 Jahre, bte Gattinnur" 83. Der Feier wohnten 43 Enkel und U». enkel des Brautpaares bei.

sDie DreikönigsfrauZ In Offenburg wirrde eine Frau beerdigt, in deren Leben das WortDreikönig" eine große Rolle gespielt hat. Sie wurde im Jahre 1845 am Drer- königstag geboren unb zivar als Tochter des Besitzers des Gasthauses zu den drei Königen. Im Jahre 1866 verhei­ratete sie sich an einen Gastwirt, dessen Besitztum ebenfalls nach den drei Königen benannt war. Schließlich starb sie auch am Dreikönigstag des Jahres 1905. Ihre Söhne führe« das Gasthaus zu den drei Königen weiter.

sWas der deutsche Gott nicht versteht.) Eine sonder­bare Ansicht entwickelte ein Italiener, der in Bonndorf bei einem Bau als Handlanger beschäftigt ist. Antonio sollte einen großen Stein nach dem Bau wälzen. Bei der schwe­ren Arbeit fluchte er aber natürlich in der Sprack)e fei­ner Heimat so lästerlich, daß ihm die dabeistehende Tochter Ves Bauherrn lächelnd mit den Worten drohte: Aber Antonio, wenn das Gott hört." Aber Antoni» grinste nur und sagte:Mackt nix, Signora, Gott in Deutsch­land versteht nir italiano!"_________________________________

Lokaler.

14. Januar 1905

[Der Nachdruck unserer mit besonderen Zeichen versehenen Original-Ariilel iR t mit der genauen Quellen-Angabe gestatt el.)

P. In vergangener Nacht wurde am Gießener Bahnhöfe ein lüderliches Frauenzimmer betroffen und zur Haft gebracht. Gleichfalls wurde ein junger Mensch in einem in der Rodheimecstraße befindliche« Gartenhaus obdachlos betroffen und verhaftet.

K Zur Beratung über die Gründung einer Polizeischule fand am Samstag in Darmstadt eine Konferenz statt, an der Vertreter des MinisterinmS Pcovinzialdirektor v. Grancy, der Oberbürgermeister der größeren Stadt und die Poltzeiamtmänner des Groß­herzogtums teilnahmen.

V Direktor Martm Stein's Original japanische Schauspiel-Gesellschaft, welche hier am 16. Januar im Stadttheater gastiert, sührt, um ein möglichst getreues Bild der dortigen Theateiverhältn'sse zu geben, ihre gesamten Ori- ginal-Dtkorationen und Kostüme mit, welche sich insbesondere durch die reichste Farbenpracht auszeichnen. Der Souffleur ist in Japan ein absolut Ungewöhntes, da speziell im histo­rischen Drama der Schauspieler seine Rolle durch Ueber­lieferung erlernt. So oft auch schon in Sagen eine Au- näherung an europäische Bühnenverhältn fle versucht wurde unb die europäische Musik eingeführt werden sollte, gat man schließlich doch davon absehen müssen, da daß Volk der modernen Musik der westlichen Kulturvölker keinen Geschmack abgewinnen konnte. So führen den auch unsere dramatische» Gäste ihre original-japanischen Musikinstrumente mit sich, die, wenn auch uns-r Ohr eigentümlich berührend, wesentlich dazu beitragen, der Vorstellung das echte Gepräge asiatischer Kunst zu v rleihen. Einführungen in die Handlung sind zum Preise von 20 Pf. bei Herrn Ernst Challrer im Vorverkaxs

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A Der Bürgrövereiu Gießen hat in seiner vorgestrigen Versammlung des die vorbereitenden Arbeiten erledigenden Comites seine Konstituirung erfahren. Unter den 230 Mitglieder, die der Verein als gewiß ansehnliche Zahl schon zu seiner Begründung hat, finden wir Namen aus allen Kreisen und Stände» unserer Vaterstadt und nach dem bisherigen rege» Interesse in Gewerbetreibenden -, Professoren -, In­dustriellen-, höheren und niederen Bcamten-Kreisen z» schließen, wird die Beteiligung noch eine weit größere Ausdehnung annehmen. Die Auflegung von Einzeich­nungslisten, die auch die Namen der bereits beige­tretenen Mitglieder enthält, wird nächster Tage in verschiedenen Buchhandlungen und Cigarcengeschästen erfolgen, so daß Jedermann, der Interesse für städtische Angelegenheiten hat, seine Mitgliedschaft betätige» kann. Die für Ende dieses Monats vorgesehene erste Generalversammlung, die die Aufgabe haben wird deg Vorstand zu wählen, die Statuten zu prüfen, etc., wird ferner, u. a. beschließen welche ganz besondere« städtische Interessen berühende Vorträge und daran anknüpfende Discussion in allgemeiner Ver­sammlung zunächst gehalten werden sollen. Die Bestrebungen des jungen Vereins sollten deshalb bei Jedermann gewürdigt werden und volle Unterstützung finden, zum Wohle unserer aufstrebenden Vaterstadt.

* Roch einmal die Bahn Lich-Grünberg. Vom Lande schreibt man uns. Wir erfahren, daß gegen die Bahn unter anderem auch angeführt worden ist, die Landleute (Bauern soll gesagt sein) würden sich nach der Großstadt Gießen ziehen, oder Butzbach. Nun erstlich ist Gießen noch lange keine Großstadt, kann es aber werde», ebenso wenig Butzbach. Dann aber täuscht sich der betr. Herr im Landvolke ganz besonders. Gerade das Landvolk ist in der Beziehung des EinkaufenS feiner Waaren oder Bedürfnisse durchaus Conservativ. Seit hunderten vov Jahres hoben die Landbewohner in Grünberg gekauft. Soweit nicht im eigenen Orte Geschäfte entstanden sind, tun sie es auch jetzt noch und werden es auch in Zukunft tun. Wo­durch sind denn die jetzt so großen Geschäfte jeglicher Branche in Grünberg zu der Blüte gebracht, in welcher sich dieselbe« befinden? Waren diese Geschäftshäuser etwa schon vor dem Bahnbau Gießen-Alsfeld vorhanden oder sind sie erst später, zum großen T"ile durch die rascheren und Viel bequemeren Serbin.ungen durch Bahn und Post empor gekommen? Es ist wirklich etwas naiv, bei den guten ja mitunter glänzenden Grünberger Geschäften, eine solche Jereminade anstellen zu wollen. ' Aber noÄ viel naiver unserer Land­bevölkerung ein solches Armutszeugnlß auszustellen, daß die­selbe durch eine solche kurze Bohnftrccke sich sollte auL ihrer alten Gewohnheit herausbringen lassen. Die Grünberger Herren glauben so etwas doch wohl f Jbft nicht.

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